Nachdem nun wirklich jeder „Experte“ aus Ratzekofel am Dödel und sein Hund festgestellt hat, daß Argentinien samt Lionel Messi nichts weiter ist als eine von der FIFA protegierte Tretertruppe, dürfen wir unsererseits feststellen: Argentinienhass ist sowas wie Russenhass, wenn Russland gerade nicht da ist. Mit der Behauptung, daß die FIFA bei der WM 2026 Argentinien systematisch bevorzuge, wurde eine Petition lanciert, die den Ausschluß der Argentinier vom Turnier forderte, und die von Millionen unterzeichnet wurde. Ich habe nicht unterschrieben, obwohl jeder gesehen hat, daß FIFA-Boss Infantino persönlich beim Halbfinale von den Engländern gefordert hat, sich ab der 70. Minute flach auf den Boden zu legen und Argentinien vorbeizulassen, und daß die Engländer das dann auch taten.
Wir halten auch fest: wenn Jude Bellingham nach dem Spiel Valentin Barco an den Hinterkopf schlägt, dann hat der Argentinier zweifelsfrei vorher provoziert, während es sich beim Gerangel nach dem Finale natürlich um einen unprovozierten Angriffskrieg durch Argentinien handelte.
Argentinier spielen dermaßen unfair, daß sie den Gegner nicht einmal berühren müssen, sondern mit bloßer Psychokraft zu Fall bringen. Konzentriertes Böses eben.
Nur nebenher: ich weiß nicht, wie oft sich während der 90 Minuten im europäisch geprägten Fußball Spieler bei Zweikämpfen in Betrugsabsicht hinwerfen und in Todeskrämpfen winden, als hätte sie gerade der Blitz getroffen. Dankenswerterweise haben bei dieser WM die Schiedsrichter häufig abgewunken, und es gab am laufenden Band Spontanheilungen wie in Lourdes. Diese ständige Schauspielerei empfinde ich mittlerweile als zum Speien unfair, bei Embolo britzelten die Synapsen einfach zu früh, für einen ansonsten routiniert inszenierten Vorgang.
Ebenso werden ständig „Fouls“ gepfiffen, bei denen der Kontakt zum Gegenspieler vom „Gefoulten“ selbst provoziert wird, was Kommentatoren und Experten mit Phrasen bedenken wie „Er zieht das Foul“ oder „Das macht er sehr geschickt“. Ein Deutscher namens Hölzenbein hat den Trick beim WM-Finale 1974 übrigens auf großer Bühne etabliert, vielleicht sollten also gerade wir den Zeigefinger steckenlassen.
Die Rote Karte? Foul, unbestritten, aber wäre Cubarsis bemerkenswerte Flugkurve eine direkte Wirkung des physischen Kontakts gewesen, hätte man Cubarsi danach vom Platz getragen und direkt ins Krankenhaus gefahren. Cubarsis Flugkurve hatte also noch andere Ursachen, eine davon ist, daß Fernandez bereits die gelbe Karte gesehen hatte. Gerade deshalb unfaßbar dumm von Fernandez. Hat Enzo Fernandez also das Spiel für Argentinien verloren? Vielleicht hätte Argentinien mit 11 Mann die Verlängerung erreicht, aber man kann nicht 120 Minuten nur verteidigen und dann auf das Elfmeterschießen hoffen. Es scheint, als hätte Spaniens dunkle Kunst, worin auch immer sie besteht, es vermocht, daß die argentinische Mannschaft nur noch ein paralysierter Schatten ihrer selbst war, so wie schon die Mannschaft Frankreichs, die zuvor so sensationell aufgetreten war, im Halbfinale gegen Spanien plötzlich nur noch ein paralysierter Schatten ihrer selbst war. Argentinien hat sich in irgendeinem tiefen Wald verloren, Spanien ist ein verdienter, würdiger Weltmeister.
