Der See, über den bei Nacht der große Nordbär kommt, durchschwommen an einem glitzernden Morgen. Ein Füchslein pirscht um unser Zelt. Wolfsmond, dann nur noch Meilen und Meilen geradeaus, Sandstraßen auf dem Weg zur Mitternachtssonne. School’s out forever.
Pjotr saß hinten, ich auf dem Beifahrersitz, Yuri am Steuer. Etwas Unheimliches lag plötzlich über diesem Tag. Keine Menschenseele mehr da draußen, seit Stunden kein Auto mehr hinter uns, niemand kam uns entgegen, nur noch dieser orangefarbene Käfer irgendwo in einer grünen Waldhölle in Mittelschweden. Der Himmel bewölkte sich, später Nachmittag. Irgend etwas schien an den Nerven zu zerren. Yuri hatte uns schon mit einem kleinen Schlenker aus der Trance gerissen, und wir blickten mit gespannter Konzentration umher. Irgendwas Beunruhigendes war in Yuris Augen gekrochen. Seltsam starrer Blick. Eine Doors-Cassette lief. Ich hörte die Doors zum ersten Mal. Yuri schien nicht zu spüren, daß er zu schnell fuhr, oder er spürte es, konnte aber nicht mehr dagegen ankämpfen, weil der endlose Weg tatsächlich in die Ewigkeit führte und Geschwindigkeit, Zeit und Raum eine Illusion waren. Jedenfalls in seinem Kopf. Wahrscheinlich wurde es einfach zu unwirklich, ein Gaspedal runterzutreten. Die Angespanntheit, das Erwarten von irgendwas, das nicht kam, schien ihn zu lähmen, und sicher fühlte er, daß sich unter der scheinbaren Beiläufigkeit von „He, fahr mal nicht ganz so schnell“ ein ungutes Gefühl verbarg, das alles nur noch schlimmer machte – es war, als gerieten wir in einen unheilvollen Sog. Dieser Song hatte begonnen, den ich ganz besonders phantastisch fand, und ich sagte: „Das ist ja besonders phantastisch.“ Und Pjotr sagte: „Das ist ja auch The End.“
Und dann kam diese Linkskurve, der Sekundenbruchteil, in dem man es weiß, daß wir zu schnell sind, daß wir es nicht schaffen. Yuri brachte das Auto schliddernd aus der Kurve, und vielleicht wäre alles gutgegangen, wenn der Weg geradeaus weiterverlaufen wäre, aber der Wagen beginnt sich querzustellen, rutscht auf dem Sand, und Yuri muß das Steuer rumreißen, um uns in die Rechtskurve zu kriegen, die plötzlich auch noch da ist, was er auch schafft, aber die Geschwindigkeit ist zu hoch, der Wagen ist außer Kontrolle jetzt und wir krachen in die Büsche, ich weiß, daß ich sehr ruhig dachte, jetzt könnte es eigentlich mal aufhören, es sah so aus, als würden wir uns überschlagen oder um einen Baum wickeln, aber Yuri hielt Zwiesprache mit seinem persönlichen Gott, zwei Sekunden lang, zwei Sekunden, in denen er nicht viel mehr tun konnte als das, dann hatte er sich mit seinem Gott auf irgendwas geeinigt und den Käfer wieder soweit unter Kontrolle, daß er ihn messerscharf an den hohen Bäumen vorbei dirigieren konnte. Wir pflügten Büsche um, kleine Bäume, schrammten über Steine und Geröll, bis der Wagen an Geschwindigkeit verlor, das Rumpeln wurde sanfter, Yuri brachte uns auf den Weg zurück, all das dauerte nur ein paar Sekunden, aber der innere Film machte eine Ewigkeit daraus, der Käfer rollt aus, eine Ölspur hinterlassend, seine Blutspur, Stillstand, Käfer tot. Nur die Doors-Cassette lief noch immer. Noch immer lief, and it’s the fucking truth, „The End“.
Ich wanderte los, um das Warndreieck aufzustellen, vollkommen sinnlose Tat, ich ging weiter, immer weiter zurück, betrachtete den Ort, der beinahe mein Todesort gewesen wäre, ich machte ein paar Fotos mit der Schepperkamera, to avoid the shakes, und wanderte noch weiter, bis ich dachte, die Wildnis würde mich verschlucken, plötzlich fühlte ich mich unendlich einsam, ich lief zurück, und als ich Yuri und Pjotr sah, wie sie betont sachlich und geschäftig den Schaden immer wieder untersuchten, wußte ich, sie taten dasselbe wie ich, sie versuchten, die Nerven zusammenzuhalten, truerealization comes later.
Ein Jahr später saßen Pjotr und ich in einem Kino in Marseille.
ein mir vor ewigkeiten sehr gut bekannter käfer war weiß. diese herbies haben auf jeden fall ein eigenleben. und sie betätigen sich dann und wann als schutzengel. vor allem dann, wenn im auto auf irgendeine art und weise ‚the end‘ läuft. :-)
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
You’re right, die HATTEN ein Eigenleben, und wahrscheinlich hat ER uns den Hals gerettet, niemand sonst. :) Du kennst die Schutzengelfunktion aus eigener Erfahrung?
Er, als Käfer, hatte auch die seltsame Fähigkeit, traurig auszusehen danach. Bei Einbruch der Dunkelheit beschlossen wir, AND ALL THE CHILDREN eine Expedition in den nächsten Ort zu starten, von dem wir aber nur ungefähr ahnten, ARE INSANE wie weit er entfernt war, und packten Proviant zusammen. Wir hatten den niedergeschlagenen Käfer ein wenig vom Weg geschoben und waren ein paar Schritte mit unserer Funzel gegangen, da hörten wir DESPERATELY IN NEED OF SOME STRANGER’S HAND Motorengeräusch. Flackernde Scheinwerfer in der Ferne, wußtest Du, daß die wie eine göttliche Erscheinung wirken können? :) Drei Hobbits in Mordor, das wär’s gewesen.
AndersSehend:
ja, aus eigener erfahrung. :-) dieser käfer hat im winter 89/90 mit seinen scheinwerferaugen radfahrer angestrahlt, die ich ansonsten höchstwahrscheinlich über den haufen gefahren hätte, weil ich sie nicht früh genug oder überhaupt gesehen habe. danach schock für alle beteiligten, auch der käfer hat traurig ausgesehen. fast so, als hätte er geahnt, dass dieses erlebnis bei mir eine erkenntnis und eine konsequenz anstoßen würde. inzwischen wüsste ich gern, ob es diesen speziellen käfer noch irgendwo gibt.
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Oh, I remember. Ja, Du hattest schon erwähnt, daß es ein Käfer war, when you told me of the day you parted ways. Da sogar Bowie in „Lady Grinning Soul“ vermerkt: She’ll drive a beetle car, steht uns wohl die Schlußfolgerung zu, daß jeder Trottel Schicksalhaftes in irgendeinem Auto erleben kann, aber nur die Auserwählten in einem Käfer! – Besteht denn die Möglichkeit, daß dieser spezielle Käfer noch irgendwo existiert? – By the way, going to Sweden, back then, it was a kind of time-out, too, a hiatus in a chain of events, I had to make up my mind about something up there and I wasn’t the only one involved. And even if that accident seems like a proof that a break in the chain of events is full of events too, there’s been places up there that made me listen, and I listened until the rain in my heart had stopped. Until the „Train wheels runnin‘ through the back of memory“ had stopped. So… well you know.
AndersSehend:
ob man von einer realistischen möglichkeit der existenz dieses speziellen käfers bis in dieses jahr hinein sprechen kann, weiß ich nicht, denn er hatte zum damaligen dekadenwechsel bereits einige jährchen auf dem buckel, hoher einstelliger oder sehr kleiner zweistelliger bereich. hmm, wahrscheinlich würde ich ihm gerne die kofferraumhaube schütteln und mich endgültig von ihm mit einem „hey danke noch mal, kugelfreund, für damals“ verabschieden wollen.
… and I listened until the rain in my heart had stopped. Until the ‚Train wheels runnin‘ through the back of memory‘ had stopped. So… well you know. – bin mir noch nicht hundertprozentig sicher, ob ich jetzt bereits weiß. was ich hingegen weiß, ist, dass diese auszeit dafür gedacht ist, mein persönliches schweden zu finden, wo ich herzberuhigend lauschen und zuhören kann, oder zumindestens schon einmal eine karte für den weg dorthin aufzutreiben. und irgendetwas sagt mir, dass das auch klappen kann.
21.05.2011
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Das meinte ich mit „well you know“… daß ich Dir genau das wünsche, einen Ort, one that’s real or one that’s in your mind, wo eine kommt wie Wehmut („Was hatte sie denn angelockt? Was hatte Wehmut hier zu tun? Die Rede von Wahrhaftigkeit, die Rede von Wahrhaftigkeit.“), oder eine andere, die Dinge wispert wie „Whatever needs to happen, let it happen, let it be, through all you are protected, grace is effected over you“. Well you know. :)
„Kugelfreund“, that’s beautiful. :) Mysteriös am Käfer war auch seine Fähigkeit, Dinge aufzunehmen, die normalerweise nicht in einen Käfer passen, ein Gefühl, das man gerade auch im hinteren Teil des Kugelfreunds hatte, zwischen den Schlafsäcken, dem Klimbim, der Gitarre, dem Cembalo, der Bibliothek, der Gemäldesammlung, den hängenden Gärten von Babylon, dem Waldesdickicht, Schneewittchen und den sieben Zwergen. Unglaublich, was da reinging. :)
Der aus sich heraus schöpfende Genius, „a second Maker, a Prometheus under Jove“, wie Shaftesbury sagte, war ein Kind seiner Zeit. Selbstermächtigung des Subjekts, die unhintergehbare Vernunft und die daraus sich ableitende Verabschiedung mimetischer Kunstkonzepte haben den genialischen Künstler hervorgebracht. Der Geniekult ist also Ausfluss eines Paradigmenwechsels in der europäischen Geistesgeschichte. Und wie sieht es heute aus?
