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Wackeln im Sturm

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Wackeln im Sturm. Briefwechsel aus der Reihe "Vorweihnacht" mit Christian Erdmann und Mlle. Catherine, Teil 13. Bild: Lesley-Anne Down in "Fackeln im Sturm".

Muppets / Wayne and Wanda: Let It Snow

Hätt‘ ich dich heut‘ erwartet, hätt‘ ich Kuchen da

Christian Erdmann, Regal mit Klavierbeinen.
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Dame, Louvre, Saturn, Spion

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Maximo Park – Books From Boxes

Dame, Louvre, Saturn, Spion. Briefwechsel aus der Reihe "Vorweihnacht" mit Christian Erdmann und Mlle. Catherine, Teil 12. Bild: Jean Béraud, Parisienne.
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The Cure

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The Cure, The Head On The Door. Aus der Reihe "Vorweihnacht" mit Christian Erdmann und Cured Catherine.
The Cure, Kiss Me Tour Ticket. Aus der Reihe "Vorweihnacht" mit Christian Erdmann und Cured Catherine.
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Heissserviertes im 24/7

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Heissserviertes im 24/7. Briefwechsel aus der Reihe "Vorweihnacht" mit Christian Erdmann und Mlle. Catherine, Teil 10. Bild: David Hemmings und Jane Fonda in "Barbarella".
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R.E.M.

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R.E.M. Konzertticket 1989.
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Seelenumwanderungen

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Buster Keaton in "Steamboat Bill jr.".
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Dita von Teese, intelligenztechnisch

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Dita von Teese.

Vor einigen Tagen saßen Ch. und ich vor dem TV-Gerät und bestaunten eine hinreißende Dita von Teese, she left us open mouthed und Ch. sagte nur: Die sieht aus wie gemalt! Ich tat der Dame unrecht, als ich sie einmal belächelte, wenn Sie erinnern. Sie ist wirklich eine beeindruckende Person.

Haben Sie schon von dem neuem Lenz-Roman gehört? Bin ja äußerst gespannt, die Kritiken sind interessant. Er gehört unbedingt zu den Guten, finden Sie nicht? Ich hielt einen Teil meiner mündlichen Abiturprüfung über „Deutschstunde“ und denke immer noch gern an meine grandiosen Interpretationen… Mein ansonsten korrekter und distanzierter Lehrer umarmte mich nach der Prüfung. Ich glaube, er selbst staunte darüber wiederum mehr als ich.

Oh ja, Dita. Ihr opulentes „Burlesque / Fetish & The Art of the Teese“-Buch wurde mir als Weihnachtsgeschenk zuteil. Falls Sie auf die 10 Minuten bei der FruchtbonbonszwischendieZehensteckerin anspielen – es war ein siriusweiter Abstand erkennbar, there on the screen. Die ich nur sah, die 10 Minuten, weil Buchspende und Leben sich halt immer schon seltsam vermischen für mich, und ich Manson auch auf die Silbe verstand, als er von seiner Sehnsucht nach Nähe sprach, auch ist „Eat Me, Drink Me“ hochnotfaszinierend als hochnotpersönliches pièce de résistance, indes, vielleicht hat der Mann ja auch selbst verbockt. Jedenfalls hat Ch. recht. Vermutlich war ja ein Ghostwriter mit dabei, aber das, was Dita / Pseudo-Dita z.B. über Fetischismus schreibt, ist nearer to the truth als manch anderes, was ich las. Werteste, ich fürchte, in Bälde muß ich Ihnen einmal unkryptisch kommen. Das aber würde länger.

Von Lenz‘ Roman hörte ich, aber ich kann gar nicht sagen, ob Lenz unbedingt zu den Guten gehört, ich habe den immer geschwänzt. Selbst lese ich derzeit, nach Tolstois „Kreutzersonate“ (teilweise haarsträubend, teilweise in ein Schwarzes treffend, das tiefschwarz ist), Dostojewskijs „Jüngling“. Schon deshalb interessant, weil es einen etwas rauhbauzigen, scheinbar ganz unliterarischen Stil pflegt, der aber natürlich wiederum sehr kunstvoll ist, den des „ungeschliffenen“ Jünglings eben. Aber am wichtigsten bei Dostojewskij, fand ich immer, sind diese tiefen Blicke in die Seele von Menschen, die scheinbar ständig das Gegenteil tun von dem, wonach ihre Seele sich verzehrt, und dabei doch unbeirrt ihrer „Idee“ folgen, atemlose Märtyrer, a martyr for my love for you, Masochismus muß eine russische Erfindung sein, jedenfalls gibt es eine spezifisch russische Spielart.

Grandiose Interpretation der „Deutschstunde“, bis hin zu unerwarteten Umarmungen? Glaub ich aufs Wort!

Genau die 10 Minuten sahen wir. All die kleinen Mädchen, blass und leer neben dieser Dame. Eine schreckliche Sendung. Gestern sagte der Chefbeurteilerfrauenhassersack, die 16jährige sei natürlich noch ganz anders ins Geschäft zu bringen als die 24jährige, für die ja eigentlich schon alles zu spät sei. Absurdistan. Hm, mit „verbockt“ meinen Sie Manson und Dita gegen die Wand? Sehnsucht nach Nähe haben ja die, die sie nicht aushalten. Also alle. Ich hab ja bisher nur den Idioten von Dostojewski gelesen und am besten gefiel mir die Geschichte von dem Mädchen auf dem Dorf, das von allen gehasst wurde. Und dann aber von den Kindern geliebt und dann wurde sie krank und starb an der Schwindsucht. Ich weiß nicht warum, aber das Schwindsuchtthema hat es mir sehr angetan. Auch die Kameliendame scheidet so konsequent autoaggressiv, jede Verletzung, jede Wut und Moralvorstellung gegen sich selbst gerichtet, geben die Frauen auf, das einzige Mittel, sich nicht anzupassen, aus den Alternativen Kampf oder Flucht die Flucht gewählt. Nur die, die sich selbst lieben, werden auch geliebt. Aber kann man es wirklich lernen, wenn es einem nicht geschenkt wurde? Dieser Moment, als Marguerite Gautier im Garten sitzt und für einen Moment auf eine Zukunft hofft, in der sie gesund ist und geliebt wird. Sie könnte es nicht aushalten und das weiß sie auch. Und doch hofft sie darauf. So sind Menschen.

