Fürchte, auch hier, etwas westlich von Ihnen, steigt jetzt die Temperatur, der Fieberkopf in spe übte schon mal wilde Träume, die in einem mindestens 10 Kafkakilometer großen Gebäude spielten, jeder Raum wie aus Meyrink-Golem-Prag-Architektur überführt, undurchdringliche Winkel und alles voller dunkler Geheimnisse.
Darf ich annehmen, dass Sie einen angenehmen Abend mit den Gallaghers verlebten?
Fast möchte man Manchester City-Fan werden. Wenn gewöhnlich übellaunige bad boy-Attitüde & Troublemaker-Arroganz sich sowas abringt wie „Best fucking crowd in Germany!“, fängt man plötzlich an, sich daran zu erinnern, daß wir ja Beatlesstadt sind. Am Anfang von „I’m Outta Time“ machte Liam eine Geste zu jemandem ganz vorne und nölte „I’m standing up here„, aber dann hat er sich mitten im Song diesen Zettel aus dem Publikum geschnappt und vermutlich „Love, Liam“ draufgeschrieben. Später ging er nochmal mit zwei Zetteln zu einem der Speaker, schrieb was Längeres drauf und gab sie ins Publikum zurück. DER Liam. Unfaßbar. Alles in allem one inferno of bliss. Und wenn ein Konzert so anfängt wie gestern mit Fuckin‘ In The Bushes, verstehe ich die Anfälle kreischender 60s-Girls.
Und nachdem du als erstes verstehst, daß Liams Stimme dir eine Art souveräne Verachtung schenken will für all das, was dich in die Knie zwingen will, nähert man sich langsam der unfaßbaren schieren Brillanz von Oasis-Songs. Und dann kommt der Punkt, wo du verstehst, daß sie „Dig Out Your Soul“ auch umkehren, diese Songs, deine Seele gräbt langsam ihre Schönheit aus, und mit der gehst du dann zu der mystischen Tür, und du öffnest sie, und das erste, was du siehst, ist ein psychedelisches Schlamassel, aber nein, da ist ein Muster, und es sagt dir, there is always some kind of out there. Keep the dream alive, sagen sie. Es wird immer unbegreiflicher, wo diese Teufelsbraten das hernehmen.
Da die Saturndamen gerade ihre Sternstunden feiern, bitte wünschen Sie Prinzessin II nachträglich oder rechtzeitig All Good Things.
Oh, und Liams Jacke gefiel mir. :)
Das war unser Platz da, auf der Noel-Seite.
Liam hat während des Konzerts Briefe geschrieben? Unfasslich. Haben Sie Liam Ihre Jacke geliehen? :) Ja, die Sternstunden fanden statt und dass mir keine Klagen mehr kommen, der Geburtstag sei zu dicht an Weihnachten, feiern wir in Berlin, wenn Herr Urlaub im Sommer die Wuhlheide rockt noch einmal.
Was ist es nur mit Oasis, ich weiß es trotz all Ihrer eigentlich mitreißenden Beschreibungen nicht. Aber so ist es eben, entweder du findest die Tür oder nicht.
Wer uns kriegt, kriegt uns ganz. Auch die Versöhnungen sind groß, Joe Strummer wurde hier ja als Clash-bei-CBS-Verräter von Hardcorepunks von der Bühne gezerrt, und als er dann mit den Mescaleros wiederkam, kurz vor seinem Tod, hatte er ein paar Tränen der Rührung wegzuwischen, soviel Verehrung und Zuneigung haute dann auch den Mann um, der hoffentlich, bevor er ging, noch verstand, daß er unser aller großer Bruder war.
Oasis bei „Wetten dass“. Steht also mal wieder Fremdschämen de luxe auf dem Zettel.
Welch zungenloser Geist der Sünde kroch herein durch meine Vorhänge? Vielleicht ist es das. Ich träume derzeit nur noch Träume, die ich keinem erzählen kann.