Das stolze Subjekt Goethescher Prägung hat seitdem, salopp gesagt, permanent die Ohren langgezogen bekommen. Darwins Evolutionstheorie, dann Freud, der frech behauptete, der Mensch sei nicht der Herr im eigenen Haus. Und seit dem 2. Weltkrieg ist die unbedingte Vernunftbegründetheit menschlichen Handelns endgültig kassiert. Damit hat auch eine Genieästhetik ausgespielt.
Beckett und Jarry haben das in ihren Werken beispiellos deutlich gemacht: Diese Welt ist eine verdammte Kloake, das Leben eine Krankheit zum Tode, sinnlos und leer, kurz: alles im Arsch!
Die Frage ist nun, wie man die Aporien unserer Zeit aushalten kann. Ausklinken via Regression? Das ist eine relativ mutlose Strategie, die zwar unangreifbar macht, aber auch jeden Zugriff auf das, was ist, und das, was kommen wird, unmöglich macht. Es steht zu viel auf dem Spiel (die Zukunft? das Leben an und für sich?), als dass man sich es in der Nostalgia eines untergegangenen Zeitalters gemütlich machen könnte.
Ich maße mir nicht an, ein Patentrezept für dieses Dilemma parat zu haben. Allerdings bin ich bis jetzt gut damit gefahren, die zeitgenössische Literatur nicht als Schwundstufe eines vergangenen goldenen Zeitalters zu betrachten, sondern sie ernst zu nehmen. Denn sie leistet, was sie leisten kann. Und das ist um so bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass sie natürlich auch gewissermaßen „Opfer“ der (relativ) neuen Unübersichtlichkeit sowie der digitalen Revolution ist. Auf diese Weise an den Rand gedrängt, vermag sie jedoch endlich wieder subversiv tätig zu werden und ist so im Stande, neue Blickwinkel aufzuzeigen und damit etwas freizulegen, das uns in einer Welt, in der es scheinbar nichts Neues mehr geben kann, unvermittelt anblickt und vor Verwunderung erstarren lässt.
Aljoscha der Idiot / Christian Erdmann:
Entzückt, besonders über die Schlußwendung Deines Beitrags.
Indes: daß der Mensch im Freudschen Sinne nicht Herr im eigenen Haus ist, schockiert ja gerade den Künstler nicht, der sich von den Rändern des Auf- und Abgeklärten fallen läßt. Vor einigen Monaten gab es hier eine Diskussion über den Begriff der „inneren Form“ des Kunstwerks, den Goethe von Shaftesbury gestohlen hat. Er besteht ja weiter, nur ist in ihm der Goethe’sche Gestus des klassisch beruhigten Überschauens und Anordnens, des apollinisch Gemilderten entbehrlich geworden. Daher glaube ich, daß die Entthronung des „Prometheus under Jove“ nur von einem bestimmten Gestus handelt; auch gibt es natürlich einen Wandel im Verständnis der „inneren Form“, aber der Begriff trägt noch immer. Der Tumult, den „Le Sacre du Printemps“ am Abend des 29. Mai 1913 in Paris auslöste, hatte damit zu tun, daß ein ganzer Zuschauerraum in der Komposition Strawinskys, in der Choreographie Nijinskys keine „innere Form“ mehr wahrnahm; die Wucht des Ganzen führte zum Zusammenbruch der ästhetischen Distanz. Das war einer der besten Skandale der Kulturgeschichte, zeigte er doch, wieviel Dissonantes und scheinbar Formsprengendes die innere Form verträgt.
Ich muß gestehen, daß mir die Unterscheidung zwischen „Klassikern“ und zeitgenössischer Literatur schwerfällt; wenn ich „Der Meister und Margarita“ lese, ist Bulgakow für mich mehr Zeitgenosse als manche Zeitgenossen. Aber das ist my own personal Idiosynkrasie. Die Musen sind abgeschafft, der Musenkuss ist es nicht.
Literatur hat wohl immer schon aus Material geschöpft, das, gnadenlos subjektiv, der Goethe’schen Suche nach wohlgeordneter Gesetzmäßigkeit „die Ohren langgezogen hat“. Kein Zufall übrigens, daß Goethe zeitlebens so an Gartenkunst interessiert war.
Das Unbewußte, Träume, Visionen, auch künstlich erzeugte, die autonom sich zusammenfügenden Sätze und Satzfetzen, die kurz vor dem Einschlafen durchs Hirn jagen können, das Zusammenkommen von Dingen, die eigentlich nicht zusammenkommen können (eine Art psychisch-kreative Synchronizität) – all dies, was uns zeigt, daß wir nicht Herr im eigenen Haus sind, hinüberzuretten und, wieder Herr im Karton, einzufügen in die „innere Form“, auch das ist Musenkuss. Der kognitive Ablauf ist in der Dschungelhälfte, nicht in der Gartenhälfte, und irrt wollüstig erschrocken ins Phantastische. Metaphern wuchern aus gurgelnder Feuchtigkeit, jeden Schritt begleiten die absonderlichen Laute kopulierender Ideen. All das legt frei, was „vor Verwunderung erstarren läßt“, neue Blickwinkel aufzeigt. Nochmal zu Shaftesbury: dieser selbst hat eigentlich betont, das obskure Objekt wissenschaftlicher Begierde, der Kosmos, wird letztendlich obskur bleiben. Unwiderlegbar: nur ein unendliches Wesen könnte unendliche Zusammenhänge erkennen. Wissend aber, daß die Zusammenhänge unendlich sind, ist es an uns, zu zeigen, daß es immer Neues gibt, geben muß. Es gibt nicht die Welt, nur ihre Beschreibungen.
Es gibt nur ein paar Geschichten, aber jeder erzählt sie anders. Und es gibt, wie Lessing sagt, die „Begierde, gerühret zu werden“. Es gibt 97 Arten dieser Begierde und 97 Arten des Gerührtwerdens, aber ich fand, das war immer ein ganz guter Maßstab: sind wir völlig umgerührt, war es große Kunst.
Mixolydian:
Wow! Punktlandung, Aljoscha! Das war ein sehr einleuchtender Exkurs, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Ach ja: hier kann einer ernsthaft schreiben…
[SPIEGEL ONLINE Forum „Literatur – Was lohnt es noch, zu lesen?“]
My own personal Frank Booth experience als „Warum ich Buddy Holly nicht mag pt. 1“: Susanne aus meinem Englisch-Leistungskurs war in diesen Gang-Rocker namens Andreas Kriautzak verliebt, der um der Einfachheit willen „Grütze“ genannt wurde. Grütze war meist betrunken, hörte ununterbrochen Buddy Holly und faselte sich ebenso ununterbrochen und lautstark seine Eins durch Neun-Dialektik zusammen. Tränen, Szenen und Gott weiß was. Ein paar Freunde und ich in der Grütze-Bude, dusselige Matrosen auf einem Seelenverkäufer, Begleitpersonal hirnrissiger Szenen. Dann saß ich plötzlich mit der weinenden Susanne in einer Abseite hinter einem roten Vorhang und tröstete sie. Ich mochte sie. Ich küßte sie. Und in eben diesem Augenblick wird der Vorhang beiseitegezerrt. Zwei Sekunden Blitzschlag in seinen Eins durch Neun-Augen. Ich sehe mich bereits im Krankenwagen. Mein Leben verdanke ich der Geistesgegenwart einer Frau und ihrer intuitiven Fähigkeit, das Richtige zu tun. Sie redete sofort auf ihren Grütze ein, ließ ihn nicht zu Wort kommen, beschwichtigte ihn, führte ihn weg von mir und meiner zweifelhaften rechten Geraden. Grütze war so hinüber, daß er die Szene schon wieder vergessen hatte, als ich wieder zum Vorschein kam. Er dachte, ich wäre eben gekommen. „Bedien‘ dich, Mann!“
Aber ein Song von einem Buddy von Buddy, das geht.
[Geschrieben in die Kommentarsektion auf Antirationalistischer Block zum Artikel >Interview Literatur-Feder Magazin< im April / Mai 2012.]
Jörn Bünning:
„Zu dem, was uns als Antwort vorgelegt wird, keine neue Fragen finden, das ist der eigentliche Elfenbeinturm.“
Dabei stellt sich mir zuweilen die Frage, ob wir angesichts der Fülle gegenwärtiger Antworten bereits übersättigt in die Tiefkühlhallen des Geistes geraten sind.
Das „Aufladen mit Bedeutungen“ ist unseres Geistes liebste Passion, magisches Denken, sein stärkstes Mittel gegen Sinnverlust. Um die Magie des Rationalen zu entwickeln, bedarf es feiner Künstlerhände. Die Kindheit, als eine Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat, feiert ihre Auferstehung in der Liebe. Allein sie hat Bedeutung. Kein Wunder also, dass Aljoscha nicht daran vorbei kommt.