Ich hab mir Lenz zum Abitur nur deshalb ausgesucht, weil mein damals sehr verehrter Grönemeyer mal in einem Interview gesagt hat, dass er es gar nicht leiden kann, wenn in seine Texte so viel interpretiert wird. Er wäre ja schließlich nicht Lenz, über dessen „Deutschstunde“ die Schüler im Deutschunterricht wochenlang die erste Seite auseinander nehmen müssen und er immer dachte, Mann, der hat sich bei jedem Wort soviel gedacht, wie macht der das nur? So kam ich zu Fetisch-Lenz und fand, soviel hat er sich gar nicht gedacht, aber dann eben doch. Anders als Dostojewski. Die Szenen auf dem Land, wo der Briefträger auf seinem Fahrrad weite Feldwege zurücklegen muß und schließlich am Ende den Frieden dabei hat in seiner braunen Briefträgerumhängetasche, beobachtet vom Protagonisten, der am Anfang und am Ende der Geschichte im Feld liegt und noch nicht so recht glauben kann, dass er überlebt. Dass auch Sie mal etwas schwänzen! Unkryptisch? Wann immer es beliebt.

Ah, auch ich liebe „Die Kameliendame“. Kennen Sie auch „Manon Lescaut“ von Prévost? Als Ballettomane darf ich auch mitteilen, daß der einzigartige John Neumeier beide Geschichten in seinem Kameliendamen-Ballett virtuos verwob. Sehen Sie? Kein Ende der Liebe – nur rituelle Opferung des Herzens. „A Martyr For My Love For You“, wie der weißgestreifte Jack in gänzlich anderem Zusammenhang sagt. Ein Rezensent schrieb ja, „Aljoscha“ wirke, als hätte ihn ein böser Geist aus der Belle Epoque gerissen, vielleicht meinte er aber auch die präzise Erinnerung an das Geräusch der Kutschräder im Bois de Boulogne einige Jährchen zuvor – die demi-monde war seinerzeit so faszinierend, wozu eine ganze? Wahr ist jedenfalls, daß SIE am 15. Januar geboren ist, wie Marie Duplessis, die eigentlich Alphonsine Plessis hieß. Sie haben recht, nichts Herzzerreißenderes als dieser Moment, in dem alle Fassaden nichts mehr bedeuten und nur noch das mädchenschüchterne, von der Überzeugung des Unverdienten bedrohte Bekennen da ist, zu der Hoffnung, die ja immer Hoffnung war. Liszt dachte an sie mit einem „geheimnisvollen Akkord aus einer antiken Elegie“ im Herzen.

Der Sarkophag, von dem Aljoscha die magische Blüte nahm, eines jener Zeichen, die die Muster geben, Sie kennen ihn.

Das Unkryptische später. Die Franzosen haben ja eine ganz andere Einstellung. Zwar stammt von denen der aufklärerische Ruf „Beseitigt die Schnürbrüste!“, aber sie haben dann doch schnell eingesehen, daß hohe Absätze das Denkvermögen keineswegs beeinträchtigen. Bei denen sitzt Dita eloquent in TV-Gesprächsrunden, die wir in dieser Form gar nicht haben. Und ich sage nochmals, Camille Paglia. Von dieser weiblichen Macht und Stärke, die klassischer Feminismus immer als servile Unterwerfung unter männlichen Blick zu betrachten geneigt ist, handelt sie eigentlich, handelten irgendwann wesentlich auch die über Bord gegangenen 100 Bände Horror. Darum ist beispielsweise Sacher-Masochs „Venus im Pelz“ so interessant: weil Wanda im Verlaufe der Geschichte immer ein wenig weiter geht, als Severin eigentlich vorgesehen hatte. Sie übersteigt seine apollinischen Entwürfe permanent.

Die Äußerung Grönemeyers (seinerzeit ein guter Schumann) rief in Erinnerung, daß Lenz auch für mich in der Tat arg mit Deutschunterricht verbunden ist – Deutsch LK war ein Flop. Die Wahl beruhte auf einer Best of-Serie in der 10., als man uns interpretatorisch freie Hand gab, später hieß es dann, interpretier‘ so wie ICH will oder stirb, und ich streikte mich so durch. Im Grunde war mein Abi gänzlich improvisiert. Back to bed, keine Schwindsucht, undekorative Erkältung.

Gute Besserung und wie gut, dass es keine romantische Schwindsucht ist.

Danke! Professor Manson sagt ja, man müsse seinen Körper zu einem Ort machen, an dem Viren sich nicht wohlfühlen, Miss Apotheke 2008 sagt, Wasser bis man blubbert, Mighty Joe Strummer sagt, Pillen bis man rasselt, da soll einer durchfinden. Nee, doch nicht.

Seufzer, Ausgestoßener! THE OLD WOUND FEVER!! TUPELO BOUND! LOOKA YONDER!

Ich folge da wohl eher den weisen HausfrauInnen, die da fanden, eine Erkältung dauere etwa 7 Tage bis 1 Woche, ob nun mit Professor, Miss Zaubertrank, Schlossgespenst oder ohne.

Paglia und Prévost notiere ich mal auf der Sabbatical To Do Liste.

Ja, ich kam erst durch Aljoscha zur Kameliendame. Es ist wohl das Entscheidende an diesem Moment im Garten, dass die Fassaden fallen. Ohnehin im Leben meistens der interessanteste Moment, da wir bis dahin zu sehr unseren von den Fassaden zurückgeworfenen Projektionen ausgeliefert sind. Kennen Sie denn die La Traviata-Aufführung mit der bis dahin noch undivenhaften und unbekannten Netrebko? Großartig das. So ein zartes schwindsüchtiges Geschöpf. Ausschnitte davon findet man auf youtube, aber vielleicht wissen Sie das schon.

Nun ja, hohe Absätze beeinträchtigen nicht das Denkvermögen, aber die Unversehrtheit bei hoher Laufgeschwindigkeit. Müßte ich in hohen Absätzen nur dekorativ in eloquenten Gesprächsrunden, um die ich französische Fernsehzuschauer sehr beneide, herumsitzen, würde ich sie vielleicht auch tragen. Modisch gesehen war die Grunge Phase in den 90ern eine glückliche Zeit. Schwere schwarze Stiefel und dazu kurze Blümchenkleider, besser geht’s nicht. Nun ja, obwohl mir kürzlich jemand sagte, meine Cure-Kleider seien so cure, dass ich den Mary Smith Lookalike Wettbewerb leicht gewinnen könne. Insofern bin ich da festgelegt. Äh, worum ging es gleich? Ah ja, Feminismus. Nun ja, ein anderes Mal vielleicht.

