Die Karotte am Ende des Tunnels
Gerade im Vereinten Königreich weiß man, daß Philosophie und Fussball sich nicht nur nicht ausschließen, sondern geradezu untrennbar sind. Bill Shankly, Schotte wie David Hume und legendärer Coach des FC Liverpool:
„Some people believe football is a matter of life and death. I am very disappointed with that attitude. I can assure you it is much, much more important than that“.
Eine Kōan-Seleção:
„I’d be surprised if all 22 players are on the field at the end of the game – one’s already been sent off.“ (George Best)
„Zola’s got two feet.“ (David Pleat)
„They’ll perhaps finish in the top three. I can’t see them finishing any higher.“ (Don Howe)
„I wouldn’t be surprised if this game went all the way to the finish.“ (Ian St John)
„He held his head in his hands as it flashed past the post.“ (Alan Brazil)
„He hit the post, and after the game people are going to say, well, he hit the post.“ (Jimmy Greaves)
„Well, I’ve seen some tackles, Jonathan, but that was the ultimatum!“ (Alan Mullery)
„There’s no way that Ryan Giggs is another George Best. He’s another Ryan Giggs.“ (Denis Law)
„They have got their feet on the ground and if they stay that way they will go places.“ (John Gidman)
„He’s a two-legged tripod, if you know what I mean.“ (Graham Richards)
„Roy Keane, his face punches the air…“ (Alan Brazil)
„He’s looking around at himself.“ (Jimmy Greaves)
„It’s got nothing to do with his ability. In fact, it has got to do with his ability.“ (Barry Venison)
„He hasn’t been the normal Paul Scholes today, and he’s not the only one.“ (Alvin Martin)
„The ball could have gone anywhere and almost did.“ (Brian Marwood)
„Those are the sort of doors that get opened if you don’t close them.“ (Terry Venables)
„There’s Thierry Henry, exploding like the French train that he is.“ (David Pleat)
„The Derby fans walking home absolutely silent in their cars…“ (Alan Brazil)
„I don’t think anyone enjoyed it. Apart from the people who watched it.“ (Alan Hansen)
„If you don’t believe you can win, there is no point in getting out of bed at the end of the day.“ (Neville Southall)
„If you can’t stand the heat in the dressing room, get out of the kitchen.“ (Terry Venables)
„I can see the carrot at the end of the tunnel.“ (Stuart Pearce)

„Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verpraßt.“ (George Best)
Claudio Caniggia und der rechtsfreie Raum
SPIEGEL ONLINE Forum, 2009
harm ritter:
Ich hätte ja eine schöne Idee: Wir erklären alle mal, was Abseits ist!
Aljoscha der Idiot / Christian Erdmann:
Nein, Cesar Luis Menotti erklärt, was rechter und linker Fußball ist:
„Menotti haßt die Rechten und den Fußball, den sie spielen. ‚Beim rechten Fußball wird viel von Opfern und Arbeit geredet. Er wirft den Blick nur auf das Resultat, er degradiert die Spieler zu Söldnern des Punktgewinns‘, sagt er. ‚Der linke Fußball feiert die Intelligenz, er schaut auf die Mittel, mit denen das Ziel erreicht wird; er fördert die Fantasie, er möchte ein Fest feiern.'“
ray05:
Rechts und links gibt’s weder beim Fußball noch in der Kunst!
Christian Erdmann:
Aber man hat beim Fußball auch früh einen gewissen Skeptizismus gelernt. Als ich, linker Läufer, auf so einen Gegenspielerknirps zulief, rief unser Trainer mir zu: „Weiter! Der kann nix!“ Und da kam man dann, den Ball am Fuß, ins Grübeln. Woher will der das wissen? Was sind das eigentlich für Zuschreibungen? „Zweifel kommen Ihnen wohl nie, was? Mal Descartes gelesen?“ So ähnlich endete meine Fußballerkarriere.
ray05:
Linker Läufer? Ich dachte, Du bist erst hundert … :)
War auch im linken Mittelfeld und allen Verteiderpositionen – da kam allerdings ständig der Spruch von aussen: PACK IHN ENDLICH! DER ATMET NOCH! Da dachte ich mir: Klar, mach ich.