Christian Erdmann:
Thanks JB, in Heinrich Manns „Professor Unrat“ gibt es irgendwo den Satz: Wissenschaft und Kunst kommen allemal aus demselben Käsegeschäft. Tun sie nämlich. :) Geschichtenerzähler at work, nur daß Wissenschaftler leugnen, daß sie storyteller sind, selbst wenn sie wissen, daß, sagen wir, auch die Physik bestenfalls einen minimalen Ausschnitt erklärt, und immer noch nur so, wie eben für Menschen die Physik etwas erklären kann. Der Mann, der auf dem Weg zu einer Lesung aus seinem Buch „Es gibt keinen Weg, nur Gehen“ von einem Auto überfahren wurde, meinte mal, Wissenschaftler gebrauchen das Wort „wissenschaftlich“ exakt so wie afrikanische Medizinmänner einen Fetisch.
Mit jeder neuen Antwort 10 neue Fragen = wir werden immer dümmer, je mehr wir wissen. Wir werden natürlich auch immer dümmer, indem wir immer dümmer werden, klar. :) Wenn man z.B. dummerweise beim Zappen den Auftritt einer Gesangscombo namens Wise Guys auf dem Kirchentag gesehen hat, wird einem schlagartig klar: dies ist die flachköpfigste, gedankenloseste, idiotischste, albernste Phase des Christentums ever. Und ich denke mir, das muß ein Christ genauso sehen wie der Antichrist, aber warum sieht das niemand außer mir? :)
Bei mir überwiegen also eindeutig noch die Fragen, in einer Welt, in der Unerschrockene wie Du in Lyrikthreads an die Hüter der „sprachlichen Richtigkeit“ Sätze richten müssen wie: Poesie unterliegt nicht den üblichen semantischen Grenzen des Sprachgebrauches. Ich hätte mich, wäre ich noch da, mit einem geröchelten „Nichts lärmt hier so dissonant wie Ihre Scheinbescheidenheit!“ selbst entleibt.
And love? Will tear us apart, again.
Jörn Bünning:
Love? Will tear us apart to bring us together. :)
Wie wir das menschliche Streben in Wollen und Können unterscheiden, so lässt sich wohl auch die Dummheit von der Unwissenheit trennen; letztere ist unserem Unvermögen geschuldet, nicht aber unserem Unwillen.
Bleiben wir zwar stets im selben Käseladen, so versucht sich die Wissenschaft in einer systematischen Erweiterung der Unwissenheit; was ohne Kreativität so unmöglich ist wie die Schriftstellerei oder jede andere künstlerische Betätigung. Letztlich geht es nie ohne Kreativität, was nur von Menschen geleugnet wird, die sich zeitlebens nicht von den Bürgersteigen herunter getraut haben.
Aber es gibt, wie Du längst weißt, Leben jenseits der Bordsteinkanten und Du kannst stolz auf Dich sein, wenn Deine Neugier die Angst besiegen konnte. Allerdings wirst Du auch nach vielen gescheiterten Mühen feststellen müssen, dass Du selbst die Opfergabe auf dem Altar Deiner Werke bist.
„Hochwürden, ich habe meinen Glauben verloren.“
„Das ist keine Schande mein Sohn – auch ich habe lange mit mir gerungen, bis ich zu Gott gefunden habe.“
„Gott? Ich rede von den Menschen.“
Paganini’s:
Aber „gescheiterte Mühen“ sind auch eine Frage der Definition. Und Hingabe ist kein Synonym für Selbst-Opferung. Manchmal ganz im Gegenteil!
Christian Erdmann:
Ich will jetzt nicht nochmal Zizek bemühen, der mal sagte, daß jeder Erfolg im Grunde aus einem Scheitern entsteht. Will mich auch nicht daran erinnern, daß ein guter Freund einmal vor einer kleinen Gallerie von Porträts in meinem Zimmer – unter ihnen Rimbaud – bemerkte, eigentlich hätte ich da Bilder von Gescheiterten an der Wand. Ich bin immun gegen die Behauptung, daß Rimbaud oder Lautréamont, der mit 24 verhungert ist, „Gescheiterte“ sind, jede Zeile von ihnen ist der Gegenbeweis.
Gewiß kann man fragen, was konnten sie sich dafür kaufen, warum diese Opferung auf dem Altar ihrer Werke? Kann nur sagen, was die Dame sagt: diese Art von Hingabe ist keine Selbst-Opferung, sie ist Selbst-Schöpfung.
Fand übrigens erschütternd, wie zuletzt in der Debatte ums Urheberrecht auf SPON erneut eine beträchtliche Reihe von (insert nietzscheanischen Unterton here) Deutschen die Gelegenheit ergriff, künstlerisches Schaffen überhaupt zu diskreditieren, Hintergedanke jetzt offenbar: wozu überhaupt groß Geld ausgeben dafür. Eine Gegenstimme: „Ist schon seltsam, wir sind nicht systemrelevant – aber alle Welt will unseren Mist für lau oder ganz umsonst?“ Ja, seltsam. Eine zweite Gegenstimme: „Die künstlerische Leistung soll allgemein klein geredet werden, damit man die Enteignung der Kreativen besser vor sich und anderen rechtfertigen kann. Denn klar ist, was nichts wert ist, das soll auch nichts kosten und das muss man auch nicht schützen.“
Natürlich gibt es Unmengen von Schrott, der wertlos und zynisch (zynisch unter dem Aspekt: wie und warum produziert) langsam auch den Willen zu lähmen scheint, dem Großartigen auf den Fersen zu bleiben. Das immer noch zuhauf existiert und immer noch genau so entsteht, wie es immer entstanden ist. Nick Cave 1990, nachdem „And The Ass Saw The Angel“ erschienen war: wenn man ein Buch geschrieben hat, ändert sich alles. „Man weiß dann nämlich, wie alleine man sein muß, wenn man es schreibt, wieviel Konzentration man aufbringen muß, und welche Massen an Vertrauen in und Überzeugung von sich man haben, welche harte Arbeit man bewältigen muß. Und all das zu wissen, bevor man anfängt, macht es wirklich schwierig, ein zweites zu beginnen. Es ist kein einfacher Job.“
Was wissen wir schon von den Glücksmomenten eines Trakl. Trakl hauste, wie Walter Muschg sagte, in auswegloser Verdammnis. Er ist ja beileibe nicht der einzige in jener Zeit, für den „Verfall“ ein Beherrschendes ist, aber er scheint es als seinen Auftrag, seine Mission empfunden zu haben, einzudringen in das Wesen des Verfalls, sich dem Verfall gleichzumachen.
Aber es gibt einen Brief von ihm an seine Schwester Minna (Mia), in dem es heißt:
„… Vorbei! Heute ist diese Vision der Wirklichkeit wieder in nichts versunken, ferne sind mir die Dinge, ferner noch ihre Stimme, und ich lausche, ganz beseeltes Ohr, wieder auf die Melodien, die in mir sind, und mein beschwingtes Auge träumt wieder seine Bilder, die schöner sind als alle Wirklichkeit! Ich bin bei mir, bin meine Welt! Meine ganze schöne Welt, voll unendlichen Wohllauts.“
Das sind Beschreibungen von Glück.
Von einem Dichter, der unabdingbar zu sich, seinem Schicksal, seiner eigenen Ausdruckswelt findet.
Bob Dylan in „No Direction Home“: „Happy? Anybody can be happy. What’s the purpose of that?“
Jörn Bünning::
Aber so hatte ich es ja auch gemeint, meine Dame, mein Herr! Nicht als Warnung, vielmehr als Verheißung.
Selbstopferung bedeutet (mir) nicht Zer-Störung des Selbst zugunsten einer vor-gesetzten Aufgabe, sondern bedingungslose Opferung an (!) ein Selbst.
Happiness ist eine Eselsmöhre, als Künstler wirst Du den Stolz und den Schmerz kosten können.
Zwischen dem 13. und dem 17. Januar 2011 erschufen ray05 und ich im SPIEGEL ONLINE Forum „Unter deutschen Duschen – was singen Sie denn?“ den universalen Systemkünstler Dieter Kurzhorst-Faust in einer Art Free Jazz-Improvisation, ungeplant und ohne Absprachen. Hier ein Nachvollzug der kometenhaften Laufbahn des Dieter Kurzhorst-Faust, von den Anfängen bis zum Zurückspulen seines Kopfes um 15 Delsol.
13.01.2011
ray05:
ROLF: Can’t You Hear Me Knocking war das und gewünscht hat sich diesen Titel der Horst aus Marburg. Tja, liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Feuerwerk, wir begehen heute den 40. Geburtstag von Sticky Fingers, dem legendärkultigen Stonesalbum. Und ihr könnt euch heute euren Lieblingssong von dieser Platte wünschen. Sooo, wen haben wir denn jetzt in der Leitung? Das ist die Pamela, oder? Hallo Pamela!
PAMELA: Hi Rolf.
ROLF: Wie geht’s dir, Pamela, von wo rufst du an?
PAMELA: Ich sitz grad auf meiner Heizung.
ROLF: Du sitzt auf deiner Heizung. Haha, guter Witz, Pamela sitzt auf ihrer Heizung. Ist dir kalt? Ich mein, die Frage musste jetzt kommen, haha.
PAMELA: Nö. Ich bin ganz nackich.
ROLF: Uiuiui, Pamela, wir woll’n hier aber jugendfrei bleiben, hahaha.
PAMELA: Das ist so eine alte Heizung, so ein geripptes Teil.
ROLF: Aaahah. Gut. Und du bist eingefleischter Stonesfan, stimmt’s?
PAMELA: Nein halt, ich hab ja ein Headset auf. Bin also nicht völlich nackich.
ROLF: Welchen legendären Klassiker von Sticky Fingers wünschst du dir denn, Pamela?
PAMELA: Amphetamine Annie.
ROLF: Eieiei, Amphetamine Annie ist gar nicht von den Stones, daaa muss ich dich leider enttäuschen.