Grönemeyers frühe Schaffensphase weist einige Perlen auf. Ich hatte mal Radioaufnahmen mit Liedern aus seiner Klassik Phase. Ein guter Schumann und ein guter Bootsmann. Als er anfing, Stadien zu füllen, stieg ich aus, nein, stimmt nicht, ich stieg wohl schon aus, bevor Anna starb, aber nicht mal absichtlich oder füllte er die Stadien schon vorher? Ich weiß es nicht mehr. Ich glaube, „Luxus“ war mein letztes Album. Oder „Chaos“? Hm.

„Pfeiffer, Sie faseln!“

Dass Sie die Erlebnisse im Deutsch LK verstimmten, glaub ich gern, ich hörte von anderen ebensolch Unglücklichen.
Ich hatte in der 11. das Glück, einer Stunde der vorgesehenen Lehrerin beizuwohnen. Schrecklich. Ich wich auf Englisch und Gemeinschaftskunde aus und verbrachte so eine glückliche Zeit im Deutsch Grundkurs, welcher mich zu eben der mündlichen Abiturprüfung führte. Beim zweiten Teil der Prüfung handelte es sich um Faust. Grandios, oder? Die einzige Prüfung für die ich lernte, und ich tat es gern.

Nein, so häufig der Name Netrebko an mein Ohr dringt, so selten ihre Stimme. Aber ich bin neugierig geworden, und tatsächlich scheiterte die Billigung der letzten Traviata-Aufführung, die ich mal live sah, vor Äonen, eben daran, daß die Kameliendame so unbedingt keinerlei Schwindsüchtigkeit evozierte, in etwa so überzeugend wie singende Vampire im Musical. Aber man soll Oper ja vor allem hören. Wagner wäre ja auch richtig gut ohne den ganzen Gesang. Mein Lieblingswagner ist die Minute „Rheingold“ vor Hojotoho, Sie wissen schon.

Mary Smith Lookalike-Wettbewerbe zu gewinnen ist ehrenhaft! Ich werde ja immer noch, trotz fortschreitender Idiotisierung, spontan für „Künstler“ gehalten, aber meist tippen die Leute auf „Musiker“. Faust in der Abiprüfung, natürlich ist das grandios! Eins der besagten Themen der 10., bei denen ich abräumte, war ein Satz aus dem „Faust“ – Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Ein anderes war: „Ist Faulheit immer zu tadeln?“. Beide Themen zusammen ergaben dann, daß ich „Faust“ erst richtig in einem Pariser Hotelzimmer las, Hotel de Lausanne, bei tropfendem Wasserhahn und überhaupt sehr montmartresch. – Meine mündliche Prüfung in Bio galt einer Qualle, die im Sommer da ist und im Winter dort, und ich sollte erklären, warum. Hinterher meinte die Lehrerin, es war deutlich, daß ich von dieser Qualle nicht die leiseste Ahnung hatte, nur meine Intelligenz hätte mich gerettet. Tempi passati, intelligenztechnisch.

Dita von Teese.
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Vorweihnacht

Prinzessinnenmalen

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Dear! What happened?? Souverän zurück!? Ich freu mich!!

Souverän weniger, nur zurück. War mal das Nirvana inspizieren, die Geschichte ist lang, alles später einmal, der Cut war vielleicht mehr symbolisch, but was it helpful? I don’t know. Generell gilt ja, it’s hard to tell the poison from The Cure. Freut mich jedoch, daß es Sie freut, und es tut mir leid, daß unser Austausch im Orkus gelandet ist. Ist er aber eigentlich nicht, denn ich überführe sowieso immer alles.

Hoffe, beide Prinzessinnen befinden sich wohl? Gehört übrigens zu meinen häufiger verlangten Tätigkeiten in der BS neuerdings – Prinzessinnenmalen. „Christian, kannst du mir heute eine Prinzessin malen?“ Das macht man dann, und die wird wieder verschlampt, und schon ist man in einer kafkaesken Schleife. Hätte mir bei der ersten weniger Mühe geben sollen.

Von Zeit zu Zeit muß man symbolhaft verbrennen, um dann souverän aus der Asche zu steigen. Helpfulness zeigt sich ja oft erst später. Souveränität immer gleich. Oh, und im Orkus ist gar nichts, was glauben Sie wohl, ich überführe ebenso.

Ja, wir befinden uns (wieder) leidlich wohl und verhalten uns ansonsten souverän, wie es sich gehört. Die letzten Monate waren nicht sehr amüsant, tell the poison from The Cure, das kann ich, denn diese waren es, die mich durch eine schwierige Zeit brachten, mal wieder. Noch bis Ende Mai dreifach belastet durch ein kraftraubendes Praktikum, danach etwas Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens, um dann im Herbst das Finale meiner akademischen Phase anzutreten.

Indes erscheinen in den nächsten fünf Monaten jeweils am 13. eine neue Cure Single und schließlich das neue Album, vielleicht hörten Sie schon davon.

Ich wünschte, ich könnte Sie auch einfach um eine Prinzessinnenzeichnung bitten! Ob die Kleine in der BS in ihrer vermutlichen Raffinesse nur behauptet, sie habe die Zeichnung verschlampt, um die nächste dann gegen eine Handvoll Gummibärchen zu verticken?? Es schließt sich ein Kreis übrigens, denn einst malte die Prinzessinnentochter Sie!

Gerade höre ich, dass NIN schon wieder etwas Neues bereitstellten und es sollen wieder Perlen dabei sein!

Die Prinzessinnentochter malte MICH??!! Gibt es davon ein Relikt? Wenn, und wenn Sie mir das posten, stehle ich die letzte Liegengebliebene für Sie, für die Emilie und Amelie eigens einen Plan entwickelt hatten, wer sie wann haben sollte. Heute wußte Amelie schon wieder nicht, wo die geblieben sein soll. Müßte also noch da und auffindbar sein, da ich für der Dame Langbeinigkeit eigens zwei Papiere zusammenkleben mußte. – In meiner Küche hängt die sehr lebensgetreue Zeichnung, angefertigt von einer gewissen Clara, von mir mitsamt drei Kindern auf meinem Mittelalterkarren.

