„‚Mon Dieu!‘ she exclaimed to the empty blue, ’now I know…‘
‚What do you know?‘ asked Greta McCraw, suddenly peering up over the top of her book, alert and factual, as was her disconcerting way. The Frenchwoman, seldom at loss for a word, even in English, found herself embarrassingly tongue-tied. It simply wasn’t possible to explain to Miss McCraw of all people her exciting discovery that Miranda was a Botticelli angel from the Uffizi… impossible to explain or even think clearly on a summer afternoon of things that really mattered.“ – Joan Lindsay, Picnic at Hanging Rock

SPIEGEL ONLINE Forum
26.05.2006
Aljoscha der Idiot / Christian Erdmann:
Okay, das war’s dann, ich oute mich: „Picknick am Valentinstag“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ich fürchte, meine Seele trägt Spitzenrüschen. Jedenfalls war ich unsterblich verliebt in Miranda St. Clare. Daß Sie hier alte Wunden aufreißen müssen! :)


07.02.2007
Christian Erdmann:
Ein heimlicher Star meiner Adoleszenz war die Schauspielerin Constanze Engelbrecht – als ich begriff, daß sie in den deutschen Synchronfassungen sowohl Isabelle Adjani in „Nosferatu – Phantom der Nacht“ als auch Anne Lambert in „Picknick am Valentinstag“ ihre Stimme lieh. Leider so entsetzlich früh verstorben. Wunderbare Stimme.


21.03.2007
BerSie:
Zu Gemälde im Film fällt mir „Der Kontrakt des Zeichners“ von Greenaway ein. Ein barocker Whodunit!
Christian Erdmann:
Die Darstellerin der Sarah Talmann ist übrigens auch „Miranda“ in Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“, Anne Lambert. Die, so las ich mal, auch deshalb über die Jahre hinweg nicht so häufig auf der Leinwand zu sehen war, weil irgendein Psycho ihr das Leben zur Hölle machte.

19.02.2008
marks&spencer:
Ich habe selten ansprechende australische Filme gesehen.
Christian Erdmann:
„Picnic at Hanging Rock“? Als Peter Weir noch Australier war.
marks&spencer:
Kommt mir bekannt vor… ich habe den Film schon mal gesehen, aber da war ich noch ein Kind. Ich erinnere mich nur an Mädchen in weißen Kleidern…
Christian Erdmann:
Ja, der. Dürfte der einzige Film sein, bei dem der „Director’s Cut“, der nun auf DVD erhältlich ist, kürzer ist als die bis dahin zirkulierende Version. Ich weiß nicht, was Weir da geritten hat, ich fand, das war keine gute Idee.
Ich war auch noch sehr jung, als ich den Film zum ersten Mal sah, und beschloß, Knecht an einem Mädchenpensionat zu werden, in Australien, im Jahre 1900.
BerSie:
Aljoscha, Aljoscha… zwischen Botticelli-Engeln im Pferdestall, das sieht Dir ähnlich! :) Neulich wolltest Du noch Deborah Kerr vor dem Stier retten! :)