PAMELA: Dann was anderes.
ROLF: Wild Horses wär noch frei. Magst du Wild Horses?
PAMELA: Mhm.
ROLF: Aaaaalso, jetzt Wild Horses vom legendären Stonesklassiker Sticky Fingers, dessen 40. Geburtstag wir heute auf Radio Feuerwerk gemeinsam feiern. Pamela, magst du noch jemanden grüßen, bevor’s mit den wilden Pferden losgeht?
PAMELA: Nö.
Aljoscha der Idiot / Christian Erdmann:
ROLF. Das war Wild Horses von den Rolling Stones, den Song hat sich die Pamela gewünscht, Pamela von der Heizung. 40 Jahre Sticky Fingers und wir hier bei Radio Feuerwerk feiern mit euch da draußen die Platte mit dem Reißverschluß. Tja, Dieter, das waren noch Zeiten, als der Andy Warhol noch mit den Jungs zusammenarbeitete, oder?
DIETER. Ja, der hat ja unheimlich viel gemacht. Der Andy.
ROLF. Ja. So, da haben wir schon den nächsten Caller in der Leitung, höre ich, das ist die Camilla, hallo Camilla?
CASMILLA. Casmilla.
ROLF. Ja grüß dich, Casmilla. Von wo rufst du an?
CASMILLA. Ich stehe vor einem Sandkrater und warte darauf, daß das Meer kommt, mit Pottwalen und Plankton und Quallen und sogar mit Schiffswracks.
ROLF. Das ist ja super, Casmilla, wie alt bist du denn?
CASMILLA. 11.
ROLF. Na sag mal – na sowas.
CASMILLA. Na sowas.
ROLF. Casmilla, wünschst du dir denn auch einen Titel von der Platte, die wir heute hier, ähm –
CASMILLA. Ja, ich möchte den mit dem bläulich-weißen Schimmer.
ROLF. Ahhmm… also ich bin nicht sicher, ob –
CASMILLA. Mißtrauen hat ein rotes Licht, weißt du?
ROLF. Casmilla, ich fürchte –
CASMILLA. Befürchtung ist orange.
ROLF. Ach.
CASMILLA. Sehnsucht ist wie Johannisbeersorbet.
ROLF. Du meinst Cassis?
CASMILLA. Mhm.
ROLF. Welche Farbe haben Lieder von Francoise Hardy?
CASMILLA. Die meisten sehen aus wie dunkle rote Rosen. Aber manche auch wie Schwertlilien.
ROLF. Welche Farbe hat es, wenn das Schicksal sich ins Fäustchen lacht?
CASMILLA. Gelb wie ein Rapsfeld.
ROLF. Und Schimpfworte, welche Farbe haben die?
CASMILLA. Schimpfworte haben keine Farbe.
ROLF. Warum nicht?
CASMILLA. Wenn man Schimpfworte braucht, kann man ja doch nicht richtig sehen.
ROLF. Also schön. Gut. Danke, Casmilla. Hier der letzte Song von Sticky Fingers, ich hoffe, es ist der mit dem verdammten bläulich-weißen Schimmer!
DIETER. Mondstein. Sie meint Mondstein.
ROLF. Schnauze!
14.01.2011
ray05:
ROLF: Dieter, du sprachst schon gestern viele Dinge an, die unsere Hörer bewegten …
DIETER: Ja, gibt viele Dinge, und alle machen was mit uns.
ROLF: Du nimmst jetzt explizit Bezug auf „Pi“, den Film.
DIETER: Ja, und ob. Ich und Darren, dann noch Kenny, der sich kurz zuvor von seiner Frau getrennt hatte… Ich mein, wir wollten damals einfach die Filmsprache komplett umkrempeln. Das wussten wir einfach, dass wir das…
ROLF: Du nimmst jetzt explizit Bezug auf „Pi“, den Film. Da findet ja ein Mathematiker die Weltformel.
DIETER: Ja, und ob. In Brooklyn damals war so eine kreative Stimmung, die man mit den Händen greifen…
ROLF: … und dann kamt ihr auf die Idee mit dem Schwarzweiß.
DIETER: Ja, die Idee kam mir, als wir drei im PizzaBag saßen, gleich um die Ecke wohnten Paul Auster, Harvey Keitel und Sidney Lumet, und das war ja ’ne ganz große Kligge damals, in der jeder jeden beeinfluss…
ROLF: Augenblick, Dieter, grad kommt ’n Anruf rein von der … Casmilla! Hejdu Casmilla, was hast du denn heute auf dem Herzen?
CASMILLA: Wollt‘ sagen, dass es gar nicht schwarzweiß ist, wenn man die Weltformel findet. Das stimmt nicht, da im Film.
ROLF: Wie denn dann?
CASMILLA: Man geht in der Lieblingsjeans zum Strand runter und dann findet man so eine Flasche, in der steckt die Formel drin und alles. Und alles war bunt und nicht schwarzweiß.
ROLF: Flaschenpost?
CASMILLA: Mhm.
DIETER: Rolf, hörmal …
ROLF: Pscht! Und was hast du dann mit der Formel gemacht, Casmilla?
CASMILLA: Meinem Bruder gegeben.
ROLF: Toll. Und wie alt ist dein Bruder?
CASMILLA: Fünf. Er heißt Arne. Du, Rolf …
ROLF: Was denn?
CASMILLA: Dieter soll sich auch mal ein Lied wünschen dürfen.
ROLF: OK, Dieter wünscht sich jetzt ein Lied. Danke für deinen Anruf, Casmilla. Wir mögen dich alle sehr. Na, Dieter, jetzt wünsch dir … Dieter? Haut der Knilch einfach so ab …
15.01.2011
Christian Erdmann:
ROLF. Mit mir im Studio Dieter Kurzhorst-Faust, der deutsche Kultregisseur. Ja, Dieter, man kann eigentlich sagen, daß du auf allen Gebieten der Kunst zuhause bist, du hast ja alles irgendwann mal gemacht. Auch Geo-Installationen, kann ich mich erinnern.
DIETER. Ja, das war damals, als wir mit der Patti unterwegs waren, der Tschäcki und ich. Die war so crazy, die Patti. Ging so eine Stunde im Kreis rum und spielte dabei Klarinette, weißte. Und dann sagte sie plötzlich: ich sah gerade ein großes, ausgetrocknetes Flußbett, das von einer merkwürdigen weißen Substanz bedeckt war, und es standen vier Sonnen darüber. Und dann meinte sie, dieses Flußbett stehe in Verbindung mit einem anderen Fluß, weit entfernt in Moskva, der gerade über seine Ufer getreten ist. Ja, und das bauten wir dann nach. Die Idee war so, das geheime Prinzip des Wassers verstehen, weißte.
ROLF. Irre. Ich kann mich noch erinnern, daß keiner so richtig –
DIETER. Wir wollten noch so eine Schutt-Anhöhe bauen, weißte, von der die Patti dann immer runterläuft, aber die hatte keine Zeit.
ROLF. Alles unheimlich spannend, Dieter. Wir wollen aber kurz den nächsten Anrufer zu Wort kommen lassen, das ist der … Arne. Gut, daß du anrufst, Kleiner.
ARNE. Wegen der Weltformel nämlich.
ROLF. Du rufst wegen der Weltformel an, Arne.
ARNE. Ich weiß, wie die geht.
ROLF. Sagst du uns auch, wie die geht?
ARNE. Meine Schwester ist blöd.
ROLF. Das ist die Weltformel?
ARNE. Nö.
ROLF. Hör mal, Arne, wir haben ja hier den Dieter, der hat ja auch mal einen Film gemacht mit einer – Dieter, bringst du mir eine Pizza mit? Also wegen der Weltformel, Arne, ich wäre da wirklich interessiert. Magst du die vielleicht verkaufen? Oder tauschen? Vielleicht gegen ein Saurierskelett aus Plastik, Superteil? Du magst doch Saurier?
ARNE. Nö.
ROLF. Fein, Arne. Ist Casmilla da bei dir?
ARNE. Ich kann Schach.
ROLF. Gibst du sie mir mal? Hallo?
CASMILLA. Das mit den beiden Flüssen war auch falsch.
ROLF. Ich bin ganz Ohr, Casmilla, aber wegen der Formel –
CASMILLA. Man kann das Wasser nicht vom Land aus verstehen.
ROLF. Nicht?
CASMILLA. Das Wasser hat eine Herrscherin. Warst du mal in der Unterwelt?
ROLF. Großer Gott, nein, ich war noch nicht in der Unterwelt.
CASMILLA. Alle denken, Hades ist der Herrscher der Unterwelt. Aber in Wirklichkeit ist Persephone die Herrscherin. Hades macht eigentlich gar nichts. Persephone ist sehr schön. Aber auch sehr streng.
ROLF. Und die Herrscherin des Wassers, wie heißt die?
CASMILLA. Weiß nicht. Herrscherin. Arne möchte auch ein Lied.
ROLF. Schön, ja, also, spielen wir schnell ein Lied für Arne. Was will er denn hören?
CASMILLA. Lorelei.
ROLF. Ich glaubs nicht.
ray05:
Radio Feuerwerk proudly presents Rolfs Kulturshow, wie immer mit Rolf Krauthausen …
ROLF: Guh-ten Abend.
… und wie jeden Tag mit tatkräftiger Unterstützung von PizzaBag xxx Piiiizzzaaa Bäääg xxx 5000 mal in Deutschland, also auch gleich bei dir um die Ecke xxx Kultur geht nur mit PizzaBag xxx Piiiizzzaaa Bääääg xxx
ROLF: Und bei mir im Studio sitzt, wie schon die ganze Woche über, Dieter Kurzhorst-Faust, der deutsche Konzeptkultkünstler. Hallo Dieter, schön, dass du heute wieder mit dabei bist.
