Ah, madman Zizek. Danke tausendmal. Bester madman seit Nietzsche. Alles mit allem verbinden, weil alles mit allem verbunden ist. Sie kennen sicher auch seinen „Pervert’s Guide to Cinema“? Schön, wie er im Außenborder Rod Taylor entgegentuckert.
Zizek / Hitchcock: Sie kommen an „Marnie“ nicht vorbei. Seit einem halben Jahr halte ich auf SPON den Kopf für Marnie hin.
„The Birds“ – why do the birds attack? Wir einigten uns darauf, daß „explosive outbursts of maternal superego“ die Sache verkürzt.
„Through fantasy we learn what we desire“, elementarer Satz. Die schönen, traurigen, rätselhaften, unheimlichen, oft schwarz-weißen Horrorfilme, die ich schon ganz früh zu lieben lernte. Für mich waren das immer Tore, durch die ich am liebsten gegangen wäre – Beweis auch, daß die Welt viel aufregender ist, viel geheimnisvoller, als wir lernen sollen. Sie erziehen, obwohl sie vordergründig etwas anderes suggerieren, zur Sympathie mit dem Anderen, Fremden. Horror-Prolog folgt. „Coughing, etcetera“.
Elementar auch, daß wir gar nicht anders sollten, als Sexualität und Erotik mit Phantasien einzukleiden, weil wir gar nicht anders können. Nicht die Perversion ist pervers, die Bezeichnung „pervers“ ist es. Perversion als philosophische Position des definitionsuntauglichen, phantasmagorischen, bewußt zur Lust am Anderen sich öffnenden Ich, sonnenklar, daß in den Horror auch Überlegungen zu Fetischismus oder S/M einzufließen hatten. Seit der Zeit, da er vor Aufregung Hemden durchschwitzte („Wir haben’s überlebt. Sehen Sie, was für eine Hölle das ist.“), hat er, wie ich las, ein argentinisches Dessous-Model geheiratet, Tochter eines Lacanianers, und lebt jetzt partly in Buenos Aires. Ach, ein Mann von Geschmack.
Oh ja, die meisten Lacanianer wohnen in Südamerika. Nur konsequent von ihm. So glad I found this. Life-changing-Lacan-Zizek-Freud-Triangle. Wenn ein Wunsch sich erfüllt, ist er schon wertlos. Wir begehren im Grunde die Leere hinter Objekt a. Und darin dürfen wir nicht nachgeben. „Through fantasy we learn what we desire“, ja, und „the phantasma teaches us how to desire“. Waren beide part of my Vortrag am 8. Ohne Ihre Horrorfilmpassion wären weder „SIE“ noch Aljoscha in Ihr Leben getreten. Madman, ja. Hitchcock, ja. Großartige Szene, in der Zizek an den Kinoplakaten nicht ein gutes Haar läßt. Brecht in Amerika? No way. „Forgettt iht.“ Haha, Marnie! Texte Hitchcock / Lacan leider auch hard to understand bei Zizek. „Perverts Guide…“ nur partly, die Bücher bisher als Vortrags- und Prüfungsgrundlagen. Zizek wurde meine Brücke zu Lacan, thankfully. Bitte schicken Sie ein weißes Kaninchen, showing me the way to Wonderland. Time wanted!
Zerrissenheit ist das Schwierigste, nie Konzentration auf eins für länger. Beulen in Stunden boxen, dass sie länger dauern, das wäre es. Warum nur lehren Sie nicht Lacan/Zizek an einer phil. Fakultät. Elementary, Holmes.
Ein weißes Kaninchen? Wie wäre es mit einem Tänzchen im Waldorf Astoria zur letzten Nacht zwischen 2046
und 2968.
Unser Hausbandleader heißt Sie willkommen und empfiehlt den Damen eine Absatzhöhe von maximal 9 cm und minimal 9 cm.
Als Realist in der Sphäre des Phantastischen erreichen Sie die Tanzfläche am besten über das Bildarchiv des KGW, der Zentrale für die Katalogisierung Geheimer Wünsche.
Aus dem Bathorysaal kommt Mademoiselle Capri Folly oder so ähnlich, sehr er’itzt.
„Der Teufel ist ja sowas von elastisch“, seufzt Bint-Anath die Jüngere,
und während wir uns fragen, wen zum Teufel sie meint:
BUT IF YOU COULD JUST SEE THE BEAUTY aus „Isolation“ ist wahrscheinlich der Ian Curtis-Satz, der mir immer schon am heftigsten das Herz zerriß, beim Wiedersehen von „Control“ fiel mir auf, wie auch Corbijn diesen Satz, diese Strophe besonders hervorhebt. These things I could never describe. Poetry, sein Traum, wie Rosen in dieser bleakness, weil es sonst keine Verständigung gab, du kannst nur an diesem Ort, der keiner ist, beschreiben, was wirklich ist und was du bist, das ist das tödliche Paradoxon. Auch wieder gedacht, wie neben Joy Division so vieles, was mit Abstieg in Dunkelheit spielt, Kindercartoon wird.
Bald Prag, schon jetzt all my loving best for September and for every Now!
I’M ASHAMED OF THE THINGS I’VE BEEN PUT THROUGH, I’M ASHAMED OF THE PERSON I AM. Beim Wiedersehen von Control ganz andere Dinge gesehen als auf der großen Leinwand. Der Film war so sehr ein Debbie-Film, so sehr von der Enttäuschung, ihrer, geprägt, die ich auch kenne, leider. So vieles von dem, was sie im Nachhinein in seine Gedanken und Gefühle reinlegt, konnte ich nicht mehr glauben, aber genau die Szene, in der er Isolation einsingt, fiel mir auch besonders auf, viel mehr als damals. Das war er, da war sein Zerbrechen, diese Mauer, die er nie überwunden hat, auch nicht mit Annik. Diese Sprachlosigkeit, eines kleinen Jungen, der in seiner Zeit nie ein echtes Gegenüber fand und der nur aus der Not uns seine wunderschönen Lieder hinterließ. Ich war sehr traurig heute. Ich dachte, er hat so vieles nicht mehr erleben können, mit ein wenig mehr menschlicher Kraft, seiner, ihrer, ihrer, ärztlicher, freundschaftlicher wäre es vielleicht anders ausgegangen. Und jedesmal denke ich an unseren heute dicken, glücklichen Robert, der damals fürchtete, er müsste sich auch umbringen, damit seine Musik gehört wird. Schreibt er auch keine traurigen Lieder mehr, so lebt er doch ein langes, erfülltes Leben an der Seite von Familie, Freunden und Fans, die ihn verehren. Finden Sie es überspannt, dies auch Ian zu wünschen, gewünscht zu haben?
Das ist ja alles sehr bezaubernd, was Sie da durch den Äther schicken! Aber nun, ich habe ein sehr dickes Buch gekauft, heute, und viele Kopien nach Hause gebracht und es legte sich so eine Art Ruhe über meinen zerstreuten Geist und ich dachte, es wird alles wahr, ich schaffe es. Theorien und Testbatterien werden ihren Weg in meinen Kopf finden und am Ende wird doch noch alles wahr werden, was vor 7 Jahren als fixe Idee begann und seitdem hart verteidigt werden mußte gegen alle Wirren und Angriffe. Aber zurück zu Scott Walker, das hier gefällt mir auch sehr:
„Wie lange kann man sich lieben, ohne sich zu verstehen“, remember? Ian und Debbie, für mich. Ja, er ist auch daran zerbrochen, und an der Schuld, die er durch das „Wie lange kann man sich verstehen, ohne sich zu lieben“ (Annik) empfand. Aber so viel mehr noch – Grönemeyer liest die Nebenwirkungen vor wie ein Todesurteil. Wie das Verdikt: Zu-Tode-Foltern. Die wahrscheinlich klinische Depression, die Angst vor Amerika. Und eben das tödliche Paradoxon.
Ja. Aber letztlich kann unser Wünschen nicht immer hoffen, es gab sie, diese Künstlermärtyrer, die für das, was sie fanden und beschrieben, den konsequenten Aufbruch in die denkbar entlegensten Regionen unternahmen, die Abkehr vom wärmenden Herdfeuer des Sozialen, und der Preis ist in der Regel irgendein Zustand der Verdammnis, Ankunft an einem point of no return, von wo aus es so tragisch wie folgerichtig nicht mehr den Willen oder die Kraft gab, sich von der Kunst in ein längeres, glückliches Leben zurückzuretten.
Oh, „Duchess“! Überhaupt Scott 4 (mit „Boy Child“), die damals schon so befremdend wirkte auf die Fans des Matinee Idol, wenn die geahnt hätten, wo der noch ankommt, damals noch irgendwie ein Mann auf der Suche nach der verlorenen Zeit, die zwischen europäischen Filmen abläuft, eine unerklärliche, traurige, einsame Forgotten Courtyards-Schönheit vor Augen.
Es wird alles wahr! Ohne die Panik, die Zerstreuung und die Zweifel wäre irgendwas nicht richtig! Ma chère, my dear dear Watson, night starts to empty, have wonderful dreams tonight.
Ihnen wünsche ich tschechische Momente, wie man sie schöner nicht wünschen könnte! Vielleicht begegnen Sie sogar Karel Gott in einer Bankfiliale am Staromestske Namesti. Und wenn Sie Prag am Holesovice wieder verlassen, werden Sie ein anderer sein als vorher. Es ist schon so lange her, aber achten Sie mal auf die Ansage in der U-Bahn, bevor die Türen schließen. Unglaublich, ein Satz mit etwa 29 Wörtern. Überhaupt, die Sprache. Und die U-Bahnhöfe. Haben Sie eine gute Reise, my Dear!
Hmm, bedeutungsgleiten wir später, ich verbrachte die Nacht am englischen Hof und in mehreren Landhäusern an Orten, die alle ein -shire im Namen tragen. Was sind Ihre Glücksmomente derzeit? Haben Sie „Die wilden Jahre“ gesehen? Uschi und Keith? My goth, was für schöne Klamotten. :)
Und: wenn jemand sagt, „Du mußt schreiben, das ist doch völlig klar.“ André aus der Bornstraße nämlich, nachdem ich ihn mit sonnenverbranntem Gesicht antraf. „Wo warst du denn?“ – „Im Park. Mit deinem Buch.“ – Non, verpaßte Die wilden Jahre, war aber, nach „Waren die Beatles die beste Band aller Zeiten?“-Threadschlacht, auf Zeitreise im Silver Train.
Die legendäre „Exile On Main Street“ – aufgenommen mostly in der Villa von Keith Richards in Südfrankreich. Las kürzlich mit Vergnügen seinen Report, WIE ES WIRKLICH WAR, und wie dieser grandios vermuffelte Sound zustandekam.
I remember it was like trying to make a record in the Führerbunker. It was that sort of feeling, you know – it was very Germanic down there for some reason. Swastikas on the staircase. And also, like all basements, it had never been used for anything. So basically it was a dirt floor and some concrete. If somebody got lost, there’d be a little trail of dust in the darkness… It was a labyrinth, in actual fact. It was a concrete labyrinth, subdivided here and there, and we would go around testing to see which one had the best echo or was the best sound for a particular instrument. That sort of thing. But it was also sort of like the netherworld. Upstairs it was fantastic. Like Versailles. The south of France in the summer – la, la, la. Beautiful. Who could ask for anything more? But down there, it was another thing. It was Dante’s Inferno…
There were all these little subdivisions in the basement, almost like booths. So what would happen was that, for a certain sound, we’d schlep an amp from one space to another until we found one that had the right sound. Sometimes the guitar cord wasn’t long enough! That was in the beginning, anyway. But once we started to work there, my little cubicle became my cubicle, and we didn’t change places much. But at first, it was just a matter of exploring this enormous basement, saying, What other sound is hiding ‚round the corner? ‚Cause you’d have weird echoes going on. Sometimes we wouldn’t be able to see each other even, which is very rare for us. We usually like to eyeball one another when we’re recording.
It was a dirt floor. You could see somebody had walked by, even after they disappered ‚round the corner, because there’d be a residue of dust in the air. It was a pretty thick atmosphere. But maybe that had something to do with the sound – a thick layer of dust over the microphones. It wasn’t a great environment for, like, breathing. Mick Taylor and I would just peer through the murk at each other and say, OK, what key is it in?
You’d sort of jam an acoustic guitar into the corner of one of these cubicles and just start playing and you’d hear it back you’d think, that doesn’t sound anything like what I was playing, but it sounds great. So you started to play around with the basement itself, aiming your amplifier up at the ceiling instead of like normal.
I mean, it’s France, man. They were still using horses to plow – a TELEPHONE CALL would take half an hour. Apart from the fact that everything would go out of tune every two minutes because of the heat, then you had to deal with the electricity going down – and this would be when they were actually playing in tune. For the first time in four hours.
On Ventilator Blues we got some weird sound of something that had gone wrong – some valve or tube that had gone. If something was wrong you just forgot about it. You’d leave it alone and come back tomorow and hope it had fixed itself. Or give it a good kick.
Zum Geburtstag 5 Männchen auf einer Torte mit einem der göttlichsten Richards-Riffs, beachten Sie, wie er es bei 1:52 / 1:53 so gerade noch mit leichter Verzögerung um die Ecke bringt …
… ein schönes Schaumbad …
… tickets for the dance …
… alles Liebe zur Sternstunde, Dear, Schockblitzbuntes on your silver screen and ALL IN GOOD TIME!
Oh ja, Sie ganz in weiß mit Argentinien-Shirt, I remember. Aber nun Uruguay! Die geschickteste Spielweise, die schönsten Spieler dieser Chaos-WM! Und Diego heißen die allerhübschesten auch. :) Somit ebenso hingerissen von der Idee eines Estates mit Blick auf den Berg. Traumfinale dito und dann die Urus siegreich – seit Tagen meine Rede! Zum Meyrinkschen Pragbesuch nur: awwwww, jetzt schon Vorfreude auf das, was die goldene Stadt mit Ihnen tun wird und was Sie zu berichten wissen werden. So sehr danke schön, wie es nur geht. Wunderschöne Momente mit Torten- und Matrosen-Stones und GARBAGE, (warum vergesse ich die immer, obwohl die so wunderbar Jetzt-erst-recht-Musik machen?) und Oasis-Licht! Great! Love it! Die Sonne strahlt so hell derzeit und ich strahle zurück.
Ein Viertelfinale Uruguay – Ghana, reine Poesie. Schon im ersten Spiel gegen La France wurde deutlich, daß die beiden Diegos den Laden zusammenhalten. Lugano sieht aus wie ein smarter Freund von Helmut Berger in einem 70er-Jahre-Film von Jess Franco mit Brett Sinclair/Danny Wilde-Autos, und Forlan liebe ich vor allem vor Freistößen – wie in seinen Augen da eine leicht manische Präzision die Situation antizipiert. :) Klasse, geradezu klassisch, schon frisurtechnisch, auch Edinson Cavani, großes Herz: wie er den flennenden Du Ri Cha vom Boden hochzog, fein.
Jedesmal, wenn man Garbage neu entdeckt, gehen sie tiefer als zuvor. Bei allem Kampf gegen die eigenen Neurosen – oder wegen diesem – ist Shirley Mansons wunderbarste Stärke ihre Empathie. Und sie hat 197 Stärken.
Mark Lanegan hat den BRMC weggeschwemmt!? Was für eine Stimme.
So. Wo waren wir? Coco. Woah. Eine der wichtigsten Frauen der Moderne und so kam auch ich nicht an ihr vorbei. Als ich in den 80ern und 90ern die Vogue und so Zeug durchblätterte, liebte ich allein die Chanel-Anzeigen, weil sie die stilvollsten waren. Linda Evangelista und Christy Turlington in zarten schwarzen Tüllröcken und mit tiefroten Lippen.
Rot, das so rot ist wie Blut, wenn man „Blut“ denkt. Und dann kamen die auch noch mit Rouge noir. Ich las damals dann auch diese schlechte, aber beeindruckende Biographie, die ein Roman ist. Ihr Klostertrauma, ihre Rebellion in Hosen, ihre Kühle, Strenge, Zähigkeit. Und das alles in Paris und Deauville, wo man nicht bereit war, es ihr leicht zu machen. Aber sie war auch gerissen, mutig und so schlau wie nur wenige Frauen. Auch eine meiner Wegweiserinnen, ganz klar, ich wußte alles über sie, was man wissen konnte und als ich Anfang der 90er in Paris war, besuchte ich mit großer Frechheit die 31, Rue Cambon. Schwarz und weiß, kühle Eleganz, kompromißlos und luxuriös.Stravinsky wurde in dem Buch kaum erwähnt, dafür die enge Freundschaft mit Misia Sert. Naja. Sahen Sie den Film bereits? Anna Mouglalis – mais oui, très bien.
Bitte sagen Sie, was Sie über Hegel-Freud-Lacan herausgefunden haben, Holmes. Über signifiants und signifiés. Sie wissen etwas, ganz sicher. Ich ließ beinah das Buch fallen, als es vom Auflösen im Anderen und der Rückkehr zu sich, wenn das Fremde im Anderen erkannt wird, sprach. Mein Gott, wie recht Sie hatten. Ganz am Anfang damals. Aber ich auch, weil alles erst dann schwierig wird, wenn man das Fremde zu überwinden und anzunehmen beginnt. Trotzdem, ein schweres Los, diese Lacan-Schriften. Ist denn nun Hegels Bedeutung des Unsichtbaren das, wovon Sie immer sagten, es sei nicht Positivismus, dem wir verfallen wollen? Ich hoffe, es macht Sie nicht alles sehr müde.