„Hier können wir nicht anhalten! Das ist Fledermausland!“
Solche Träume haben mich auch befallen – unerwartet und ganz neu. Hm. Meine Diplomarbeit handelt von Sekundärtraumatisierung. Wär mal interessant, Musiker nach Fernsehsendungen darauf zu testen.
Sah kürzlich den Clip von Oasis bei Raab, aber das schweige ich lieber tot.
Tot ist nun leider auch Lux Interior. Sad, sad, sad. Denke, er und Ivy haben nichts versäumt im Leben, aber irgendwie… die waren immer da, seit Anbeginn der Zeit, und langsam werden die Tode himmelschreiend. Praise the Lord, daß wir die Cramps 2 x live sehen durften. Es tut weh, wenn so eine Schlüsselfigur, so ein bedeutender Faktor in deinem Leben plötzlich nicht mehr da ist. In einem obskuren Recordshop in Kopenhagen haben B & me mal die erste Single der Cramps gefunden. Viele obskure Singles konnte man auf der Welt nicht mehr finden, weil Lux & Ivy sie alle hatten.
„Life is God, and God is blind“, sagte mal ein Liebhaber der 2 Tage von Ihnen entfernten Anna Achmatowa. Deren Biographie ich gerade lese. Frau auf Hohem Pferd sagt Ich + Du, lebt Wir unvorhersehbar ausgewählt. Das ist, nach allem, vielleicht auch verständlich.
Ich sah Sie heute, aber erst im letzten Moment, es war, als fügten Sie und Frau G. sich so perfekt ins Brunnengemälde, dass ich Sie zunächst nicht als lebend identifizierte. Erst als ich schon fast auf Höhe der BS 1 zurückblickte, bemerkte ich Ihr gelbes Halstuch und Sie. Sachen gibts.
Nun ja, genaugenommen sprach Frau G. auch gerade vom Tod und ist jetzt in S., mourning. Heute hingegen mit Frau I. und Frau A. in der Toreinfahrt die psychodramatischen Laboratorien, in denen wir alle stecken, in verzweifeltes Hinweglachen überführt. Just a temporary thing. Später sagte eine Bewohnerin der BS 2 ob des erneuten rein klimatischen Desasters zu mir: „Du Armer“. Ich sagte: „Ein Mann allein im Kampf gegen die Elemente.“ – Sie sagte: „Du müßtest ihn nur mal für uns gewinnen, den Kampf gegen die Elemente.“ – Die Frau hatte einen Punkt. Aber wer ist schon The Perfect Boy.
And the way the rain comes down hard, that’s how I feel inside. Kampf gegen die Elemente ist ein Punkt, ja. Möglicherweise morgen in snow white. Zeit für den Auftritt des Wintermantels. Eine ausgeprägte dissoziative Konversionsstörung bezgl. der Welt insbesondere des Wetters hält meine Wahrnehmung in Verwunderung. Schon wieder Weihnachten? Glauben Sie auch, dass Menschen ein bestimmtes Emotionskontingent zur Verfügung haben? Both qualitativ und quantitativ. Irgendwann weiß man, nein, ich werde nicht wahnsinnig, sondern wahnsinnig wütend. Und das ist dann das Ende des guten Porzellans. I walked away and grew old. Scherben bringen wiederum Glück. Naja.
Nein, ich glaube das nicht, weil das fou in amour fou verrückter denn je ist und die Linie zwischen wahnsinnig und wahnsinnig wütend dünner denn je. Der Kampf gegen die Projektionen killt nicht nur Energie, sondern auch sanity, weil man sich ja immer mehr darin verwickelt, die Projektionen zu übernehmen. – Und wenn man erklärt, von alldem die Nase langsam mal voll zu haben, schaufelt man sich erst recht sein eigenes Grab.
