12. August 2021, wir machten mit dem Fahrrad eine Pilgertour zum Grab von Raimund Harmstorf – Kapitän Wolf Larsen in „Der Seewolf“, wohl der legendärste der ZDF-Abenteuer-Vierteiler, mit denen ich aufgewachsen bin. Die Grabstätte von Raimund Harmstorf befindet sich auf dem Friedhof von Bad Oldesloe.
Am Abend vorher hatte ich meine erste Ausgabe von Jack Londons Roman aus einem Karton gezogen, ein ausgedientes Exemplar, das ich geschenkt bekommen hatte bei einer der Reisen in den Osten, die meine Maman mit mir fast jeden Sommer unternahm. Verlag Neues Leben Berlin 1968, 2. Auflage 1970. Übersetzerin war Christine Hoeppener. Ich las noch einmal die ersten Zeilen:
„Ich weiß kaum, wo beginnen, wenn ich auch mitunter im Scherz die Ursache all dessen auf das Konto von Charley Furuseth schreibe. Er besaß ein Sommerhäuschen in Mill Valley, im Schatten des Mount Tamalpais, und bewohnte es nie, außer wenn er die Wintermonate vertrödelte und Nietzsche und Schopenhauer las, um sein Gehirn auszuruhen.“
[Another case of synchronicity – in Mill Valley war soeben die Sängerin Rykarda Parasol zur Post gegangen, um mir zwei ihrer CDs zu schicken. Ich hatte seit Juni Kontakt zu ihr. Wie Charley Furuseth lebt sie zeitweilig in Mill Valley. Unglaublich.]
In dieses Exemplar also schrieb ich ein paar Worte, mit der Absicht, es beim Grab zu lassen. Manchmal muß man Dinge tun, auch wenn sie absurd sind.
Es dauerte eine Weile, bis wir die Grabstätte fanden. Und dann war es verdammt berührend, dort zu stehen. Ich las ein paar Passagen aus dem Buch vor. And left it there. Full circle. Wie Jeordie White im Hour of Goon-Podcast zu sagen pflegte: „Great man. Beautiful man.“







„BLUTIGER FREITAG ist einer der selteneren Spezies deutscher Filme, der sich seiner blutverschmierten Seele und politischen Unkorrektheit bewusst ist und nicht schämt, sie darüber hinaus als essentiell betrachtet, um an das anvisierte Ziel und ein bisschen weiter zu kommen.“ (italo-cinema.de)
Update 08/2024 – so lovely to see: mein „Seewolf“-Exemplar durfte noch für einige Zeit beim Grab verweilen und erschien sogar in einer Fotoausstellung. Die Fotografin Sonja Broschinsky hat dieses wunderschöne Bild gemacht:

„Erst beim zweiten oder dritten Blick erkennt man auf einem Bild den übergroßen Ausschnitt eines Buches und eines Engelsflügels. Broschinsky hat beides ziemlich versteckt am Rande des Grabes von Raimund Harmstorf entdeckt.
Der bekannte Schauspieler, der auf dem Oldesloer Friedhof seine letzte Ruhe fand, hat immer noch viele Fans. Einer von ihnen muss wohl das Buch ‚Der Seewolf‘ von Jack London hier abgelegt haben, darauf sitzt ein kleiner Engel. Raimund Harmstorfs bekannteste Rolle war die des Kapitäns Wolf Larsen in der Verfilmung.“
Muss wohl. :) Aus:
Oldesloer Friedhof in Schwarz-Weiß
Schwarz-Weiß-Bilder bieten besonderen Blick auf Oldesloer Friedhof