Nicht weit entfernt von meinem Neorenaissance-Schlößchen (a.k.a. Zauberberg für Idioten) gibt es eine Straße namens Beim Andreasbrunnen. Würde ich nicht ohnehin in Hamburg leben, wäre sie für mich ein Grund, nach Hamburg zu pilgern, denn in dieser Straße hatte der Komponist Alfred Schnittke sechs Jahre lang sein Domizil: von 1992 bis zu seinem Tod im August 1998 wohnte der 1934 in Engels an der Wolga geborene Schnittke im Altbau Nr. 5.
Bereits für „Endstation Sehnsucht“ hatte John Neumeier, Choreograph, Direktor des Balletts an der Hamburgischen Staatsoper und godlike genius, ein Werk Schnittkes verwendet, die Sinfonie Nr. 1. 1985 bringt Neumeier sein atemraubendes, herzzerfetzendes „Othello“-Ballett auf die Bühne; Schnittkes Concerto grosso Nr. 1 erklingt im 2. Akt, als Verzweiflung und Wahnsinn ihren Lauf nehmen. Ich sah dieses Ballett einige Jahre später zum ersten Mal, ich sah „Othello“ insgesamt siebenmal, stets in der Besetzung mit Gamal Gouda als Othello und Gigi Hyatt als Desdemona, beim ersten Mal ging ich allein, sechsmal dann mit IHR. Nach dem ersten Mal schrieb ich ihr.
„Mein Gott, der 2. Akt – als sich die Musik von Schnittke in das Stück bohrt wie die nagenden Würmer der Eifersucht in Othellos Herz – wie er zusammenbrach unter dem Hohnlachen Jagos und der Primavera. Ich weiß nicht, irgendwas stimmt nicht mit mir, wenn ich im Ballett bin. All das nahm mich so sehr in Bann – so muß das griechische Theater gewirkt haben, mit dem, was Aristoteles Katharsis nannte. Jago trieb mich in die Vorstellung, wie es sein müßte, Dich in fremden Armen zu wissen – so zu fühlen, und – als Zuschauer – doch gleichzeitig zu wissen, daß Desdemona unschuldig ist … es zerriß mich. Die Szene, als die letzte der Grazien – die letzte Erinnerung an das Schöne, das letzte mögliche Zurück – fällt, und Othello Desdemona festhält – ihr Entsetzen, namenlos – und wie Gamal Gouda von nun an für lange qualvolle Minuten nur noch düsterste Entschlossenheit ausstrahlt, das ist so erschütternd.
Und als Othello Desdemona schließlich tötet, gleich darauf mit der blitzartigen Erkenntnis ihrer Unschuld alles über ihm zusammenbricht – die Minuten, in denen Gamal Gouda vor ihr saß, gebrochen, regungslos, leer, dumpf, mit einem Gesichtsausdruck, der nicht mehr von dieser Welt war, in dem alle Vergeblichkeit, alles Scheitern, alle Verblendung war, grenzenloses Geschlagensein, der allerletzte Blick, der dem Menschen möglich ist, der betrogen ist, der sich aufgelehnt hat und nun erkennt, daß er das einzige getan hat, was nicht wiedergutzumachen ist, daß er das einzige verloren hat, das einzige – ich hatte Tränen in den Augen. Und all das geschah ganz in Deiner Welt.“
Und all das geschah zur Musik von Schnittke, in der genau dies zu hören ist: „Selbst das Firmament ist erschüttert. Die Himmelssphären sind aus dem Gleichgewicht. Es ist, wie wenn der Wahnsinn von den Sternen auf die Menschen niederkäme.“ [1]
Desdemona. Der Shakespeare-Exeget Jan Kott sagt über sie: „Sie weiß nicht einmal, daß sie durch ihre bloße Anwesenheit beunruhigt, daß ihre bloße Anwesenheit ein Versprechen ist. Othello wird es erst erfahren, Jago weiß es von Anfang an. Desdemona ist treu, aber sie muß etwas von einer Dirne an sich haben. Nicht in actu, aber in potentia. Sonst kommt das Drama nicht zum Tragen. […] Desdemona ist besessen von Othello, aber alle Männer […] sind besessen von Desdemona.“ [2]
Nach der ersten Liebesnacht verhält Othello sich so, „… als hätte er eine andere Desdemona vorgefunden als die erwartete. […] Es ist, als ob ihn die Explosion der Sinne bei dem Mädchen verblüfft und schockiert hätte, das noch vor kurzem mit niedergeschlagenen Augen seinen Erzählungen lauschte. Desdemona fühlt sich von der ersten Nacht an als Geliebte und Frau. […] Je heftiger Desdemona sich in der Liebe vergißt, desto mehr wird sie in Othellos Augen zur Dirne.“ [3]
Jago, der dämonische, nihilistische Psychoanalytiker, bringt Othello dazu, Desdemona namenlose Orgien zuzutrauen. Und wenn seine Frau ihn betrügt, dann betrügt ihn das ganze Universum. „Die Engel verwandeln sich in Teufel. Allesamt.“ [4]
Ich verließ nahezu jedes Ballett von John Neumeier mit dem Gefühl, soeben sein bestes Werk gesehen zu haben – was nur beweist, daß er in Bereiche führt, in die das Sprechtheater – zumindest mich – niemals führen könnte. Der erste Pas de deux von Desdemona und Othello aber – zur Musik von Arvo Pärts „Mirror In A Mirror“ – ist das Bewegendste & zugleich Sensationellste, das man in der Weltgeschichte der Choreographie erleben kann… bis zum letzten Pas de deux von Desdemona und Othello.
„Tante Anna fragt ‚Geht ihr nur so hin, oder muß Deine Freundin auch tanzen?‘ Wir gehen nur so hin, nehmen ein Taxi – so daß Madame sich in der Halle der blauen Lichtpunkte die Nähte richten lassen kann – wir sehen die weißen Kostüme mit den Schildern MAZON, HERRMANN, CAZZANIGA, FEUILLETTE – Unser Platz ist ganz oben, am Rand, wenn wir uns umdrehen, sehen wir diesen kleinen Verschlag, in dem Tänzer sich umkleiden – wir hören die Moresca-Glöckchen [5] – Eric Miot zieht den Vorhang zu und grinst zu mir hoch – I’ll never forget the picture. Er zerbricht wieder seinen Stock. OTHELLO. Ich könnte es jeden Tag sehen.“
Says my diary. Das Areal der alten Maschinenfabrik war noch angenehm unübersichtlich, und von der Halle der blauen Lichtpunkte bewegten wir uns unbemerkt an den Kanal, sie hielt sich fest an einem Geländer, und unter dem Großen Wagen schoß eine Fontäne Mondlicht in sie – Schnittke zum Concerto grosso Nr. 1:
„Das Klavier wird durch einige zwischen die Saiten geklemmte Münzen klanglich verfremdet und dabei durch Mikrophon verstärkt – es symbolisiert sozusagen eine äußere Macht in diesem Stück.“ [6]
Concerto grosso Nr. 1 (1976/77) für zwei Violinen, Cembalo, präpariertes Klavier und Streichorchester Gidon Kremer, Tatiana Grindenko – violin Yuri Smirnov – harpsichord & prepared piano The Chamber Orchestra of Europe, Heinrich Schiff – conductor
1989 arbeitete Neumeier mit Schnittke für das Ballett „Peer Gynt“ zusammen – extensive Würdigung meinerseits
Wünschte, ich könnte Euch zu einer Synapsenkonferenz einladen, um 130 Minuten „Peer Gynt“ von Alfred Schnittke zu hören. Nach seinem Schlaganfall 1985, Schnittke war klinisch tot, sprach er von einer grundlegenden Veränderung seines Zeitgefühls, von einer neuen Fähigkeit, „die sich nämlich ausdehnende Zeit zu empfinden.“ Genau darin muß das Geheimnis seiner „Peer Gynt“-Musik liegen. Wie in Marienbad halt.
02.07.2011, SPIEGEL ONLINE Forum
Alfred Schnittke, der Epilog aus der phantastischen Ballettmusik zu „Peer Gynt“, „Aus der Welt / Out of the World“. Wenn man die ganze Ballettmusik durchgehört hat, ist man hier bereits komplett durch den Wind, und der Epilog stellt merkwürdige Dinge mit einem an. Die letzten fünf Minuten sind überirdisch. Kopfhörer sinnvoll.
„Peer Gynt“ ist in einer Aufnahme mit dem Orchester der Königlichen Oper in Stockholm unter Eri Klas erschienen. „Oft trägt mich die Musik, dem Meere gleich, zu meinem bleichen Stern“ (Baudelaire).
