29. August 2020
„Es ist günstig, nach Hildesheim zu fahren“, sagte einmal einer meiner Lehrer an der Universität, Wolfgang Beßner, Experte für Philosophie des Mittelalters. Im Corona-Sommer 2020 wird uns diese Gunst zum dritten Mal zuteil. Die Gründung des Bistums Hildesheim erfolgte Anfang des 9. Jahrhunderts, wohl 815, durch Kaiser Ludwig den Frommen, Sohn Karls des Großen. Der Legende nach hatte Ludwig bei der Jagd ein kostbares Reliquiar, einen silbernen Behälter mit einem Stück vom Gewand der Maria, in einem Rosenstock verloren; als man das Reliquiar wiederfand, ließ es sich nicht mehr entfernen. Der Kaiser sah ein „göttliches Zeichen“ und ließ an Ort und Stelle zu Ehren der Maria eine Kapelle bauen, ebendort, wo sich heute der Tausendjährige Rosenstock befindet. Der erste Hildesheimer Bischof Gunthar (815 – 834) ließ eine kleine, der heiligen Cäcilia geweihte Kirche anschließen, Bischof Altfrid (851 – 875) errichtete die erste große Domkirche.
Gelber Stern, menschenleer. Das Fachwerkhaus, in dem das Neisser Heimatmuseum untergebracht ist, das sogenannte Waffenschmiedehaus, stammt aus dem Jahre 1548.

Die Basilika St. Godehard. Die zwischen 1131 und 1172 erbaute ehemalige Abteikirche der Benediktinerabtei St. Godehard hat keinerlei spätere Umbauten erfahren, blieb im Zweiten Weltkrieg fast unversehrt und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland.
Godehard, ein Benediktiner, war von 1022 bis 1038 Bischof von Hildesheim und wurde 1131 heiliggesprochen. Auf Veranlassung von Bischof Bernhard I. wurde noch im selben Jahr mit dem Bau von Kirche und Kloster zu Ehren Godehards begonnen.


Das Wernersche Haus, anno 1606, benannt nach seinem Erbauer, dem bischöflichen Sekretär Philip Werner.



Neue Straße

St. Annenkapelle.
Die Annenkapelle in der Mitte des romanischen Domkreuzgangs wurde 1321 errichtet. Der Kreuzgang, dessen Vorgängerbauten bis in die Zeit Bischof Gunthars zurückreichen, wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts fertiggestellt. Im Süden grenzte er an die von Bischof Udo um 1100 gebaute Laurentiuskapelle, eine dreischiffige niedrige Hallenkirche mit Kreuzgratgewölben, in denen jetzt die Anbetungskapelle eingerichtet ist. 1321 ließ Bischof Otto II. (1319–1331) auf dem Annenfriedhof im Kreuzgang eine kleine, der heiligen Anna geweihte Kapelle erbauen, ursprünglich als Gedenkraum für verstorbene Mitglieder des Domkapitels. Dieses ist der erste gotische Bau in Hildesheim.







Der Tausendjährige Rosenstock. Die viele Jahrhunderte alte Rose an der Apsis des Doms überstand sogar die Zerstörung des Bauwerks im Zweiten Weltkrieg.

Domkreuzgang



Die Bernwardstür im Westportal des Doms zu Hildesheim gilt als älteste figürlich geschmückte Bronzetür des Mittelalters. Die 16 Felder zeigen Szenen aus dem Alten Testament auf der linken Tür und dem Neuen Testament auf der rechten Tür, „ein Evangelium in Gebärden“ (Wolfgang Beßner).
Die Tür erhielt ihren Namen nach ihrem Auftraggeber, Bischof Bernward von Hildesheim (* um 950/960 – 1022) und gilt als eines der Hauptwerke der ottonischen Kunst. Laut einer lateinischen Inschrift auf dem mittleren Querrahmen wurden die Türflügel im Jahre 1015 eingehängt. Die Türflügel wurden jeweils aus einem Stück gegossen, eine erstaunliche handwerkliche Leistung. Die Gussform beim Wachsausschmelzverfahren kann nur einmal verwendet werden.