Sic, noch hat man „Ghosts I-IV“ nicht ausreichend gewürdigt, schon erfaßt einen die nächste Welle dieses Kreativschubes, und genau da gehe ich jetzt hin, unter diese Welle.

„Wir kennen uns schon lange, der Phoenix und ich“, aber der Vogel schluckt Wasser, die ganze Tiefe eines Songs auslotend, der immer nur ein Gassenhauer im eigenen Labyrinth war, der von woanders her kam. Da standen halt four lads und sangen sehr beeindruckend „With Or Without You“. Mehr war nicht. Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt. Gut, daß bald Ende Mai ist, in jeder Hinsicht.

Emilie und Amelie? Diese Damen sind mir doch bekannt, es sollte nicht noch eine gewisse Hannah als Dritte im Bunde agieren? Der Mittelalterkarren verhilft Ihnen offenbar zu besonderen Ehren. Ich fand heute nur eine der damals angefertigten Skizzen, die ich höchst dilettantisch abfotografierte. Das mir eigentlich in Erinnerung gebliebene Werk muß noch von seinem Aufenthaltsort, vermutlich der Dachboden, geborgen werden.

Skizze?! Mehrfachportraitierung gar?! Dies aber ist doch ein Paradebeispiel für Pjotrs Diktum: manchmal gibt es nichts Vollendeteres als eine Skizze. Die schwarzen Haare scheinen mein Primärmerkmal zu sein. Schön, daß eine Sonne so nah über mir lächelt. Interessante Linienführung, man könnte meinen, daß mich täglich eine Giraffe mit Kurbel begleitet. Und wer weiß, Kinderaugen sind da wie Katzenaugen. Merci bien, bin entzückt! –

Hannah, genau, an sich bilden Miyong, Emilie und Hannah das Prinzessinnenanforderungstriumvirat. Die von mir gestern erwähnte Erbsenspezialistin befand sich tatsächlich noch dort, wo ich sie vermutete, und ich entführte sie. Bitte unbedingt zu bedenken, daß diese Damen zwischen Tür und Angel angefertigt werden.

"Prinzessin" von Christian Erdmann und Kindergartenkindern.

Verbrachte die Nacht mit NIN’s „The Slip“ und das ist kein Wunder – RW Fassbinder: „Schlafen kann ich, wenn ich ‚The Slip‘ gehört habe.“

Hah! Allerliebst! Klassisch blond und blaugrünäugig gar! Eine Reverenz an die Damen? Der Blick der Hoheit dann aber doch irgendwie… mhm… dark. :) Ich hoffe die Damen werden Ihnen die Missetat nachsehen, sollten sie davon erfahren.

Ach ja, Hannah! Eine Weile war sie mein kleiner Schatten, wann immer sie sich davonstehlen konnte vom heimatlichen Rockzipfel. Ein derart zartes kleines Fischlein, dass ich vor Rührung manchmal nur noch sprachlos schluckte, wenn ihre Kulleraugen träumerisch abdrifteten.

Oh ja, Her Royal Darkness fertigte auch ein Werk von Ihnen mit Buntstiften an, welches Sie noch deutlicher und auch detaillierter zeigt, wenn ich mich recht erinnere. Aber wie gesagt, ich müßte mich, ggf. am Wochenende, mal der Suche widmen. Was ich schon lange fragen wollte: Pjotr? Sie versackten mit DEM Pjotr? Es gab also ein Wiedersehen!

„Der Vogel schluckt Wasser“? *kopfschüttel* Grandioser Einfall, mal wieder!

Eine Reverenz an Miyong, am ehesten, aber Sie haben vermutlich recht mit dem, was Sie da in den Augen sehen, wahrscheinlich gibt es einige Passagen im Roman, die das erklären. Im Grunde war das wohl ein Auto-Rorschach?

Yeah, Hannah. Still the same, nur daß sie jetzt halt nicht nur mit den Augen spricht. Wenn freilich, dann so leise, daß man sich immer zu ihr herunter kniet, auch weil man meint, wenn man ihr laut sprechend antwortet, trägt sie ein Wündchen davon. Andere MitreisendInnen, aus der HS, erzählen mir neuerdings die Alpträume, die sie nachts erschrecken. Eine, Laura, meinte mal zu mir: „Weißt du was, Christian? Ich bin eigentlich ein anderer Mensch.“

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Vorweihnacht

Postekstatisches Stammeln

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Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.

(ins Off ruft) ALORS, MONSIEUR! KENNEN SIE EIGENTLICH DIESEN ALLE WELT MUSIK LADEN (GEGENÜBER VON BALUTSCHISTAN)?

DA KANN MAN REINGEHEN UND SAGEN: ICH SUCHE DIESEN SONG: DADADADADAMMDAMDAAADAADAM. DER LADENMANN TAUCHT DANN IN SEIN CD-MEER UND SAGT: JA, HAB ICH DA, ABER NUR IN DER ALTEN VERSION… :) UNFASSBAR!!

Schön sieht’s hier aus!

Und was genau war nochmal DADADADADAMMDAMDAAADAADAM? The Drummers of Burundi? Nusrat Fateh Ali Khan?

Der Laden liegt direkt neben meiner demnächst überflüssigen Bank, ich habe ihn früher mehrfach zielsicher verfehlt im Gewirr von Eppendorfer Weg, Marktplatz, Landstraße, Baum und Krötenwanderweg.

Ich muß demnächst noch postekstatisch von den Smashing Pumpkins stammeln und auch von Sweeney Todd, aber ich bewege mich mit neuer Systematik noch ungeschützt durchs Virtuelle und ziehe mich vorerst in den Sonntagmittag mit manischen Straßenpredigern zurück. The Year Of Purification.