Die Schattenklänge, mit denen „Peer Gynt“ endet, beschwor Schnittke auch am Anfang seiner 3. Symphonie, dieses „Moderato“ beginnt so unwirklich, wie Musik nur selten wird – als wäre der Beginn des „Rheingold“ in den Kopf eines Mannes verlegt, der soeben erkennt, daß es wirklich ein Traumland gibt: weil er sich darin in Zeitlupe bewegt und zusieht, wie die Dimensionen sich aufheben.
Meine Aufnahme ist vom „USSR Ministry of Culture Orchestra“ unter Gennady Rozhdestvensky, ich weiß nicht, ob die noch erhältlich ist.
„I set down a beautiful chord on paper – and suddenly it rusts.“ – Alfred Schnittke
Zugabe: ein 3-Minuten Exzerpt des ersten Pas de Deux von Othello und Desdemona, Musik Arvo Pärt.
„Master and Margarita“, Filmmusik.
Musik für den sowjetischen Film „The Story of Voyages“ / „The Fairytale of the Wanderings“ / -> Сказка странствий, 1983, arrangiert von Frank Strobel.
[1] Jan Kott, Die zwei Paradoxe des Othello, Programmheft zu „Othello“, 13 (aus: Shakespeare heute, 1964) [2] ebda. 19 ff. [3] ebda. 20 [4] ebda. 23 [5] Soldaten mit Glöckchen / Schellen an den Knien, die Tänzer der Moresca, zu denen die von uns sehr geliebten Eric Miot und Stephen Pier gehörten. [6] ebda. 62
Clara Drechsler schrieb in der spex 9/91, Titel „Der Nabel der Elfe“:
Obacht! Jetzt kommt der Hurdy-Gurdy-Mann! Ethan James, Produzent von Minutemen-, Black Flag-, Henry Rollins- und circa 487 weiterer kalifornischer Hardcore-Platten, bevorzugt für den Eigenbedarf Instrumente, die zwar ohne Strom funktionieren, dafür aber nach körperlicher Auseinandersetzung mit ihnen verlangen. Brutalmenschliche Frequenzen schwingen sich ein!
(…)
Wer außer Detlef Diederichsen weiß eigentlich, wie die erste LP von Erin Kenney und Ethan James war? Gleich drei Labels gelang es nicht, mehr als ein Exemplar der Platte nach Deutschland zu schaffen; Diederichsen besitzt es. In wessen Laden, außer in dem von Michael Ruff, verkauft sich eigentlich die zweite Erin-Kenney- und Ethan-James-LP, „Tapestries Of Smoke“, die dieser Tage bei EfA erschienen ist? Und wer, außer Sebastian Zabel und ähnlichen Abenteurern, weiß eigentlich, was ein Sufi ist?
Die letzte Frage kann geklärt werden: Die Sufis sind eine islamische Mystiker-Sekte des Mittleren Ostens, die ihre Weisheiten gerne in kleine Geschichten kleiden, um sie zu verbreiten. Hier ist eine: „Der Tod kommt in die Kasbah.“ „Der Schüler eines großen Sufi-Lehrers ging einst in die Kasbah, auf den Markt, um Datteln oder sowas zu kaufen. Während er da herumlatschte, erblickte er plötzlich den Tod, der leibhaftig neben ihm stand, Kapuze, Mantel, Knochenschädel und alles. Da packte ihn das Entsetzen, und er dachte, oh Schreck, er kommt mich holen, nichts wie weg hier. Und rennt quer durch die Kasbah, springt auf sein Kamel und flieht in die nächste Stadt. Der Tod war natürlich genauso verblüfft – er dreht sich rum, sieht den Mann, und der rennt weg. Später trifft er den Sufi-Lehrer, sie sind alte Freunde, und erzählt ihm: Da ist mir ein Ding mit deinem Schüler passiert. Ich traf ihn in der Kasbah. Und dabei sind wir erst morgen in der nächsten Stadt verabredet.“ Waha. Schadenfreude ist die schönste Freude. Allerdings sitzen wir hier nicht in der Kasbah bei Datteln, sondern frühstücken im einladenden McDonald’s am Barbarossaplatz. Aber ich nenne sowas ja auch weniger Weisheit des Nahen Ostens als eine Twilight-Zone-Story. Auf der ersten LP von Erin Kenney und Ethan James wurde daraus „Death Comes To Club Med“: die reich ausgeschmückte Twilight-Zone-Folge mit Folk-Soundtrack.
Ethan James ist Besitzer der Radio Tokyo Studios in Venice, verdienstvoller Compiler der Radio Tokyo Tapes, Entdecker der Bangles und Produzent tausender hochwichtiger Bands wie Minutemen oder Black Flag. Eines Tages dann dringt durch die gutgepolsterten Studiowände das Geräusch zierlicher Schritte an sein Ohr… und eine blondgelockte Elfe erscheint, leicht angeschickert… Erin Kenney, die gerade beschlossen hat, wieder zu singen, und die sich zwei Ecken weiter einen auf die Nase gegossen hat, um sich Mut zu machen, ehe sie einem so entfernten Bekannten diesen Entschluß mitteilt. Ein Geschenk des Himmels… ein zierlicher Flaschengeist… eine bildhübsche mittelalterliche Spieluhr, die zauberhafte Töne spielt, wenn man ihr auf den Bauch drückt. Wirklich konzentrierten Sängern beim Singen zuzusehen, ist sicher nach wirklich gründlichem Zähneputzen die langweiligste Beschäftigung, aber zuzusehen, wie ein zartes Zwerchfell sich unter brokatbestickter Bluse hebt und senkt, ein Bauchnabel leise hüpft: reizend.
(…)
Zu den wunderlichen alten Instrumenten. die Ethan James zur Verwirklichung seiner Vorstellungen braucht, gehört auch das mysteriöse Hurdy-Gurdy, das nicht, wie vermutet wurde, ein „Leierkasten“ Berliner Hinterhofprägung ist. Wir identifizieren das etwas unbeholfen als „Drehleier“, eine unförmige, fettbäuchige – hm – Gitarre, die an einer Seite ein Rad mit Kurbel hat, darüber läuft eine Saite, die man mittels Drehen der Kurbel zum Heulen bringt; im weiteren Verlauf der Saite kann man dann durch Spielen einer Akkordeontastatur diesem Heulen Melodie verleihen.
(…)
Schenkt Euren Ohren diese stahl-, holz-, haut- und tonerweichenden brutalmenschlichen Frequenzen und gebt Euch dabei bloß nicht der Empfindung hin, das sei (Achtung:) „SCHÖN“.
Also tat ich ehedem. Und ob das schön ist, unwiderstehlich und mysteriös. Mittelalter als moderner Film Noir, so meditativ wie komplex, Texte, die mittelschwer skandalöse Geheimnisse andeuten, zwischen Weisheitsversprechen und mystischem Wahnsinn, Ernten verbotener Früchte, Wüsteneien der Träume, Tanz mit dem Rätsel der Sphinx, Texte, die an abgelegene, seltsame Orte versetzen, ein Bildteppich, auf dem sich plötzlich Tempelhuren zu räkeln beginnen. Erin Kenney macht sich, angeschickert oder nicht, mit strahlendem Wagemut auf die komplizierte und konzentrierte Reise durch die Lyrics, die, obskur und voller Anspielungen, in bester „Highway 61“-Manier mythisches Personal aufmarschieren lassen und doch das Hochnotpersönliche unter alldem ahnen lassen.