DIETER: Hallo Rolf. Macht Spaß mit euch allen hier.
ROLF: Unser Thema heute: Phänomene, die die Welt entsetzen. Dieter, du selbst hast ja Erfahrung mit entsetzlichen Phänomenen. Das wurde ja fast totgeschwiegen, was dir in Ägypten passiert ist. Erzähl nochmal. Wie gingst du damit um? Und wie stehst du heute dazu?
DIETER: Ja, das war die Sache, als wir eine von den Gizeh-Pyramiden unter Strom setzten. War angesagt damals, Dinge unter Strom zu setzen. Ich hing ja oft mit Danny rum damals und …
ROLF: Und plötzlich war die Pyramide weg, nicht wahr? Verschwunden, einfach so. Mit dir, denn du warst drin in der Pyramide.
DIETER: Ganz genau, ich hatte drinnen beim Kabelziehen meine Sonnenbrille verloren und ging nochmal rein, um sie zu suchen. Da drückte draußen einer auf den Schalter und die Kagge war am Dampfen. Ich drin in der Pyramide und plötzlich war’n wir wohl weg. Also, die Pyramide und ich gleich mit ihr.
ROLF: Irre. Wie ist das denn so, wenn man einfach so weg ist, was geht einem da durch den … Sekündchen, Dieter, hier schon der erste Anrufer zu unserem heutigen Thema: Phänomene, die die Welt entsetzten – eine Anruferin! Hallo, äh, Casmilla!
CASMILLA: Arne hat seine Pizza verschwinden lassen. Ich hab’s genau gesehen. Und jetzt will er uns alle verschwinden lassen. Mein Bruder ist sooo blöd.
ROLF: Gib ihn mir mal. Ist er da?
ARNE: Ich kann Dinge verschwinden lassen.
ROLF: Toll. Wie hast du das denn gemacht, Arne? Du weißt, hier sitzt der Dieter, der ist auch einmal einfach so verschwunden.
ARNE: Dieter hat keine Ahnung.
DIETER: Kommkomm.
ARNE: Ich lass jetzt den Dieter verschwinden. Soll ich?
ROLF: Warte, kannst du denn auch Dinge hervorzaubern?
ARNE: Ich kann König der Löwen auf dem Kazoo spielen. Soll ich?
ROLF: Nee, wünscht euch ein Lied, du oder Casmilla.
CASMILLA: Ich wünsch mir das Sphinxmäßige von Medeski/Martin/Wood. Geht das?
ROLF: Alles geht. Bommi?
BOMMI: Hamwer, das Teil.
… und wie jeden Tag mit tatkräftiger Unterstützung von PizzaBag xxx Piiiizzzaaa Bäääg xxx 5000 mal in Deutschland, also auch gleich bei dir um die Ecke xxx Kultur geht nur mit PizzaBag xxx Piiiizzzaaa Bääääg xxx …
ROLF: Bommi, hast du Dieter gesehen?
BOMMI: Wollt ich DICH grad fragen. Ist wohl Pizzanachfassen gegangen.
16.01.2011
Christian Erdmann:
ROLF. Hallöchen sagt Rolf, auch heute wieder mit mir im Studio von Radio Feuerwerk ein Gast, den ihr alle kennt, Dieter Kurzhorst-Faust, das deutsche Universalgenie, kann man sagen, Dieter, oder? Du bist ja eigentlich ein echter Renaissancemensch.
DIETER. Ja, nur daß die keine Kameras hatten damals. Sonst sträube ich mich gar nicht gegen den Vergleich, weißte. Bin ja nicht eitel.
ROLF. Haha, ja, das bringt uns gleich zu deiner nächsten Experience. So nanntet ihr das damals.
DIETER. Ja. Das hing so in der Luft damals, das Wort.
ROLF. Dieter, wie war das. Nach der irren Pyramidensache. Ihr seid einfach so mit der Kamera durch den Kabbalistenkongreß in Karinablad spaziert?
DIETER. Genau. Das Unsuchbare suchen, weißte.
ROLF. Aber dann gab es Probleme.
DIETER. Mit Marlon, ja. Der kam an, setzte sich in eine Hütte, pitscherte sich immer kaltes Wasser über die Glatze, aß das Drehbuch auf und verschwand.
ROLF. Ihr hattet ein Drehbuch?
DIETER. Bis der Fettsack das in die Finger bekam, ja.
ROLF. Ihr mußtet also improvisieren. Aber hat nicht gerade das den Film letztlich zu dem gemacht, was er ist?
DIETER. Ach, ich will mich gar nicht auf eine Beschreibung festlegen. Der Film entsteht eigentlich erst im Kopf des Zuschauers. Mein eigener Kopf war ja auch noch nicht ganz der alte. Wegen der Pyramidensache.
ROLF. Irre. Was viele ja nicht wußten, warum du immer mit der Maske rumgelaufen bist damals.
DIETER. Das war keine M-
ROLF. Dieter, wir haben da gerade einen Anrufer, hallo Arne, bist du’s?
CASMILLA. Ich bin’s. Arne sagt, er gibt Marlon Brando nur gegen Lösegeld raus.
ROLF. Aber Casmilla, das kommt ein bißchen spät, weil, Marlon ist –
CASMILLA. Ist er nicht. Er ist hier.
ROLF. Das wäre ja sensationell, Casmilla, aber nach allen Gesetzen des Lebens und des Todes –
CASMILLA. ODER MARLON. We are the hollow men, we are the stuffed men.
CASMILLA. Na?
DIETER. Vorsicht. Das kann auch Arne gewesen sein.
ROLF. Ich bin da jetzt doch etwas skeptisch, Casmilla.
CASMILLA. Na dann nicht. Ihr Ungläubigen.
ROLF. Gib uns Bedenkzeit.
CASMILLA. Arne will ein Fluchtraumschiff.
ROLF. Wir – wir klären das, Casmilla. In der Zwischenzeit, schlage ich vor… spielen wir kurz einen Song aus dem Soundtrack von „Karinablad – eine Experience“ von Dieter Kurzhorst-Faust.
17.01.2011
ray05:
ROLF: Radio Feuerwerk kommt heute live von der Kunstmultiplikale in Archangelsk, und den langen Weg ans Eismeer hat mit uns gemacht: Dieter Kurzhorst-Faust, die deutsche Ausnahme.
DIETER: Priwet!
ROLF: Dieter, deinem Lebenswerk ist hier ein eigener Pavillon gewidmet, Handaufsherz, da kommt schon ein wenig Stolz und Genugtuung auf, oder? Der eigene Pavillon, noch dazu in Archangelsk …
DIETER: Klar, das sind ja echte Profis hier am Polarkreis, und von denen eingeladen zu werden, das ist schon exzeptionell. Jewgeni Prokopotossow, der Multiplikale-Chef, klopfte ja persönlich bei mir in Bünde an, und er sagte: Dieter, wir brauchen dich, wir wollen dich unbedingt. Rolf, du kennst mich ja, ich bin nicht der Typ Künstler, der da noch eitel Nein sagt.
ROLF: Flussbett mit vier Sonnen, die Strompyramide, die Filme Pi und Kabbala im zwölfstündigen Rohschnitt, dein frühes Punkdrama Bünderfleisch, Dieter, all deine legendären Sachen werden ja hier in Archangelsk wieder gezeigt und aufgeführt – aber, mit Ptäut’s Revenge ist auch eine aktuelle Installation von dir dabei. Erzähl mal, wie kam’s dazu. Ptäut’s Revenge hat ja in der Anmutung etwas von einer Pudelmütze.
DIETER: Nun, seit geraumer Zeit hat Traumdeutung einen Impakt auf meine Arbeit. Es gab da einige Experiences in meinem Leben, die –
ROLF: Ganz kleinen Moment, Dieter, auch unsere Hörer wollen zu Wort kommen, und hier haben wir auch schon den – nee, oder?
ARNE: Pudelmütze, dass ich nicht lache.
DIETER: AAH! – der große Ptäut. Ich erkenne seine Stimme. Er will mich wieder holen! Auf sein Schiff! Er hat ein großes Raumschiff und kann jeden holen!
ROLF: Irre. Äh – …
ARNE: Marlon spielt ausgezeichnet Backgammon.
DIETER zerrt panisch an Studiokabeln: Sprich nicht mit ihm, Rolf, der große Ptäut kann jeden holen und verschwinden lassen. Marlon, mich, dich, alle! Er hat die Formel!
ROLF: Pscht! Arne, ist Casmilla auch da? Wünscht ihr euch ein Lied? Hallo? Kein Netz mehr. Bommi!
BOMMI: Leitung steht wieder. Anrufer in der Warteschleife!
ROLF: So, und da haben wir auch schon – die Casmilla! Gut, dass du anrufst. Hör mal, Kleine, sprich mal ein ernstes Wort mit Ptäut, äh, Arne. Langsam übertreibt er etwas.
CASMILLA: Arne sagt, auch die Außerirdischen haben ein Problem mit Weltraumschrott. Er hat sich bereiterklärt, den Kram verschwinden zu lassen.
ROLF: Sag dem neunmalklugen Naseweis, er soll sofort zur Erde zurückkehren.
DIETER: Das ist der furchtbare Ptäut!! So glaubt mir doch!!
BOMMI: Konferenzschaltung mit Ptäut möglich – jetzt!
ARNE: Schöne Grüße an Frau Brandt vom Kinderkarate.