Es sieht schön aus? Ach, naja, ich würde gern mal (weiter-) renovieren, aber die Zeit ist dagegen. Irgendwann wird sie erweichen. Na, dann beglückwünsche ich Sie zur neuen Systematik, hoffentlich enthält sie nicht allzu undurchschaubare Logik? Ach ja, stammeln Sie postekstatisch, ich bin gespannt, schwebe ich doch selbst noch irgendwo zwischen Hamburg, Berlin, Oberhausen, Grinding Halt und Freak Show herum. Gerade gesehen hab, dass Michael Stipe und seine Jungs im Sommer nach Berlin reisen, die Editors im Gepäck, hui, da würde ich gern weiterschweben… A year of purification, hmhm. Seufz, make it June…

Ihre Bank wird überflüssig? Wie wird sie überflüssig? Gehen Sie dazu über, selbst zu drucken? :) Ach, Unsinn. Das hier macht Sinn, dadadamm:

22.3. 0:47 h Ortszeit. Zeit für:

The very best, Dear!

I. Billy Corgan, im langen silberglänzenden Rock, perfekte Mischung aus Nosferatu und tibetanischem Mönch. Von „Porcelina Of The Vast Oceans“ bis „Ava Adore“ all meine Lieblinge dabei, mit einem Song wie „United States“ spült er die Emporkömmlinge ruckzuck vom Olymp, freut sich diebisch, in einem Medley Uriah Heeps „Easy Livin'“ und Buffalo Springfields „For What It’s Worth“ unterzubringen und arbeitet weiter am Beweis, daß er es ernst meinte, damals, beim Auftritt auf der Reeperbahn, als er sagte, nachher kämen noch die Scorpions, falsch, aber dann, auf das allgemeine Daumenrunter für die Scorps: „I love the Scorpions.“ Zwischendrin singt er „My Blue Heaven“ mit unfaßbar geölter Stimme und bricht einem dann mit einer Akustikversion von „Perfect“ das Herz. Die neue Bassistin, Ginger Reyes, ist das Entzückendste, was man je auf einer Bühne sah, und das ist nur die Übertreibung eines D’Arcy-Verehrers.

Ginger Reyes, Smashing Pumpkins.

Magisch. Das Seltsamste an den Smashing Pumpkins ist, daß sie beweisen: je tiefer man geht, um so mehr gibt es zu wissen.

II. Sie kennen „To Sheila“ von „Adore“? Da ist dieser Mittelteil, der Schlagzeugloop hört auf und die Gitarre wird plötzlich abgelöst durch dieses einsame Banjo.

Lately I just can’t seem to believe
Discard my friends to change the scenery
It meant the world to hold a bruising faith
But now it’s just a matter of grace.

Und ich fühle mich genau wie dieses Banjo.

Johnny Depp und Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.

III. „Sweeney Todd“, der dunkelste Film, den es gibt, nichts leuchtet außer den blassen Teints von Johnny Depp und Helena Bonham Carter, den Rasierklingen, dem roten Blut, und der By-the-Sea-Vision von Mrs. Lovett. Unfaßbar, daß ein so makabrer Film, der teilweise pures Grand Guignol ist, so rührend sein kann. Johnny Depp, was soll man noch groß sagen, aber für mich ist Helena BC der Star hier, ab dem Moment, in dem sie ihren Song von den, ugh, schlechtesten Pasteten Londons singt, ist man ihr verfallen. Sie und Depp singen umwerfend gut. Hinterher möchte man mit Schebberjacke rausgehen und den Leuten „Pirelli’s Miracle Elixir“ anpreisen. Mehr dunkle Seite des viktorianischen London geht nicht, und Helena Bonham Carter als Mrs. Lovett sollte fashion icon werden.

Johnny Depp und Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.

IV. Dankeschön für die 0:47 Ortszeitwünsche, da versackte ich gerade nach „I’m Not There“ mit Pjotr und einer Flasche Freixenet. Cate Blanchett ist unfaßbar, ich traue keinem „Subterranean Homesick Blues“-Video mehr.

Selber drucken wäre mal ein echter Break, aber die Maschinen sind verrostet im Schattenreich.

Johnny Depp, Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Johnny Depp in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Johnny Depp und Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Johnny Depp in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Johnny Depp und Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Johnny Depp und Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
Johnny Depp und Helena Bonham Carter in "Sweeney Todd", Regie Tim Burton.
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Vorweihnacht

Liebespakt, Schatten des Windes, Control

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Liebespakt, Schatten des Windes, Control. Briefwechsel aus der Reihe "Vorweihnacht" mit Christian Erdmann und Mlle. Catherine. Bild: Alexandra Maria Lara in "Control", Regie Anton Corbijn.

Und, haben Sie vorhin „Der Liebespakt“ gesehen, „Les Amants du Flore“? Hat es Sie über Schwarzersche Impertinenz hinweggetröstet? Ich war sehr beeindruckt, warum eigentlich wird erst jetzt ein Film aus dieser Geschichte? Lorànt Deutsch sah Sartre so ähnlich, daß es fast zum Lachen war. Anna Mouglalis, halb Jane Birkin, halb Nofretete, Lagerfelds Chanel-Gesicht hat da für einen sehr strengen Glamour gesorgt, den Simone zu ihrer Zeit vielleicht ebenfalls ausstrahlte. Wunderschön, geradezu unheimlich, diese kurze Szene, dieser side view auf der Straße, als beide wohl der Sorbonne entgegenstreben, und man sieht hinter dem damenhaften, aufrechten Gang der bedeutend größeren Simone nur Sartres vorgebeugten Oberkörper, seinen Kopf, der dem Körper so energetisch voranstürmt, als zöge er ihn hinter sich her. Wunderbar auch die Meskalin-Szene: „Die Languste! Sie ist riesig! Passen Sie auf!“ – „Sie verhalten sich wie ein Dorftrottel.“

Billy Corgan: „I’m a Pisces, and Pisces have this weird inability to be completely spontaneous. We’re too conscious of our actions. I’ve always been way too sensible for my own good.“ Saturnischer Ernst ist etwas ganz anderes, hat sehr viel mehr mit Selbstdisziplin zu tun, mit einem Gefühl für Würde, und auch mit einer seltsamen Positionierung in der Zeit. Nicht nur wurde der Begriff „in the long run“ entweder von einem oder für den Capricorn erfunden, was vielleicht auch Simones Entscheidung für den Pakt beeinflußte; er hat auch einen unauslotbaren Bezug zu Vergangenheit und Zukunft, etwas seltsam Panoramisches ist darin.