Christian Erdmann:
Caniggia. Mein Top-Hero. Ich glaube, ich kenne alle Argentinierinnen der Stadt, weil ich von denen immer angesprochen werde, wenn ich mein AFA-Shirt trage. Mein Weg zu Jorge Luis Borges führte über Mario Kempes und Claudio Caniggia.

ray05:
Nun gut, hier ein Tribute to whom it may concern, er hat ein hellblau-weisses Shirt an. Auf dass die Dinge immer in Fluss bleiben … :)
Christian Erdmann:
„I fired two warning shots into his head.“ :)
Strafe muß sein, trotz allem: ich verhänge einstweilige Entführung ins Argentinien der 1930er.
ray05:
Dort liesse es sich im Zweifel auch lebenslänglich aushalten … erbitte also Haftverlängerung …
Warnschüsse in den Kopf; das ist es doch: Tango bedeutet nicht bloß bedürftiger rechtsfreier Raum, sondern rechtloser Naturzustand. Wieviele Knochenbrecher haben die Hellblauen nicht schon aufgeboten, um Europäern und Brasilianern die Wahrheit ins Gesicht zu grätschen … :)
Christian Erdmann:
Verwechselst Du, was die Wahrheitsgrätsche angeht, nicht die Albiceleste mit den Urus? Wobei die sich ihren Ruf als Knochenbrecher auch zu Zeiten erarbeiteten, als es bei „Das Runde muß ins Eckige“ um Uwe Seelers Kopf ging. Heute würden die Killer von damals doch „Mädchen“ geschimpft.
Und da sind wir wieder beim Thema: der faszinierendste rechtsfreie Raum, schon für die Bebilderung dieser Erkenntnis muß man dem Film Noir dankbar sein, ist die Schönheit. Und darum jetzt nicht Carlos Gardel, der in Argentinien immer noch gleich hinter Maradona, Messi und Menotti kommt, sondern…
Brieli:
Außerdem würde vielleicht der Name Argentinien fehlen. Der argentinische Fußball fehlt aber keinem.
Christian Erdmann:
Und wie ich die vermissen würde. Immer für ein Spektakel gut.
ray05:
Die TV-Berichte aus dem argentinischen Mannschaftsquartier würde ich auch vermissen. Herrlich: Rudelweise Boca-Bodyguards. Unfassbar blonde Spielerbräute in Albicelesteshirts, die sich in Fußballerbeine einhaken … :)
Christian Erdmann:
Ich glaube, Du multiplizierst da im Geiste die Szene mit Claudio Caniggia und seiner Freundin im Stadiontunnel. :)
5 replies on “Fussball und Philosophie”
Linker Fußball – rechter Fußball? Wirklich? Fußball ist PV – ein Proletenvergnügen.
Oder eben zivilisierter Gladiatoren-Zirkus ohne Forke, Netz und Helm.
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Natürlich hat es nie „linken“ / „rechten“ Fußball gegeben, Menotti benutzte dies als Metapher, um das Element der Kunst im Fußball zu würdigen; das, was über die zwingende Notwendigkeit (Siegenmüssen) hinausgeht. Mich hat genau dieses Element immer fasziniert, unabhängig von Nationalität, ich bin kein Schland-Anhänger.