Bernward stammte aus hohem sächsischen Adel und wurde am 15. Januar 993 zum Bischof geweiht. Thietmar von Merseburg nennt Bernward „Magister regis“, den Lehrer des Königs; über mehrere Jahre war er der Erzieher Ottos III. und genoß das Vertrauen des jungen Königs auch später noch in besonderem Maße. Bernward ist eine der bedeutendsten Gestalten des Zeitalters der Ottonen; er leistete Herausragendes auf dem Gebiet der Kunst, und er war einer der mächtigen Reichsbischöfe, auf die die ottonischen Kaiser ihre Herrschaft stützen konnten.

Bischof Bernward, schon zu Lebzeiten ein berühmter Mann, reiste mit Kaiser Otto III. kreuz und quer durch Europa, kannte also die wichtigsten Sakralbauten aus eigener Anschauung. Zudem besaß er gute Kenntnisse verschiedener Handwerkstechniken und hatte entschieden künstlerischen Gestaltungssinn.

Dom, Heziloleuchter, Ende 11. Jhdt., einer der vier noch erhaltenen romanischen Radleuchter in Deutschland, mit über 6 Metern Durchmesser der größte. Hezilo war Bischof von Hildesheim von 1054 bis 1079.

Dommuseum: Große Goldene Madonna. Vermutlich eine Stiftung Bernwards. Die Köpfe der Maria und des Christuskindes sind Werk des Südtiroler Künstlers Walter Moroder.

Löwenaquamanile, Hildesheim, um 1220/30. Aquamanilien sind Gefäße für die Handwaschung im liturgischen oder höfischen Kontext. Sie bildeten die ersten Hohlgüsse aus Bronze im mittelalterlichen Europa. Das von Heinrich dem Löwen um 1166 in Auftrag gegebene Löwenstandbild auf dem Braunschweiger Burgplatz diente als Vorbild.

Pontifikalschuhe. Es gilt als gesichert, daß die Schuhe von Bischof Bernhard I. (reg. 1130 – 1153) getragen wurden, dem Gründer des Benediktinerklosters St. Godehard in Hildesheim. Noch im 18. Jahrhundert wurden sie in der Klosterkirche an seinem Todestag über dem Grab aufgestellt, zusammen mit einer Handschrift, die seine Lebensgeschichte enthält.

Büstenreliquiar des heiligen Cantius, 1511. Der frühchristliche Märtyrer Cantius gehört seit dem 11. Jahrhundert zu den Patronen des Hildesheimer Doms.

Der ehemalige Lettner des Doms. Der aus Bamberger Sandstein gefertigte Renaissance-Lettner war im Dom unterhalb des westlichen Vierungsbogens aufgestellt, gestiftet durch den Domherrn Arnold Freitag (ab 1492 belegt, gestorben 1546). Der inschriftlich auf das Jahr 1556 datierte Lettner wird dem Münsteraner Bildhauer Johann Brabender (gest. 1561) zugeschrieben.

Der Dom zu Hildesheim ist eine der ältesten Bischofskirchen in Deutschland. Nach Gründung der Diözese Hildesheim um 815 entstand zunächst eine Marienkapelle im Bereich der heutigen Apsis. Fundamente der Marienkapelle wurden bei Ausgrabungen während der Domsanierung ab 2010 gefunden. Unter Bischof Altfrid wurde der Hildesheimer Mariendom ab 852 bis 872 als dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundrisse mit einem zweistufigen Westbau errichtet. Bis zum 14. Jahrhundert gab es tiefgreifende Bauveränderungen, ohne daß jedoch vom Grundriss der Basilika von Bischof Altfrid abgewichen wurde. Die Seitenkapellen an der Nord- und Südseite stammen aus gotischer Zeit, der Vierungsturm entstand in der Barockzeit, von 1840 bis 1850 ersetzte man den baufällig gewordenen originalen Westbau durch eine neuromanische Doppelturmfront, die bis 1945 bestand.