Und so ist denn vielleicht des Steinbocks Idealismus aus Blei gemacht, aber seine illusionslose Stärke führt viel eher zum Ungeahnten als die Träume hochfliegender, aber seichter Geister. Auf jedem Gebiet, ich schwör’s nochmal bei Heidegger; doch Sartre drückt das in dem Moment sehr gut aus, als er beeindruckt von Simones „Le deuxième sexe“ zu ihr sagt: „Ich wollte die Welt verändern, aber Sie haben es gemacht.“

Nein, keiner weiß genau, welche Rolle er im Leben eines anderen spielt, aber zu Ihrer Rolle in meinem Leben gehört es gerade, mich an die Bedeutung dieser beiden in meinem eigenen Dasein zu erinnern. Schrieb an der Uni eine Arbeit über das Verhältnis von Sartre und SdB zu Sterben und Tod. Sartre formuliert eine Haltung mit scharfer intellektueller Kälte und hält sie durch: der Tod berührt das Leben nicht. SdB schreibt in Wellen darüber – vom „metaphysischen Ärgernis“ zum Mitleiden mit „Maman“. Das Beschreiben des Anderen – das tiefe Empfinden für den Anderen. Sartre hielt „Ein sanfter Tod“ am Ende für Simones bestes Buch.

Der Film zeigte sehr schön, wie es im Wagnis dieses Pakts nicht ohne Verletzungen, Eifersucht, Ressentiments geht. Wie auch Algren das tiefe Empfinden für den Anderen auf einer bestimmten Ebene für Simone entfesselt. Wie es plötzlich heißen muß: „Ich liebe ihn, ich habe keine Wahl.“ Und doch gab es diese Ebene, auf der diese beiden sich verstanden wie sonst niemand: als wäre einer ohne den anderen einfach nicht ganz wahr gewesen.

Ich versuche, gegen meine Natur, mich kurz zu fassen, und möchte daher nur sagen, daß Ihre Beschreibung der Geigenstunden mich sehr bewegt hat, und daß Sie darob den Roman erneut hervornahmen, ist das größte Kompliment, das Sie einem Autor machen können, der darauf besteht, in seinem Werk vollkommener Realist zu sein, auch wenn es der Realismus von wenigen sein mag. Vielleicht werden Sie einmal von dieser Zeit sagen, es sei die verwunschenste Ihres Lebens gewesen – und eine der bedeutendsten. Denken Sie daran: man hat Zukunft wie noch nie, wenn die Gegenwart bedeutsam ist wie nie.

Vielleicht waren Sie ja heute auch im Kino und haben „Control“ gesehen? Gestern war doch wohl D-Premiere?

Sic, ich werde bei den Smashing Pumpkins sein; wie es dazu kam, – ist wieder ein Fall, an dem die Ratio versagt.

„Sie ist ja emsig. Und wie Sie arbeitet – wie ein kleiner Biber.“

Oh ja, ich habe ihn gesehen, complete happiness und in meiner Kühnheit habe ich gehofft, Sie hätten ihn auch gesehen. :) Ich war sehr skeptisch, nun überzeugt. Eine bezaubernde Beauvoir und ein nerviger, aber genialer kleiner Sartre, so ähnlich kann es gewesen sein. Mich beeindruckte speziell die Szene, in der Sartre Simone in dem Café aufspürt, nachdem er sie mit der Amerikareise hintergangen hatte. Apart from all that rubbish konnten sie gar nicht anders als sich wieder gemeinsam in die Arbeit und das Reden zu stürzen, unaufhaltsam trägt der Redefluß beide mit sich fort in ihre gemeinsame Welt. Berauschend. Ja, und das, was Sie inhaltlich zu der Szene schrieben, würde ich genauso unterschreiben. Wobei Sartre selbst es war, und das wurde im Film nicht erwähnt, der sie zu dem Buch inspirierte. „Sie vergessen, dass Sie eine Frau sind, schreiben Sie darüber.“ So sagte er und daraufhin tat sie es. Dies bleibt unerwähnt und gibt dem Film etwas Filmdramatik, weil man nicht ganz leicht erkennt, warum sie einander so viel bedeuteten, meinen Sie nicht? Vor allem beeindruckte mich auch die unglaubliche Detailliebe. Kleidung, Farben, Gegenstände, Bemerkungen, Umgebungen.

Warum erst jetzt. Vielleicht hatte es etwas mit rechtlichen Besitzansprüchen zu tun, aber ich habe schon auch den Eindruck, dass es wieder eine Hinwendung zu den großen Denkern und den Denkerinnen gibt, weil der eine oder andere sich zu fragen beginnt, was man der immer absurderen Verdummungsindustrie entgegensetzen kann und muß. Kürzlich wurden sämtliche BBC-Verfilmungen von Jane Austen auf DVD veröffentlicht. Eigentlich erstaunlich, da sie seit Jahren nicht im TV liefen. Die Nachfrage ist aber da, und eine Stolz und Vorurteil-Verfilmung mit Keira Knightley mit alternativem Ende für die phantasiefreien Amerikaner kann der BBC nicht das Wasser reichen.

Es trug sicher zum Bestehen des Paktes bei, dass Simone de Beauvoir capricornish dachte und fühlte. Sie war es auch, die ihn nicht heiraten wollte. In ihren Memoiren ist es anders als im Film festgehalten, dass er sie vor Kriegsbeginn sehr wohl heiraten wollte. Sie lehnte ab. Ob sie ahnte, was sie der Zukunft, den Frauen geben würde? Sie sagt im Film: Ich liebe ihn, ich habe keine Wahl. Aber sie tut es nicht, weil sie doch eine hat. Sie geht nicht mit Algren, sie geht nicht nach Amerika, sie kann ihn nicht überreden, in Paris mit ihr zu leben. Weil es auch Rache war an Sartre, auch Eitelkeit, auch Fremdheit zwischen ihr und Algren. Die Beziehung war eigentlich schon wieder zu Ende gegangen, bevor Algren nach Paris kam. Es war zu spät. Sie war schon angekommen bei sich, ihrer Identität, ihrem Platz in der Welt. Sie war Schriftstellerin und musste diesem Ruf folgen, mehr als dem der „Liebe“, die neben dem Pakt, ihrer Position und ihren Aufgaben nicht standhalten konnte.