In the ancient desert territories Countless centuries past There were fifty days of heat each year That just would last and last Till men would loose their sanity So endless was the pain That if one killed a wife or two He was not held to blame The head priest and the temple whore Feed fuel into the blaze Just making sure the idol glows For at least these fifty days Tristan and Isolde Dressed up as biker boys Play strip poker with the parlor maid Amidst the wind and noise As the sand dunes claim the bridge across Where once there was the bay Scavengers fight for poisoned bones Enough for fifty days The ceremony now begins As the judge peels off his face And hands out tickets to the orphan’s ball Set to last for fifty days Count these fifty days Count these fifty days What are these tales of darkness That spread across the land Sung by troubadours who are Half dragster and half man While companies of fashion models Rub themselves in pairs With desperate hands and lips that bite Through Mormon underwear Sex without the wetness With surgical foreplay Come dressed to kill and plan to stay For at least these fifty days Count these fifty days Count these fifty days
Die seidenweiche Brust entblößt, in sinnlich-schwülen Duft gehüllt, faltet eine Frau ihren 1000sten Kranich aus Papier. Nietzsche tanzt auf einem Stecknadelkopf. Stimmen aus entfernten Zeitaltern schließen den Abgrund der Zeit. Der letzte Kastrat sinniert über die Gebeine von Caligula und Justine, ahaunting memory lingers near, ein Schleier der Tränen, geboren aus Träumen, die smaragdfarbene Göttin des Absinthtrinkers erwacht und füllt die Luft mit Sex, ein Hochzeitsbett aus Eis, den Königinnen des Tarot weht der Wind in die Kleider, der Wind ist Mönchschor, unser Leben in the presence of These Silent Ones, ungewisse Erinnerung an eine Serie von Augenblicken, Verschwörungen der stillen Dinge, path twisted and obscure, Tristan und Isolde beim Strip-Poker mit dem Dienstmädchen, Plünderer kämpfen um vergiftete Knochen, companies of fashion models, zähl die 50 Tage, come dressed to kill and plan to stay. An den Toren des Elysium, im Garten meiner Geheimnisse gehe ich eine einsame Meile, zum Brunnen der Erinnerung, wo ich eine Weile ruhe. Verbotener Garten, tief in meinem Herzen, a lover waits for me who understands my hidden need. Man sitzt im Boot neben dem Ancient Mariner, beständig sieht man zu, wie Mythen sich entfalten, unberührt von vergehenden Jahrhunderten. Man steht immer an der Linie aller Möglichkeiten. Das verborgene Gesicht des alten Mannes vom Berge. Godot wartet. Kann warten. Man ist ewig Reisender, Wandernder, Fremder in einem fremden Land, Feuer unter den Füßen, das den Weg zeigt. Die Halle der Bilder, weaving webs of fascination. Die fragile Hand des Schicksals, while the pleasure of my lover speaks secret truths.
Set a bad example for a couple of laughs The devil blows dust out of the back of his pants Whistling past the graveyard, dancing as he sings „Of all the things I haven’t got, you’re my favorite thing!“
I dream that I rise to the mountain I dream that I walk on the sea I dream that the snakes in the deserts Are laughing and dancing with me I dream that the words of the liars Are touching the robes of the saints I feel the breath of the psychopath Helpless he breathes in my face As I walk in this desert Alone with the wind at my back The road rises to meet me There is no turning back Down through the tunnel of angels Across from the valley of death I go where my journey will take me Till there is nothing else left The sand is alive and is buzzing The wind is a choir of monks As my life passes before me In the presence of these silent ones I dream of a series of moments Chained by uncertain memory Do I dream that I am the butterfly Or does he sleep and dream he is me
One day, in the upper floor halls of corporate headquarters, Brooks waited for an elevator. He felt good this morning. Besides being the Chief Executive Officer’s main yes man, today he was looking forward to his favorite abuse of power. For today, he was on his way to fire a man. Brooks had a special affinity for this task. In this case, his intended victim was a 20 year veteran on the brink of retirement. Well, kiss that pension goodbye.
Finally the elevator door opened and Brooks found himself staring face to face with the full, life sized specter of Death. Not some vague sense of foreboding or ominous feeling. No, it was the Grim Reaper himself. Granted, he was dressed in a three piece suit less his sickle, but there was no mistaking those hollow eyes, the clammy pallor or the smell of sulphur. They were both startled by this unexpected encounter and were speechless. Brooks, however, recovered first. He turned and ran down 60 flights of stairs and exited in the street, caught a cab, went straight to his travel agent, pulled out his gold card and caught the next plane to Club Med in Acapulco.
Death, meanwhile, headed straight to the C.E.O.’s office, walked right past the secretary and paid a visit to the old man. The old man was very pleased to see his good friend Death. They had, after all, come to know each other quite well through the years. The old man buzzed his secretary, had her hold all his calls, and he poured two drinks, one for himself and one for his friend, Death.
The conversation was amicable, and Death remarked, „I just ran into that lackey of yours – you know, Brooks? Well, you can imagine how surprised I was to see him here. You see, I have an appointment with him at the Club Med in Acapulco… tomorrow.“
Ondas do mar de Vigo Se vistes meu amigo? E ay deus! se verra cedo Ondas do mar levado Se vistes meu amado? E ay deus! se verra cedo Se vistes meu amigo O por que eu sospiro E ay deus! se verra cedo Se vistes meu amado O por que ei gran coidado E ay deus! se verra cedo
Waves of the sea of Vigo Do you see my friend? And ah God! to see him soon Waves of the rising sea Do you see my beloved? And ah God! to see him soon Do you see my friend The one for whom I sigh And ah God! to see him soon Do you see my beloved For whom I care so much And ah God! to see him soon
Mandad’ei comigo Ca ven meu amigo E irei, mad’r, a Vigo Comigo’ei mandado Ca ven meu amado E irei, mad’r, a Vigo Ca ven meu amigo E ven san’e vivo E irei, mad’r, a Vigo Ca ven meu amado E ven viv’e sano E irei, mad’r, a Vigo Ca ven san’e vivo E d’el rei amigo E irei, mad’r, a Vigo Ca ven viv’e sano E d’el rei privado E irei, mad’r, a Vigo
Word came today My friend’s on his way And I’m going, mother, to Vigo Today came the tidings My lover is arriving And I’m going, mother, to Vigo My friend’s on his way And is alive and well And I’m going, mother, to Vigo My lover is arriving And is well and alive And I’m going, mother, to Vigo He is alive and well And is the King’s friend And I’m going, mother, to Vigo He’s well and alive And is the King’s ally And I’m going, mother, to Vigo
Martin Codax, Galicia, 13th Century. Discovered in 1913 by antiquarian bookseller and bibliophile Pedro Vindel, Madrid.
Also diese charmante Mixtur aus Zerbrechlichkeit und Psychopathentum.
Christian Erdmann:
Tja, was könnte faszinierender sein? Indes, Portishead bzw. Beth Gibbons bewundere ich, aber ich liebe sie nicht, irgendeine Komponente fehlt, damit es mir wirklich unter die Haut geht. My fault, vielleicht weil ich denke, Mr Borcholte hat unrecht mit der „einsamsten Stimme der Welt“. Das ist immer noch Lisa Germano auf den beiden Mitt-90er-Alben „Happiness“ und „Geek The Girl“.
„The Darkest Night Of All“ von „Happiness“ kann ich fast nicht hören; das traurigste Stück, das ich kenne.
Goodnight How can you sleep? How can you sleep through this? What are your thoughts As you turn to dream? I wouldn’t know I never look These things are hard These things can hurt All of the secrets Nobody needs to know How does it feel Falling asleep so hard How could I ask How could I say The things I need to You’d go away Goodnight Memory must Fill you with love Positive days Positive years Older than lonely Older than old There’s only minutes Minutes to go You have to feel this You have to cry I can go on I can deny This stuff it hurts Always it will Now I can ask Now I can say The things I need to You’ve gone away
Goodnight
↑ Geschrieben im SPIEGEL ONLINE Forum „CDs der Woche – und Ihre Favoriten?“ am 01.05.2008.
Für sehr starke Nerven (der Notruf ist echt):
Brian Eno soll ihr „Geek The Girl“ zum besten Rock-Song aller Zeiten erklärt haben. Iggy Pop lud Lisa Germano 1993 zum Duett für „Beside You“ von „American Caesar“.
Auf David Bowies Neufassung von „Baby Loves That Way“ für sein „Toy“-Album spielt Lisa Germano Violine.
1997 ist sie mit Howe Gelb und weiteren Giant Sand-Mitgliedern als OP8 zu hören:
„Intensely intimate music that a lucky few stumble upon – music that finds hope in the darkness, and the darkness in hope“, heißt es auf der Website von Young God Records, dem Label von Swans-Chef Michael Gira, der Lisa Germano die Möglichkeit zur Veröffentlichung von „In The Maybe World“ (2006) und „Magic Neighbor“ (2009) gab.
2006 schreibt Michael Gira ebendort:
I am incredibly proud and pleased to release the music of Lisa Germano on Young God Records. I have been a fan of Lisa’s music for years. Her songs are impossibly poignant and often heartbreakingly beautiful. She’s a great lyricist and singer but also an extremely talented multi-instrumentalist. She plays violin, piano/keyboards and guitar with equal authority, as well as producing her own records with great imaginative effect – the result is seductive and truly magical. No one sounds like her. You get the feeling you’re walking through her dreams as you listen. The intensity of feeling in her singing is a little frightening sometimes – it’s like she’s singing very close to your ear, leading you through her ultra emotional world. It’s a place I very much enjoy visiting, and I hope you will too. […] Typically, her (self) production and arrangements are inventive and completely unique, the words cut right to the core and her voice carries you gently off into a world where the distinctions between beauty, loss, love and pain tend to blur.