Den Black Rebel Motorcycle Club kann man nicht wegschwemmen. Ich hatte zwar die Ahnung, daß die es einem so richtig besorgen, aber ich hatte nicht gewußt, was die darunter verstehen, es einem so richtig zu besorgen.
Mark Lanegan, Sonnabend – hypnotisch, unglaublich, unerklärlich. Faszinierend ist es da, im Uebel & Gefährlich. Als wir da so saßen auf einem der Sofas der Hinterzimmer mit den alten gemusterten Goldtapeten an der Wand: B fragte sich, wo sie in dieser Bunkeretage das Bett hinstellen würde, und ich spendierte derweil laneganesque einen Whiskey für jeden Geist, der hier noch seufzte. Sie ist einfach die Pragmatikerin, of us two.
Oui, wir sahen den Film. Loved it. Und es ist ein Film für jene, die wissen, daß schon die Auswahl der Knöpfe für einen Chanel-Entwurf eine Wissenschaft ist und nichts weniger. Und für jene, denen es Schauder über den Rücken jagt, die ersten Töne des Fagotts von „Le Sacre du Printemps“ zu hören, im Orchestergraben so nah zu sein, daß man das leise Klappern der Mechanik des Instrumentes hört, weil es noch atemlos still ist – bevor alles im Inferno untergeht, das gleichwohl auch hier, wie ich u.a. von Misia Sert weiß :), noch recht zahm inszeniert ist. Leider gibt es auch hier keinen Nijinsky oder Diaghilev, wie sie zu sein hätten, aber das ist nebensächlich. Anna Mouglalis ist perfekt im Kühlen, Strengen, Zähen, Kompromißlosen. „Mögen Sie keine Farben?“ – „Doch. Schwarz.“ Chanel N° 5: „Ich will wie eine Frau duften, nicht wie eine Blume.“ Vor allem ein Film für jene, die wissen, welche Lektion Anna als Coco erteilt, und warum das deutsche Feuilleton den Film nicht lieben kann; beides gehört untrennbar zusammen. In Marlene-go-home-Land, das jetzt Heidi-Klum-Land ist, bleibt die Empfänglichkeit für subtilere Ausdrucksformen erotischer Spannung eher rar gesät. Schon für das, was Lagerfeld über Heidi Klum sagte, muß man ihn lieben: „In Paris kennt die keiner.“ Danke für das Bild mit all der schwarzerotischen Eleganz und den tiefroten Lippen, Sie wissen, wie Sie mich ergetzen, Watson.
Lacan. Nie verstanden, ob ich auch nur ein Wort von Lacan wirklich verstanden habe. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, ist für Lacan das Reale überhaupt nur in Vermittlung des Symbolischen erfaßbar, schon das ist eine antipositivistische Breitseite. Das Ich ist – als „Einheit“ – eine imaginäre Funktion. Das Symbolische ist die fast apriorische Kategorie, in die wir eintreten: Sprache, Zeichensysteme, die „symbolischen Formen“, von denen Ernst Cassirer spricht. Das Reale ist zwar da, aber wir können es immer nur in Annäherungen erfassen, mittels symbolischer Formen.
Fangen wir ganz vorne an, Watson: „Je est un autre“, Arthur Rimbaud, 1871. „Subjekt“ als abgeschlossene Ganzheit ist Fiktion. Lacan betreibt nicht Auflösung der Ich-Identität, wie ihm ja auch vorgeworfen wurde, doch er löscht „Identität“ als umgrenztes Ich – da wurde er für mich im Horror-Zusammenhang interessant.
Die Genese der Einheit des Ich als imaginär (im Sinne von „scheinhaft“ wie im Sinne von „auf ein Imago gründend“) verläuft entlang der bilderproduzierenden Kraft der Form und einer wiederum formenden Kraft des Bildes. Spiegelstadium als eine durch Aufnahme eines Bildes ausgelöste Verwandlung. Diese Form, die gespiegelte Gestalt des eigenen Körpers, situiert die Instanz des Ich (moi) auf einer fiktiven Ebene. Diese Form ist ihm als „Gestalt“ gegeben, jedoch – Lacans Pointe – „in einem Außerhalb“. Einheit des Subjekts ist auf die Ebene des – buchstäblich – Imaginären verschoben. Der gespiegelte lebendige Leib ist Gestalt, als Gestalt ist er Einheit, die sich auf das Ich überträgt. Das Kind, das sich mit dem Spiegelbild identifiziert, identifiziert sich mit der imaginär antizipierten Einheit. Das Bild des Ich ist also von Anfang an imaginär. Die das Eigenempfinden bis dahin beherrschende Impression der Zerstückeltheit weicht einer Projektion von Identität, die am Außerhalb des Bildes, am *anderen* orientiert ist. Der Spiegel gibt ein Ich ganz, aber als ein anderes. Diese erste Identifikation enthält eine Hochrechnung auf die Vollkommenheit, die später dem Anderen unterstellt wird. Soweit d’accord?
„Mögen Sie keine Farben?“ „Doch. Schwarz.“ *seufz* *umfall* Müßte allein schon reichen, mich restlos zu überzeugen. Oui, soweit recht d’accord. Sein Spiegelstadium formte Lacan ja unter anderem aus der Grenzerfahrung des Narziss, „die Stimme der Nymphe Echo verdoppelt die visuelle Beziehung zwischen Narziss und seinem Bild“. Und was er damit zeigen konnte, ist, dass das Ich nicht die autonome Instanz ist, die in der Psychoanalyse vorausgesetzt wird. Dann geht es weiter mit dem Symbolischen im Spiegelstadium als „strukturierende Instanz, ohne welche die spiegelbildliche Beziehung mit dem andern tödlich würde.“ Etwas später heißt es auch noch, dass „das Subjekt seinen Mangel im Angewiesensein auf die andern, in seinen Ansprüchen an sie, in der Liebe und vor allem in der Unmöglichkeit, restlos befriedigt zu sein, bemerkt. Im andern begegnet es erneut dem Mangel, dem des Andern. Damit ist das Drama jeder menschlichen Beziehung strukturell vorgezeichnet.“ Aber das ist auch nur aus der Einführung der Sekundärliteratur. :) Man kann Lacan wohl nie „verstehen“, das liegt schon in der Struktur seiner Inhalte begründet, sagen alle, die über ihn schreiben und von ihm sprechen. Man kann sich wohl nur annähern, und das immer mal wieder. Äußerst spannend.
Gut, also: das „Ich“ geht, bevor es eigentlich da ist, außer sich und findet sich als ein anderes; und es hebt insofern das Andere auf, als es sich selbst im Anderen sieht. Das Bild der Ganzheit wird dem Ich durch das Sichwahrnehmen im anderen, in einem außerhalb des Ich liegenden Bild vermittelt. „Ich ist ein anderer“. Dadurch, meint Lacan, wird also gerade die Ganzheit des Ich das eigentlich andere seiner selbst. Werten wir das nicht, versuchen wir einfach, weiter zu folgen. Das Ganzheitsbild erscheint ja vor dem Hintergrund der „discorde primordiale“. Wenn ich es richtig verstehe, meint Lacan, daß das Subjekt diese Erfahrung der Einheit, die „außerhalb“ gefunden wurde, in der Begegnung mit dem Anderen zu wiederholen versucht, und daß da immer eine Produktion von Imaginärem stattfindet. Unauflösbarer Zusammenhang von „Einheit“ und „imaginär“.
Dann: das Symbolische. Also das Differente. Das Gesetz des Vaters, strukturierende Instanz. Was Sprache ist und gleich ihr strukturiert ist. Dabei entsteht die Absenz des Anderen, die symbolisch in der Sprache repräsentiert ist. Und dabei entsteht das Unbewußte. Aber wenn es heißt, „L’inconscient, c’est le discours de l’Autre“ – das Unbewußte ist der Diskurs des Anderen – artikuliert sich das Ich in der Sprache des Unbewußten? Oder ist das Unbewußte der Ort des Anderen, das dem Subjekt vergessene Botschaften übermittelt? Oder beides? Oder ist dies ein Spiel mit Worten, welches das Unbewußte genau darin illustriert, daß die Reichweite des Sinns die gehandhabten Zeichen immer übersteigt? Daß in allem Gesagten Ungesagtes mitschwingt?
Irgendwie bleibt wohl, daß sich das Ich in der Sprache des Unbewußten anders als in seiner imaginären Einheit artikuliert, jenseits von ihr. Und das ist elementar z.B. im Hinblick auf das „Fremde sind wir uns selbst“ (Julia Kristeva), im Hinblick auf „das Andere“ als Konstante im Horror-Genre (und –Erlebnis), eben auch als internes Anderes, das helfen könnte, externes Anderes leichter zu akzeptieren.
In der Konfrontation mit der Sprache kommt es also zu einer Entfremdung, zu Spaltung und Dezentrierung des Subjekts; die sprachlichen Symbole vermögen nicht, die Totalität von Erfahrung abzudecken und alle Nuancen dessen auszudrücken, was ausgedrückt werden soll. Darum z.B. gibt es bestimmte Romane, die von vornherein dezentriert arbeiten, verschlossene Räume mitschwingen lassen, vergessene Botschaften evozieren und bestimmte Verleger zu der Aussage verleiten, der Autor sagt das Unsagbare. :)
Gehen wir zum ständigen Bedeutungsgleiten über? :)
Bonsoir Monsieur, alors, ich gebe zu, auch ich driftete into other worlds these days. Far away from Jeremy, aber es ist nur eine Frage der Bewußtseinserweiterung. Unerwartet geriet ich in den Sog der kalten Wesen, der Wölfe und der zarten Rothaarigen, da oben im Norden der USA, in Forks. Zunächst noch skeptisch erlag ich doch schneller und gründlicher als befürchtet den Romanen, schließlich auch der präzisesten filmischen Umsetzung ever (nun gut, der Name der Regisseurin ist Catherine, was will man da sagen?), der Musik, der Stimmung, der Schönheit der gesamten Szenerie und schloß mich Team Edward an. Es besteht leider kaum Hoffnung. Sie haben den Schnee sicher nicht minder satt als alle? Ach, verzeihen Sie die Frage. Ich halte es im Übrigen für gewagt, das Vehikel nicht zu sichern, bevor eine Bäckerei aufgesucht wird, andererseits legt sich jeder von Zeit zu Zeit gern mit den höheren Mächten an, nicht wahr. Haben Sie schon mal einen modernen französischen Roman gelesen, der Sie nicht wünschen ließ, Franzose zu sein, Paris in einem geliehenen Citroen zu verlassen, um ein altes Bauernhaus in der Provence aufzusuchen, Helena Bonham Carter mit wirrer Frisur, geblümtem Kleid und Gummistiefeln und einer Kinder- und Tiereschar darin?
Mais oui. Mit 20 war mein Lebensziel, Franzose zu werden, und da wußte ich noch nicht mal, daß irgendein Vorfahr meines Vaters aus Burgund desertiert war. Fühlte mich auch immer schrecklich wohl dort, Paris ist ja nur die Glasur auf dem Eclair. Siouxsie zog mit Budgie irgendwann auch nach Südfrankreich, lebt wohl heute noch dort, Dirk Bogarde schlug sein Domizil bei Grasse auf. Pjotr und Aljoscha dagegen schlugen nicht umsonst in Marseille auf. Marseille, diese Muchacha, die nur zum Schein dem Kreuz zu Füßen liegt, das auf dem Kathedralenberg in schwindelnde Höhen erigiert und herabspäht auf die lüstern Erhitzte. Später zog ich von den Lippenstiftspuren auf Rimbauds Grabstein in Charleville bis zum Steinthron eines Sommerabends auf den alten Mauern Carcassonnes. All die Gedanken, die da liegen und nicht in Frieden ruhen. Du sendest deine Sehnsucht über das Meer und folgst deiner eigenen Spur.
Welcher franz. Roman riß Sie denn maintenant hin? Jeremy unaufgebbar, goes without saying. Das ungesicherte Vehikel habe ich from inside the Boulangerie im Augenwinkel, Watson, wie schade, daß Sie mir entgingen. Ich glaube einfach daran, daß derzeit ohnehin alles eine so geradezu lachhafte Verknotung von Mißständen ist, daß Fahrraddiebe da gar keinen Platz mehr haben.
Wie weit weg ist Forks von Twin Peaks? Dorthin will ich, wenn ich solche Szenen im Original sehe.
Die Ergebnisse, Watson? Die Ergebnisse?
Ah non, Sie hatten den Kuchen im Auge, mon cher, aber wie gesagt, auch ich stelle ein Weinglas vor das neue Notebook und denke, mir passiert DAS nicht. Und vielleicht haben Sie recht, eine lachhafte Verknotung, die zu entwirren keinem Tölpel in Trance gelingen mag. Wir entgingen Ihnen, weil wir in Vampirgeschwindigkeit zum Bücher- und Stundenhehler flogen. Mais non!? Mit 20 war MEIN Lebensziel, Britin zu werden. Doch, wirklich. Ich war drauf und dran, mich, das Abitur in der Tasche, als Nanny bei einer Familie in Kensington zu verdingen. Der Sohn einer Buchhändlerin hielt mich davon ab, aber wir machen alle Fehler und denken uns nicht viel dabei, wenn wir 20 sind, n’est-ce pas? In aller Geringfügigkeit besuchten wir gemeinsam London einen Sommer später, immerhin. Ja, die Ergebnisse, Holmes, um ein Haar wäre es ein Gut geworden, aber ich habe Vier gewinnt gespielt und Drei gewonnen als Zweite Note und so soll es eben sein. So wichtig ist das nicht mehr. Ich verbrachte mal einen Sommer in Südfrankreich und da war auch ein Kreuz auf einem Berg. Ich war erst 8 Jahre alt, nichtsahnend. Und doch, die Lebensart, die Wärme, die Sanftheit der funkelnden Dunkelheit über dem Mittelmeer in der Nacht.
Der neue Roman von Anna Gavalda. Wird von der deutschen Arschlochliteraturszene zerrissen, zu kitschig, zu lang, zu wasweißich, zu viele Noten. Sie reißt einen hin, wenn man mal geliebt hat, weil nichts so unbeschreiblich ist wie Lieben und wenn es jemandem gut gelingt, es einigermaßen zu beschreiben, reißt es hin. Forks und Twin Peaks, nein, dazwischen liegen ein paar Welten und mit Verlaub, ich glaube, Forks besuchen hauptsächlich Frauen mit rötlichen Haaren. Twin Peaks ist ja eine äußerst strange Show.
Well, well, well, tonight we’re dancing in the street, the mad hatter wishes you a very happy unbirthday (WATCH THIS FILM! DID YOU? DON’T HESITATE!)
Very Happy Birthday, my dear friend and colleague! Love, Cat
Danke für diese wunderbare Invasion des Bedeutenden. Keine Sternstunde verhindert, daß man immerzu in diese Gegenwelten rutschen möchte, das veranstalteten Filme und Musik mit mir schon immer, letztlich kann nur ein Buch daraus werden, mit vielen Hinweisen darauf, aber dann wiederum, als einer, der sich von Whitechapel aus zu den Docks von Bristol oder Plymouth aufmachte, Sie wissen schon, hätte ich Sie als Nanny in London ja verpaßt. Sweeney Todd sagt zwar nicht „Someone has invaded my space, you pick up the nearest rock“, aber: These are my friends, see how they glisten. Dies sind verzweifelte Zeiten, Mrs Lovett. Die nach verzweifelten Maßnahmen verlangen. Wir servieren jedermann. Anwalt ist ganz lecker. Der Klerus ist zu fasrig und zu mehlig. Smoke! Smoke! Sign of the devil! City on fire!
Genau gestern im Wunderland. Auf Deutsch, aber mit Buddy Holly-Brille. Miss B nach zwei Minuten 3D: „Mir wird schlecht!“ Natürlich hartgesottene Ironie. Verlangt zwingend Zweitansicht im Original. Ein ziemlich verdüsterter Carroll, Unterland ziemlich apokalyptisch. So wie Alice mit Rüstung habe ich mir immer Jeanne d’Arc vorgestellt. Tsk, was Johnny Depp aus Figuren wie dem quecksilbervergifteten Mad Hatter macht. Schwer zu sagen, wie oft er und Helena Bonham Carter sich eigentlich die Schau stehlen. Wunderbar bescheuert Tweedledee und Tweedledum, wunderbar stunning und weggetreten die Weiße Königin. I love those small things. Wie das Geräusch des Deckels aus dem Inneren der Teekanne. Drei gewonnen IST doch Gut, gar Sehr Gut! Frühling kommt, der Sperling piept, Zeit, der Queen of fair Elf Land zu begegnen.
Wunderland im Original und Making of und deleted scenes und und… hope for these irgendwann dieses Jahr. Those small things, yep. Beleuchtete Pilze. Der Hutmacher lispelnd for Aufregung, beim Wiedersehen mit Alice „er“ sagt statt „sie“, ein Kleidchen nähend im Handumdrehen. Die weiße Königin, ein Würgen unterdrückend über dem Kopf des Jabberwocky. Tweedledee/dum, der Typ aus Little Britain. Die Raupe Absolem mit der Stimme von „Snape“ aus Harry Potter (Alan Rickman im Original). Der beste Film dieses Jahr, Akte geschlossen. War es Ironie der Schönen neben Ihnen? Mir wurde etwas komisch in der Tat, man muß sich dran gewöhnen, nicht?
Der Frühling, ja, fein. Ich sehe, Sie beginnen die Konzert-Saison im Mai. Dazu fehlt es derzeit im Hiersein am Möglichsein. Ein heilsames Hauptstadtwochenende zunächst, wie es sich für den April gehört. Der Geburtstag des Meisters will Celebration.