Doch war sie am Ende ihres Lebens nicht ganz zufrieden mit dem, was sie erduldet hatte und was sie den jeweils Dritten zugefügt hatten. So ist der Pakt ein unglaublich mutiger und revolutionärer Versuch einer anderen Zeit und ich frage mich, auf welche Weise er optimiert werden müsste, nein, streichen Sie optimiert, nein, eher, wie es gehen könnte, so etwas, ich weiß noch nicht, aber es muß anders gehen, irgendwann, mal sehen… ich denk nochmal drüber nach… 2 Uhr 58. ;)

Ich habe noch nicht die richtigen Worte für das, was ich für die Beiden empfinde. „Geistige Eltern“ wäre anmaßend, aber wünschenswert.

„Control“ entließ mich mit weit aufgerissenen Augen aus dem Abaton stolpernd in eine Nacht monotoner Bassläufe; unsichtbares Weinen über Verlorenes, Vergangenes und Verweilendes; Kerzenlicht, Bier und Joy Division; Denken an Jugend im Plattenbau, entfliehen aus Enge, Dummheit, Langeweile; der Wunsch, die Welt in schwarz-weiß zu sehen und London der späten 70er; unrettbar Sam Riley verfallen, für seine Art, Ian Curtis zu sein, sich zu bewegen, sein Blick directly into the heart. Köstlich: Grönemeyer in einer Nebenrolle. Der Film ist grandios!

Confusion in her eyes
That says it all
She’s lost control 

So war es, nichts konnte standhalten gegenüber diesem Pakt, es ist ohnehin die Zeit, in der sich diese Erkenntnis durchsetzt, Jeordie ist wieder Twiggy und zurück bei Manson. Interessant ist, wie auch Manson die Zeichen am Wegesrand deutet: der Moment, in dem Page und Plant sich in der 02-Arena bei „Stairway To Heaven“ einen Blick zuwarfen, war offenbar der trigger-Moment für MM, in dem er wußte, es muß so sein. – Ob es so sein mußte, ist eine andere Frage.

Nach Ihrem Taumeln durch eine Nacht monotoner Bassläufe bin ich noch gespannter auf „Control“.

„The turning point for me was when I went to see Led Zeppelin’s reunion show, and I saw Jimmy Page and Robert Plant look at each other for a moment, and they probably said, ‚Holy shit, we wrote ‚Stairway To Heaven‘.“ – Marilyn Manson

Just back from Control.

Manager nach Ians epileptischem Anfall auf der Bühne: „Could be worse. You could be singer of The Fall“. :)

Es scheint, als sei seit Control alles ein wenig verändert. In keinem anderen Film wurde mir vorher so deutlich, dass meine Haltung dem Leben und der Gesellschaft gegenüber unter anderem, aber vor allem auch diesen Wurzeln und dieser Musik, dieser Zeit entsprungen ist. Control kam im rechten Moment, um mich durcheinander zu wirbeln. Ihrem kurzen Satz vom 22. entnahm ich eine bei Ihnen offensichtlich ähnliche Erreichbarkeit? Das Wetter tut seinen Teil dazu, wie oft wurden Sie durchs Wasser gezogen in den letzten Tagen? Keine Winkzeit.:)

„Der Schatten des Windes“ beeindruckte mich mit geradezu genialer Technik, brillanten und humoresken Einfällen und einer großartigen Figur: die des Fermín. Wer wollte nicht so einen guten und gewitzten Freund an seiner Seite? Gewisse Teile der Handlung störten mich allerdings. Die Geschwister-Lösung schien mir unmöglich und allzu feenhafte Frauenfiguren irritieren mich immer. Ich weiß nicht mehr, wo ich es kürzlich las, aber Frauen haben sich keine solchen idealisierten Ikonenbilder von Männern geschaffen und jeder Versuch, dies nachzuholen, scheitert an der nicht vorhandenen Basis einer solchen Kultur, auf der eine männliche Sichtweise der Frau beruht. Sonst aber ein sehr spannendes Werk, das mich natürlich nicht losließ. Erinnerte mich auch ein wenig an Pascal Merciers Nachtzug nach Lissabon, den zu besteigen ich Ihnen auch unbedingt empfehle. 

Seit ich, mit 5 oder so, Michel Polnareff „Meine Puppe sagt non“ im TV singen sah, die Melodie mich in Wehmut stürzte und ich über sprechende Puppen nachdachte, besteht meine „Erreichbarkeit“ durch Musik, die immer mehr ist als nur Musik, wahrscheinlich im permanenten Durcheinandergewirbeltwerden, ein ständiger Veitstanz, den ich nur verdecke. Ich wäre nicht ich ohne Musik. Übrigens wäre auch „Aljoscha der Idiot“ nicht „Aljoscha der Idiot“ ohne Musik. Damit meine ich jetzt nicht den „griechischen Chor“. – „Control“ ging aus bestimmten Gründen fast zu sehr unter die Haut, und um dazu den Abstand zu wahren, schreibe ich Ihnen lieber, was ich im SpOn hinterließ. Gleich.

Fermin möchte man stundenlang zuhören. Ein sehr bewegender Geist der Solidarität weht durch die ganze Geschichte, von der Art, wie Daniels Vater seinen Sohn anblickt, ahnend, in welchen Bredouillen er sich herumtreibt, doch vertrauend darauf, daß sein Sohn das Richtige tun wird; über die Art, wie Nurias Vater die Tür zu der verborgenen Bibliothek öffnet, dabei zu Fermin sagt: Sie wissen wohl, daß Ihr junger Freund hier ein Verrückter ist, und dabei nichts Zärtlicheres über Daniel hätte sagen können; bis zu der Art, wie Fermin dem Alten im Asylum eine Blondine verspricht. Wie Miquel heimlich die Druckkosten bezahlt etc.