Gira zitiert George Parsons [Dream Magazine]:
The exquisite singer songwriter Lisa Germano often walks that miraculously fine line between breathtaking terror and intoxicating beauty. Chilling seductive and sorrowful but dressed up like a lovely lullaby to mask the tragic core. Lost and found and lost again along the way to oblivion. Magically there are these glimmers of hope that shine though, and the melodies are so instantly beguiling that you’re swept off your feet, but no matter how scary it gets she’s holding your hand.
Lisa Germano ist wie ein Geist, der durch die Hallen des Hochadels spukt. Aber ihre Musik ist die Antithese von kommerziell, und nachdem 4AD sie 1998 aus ihrem Plattenvertrag entlassen hat, arbeitet sie für einige Jahre in einem Buchladen in Los Angeles, um sich über Wasser zu halten.
Songs von ihr können sprachlos machen, betäuben, Sturzbäche auslösen; für mich sind es nicht unbedingt viele, aber sie sind handverlesen. Lisa Germano ist auch nicht immer ratsam. Aber wenn deine Seele wie die Fledermaus im Turm hängt, kann sie genau richtig sein. Singing very close to my ear, als ich verlassen war.
„I was, for a very long time, passionately in love with her… as I’m sure she’s guessed. Every male in the world and a number of females also were. And we all still are.“ – David Bowie 1997
JOURS DE FRANCE No. 553, 19 Juin 1965, 2003 in Paris erworben.
Traum 25.07.2000: Mit Jean Cocteau geplaudert und ihn auf seine Zeichnung von Strawinsky angesprochen – die ganze Nacht plaudern wir mit aller Welt, immer wieder wache ich auf und denke, ich muß es aufschreiben, but I don’t. „Wir“ sind Francoise Hardy und ich.
SPIEGEL ONLINE Forum
05.09.2006
Christian Erdmann:
Ich habe ihre Aufnahmen aus den frühen 60ern vor einiger Zeit für mich entdeckt, oder besser, mich in sie verliebt, und mir bei einem der Bouquinistes an der Seine ein paar Original-Singles gekauft, obwohl ich dafür immer eigens den Plattenspieler entstauben muß.
Sie gehörte ja zu denen, die in den 60ern überredet wurden, deutsch zu singen und in deutschen Shows aufzutreten, beherrschte das aber sehr gut (sie hat Deutsch studiert). Vor einigen Jahren tauchte sie dann mit „Le Danger“ auf, das sie mit einer Rock-Formation einspielte, die Band liefert einen knochentrockenen, interessanten Gegensatz zu ihrer halb melancholischen, halb erotischen Stimme, und kurz danach machte sie ein bezauberndes Duett mit Iggy Pop, „I’ll Be Seeing You“.
19.11.2007
dj1204:
Jetzt muß ich eingestehen, eine Bildungslücke zu haben. Was ist Yé-Yé?
CE:
Oh, Yé-Yé ist französisch für „Yeah Yeah“ :) und meint die französische Popmusik der 60er, die Girlgroup- und Phil Spector-Touch mit der Chanson-Tradition kombinierte. Protagonisten waren etwa Johnny Hallyday, Francoise Hardy, France Gall, Sylvie Vartan oder Serge Gainsbourg. Die Backgroundsängerinnen klangen immer noch ein wenig sexier, schriller und zickiger als die US-Vorbilder.
Ein bedeutendes Thema der französischen Sixties war das der „Puppe“, etwa bei Michel Polnareff: „La poupée qui fait non“.
So bedeutend, daß es auch eine deutsche Version gab:
Gainsbourg schrieb für France Gall den Eurovisions-Sieger „Poupée de cire, poupée de son“,
Sylvie Vartan sang „Jolie poupée“.
Archetypischen Backgroundsängerinnenklang findet man etwa auf „Pourtant tu m’aimes“,
Mit der dem französischen Rationalismus eigenen, zwingenden Logik entwickelte sich das Puppen-Thema in eine Barbarella-Ästhetik, etwa bei Sylvie Vartan, „Irrésistiblement“,
und natürlich bei Brigitte Bardot, „Harley Davidson“, ebenfalls vom verkrachten, aber omnipräsenten Genie Gainsbourg komponiert:
Kopfhörer einstöpseln und dem Mann recht geben, der da sagt: „This has to be one of the best grooves ever“.
Mitte der 90er ging Francoise Hardy mit einer Rockband ins Studio und kam mit „Le Danger“ wieder heraus. „Mir ist ein Album lieber, auf dem ich alle Lieder mag und das sich schlecht verkauft, als eins, das ein Erfolg ist, aber im Grunde nichts taugt. ‚Le Danger‘ war so ein Album, auf das ich sehr stolz bin und das kein Publikum fand.“
20.11.2007
dj1204:
Vielen Dank für die Links! Du hast Recht, Serge Gainsbourg hatte ja wirklich unglaublich gute Rhythmen, da war er seiner Zeit wirklich voraus.
Ich denke, Benjamin Biolay knüpft an diese früheren Protagonisten an. Er sieht sich wahrscheinlich als Fortsetzung des Chanson-Pop und er hat ja auch diese ganze Nouvelle Pop Szene in Frankreich angestoßen. „Trash Yé Yé“ wirkt auf mich trotz des erheiternden Titels eher nachdenklicher als seine Vorbilder, seine Stimme klingt auch düsterer als früher noch auf „Rose Kennedy“.
CE:
Francoise Hardy steht bei mir neben „The Marble Index“ von Nico, dem düstersten Abgrund, den man finden kann. Wobei „Frozen Warnings“ aber wiederum so schön ist in seiner monumentalen Einsamkeit, daß man sofort den Schlüssel für den Hölderlin-Turm suchen möchte.
dj1204:
Von Francoise Hardy sollte ich mir dringend mal ein älteres Album kaufen.
CE:
Ja, die sind zauberhaft. Von den ganz frühen habe ich zwei, beide hießen ursprünglich einfach „Francoise Hardy“, von 1963 und 1964. Einige Songs kennst Du bestimmt, „Mon amie la rose“ vielleicht. Multilinguale Intelligenzbestie, sie hat ja in diversen Sprachen gesungen, es gibt einen Sampler namens „All Over The World“, der einiges davon versammelt. Ich liebe ihre Version von „Catch A Falling Star“.
Weil sie oftmals unser Denken auf die Wege lenken Die wir dann gehen
Kommentarsektion Antirationalistischer Block
21.02.2015
acapulco ramon:
vive la france (gall) et francoise (hardy) … schönste blüten aus dem frankenreich… francoise hardy, in die angeblich bowie so verliebt war … welch pure schönheit. man schaue sich bei yt … was mach ich ohne dich ? an, die deutsche version von comment te dire adieu. traumhafte sehnsucht in diesem gesicht, zum niederknien. france gall war aber auch in zuckersüssen charme gegossen… frankreich in den 60igern, yeye!!!
CE:
„Ich war lange Zeit leidenschaftlich in sie verliebt. Sie weiß das bestimmt. Alle Männer dieser Welt waren es. Und auch ein paar Frauen. Wir sind es immer noch.“ (Bowie) Mick Jagger nannte sie sein Ideal, Scott Walker hatte ihr Bild an der Wand, Dylan hatte ja schon 1964 seine Bewunderung ausgedrückt mittels Poem auf LP, trifft sie dann zwei Jahre später auch in Paris, aber er beeindruckt sie offenbar nicht übermäßig. :) Nick Drake besucht sie im Studio, als sie in den frühen Siebzigern in England aufnimmt, sagt aber kaum ein Wort. Sie kannte seine Alben und hatte ihn gefragt, ob er ein paar Songs für sie schreiben könne. Kurz vor seinem Tod klingelt er noch einmal an der Tür ihres Apartments auf der Ile St Louis, erkennt die Stimme aber nicht, die er durch die Sprechanlage hört, und geht ohne ein Wort davon. – Später die Kollaborationen mit Blur und Iggy Pop („Alles, was sie sagte, war: Wie bist du nur an meine Nummer rangekommen?“).