Lese gerade „The Annotated Alice“. Daß Hutmacher tatsächlich Gefahr liefen, eben wegen Quecksilbervergiftung *mad* zu werden, wußten wir also schon, die beiden main theories für die Herkunft der Phrase „Grin like a Cheshire cat“ waren mir jedoch unbekannt: laut der ersten Theorie geht sie zurück auf einen Schildermaler in Cheshire, der grinsende Löwen auf die Dorf-Inn-Schilder malte; oder sie stammt aus der Zeit, in der die Form von Cheshire-Käse an grinsende Katzen erinnert haben soll. Marilyn Mansons „Phantasmagoria“ über Lewis Carroll würde ich gespannt erwarten, hätte der Maestro Zeit und Fasson. Als Maxime gab er vor, den Horrorfilm auf die Ebene von Polanski und Hitchcock zurückbringen zu wollen. Vielversprechend, aber wie Sie sich erinnern, war „Manson sollte wirklich mal“ Topos der BS-Zeit. „I so often obsess so much about things that I can’t get done that I ruin other things.“ (MM). Ein Lieblingssatz aus „Alice“: „The great question certainly was, ‚What?'“
Love your new avatar. Kennen Sie „Golden Avatar“ von Kula Shaker? Zweitbester Hindu Times-Song nach „The Hindu Times“.
Bald Chanel & Stravinsky. „Wenn Chanel und Stravinsky sich ihr gegenseitiges Verlangen nicht in süßlichen Worten, sondern mit kühlen Blicken beichten, lädt sich die sexuelle Spannung auf wie in einem Suspense-Thriller“. Als Coco Chanel ist Anna Mouglalis zu sehen, Sie wissen schon: Simone in „Der Liebespakt“. Habe „Marnie“ und „The Birds“ als meine Lieblings-Hitchcock-Filme entdeckt, weil mir plötzlich klar wurde, wer Tippi Hedren ist. Am Ende von „The Birds“ öffnet Rod Taylor eine Tür, die gar nicht da ist. Das ist die Magie des Films, aber für einen in The Chamber of 32 Doors ist das auch ein Satori, ein Schuß ins Auge. Bob Dylan in „Series Of Dreams“: „And there’s no exit in any direction / ‚Cept the one that you can’t see with your eyes.“ Gotta find that one then, I guess.
„Morning Holmes.“ – „DON’T ASK ME TO COMMENT ON YOUR NEW TIE!“ Sloterdijk – uiiih. Der muß ein vor Jahren geführtes Telefongespräch abgehört haben, in dem ich jemandem erklärte, dass dieses ganze Geversichere absurd. Sich gegen das Leben versichern zu wollen, hieße tot sein. Aber so tun sie es. „Sie“, die M-Püree-Menschen. Alles verneinen, was Leben, Lieben, Entwicklung ist. Aber ich bin müde, darüber zu viele Worte zu verlieren. Helfersyndrom und Beteiligtheit nach Timbuktu verschifft. Sie meinen, Sie überspringen das 21. Jahrhundert? Durch den Dienstboteneingang des 20. ins 19. zurück? Werfe ein paar Schachteln Antiidiotikum und Aspirin ins Gobelinköfferchen, das Samtcape über und bin dabei. British Lads, thumbs up, thank you! Und thank you auch für Mark Lanegan. Nicht nur die Musik, die goose-bumps-voice und allen voran (z.Zt.) You Will Miss Me When I Burn, auch für die wunderschöne Covergestaltung! Unternehmen Sie auf Ihren Rückwärtsreisen Raubzüge alter französischer Zeitungen? Die adorable poupée blonde et rose ist entzückend und der Plattenspieler erinnert so very an Control. Love it!
Ach ja, die Platten der Geschwister, ich kenne sie auch! Aber Plastikhüllen innen? Oh je oh je. Waren die besten Momente, wenn der Bruder in der Schule und ich am verbotenen Plattenschrank. Da auch gefunden mein Leben, meine Zuflucht, meine Vergangenheit, meine Zukunft, Offenbarung. Die Heilung. In seiner Schönheit wandelt er in Samthosen? Ich hörte damals von Leuten, die sich Punks nannten und auf ihren Platten herumsprangen, bevor sie aufgelegt wurden, undenkbar natürlich für die Gebrüder Penibel. Ungeschlagene Meister der Kabelvermuddelung sind ja Lichterketten. Auf Platz 2 knickt und schlängelt sich mein Telefonkabel herum, aber ich habe nun einen Teenager, der sich um Entwirrung bemüht, um in Verwirrung zu sprechen mit anderen seiner Zunft und zwar in seinen Gemächern.
Oh Dear, how you described The Devils Foot! Zu allem ein gehauchtes: Quite so. Und noch: Wie er im Moment, als die Polizei eintrifft, die zwei Hinweise gibt, mit denen der Fall gelöst werden kann. Genau weiß, dass diese keine Beachtung finden werden. Folgerichtig, dass er am Ende wütet, er arbeite schließlich nicht für die police. A deep sigh here. Logic is rare. Ich habe schon wieder vorausgegriffen und „The Dying Detective“ in eine Lernpause geschoben. Nur auf youtube, aber ach, wie groß ist diese Folge!?! Die Geschichte ist one of my favourites in geschriebener Form, deshalb die Wahl. So eine schöne Umsetzung! Die bezaubernde Susannah Harker, die in BBCs Pride and Prejudice die Jane spielt. JB sieht in der vorletzten Szene David Bowie ähnlich. Ich kann mich nur den Worten der jungen Dame in der letzten Szene anschließen: „We are very grateful to you, Mr. Holmes!“ – „My privilege, Miss Savage.“
Die raubzüglerische Rückwärtsreise spulte vorwärts zu einem der Bouquinistes in Paris, der aussah wie der Sohn von Michel Polnareff. Und von dem stammen denn auch eine Single von Michel Polnareff und zwei von Francoise Hardy aus den 60s. Und eine „Jours de France“-Illustrierte vom 19. Juni 1965. Da das Titelbild davon ohnehin hinter Glas an meiner Wand hängt (Francoise of course), entwand ich ihr Control-Plattenspieler und poupée blonde, das schwob mir heilig genug vor für das Wissen, es kommt ein Cash-Paket. Eine andere 60s-Ophelia: kennen Sie den besten Roman überhaupt, Bulgakows „Der Meister und Margarita“? Den hat Marianne Faithfull mal Mick Jagger empfohlen, und so kam es zu „Sympathy For The Devil“. Ich verehre diese Frau. Wenn Sie dem Stundenhehler nochmals begegnen, überlassen Sie sich doch dem überaus beeindruckenden Portrait der Tochter der Großnichte von Leopold Sacher-Masoch (5 Teile) auf YT.
JB ähnlich David Bowie in TDD? Gott, was wird sich noch alles ins Gedichtnis brunnen. Wie ich ohne diese Serie leben konnte, entkenntnist mein Ziehtsich. Es gibt Frogen, da bin ich überfrogt.
Sapperment! Ich setze Rauhreif an. Vorerst pfeife ich auf die Ewigkeit. Es schlägt 13 im Crescendo der Sibeliusstreicher. Weiße Laken aus Schnee. Mein Herz wird schmelzen und liquides Gefunkel versprühen. Einer der drei Weisen, dumm wie Bohnenstroh. Sieh mal Jesus, jeder von uns hat doch in seinem Herzen eine mehr oder weniger tiefe Wunde, nicht? Vergebung, Maestro. Ich friere bloß so. Weiße Laken aus Schnee. Bengalische Fackeln. Eine Prozession fackeltragender Eisheiliger. Ich scheine mich in einem kleinen Nest in Mittelschweden zu befinden. Oh, meine Schwester Lisbeth kommt aus der Schule. Stapft durch den Schnee in ihrem grünen Kleid. Ich frage mich, wer ihr diesen Hut aufgesetzt hat.
Ich kapituliere. Gehen wir. Aber ich will nicht sehen, wie sie sieht, wie ich gehe. Warten wir nur, bis sie uns den Rücken zukehrt.
Und als aus Lisbeth Liz geworden war, stand sie an Tagen wie diesen beim Fenster. Das graublaue Wolltuch um die schmalen Schultern geschlungen, schaute sie dem Schnee beim Schmelzen zu und sie wünschte sich nichts, als im Grünen durch den Schnee zu stapfen und dem Bruder noch einmal beim Gehen zusehen zu dürfen, aber wie immer wurde jeder Tagtraum jäh beendet, denn es war noch Brot zu backen und auszukehren. Nach zwei Wochen Klausurlernen und Prüfungstandhalten, die schlimmste von allen, genehmigte ich mir gestern den letzten der fünf Jeremy Brett-Filme. Der begehrte Junggeselle. Das Zeichen der Vier und Der begehrte Junggeselle sind DIE Filme. Der erste gnadenlos Holmesianisch, der letzte ein wenig wilder, psychedelisch zuweilen, Jeremys Krankheit angepasst sogar, würde ich meinen. Szenen, in denen er schwitzend im bodenlangen Nachthemd zu Bett fiebert, nur um im übernächsten Moment auf die Straße zu stürzen und im Schlamm zu landen bei dem Versuch eine Kutsche zu stoppen. Ich lag schaudernd und schaute nur. Spannungsbogen, Psychedelik, Traumdeutung, zu grellbunte Flüssigkeiten in den Phiolen, ein dunkelschwarzes Samtkleid mit weißem Spitzenkragen, Drama, ein fast zärtliches Ende. Ohne Sherlock Jeremy Holmes leben? Never again. Es entkenntnist sich Ihnen vollkommen zurecht.
Dem Stundenhehler begegnete ich wie erwähnt nur gestern einen kurzen Moment, er hat auch nicht immer alles vorrätig. Aber wenn das Lager wieder Nachschub lieferte, werde ich mich gern Marianne & Bulgakow widmen, es ist alles vielversprechend. Vor meiner Klausurtagungszeit habe ich mich noch dem Sherlock Holmes Handbuch hingegeben und es sagte, dass an dem Platz, wo bei Ihnen ein französisches Titelblatt die Mauern ziert, bei mir eines schönen Abends ein Titelblatt des Strand Magazins auf mich herablächeln wird nebst einer Sidney Paget Zeichnung, deren Originale aus den Erstveröffentlichungen ja, wie Sie vielleicht wissen, den göttlichen Creators von Granada und Jeremy als Vorlage dienten. Im Handbuch kann man die Zeichnungen unmittelbar mit den Serienbildern vergleichen. Fantastic, Holmes, splendid! Das Bild mit der Rose ist besonders beautiful.
Das ist ein feiner Plan, mit dem Strand Magazine-Titelblatt. Derzeit sehe ich die falschen Filme. Fight Club. Aguirre, der Zorn Gottes. Ein Thema von Fight Club ist ja, daß man von Flutwellen gequirlter Scheiße erfaßt wird. Man liegt da und denkt, ach aus dem Haus in der Paper Street könnte man schon was machen, mit Helena Bonham Carter drin. Doch der Protagonistenkopf sagt sich nun mal Dinge wie: mit genug Seife könnte man so ziemlich alles in die Luft jagen. Eins muß man Tyler Durden lassen: er hat die Fähigkeit, das, was ohne Bedeutung ist, weggleiten zu lassen. – Wir halten durch. Ich bin der Zorn Gottes. Wer sonst ist mit mir. Wir haben entschieden, dem Treiben des Schicksals ein Ende zu setzen. Wir rebellieren bis auf den Tod. Irgendwie gehören diese beiden Filme zusammen, aber bevor ich herausfinde wie, lenkt mich „Metropolis“ ab, mit den 25 in Buenos Aires gefundenen Minuten. Gut so. Aus einem perfekten Kreis
werfe ich mich in Schwarze Löcher, um in Erfahrung zu bringen, wie sich dort die Zeit verlangsamt.
Lieber, lieber Watson. Die ersten 7 Folgen der „Return“-Staffel haben begonnen, den unnützen Plunder des kopernikanischen Weltbildes in der Dachkammer, im Haupt-Gebäude, in der Hirnmansarde zu verdrängen. Vor allem „The Second Stain“, „The Musgrave Ritual“ und „The Abbey Grange“ sagen: was zum Teufel soll ich mit dem Sonnensystem. Spätestens mit dem zweiten Sehen verliert das Wort „favourite“ seine Bedeutung; they’re all favourites. Jeremy Bretts kinetische Energie wohl auf dem Höhepunkt, dort, vor dem Zusammenbruch, und die quecksilbrige Rastlosigkeit scheint von so positiver Besessenheit, impulsiv, mitreißend, unwiderstehlich. Übergang zu Hardwicke gelungen, der ernsthafter wirkt als Burke, more solid and more gloomy, aber das veränderte Auftreten macht Sinn. The motives of women – so inscrutable. Their most trivial actions may mean volumes, und das extraordinärste Verhalten kann mit einer Haarnadel zu tun haben. Um so bewegender die Sympathie, die er für Lady Brackenstall empfindet, und die in seiner Verlegenheit kulminiert, als sie ihn am Ende umarmt. Überhaupt, auch am Ende von „The Six Napoleons“, als Lestrade sagt, jeder bei Scotland Yard wird stolz sein, ihm die Hand zu geben: die Emotionen unter der scharfintellektuellen Oberfläche auf JBs Gesicht, einfach nur wundervoll. Lestrade, Holmes und Watson – so funny in dieser Folge. Watson, you left the rugs behind. Wie tief die Petersilie in die Butter gesunken war an jenem heißen Tag.
Lady Brackenstall in „The Abbey Grange“ ist Anne Louise Lambert, schön, sie wiederzusehen: das ist Miranda in „Picknick am Valentinstag“.
Wunderbar auch die ganzen Variationen der theme music während der Folgen. Mrs. Hudsons Vergnügen am Bewegen der Wachspuppe. Holmes‘ Tischtuchtrick. Die Trigonometrie ist die Antwort. Das Millais / Ophelia-Ende von „The Musgrave Ritual“. Überhaupt diese Folge, ganz groß auch Sir Reginald Musgrave und Brunton (on the lawn!). Auch wir haben unsere diplomatischen Geheimnisse, Premierminister. Morgen weiter mit „The Devil’s Foot“.
Thank you so much für die schneeweiße Perle 23, genau 12 Tage vorher erwähnte ich „Under Ice“ im SPON. Ich liebe diese beiden Sounds, dieses weit entfernte Rufen bei 0:48 und diesen splitting sound bei 1:13, der in dieses unheimliche Grollen übergeht – die unermeßliche Weite, die allein diese beiden Sounds andeuten, die Sphären, in die der Fast Skater auf dem Eis sich verliert.
Flucht, Rebellion, Hungerstreik vertagt, vorerst bloße Renitenz, Aufschubsysteme gestartet, Sehnsucht nach Überführung mehrerer Kisten und Schrankkoffer in etwas wie 221 B.
„You got something against the Air Force?“ – „No.“ – „I do.“
„Then when I recorded in Nashville in ’81 with the Attractions, we were invited up to John and June’s house, so we put on our best clothes. We must’ve looked pretty rugged – or ragged. They didn’t pass any comment on it. Just incredibly courteous and made us feel at home. They were so generous; they threw a huge southern banquet for us as friends of the family.
As a songwriter, even his recent records have a tremendous connection to his past. He reclaimed the sound of his earliest records, and even if he wasn’t always writing them himself, he finds his own personality in other people’s songs. There’s nobody remotely like him. There’s nobody that has a voice like him; there’s nobody that can sing the things he does.“ – Elvis Costello. How high’s the water, Mama?
They’re all favourites, yes indeed. Mein Neuester „Der letzte Vampir“. Kannte die Story, konnte mich wieder kaum erinnern, bis gewisse Person bedeutsame Blicke warf. Insgesamt der blutigste und düsterste Film bisher. Brett deutlich gealtert, rundlicher, maskenhaftes Make Up, immer noch gut. Insgesamt vielleicht nicht der beste Film, aber auch gut. Anna Louise Brackenstall / Abbey Grange gefallen mir auch, war auch im Buch schon einer meiner favourite Favourites. :) „The Musgrave Ritual“ – grandios! Was für ein Bild, die ganze Prozession Schritte zählend on the lawn und finally Holmes schwebend zur Tür hin über den Wassergraben. Göttlich. Und Brunton, ja. Wie fanden Sie die „Priory School“? Die düstere Schule mit den viel zu kleinen Buntglasfenstern, die Stimmung so goth. Sehr gespannt auf Ihre Empfindungen zum Teufelsfuß. Aufschubsysteme, hmhm. Überführung wünschenswert. Sollten keine anderen Pläne vorliegen, würde ich Vakanzen vermelden. If there is a place, where Baker Street could be risen, it’s here. :)
Schön, was Elvis Costello sagte und ich glaube jedes Wort. Haben Sie auch die Deleted Scenes gesehen? Warum gibt es eigentlich keinen 3-Stunden-Final-Directors-Cut, wenn man ihn mal braucht?
Happy New Year, my dear fellow, mögen die guten Kräfte mit Ihnen sein!
Walk The Line 2 x auf Deutsch, 1 x auf Englisch, 1 x Audiokommentar Mangold, Deleted Scenes jetzt gleich. Zweite Staffel alles gesehen. Devil’s Foot gut-wrenching… Bretts Schrei am Ende der Devil’s Foot „drug“ sequence… Jesus. Details following. For now: Watson, we have been given a line of investigation which has been missed by the police and which a singular chance has placed in our hands. Faces to the South, then, and quick march! Happy New Year, my dear friend.