Man wünscht sich hinein in die Geschichte und, Sie sagen es, direkt an die Seite Fermins. Daniels ironischer Tonfall schien mir am Anfang etwas zu cool für sein Alter, geradezu hard-boiled, aber er wird im Lauf der Dinge derart weichgekocht, daß es sich sozusagen ausgleicht; die Geschichte hat die Macht, daß einen alles möglicherweise etwas Fragwürdige (aus den bei den systematischen Nachforschungen von Daniel und Fermin zögernd bis widerstrebend vorgetragenen Erinnerungen werden seitenlange, etwas unglaubwürdig detaillierte Nebenerzählungen) nicht die Bohne interessiert. Aber das Wichtigste ist ohnehin: der geheime Plan hinter allem. Das Buch wählt Daniel. „Niemand hatte es bemerkt, aber wie immer war das Maßgebliche bereits entschieden, bevor die Geschichte auch nur begonnen hatte.“ Kurz, bevor man mir Zafón in die Hand gab, begann ich eine Geschichte mit: „Tatsächlich ist der Augenblick, in dem eine Geschichte ihren Lauf zu nehmen scheint, nur wie das Auftauchen der Seeschlange, die schon seit Äonen durch die Ozeane gleitet.“

Auf mich regnet es sowieso aus einer mitschwebenden Privatwolke, darum ist mein Zug durchs Wasser nicht weiter der Rede wert. Erneut muß ich Ihnen aber, aufgrund Ihrer Überlegungen zu idealisierten Ikonenbildern, ganz dringend Camille Paglia empfehlen. Wie mein Freund Jörg Vollmer (10) über den Brockhaus sagte: „Da steht alles drin von der Welt.“ In den Nachtzug nach Lissabon werde ich mich vermutlich dann auch wünschen.

Now.

Wenn man Curtis auf „Isolation“ hört, das Album dann mit „Heart And Soul“ in Geisterhaftigkeit abdriftet, der ewige Kampf dieses 23jährigen schließlich in der bleakness von „The Eternal“ und „Decades“ endet, wenn man versucht, sich die „Stroszek“ / Iggy Pop „The Idiot“-Nacht vorzustellen: noch immer gibt es in der Musik wenig, was so unter die Haut geht wie „Closer“, zwei Monate vor dem Suizid aufgenommen, posthum veröffentlicht.

Corbijn hätte viel falsch machen können, aber er hat alles richtig gemacht, angefangen mit der Besetzung. Sam Riley ist großartig.

Die beiden unberührbaren Monolithen „Love Will Tear Us Apart“ und „Atmosphere“ verbleiben im Original, aber wie Riley „Dead Souls“ singt, verursacht Gänsehaut. Auf der Bühne ist er wie eine bewegte Montage aus allen Bildern, die man je von Ian Curtis sah. Das Haus in der Barton Street. Es hatte immer etwas Seltsames, daß gleich zwei der Originalmusen, die Muse der rätselhaftesten Schönheit von Songlyrics und die Muse der unausweichlichen Tragödie, in diesem Macclesfield Lower Middle Class-Bau hausten, in diesem Schauplatz der verzweifelten Sehnsucht einer jungen Frau nach dem kleinen Glück mit den schrecklichen Gardinen und der schrecklichen Vase auf der schrecklichen Kommode, und doch war es aufgehoben in der Unmöglichkeit, ein Joy Division-Stück zu beschreiben: Schauplatz der Nichtkommunizierbarkeit. Eine der bewegendsten Szenen: wie Riley / Curtis nur schweigend den Kopf senken kann vor Debbies Tränen: „Who’s Annik? Hey? How long have you been seeing her? Answer me, Ian! Don’t ignore me! I don’t deserve this… I don’t deserve this…“. Nur in der Einsamkeit der Kunst war die Antwort möglich: „Atmosphere“.

Corbijn war behutsam genug: Annäherung gelungen, das Enigma bleibt.

Na na, your own personal cloud, hm? Da ich über die staatliche Erlaubnis zur Führung der Bezeichnung Krankenschwester verfüge, verordne ich als solche Schopenhauer in hohen Dosen. Es gilt: viel hilft viel! „Für die Menge habe ich nicht geschrieben… Ich übergebe also mein Werk den einzelnen denkenden Wesen, welche als seltene Ausnahmen im Laufe der Zeit erscheinen werden und denen zu Muthe seyn wird, wie mir war, oder wie dem Schiffbrüchigen auf der unbewohnten Insel ist, dem die Spur eines früher dagewesenen Leidensgenossen viel mehr Trost giebt, als alle Kakaduen und Affen auf den Bäumen…“

Ian / Sam in seinem Zimmer mit der neuen Bowie-Platte und später, als Debbie das erste Mal in sein Leben tritt und er sagt: If you dont smoke you can’t be in my gang, Debbies I don’t want to be in your gang und Ians Me too – Control lässt diejenigen, die erreichbar sind, sprachlos zurück, ich sehe und höre es. Und wenn man die Sprache wieder findet, gibt es eigentlich niemanden, der aushalten könnte, was es zu sagen gäbe. Schon gar nicht die, denen der Film entging, obwohl sie ihn sahen. (Imaginieren Sie an dieser Stelle einen genervten Blick und schreiben Sie diesen meiner eigenen schopenschaurigen Stimmung zu.)

Andere wiederum sehen den Film gar nicht erst, aus Angst, er könnte sie zu sehr berühren, was ich wenigstens als Zeichen von Konsequenz werten kann. Zu Ihrer und Aljoschas Erreichbarkeit, erinnern Sie sich vielleicht noch daran, dass ich einmal sagte, Sie müssten die CDs eigentlich mitliefern. :) Wußten Sie, das Grönemeyer Corbijn zu dem Film überredete?

Mit 5 (oder 7) hörte ich Mireille Mathieus „Hinter den Kulissen von Paris“ hingebungsvoll und hoffte, das Leben würde eines Tages so interessant, wie sie versprach.

In Zafons Roman liegt Spanien von hier aus gesehen genau hinter diesen Kulissen. Ja, der bemerkenswerte Zusammenhalt und die Geschichte, die sich nicht nur entwickelt, sondern auch entspinnt. Und welchen Schmerz die Figuren bereit sind auf sich zu nehmen. Carax, aber auch Nuria und Miguel. (Sie schreiben es: man wünscht sich in die Geschichte. Dies schrieb ich eigentlich über Control, aber ich strich es wieder, warum auch immer.) Ob Solidarität eine spanische Kultureigenschaft ist? Undeutsch jedenfalls. (Schopenhauers Schimpfen über deutsche Dummheit belustigte mich auf befreiende Weise, außerdem seine Meinung über Hegel, aber das ist ein anderes Thema.) Im Nachtzug klingt ein gewisser Zusammenhalt auch an, vielleicht eher portugiesisch verhalten.

Lorànt Deutsch und Anna Mouglalis in "Les amants du flore".