Ja, das ästhetische Element schwindet, das Dramatische unterliegt dem Schnöden, auch schon ein Indikator: bei den Frisuren früher oft Rockstarattitüde, heute oft das, was David Foster Wallace in „Der grosse rote Sohn“ mit furchtloser Wahrheitsliebe „Klapsmühlenfrisur“ nennt. Bei der WM 2014 habe ich in meinem alten Blog noch über jedes einzelne Spiel geschrieben, und die Posts mit Fotos der auf den Rängen anwesenden internationalen holden Weiblichkeit bebildert – als Indikator dafür, daß Fußball eben auch ganz andere Kreise ansprechen kann als die von Dir ausgemachte Zielgruppe; heute kenne ich von der deutschen Mannschaft nur noch die Hälfte [glaube, die meisten heißen „Digger“ und „Bruder“ :)], der Jubel bei deutschen Spielern wirkt zunehmend freudlos und entspricht der den Sportschauen vorgeschalteten tipico-Werbung mit diesem vollkommen lächerlichen, brachial geknödelten Ghettomartialitäts-Tonfall, auf deutschen Tribünen hat weltrettende Schönheit kaum mehr Platz, sofern es Bastionen ansonsten schwer verunsicherter Männlichkeit sind, mit Dauernölgesängen selbsternannter „Ultras“, generelle Tendenz zum Proletenhaften also, ja (wie überall halt), aber das von mir da verlinkte Tor von Maxi Rodriguez bei der WM 2014 (Argentinien – Mexiko) ist nun wirklich ein Kunstwerk, ein Gemälde von Tor, eine Art Rembrandt unter den Toren, schon Sorins Flanke ist schön wie Cinderellas Ankunft im Ballsaal, und du kannst einen Feingeist wie, sagen wir, Andrea Pirlo nicht „Prolet“ nennen, da kann ich auch Gott einen Straßenräuber nennen. :) Pirlos Freistöße wurden sogar Legende, wenn sie nicht ins Tor gingen.
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Mag ja sein. Mag auch sein, dass meine Negativmeinung zum Fußball schlicht Kompensation meiner Unsportlichkeit ist. Mich juckts halt nicht.
Und wer es irgendwie „schee“ findet, der mags halt „schee finden“.
Komischerweise hat mich seinerzeit der Kinofilm „Das Wunder von Bern“ jedoch vollkommen gekriegt. Hab mir dann sogar die DVD freiwillig selbst gekauft. Und die hat dann auch im heimischen Player zwei-drei Aufführungen noch erlebt…. seither liegtse rum.
Ach, es ist ein komisches Thema. Das peinliche Drumherum juckt mich durchaus:
Dazu passend:
Die verdächtige politische Stille dieses Jahr, weil es doch Spiele beim „großen weißen Vater in Washington“ sind, den erzieht man dann doch nicht so gratismutig wie die Arabs von Katar zuvor.
Man kann das „Lernen aus der Blamage“ vom letzten Mal nennen – oder aber Rückgratlosigkeit. Is‘ mittlerweile auch wurschd. Ich erwarte keine Heldentaten – von Fußballern.
An den Schulen aller Couleur sind erfahrungsgemäß die Fußball-Asse immer die, die nie was begreifen, aber immer krakeelen, wenn sie ihre 4 Minusse einfahren. Die bestehen nahezu gesetzmäßig aus Kondition und Größenwahn.
Der Heinrich-Himmler-Gedächtnishaarschnitt passt da kurios gut. Mit dieser Art Topfschnitt so „scheinstolz“ herumlaufen zu können, dazu gehört schon reichlich Vakuum im Kopp.
Ach. Ich hör schon auf.
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Um „Das Wunder von Bern“ habe ich meinerseits einen Bogen gemacht, ein Fußballfilm, der mich beeindruckt hat, ist „The Keeper“ / „Trautmann“ von 2018. Über eben jenen, in etwa der erste, der im UK nach dem II. Weltkrieg das Bild vom Nazideutschen durch etwas anderes ersetzte. Viel besser, als der Trailer vermuten läßt. „Football is also just a kind of dancing.“ – „No, it’s not. It’s barbaric!“ Da haste. :)
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Yepp. Den hab ich ja auch in meinem Blog gefeiert, als er im Fernsehen lief. Der Fall war mir natürlich bis dahin noch überhaupt nicht untergekommen. Sehr gelungener Film.
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