Johnny & June, The Loving Gift. Wer würde mit so einem Auftritt durchkommen außer dem worst salesman ever und ihr? Die konnten sich singen, was andere sich nichtmal sagen konnten. Die amerikanische mythologische Poesie von Eigennamen, Städte oder Züge. Honey, I’m gonna snowball Jackson. Liebling, ich überrolle Ulm wie eine Lawine – ist einfach nicht dasselbe. Die Deleted Scenes, Jesus fucking Christ. Seine Panik, als er die Testpressung zerbrochen hat… und dann begreift, daß es 1000 Singles von seinem Song gibt. (Wenn ich nur bedenke, was für ein überwältigender Anblick ein Karton mit 25 Aljoschas war.) Und dann, Cry Cry Cry aus dem Nachbarhaus. „Hörst du Daddy im Wind?“ Ich liebe auch, was James Mangold im Audiokommentar erzählt: James Whales Original-„Frankenstein“ als Lieblingsfilm. Warum? Cash: „Because it’s a story about a man made up of all these bad parts. And yet he still tries to do something decent, and he still tries to be decent.“ Noch ein bewegendes Selbstbild, am Ende seines Lebens, als June bereits gestorben war.
„The Priory School“ wird im Original zum Killer, Performance und Phrasierung aller Beteiligten, daß einem die Spucke wegbleibt, abgesehen von JB besonders von „His Grace“ und Dr. Huxtable, aber sowieso große Folge. Bei so vielen Einstellungen seufzt man einfach nur vor Entzücken. Die cinematography ist grandios all over. All diese Außenaufnahmen, nie in strahlenden Sonnenschein geschönt oder mit Filtern der realistischen Atmosphäre beraubt, allein „Wisteria Lodge“ ist wie Landschaftsmalerei mit Kamera. Finde den Text von Michael Cox in Box 2 ziemlich nörgelig, z.B. über Freddie Jones als Inspektor Baynes. Diese Serie verträgt alles und schon erst recht einen Freddie Jones als Freddie Jones (remember, der skrupellos-schmierige „Besitzer“ von John Merrick in Lynchs „The Elephant Man“). In „Das leere Haus“ todsicher eine der bewegendsten Szenen ever, Jeremy Bretts „Wat- …!“, unter diesem Felsvorsprung bei den Reichenbachfällen, als er den Namen seines one and only friend and colleague nicht rufen darf, die abgrundtiefe Einsamkeit dieses Moments, und dann dieses wehmütige Lächeln, in dem soviel Zuneigung liegt, mit dem er Abschied nimmt von Watson und seinem ganzen früheren Dasein.
And even if you leave me I’ll be richer when you go. Das muß man auch erstmal gelebt haben, bevor man das singen kann. Nicht mal sagen können ja viele nicht. Worteschüttler sind so selten geworden. Ich habe die Bücherdiebin lesen müssen, es blieb nichts anderes übrig. Es war langatmig, aber auch atemberaubend. Der Tod hat unerwarteterweise auch ein Herz. Hitler hat den Baum nicht fällen können, der aus dem Samen von der Wange des Juden gewachsen war und auf dem die Worteschüttlerin saß. Ist das nicht schön? Vielleicht nur im Zusammenhang. Das Buch hat viel zu viele Wörter. Ich will ja nicht meckern. Aber ich musste Tage dafür stehlen. Zu viele Noten. Ich wollte gar kein 2. Weltkriegbuch lesen, mir war überhaupt nicht danach, aber lassen konnte ich es auch nicht. Wenn es nur nicht so lang gewesen wäre.
Ich wünschte, ich säße bei einem Glas Wein, während ich Ihnen dies schrub, aber der einzige und ohnehin miese Weinflaschenöffner hat sich offenbar auf und davon gemacht. Hinterließ dafür den noch gestern und die ganze letzte Woche schmerzlich vermissten Zollstock in der Kramschublade als ironischen Gruß. Haben Sie auch eine Kramschublade in der Küche? Als Kind dachte ich, dass alle so eine haben müssten; als würde man die jungverheirateten Frauen kurz beiseite nehmen und sagen: „Ach und denken Sie an die Kramschublade in der Küche. Es kann ruhig die letzte hinten in der Ecke sein, oder die zweituntere. Jedenfalls muß sie noch so zugänglich sein, dass man herumliegenden Kram blitzschnell verschwinden lassen kann, verstanden? Man weiß nie, wann die Schwiegermutter mal unerwartet in der Tür steht.“ Jedenfalls brauche ich den briefkastengelben Zollstock jetzt überhaupt nicht mehr und der Wein musste zurück in den Kühlschrank.
Warum hab ich den Audiokommentar denn noch nicht inhaled? Ah ja, ich hab den Film an einen mäßig erwünschten Besucher verliehen und all eyes on Jeremy anyway. Der Filmausleiher sagte bei Rückgabe „Joa, war ganz gut.“ HAH! Aber nicht mal bloody. No use. Frankensteinvergleich unglaublich, anyway. Was hat der Mann gelitten. Im Kern verletzt eben. Das heilt nie. June war nie im Kern verletzt. Was hat sie ihm geben können. Müssen. Das Wunder dieser Geschichte ist das eigentliche, das wir deduzieren wollen, Holmes. Wahrhaftigkeit. Ein Geschenk, das sie sich nicht nur selbst gemacht haben, sondern auch denen, die es erzählt bekommen. In den Liedern, wenn man an einem eisigen Januarmorgen durch Russisch-Hoheluft nach Hause geht, die Bäume und Wege so vereist und verschneit, dass man hinter der nächsten Ecke ebenso gut Gräfin Gatzinsky im Zobelmäntelchen und mit Hermelinmuff beim Spaziergang am Newski-Prospekt hätte begegnen können. Die Musik passte nicht, aber die Klarheit der Eisnacht machte so vieles andere auch klar. Aaaach und Jeremy. Jeremy, Jeremy, Jeremy. It’s getting late, nur noch soviel: The Sign of 4. Was. Für. Ein. Film. Victorian London. Sir Toby. Die Baker Street Army. Wir werden das noch mal aufgreifen, Holmes. Michael Cox mag Ihnen zu nörgelig sein, aber ich sage: Michael Cox war nörgelig genug, um Visionen zu entwickeln und zu verwirklichen, wie es kein anderer Holmes Filmer geschafft hat. Soll er doch nörgeln. :)
Ah, der Tod erzählt das himself, now I see. „Während der müde Tod die Sprachfetzen vergessen wollte, die niemand außer ihm verstand“, beim panoramischen hovering gegen Ende, da dachte ich auch an den Müden Tod von Fritz Lang. Dabei ist das ein Stummfilm. Wußten Sie, daß Fritz Lang für einen Stummfilm den Countdown erfunden hat? „Frau im Mond“, 1929. Der Tod ist immer mit uns, wie Watson sagt. Quite so. Gestern half ich dem Tod, einen alten Fernseher aus dem 3. Stock nach unten zu tragen. Da wußte ich aber noch nicht, daß es der Tod war, nämlich der aus dem Speicherstadt-Jedermann. Wohnt in der Hallerstrasse. Sind wir nicht alle irgendwie Kramschublade? Das autonome Vernuddeln diversester Kabel findet, vermute ich, während unserer R.E.M.-Phasen statt, aber die durch Empirie nicht mehr erklärbare Unentwirrbarkeit ist Sargnagel der Theodizee: das Übel HAT eigenständiges Sein. Überhaupt pfoff ich auf Empüree. Joa, war ganz gut? Das gehört gehauen mit der zornigen Faust Gottes.
JB in The Devil’s Foot. Man sieht ihn, wie man sich um einen nahen Verwandten sorgt, die Augenringe, die Wirkungen des Lithiums vielleicht schon. Verstärkt sich, wenn ich das sagen darf – the strange haircut, mit dem er wiederkam – like my father’s. Aber die Lebensgeister kehren nun mal nur so zurück: Deduce, Watson, come… deduce! (wie sich das doch auf seduce reimt, hört man seiner Stimme dabei an). Sein Lächeln. Wie sie auf der Decke sitzen an der Cornwall-Steilküste. Wie er wieder im Kies liegt. Wie er am Hausmädchen vorbeistürmt in das Zimmer der ersten Teufelsfußmorde, im Grunde nur ein schwarzer Schatten, der durchs Bild fliegt. Wie er sagt: „You know… dinner at the vicarage is a splendid idea.“ Schal um den Hut, Maschine, die sich im Leerlauf selbst in Stücke reißt, the pain, und eben doch: Cheer up, Watson! Sea air, sunshine, patience! All will be revealed! Wie sich die beiden Männer, Sterndale und er, über den Brenda-Tregennis-Ring verstehen. I have never loved but if I did. Im Selbstversuch erscheint William Blake. Sein „John!“ nach den Sekunden von, nun ja, Todeskampf, die Darstellung zu nennen sich fast verbietet, so schaurig sind sie, ist wahrscheinlich der aufwühlendste Moment überhaupt. Hope to follow you soon to The Sign of 4, Ihre Punkte zwischen den Worten bedeuten baldige Investition meinerseits.
Die klaren Eisnächte. Die Vermutung, Zobelmäntelchen und Hermelinmuff nur aufgrund eines trick of the light oder ähnlichem nicht wahrzunehmen, unnötig zu betonen, wie vertraut und wie bedeutend. Sloterdijk nennt die Gegenwart das Zeitalter des Versicherungswesens. Zurückschwingen des Zeitgeistes in die Präferenz der mittleren Situationen. Dagegen: das Abenteuer der intellektuellen Existenz im 20. Jahrhundert. Da ist was dran, denke ich, obwohl ich selbst manchmal das Gefühl habe, ich versuche immer noch von der ANDEREN Seite ins 20. Jahrhundert zu kommen, also vom 19. Jahrhundert her. Wie ja auch das eigentliche Verbrechen nicht der Diebstahl von Tagen für die Bücherdiebin ist, sondern von der anderen Seite her kommt. Äh, was? Wo war ich? Jetzt mal was ganz anderes. Liebe die Small Faces.
British Mod Culture von 4 schmächtigen Lads. Noel Gallagher: „The singer looked like he was miming someone else’s voice. Because he had such a strong voice.“ Als ich ein Junge war, lebte irgendwo in der Nachbarschaft einer, der wie Steve Marriott aussah. Ging so in Samthosen und Stiefeln irgendwelchen tragisch aufregenden Dingen entgegen. Und immer wenn Jörg und ich die Singles aus den Plattenalben seiner Schwester Andrea hörten, wenn Andrea nicht da war, also diese Alben mit Pferdebildern drauf und Plastikhüllen innen, dann waren die Small Faces mit das erste, was ich wollte. Weil die so Melodien hatten, die tragisch aufregenden Dingen entgegengingen. It’s all too beautiful.
PS: Kommentarsektion Antirationalistischer Block
03/2017
Catherine:
Ah, thank you for bringing THIS back. Wie wir schwelgten! Und noch nicht wussten, was uns noch erwartet. Wo fand all dies statt? Noch myspace.com?
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Myspace indeed. Genaugenommen wissen wir immer noch nicht, was uns noch erwartet. Auslassen mußte ich: „Sagte ich schon, daß ich in the age of Innenplastikhüllen unendlich davon beeindruckt war, wie Keith Moon bei 2:35 das Becken trifft?“, weil The Who mit „Magic Bus“ im Beat-Club mal wieder nicht im www existieren & ich Sie also bitten müßte, ein Luftschiff zu besteigen, es vor das Fenster meines Neorenaissance-Schlösschens zu navigieren und die schicksalhafte Magie dieser Sekunde im Film „The Kids Are Alright“ zu bestaunen, bei welcher Gelegenheit ich übrigens auch auf die Kramschublade in meiner Küche deuten könnte, vermute stark, daß jeder Mensch mit einer Kramschublade ausgestattet ist, sofern er mit einer Küche ausgestattet ist, *ringring*, würde ich Ihnen meine neue Fahrradklingel vorführen, und Sie müßten sagen: „Blimey, Sie besitzen eine Mod Target-Klingel! Jenes Signum, das auf dem weißen Rollkragenshirt von Keith Moon eine neue kulturgeschichtliche Bedeutung erhielt!“, und ich müßte sagen: „Rather“, und Sie müßten sagen: „Die kostet doch mindestens genau 9,90 €, die Klingel!“, und ich müßte sagen, „Ja, aber bedenken Sie“, und Sie bedenken Eddie Vedder: „The one thing that disgusts me about The Who is the way they smashed through every door in the uncharted hallway of rock ’n‘ roll without leaving much more than some debris for the rest of us to lay claim to“, und beim letzten Täßchen Tee fänden Sie es schließlich auch nicht mehr verwunderlich, daß mir auf Ihre Frage „Hätten Sie nicht noch eine Luftschiff-Reiseempfehlung?“ umgehend in den Sinn kommt: Armenia City In The Sky.
Catherine:
Woaah, what a (tea)trip. Im Gegenzug müsste ich, wenn ich damals schon 20000 Days on Earth gesehen hätte, geantwortet haben, dass ich Sie nach dieser Episode in Kürze in meinem Cottage an der Küste mit diesem unfassbaren Blick auf die Seven Sisters erwarte. Dort würden Sie sich an den unordentlichen Küchentisch fläzen, wo ich Ihnen irgendwas Zusammengeschmurgeltes aus der Pfanne servierte, was Sie selbstverständlich nicht essen würden, sondern bedeutsamere Dinge zu denken und auszusprechen hätten, während ich irgendeinen Sound auf einem edlen Gerät kreiere und etwas ebenso Bedeutsames in einer seltsamen Stimme antworten könnte. Zusammen würden wir schließlich noch nach draußen gehen, um den sky away zu pushen, diesen sky da über der Küste, der unheimlich und düster, drohend fast aufzieht. Es kann ja nicht immer regnen. Berauscht reisten Sie am Ende in Ihrer schwarz glänzenden Kutsche in Richtung Brighton ab, wobei ich immer irgendwie den Eindruck hätte, dass Sie das Ding nicht selbst fahren. :)
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Yeah. :) Statt reflections on Doctor Nina Simone würde ich Ihnen berichten müssen, daß ich heute nacht in aller Glasklarheit ein Konzert von Lebanon Hanover träumte. Sahen Sie gestern L’insoumis / Die Hölle von Algier? Der Film, der für THE QUEEN IS DEAD das Delon-Cover lieferte? An Ihrem unordentlichen Küchentisch, versichernde Konstante des Willkommenseins in der Welt, würde ich Ihnen schildern, wie allererste Worte des Romans aufs Papier kamen, während diese Platte lief. Nahe bei den Seven Sisters Beachy Head, „Quadrophenia“-Schlußsequenz comes to mind, und daß ich schon an zwei Steilküsten Kopfbedeckungen ans Meer verlor. -> I Am The Sea. Da ich aber nur noch zwei Stunden jünger bin als in zwei Stunden: „Krach und Wonne, Krach und Wonne, Krach und Wonne!“ (Lotte Lenya) :)
Prägender Moment meiner Kindheit: Keith Moon bei 2:35.
If you could have seen me! Die Hände vorm Gesicht, eyes wide. Was für Gesichter, aber – god damn, was für Körper, was für eine Story! Ich gestehe, ich bin noch nicht ganz durch, aber das wird noch. Alle Emsigkeit ganz canceresque längst beiseite geschoben für einen Tag Schundroman lesen und andere Ausreden. Oh ja, geben Sie mir ein kleines Mädchen, noch dazu mit einer Puppe oder zweien und ich bin verloren. Das Libretto des 14. heißt hier:
ICH BIN DIE HERRSCHERIN DER MEERESTIEFEN!
Ah, Luzie! Die blonde Ansagerin im TV fand ich toll. Und Friedrich & Friedrich auch. Die Herrscherin der Meerestiefen auch toll! Also, alle beide! Der Kampf gegen den gewaltigen Riesenkraken, sehr schön. Heute las ich, daß Kraken auf dem Meeresgrund Kokosnußschalen sammeln, sie ineinander stapeln, sich in die oberste Schale setzen, die acht Arme seitlich versteift herunterlassen und dann wie auf Stelzen losziehen da unten. Die Meerestiefen sind auch nicht mehr, was sie mal waren.
Die tschechischen Kinderserien waren unschlagbar. Kennen Sie auch „Der fliegende Ferdinand“? Manche Dinge gehen einfach weg, manche Ringe auch. Zum 15. etwas ganz Sprödes. Damals, lang vor Peter Jackson, als man „Der Herr der Ringe“ zum ersten Mal las, lobte irgendein Schreiber des Musik-Express diesen Schweden, von dem Jimi Hendrix sehr begeistert war, und ich ynvestierte Münzen in den „Magician’s Hat“ und in „Lord Of The Rings“. Die sich um nichts kümmernde Otherworldliness dieser Musik gehört zu meinen Winterritualen. Zeugs völlyg aus der Zeit, immer schon und nach wie vor.
Die Rollschuhe für die Enkelin bei Kaschtschej, hmhm. :) Mir ist die Feuervogel Geschichte irgendwoher familiar. Gibt es auch ein solches Märchen, das hier für den KiKa verbraten wurde? Man weiß es nicht, vermutet nur.
„Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?“ – „Oh, Kim Wilde, wie immer.“
Was es alles gibt! Kim Wilde rules!
16: Es soll schneien! Es soll schneien! Es soll schneien!