Im Internet kursiert dieses Zitat des legendären Sir Alex Ferguson über Lionel Messi bei der WM 2026. Ich weiß nicht, ob er es gesagt hat, oder wo er es gesagt hat, aber wenn er es gesagt hat, hat er alles gesagt.
„I have spent my entire life in football. I have managed against the greatest players the game has ever produced, coached some of the finest talents in the world, and witnessed generation after generation of exceptional footballers. But what Lionel Messi is doing at the age of 39 is beyond anything I have ever seen.
By this stage of their careers, most players have either retired long ago or are struggling to cope with the intensity and pace of the modern game. Messi, however, is leading Argentina to yet another World Cup final. He is not merely surviving at this level — he is dominating it. That is the difference.
People continue to ask how he is still capable of doing this. The answer is quite simple: his understanding of the game is decades ahead of everyone else’s. He no longer needs to outrun you because, by the time you take your first step, he has already anticipated the next three passes.
Look at this tournament. Whenever Argentina have needed someone to take responsibility, Messi has been the answer. When they were under pressure, he demanded the ball. And when England believed they had one foot in the final, Messi transformed the match with two extraordinary passes. That is what true greatness looks like.
You can organize your defense perfectly, assign two or three players to track him, and spend months studying every movement he makes. None of that guarantees success. He needs only a single second to dismantle 90 minutes of meticulous defensive work.
What impresses me most is not merely his ability, but his mentality. The greater the occasion, the calmer he becomes. While everyone else feels the immense pressure of the World Cup, Messi plays as though he was born for these moments. That is why he continues to break hearts and make history.
I am going to say something that may not please everyone, but I do not care. We will never see another footballer like Lionel Messi. When he retires, an entire era of football will retire with him. There will be players who win the Ballon d’Or, score hundreds of goals, and lift countless trophies. But no one will ever combine genius, consistency, longevity, and humility in quite the way Messi has.
Enjoy every minute while Lionel Messi is still on the pitch. Because when he finally walks away from football, the game will lose a small part of its soul. There will be great players after him, undoubtedly. But there will never be another Lionel Messi.“
Wie jeder kann ich auf Trump, Trinkpausen und Halbzeitshows sehr gut verzichten, wie viele war ich vorher nicht sicher, ob eine WM mit 48 Teams eine gute Idee ist, und wie schön war es dann, den Weg einer Mannschaft wie Kap Verde bei dieser WM verfolgen zu dürfen. Ein Land, das sich vielleicht nicht für das Turnier qualifiziert hätte, wenn es nicht 9 feste Plätze für Afrika gegeben hätte. Argentinien vs. Kap Verde: der Ausgleich zum 2:2 für Kap Verde ein Traumtor, das ganze Spiel eines der absoluten Highlights dieser insgesamt sehr wunderbaren WM.
Quote Unquote:
„Messi. Der Typ ist unfaßbar. Und was bitte ist das für ein erster Ballkontakt. Das ist ein Gedicht, das ist Kunst, das ist Weltklasse. Das ist einfach nur – Lionel Messi.“
„Das ist Fußballgeschichte in Reinkultur, das ist ein Weltwunder. Fußballwelt, laß dich umarmen, das sind hier alles Bilder für die Ewigkeit.“
„Ein unsterbliches Spiel, für jeden im Stadion, für jeden, der es sieht.“
Vor dem Finale schrieb ich: Wer sich nicht für das Herz, die Emotion, die Verrücktheit, das Drama und die Schönheit des argentinischen Fussballs begeistert, liebt den Fussball nicht und liebt auch das Leben nicht.
Und dabei bleibe ich.
Lionel Scalonis Reaktion auf das Siegtor zum 2:1 gegen England. Die ungläubige, stille Demut dieses Mannes, der fast zu weinen beginnt.
Danke, Lionel Messi, für all die Magie. Und da man nicht weiß, wie viele Weltmeisterschaften man noch erleben wird: danke für alles, Argentinien.