CASMILLA: Ich sag Papa, es soll ein Sonnenjahr lang nur Spinat geben, wenn du nicht sofort heimkommst an die heiligen Ufer der Mnemosyne!
ARNE: Marlon will nach Alpha Centauri. Ich setz ihn dort ab, dann komm ich heim. Versprochen. Tschüß.
ROLF: Und die Weltformel kommt in die Flasche zurück, klar?
BOMMI: Hatter nich mehr gehört, der Ptäut.
ROLF: Ptäut heißt Arne, nicht Ptäut! Wann begreift ihr das!? Boah, was für ’ne Geschichte.
DIETER: Also Rolf, das mit der Pudelmütze vorhin war nicht nett.
Christian Erdmann:
ROLF. Hallo liebe Hörer, wie versprochen heute ein exklusives Interview mit The Artist Formerly Known As Dieter Kurzhorst-Faust. Dieter, schön, daß du da bist.
TAFKAD-K-F. —
ROLF. Tschuldige, TAFKAD-K-F, schön, daß du da bist.
TAFKAD-K-F. Schön, daß wir alle da sind. Wo? Nur wenige wissen das. Ganz wenige.
ROLF. Darf ich trotzdem Dieter sagen?
TAFKAD-K-F. Du kannst auch Tronc sagen oder Brückenritter, das ist doch alles unwichtig, es geht um die Substanz, um die Essenz, um das Ki, um das Ka.
ROLF. Dieter, wir alle haben das so verstanden, daß es nach der Multiplikale in Archangelsk einen großen Bruch gab bei dir. In deiner ureigenen Biographie gab es ja immer ganz stark das Radikale. Aber viele fragten sich natürlich, woran lag das jetzt. Deine Kriegserklärung an den Großen Ptäut zum Beispiel, das hat doch viele verstört.
TAFKAD-K-F. Das bringt doch überhaupt nichts, darüber zu sprechen, das sind doch alles nur negative Energien, 1 hoch 9, Dialektik, Dennis Hopper, weißte, da kann ich ja gleich in den Urwald gehen und jedem den Kopf abschlagen, der da mit so einem Boot ankommt, bringt doch nichts. Das ist doch nur Gefasel alles, von so Gehirngewaschenen, das kommt doch aus den Massenpinkelbuden, damit beschäftige ich mich gar nicht mehr, weißte.
ROLF. Dieter, wir wollen das noch besser verstehen. Da ist also dieser Moment in deinem Leben, wo du sagst, im Grunde habe ich alles erreicht, da gibt es jetzt nur eins, die völlige –
TAFKAD-K-F. Die dumme Sau.
ROLF. Wer?
TAFKAD-K-F. Der da, wie heißt der?
ROLF. Bommi. Kennst du doch, Dieter. Unser Soundman.
TAFKAD-K-F. Soundman, Soundman, wenn ich das schon höre.
ROLF. Was uns alle jetzt doch brennend interessiert, Dieter –
TAFKAD-K-F. Was ist, ruft die Schlampe jetzt an oder nicht?
ROLF. Ähm. Bommi?
BOMMI. Na gut.
CASMILLA. Bonjour.
TAFKAD-K-F. Wenn ich hier Französisch reden will, dann fahr ich nach Paris oder was, können wir auch gleich abbrechen den ganzen Nippelkram hier.
ROLF. Dieter –
TAFKAD-K-F. Neeeein, neeeein, die Botschaft heißt Liebe, verstehste, weißte, und da kommt irgendso ein Kakerlak und fragt nach meinem neuen Projekt, ich meine, was heißt das denn, neues Projekt, das sind doch alles nur Phrasen.
ROLF. Das stimmt schon irgendwie, Dieter. Laß uns trotzdem kurz hören, was es Neues aus Paris gibt, wo unsere Casmilla mittlerweile als Managerin arbeitet. Casmilla, die Band mit Arne, Marlon und Sun Ra hat 7 Trillionen Platten in zwei Monaten verkauft, und das nur auf Planet Algon. Wie schaffst du das alles von Paris aus?
CASMILLA. Das geht schon. Du sprichst gerade mit einer Bandaufnahme.
TAFKAD-K-F. Hör dir den Quatsch an. Bandaufnahme, wenn ich das schon höre. Erzähl mir doch, du Honigdattel, welche Darstellerin aus der Rocky Horror Picture Show mal bei einer Schwimm-Olympiade war?
CASMILLA. Little Nell Campbell.
TAFKAD-K-F. —
ROLF. Alles ganz erstaunlich, Casmilla!
TAFKAD-K-F. Scheiße, bin ich auch eine Bandaufnahme oder was?
ROLF. Casmilla, schnell noch einen Song? Unsere Zeit ist leider schon wieder um!
CASMILLA. Arnaud sagt, du sollst Dieter um 15 Delsol zurückspulen.
TAFKAD-K-F. Was soll das alles? Bin ich dann wieder live? Rolf, Rolf hilf mir!
[„Glamour“ leitet sich tatsächlich von „grammar“ ab. Im Mittelalter war „grammar“ den Gelehrten vorbehalten, so erhält „grammar“ auch die Bedeutung okkultes Wissen, assoziiert wurde eine Nähe zum „Magischen“; in Schottland klang gramarye wie „glamer“, die Bedeutung erweiterte sich zu „Macht der Bezauberung“, zu „Schönheit, die magisch wirkt“.]
SPIEGEL ONLINE Forum
24.05.2007
Dr h.c. Caesar:
Karl-Heinz Böhm ist vielen Deutschen auch eher als „Kaiser“ in Erinnerung als jemand, der in Äthiopien viel Gutes tut…
Christian Erdmann:
Mir ist er vor allem in Erinnerung als ein in die Tiefen eines perversen Voyeurismus geworfener Mädchenmörder in Michael Powells Geniestreich „Peeping Tom“, einem Filmklassiker.
Über den Herr Böhm aber niemals in einer deutschen Fernsehsendung der Gegenwart befragt werden würde. Von wem auch?
Und das erklärt wohl auch, warum die Frage hier lautete, ob Romy Schneider der „letzte wahre Star des deutschen Films“ war. Das Zeug dazu hätten einige. Aber das Umfeld gibt es nicht (mehr).
Ich blicke immer neidvoll nach Frankreich, wo soeben, beispielsweise, charmante ältere Fernsehmoderatoren, mit wem soll man die überhaupt vergleichen hier, in eleganten Anzügen vor einer Kulisse begeisterter Jungfranzosen, die vermutlich alle noch nicht geboren waren, als die Band sich zum ersten Mal auflöste, die drei bösen Stooges zu Gast hatten, Iggy Pop und die Asheton-Brüder. Das ist da selbstverständlich. Das meine ich mit „Umfeld“, exemplarisch die Gottschalk-Couch, wo man immer das Gefühl hat, daß ausländische Stars, die darauf sitzen, sich fragen, wie zum Teufel sie hier reingeraten sind.
Romy Schneider hat diese Diskrepanz Frankreich – Deutschland noch in ihr eigenes „Starsein“ integriert. Mir persönlich war sie als Schauspielerin schon sympathischer als jetzt, wo, wenn ich ihre Filme sehe, mir ihr „Ich bin auf so rätselhaft unwiderstehliche Weise intensiv, daß wir jetzt gemeinsam aufs Drama zusteuern“-Flair ein wenig gegen den Strich geht, aber sie war schon eine große Schauspielerin, nichts zu wollen.
Helmut Berger sagt ja: „Es gibt keine Charlotte Rampling mehr.“ Das ist richtig, aber falsch. Es gibt, abgesehen davon, daß es Charlotte Rampling noch gibt, auch, etwa, Monica Bellucci. Aber ich habe kürzlich ein paar Folgen von Margret Dünsers „V.I.P.-Schaukel“ gesehen – echte Exzentrik scheint schon in den späten Siebzigern auf der Strecke geblieben zu sein.
In Deutschland wird das Startum heutzutage in der Regel auf denkbar oberflächlichste Weise gehandhabt. Zur Aura eines „Stars“ gehört ja auch ein gewisses Mysterium, es besteht vielleicht in einer schwer zu fassenden Mischung aus Glamour und Tiefe, und dieser Aspekt mag am Startum global verflachen. Omnipräsenz nutzt das Enigmatische eh ab. Aber in Deutschland fehlt einfach das Ambiente, es fehlt zu weiten Teilen (vgl. dagegen Iggy Pop in französischen TV-Studios) schlicht die Art von Kenntnisnahme, die sich als Respekt/Verehrung bei gleichzeitig selbstverständlichem Umgang mit dem „Star“ äußert, es fehlt vielfach die Anerkennung der Leistung (wiederum: in Frankreich erhob der Kulturminister Iggy Pop zum „Officier des arts et des lettres“) überhaupt.
Es gibt viele Moritaten (Marlene Dietrich würde mitsingen), viele Fragen (was hätte in anderen Ländern aus Schauspielerinnen wie Nadja Tiller werden können), Analogien aus anderen Bereichen, die erklären, warum es schwer ist, in Deutschland ein „Star“ zu sein. Es gibt eine deutsche Sehnsucht nach Harmlosigkeit, ein Phänomen, das Verona Feldbusch ebenso erklärt wie Heidi Klum, das sich zuletzt auch darin äußerte, Roger Cicero zum Song Contest zu schicken, und in dem das wirklich Herausfordernde noch allemal als zu gefährlich empfunden wird.