Haha, das sind aber lustige Riesenkraken. Wenn Bayern einst am Meer liegt, werden die noch auf Schatzsuche gehen und sich im Unterwasservergnügungspark vergnügen. Hanni Vanhaiden. Die Fernsehansagerin, nicht die Riesenkrake. Die mochte ich auch. Und Denes Törzs nur, wenn er die Sesamstraße angesagt hat, dann war er nicht so unheimlich ernst.
Ach, war das schön, als man unterm Wohnzimmertisch auf dem dicken Teppich lag und erklärt bekam, was man zu sehen kriegen würde. Vorher natürlich die Nachrichten und die Wettervorhersage. Erstaunlich, wie geduldig man damals noch Sätze sprechen konnte.
Christine Steinfeld WDR 10.04.1982
Nun soll es heute nacht tatsächlich schneien. Hach, und dazu geröstete Kastanien am Feuer.
Christine Steinfeld könnte ich stundenlang zuhören. Während ich schon deshalb kaum noch fernsehen kann, weil die zeitgenössische Trailerflut mir dermaßen auf den Zeiger geht, wo Sprecher in Ankündigung irgendeines Pseudo-Events ihre Stimmen in prä-orgasmische Markigkeit runterknödeln. Grotesk. Verrückt, daß Sie ans Liegen unterm Wohnzimmertisch vor einem noch nicht dehumanisierten TV erinnern, spürte ich alldem doch auch gerade nach. Tatsächlich bin ich sicher, daß sogar die Umschaltpausenzeichen zur Neuroplastizität meines Hirns beitrugen. :) Das NDR-Zeichen hatte eine seltsame kosmische Tiefe, die mein kindliches Aufmerksamkeitsnetzwerk besonders präparierte. :)
Oder das Intro zu „Der phantastische Film“.
Vermutlich kapieren die Programmacher these days gar nicht mehr, wieviel Genie in dem Trailer steckte.
Interessant auch, wie im ersten „Aktenzeichen XY“-Intro das Böse musikalisch noch an „Der Malteserfalke“ erinnert und aus irgendwelchen Schwarzweiß-Gullys kommt.
17: was ist das da, direkt neben Nat King Coles Kastanienrösterei? Muß Frosty The Snowman sein!
Sie haben das sehr treffend beschrieben, wie das im TV heute geht. Ich vertrage es auch nur schlecht. Endloses Getue um nichts und niemanden. Histrioniker bis zum Abwinken. Das frühere Intro zu Aktenzeichen XY ist der Wahnsinn! :) Die Sendung war mir immer ein Rätsel, aber verpassen ging nicht. „Wir schalten um, in unser Büro in Zürich. Guten Abend nach Zürich.“ Haha. Sah aber genau so aus wie vorher, das Studio. In die eigene Kindheit zu spüren ist ja oft sehr rührend. Ich bin mir auch sehr sicher, dass es in meinem Hirn eigene Karten, synaptische Felder für die zum festen Ablauf gehörigen Dalli Dalli Spiele gibt. Donnerstagsabends, 19:30. Unser kleines Schnelldenkerspiel. Ich bemühte mich immer, die Anwesenheit von Sofa oder Sessel zu respektieren, magisch zog es mich je später der Abend unter den Tisch auf den Teppich.
Ja, der Trailer zum phantastischen Film ist groß. Scheint fast unglaublich, dass so etwas mal erlaubt war. Erinnere mich sehr gut, dass ich es gruselig fand, aber die Neugier doch immer siegte.
17 … if only in my dreams.
18
Ich weiß nicht, warum ich die Dinge immer erst richtig schätzen lerne, wenn ich die gesamte Story kenne. Natürlich kennen Sie das Video zu Johnny Cashs Hurt, in dem man nicht nur das Haus sieht, in dem das Dreamteam gelebt hat, sondern auch das Studio, in dem so viele Lieder aufgenommen wurden. So fascinating. Weil es so schön ist:
June Carter Cash wurde am 23. Juni geboren. „Goodbye“ that’s all she wrote. :)
Weiß nicht, ob Pat Boone immer noch der Nachbar von Ozzy ist, wenn er Home for Christmas ist. Laut Ozzy der netteste Nachbar, den man haben könne. „Hat sich nie beklagt.“ :) Sie sehen, unsere Beschwörungen mittels samtweicher Standards machen sich schneeweiß bezahlt!
Sahen Sie Johnny Cash at Folsom Prison? Sehr gut gemachter Film, fand ich. Beeindruckend die Photographien, die bei der Ankunft von June & Johnny im Folsom Prison entstanden, die Spannung auf den Gesichtern, Cash weiß, wie bedeutend dieser Tag für alle ist, auch für ihn, und für ein paar Momente scheint dieser düstere Ort allen die Knie weich zu machen. Wie Cash mit den Tränen kämpft bei Glen Sherleys „I Love You“-Rede, und wie Cash ihn am Gefängnistor abholt, beide scheinbar mit Zweimeterschritten davonziehen. Sehr erhellend die Aussage über Cash, daß er sich auch Krisen kreierte, wenn doch scheinbar alles gut lief. Auch eine Form des Outlawtums, daß einer gerade da, wo alles normal scheint, die Motten kriegt, und dies sozusagen auch conditio seiner Kunst wird. Muß „Walk The Line“ wieder sehen. Groß groß groß, Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. June 25 wäre fast noch logischer gewesen. Ohne June hätte Johnny es einfach nicht geschafft.
Das „Hurt“-Video kann ich kaum anschauen, fang ich immer an zu heulen. Pièce de résistance von Nine Inch Nails, niemand hätte es covern dürfen, nur er, und er macht daraus sein Testament. Nick Cave sagte mal: Johnny Cash covered one of my songs so you can all go fuck yourself.
Mark Lanegan, so meine Theorie zum 18. Fenster, geht langsam dahin, wo Johnny Cash mal war. Darum auch nicht verwunderlich, daß er in diesem Stück, und dieser TV-Auftritt ist eines der faszinierendsten Dinge für mich on whole fucking YT, Johnny Cash verwandelt zu „We got buried in a fever“.
Seine beiden Platten mit den Seelenrettern: Songs wie Nachtlichter in Fenstern.
Carnival, Whiskey für den Heiligen Geist,
und Nähe von Wesen, die seltsame Religionen inspirieren können.
Yes, die primal truths alle auf dem Teppich rezipiert, me too. Noch heute eigentlich Carpet Viewer, me. Diese Rosenthal-Hüpfer im Standbild festgehalten, ich sah den Witz nicht, habe nie verstanden, warum man den armen kleinen ekstatischen Mann nicht gleich wieder runterließ. Zweite Staffel arrived, by the way. Ist der Brunnen reserviert this year? Schön draußen, Schnee funkelt unter der Laterne, here comes that weird chill. Dennoch in Fenster 19 another moment of the year. Twenty years to go.
Sorry I’m late. Wedding Dress kannte ich schon von Profilbesuchen her, aber diese Aufnahme da an dem Ort mit den kirchenartigen Fenstern und dem black-haired girl neben ihm ist ganz toll. Und Mark singt ganz wunderbar tief und sanft. A Strange Religion, so ist dieser Mann wohl. Gefällt mir alles sehr, auch die Soulsavers-Sachen, thank you very much, Holmes! Dieses Einfrieren im Sprung wurde spät eingeführt, da war ich auch schon fast aus dem Interesse heraus. Wissen Sie, irgendwann ist man einfach zu müde, um selbst der Unterhalter sein zu können und dann sehnt man sich nach solchen Sendungen zurück, die von Menschen gemacht wurden, denen es niemals eingefallen wäre, alltägliche Nasen zu Pseudostars zu küren, nachdem sie vorher wochenlang unter dem Druck standen, perfekt zu funktionieren, beleidigt und bis aufs Hemd ausgezogen wurden bezüglich ihres uninteressanten Privatlebens. EWG oder andere waren eben noch unterhaltsame Spielshows. Ich träume manchmal nachts davon. Neuroplastizität für DSDS und Popstars abgewehrt. Carpet viewer noch heute? :) Unser Penthouse ist noch carpet-free.
Ja, „Hurt“ ist schon besonders schwer auszuhalten. Aber da sind noch mehr unglaublich rührende Lieder, gerade auch die mit June zusammen mag ich sehr. Ein Film über Folsom Prison? Nein, den sah ich noch nicht. Ich hab ungefähr 2 Tage in der 1. Etage bei Heymann verbracht, um die Biographie zu inhalieren, bis ich beschlossen hab, sie mir zu Weihnachten zu schenken. „Walk The Line“ ebenso. Ich BRAUCHE diesen Film. Hab ihn erst einmal gesehen und da auch noch den Anfang verpasst. June und Johnny haben ja noch selbst der Auswahl der Hauptdarsteller zugestimmt. Hach. Ja, Outlaw, und dass er sich für Schwarz entschied und warum. All die Dinge, die ihn so einzigartig machen. June fiel „Ring of Fire“ ein, als sie im Auto fuhr und darüber nachdachte, ob sie diesen Mann heiraten solle, der so labil und so schwierig war damals. Und sie wusste, sie würde es tun, sie könnte gar nicht anders, es war eben, als wäre sie in einen ring of fire gefallen. Die zweite Staffel? Oh, ich bin soo gespannt auf Ihre Kommentare zu einzelnen Szenen. Es erwarten Sie wieder so herrliche Momente! Na, ich denke doch, dass der Brunnen reserviert ist. Wann passt es wohl? Am Tage vor der Heiligen Nacht wieder oder ist die BS dann schon im Winterschlaf?
Ja, es ist unglaublich, wie gut wir diesmal unsere psychischen Kräfte gebündelt haben und die weiße Pracht alles so sanft und still werden lässt. Heute in der Landstraße, die Verkehrswand gedämpft unter der Schneedecke, ganz zart und später kräftiger tönte „Stille Nacht“ und der Schnee knirschte unter den Schuhen. Vor der Post saß ein Mann mit einem Saxophon. Kinder zogen ihre Schlitten und Schneebälle flogen. So nice this chill. Moment of the year? Wow. One of my moments of this year für Sie in Fenster 19, aber nicht live am 11.7. in Berlin. Es ist nicht lange her, da war ich wieder mal am Meer.
Der Nietzschevorleser Kulenkampff versuchte ja noch, aus den Kandidaten eine Verbindung von Intelligenz und Charme herauszukitzeln, da wurden nicht komplette Blödmänner mit zigtausend Euro bedacht, EWG im übrigen auch Relikt einer Zeit, in der Europäer sich erstaunlicherweise viel näher waren und jemand wie Francoise Hardy in deutschen TV-Studios ein und aus ging. Träume, die uns nichts bedeuten, sollte man beizeiten mit anderen Augen sehen, weil sie oftmals unser Denken auf die Wege lenken, die wir dann gehen.
Ah, großer Song von Farin. Beide solo oft plötzlich näher als die Ärzte – Bela B, Letzter Tag. WalkTheLineBrauchen bedingungslos von mir geteilt, gestern auch fast genommen, stattdessen dann doch im Lichterglanz Richtung Dartmoor: The Hound of the Baskervilles. JB hat versucht, Watson hinter sich in der glanzpolierten Kaffeekanne zu sehen, aber es gelang ihm nicht, erzählt der Audiokommentar. Es mit dem Kaffeekannendeckel zu versuchen, war dann seine Idee. Damit gelang es. Dieser Perfektionist.
The black-haired girl ist Shelley Brien.
Mich lassen sie bis Mittwoch durch den Schnee stapfen, am 23. wäre also perfekt – sofern Extremitäten und Verstand bis dann nicht eingefroren sind?
„I’m proud to say that I worked with Johnny Cash, and when he came through the studio door for the first time it was like Moses himself had arrived. He is a character of truly biblical proportions, with a voice, all wailing freight trains and thundering prairies, like the landscape of his beloved America. Before I got to see it with my own eyes I had a picture of it through Johnny Cash’s singing.
He has a soul as big as a continent, full of righteous anger mixed with human compassion. A true individual in a land founded on individuality. There will never be another like him, and he could have come from nowhere else.“ (The Edge). 20:
Ach Sie! Dann haben Sie mir ja den Hound voraus, obwohl er schon hier herumoxidiert mitsamt Audiokommentar. Wo bleibt nur die Ruhe vor dem Sturm, wenn man sie mal braucht? Also gut, Sie bekommen ein Johnny Cash-Päckchen von mir zu Weihnachten, wenn Sie mir folgende Frage beantworten: Warum ist Aljoscha offenbar erleichtert darüber, dass SIE keine hochwohlgeborene Russin (die selbstverständlich Fremden auf Französisch geantwortet hätte) ist? (S. 240) Die 14. Stunde des 23. Tages also am üblichen Ort? Wie schön.
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Seine Stimme war so einzigartig, dass man immediately getröstet ist, auch wenn man vorher gar nicht traurig war.
Ich darf Auchmalwasvoraushabenkönner sein, weil ich das Privileg ansonsten ganz Ihnen verdanke. S. 240 – in eine Art fiktives St. Petersburg als psychische Landschaft transponiert sind ohnehin alle, die Erleichterung gilt nicht so sehr dem nicht fehlenden h der Aussprache, dies eher reiner Fakt wie geschürftes Gold, Hochwohlgeborenheit (in psychischer Landschaft) dadurch unberührt, Erleichterung über das Allesbisdahinbestätigende des ersten Wortes an sich. „Eine tiefgründige Erzählung, klassisch und modern zugleich. Genialer Schreibstil, den ich aus der deutschsprachigen Literatur sonst so nicht kenne. Das beste Buch, das ich seit langem das Glück hatte zu lesen.“ Schrieb jemand am 18. in „Bücher – welches sind Ihre aktuellen Favoriten?“ auf SPON über „Aljoscha“, Hölderlin sagte mal irgendwie was über Gefahr und Rettung und hatte irgendwie recht. Oui, 14. Stunde des 23. Tages, right there, enchanté.
21: Ich liebe diesen Song von Fairport Convention seit langem so sehr:
Im psychischen Sinn Britin; ich konnte 19 von 20 des Sherlock Holmes-Quiz beantworten. Können Sie auch, wenn Sie Staffel 2 inhaled haben.
19 von 20 – splendid, Watson! Aber welches war die eine, die nicht gelang, und warum? :) Wenn Sie Fenster 22 öffnen, hören Sie die recht unbeschreibliche Danielle Dax mit ihrem Beitrag zum Winter Wonderland.
Hab maßlos übertrieben, eher 18 von 20. Frage 4: Wer ist der Mann mit den langen Fingernägeln? Ich vermute Moriarty, aber not sure. Und Frage 16: Why does Holmes scream? Kann mich nicht im Geringsten an die Szene erinnern. :)
Ja, der Mann mit den langen Fingernägeln ist Moriarty (Szene ist ziemlich am Anfang von „The Red-Headed League“), die Why does Holmes scream?-Szene mag ich sehr, ist aus „The Copper Beeches“, Holmes echauffiert sich zunächst über Watsons Vorliebe fürs Triviale bei den Aufzeichnungen der Fälle, zuviele Schnörkel, Farbe und Lebendigkeit, wo er doch nur die Fähigkeiten der Deduktion und der logischen Synthese akzentuieren sollte. In der deutschen Synchro fällt leider unter den Tisch, wie Watson sagt: Also Holmes, immer, wenn Sie diese Pfeife wählen, sind Sie streitsüchtig. Holmes beklagt Schauergeschichten statt Lehrbeispielen. Am Fenster dann: was schert sich denn das Publikum um die feineren Schattierungen von Analyse und Deduktion! Der Verbrecher von heute habe weder Unternehmungsgeist noch Originalität, beklagt er, und daß seine Praxis degeneriert sei zu einer Agentur für das Auffinden von Bleistiften. So cute, wie schon am Anfang der Szene Holmes indigniert Watsons halb sympathische, halb pompöse Selbstzufriedenheit bemerkt, als ihn mal wieder „die Muse geküßt“ hat. Auch das liebe ich so an David Burke, wie er Watson exakt diesen Zug verleiht. Jede Folge Lieblingsfolge, morgen alle wieder bei Ihnen. :)
Sie sind so ein Schatz. Wenn das Selbstredende selbst reden müßte, würde es sagen: so schön, daß es Sie gibt. Die Welt war noch schlechter als gedacht, Watson, und jagt mich mit genau 778 Pferden, but tonight I’ll walk the line. „Gerade auch die mit June zusammen mag ich sehr“, Sie geschickte Andeuterin, und Deuterin, die in exakt der richtigen Sekunde „Lanegan“ sagt. :) One of the pleasures of my life, Passionen mit Ihnen zu teilen. Ein richtiger Streit war das heute auch nicht, Watson, das müssen wir üben. :) Der Psychobritin zum 23. eine traditionelle englische Ballade.
Thank you so much, Dear.