Unwiderstehlich bezaubernd diese Mischung aus Schönheit und Ernsthaftigkeit, Erotik und Melancholie, dieses Capricornmädchen, das mit Scheu und Pessimismus kämpft, sie hat starkes Lampenfieber und vergißt vor Aufregung bei Liveauftritten manchmal die Texte, sie zieht sich von der Welt zurück und flüchtet sich in Bücher, trotzdem diese Stärke und toughness und Wahrhaftigkeit und eben diese Ausstrahlung, die zum Niederknien veranlaßt und die auch Dutronc noch in der „Tant de belles choses“-Doku erklären läßt, er habe sich an ihrer Seite lange minderwertig gefühlt, dabei ist er ein Auserwählter, chosen by her, die von sich sagt: es gibt nicht viele Männer, die ich anziehend finde. „Man schaue sich bei yt ‚Was mach ich ohne dich?‘ an“ – oui, machen wir. :)
Barry Adamson, wie er für „Lost Highway“ aus einem Francoise Hardy-Song something wicked macht:
Antirationalistischer Block, 10/2017
Interviewer: „Sie scheinen mir eher der einsame Typ zu sein?“
Francoise Hardy:
(Francoise Hardy – La discrète, F 2016)
Kommentarsektion, moi @ray05:
27.10.2017
Das Lächeln der Januargeborenen, zugleich embarrassed und unendlich überlegen. Daß ein solches Wesen in Einsamkeit gehüllt ist, als normalsterblicher Trottel („Idiot“) fragt man sich, wie sowas überhaupt sein kann, wie sowas in die Weltharmonik kommt, zu der Zeit sitzt sie in ihrem Zimmer und studiert Deutsch mit Thomas Manns Tod in Venedig, ihr Fotograf-Freund Perier sagt: sie ging nie aus, ich glaube, mit mir war sie zum ersten Mal im Kino. Mick Jagger, Bob Dylan reißen sich um sie, und sie sagt, sie hat es praktisch gar nicht bemerkt. Das klingt absurd, aber etwas daran ist auch wahr. Da ging SIE, zurück in IHRE mystische Einsamkeit. „The Queen of Sheba could have shined her shoes“, doch sie ist scheu und unsicher in einer Welt, die nur darauf wartet, sie zu verletzen. Am Ende sind die Saturnmädchen jedoch geradezu exzessiv furchtlos. Die Klarheit, mit der sie einfach sagt: Ja. Wer wollte da nicht die unauslotbare Tiefe ihrer Liebe gewinnen.
Alison Goldfrapp. Kann sagenhaft singen, kann sagenhaft sexy sein, kann nicht von dieser Welt sein, kann enigmatische Texte machen, kann Filmmusiken für noch nicht existente Filme machen, kann Videos machen, die man hier nicht posten kann, weil Kinder zugucken.
Celestine:
Meine Youtube-Wiedergabe funktioniert nur fragmentarisch, was mich sehr irritiert, und auch von diesen Clips konnte ich nur eine Version hören – „Lovely Head“, aber es war genug: Die Musik, die sie macht, ist wirklich einzigartig; der Song sehr melancholisch, aber avantgarde und experimentell zugleich – eine seltene Mischung. Sie hat eine wunderschöne Stimme, sie sieht gut aus = sie hat alle Voraussetzungen. Wenn alles andere, was sie macht, ähnlich gut ist, kriegt sie 10 Punkte von mir. Nach meiner Einschätzung wird sie jedoch keine „Queen“ für ein Millionenpublikum sein, sondern eine ganz spezielle Nische im Musikgeschäft besetzen, für die, die das Besondere erkennen und lieben.
Christian Erdmann:
Das erste Album „Felt Mountain“ ist so, wie Ihnen „Lovely Head“ erschien: sehr melancholisch, avantgarde, experimentell. Der Nachfolger „Black Cherry“ hatte auch diese Qualitäten, aber mit „Train“ und „Twist“ ging es schon in die Richtung, die dann mit „Supernature“ weiter kultiviert wurde – ein immer leicht oder schwer lasziver, oft obsessiv wirkender Synth-Glam, der Marc Bolan durch Barbarella ersetzt, doch es bleibt stets diese mysteriöse Qualität an Goldfrapp-Songs, etwas, das oberflächlich kühl wirkt wie ein Kubrick-Film, tatsächlich aber hitzig, schwül, dramatisch und pervers ist. Goldfrapp-Songs führen, in oft makelloser Schönheit, zur Wahrnehmung einer Ebene hinter der offensichtlichen Ebene, sie haben dieses Je ne sais quoi, nicht nur in Alison Goldfrapps Stimme, von der es ehedem bei laut.de hieß: „Hinzu kommt Alisons schaurig schöne Vokalakrobatik. Man muss schon genau hinhören, um zu erkennen, dass da an mancher Stelle kein Sampler am Werk ist, sondern sich die Gute in unglaubliche Höhen hinaufschraubt.“ – Der Versuch, den Sound der Band zu beschreiben, hat an der Universität Bristol schon akademische Würden eingebracht. Und während Björk irgendwann nur noch nervt, weiß man, wenn man aus einem Goldfrapp-Album wieder auftaucht, partout nicht, wie man hierher gekommen ist und wieviel Zeit vergangen ist, seit dieser Fahrstuhl einen in den 13ten Stock eines 12stöckigen Hauses gebracht hat.
Göttin der einsamen Tränen, die nur der Spiegel sehen darf. Alison Goldfrapp eignet diese Marlene-Dietrich-Mischung aus geheimnisvoller Sphinx und Bodenständigkeit („Kochen mit Alison Goldfrapp“).
[SPIEGEL ONLINE Forum „Elvis – immer noch der King?“, 09/2007]
„Wie sich zeigt, kann man tatsächlich das Gefühl haben, die eigenen Augäpfel würden aus den Höhlen hervortreten.“ (David Foster Wallace)
Auf dem „Achtung Baby“ Tribute schießt Jack White natürlich den großen schwarzen Vogel ab.
Die A-Klasse erweist sich als die A-Klasse: Nine Inch Nails, Depeche Mode, Jack White, Garbage. Bei den anderen merkt man schon, daß es nicht so leicht ist, einen U2-Song so zu gestalten, daß die Neufassung nicht komplett überflüssig ist. NIN, Patti Smith und Jack White geben ihren Versionen eine gegenüber dem Original ganz andere Färbung, was zumal bei „Until The End Of The World“ eine gute Idee ist, den U2-silver train bekommt man da eh nicht hin. Die Nine Inch Nails-Version von „Zoo Station“ versetzt mich in Trance. Als das Q-Mag mit der Achtung Baby-Tribute-CD gerade erschienen war, erzählte uns eine Frau vor dem Peter Murphy-Konzert, sie hätte „Zoo Station“ gleich 6x nacheinander gehört, und wenn Murphy nicht gewesen wäre, wäre sie wahrscheinlich gar nicht mehr unterm Kopfhörer hervorgekommen. Und genauso geht es mir. Hypnotisch, subtil, reznorous.
[SPIEGEL ONLINE Forum 11/2011]
„Bono used reverse psychology in his email, saying he totally understood why we’d say no. We just thought, Why not? ‚So Cruel‘ is Bono at his best, words-wise.“ – Martin Gore
Dave Gahan Zeilen singen zu hören wie „I gave you everything you ever wanted / It wasn’t what you wanted“ – wen das nicht in die Knie zwingt, der hat einen Kopf aus Eisen.
„When people talk about how good other guitarists are, they are talking about how they play within the accepted structures of contemporary guitar playing, which Pagey plays miles outside of. He plays from somewhere else. I like to think of it as… a little left of heaven.“ — Robert Plant
SPIEGEL ONLINE Forum „Led Zeppelin – vielversprechendes Comeback?“
13.09.2007
Christian Erdmann [Aljoscha der Idiot]:
LEIHT MIR MAL JEMAND 183 EURO?
Crot:
Mir bitte auch? Die Seite ist aber eh am Zusammenbrechen, wie’s scheint.
14.09.2007
dr_klaus_martin_schulte:
… wer hingegen brillante Musiker erwartet, die angesichts ihres Alters noch einmal das Beste geben wollen, für den sehe ich gute Chancen – viele der Auftritte von Page und Plant in den 90ern haben gezeigt, dass sie eine solche Angelegenheit ernst nehmen und sicherlich viel proben werden, um sich angesichts ihres legendären Rufs nicht zu blamieren. Ich jedenfalls bin zuversichtlich und würde den hohen Preis sofort zahlen.
Christian Erdmann:
Zumal sie sogar zu verhindern wußten, daß ihr 1985 spektakulär verunglückter Live Aid-Auftritt auf der DVD erschien. Wenn sie jetzt nicht 100% sicher wären, daß sie ihren Mythos musikalisch im Griff haben, würden sie es nicht machen.