30.08.2007
Christian Erdmann:
Diesseits von „Promidichte“ (huah) fehlt ein gewisser Alltagsglamour, gewiß. Lippenstift bedeutet schon „Aufbrezeln“. An hellichten Tagen an der Seite einer Frau, die eine gewisse Extravaganz in Stil und Kleidung, vielleicht sogar, Göttin bewahre, einen dezidiert erotischen Faktor darin nicht für den Untergang der Emanzipationsbewegung hält, durch die Straßen gehen: Sie verbringen die Hälfte des Weges damit, den Entnervtheitsfaktor dieser Dame („Hab ich Lepra oder was?“) zu beschwichtigen. Aus den Tiefen von Passantinnenaugen dröhnt dumpf ein Echo, das an „Die deutsche Frau schminkt sich nicht“ gemahnt; wohlerzogene Hanseatinnenkinder erblicken zum ersten Mal mit großen Augen die böse Fee aus „Schneewittchen“, und haben Sie das Pech, am von jungen Müttern mit ihren Kinderwagen totalokkupierten Café in Eppendorf vorbeizukommen, entbrennt ein solcher Kampf der Kulturen, daß Sie noch so viele der vorsorglich mitgeschleppten Äpfel ins Getümmel werfen und „Kallisti, Kallisti!“ rufen können, es hört Sie keiner mehr.
Hinter einer gewissen „Schnörkellosigkeit“ verbirgt sich hier oft einfach eine gewisse Schlumpigkeit. Alles ist irgendwie gediegen, alle waschen ihre Haare in Salzwasser. Daß Jil Sander als „Queen of Less“ gilt, spricht Bände, aber auch, daß sie es nötig hat, bei der Beschreibung ihres Tuns in ein orientierungslos wirkendes und fassungslos machendes Denglisch-Kauderwelsch auszubrechen… das paßt schon irgendwie. Die Überzeugung, daß in alldem Hitler und Homophobie begründet liegen, halte ich allerdings für slightly overdressed.
09.12.2007
Christian Erdmann:
… siehe den heutigen Artikel zur gestrigen „Wetten dass“-Sendung. Man wundert sich, daß überhaupt noch internationale Stars zum „Gnadenlos-Generalisten“ Gottschalk kommen, dessen „Talk-Versuche eine zu durchleidende Qual“ sind. In französischen Musikshows unterhält man sich mit Iggy und den Stooges, und zwar kenntnisreich und mit Interesse; da unterhalten sich auch mal Bowie und Moby miteinander, Brian Molko von Placebo singt dann noch einen Bowie-Song (und zwar exzellent). Zu „Wetten dass“, schon die letzte Bastion in dieser Hinsicht, wird eingeladen, Internationalität und Event vorgetäuscht, im Grunde rauscht das aber schon am Unverständnis des Moderatoren vorbei, von dem man immer mehr den Eindruck hat, es interessiert ihn nicht nur nicht, er weiß auch im Grunde gar nicht mehr, wovon er da redet. Deutsche Talkshows, zu Kinski-Zeiten, waren voll von Gästen, die Glamour aus „dem Ausland“ mitbrachten; sehen Sie sich die Gästelisten heute an. Sehen Sie sich überhaupt Gästelisten an. Wer zum „Promi-Dinner“ erscheinen muß, weiß im Grunde, daß er als „Promi“ ausgedient hat, aber es ist symptomatisch für die Pseudo-Event-„Kultur“. Bei den Franzosen anspruchsvoller Austausch, hierzulande grassiert pompös aufgeblasenes Nixverstehertum.
Ecki Stieg:
Gainsbourgs Kommentar zu seiner Ausladung aus der Gottschalk-Sendung wg. des Textes von „Love On The Beat“: „Die französischen Kids wissen, dass Liebe dreckig sein muss. In Deutschland ist man noch nicht so weit.“
Christian Erdmann:
Erinnert mich an irgendeine Sendung, in der man eine hübsche Dame in Dessous und Nylonstrümpfen durch eine Pariser Metrostation stöckeln ließ und dann mit „Wie finden Sie das“-Mikrofon umherzog; eine Art Spätpunk winkte ab: „Sehe ich zuhause jeden Tag.“ Wahrheit oder nur eine gute Antwort, jedenfalls, von den Dessous mal extrapoliert, repräsentativ für die Mischung aus gewagt und diskret im französischen Selbstverständnis, eine gewisse Selbstverständlichkeit im Diskurs, der viel mehr Wagnisse beinhaltet als hierzulande möglich wäre, wo jede Abweichung zu einem „Fall“ aufgeblasen wird und am Ende alles auf einer völlig uninteressanten Metaebene landet.
Und „dirty“ geht schon gar nicht in einem Land, das es sexy findet, wenn Heidi Klum sich Haribos zwischen die Zehen steckt.
10.12.2007
Christian Erdmann:
In Frankreich gibt es den souveränen Umgang mit dem Außergewöhnlichen, keine Scheu vor Komplexität, der „Skandal“ ist Teil des Diskurses, um noch mal bei Bowie zu bleiben, der wundert sich wahrscheinlich seit 20 Jahren, daß er hier im deutschen Fernsehen nie auf seine Zeit in Berlin angesprochen wird, und man stelle sich das vor: Gottschalk würde auf dem Sofa mal ein Gespräch quasifranzösisch einleiten mit „Herr Bowie, Sie kamen damals ja nach Berlin, um ihrer Kokainsucht den Garaus zu machen, und Sie sind dann ja viel mit dem Fahrrad zu Ausstellungen von Expressionismus-Künstlern gefahren…“ MEIN GOTT! ER HAT KOKAIN GESAGT! Oder wäre es – MEIN GOTT! ER HAT EXPRESSIONISMUS GESAGT! – ? Man ist gar nicht mal sicher.
Kennen Sie vielleicht „Pola X“ von Leos Carax? Ein großartiger, gnadenlos ignorierter Abgrund als Film, von dem quasi keiner außerhalb Frankreichs eine Ahnung hat, was das alles soll (Melville? Wieso Melville? Welcher Melville überhaupt?) bzw. daß er existiert. Catherine Deneuve spielt mit (und sie tut das großartig), der Sohn Depardieus spielt sich die Seele aus dem Leib, und die Musik stammt vom legendären Scott Walker. Wer hat die Phantasie, sich eine solche Konstellation in Deutschland überhaupt vorzustellen?
06.03.2015
Christian Erdmann:
Schade, Herr Kuzmany, daß Sie Ihren doch recht guten Artikel mit Ihrem letzten Satz so sabotieren. „Der Mann hätte gewinnen können.“ Eben das ganz bestimmt nicht. Andreas Kümmert wäre so ungefähr Achtzehnter geworden, und dann hätten wir uns wieder gefragt, warum sich alle gegen uns verschworen haben. Die typisch deutsche Selbsttäuschung und der typisch deutsche Anspruch, es so unbedingt *ganz anders* machen zu wollen. Daß das deutsche Publikum für Kümmert votierte, beweist nur aufs Neue, daß wir den Eurovision Song Contest einfach nicht kapieren, daß wir auch nichts von Pop verstehen. Da wird mit so einem „Was sind wir Deutschen verrückt“-Habitus für Kümmert angerufen, mit der Idee, daß es Resteuropa irgendwie sexy finden soll, wenn wir einen Typen hinschicken, der übergewichtig, ungestylt, sagen wir ruhig ungepflegt und völlig uncharismatisch daherkommt.
Vor einem Jahr hat einer Ihrer Kollegen zum ESC-Contest treffend formuliert: „genau der weinerliche, wurstige, saft- und kraftlose Befindlichkeits-Schmonz, der ohnehin schon alle Kanäle verstopft“. Dieser Gestus: ich bin eigentlich nur der supernette Typ von nebenan und nur ganz zufällig auf dieser Bühne, und darum ist meine Diktion auch so schluffig, aber hör dir trotzdem mal meinen Pseudobedeutungsvoll-Song an, den ich dir ganz lässig-gefühlig vortrage, vielleicht mit meiner Schlumpfmütze auf dem Kopf? – So dermaßen angestrengt unangestrengt, bloß kein Glamour, und hach so authentisch. Grandioser Selbstbetrug.
Beim ESC gewinnt ein Gesamtpaket, und da hätte die verquaste Vorstellung von „irgendwie anders“ in Gestalt von Herrn Kümmert keine Chance gehabt. Seine Stimme ist nun auch nicht soooo überwältigend, daß es Europa vom Stuhl gehauen hätte, machen Sie sich da mal nichts vor.
15.05.2016
Christian Erdmann:
Verdient hat Jamie-Lee ihren letzten Platz allemal. Um Graham Norton zu zitieren: „There isn’t a single thing about this woman that doesn’t annoy me. Here’s Jamie-Lee, making Bjork seem great.“
Ein Mädchen mit Kuscheltieren und Gemüse auf dem Kopf, ohne jede Ausstrahlung, das vor allem beweist, daß Deutschland endgültig auf Kindergartenniveau angekommen ist. Sorry, aber das war wirklich kein professionelles Level. Extrem albern, zu glauben, das sei irgendwie „speziell“.
Die falsche deutsche Selbsteinschätzung wird geradezu grotesk repräsentiert durch Barbara Schöneberger mit ihrer Großraumdiscoanheizer-Stimme. Wie Aale-Dieter nach der Hormontherapie, vor 17 Leuten beim After-Show-Event auf der Reeperbahn mit großen Augen sich darüber wundernd, warum Jamie-Lee so schlecht abgeschnitten hat. Jessas, weil langweiliger Song und albernes Outfit unterm Strich halt Rohrkrepierer bedeuten.