Got me. Im Streiten bin ich schlecht, Holmes. Es ging ja auch eher um Erklärungen. War das schön, Ihnen beim Schwärmen zuzuhören. Achten Sie doch in der zweiten Riege auch auf Holmes, wie er „Quite so“ sagt. Sie werden sehen, falls Sie nicht sowieso schon wissen, was ich meine.. :)
778!!!??? Sie lesen mich sprachlos. Dafür könnten Sie hier Anteile kaufen. Denken Sie an Flucht, Rebellion, Hungerstreik? Alles andere: ich freu mich, wenn und dass Sie sich freuen. Ich habs noch nicht geöffnet, morgen um 7, Dear! :)
24
„Wie von ihm festgesetzt, trafen wir uns am nächsten Tag und inspizierten die Räumlichkeiten von Nr. 221B, Baker Street, über die wir bei unserer Begegnung gesprochen hatten. Sie bestanden aus zwei gemütlichen Schlafzimmern und einem gemeinsamen, großen, luftigen Wohnraum, der fröhlich möbliert war und von zwei breiten Fenstern erhellt wurde. Die Zimmer waren insgesamt so ersprießlich, und die Kosten, geteilt durch uns beide, erschienen uns so maßvoll, daß die Verhandlungen auf der Stelle zu einem Abschluß gebracht wurden und die Wohnung sogleich in unseren Gebrauch überging. Noch am gleichen Abend brachte ich meine Habseligkeiten aus dem Hotel herbei, und am nächsten Morgen folgte Sherlock Holmes mir mit mehreren Kisten und Schrankkoffern. Einen Tag oder zwei waren wir vollauf damit beschäftigt, unsere Besitztümer auszupacken und in möglichst vorteilhafter Weise unterzubringen. Nachdem dies geschehen war, begannen wir, ansässig zu werden und uns an die neue Umgebung zu gewöhnen. Mit Holmes war es keineswegs schwierig auszukommen. Er war von ruhiger Art und hatte geregelte Gewohnheiten. Selten war er nach zehn Uhr abends noch auf den Beinen und immer hatte er bereits gefrühstückt und das Haus verlassen, bevor ich morgens aufstand. Bisweilen verbrachte er den Tag im Chemie-Laboratorium, manchmal in den Sezier-Räumen, und gelegentlich auf langen Spaziergängen, die ihn in die niedersten Teile der Stadt zu führen schienen.
War er arbeitswütig, so vermochte nichts seine Energie zu übertreffen; hin und wieder setzte jedoch eine Reaktion ein, und dann pflegte er tagelang auf dem Sofa im Wohnraum zu liegen, wobei er vom Morgen bis zum Abend kaum ein Wort sagte oder einen Muskel bewegte. (…) Seine Unwissenheit war ebenso bemerkenswert wie seine Kenntnisse. Über zeitgenössische Literatur, Philosophie und Politik schien er so gut wie nichts zu wissen. Als ich Thomas Carlyle zitierte, erkundigte er sich überaus naiv, wer dieser sei und was er geleistet habe. Meine Überraschung erreichte jedoch einen Höhepunkt, als ich zufällig herausfand, daß ihm die Theorie Kopernikus‘ und der Aufbau des Sonnensystems unbekannt waren. Daß ein gebildeter Mensch in diesem unserem neunzehnten Jahrhundert in Unkenntnis der Bewegung der Erde um die Sonne verharrte, erschien mir als solch außerordentliche Tatsache, daß ich es kaum zu begreifen vermochte. ‚Sie scheinen sehr erstaunt zu sein‘, sagte er; er lächelte über meinen verblüfften Gesichtsausdruck. ‚Jetzt, da ich es weiß, werde ich mich nach Kräften bemühen, es zu vergessen.‘ ‚Es zu vergessen!‘ ‚Sehen Sie‘, erläuterte er, ‚ich bin der Meinung, daß das Hirn eines Menschen ursprünglich eine kleine leere Dachkammer ist, die man mit dem Mobiliar versehen muß, das einem genehm ist. Ein Narr nimmt allen Plunder auf, über den er stolpert, so daß das Wissen, das ihm nützen könnte, von der übrigen Menge verdrängt oder bestenfalls von all den anderen Dingen verstellt wird, so dass er es schwerlich erfassen kann.
Der geschickte Arbeiter dagegen wird sehr sorgsam mit jenen Dingen umgehen, die er in seine Hirnmansarde holt. Er nimmt nur jene Werkzeuge auf, die ihm bei seiner Arbeit helfen können, aber von diesen hat er ein großes Sortiment, und alle sind wohlgeordnet und in bestem Zustand. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dieser kleine Raum habe elastische Wände und sei beliebig dehnbar. Verlassen Sie sich darauf: Es kommt eine Zeit, da Sie für jede neue Kenntnis etwas vergessen, das Sie vordem gewusst haben. Es ist daher von größter Wichtigkeit, daß nicht nutzlose Fakten die nützlichen verdrängen.‘ ‚Aber das Sonnensystem!‘, protestierte ich. ‚Was zum Teufel soll ich damit?‘ unterbrach er mich ungeduldig. ‚Sie sagen, wir kreisen um die Sonne. Und wenn wir um den Mond kreisten – für mich oder meine Arbeit würde das nicht den geringsten Unterschied machen.'“ (A.C. Doyle, Eine Studie in Scharlachrot, Kapitel 2: Die Wissenschaft der Deduktion)
Thank you so very much für diesen zweiten wundervollen Adventskalender, Holmes. Was Sie heute, nein gestern, sagten, beschämt und freut mich gleichermaßen und es sinkt erst langsam ein, dass Sie und ich nun schon Traditionen pflegen. My dear friend and colleague Holmes, ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein paar ruhige Tage, in denen es gelingen mag, allen Unbill auszuschließen und die Gedanken auf all das Gute zu lenken, das war, ist und kommen mag. Alles Liebe, Dear und Dank für Reziprozität, Zeit und Schönheit. Love, Yours Watson
Danke für die Studie in Scharlachrot, für alles! Nun gut. Eigentlich war das hier mein Plan, unashamed.
Aber ich hab „Walk The Line“ gesehen heut nacht, and you gave it to me, und da gibt es nur eins. Augenblicklich der beste Film aller Zeiten, das beste Mobiliar in der Dachkammer. Was Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon da zusammen veranstalten, raubt mir den Atem und jagt mir Tränen in die Augen. Everything’s alright tonight.
Fearless Vampire Killers? Nun gut, sehr, sehr lange Winterabende, ja? Heute in Zeitdruck, deshalb immediately: ein Weihnachtsfilm, wie er sein darf.
Hm, nie gesehen den Film, aber Ihrem Befund schneeblind vertrauend werde ich Ausschau halten. Muß noch Lametta von AltGr bis Esc. Hach so viel zu tun noch. Zum Beispiel gebacken kriegen. Cake shop girls grow fingernails dead long and rather sharp. They paint them glacé cherry red and yellow marzipan.
How sweet! Vor dem Backen aber ein anständiger (Weihnachts)Tag im Schnee:
Was ist das mit den Weihnachtsvierteilern? Kann mich nicht so recht erinnern. Nur an Weihnachtsmehrteiler wie Timm Thaler etc.!?
Jingle Bells gequakt, klasse! Schade, Aufhebung der Naturgesetze mit dem Clip enden muß, daromb ich Ihnen nicht hortig das Donald Duck-Klassik-Album „Weihnachten für Kummersdorf“ transmissionieren könnt. Neben „Im Land der viereckigen Eier“ und „Das Gespenst von Duckenburgh“ unverzechbarer Besteckteil meiner präschulischen Diskurstheorie. Lernte Wert von Wendungen wie „Ich bin ins Grübeln gekommen, und das macht mich unruhig“ (Donald) erst so in Höhe Philosophiestudium richtig schätzen, versteht sich.
Die ZDF-Weihnachtsvierteiler, ach – seufz. Die Schatzinsel, Lederstrumpf, Der Seewolf, Lockruf des Goldes – that stuff. Haben wir bei uns in der Straße damals noch bis zum Ende des Winters nach- und weitergespielt, bei „Lockruf des Goldes“ dann schwer verliebt in Christine Kaufmann / Labiskwee. „Verliebt“ vielleicht nicht das richtige Wort. Schlagen Sie „Aljoscha“ Seite 230 auf (Erstausgabe). December will be magic again!
Wenn es wenigstens unter 5 Grad bliebe. Donald, Mickey und Pluto – alle Philosophen, wahrlich. Gehören zu (meinem) Weihnachten wie der Tetzlaffsche Silvesterpunsch zu eben dem. Das ewig lange Warten am Morgen des 24. war durch den Besuch Entenhausens gleich besser. Dickens‘ Weihnachtsgeschichte kannte ich lange nur mit Mickey in der Rolle des Armen und Dagobert als der alte Scrooge. – Ah, nun gut, „Und seine armen Füße würden niemals folgen können.“, S. 230 sagt. Für diese Mehrteiler war ich wohl zu jung oder zu ignorant, ob der neuen Barbiepuppen und Legokästen. Ich sah Patrik Pacard, Timm Thaler, Anna und solche. Kann mich aber auch daran nur fragmentarisch erinnern. Christine Kaufmann und Kate Bush haben eine gewisse Ähnlichkeit, finden Sie auch? Und Wahrheit sie singt, dieser Dezember gefällt mir bisher. Gestern abend im Finnegans Wake an der Börsenbrücke: ein nicht mehr junger Schotte schnappt die Gitarre und singt „Streets Of London“ just for me and my British Christmas, glaub ich. Aber das erspare ich Ihnen jetzt. Zum Ausgleich noch etwas Jeremy:
Das lange Warten am Morgen des 24. – Dieu, es waren die längsten Stunden der Zeitrechnung, draußen der schneeigste Schnee, die krächzendsten Krähen, die spannendste Spannung. – Ja, vielleicht ist da eine gewisse Ähnlichkeit. Noch ein Geheimnis, „Die Frau machte eine sonderbare Bewegung mit dem Kopf, ein nicht ausgesprochenes Wort betonend“ – das ist inspiriert von Christine Kaufmann in „Lockruf des Goldes“. Als sie Elam Harnish im Kanu gegenübersitzt. Schwer zu beschreiben. Hier ein paar Bilder, auch wenn es keine Erinnerungen wecken kann.
„Streets of London“ just for you and your British Christmas, wie phantastisch… erlauben Sie, daß ich an dieser Stelle addiere, wie einer der Iren erklärt: „Der Himmel uber Berlin ist blau“. Und wer wüßte das besser als Sie. Fünftes Türchen, for some moments of the year:
Ich kann im Zusammenhang mit Christine Kaufmann nicht ihren Auftritt in einer Sprechschau ausblenden, in der sie sagte, sie könne keinen Alkohol vertragen, da ihr sofort schlecht würde. Es war das Wie. Wie sie das sagte. Haben Sie eigentlich „Romy“ gesehen? Jessica Schwarzens Romy? Nun ja, ich wollte es nicht sehen, aber bei der dritten Wiederholung auf 3Sat oder so gab ich auf und siehe da, nicht viel Romy vielleicht, aber ein beeindruckender Film doch. Oh dear, goosebumps bei some moments of the year! Und da ich gestern beim größten Elektrofachmarkt Europas stop and stare vor der Riesenleinwand got stuck und dieser Mann dieses Jahr auch prägte und Berlin und blau und Himmel und überhaupt, ja, Sie sagen es, ich weiß und es scheint Retro-review-remember me-day today.
Nein, „Romy“ sah ich nicht, leider – nur ein Bild von Jessica Schwarz als sie. Das fand ich sehr erstaunlich, ich kannte die gar nicht. Dafür sah ich kürzlich nochmals „Monsieur Klein“ mit Delon. Verstörendes Juwel. Unfaßbares Ende. Verstehe zwar jeden, der bei Delon wg. stunning good looks gar nicht zum großartigen Schauspieler vordringt, aber man sollte es trotzdem irgendwann tun. Nun ja, die Capricorn-Damen sagen das, daß sie keinen Alkohol vertragen, da ihnen sofort schlecht würde. Tatsächlich nippen sie sogar zum Jahreswechsel so geschickt am Glas, daß man eine vollständige Illusion von „Frau trinkt Sekt“ erhält, die aber nichts ist als eben eine Illusion. Nach 17 Äonen probieren sie dann vielleicht mal, Captain Morgan mit Wasser zu verdünnen. Die Wahrheit ist, daß sie einen unter jeden Karibiktisch trinken könnten. Sie tun es nur einfach nicht. Morgen, also heute, The Raveonettes. Darum zum Nick-Klaus zwei Kläuse:
Nick, wie immer so deep. „Langsam und still trank er den Wein, und dankte dem Schöpfer dafür, nicht mit Worten, sondern mit stillem Wesen; es war, das wage ich gern zu sagen, etwas von geweihtem Wesen; auch in seiner Art zu trinken – so groß war ja seine Dankbarkeit dafür, dass er nun sein Leiden um Alles ein paar Stunden lang weniger litt. Er hat ja viele Nächte mit mir getrunken, weil er immer wach war, ja, der wachste aller Menschen, – als der leidendste von allen, um ein ganzes Zeitalter leidend, wie sollte er da anders sein! Deshalb konnte er auch nicht vom Weine betrunken werden, und lächelte nur leise des Morgens, wenn andere es waren. (…) …gedachte er sich zu betäuben, aber wurde noch wacher; da schrie er zu Gott um Betäubung, auf daß er seiner Gesichte vergäße und seiner selbst. Aber es ward ihm verweigert.“ (Karl Borromäus Heinrich über Georg Trakl)
Einen Nik kriegen Sie auch (Was für ein Video!)
„Ihn, der ein starker Trinker und Drogenesser war, verließ nie seine edle, geistig ungemein gestählte Haltung; es gibt keinen Menschen, der ihn im Zustand der Trunkenheit jemals auch nur hätte schwanken oder vorlaut werden gesehen, obschon sich seine so milde und wie um eine unsägliche Verstummtheit kreisende Art des Sprechens in vorgeschrittener Nachtstunde beim Wein oft seltsam verhärten und ins Funkelnd-Böse zuspitzen konnte. Aber darunter hat er oft mehr gelitten als die, über deren Köpfe hinweg er die Dolche seiner Rede in die schweigende Runde blitzen ließ; denn er schien in solchen Augenblicken von einer Wahrhaftigkeit, die sein Herz förmlich bluten machte.“ (Ludwig von Ficker über Georg Trakl)
Ficker erklärt, daß bei Trakl die schneidende Kälte, das schneidende Wort aus einer Tiefe kam, „die nicht mehr zu ihm gehörte“. Von wo also? Von dort, wo auch der unterschwellige Bezug der Bilder herkommt, aus abgrundtiefer Nichtmitteilbarkeit?
Danke für Nik! Ein Video, das nachdenklich macht. Das Fragen stellt, wie wir meinen. Als wäre David Lynch in einen kribbelbunten Tuschkasten gefallen. Das siebente Fensterlein aus meiner wahren Geschichte der 80er. :)
Jaaaa! Die Zeugnisse, Berichte, Briefe von, über Trakl sind mir fast lieber als das eigentliche Werk. So ein Anachronismus, so schwer die Rückkehr jedesmal ins Jetzt. Gestern die ersten Folgen der zweiten! More gothic, I would say! Und less budget. Schade drum, aber es sind nur wenige Abstriche zu verzeichnen. Jeremy sieht man die ersten Anzeichen der Erschöpfung, Krankheit, Trauer an. Aber das Spiel bleibt grandios. „Das leere Haus“ wunderbar, „The Priory School“ schon sehr düster.
Ha, die Eighties!! 1984 gefiel mir dieser Rocker mit der entschlossenen Armbewegung:
Das sind aber hübsche Nonnen! Fast wie bei Clovis Trouille!
„Entschlossene Armbewegung“, hehe. 1984 war das Jahr von The Top, Hyaena, Ocean Rain. Echo & The Bunnymen klingen wie die Liebesnacht mit einem Geist. Was will Ian McCulloch sagen? Er sagt es so gut. Seine kryptische Poesie verweigert sich linearer Zeichnung, manchmal sagt er eigentlich nur Klang, so ist es wohl während der Liebesnacht mit einem Geist. Manchmal sind seine Texte einfach Schimmer von Eis und Jade. Alles ist verwandelt, Tage sind kristallin oder türkis, Teufel sind weiß, der Mond tödlich, Pferde tanzen, Köpfe rollen, nur Götter werden immer Götter sein. Als Bunnyman bewegt man sich buchstäblich zwischen Engeln und Teufeln, jede Nacht hat andere Schriftzeichen am Himmel, und auf dem Thron im Paradies wird man Stück für Stück verrückt.
Sie wissen bestimmt, daß Karius und Baktus norwegischer Herkunft sind, 1954 gab es einen Film von Ivo Caprino dazu. Der ist in Norwegen eine Legende, seinen Flåklypa / Pinchcliffe Grand Prix besitze ich als DVD – das Auto „Il Tempo Gigante“ ist ebenfalls eine Legende in Norwegen. Hier ein kleiner Eindruck, beachten Sie durch Fenster 8 the magical care for detail.
HAH! Ich wußte, dass Sie was über die Nonnen sagen würden! Ich WUSSTE es. Hihi. Oh ja, Puppenfilme! Amerikanische, norwegische oder auch österreichische, schauen Sie mal:
Streiten Sie mit mir nicht über die Nonnen, oder wenn, dann im Flore! :)
Das ist ja atemberaubend, bezaubernd. Haben Sie das Marionettentheater in Salzburg auch besucht? Was ich neben Puppen, als ich sehr klein war, überaus faszinierend fand, waren diese Scherenschnitt-Filme. Welche es damals im TV waren, weiß ich nicht mehr, aber der Name dieser Zauberkünstlerin ist Lotte Reiniger. Nummer 9.
Oh gut, ja, dieser Tage wirklich wie ein Biber arbeite, also lassen Sie uns im Flore streiten, aber in der oberen Etage, sonst fallen all die Journalisten wieder über uns her.
So lovely, dieses Scherenschnitt-Theater! Danke! The „town-cryer“, die häßlichen Schwestern und sogar die Uhr, so wunderschön. Ach…. Nein, im Theater war ich nicht, aber im Marionettenmuseum, befindlich in den Gewölben der Festung.