Darum war ja „Burn After Reading“ mehr als nur lustig, dieses zielsichere Aneinandervorbei der Bedeutungen, diese Mißinterpretationskunst! Kapitalkräftiger Idiot sein wäre gut. Aber darauf hinarbeiten – gelingt immer nur die eine Hälfte betreffend. – Ich lese gerade Anna Achmatowa auf Englisch. „I’m not yet cured of happiness“. Huch, Weihnachten. Ich wünsche mir komplett erliegenden Straßenverkehr und Trottoirs wie Bobbahnen. Gab’s wohl zuletzt, als The Cure mal anfingen.
Sie meinen so etwas wie self fulfilling prophecy? Man denkt den anderen so lange projektiv, bis er sich vollkommen in Gegendarstellungsversuchen verstrickt, dass nichts mehr so ist wie es ist? Damn it, ich glaub ich weiß, wovon Sie reden. Just your part in the play for today. Ich frage mich immer öfter: wofür bestrafen wir alle uns so ausführlich und zielsicher immer wieder? Trust ist das Stichwort. Vertrauen – trauen – sich trauen. Your part – her part – in this.
Ich liebe Freakshows, aber manchmal wird es auch mir zuviel. Manchmal werde ich mir zuviel. Vorgestern in diesen Song gefallen:
So tender, so beautiful and comforting. Und man fragt sich: Paul Smith in der Rolle des Aljoscha T. the beloved i.? Woher wissen die? Ein schöner Weihnachtswunsch. Ich wünsche noch eine sternenklare Nacht, und ein schwarzsamtenes Kleid dazu.
Oh, phantastisches Video, hätte mich fast auf meinem schon 3mal restaurierten Stuhl zusammenbrechen lassen. Merci bien! – Ja, so ähnlich, es geht um diese Phasen, in denen man, Sie erinnern sich, ein Angeblicher wird, errichtet aus Worten, und diesen Angeblichen treffen Affekte und Aufgeregtheiten, während er selbst gar nicht weiß, warum er da stehen soll, wo er angeblich steht. You know? Bis man dem Schöpfer der Fiktion zurufen möchte: du kämpfst vor allem gegen dich selbst. Aber wenn beim nächsten Mal die Metrokönigin im ureigenen Metropolis so tut, als hätte die Seeschlacht letztes Mal gar nicht stattgefunden, lasse ich das Logbuch auch stecken, nur so kommt man wieder in Fahrwasser. Besitzen Sie womöglich die Maximo Park-CD? Ein Klon davon unterm Tannebaum wäre tender, beautiful and comforting, ich legte Ihnen dafür die philosophisch werdenden Seelenausgräber aus Manchester ans Herz und unter selbigen.
„Sie riefen sich, aber sie konnten sich nicht hören“? So ähnlich. „Logbuch erstmal zur Seite“ klingt nach einer Strategie.
So ging es mir bei den ersten 50mal Video gucken, bin jedesmal fast zusammengebrochen. Eigentlich immernoch, wenn Paul Smith in Aktion tritt. Der Name allein ist schon großartig.
Selbstverständlich bin ich nach dem erst heute erfolgten Besuch beim Planeten der Ringe im Besitz von „Our Earthly Pleasures“. Also, abgemacht, dann schlage ich eine kurz-vor-weihnachtliche Übergabe am Brunnen vor.
Ach, Sie! Genau das hatte ich befürchtet, ja Ihnen liebevoll zugetraut – gleich los am Montag für den Sturz in Unkosten. So nicht! Na gut, so doch. Brunnen ist fein, schließlich unser Platz, und wir müssen noch herausfinden, welches Lied es ist, wenn sie unser Lied spielen.
Naja es ist… Strategie ohne Strategie. Eher so, daß, wenn der kalte Saturn first warmth then heat verströmt, man fühlt, nothing else matters. Wußten Sie, daß es ein Spiel namens „Stratego“ gibt, bei dem man mit einem Heer, dessen verschiedene Ränge dem Gegenüber verdeckt sind, die Fahne des Kontrahenten erobern muß? Man kann auch Bomben placieren, in der Hoffnung, den Feldmarschall zur Explosion zu bringen. Und es gibt einen Spion. SIE wußte immer nichts mit ihrem Spion anzufangen, das war auffällig. Dafür standen die Bomben immer wie ein Saturnring. – Hier in return schon mal ein Rundumschlag. Ich weiß nicht warum plötzlich, aber die haben Songs, die ich als fliegenden Teppich verwende.