IsArenas:
War er denn verunglückt? Meines Wissens war das vor allem Plants und Pages eigenes Urteil.
Christian Erdmann:
Und welchem sollte man sonst trauen? Schließlich sind Plant und Page bei allem, was sie entfesselt haben, immer Perfektionisten gewesen.
Der Auftritt überragt vieles andere, was an dem Tag zu hören war, schon deshalb, weil er stattfand. An Led Zeppelin-Maßstäben gemessen aber war er schlecht. Das Beste ist eigentlich der Moment, in dem das JFK-Stadion explodiert, weil Mister Robert Plant, Mister Jimmy Page, Mister John Paul Jones angekündigt werden.
Keine Proben, die Gitarren verstimmt, Plant nicht wirklich auf der Höhe und Page neben der Spur, im Zentrum des Problems aber saß Phil Collins. Genaugenommen ist der eigentlich immer ein Problem: Langeweile ist konterrevolutionär.
Crot:
Außerdem zeigt Jason einen ähnlichen Stil wie sein Vater und wird auch emotional der Band sehr nahe stehen und auch von daher sicher gut mit ihr harmonieren.
Christian Erdmann:
Sieht so aus, als wäre Jason ein wichtiger Faktor gewesen; von jimmypageonline.com:
Concert promoter Harvey Goldsmith said that he had originally asked Page, Plant and Jones to consider reuniting to play a 30-minute set as part of a gala concert. After several weeks of discussions the band finally assembled in a rehearsal studio on the outskirts of London in June to see if they could still play together. After a week of rehearsals, Zeppelin announced to Goldsmith that they would be willing and able to perform a full two-hour set. „Jason Bonham became part of the catalyst, and they did a week’s rehearsal,“ said Goldsmith. „We had a meeting and Robert turned around and said we’re not going to do 30 minutes, we’re going to do a whole set.“ Goldsmith added „They’re going to play all the great songs that everybody wants to hear. They are the last great rock gods that remain to be seen.“
16.09.2007
Celestine:
Ich war ein Led Zeppelin-Fan, aber der Preis ist einfach exorbitant…
Christian Erdmann:
Der Preis ist exorbitant, eigentlich lachhaft – aber das ist es ja gerade: ich würde das Geld investieren. Allein, derzeit ist die Ticketnachfrage so groß, daß Led Zeppelin das Wembley-Stadion 57 Wochen lang jeden Abend ausverkaufen würden. Die Welt will, daß die Olympgötter noch unter uns sind.
Zu den Spezies auf diesem Planeten, die ich nicht für überbezahlt halte, zählen Künstler – Künstler dieses Schlages erst recht.
Man kann ja vieles mit Led Zeppelin-Platten machen… eine Sache ist, einfach nur auf das zu achten, was Jimmy Page da treibt. Hypnotisches Riff 1, hypnotisches Riff 2, dann produziert er ein paar zuvor ungehörte Effekte, dann legt er Schicht über Schicht, Kaskaden von Klängen, dann wechselt er das Tuning, dann wechselt er die Tapete, dann kehrt er das Echo um, dann führt er dich in den Saal, wo die Prinzessin ruht, dann kommt brillantes Solo 1, dann gibt er kurz Aleister Crowley die Hand, dann mischt er Riff und Solo und den Teufel, dann noch eine Gitarre für brillantes Solo 2, dann noch eine Gitarre für eine Passage, deren Schönheit man gerade noch begreift, dann noch eine Gitarre für eine Passage, deren Schönheit unbegreiflich ist, zu diesem Zeitpunkt hat er bereits acht Arme und zwei Köpfe, und jedes einzelne Riff und jedes einzelne Solo ist magisch, und er ist dabei nie, entschuldigen Sie, ein Wichser; alles ist glitzernde, leuchtende Textur, unglaublich und goldrichtig, Soundgewebe so full of longing, und so sexy, daß du… und das war nur der erste Song.
Bei „No Quarter“, diesem ziemlich unheimlichen Song, bestimmt ja eigentlich John Paul Jones erstmal die Atmosphäre, aber nach 4 Minuten erschaffen die Gitarren von Page drei verschiedene Ebenen, eine davon klingt wie der langgezogene Schrei eines prähistorischen Riesenvogels. Ein 3-bändiges Tolkien-Werk in diesem Klang, wenn Sie mich fragen.
Was Page für die Musikgeschichte geleistet hat, ist noch nichtmal ansatzweise gewürdigt.
Das einzige, was mich beunruhigt, ist die Frage, ob die Architekten der O2-Arena bedacht haben, daß einmal der Moment kommen wird, in dem Jimmy Page da drin die ersten Töne von „Stairway To Heaven“ spielt.
Celestine:
Hallo Aljoscha, ich verdanke ihrer Musik einige der schönsten Momente meiner ganzen Jugend. Auch ich fand sie genial und phänomenal. Danach habe ich sie nur selten gehört, aber jedes Mal war es das gleiche Gefühl wie damals – ein absoluter Musikgenuss.
Gwynplaine:
Zitat von Aljoscha der Idiot […] was Jimmy Page da treibt […]
Schöne Hymne an einen Magier.
Trotzdem, richtig schätzen lernte ich Led Zeppelin erst mit „Houses Of The Holy“, aber vor allem mit „Physical Graffiti“, eine wunderbare Scheibe, trotz „Stairway To Heaven“ das Beste! „Kashmir“, „In The Light“ „Bron-Yr-Aur“, „Down By The Seaside“, „Ten Years Gone“ u.a. sind so schön und außerweltlich, dass es sich verbietet, einen Jimmy Page mit technischen Maßstäben zu messen. Er ist kein Virtuose, sondern ein Visionär, ein Maler, ein Weltenerschaffer, also doch ein Virtuose. :)
Christian Erdmann:
Geht mir ähnlich, ich halte „Kashmir“ für einen der besten Songs aller Zeiten. Interessiert jetzt keinen, aber als ich den zum ersten Mal hörte, stand ich 8 Minuten in religiöser Ehrfurcht mitten im Zimmer, weil ich es nicht glauben konnte. :)
BerSie:
Ja, mir gings genauso… aber erst bei der 90er Jahre Fassung! No Quarter ist sicher die CD, die ich in den letzten fünfzehn Jahren am häufigsten gehört habe!
Christian Erdmann:
Unfaßbare Version von „Kashmir“ – wie die Hossam Ramzy-Combo das am Ende nach jedem Riff noch weiterträgt: > blows me away.
17.09.2007
l.augenstein:
Glauben Sie das mit den 20 Millionen potentiellen Kartenkäufern wirklich? Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Veranstalter so versucht, einen Hype daraus zu machen, um die heillos überteuerten Karten zu rechtfertigen. Vermutlich brauchen die Zeppeline auch eine Finanzspritze und wollen damit den CD-Verkauf wieder pushen!
Christian Erdmann:
Die brauchen kein Geld. Festgestellter Vermögensstand April 2007: Robert Plant 70 Millionen Pfund, Jimmy Page 70 Millionen Pfund. Die Band hat 300 Millionen Alben verkauft, allein seit 1990 über 20 Millionen, ein Drittel davon geht an Fans unter 25 Jahren. Aber Ihre Zweifel an den 20 Millionen Registrierten sind schon berechtigt: mittlerweile sind es 25 Millionen. :)
paparatzi:
Zitat von Aljoscha der Idiot … ich halte „Kashmir“ für einen der besten Songs aller Zeiten. Interessiert jetzt keinen, aber als ich den zum ersten Mal hörte, stand ich 8 Minuten in religiöser Ehrfurcht mitten im Zimmer, weil ich es nicht glauben konnte. :)
Doch, interessiert schon, sehr sogar, wenn es Anderen ähnlich ging :)) Genau diese Inspiration fehlt bei heutigen Interpreten. Liegt es am Kommerz, an der Ideenlosigkeit?
Christian Erdmann:
Es ist auch eine bestimmte Form des kreativen Chaos sehr selten geworden. Wenn man bedenkt, wie z.B. Led Zeppelin IV aufgenommen wurde, und damals zog man in irgendein altes Gemäuer für solche Sachen. :)
Nun ist John Bonham ja fraglos nicht ersetzbar, sein Sound unerreicht. Und auch unerklärlich. Ich denke, sein rechter Fuß war aus Adamant.
Jedenfalls, auch da war Page Teil der Magie – für „When The Levee Breaks“ hat er Bonham ja in die Halle des besagten Altbaus gesetzt, und ein Stereomikrofon eine oder zwei Etagen höher aufgehängt, nach der Maxime: distance equals depth. Dabei kam dann diese Sound-Dimension heraus, die Page „ambience“ nannte.