„Mehr in die Augen fallen die Übereinstimmungen mit Arthur Rimbaud, einem Freunde Verlaines, der neunzehnjährig zu dichten aufhörte und nach Afrika auswanderte. Erst kürzlich wurde sein Einfluß auf Trakl nachgewiesen. Dieser kannte die Dichtungen und schätzte ihren hervorragenden Übersetzer Ammer sehr. Verwandt waren ihm besonders die ungeheuren Gesichte des Franzosen, sein rücksichtsloses Erfassen dieser verseuchten und verwesenden Welt und die Kühnheit, es herauszusagen … Durch ihn gewann er den Mut, in der Poesie verpönte Dinge anzusprechen … doch tat er es kaum aus Lust an ihnen, sondern traurig, den Verfall darin zu erkennen, und so wahrhaft, ihn nicht zu verheimlichen … Der Anklänge an Rimbaud muß sich Trakl bewußt gewesen sein.“ (Dr. Josef Leitgeb)
„Eggsackt!“, wie Joseph II. in der genialen deutschen Amadeus-Synchro sagt, eggsackt. Habe Trakl genaugenommen über Rimbaud entdeckt.
„Buschbeck ist es auch gewesen, der die Gedichte des Freundes Zeitschriften anbot – zum Beispiel ‚Melusine‘ Westermanns Monatsheften mit negativem Erfolg … Ein hübsches Beispiel für des zwanzigjährigen Buschbeck ungestüm hilfreiche Art, den genialen Freund in der literarischen Welt bekannt zu machen, ist ein Brief vom 7. Juni 1909: ‚Unternimm Schritte, daß Du in den Kürschnerschen Literaturkalender kommst. Bei jedem Namen, der einem Redakteur unterläuft, schaut er immer zuerst, ob er schon im Kürschner steht. Um wieviel leichter nimmt er etwas an, wenn dies der Fall ist … Das müßte Dir sogar (wenn Du angibst, daß Deine Dramen schon aufgeführt werden) sehr leicht gelingen … Schreibe nur dem Herrn Dr… einen entrüsteten Brief, Dich nicht in Kürschners Literaturkalender zu sehen, nachdem von Dir ja schon usw … Du mußt doch wirklich auch einmal für Dich etwas Reklame machen.‘ – Georg Trakl und Reklame!“ (Otto Basil)
Zeit für den Meister.
Dylans Americana, nächste Folge, dieses Mal Rückverwandlung von Kitsch in authentisches CountryFolkPolkaZeugs. Wie „Love & Theft“ oder „Together Through Life“, nur mit Zipfelmütze. Weihnachten wie es sein soll: schön wie „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart und Donna Reed, zugleich Razzledazzle-Gelage mit Schurkenperücken und Am-Kronleuchter-Schwingen, beschwipste Engel im knappen Weihnachtskostüm und Dylans Dirtroad-Raspelorgan, paßt alles zusammen.
Eggsackt, ja. :) Erinnert mich an „Eggnogg“. The favourite drink der Lehrerin in Hannover Hall, wo Jade sich später so überaus elegant übergibt. Details, details, Holmes. The Devil’s Foot, one of my favourite episodes seit gestern. A Slide Show hinter der 11. Tür:
„The Devil’s Foot“ scheint Lieblingsfolge vieler. Las gerade, daß Damien Thomas mitspielt. Count Karnstein im wunderbaren Hammer-Film „Twins of Evil“. Mittlerweile alle Folgen Staffel 1 zum 2. Mal gesehen bis auf eine, diese heute abend, Adeptin neugewonnen.
Es wird immer weiter genøckert, darum das The Damned-Cover von Barry Ryans „Eloise“. So lovely, wie Dave Vanian bei „Every night I’m THERE“ im letzten Moment noch zack! mit dem linken Arm auf Irgendwo da oben deutet.
Die zweite Staffel hat Startschwierigkeiten, steigert sich dann aber zu außerordentlicher Grandiosität. Longing for Holmes‘ Mantel in „Silver Blaze“. Brett war tatsächlich einer der erotischsten Menschen, die mir bekannt sind und mit der Ansicht bin ich wohl auch nicht allein. :)
Die schon erwähnte Kindheitswartenaufdenweihnachtsmanngeschichte:
*13* Die magische 13 – Zeit für „the only goth“ in classic ballet:
Brillant brillant brillant. Ach, es ist mal wieder der beste aller Dezember. Ein wirklich wunderbares, schönes, mysteriöses Werk der Ballets Russes war Michail Fokine’s „Feuervogel“, Musik Strawinsky. Erinnern Sie: „Ich war nur auf dem Prezwalski-Prospekt und habe Rollschuhe für meine Enkelin gekauft, bei Kastschej, da“ – Kastschej ist der Zauberer aus dem „Feuervogel“.
Das Libretto zum 14. Fenster:
„Im Garten des Zauberers Kastschej lebt der Feuervogel. Der junge Prinz Ivan fängt auf der Jagd diesen Vogel. Dieser bittet ihn um seine Freiheit und Prinz Ivan lässt ihn wieder frei. Als Dank dafür erhält Ivan eine Feder des Vogels, der magische Kräfte innewohnen. Im Garten des Zauberers Kastschej werden 13 Jungfrauen gefangen gehalten, darunter die Prinzessin, in welche Ivan unsterblich verliebt ist. Als er das Gartentor berührt, ertönt ein Glockenspiel. Daraufhin erscheint Kastschej mit seinen Dämonen, um Ivan zu töten. Doch die Wunderfeder des Feuervogels schützt den Prinzen. Da erscheint der Feuervogel und lässt seine magische Musik erklingen, die die Dämonen zum Tanzen zwingt. Dann singt er ein Schlaflied und Kastschej und seine Helfer fallen in einen tiefen Schlaf. Der Feuervogel führt Ivan zu einer Höhle, in der ein Ei versteckt ist, das die Seele von Kastschej enthält. Der Prinz zerschlägt das Ei, der Zauberer stirbt und sein Zauberreich verschwindet. Die 13 Jungfrauen sind wieder frei.“
Try as long as you may despite all Emsigkeit, Nina Ananiashvili ist nicht von dieser Welt.
Die Serie macht süchtig. Ich will auch eine Weihnachtsgans aus dem Alpha Inn, neben dem nachts diese rothaarige Schönheit steht, und in eine haarsträubend bizarre Geschichte verwickelt werden. 221b Baker Street, what a place to be.
Süchtig, genau. Kann mich nicht sattsehen an Gestik, Mimik seiner Holmesesqueness. Und wie er auf dem Holzgerüst hockt, wie ein Rabe, die Reste des Feuers durchsuchend (Der Baumeister von Norwood). To something completely indifferent – seit Tagen in neuer Umgebung, fast lyrische Stille im Haus mit den Sprossenfenstern, tanzende Blätter vorm Fenster unterm neblig-silbrigen Novemberhimmel und der Blick aus dem Küchenfenster ins Treppenhaus des Nebenhauses – wiederum gefühltes London oder vielleicht Wien des fin de siècle.
Er ist sensationell. Seine Wechsel von holmesesquer Trance zu nervöser motorischer Energie & the other way round, einzigartig.
„Das Marineabkommen“. Was für ein schönes Ding ist doch die Rose, Watson. Den „Baumeister von Norwood“ sah ich noch nicht, freue mich jetzt um so mehr auf das Rabengleiche. Da Sie die fast lyrische Stille schildern – es gehört auch zur Faszination dieser Serie, für mich. Die Stille. Die Möglichkeit, leise sprechen zu können. Ach, alles! Die Interieurs! Die Spazierstöcke! „Welcher Mensch trinkt Tee zu solch einer Stunde!“ Jeremy Brett, vorzeitig aus dem Synapsengebritzel tiefer Holmes-Träume gerissen und im Sessel mit verwuscheltem Haar in „The Blue Carbuncle“: Sie haben doch bestimmt dagesessen und „Ach! Ach! Ach!“ gemacht, oder? :)
ja stop ja stop und ja (bezügl. ach!) stop
noch kein i-net im haus stop warum wird alles nur komplizierter durch technik? stop ;) stop
Nur noch 2 Folgen übrig. Ich antizipiere einen schweren Turkey. Gestern Placebo, zum Niederknien. Heute die seltsam stille Welt. Bis zum 1. Dezember hat der Anschluß zu liegen, sonst p***e ich gegen die Pyramiden von Gizeh.
No Placebo, no Marilyn Manson (ich erwarte Bericht) für mich, dafür mein stilles, glitzerndes 35m² Schloß.
Der Anschluß folgt am 23.11., Cheops kann weiter vor sich hin stauben. :)
War das schön, wie er rabengleich vom Balken hüpft. „Das können wir doch wohl besser!“, nämlich „Feuer!“ rufen. Smoking is strictly prohibited in this compartment. Da fährt unser Zug, Dear: der Zug London – Dover bei Nacht und in den 1880ern, aus „Der griechische Dolmetscher“. Und da ist auch schon Natasha Richardson als Miss Hunter. Kennen Sie die als Mary Shelley in „Gothic“? Das ist aber auch schön, das stahlblaue Kleid. Ein verflucht extremer Charakter, der Küster. Details, Details, Details! „Ich hätte mir das Haar auch nicht abgeschnitten.“ (Watson). Winchester? Die fünf Meilen ins flache Land sind gefahrdrohend. In „The Resident Patient“ die eleganteste Spurensuche, die jemals in einem englischen Zimmer stattgefunden hat, geradezu eine Choreographie auf zwei Minuten Stille, und ich habe nichtmal zu blinzeln gewagt. Ihr Schiffsmodell ist wirklich eine Bereicherung für das Zimmer, Doktor Watson. So cute, wie er die Lippen bewegt zu Holmes‘ Titelvorschlag, und als „The Brooke Street Mystery“ endlich durchgestrichen ist, findet auch die Geige nebenan ihren Wohlklang – großartiger Schluß. Und da ist auch schon Eric Porter als Professor Moriarty. Kennen Sie den als Dr. Pritchard in „Hands Of The Ripper“? Ende erreicht – ein Drei-Pfeifen-Problem jetzt. Bleibt nur, nochmal von vorn.
Placebo… ich zitiere aus dem Blog „Lyzi’s Welt“: „Die Stücke von Placebo sind nicht einfach nur ‚Songs‘ oder ‚Lieder‘, sondern akustische Gottesorgasmen, die mit kristallklarer, jedem einleuchtender Präzision das innerste Gerüst der Schöpfung hörbar machen.“ Stefan Olsdal ist 2,40 m groß. Mehr kann ich noch gar nicht sagen.
[Placebo, 10.11.2009 Hamburg Color Line Arena, Foto CE]
Ich habe auch nicht zu blinzeln gewagt. Man will keine Bewegung, keinen Blick verpassen. Sie kennen noch nicht die Szene der Bestimmung der Eigenschaften des Besitzers eines Spazierstocks im „Hound of the Baskervilles“? Zunächst versucht Watson sich daran, unter Anwendung Holmesscher Arbeitsweise, und übergibt den Stock dann voll Stolz Holmes. Dieser ist durchaus beeindruckt, widerlegt dann aber fast alles. Watsons Gesichtszüge reisen von größter Anstrengung über Stolz bis zur Endstation Enttäuschung ob des grandiosen Scheiterns. Haha. Zu schön. Eric Porter, ja, Natasha Richardson, ja, aber weder Gothic, noch Hands of the Ripper. Einer meiner Lieblingsmomente auch, als Holmes in Positur springt und dabei den Arm hochreißt: „Die Flaggen sind das Wortende, Watson!“ Holmesesque ebenso wie die ersten Minuten in „The Crooked Man“, nur noch mehr auf den Punkt gespielt (wenn das überhaupt geht), als der Lieutenant am Ende von „The Dancing Men“ Holmes für seine Mitarbeit dankt, seine Bewunderung ausdrückt und auf weitere Kooperation hofft. Der Ausdruck in Jeremy Bretts Gesicht, präzise, erfreut, sehr knapp. Ein sekundenlanger Moment, ein Funken der Freude über die Anerkennung seiner Arbeit springt über und im nächsten Moment ist alles vorbei. Exakteste Ausführung der Doyleschen Ideen über diesen Mann. Wie wenig Holmes an öffentlicher Anerkennung liegt und wie oft er sich über die englische Polizei amüsiert, die hoffnungslos im Dunkeln tappt und sich später als Helden feiern lässt, wo er im Stillen triumphiert. Ich habe zuerst alle Folgen in der wirklich absolut grandiosen Synchronfassung gesehen, dann alle Geschichten noch einmal gelesen und dann alles im Original von vorn. Aber, Holmes, wir haben noch einiges vor uns. Staffel 2-4 und 5 Filme.
Ich weiß nicht, ob Sie schon die Pesslsche Abschlußprüfung bestanden haben, ich falle ja immer wieder durch und versuche es von vorn. Aber Sie haben durchaus einen Punkt mit den ersten 50 Seiten. Ich fand ja, der Auftritt des Gärtners ist der Tiefpunkt. Beim Wiederlesen werden diese ersten 50 aber zu ganz anderen Seiten, weil man weiß, was kommt, und jede Andeutung zündet. Mir gefällt das Ende nicht besonders, es ist zu dünn für die Story, aber die Sprache, die Vergleiche und Zitate, die Vorstellung, daß in einem blauen Volvo die gesamte USA bereist wird, (er schnellt vor wie ein Pfeil, aber genau genommen bewegt sich nichts), während im Inneren die gesamte Lyrik des 18. Jhd. rezitiert wird, Hannah Schneider, und dann die Wendung (der Fall der Vaterikone), die auch beim zweiten und dritten Mal mir die Luft wegbleiben ließ. Die herrlich unamerikanische, fast bösartige Abwertung aller Oberflächlichkeit, aller Sinnlosigkeit des unangefüllten Daseins. Nun ja, das Buch zog neben Ihres und da wohnt es am richtigen Ort, wenn man ich ist.
„Es ist meine Passion, zu wissen, was andere Menschen nicht wissen.“ Ja, er will den Erfolg, nicht den Ruhm, und die Parameter dafür steckt nur er selbst, und die Bewunderung von Narren verachtet er, aber die Sekunde, die Sie so genau beschreiben – ja, genau das ist Jeremy Bretts Genius. Aber wie er in „The Resident Patient“ (mysteriöse Folge, liebe ich!) sagt: „Nannte er ausdrücklich meinen Namen? Dann lassen Sie uns gehen, er wartet!“, da bricht sein Outsiderstolz, seine spontane Bereitschaft, dort zu helfen, wo Anerkennung ihm praktisch schon vorauseilt, durch. Aber wirklich bemerkenswert fand ich seinen Satz in „Die Liga der rothaarigen Männer“: „Ich denke manchmal, mein ganzes Leben ist ein einziger langer Versuch, mich von den Banalitäten des Daseins zu befreien.“ Ohne Fall verfällt er. Vielleicht derart, daß seine Antwort darauf, daß man Katalepsie durchaus imitieren könne, „Gewiß, ich tat das ja schon selbst“, durchaus vieldeutig ist. Er wäre auch kein Fall für den Club der clubunfähigsten Männer der Stadt, der konsequente Misanthropie zur Bedingung für die Mitgliedschaft macht – nein, er ist Menschenfreund, allein, der versteckteste von allen. Und alles, was sich aus dieser Konstellation ergibt, sieht man Jeremy Brett an, in jeder Sekunde – kaum zu beschreiben, so phantastisch ist es. Sein Bruder sagt: Du hältst nach wie vor nicht viel von der Seele der Frauen, was. Das ist nicht so eindeutig. Es läge nahe, beim Hyperanalytiker, aber irgendwie ist er in der Beziehung zu Watson ja auch der weibliche, unberechenbare Part.
Oh ja, die „Die Flaggen sind das Wortende, Watson“-Szene – ich erwähnte sie ja schon. Absoluter Killer natürlich auch sein Wenn-Psychose-Schabernack-ist-dann-so-Lächeln/Grinsen im Friseursalon in „The Resident Patient“.
Marisha Pessl – etwa auf Seite 300. Was mich dem Buch gegenüber endgültig willenlos gemacht hat, ist – Jade. Erst recht, ich muß es gestehen, Jade, betrunken, im hauchdünnen Mandarin-Seidenkleid, auf Seite 251.
Der gewünschte Manson-Bericht: es war großartig, Verlegung ins Docks goldrichtig. Es war voll bis unter den Stern, und die Atmosphäre einfach nur cheerful & intense. Twiggy ist jetzt Zeremonienmeister, nachdem im Sommer noch alles ziemlich katastrophal aussah, MM wirkt doch vergleichsweise zusammengerissen, und er war wohl recht angetan von diesem Abend. Es gab einen Moment, der mir besonders den Atem stocken ließ; als er von der Bühne kam und bei uns rechts vorn damit anfing, sich leutselig zu zeigen. Und da war ganz kurz ein Lächeln, das wirklich fast selig aussah; als wäre er in diesem Augenblick tatsächlich glücklich. – Selbst der Song, der gespielt wurde, bevor sich der Vorhang hob für „Cruci-Fiction In Space“ war so ungewöhnlich, hatte sowas Swing your hips-artiges, da muß Twiggy / Jeordie dahinterstecken mit seinem Goon Moon-Universalwissen. Denke, daß jetzt Leute da waren, die in MM mehr sehen als nur einen, mit dem man die Eltern aus dem Zimmer schrecken kann, und ich wünschte, er würde das auch so sehen, daß er in so einem Ambiente viel besser zur Geltung kommt als in großen Hallen oder auf Festivals, wo die Songs untergehen. Diesmal gingen sie nicht unter, alles schien in so viel besserer Balance, und gerade deshalb so viel intensiver als 2003 in der Color Line, oder, wie man mir sagt, auch 2007 in der Sporthalle. Ach, es war eine phantastische Nacht.