St. Michaelis ist eine ursprünglich ottonische / vorromanische Kirche, bis zur Reformation die Abteikirche der Benediktinerabtei St. Michaelis. Bischof Bernward ließ nach seinem Amtsantritt im Jahre 993 auf dem Hügel nördlich der Domburg eine Kapelle errichten, die er am 10. September 996 dem heiligen Kreuz weihte: Splitter des Kreuzes hatte er von Otto III. als Geschenk erhalten. Der Innenraum der Kirche wurde bis ins Detail von Bernward geplant. Bernward bestimmte die Westkrypta dieser Kirche zu seiner Grablege und gab der Anlage den Namen des „Totengeleiters“ Michael. Die Krypta wurde am Michaelistag (29. September) 1015 von ihm geweiht. Bernward verstarb am 20. November 1022, wenige Tage, nachdem er in St. Michael das Mönchsgewand genommen hatte, und wurde in der Krypta bestattet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Michaeliskirche durch Luftangriffe schwer beschädigt; die mittelalterliche, kunstvoll bemalte Holzdecke wurde 1943 ausgebaut und an verschiedenen Orten eingelagert. Ab 1947 wurde die Kirche auf den vorromanischen Resten nach den ursprünglichen Plänen wiederaufgebaut, der Wiedereinbau der Holzdecke geschah 1960, alle Teile der Malerei wurden zuvor sorgfältig gereinigt und restauriert.

Steinblock eines Treppenturms mit der Jahreszahl 1010, der als einer von 12 Grundsteinen für die Abteikirche angesehen wird.

Bernwards Sarkophag in der Krypta von St. Michaelis, von ihm selbst entworfen. Der Sarkophag ist allerdings leer: bis auf Bernwards Haupt und den rechten Arm, die im Dom verblieben, wurden seine sterblichen Überreste 1803 in die Hildesheimer Magdalenenkirche überführt.


Die bemalte Holzdecke im Langhaus entstand um 1230. Neben den Deckengemälden in St. Martin Zillis (Schweiz) und in Dädesjö (Schweden) ist diese Deckenmalerei das einzige monumentale Tafelgemälde des hohen Mittelalters, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist. Das Deckengemälde misst 27,6 x 8,7 Meter und besteht aus 1300 Eichenbohlen. Die Malerei besteht aus 8 Hauptfeldern, abgebildet ist der sogenannte Jessebaum, der die Abstammung Jesu darstellt. Das erste Hauptfeld zeigt den Sündenfall im Paradies; in dieser für den Jessebaum ungewöhnlichen Darstellung stehen Adam und Eva neben dem Baum der Erkenntnis, in der Krone des daneben stehenden Baumes ist Christus zu erkennen.

Das siebente Hauptfeld zeigt Maria, umgeben von den vier Kardinaltugenden. Ihre Handhaltung erinnert an die der Eva im ersten Hauptbild: dies unterstreicht ihre Bedeutung als neue Eva. Das achte Hauptfeld wurde 1650 bei einem Einsturz des östlichen Vierungsturms zerstört. Seit dem Wiedereinbau der Holzdecke 1960 wurde es durch ein Bild Christi als Weltenrichter auf dem Thron ersetzt, das nach einer Vorlage aus dem 19. Jahrhundert entstand.

Der Gedenkstein des Bischofs Bernward in der Michaeliskirche mit einer lateinischen Inschrift. Er wird in das 2. Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts datiert. Die Inschrift, durch Kriegseinwirkungen stellenweise beschädigt, aber zuverlässig dokumentiert, lautet:
† VENITE CONCI
VES NOSTRI
DEVM ADORA
TE VESTRIQ;
PRAESVLIS
BERNWARDI
MEMENTOTE
„Kommt, unsere Mitbürger, betet Gott an, und eures Vorstehers Bernward gedenkt!“
Vermutlich hat Bernward selbst den Text verfaßt und an oder in der Kirche anbringen lassen.




Knochenhauer Amtshaus


Auf dem historischen Marktplatz