Jeder Led Zeppelin-Song ist randvoll mit magischen Dingen, die in heutigen Studioproduktionen kaum mehr auftauchen. Und das geht von der wagemutigen Virtuosität von drei Musikern und einem Sänger bis zu diesem Bandknistern vor „Immigrant Song“, oder dem Gitarrenwarmmachgewische vor „Black Dog“, das integral zur Stimmung des Songs gehört. :)
l.augenstein:
@Aljoscha: Freut mich ungemein, wenn’s den alten Haudegen finanziell so gut geht. Ich darf Ihnen versichern, dass ich mir Stücke wie BRON-YR-AUR auch heute noch sehr gerne anhöre und spiele!
Christian Erdmann:
Zitat von l.augenstein Ich darf Ihnen versichern, dass ich mir Stücke wie BRON-YR-AUR…
… erklären kann? Können Sie’s mir erklären? Ich meine, genau dieses Stück wäre mal ein lohnendes Studienobjekt: 9 von 10 spielen das so runter, und es klingt wie Wandertag. Der zehnte ist Jimmy Page. :)
18.09.2007
Christian Erdmann:
Einzigartig an Led Zeppelin auch die Chemie zwischen den Bandmitgliedern. Und die Art, wie man Charisma hören kann, auf jeder Aufnahme.
Der Moment, in dem John Bonham bei „Misty Mountain Hop“ einsetzt, läßt einen denken, der trommelt da mit Bahnschranken.
Unfaßbar, wie Bonham das mit, eben, four sticks durchhaut, und Page möchte man einfach nur den Gitarrenhals küssen.
l.augenstein:
Und wenn Sie mich fragen hat sich Page bei Bron-Yr-Aur in eine Art Trancezustand gespielt…
19.09.2007
Gwynplaine:
Zu „Bron-Yr-Aur“: das mit dem Trancezustand halte ich nicht für unwahrscheinlich, denn das Stück hat einst mich in einen Trancezustand versetzt. Ich denke, das Stück ist geeignet, jeden zu hypnotisieren, der es hört.
thedirtydozen:
Tschuldigung, ich hab keine Ahnung und bin jetzt auch zu faul, alles nachzulesen: Wer soll denn bei der Reunion an den Drums sitzen? Mein Wunschkandidat wäre, wie sollte es anders sein, Dave Grohl. Ich glaube, der wäre einer der Wenigen, die tatsächlich den Geist und die Wucht John Bonhams wiederaufleben lassen könnten.
Christian Erdmann:
Grohl pausiert von Omnipräsenz. Jason Bonham – ich denke, für den „Geist“ des Konzerts ist das schon die richtige Entscheidung. Plant, Page, Jones, Bonham: Jasons Hauptaufgabe ist es wohl, den Mythos zu repräsentieren. Über seine Technik weiß ich nichts, aber das für Led Zeppelin-Songs grundsätzlich Unabdingbare übt er doch eh seit 100 Jahren.
26.09.2007
Yeti:
Zitat von Aljoscha der Idiot Ich denke, sein rechter Fuß war aus Adamant.
Wahrscheinlich. Aber die Bassdrum wurde auch ziemlich heftig abgemischt. Auf vielen Studio-Aufnahmen hört man immer wieder das Quieksen der Pedal-Mechanik.
Jedenfalls, auch da war Page Teil der Magie…
Auch das, auf jeden Fall. Seit ich als Jugendlicher vor 25 (?) Jahren das erste Mal das Video von „The Song Remains The Same“ gesehen habe, bin ich überzeugt davon, der hat einen Deal mit dem Teufel gemacht. Mindestens. Evtl. ist er’s sogar selbst :-)
Haben Sie sich mal Pages Finger angesehen? Deren untere zwei Glieder sind länger als meine ganze Hand!
Christian Erdmann:
Auf „Black Country Woman“ klingt Bonhams Einsatz mit der Bassdrum nach anderthalb Minuten so, als würde irgendein Koloß von der Heilsarmee mit einer 2-Meter-Durchmesser-Pauke durchmarschieren.
Plants Stimme – ich meine, so wie auf „The Wanton Song“ kann eine menschliche Stimme ohnehin kaum klingen. Aber die Art, wie sie bei „Hats Off To (Roy) Harper“ noch durch diesen Vibrato-Amp gefiltert wird – schaurig genial. Page war ja in den 60ern sozusagen Studio-Inventar, mit allen Wassern gewaschen. Aber die Trickkiste, die er dann selbst als Produzent aufgemacht hat, ist einzigartig.
Seit ich als Jugendlicher vor 25 (?) Jahren das erste Mal das Video von „The Song Remains The Same“ gesehen habe, bin ich überzeugt davon, der hat einen Deal mit dem Teufel gemacht. Mindestens. Evtl. ist er’s sogar selbst :-)
Die Art, wie er sich auf der Bühne bewegte, hat mich bei dem Film auch unendlich fasziniert… wenn dem mal nicht die Glieder vom Second Revelator verrenkt wurden! :) Hatte immer schon (Lederstrumpf-Chingachgook-Schema) ein Faible für den dark sidekick, den zweiten Mann, der eigentlich der erste ist.
Diese unberechenbare Feingliedrigkeit wirkte dann spätestens mit Knebworth, wo er ja nur noch ein Rohr im Wind war, natürlich schon unheilvoll, wenn man das heute sieht, hat man schon das Gefühl, das konnte nicht mehr lange gutgehen.
29.11.2007
BerSie:
Das Konzert wurde übrigens auf den 10. Dezember verschoben! Page hat sich einen Finger gebrochen.
10.12.2007
flonaldo73:
Hat jemand von Euch etwas hinsichtlich einer Live-Übertragung der heutigen Led Zeppelin-Reunion im Radio/Internet, etc. vernommen? Wer kann behilflich sein??? Wäre zumindest gerne mit einem Ohr in London dabei.
Christian Erdmann:
Akustisch gibt es da sicher nichts… nme.com hat als „live coverage“ einen „Song-Blog“. Überraschend vielleicht, was Page sagt:
Continuing to fuel speculation, Jimmy Page told Britain’s Q magazine that he wants the Zeppelin reunion to continue beyond next week’s London show, and is even willing to consider using the new music he’s been stockpiling as the basis for a new Zeppelin album.
Jones sagt, die Tür dafür sei wahrscheinlich halb offen. Das heißt wahrscheinlich, Plant hält sie halb zu.
11.12.2007
Leondavid:
Hallo zusammen, komme gerade aus London und bin noch immer high. Ich war gestern abend mit meiner Frau auf dem Konzert und kann nur Gutes berichten. Es war eine Wiederauferstehung.
Die Band ist sensationell stark und braucht sich vor niemandem zu verstecken. Seit 33 Jahren gehe ich zu Rock-Konzerten und bin noch NIE so weggeblasen worden. Nach schon gutem Anfang trotz Abstimmungsproblemen mit der Technik steigerte sich die Band unaufhörlich von Song zu Song ohne einen Aussetzer. Eine solche dichte Live-Atmosphäre habe ich noch nie erlebt. Und den Jungs hat es nach etwa einem Drittel der Songs auch richtig Spaß gemacht. Als sie lockerer wurden, war sie wieder da, diese legendäre Urgewalt. Sie hatten aber auch einen guten Ruf zu verlieren. So viele glückliche Gesichter mit Tränen in den Augen habe ich noch nie gesehen. Und ich meine nicht Rockopis mit Bierbäuchen und Glatzen, sondern sehr viele junge Leute, die alle durch diesen Zeittunnel mitgerissen wurden.
Christian Erdmann:
Man hätte es ja schon als Erfolg werten können, wenn Led Zeppelin gestern nicht ihren eigenen Mythos zerstört hätten, ich fand es schon ziemlich bold, anzutreten unter diesem übergroßen Schatten, den das Luftschiff wirft. Offenbar haben sie aber selbst diejenigen, die vielleicht schon die Feder ins Gift getaucht hatten, sprachlos gemacht. Rückwärtsgewandt ist also dann eigentlich vor allem die Vorstellung, es gehe hier um „Revival“. Was gut ist, wirklich gut, kann gar nicht genug Kontinuität haben.
