Joseph Roth, der guckt auch so

Joseph Roth, der guckt auch so. Artikel von Christian Erdmann.

Joseph Roth Diele

4 Kommentare zu „Joseph Roth, der guckt auch so“

  1. Avatar von hotfox63

    Sehr schön. Die Fotografie von Roth auf dem Bahnsteig wurde im Frühling 1926 aufgenommen. Es gibt auch eine interessante Joseph Roth-Biographie von David Bronsen.

    1. Avatar von Christian Erdmann

      Danke für den Bronsen-Tip! Und auch für die „Bildunterschrift“, Joseph Roth, auf einen Zug wartend – mein liebstes Bild von ihm, sehr berührend.

      1. Avatar von hotfox63

        Das war auch eines der Lieblingsbilder von Jörg Fauser, beschrieben in seiner „Hommage für Joseph Roth“: „Roth im Frühling 1926 auf einem Bahnsteig wartend. Vor einem Gepäckwagen, von dem man nur einen Ausschnitt sieht, sitzt Roth auf seinem Koffer. Der Waggon ist bedeckt mit den üblichen, mit Kreide geschriebenen, bahntechnischen Chiffren; über Roths linker Schulter sieht man einen von einem Kreis umschlossenen sechszackigen Stern. Roth sitzt im Halbprofil, sein Gesicht tief im Schatten der breiten Hutkrempe. Er trägt einen dunklen Anzug und helle Krawatte. Aus den Manschetten ragen seine langen, schmalen Hände, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand halten eine Zigarette. Roth wirkt elegant, nervig, konzentriert, fast hart; und doch liegt über diesem flüchtigen Bild eines Mannes auf der Durchreise auch die Melancholie eines Heimatlosen, das Atemholen auf der Flucht.“
        ( Aus „Der Strand der Städte“, Verlag Jakobsohn, Berlin, 1978)

        1. Avatar von Christian Erdmann

          Wie schön zu erfahren, daß es dem Fauser auch so naheging, das Foto. Roth ist also Anfang 30 hier, wirkt schlanker als er wahrscheinlich war, „elegant, nervig, konzentriert, fast hart“, indeed, fast wie der ältere Bruder von Rowland S. Howard, die Eleganz, die der Outlaw auch im Staub behält. Konzentrierte Anspannung, aber da scheint auch ein Anflug von exhaustion, „ermüdet vom Strudel der Eindrücke“ (s.o.), der Getriebene (s.o.), innehaltend im ewigen Unterwegssein. Das Bild beschwört viel; ein jüdischer Autor vor einem Güterwaggon, schwer, das nicht weiterzudenken; vor allem aber – Friederike. Auf Antirat widmete ich ihr einen kleinen Beitrag, bei dem mich die Zahl der Aufrufe überraschte. Vielleicht wurde nach einer anderen Friederike Roth gesucht, ich weiß es nicht. „Sie war ein hübsches Mädchen, die Friedl. Schlank, mit langen Beinen, einem feingeschnittenen Gesicht, und einem süffisanten Lächeln um den kleinen Mund.“ (Soma Morgenstern) Ihr Schicksal hat mich sehr ergriffen, und nun zu wissen, das Foto von Joseph Roth ist 1926 entstanden – es war das Jahr, in dem sich erste Anzeichen ihrer Erkrankung zeigten. Die Verzweiflung, in die Friederikes Zustand ihn stürzte – auch das sehe ich nun auf diesem Bild. Vielen lieben Dank nochmal für die Fauser-Passage, trifft gerade sehr ins Herz.

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