„Everything begins and ends at exactly the right time and place.“
„We worked very hard at creating an hallucinatory, mesmeric rhythm, so that you lost awareness of facts, you stopped adding things up, and got into this enclosed atmosphere. I did everything in my power to hypnotize the audience away from the possibility of solutions.“ – Peter Weir
1987 wurde das von Joan Lindsay auf Anraten des Verlegers für das Erscheinen von „Picnic at Hanging Rock“ 1967 zurückgezogene Kapitel 18 schließlich doch noch veröffentlicht, und obwohl „a hole in space“ explizit im Text erscheint, bleibt auch dieses Schlußkapitel noch wunderbar rätselhaft. Miranda, der „Botticelli-Engel“, der die physische Welt transzendiert und die strikten, repressiven Bedingungen von Raum und Zeit verläßt, scheint zu wissen, daß sich am Hanging Rock ein Portal in andere Dimensionen öffnet. Zu Sara, mit der sie eine besondere Zuneigung verbindet, sagt sie vor dem Ausflug: „You must learn to love someone else, apart from me. I won’t be here much longer.“
„The ‚readings‘ are endless, the mood impossibly eerie and the legacy untouchable.“ – Kevin Maher in der Times, 2023. Peter Bradshaw schreibt im Februar 2025 im Guardian über die Mädchen: „There is something almost hypnotised in their behaviour, as if they know what is to happen, that they are to be secret sacrifices to a hidden god or be returned to their planet of origin.“
Und ich fand immer, daß Miranda in der Szene, als sie sich noch einmal umdreht und der Französischlehrerin zum Abschied zuwinkt, die Lippen bewegt, als würde sie sagen: home.
Gheorge Zamfir, Marcel Cellier:
Anhang: Kommentarsektion Antirationalistischer Block
13.05.2014
ray05:
Bingo mal wieder. :)
Christian Erdmann:
„Alles beginnt und alles endet zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sagte das Mädchen Miranda beim Picknick am Valentinstag.“
Ein Absatz später: IT’S BEEN SO LONG, die Zeile aus Bowies „Cat People“, die insgesamt 5x in „Aljoscha“ vorkommt.
Anne Lambert hat erzählt, wie sie, after one tough filming session where nothing went well, in ihrem Miranda-Kleid davonging, um allein zu sein, aber nach einer Weile bemerkt sie, daß sie nicht allein ist. Sie dreht sich um und sieht eine alte Dame, die sich über den Fels müht. Es ist Joan Lindsay, und sie umarmt Anne und sagt unter Tränen: „Oh, Miranda, IT’S BEEN SO LONG!“
3 replies on “Picknick am Valentinstag”
Habe den Film gesehen, lange ist’s her, kann mich auch gar nicht mehr so genau erinnern, wie der Film geendet hat. Ich denke, er ließ mich ob des „in der Luft hängenden Endes“ auch etwas ratlos zurück; weiß das aber nicht mehr so genau. Was mir aber in Erinnerung blieb, ist die Farbe WEISS.
Das GEFÜHL der Farbe WEISS. Die Unschuld, das Reine, die dem Film inhärent war ob dieses WEISS, das zog mich magisch in seinen Bann ~ wie auch jene Musik von Gheorge Zamfir und Marcel Cellier jetzt wieder. Da setzt mir fast der Atem aus, so gebannt lausche ich diesen wundersamen Klängen ~
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Das geht mir auch so, das erste, was ich vor Augen habe, wenn ich an den Film denke, sind die weißen Kleider. Also, das zweite, nach Mirandas Antlitz. :)
Ja, Peter Weir ist ganz wunderbar gelungen, was er anstrebte, „creating an hallucinatory, mesmeric rhythm, so that you lost awareness of facts, you stopped adding things up … I did everything in my power to hypnotize the audience away from the possibility of solutions“ – und die Musik von Zamfir/Cellier trägt ganz außerordentlich bei zu dieser traumartigen Trance, in die man mit dem Film versinkt.
„I have instructed Mademoiselle that as the day is likely to be warm, you may remove your gloves once the drag has passed through Woodend.“ Ah, the relief! :)
WHITE: auf dem ersten Bild, mit Mirandas Spiegelbild, steht neben dem Spiegel das Bild eines Schwans, später schaut Michael Fitzhubert so versonnen auf einen (zu Beethovens Musik dahingleitenden) weißen Schwan, daß eine junge Lady, mit der ich den Film einmal sah vor langer Zeit, meinte: Vielleicht sind die Mädchen ja Schwäne geworden. Not bloody likely, würde Albert Crundall sagen, aber wer weiß.
Ganz wunderbar auch: die Autorin des Romans, Joan Lindsay, ließ in der Schwebe, ob es sich um eine Begebenheit handelt, die sich im Jahre 1900 tatsächlich zugetragen habe. Was nicht der Fall war, aber der Mythos verselbständigte sich, und vor nicht langer Zeit schrieb jemand in einem Forum über den Film: „I met someone back in the 70s who told me their grandfather had been in the search party. I completely believed this story for years. Bloody Joan Lindsay. Well played.“ :)
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Komisch, was gute Filme leisten können. Ich habe ihn seinerzeit auch ein einziges Mal gesehn und – irgendwie nicht verstanden. Man erwartet irgendwie – tja, was eigentlich? – einen brutalen Schock oder eine Traum-Hochzeit? Ich meine mich zu erinnern, dass er als „Thriller“ angekündigt wurde – und dann – passierte irgendwie nüschd. Damals maulte ich: Das is‘ ja wie bei Fontane. Duell fällt aus. Vergiss’es! (Effi Briest/Pflichtliteratur Trauma)
Aber dann klappte grade das nicht! Die Bilder der Feen in ihren weißen Kleidern setzten sich fest. Und wirken. Bis heute. (Wahrscheinlich war’s die Pubertät des Betrachters und das damals unerfüllte Sehnen.) :-)
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