Daß Robert Plant mit knapp 60 nicht mehr die Tonlage sexueller Hysterie trifft wie in den 70ern, ist doch wohl klar. Trotzdem hat er es offenbar geschafft, die Led Zeppelin-Sänger-Persona wieder aufzugreifen, weiterzuentwickeln und in die Magie zu integrieren.
canUCme:
Tja, manche Leute werden auch noch am Himmel was auszusetzen haben. Es erscheint mir manchmal so, als wäre die junge Generation etwas neidisch auf die alten Herren. In der Tat wird es keine Gruppe der letzten zwanzig Jahre fertig bringen, 27 Jahre nach ihrer Auflösung über 20 Millionen Interessenten für ein Konzert zu mobilisieren. Diese ganze Musikalität, die Mystik, das Phänomen, als Gruppe von Solisten banddienlich zusammenzuspielen: Das wird es in dieser Ausprägung so schnell nicht wieder geben.
Aber das allein erklärt den Ruhm von Zeppelin noch nicht. Von Pages Musikersuche Ende 1967, über die Wahl eines kompetenten Managements, über den Plattendeal mit Atlantic (ohne Demo-Aufnahmen!) bis zu den Mega-Touren mit Privatjet und riesigem technischem Aufwand: Alles erscheint rückwirkend zusammenzupassen, eine einzige aufsteigende Linie. Selbst die nie gekannte Konsequenz einer Rockgruppe, ohne ihren Schlagzeuger nicht weiterzumachen, zeigt die gleiche Größe wie alles andere.
Led Zeppelin-Platten konnte man allein auf seinem Zimmer hören, sich in die Musik vertiefen und tags darauf auf einer Fete ekstatisch dazu tanzen. Stücke wie „Kashmir“ oder „Achilles Last Stand“ hatten etwas Hypnotisches und kondensierten die Träume und Gefühle einer ganzen Generation. Das Verblüffende ist eben, dass dies auch heute noch funktioniert. Wann hat man Leute aus aller Welt das letzte Mal so euphorisch und überwältigt aus einem Rockkonzert kommen sehen wie gestern Abend?
Hats off!
12.12.2007
Christian Erdmann:
Dieser Moment, wenn vor einem Konzert die Lichter ausgehen, ist ja jedes Mal ein ekstatischer, aber nachdem ich das geniale Intro aus der O2-Arena gesehen habe, dachte ich, wohl ganz gut, daß ich nicht da war. Ich glaube, ich wäre komplett durchgeknallt, mir wären Flügel aus den Schultern gepoppt oder so.
16.12.2007
Yeti:
Zitat von Aljoscha der Idiot Was gut ist, wirklich gut, kann gar nicht genug Kontinuität haben.
Amen! Aljoscha, Sie sind ein wahrlich weiser „Idiot“!
mahrud:
Die Fragestellung „Led Zeppelin – vielversprechendes Comeback?“ geht meines Erachtens durchaus weit über die Frage einer richtigen Wiedervereinigung von Led Zeppelin hinaus.
Was hat es zu bedeuten, wenn sich mehr und mehr alte Könner eindrucksvoll zurückmelden? Alle diese Musiker stehen für eine Kontinuität, nicht nur ihrer eigenen Person, sondern einer musikalischen Ära, die Teil des Welt-Kulturerbes geworden ist und vermutlich einmal den gleichen Rang einnehmen wird wie heute Klassische Musik. Die Reaktion der Öffentlichkeit geht dabei deutlich über reine Sentimentalität hinaus. Trotz allen Mainstreams gibt es offenbar ein allgemeines Bedürfnis nach der Art, wie vor 40 Jahren Musik gemacht wurde. Vielleicht sehnt man sich nach mehr Authentizität und instrumentaler Virtuosität.
Christian Erdmann:
Vorgestern las ich den Blog der Tagesthemen-Redaktion, in dem publik gemacht wurde, wie innerhalb der Redaktion gestritten wurde, ob der Bericht vom O2-Konzert nun in die Sendung gehöre oder nicht. Seltsame Frage, bei 20 Millionen Ticket-Anfragen und angesichts der Tatsache etwa, daß der „Song-für-Song-Blog“ auf der Online-Präsenz der renommierten Musikzeitschrift, nme.com, zusammenbrach, weil Menschen rund um den Globus die Tracklist in Echtzeit zu wissen begehrten; seltsame Frage also, die ich in Ihrem Sinne beantwortet habe: die Musik von Led Zeppelin ist zeitgenössische Klassik.
Wichtig auch Ihr Punkt: eine Reaktion, die deutlich über Sentimentalität hinausgeht. Man kann die Rede von „Epiphanie“ auch der leicht ironischen Ebene entziehen und einfach zu den von Ihnen formulierten Sehnsüchten diejenige nach „Charisma“ addieren – nach echtem, nicht nach dem, was in unzähligen Shows voller Künstlichkeit, Epigonentum oder verblüffender Talentlosigkeit als „Star“ verkauft wird.
Davon abgesehen wird die Musik von Led Zeppelin ja ständig von neuen Generationen entdeckt, und natürlich nicht nur die; in das online-Kondolenzbuch für Joe Strummer trugen sich viele Unter-20-Jährige ein, mit dem Tenor: was soll ich mit Green Day, wenn es The Clash gab.
Bzw: gibt. Genau das ist der Punkt.
(Und „London Calling“ ist ja auch der Grund, warum man die taz nicht lesen muß. :) Ernsthaft: der lausigste Kommentar zur Led Zeppelin-Reunion [vor dem Konzert] kam von der taz.)
Led Zeppelin waren immer da und werden immer da sein, als einzigartige Facette in diesem ziemlich großen Ding namens Universum, in dem es unzählige hinreißende Facetten gibt: was Placebo können, kann sonst keiner. Aber jetzt wissen wir halt wieder: was Led Zeppelin konnten, konnte ganz besonders sonst keiner.
22.04.2008
Nachtschwester Ingeborg:
Na ja, ich würde mal sagen, das ist klar geklaut, genauso wie der Song „Whole Lotta Love“, der sich verdammt nach dem Song „You Need Love“ von Muddy Waters anhört.
Christian Erdmann:
Für das vielgelobte Riff von „Seven Nation Army“ könnte sicher auch irgendein schwarzer Bluesmusiker das Haus von Jack White heimsuchen, aber ich schätze, er würde sagen: ich segne dich, mein Junge.
Pnin:
Naja, bei Dazed and Confused ist es schon arg offensichtlich. Tut dem Lied selbst aber ja keinen Abbruch :)
Christian Erdmann:
Die Diskussion darüber, ob die beiden nicht überhaupt recht unbekümmert mit „Page / Plant“ gezeichnet haben, ist ja nicht neu. Aber ehrlich, die haben Versatzstücke so sehr zu their own gemacht und etwas so vollkommen Anderes, Einzigartiges daraus erschaffen, das ist für mich niemals ein „Plagiat“.
Derart einzigartig actually, daß mir kein sinnvolles Cover eines Led Zeppelin-Songs einfällt. Die haben einfach diese rätselhaften Pyramiden in die Musikgeschichte gesetzt, zackzackzack, eine nach der anderen, und man kann sich höchstens den Kopf dran stoßen.
Ja, Physical Graffiti. Hatte die Doppel-LP. Wenn ich sie denn mal durchhörte, was selten genug vorkam, konnte ich lange Zeit nichts anderes mehr hören. Das Zeugs kam wie ein Eisbrecher daher, oder wie ’ne Walze, die einem viel Mittelmäßiges einfach so auslöschte im Kopf. Man fing dann wieder bei 0 an, gewissermaßen, aber 0 auf einem höheren Level. :)
Christian Erdmann:
Dieser Nachmittag, als ich Physical Graffiti nach Hause brachte, – die vier Wände meines Zimmers brachen einfach so weg, und man stand in Houses of the Holy, seitdem. „From the door comes Satan’s daughter“, ah, ok, herein. :) An meiner Schule gab es ein bezauberndes Mädchen, eines Tages fragte ich sie, ob sie Led Zeppelin mag. „Manchmal sehr“, sagte sie, „und manchmal bekomme ich von der Musik Kopfschmerzen.“
Weiß nicht, welche andere Band es schafft, noch bei der 100sten deiner Lebensphasen, in der du komplett eintauchst in diese Musik, so completely mind-blowing zu sein? David Lynch: „Sex is a doorway to something so powerful and mystical“. Jimmy Page wußte das. Darum klingt er so, wie er klingt.
Hörte gerade IV; „Black Dog“, winding riff and complex rhythm changes, John Paul Jones über seinen Basspart: „I wanted it to turn back on itself. We struggled with the turn-around, until Bonham figured out that you just four-time as if there’s no turn-around. That was the secret.“
Da kann man als 16jährige schon Kopfschmerzen bekommen. :)
But when I whispered in her ear, I lost another friend
It was an April morning when they told us we should go