14.05.2017
Christian Erdmann:
„Welcher Bewohner des Planeten Erde würde am Sonntagmorgen mit Lena nicht gerne eine Kissenschlacht machen?“
Sehr schön beschrieben, wie Lenas Appeal die Bewohner Europas einfing, und darum geht es schließlich im Pop: die Menschen einzufangen. Problem nur: nicht wenige Bewohner Deutschlands würden die Kissenschlacht mit Lena mittlerweile ablehnen, da sie ja doch wohl kurz vor dem selbstverschuldeten Hungertod steht. Das Bashen dünner Menschen gehört ja mittlerweile in Deutschland zum Inventar der PC, und genau diese political correctness – wenn Sie mir noch folgen mögen? :) – tötet nun auch das letzte bißchen Verständnis für Pop hierzulande.
Viel gibt es da ja nicht. Man kann nicht ernsthaft erwarten, daß ein Land, in dem Helene Fischer *das Ding* ist, in dem die Bendzkos und Oerdings im Schlafanzug am Küchentisch sitzen, daß dieses Land in puncto Pop auf internationaler Ebene irgendwas reißt.
Daß die Bendzkos, Oerdings etc für irgendeine „Authentizität“ stehen sollen, glaubt ja nur der, dem Pop verdächtig ist, und das muß für den Deutschen dann wohl festgestellt werden. :) Richard Hamilton bemerkte schon Ende der 50er: Pop ist, unter anderem, witty, sexy, gimmicky, glamorous. Im Pop ist es nicht nötig, „authentisch“ zu sein; Pop muß eine mit raffinierten, eleganten Mitteln hergestellte Kunst sein.
Der deutsche Song war, mitsamt Interpretin und deren Ausstrahlung bzw. Ausstaffierung, in keinster Weise mit raffinierten, eleganten Mitteln hergestellte Kunst. Es war schlicht langweilig, nichtssagend, nicht glamourös genug, um als Pop zu funktionieren, nicht authentisch genug, um im Pop-Kontext subversiv zu wirken. Wir erwarten immer, für völlig lieb- und verständnislos Zusammengeschustertes belohnt zu werden.
Cured Catherine: Wissen Sie auch, wofür ich die Franzosen sehr hoch schätze? Sie sitzen im Café nebeneinander. Nicht gegenüber. Wir wissen eigentlich alle seit Saint-Exupéry, dass eines der Geheimnisse der Liebe darin besteht, gemeinsam in dieselbe Richtung zu sehen, anstatt sich in die Augen, aber die Franzosen verstehen es auch, dies zu leben. Und wenn man „Liebe“ mal übersetzt nimmt für jede Begegnung und jeden Austausch zwischen Menschen, so finde ich, dass grundsätzlich nebeneinander mehr stattfindet als gegenüber. Weil man in die gleiche Richtung blickt und weil man sich auf Inhalt konzentriert und nicht auf Äußeres. Aber setzen Sie sich deutschen Freunden im Café oder in der Bahn mal nicht gegenüber. Stiftet erstmal Verwirrung.
Das ist sehr richtig, das mit dem Nebeneinandersitzen, aber erst durch Ihre Gedanken wurde mir mein eigenes Gefühl klar, obwohl das schon äonenlang so ist. Man hat so viel mehr das Gefühl, eine Phalanx zu sein, facing the rest of the world, wie es sich gehört, die through-thick-and-thin-ness, die sich so unbedingt beweist, während sie mit solcher Selbstverständlichkeit darlegt, daß sie niemandem mehr etwas beweisen muß, das Nebeneinandersitzen, das dem Rest der Welt sagt: „Hauen Sie ab, ich warne Sie!“ Plötzlich wird auch ein weiterer Grund klar, warum zig Filmszenen mit Anna Karina & Co. in Pariser Cafés soviel bezaubernder wirken, warum man überhaupt immer, wenn man Liebende nebeneinander sitzen sah, eine kurze Impression hatte von: die sind stärker als alles, die bringt kein betrunkener Gott auseinander, warum ein Bild von Leo von König aus dem Jahre 1909 mich so faszinierte, etc etc… Die Geliebte an der Seite zu spüren, im „Bohème-Café“ (so heißt das Bild) oder an jeder Traumhaltestelle, gehört zu den 13 göttlichen Gefühlen.
Von Dr. Bruno Brotmitbutter (Hamburg / Wagga Wagga).
Der Verfasler: Bruno („Bruce“) Brotmitbutter von der Universität Heidelbeerberg ist Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Pöbelaktionen. Zu seinen Hauptwerken zählen „Manische Depression bei Eurasischen Eichhörnchen“ (1995), die Langzeitstudie über Nußverstecke, für die Brotmitbutter 1997 mit dem Nuxi-Preis der Norddeutschen Reformhäuser ausgezeichnet wurde, sowie „Laßt die Nuggets doch den Nagern“ (1912), das Standardwerk über den Goldrausch bei Goldhamstern. Brotmitbutters gegenwärtige Forschungen gelten dem „missing link“, der fehlenden Übergangsform zwischen Beutelratte und Einkaufstüte.
Der Federbettenwombat ist eine jüngst entdeckte Spezies der Vombatidae, von Dr. Gurkenbrötchen vorläufig als Nacktnasenwombat eingestuft. Dr. Fünfuhrtees Hypothese, nach der sich der Federbettenwombat als Verwandter des noch unentdeckten asiatischen Futon-Wombat erweisen könnte, scheint haltbarer als die These von Dr. Pølser (Kopenhagen), dessen These nur bis zum 10.11.12 haltbar war.
Wie es scheint, ernähren sich Federbettenwombats von Haferflocken und Cornflakes, die größeren Lebewesen aus der Tüte fallen. Weichholzbenagung ist seltener, überhaupt sind die Tiere bemerkenswert genügsam. Dr. Kartoffelninsaureryoghurtsauce von der Universität Sydney Greenstreet: „Ich habe noch nie ein so dickes Tier so wenig essen sehen.“ – Dr. Soufflè (Koala Lumpur), einer der am wenigsten erforschten Forscher überhaupt, wies jedoch schon in seiner Streitschrift „Naßforsche Naßrasuren nützen Nacktnasenwombats nichts“ (1999) darauf hin, daß man sich ganz schön verpforschen kann. Es ist also Pforschicht geboten.
Der Federbettenwombat bewegt sich meist überhaupt nicht, es sei denn, er wird bewegt, aber was ihn bewegt, wissen wir nicht. Forscher, die im Dunkeln lagen, sahen nichts. Dr. Dankemir Reichts (Izmirschlecht) zieht Schlußfolgerungen aus den mysteriösen Wombatfunden abseits des Federbetts, die Dr. C.G. Nimmnochwas-Jung, der Schweizer Psychoanalytiker, indes kritisiert: „Der Mann ist doch krank!“ (aus: „Kommunikatives Handeln als Paradigma einer Seinsmetapher im Dekonstruktivismus-Streit zwischen Natur-Teleologie und Logisch-Semantischer Popeldeutik“). Dr. Quarkspeise (Kühlschrank) hält dies alles für Käse. Wohl zurecht; Dr. Sprachforscher, der bekannte Sprachforscher, hat mittels Computeranalyse die nächtlichen Laute eines Federbettenwombats analysieren können: „Halt – nein – warte – die – “ Und so weiter. Dr. Bratmirwas von der Universität Bratdirselberwas (Slowakei) hält den Wombat für einen Liebhaber moderner Kunst. Collagen finden sein reges Interesse. Dreht man den Wombat um, betrachtet er allerdings mit unermüdlichem Interesse die andere Wand, an der überhaupt keine Bilder hängen. Aber wo beginnt Kunst, wo endet sie? Kunst kommt ja nicht von „Können“, sondern von „Kunstmann, Gemüsehändler“. Dessen Diktum „Man kann auch Artischocken nehmen“ ist immer noch subjektiver Grund ästhetischen Urteilens. Dr. Spielverderber konnte erleben, wie ein domestizierter Wombat einen Spielverderber, der ein Spiel verdarb, anpischerte. Dr. Selbstschuldgemeinerdoofi gab daraufhin Rhabarber zu Protokohl.
Dr. Nudelsupp, der schon Gugel hupfen sah, berichtet, daß beim ersten Lauf des Rennrudelns in Luistrenker eine Gruppe Wombats das Rennrudeln mit dem Rudelrennen verwechselte. Damit zum Sport.
RUMKUGELN. Beim Rumkugeln im französischen Boulangerie kam es zu einem Eclaire. Der Schietrichter griff rein, fand aber nichts schiete.
SCHIEFSPRINGEN. Bei der Vierschranzentournee im Schiefsprung gelang Luggi Oberdeppner aus Sepplmütz im Zenzital die tolle Weite von Pi mal Zwiesel. Wombats waren nicht am Start.
STAPELLAUF. Bestnoten bekam ein Wombat beim diesjährigen Meeting im schwedischen Regal, als er über einen Stapel Bücher lief.
PHILOSOPHIEREN. Wieder einmal setzte sich im 8. Rennen Stoizismus durch. Mit einer Nasenlänge Vorsprung holte sich Wombat den Grand Prix de la Schisselaweng und verwies Ferkel mit Skeptizismus und Bär mit Dialektischem Materialismus auf die Rote Grütze.
MAULAFFENFEILHALTEN. Mit 84 feilgehaltenen Maulaffen belegte ein Wombat beim Blöd-Cook-Memorial einen erstaunlichen 2. Platz hinter Dumm Rumpupen (USA).
DOPPELKLOPP. Bundestrainer Kloppo Klopp hat seinen Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen an Bimbo, Bombi und Schlippo verkloppt. Auswechselungen: Bele, Bumsch und Beule (4. Minute).