Wäre nicht etwas Unvorhergesehenes dazwischen gekommen – der Einkauf war schon für Samstagnachmittag geplant. Sie kennen meine Emotionalität, wenn mich etwas so ins Herz trifft, habe ich keine Ruhe mehr. Hab mir noch einen Union Jack Button mitgenommen heute, musste einfach sein. Ja, das müssen wir noch herausfinden – unser Lied, am Brunnen.
Oh ich kenne Stratego, eines der wenigen Spiele, die ich früher mit meinem Bruder spielte (und seine 6 Jahre älter nützten ihm sehr bald nichts mehr). Als ich es kürzlich mal auf einem Flohmarkt entdeckte und in glücklicher Kindheitserinnerungsstimmung mitnahm, fiel mir erst auf, dass es „Krieg spielen“ ist. Trotzdem wirkt es so unschuldig wie der brave Soldat Schwejk. Der Major (oder war es der Feldmarschall?) war immer mein Favorit, mächtig und wichtig, während der Oberst immer viel freundlicher aussah. Sie meinen, IHRE Strategie änderte sich nicht und SIE verwendete den Spion nicht seinen Aufgaben entsprechend? Merkwürdig. Aber auch passend. Diese Härte auch gegen sich selbst zu wenden. Ich mache ja auch meine Erfahrungen mit kalten Saturnanwandlungen, Herz aus Stein, denkt man und dann – plötzlich schlägt alles um in unschlagbaren Humor und endet in großartigem Gelächter. Ja und dann weiß man wieder, dass man sich diesen Menschen doch nicht anders wünscht. Aber ich habe das Glück, dass mein kleiner Planet bisher noch zu mir aufsieht, beeinflussbar ist. Das wird nicht immer so sein.
Ach ja, und natürlich mag ich Oasis schon seit Morning Glory, auch wenn ich damals Blur noch lieber mochte. Mit Oasis kann man durchaus fliegen, ja. Nochmal zu Maximo Park: Im „Our Earthly Pleasures“-Booklet: „…she felt that she had learned something, though exactly what it was she did not know. Later she remembered all the hours of the afternoon as happy – one of those uneventful times that seem at the moment only a link between past and future pleasure, but turn out to have been the pleasure itself.“ (F. Scott Fitzgerald, „Tender is the Night“).
„But turn out to have been the pleasure itself“, großartig, genau so findet man später die Schönheit scheinbar unspektakulärer Stunden. Saturndame und ich standen in Paris mal vor dem Haus, das Scott und Zelda in Paris 1928 bewohnten, phantastischer Blick auf den Jardin du Luxembourg.
Strange, daß Sie auch gerade „Stratego“ wiederentdeckten. Die kamen alle aus „Ungeduld des Herzens“, besonders der Leutnant. – Ich hab mal ein Monopoly gefertigt, mit alten Geldscheinen und Versailles und Louvre statt Parkstrasse und Schloßallee etc. Quer durch Europa. Man kann den Dogenpalast kaufen oder Fontainebleau, den Palazzo Vecchio oder Compton Anstey („Der Kontrakt des Zeichners“). Ereigniskarten wie: „Macht eine Pilgerfahrt nach Rom. Wenn Ihr die Mailänder Börse passiert, löst einen Wechsel über 4000 Gulden ein“ oder Gesellschaftskarten wie „Der unglückliche Verlauf eines Würfelspiels erleichtert Euch um 2000 Gulden“ oder „Eure jüngste Tochter nimmt den Schleier. Zahlt an das Kloster eine Mitgift in Höhe von 3000 Gulden“. That’s life with a Saturn girl. Schön haben Sie das beschrieben, und perfekt. Wenn die Anarchie unter der Unnahbarkeit ausbricht und sich für was (wen) entscheidet, gibt es kein Halten mehr.