Bei mir klemmen die Türchen. Irgendein böswilliger HAL 9000 oder irgendein Napoleon des Verbrechens, man weiß es nicht, es ist leichter zu verstehen, wie der Diamant in die Gans kommt, (vgl.: „Watson, wir sind Spione! Auf einem feindlichen Territorium!“) hat das Audio-Modul meines Notebooks mehr oder weniger zerschossen, Blechbüchsenklang unter Gebritzel geht noch, aber notfalls lege ich mein Ohr auf die Schienen.
Allerdings will er keineswegs nur dort helfen, wo Anerkennung ihm vorauseilt, sondern dort, wo sein Geist, sein Können wahrhaft vonnöten und erwünscht ist. In erster Linie treibt ihn die äußerste Anspannung des Geistes und Verwendung seines katalogisierten Wissens, Spürens, Könnens, Denkens, Deduzierens. Ohne Fall verfällt er, genau. Ja, oh ja, Menschenfreund ist er, genau. Die Szene im Crooked Man ist nicht die einzige, die dies beweist. Gut auch, wie er sich als tramp ausgibt, um an Informationen zu gelangen im Baumeister von Norwood. Verkleidungen hat Jeremy Brett ja auch geliebt. Ja, und Holmes‘ Bruder Mycroft, Misanthrop par excellence, noch klüger und fähiger als Holmes, der jedoch nicht den geringsten Ehrgeiz besitzt, ihn anzuwenden, deshalb im Verborgenen für die Regierung arbeitet und sich in diesem Weirdo-Club aufhält, in dem man ausgeschlossen wird, wenn man wagt, jemanden anzusprechen, es sei denn in dem einzigen dafür vorgesehenen Raum – eine große Idee Doyles. Vielleicht wünschte er sich sogar selbst einen solchen Club.
Die „Seele der Frauen“… wenn ich richtig deute, ist es gleich zu Beginn des „Scandal Of Bohemia“ erklärt. Watson schreibt hier: „Alle Gefühlsregungen und insbesondere die der Liebe verabscheute sein kalter, analytischer, aber bewundernswert ausgewogener Verstand. Ich halte ihn für die vollkommenste Denk- und Beobachtungsmaschine, die die Welt je gesehen hat, aber als Liebhaber hätte er seine Rolle verfehlt. Von Liebe und Leidenschaft sprach er immer nur in abschätzigem, verächtlichem Ton. Sie waren ausgesprochen nützlich für den Beobachter – hervorragend geeignet, um Motive und Taten der Menschen ans Tageslicht zu bringen. Aber für einen geschulten Denker wie Holmes bedeutet das Eindringen von Gefühlen in sein eigenes kompliziertes, letztendlich hochempfindliches Wesen einen Störfaktor, der möglicherweise Zweifel an seinen logischen Schlüssen aufkommen lassen könnte. Für ihn wäre ein starkes Gefühl genauso irritierend wie Sand in einem empfindlichen Instrument (…).“
Irene Adler ist die einzige Frau, deren Verstand, Intelligenz und Schlauheit er anerkennt, deshalb auch die Bitte um das Photo. Nun gut, die weibliche Rolle im Holmes/Watson-Parship, ja, durchaus, andererseits ist es auch ein bruderhaftes Leben, in dem Mrs. Hudson als Mutter pubertierender Frechdachse die Bescherung aufräumt und heißes Wasser bringt. Oh ja, das Grinsen im Friseursalon! Und dann wieder ein „pom pom pom pom“ auf dem Rückweg, Stop and Stare vor der Kutsche, die den Besucher ankündigt, Deduzieren des Berufs des Kutschenbesitzers, beschwingtes Türaufschließen ob dessen, was ihn im Inneren erwarten mag. Eine sehr gute Folge, der Resident Patient.
Vermutlich schenke ich Ihnen ob des entsetzlichen Audiounfalls, der unseren Advent in andere Bahnen lenken, jedoch nicht verhindern wird, voraussichtlich etwas Hörbares, von dem ich nicht die geringste Ahnung habe, ob es Sie die Bohne interessiert. DVD Austausch wird selbstverständlich vollkommen willenlos weitergeführt. Staffel 2 erreicht mich vermutlich by Nikolaus, somit können Sie mit Leihgabe dieser zum Fest rechnen.
Aaaaaaaaaaaaaaaaah, Cruci-Fiction In Space! So wonderful! Da ich ihn weder Color Linig, noch sonst live sah, ihn eigentlich nur von CD wahrnahm und wenig im TV, glaube ich zu wissen, was Sie meinen. Eine balancierte Atmosphäre, in der die Schönheit seiner Lieder strahlt ohne viel Zirkus drumherum. Sehr schön! Ja, legen Sie notfalls das Ohr auf die Schienen, aber versichern Sie sich bitte vorher, dass der Zugverkehr eingestellt wurde. The Ever Watchful Eye on JB! Grand!
Ja, Eitelkeit wäre ein ganz falsches Wort, und voilà, Sie formulierten es bestens: dort, wo sein Geist und sein Können wahrhaft vonnöten und erwünscht sind, will er die mysteriöse Choreographie seiner Bewegungen, realer wie Denkbewegungen, zum Einsatz bringen. Aber er möchte dann auch wieder seinen Stil exakt nobilitiert wissen – bedenken Sie, wie er Watson manchmal für dessen allzu populistischen Tonfall kritisiert, wenn dieser an den Spezifika des Genies vorbeizugehen droht. Mrs. Hudson als Gouvernante brüderlicher Frechdachse, auch sehr schön. Ah, die hochkomplexen, spezifisch englischen Weisen der relationship unter Männern gerade im 19. Jahrhundert. Bram Stoker war ja Manager, Freund und Privatsekretär des für nicht unbeträchtliche Manierismen bekannten Schauspielers Henry Irving, dessen Züge dann wiederum in Stokers „Dracula“ wiederkehrten.
Marisha Pessl beendete ich gestern. Das Buch ist schrecklich. Es ist mir ein völliges Rätsel, was man davon halten soll.
Das Buch ist so genial und so reich… und so far-fetched. Es ist so sympathisch und so annoying. Es ist so spannend und läßt einen doch irgendwie unbefriedigt zurück. Alles paßt so perfekt und vieles paßt dann doch irgendwie nicht, Sie fanden das Ende zu dünn, ich finde es zu dick, es erschlägt z.B. Milton, Jade und die anderen völlig, die den Mittelteil so dominierten. Ich weiß auch nicht, wie alle für alles Zeit gehabt sollen. Aber ich mag die freche, unverschämte Arroganz des Buches, die auch darin besteht, daß es im Grunde mehrere Bücher in einem sind. Ein grausames, faszinierendes Werk – wenn ich gewußt hätte, auf was ich da starre, als Sie es mir überreichten. A moment I’ll always cherish.
Trotzdem haben Sie sich für das erste Fenster ein wenig Schauder verdient. Eric Porter und die wunderbare Angharad Rees in „Hands Of The Ripper“.
Ihre Entglaublosigkeit gegenüber Pesslscher Wunderbarkeit! :) „Hands Of The Ripper!“ Die Ausstattung, die Gesichter! Die Sprache! Wundervoll! Mich zur PseudoBritin entwickle. Am Wochenende den Victorian Christmas Market im Basler Hof besuchte und nie wieder einen anderen Weihnachtsmarkt voller Glühweinseligkeit und schröcklicher Glasbläserkunst sehen mag.
Das erste Türchen schon. Diese Szene finden Sie darin:
Aaaaaaaahh!! Also wenn jemand gegen Jeremy Brett als besten Holmes ever ist, dann weil er 10 Jahre alt ist. Und was für eine Szene für Mrs. Hudson! „I do dare!“ [Und es klingt wirklich, als würde sie sagen: „The depart mental store“] Splendid. – Mich Doyles geflecktem Band gewidmet, ich. Watson schrob Essenz: „… weigerte er sich, Fälle anzunehmen, die nicht auf etwas Ungewöhnliches oder Phantastisches hinausliefen.“ Banalitätenexorzismus ergo sum. – Victorian Christmas Market? Kapital, kapital! Ich selbst werde wieder um eine Tanne kämpfen müssen, dabei existiert eine Tüte mit ur-englischem Christbaumschmuck.
Zu meinen guilty pleasures zählen ja die ZDF-Weihnachts-Vierteiler, vor allem der Teil 4 von „Lockruf des Goldes“ mit Christine Kaufmann. In Teil 1 spielte Ferdy Mayne mit, als der alte Tarwater. Fenster 2, for the long… evenings… of many winters… :)
Im Josef Holzermayr Zuckerwaren-Fachgeschäft am Alten Markt in Salzburg begann ein älterer Herr die eben eingetroffenen Weihnachtswaren zu betrachten, als die Verkäuferin fragte, ob man ihm behilflich sein könnte, und er antwortete in höflichster Manier: Ach danke nein, die Augen funktionieren noch gut! Ich habe wohl etwas laut gelacht über die feine Ironie in seiner Stimme und er sah mich an, erkannte mein Verstehen und geriet ins Reden, wie es nur ein Österreicher kann: charmant, klug und kaum verständlich. Unter anderem zeigte er auf einen Adventskalender, der eine klassische Weihnachtsszene zeigt und sagte: Mei, ist der liab. Genau wie früher, vor 100 Jahren. Er kenne so alten Weihnachtsschmuck, den man bei seiner Mutter nach ihrem Ableben fand und dann geriet er ins Fluchen über die Moderne, wie hässlich sie sei. Er fragte: Wie lange muß man studiert haben, um so hässliche Häuser bauen zu können, wie man es heut tut? Er habe einen Freund, der zur Eröffnung einer architektonischen Glas-und-Stahl-Schrecklichkeit geladen wurde und dort angekommen sich umsah und schließlich fragte: Wann soll dies alles fertig werden? Der Architekt antwortete beißend: Es IST bereits fertig und ES IST SCHÖN! Der Freund seelenruhig: Ach so, das wusste ich nicht. Der fremde Herr im Zuckerwarengeschäft amüsierte sich über diese so unterschwellig hervorgebrachte feine Kritik und sei sicher, dass der Mensch ein angeborenes Schönheits- und Wohlgefallensempfinden habe und wir sollten es doch auch benutzen. Eine der Begegnungen in Salzburg, von denen man nie weiß, ob sie nicht jemand geplant hat.
Ich war also auch beim Trakl, es war sehr beeindruckend. Ich mag ihn mehr als Baudelaire, von dem er beeinflußt war. In der ganzen Stadt gibt es Tafeln mit seinen Gedichten, die jeweils mit dem Ort zu tun haben. Es wirkt fast verschämt und trotzig, wie sie dort hängen. Verschämt, weil sich doch all die Japaner und Franzosen, die wegen der Mozartkugeln gekommen sind, nicht einen Deut um die Lyrik eines Salzburger Jünglings scheren, Lyrik, über die Wittgenstein sagte: Ich verstehe sie nicht, aber ihr Klang lässt mich träumen. Trotzig, weil es eben doch eine so besondere Stadt ist, dass solche Tafeln nur folgerichtig ihrer allerliebst verfallenen Schönheit Worte geben und bei näherem Betrachten auch Trakl folgerichtig hier gelebt und gelitten hat und hin und wieder doch ein paar Krähen kommen, um in seinen Spuren herumzuwandeln.
Wir waren die einzigen, die in der Gedenkstätte klingelten und es öffneten die zwei Menschen, die sich seit Jahrzehnten für den Trakl einsetzen. In der ersten Salzburger Wohnung der Familie, in der Georg Trakl geboren wurde, umrahmt von Möbeln und Gegenständen der Familie und Briefen, Fotos und des grünrotschwarzen Selbstporträts Trakls zeigte man einen 40minütigen Film, der äußerst feinfühlig Trakls Leben, Schaffen, Gedanken, Träume und Abgründe zeigte. Seine Briefe, die auch im Film zitiert werden, erklären naturgemäß viel, was ohne sie nie ans Licht gekommen wäre. Zeitgleich lese ich Simone de Beauvoirs Briefe an Nelson Algren und sie sind auch so beeindruckend, weil sie so ehrlich sind im Gegensatz zu ihren Memoiren, in denen sie so vieles nicht sagt oder den Briefen an Sartre, in denen endlos taktiert und politisiert wird. In solchen äußerst privaten Briefen sind die Menschen mehr sie selbst, wahrer noch, wahrhaftiger als in jeder anderen Begegnungsform.
Was war noch? Ach ja, im berühmten Tomaselli Café irritierten wir die sehr hübsche, ältere Frau Lydia mit der Frage, ob sie Peter Alexander auch schon dort bedient habe und sie war verwirrt und glaubte nicht, aber sicher sei sie auch nicht. Ihre Verwirrung mutete äußerst komisch an im Rahmen dieser feierlich-ernsten Kaffeehauskulisse. Kopfschüttelnd nahm sie ihr Tortentablett und zog von dannen. Am Mondsee war eine Stimmung wie in einer Traumdarstellung. Nebel hing in den Bergen, der See war düster und grau und von tiefer, unwirklicher Schönheit, Touristen gab es dort keine mehr außer uns und diese Einsamkeit war besonders erholsam. Am Chiemsee dagegen Kaiserwetter am Königsschloss und Schnee auf den Gipfeln. Es war schwer, zurückzukommen, aber hier sind wir.
Aus dem Tomaselli stand Trakl einmal auf, um den Huren in der Judengasse Faschingskrapfen zu bringen. As you surely know, wenn zB der Herr Otto Basil Sie begleitete. Es war wohl die perfekte Zeit für einen Weg auf Trakls Spuren, wie ja auch Ihre wundervollen Photos belegen, nahe an der Trakl-Jahreszeit, die es nicht gibt, die immer zwischen allen anderen Jahreszeiten liegt, schwarzer Schnee rinnt von den Dächern, Ahorn rauscht im alten Park, schwarzes Gondelschiffchen schaukelt durch verfallene Stadt. Der phantastische fremde Herr im Zuckerwaren-Fachgeschäft wiederum, der den alten Weihnachtsschmuck vor dem Vergessen rettet, ist wie Joseph Roth. Ihr schöner, atmosphärischer Bericht bestätigt mir, der ich zeitweise am liebsten in „Der dritte Mann“, also dem Film, wohnen würde, daß man einfach in den Kaffeehäusern der k.u.k. Monarchie hätte hängenbleiben sollen.
Man fragt sich ja oft, wie man eigentlich hierhergekommen ist, wo niemand mehr „Habe die Ehre“ sagt. Daß es einen angeborenen Schönheitssinn gibt, behauptete ja auch Shaftesbury, über den ich mein Magisterpamphlet schrieb. Und auch daromm, wie es sey, daß alle, Goethe und Schiller, Kant und Winckelmann und Lessing, von Shaftesbury geklaut haben. Goethe zB stahl vom Third Earl den Begriff der „inward form“ – die innere Form. Die verlor ich restlos beim Konzert von Peter Murphy. Das ist aber auch nicht verwunderlich, wenn diese Legende, dieser Mythos, dieser Singuläre, der zu Beginn des Konzerts aufgrund einer Erkältung etwas gereizt schien, nach circa 13 Songs vor uns stehenbleibt, seine Hand ausstreckt und „Hello!“ zu IHR sagt. Er nimmt also ihre Hand und sagt: „You’re very attentive, thank you, it encourages us, me especially, when somebody’s looking so… so inspired“, und sagt ihr letztlich, in dieser halben Minute, von der verdammten Bühne aus, was ich ihr seit Äonen zu sagen versuche. Warum ist das Leben nicht einfach langweilig? Irgend jemand hat seine Hand fest im zerzausten Haar der Wahrheit – and twists her around. Würden Sie in unserer Kartei nachschauen, Watson?
Zwei Folgen sah ich bisher, Scandal in Bohemia und The Dancing Men. Bezeichnend, daß die Kokain-Szene für die Deutschen herausgeschnitten wurde. Wir könnten ja alle sofort zum nächsten Kokaindealer laufen und enthemmt brüllen: „DIE FLAGGEN SIND DAS WORTENDE, WATSON!“ oder „GEBT MIR DAS ABSTRUSESTE KRYPTOGRAMM!“ Jeremy Brett mit seinen Morphinistenmundwinkeln ist so beunruhigend definitiv und so definitiv beunruhigend, daß man ihn eigentlich nur mit exakt diesem Watson begleiten kann. Sie hatten Recht und ich werde Ihnen ewig dankbar sein, case closed.
Marisha Pessls Vater ist auch Österreicher. Bin auf Seite 200 etwa. Erstmal bin ich abgeglitten an dem Buch, das mir zu perfekt schien und dabei zu leerlaufend. Zu auf amerikanische Art mit leicht verschrobener Smartheit prunkend. Zu clever kalkuliert und zu von sich überzeugt darin, daß auch der siebzehnte Zusatz zum mehr oder weniger aufregenden Detail noch unwahrscheinlich geistreich wirkt. Ungefähr an dem Punkt, wo Hannah Schneider dezidiert ins Spiel kommt, hatte ich mich wohl daran gewöhnt, jedenfalls seitdem offen für Bewunderung und Genuß an der virtuosen Sprache, den Vergleichen, den Metaphern, den Kleinigkeiten, vor allem vielleicht den Kleinigkeiten. Schließlich gibt es auch noch andere mir bekannte Bücher, deren erste 50 Seiten man erstmal überleben muß. (Insert Ha Bloody Ha here).
Anbei der Mann mit dem goldenen Licht in der Stimme.