

Christian Erdmann / Aljoscha der Idiot:
Psychotest: liebste Femme Fatale in einem Film Noir? Bei mir wäre das Jane Greer als Kathie Moffat in „Out Of The Past“ von Jacques Tourneur, mit Robert Mitchum.
Gwynplaine:
Ähh… ich hätte das jetzt auch geraten, bei Deinem Faible für Tourneurs Werk ;-) Den Film habe ich erst kürzlich bei arte wieder gesehen, und der ist natürlich klasse, obwohl ich mit Kirk Douglas immer ein bißchen meine Probleme habe. Aber Mitchum gleicht das wieder aus, auf der Männerseite.
Aber zum Thema: Ganz weit vorne bei mir: Barbara Stanwyck in „Double Indemnity“, denn eine Frau ohne Gewissen ist das Fatalste überhaupt, nicht wahr?
Oder Jean Simmons in „Angel Face“.
Und als Kind meiner Zeit: Faye Dunaway in „Chinatown“.
Auch Lauren Bacall sollst du lieben und ehren für alle Zeiten für „Key Largo“ und natürlich „The Big Sleep“ (obwohl da Dorothy Malone in einer kurzen Rolle als „bookworm bitch“ auch nicht von schlechten Eltern ist, und der Frauenpart, der die Männer ins „Fatale“ reitet, eigentlich bei Martha Vickers liegt).
Ganz weit oben auch „Gilda“; ich glaube Rita Hayworth litt ähnlich wie die Monroe unter ihrem Glamour-Image. Ihr Auftritt in „Gilda“ ist unschlagbar. Der Song „Put The Blame On Mame“ verdeutlicht doch das Dilemma der Männer, wenn sie den Frauen an die Angel gehen. Von wegen schwaches Geschlecht.
Also, alles Gute einstweilen! And „Keep watching the thighs!“
schnuppe:
Homme fatal ist natürlich Robert Mitchum, haha!
[SPIEGEL ONLINE Forum: Lieblingsfilme – Was ist „großes Kino“?, 08.03.2007]
09.09.2008
immerfreundlich:
… gefolgt von einem unglaublichen Peter Ustinov in „Quo Vadis“.
Christian Erdmann:
Schön, daß sich jemand zu „Quo Vadis“ bekennt, ich liebe den Film. Der stammt zwar noch aus einer Zeit, in der deutsche Synchronfassungen teilweise unantastbare, eigenständige Größe erlangten, aber durch Ihren Beitrag moralisch gestärkt erwäge ich die Anschaffung der DVD, um endlich einmal das Original zu sehen.
Lieblingssatz, trotz Phasen, in denen ich mir nur die Sequenzen mit Deborah Kerr anzusehen vornahm: „Poppäa, was murmelst du denn da!“
Vom Matinee Idol derer, deren Hirn aus Echo & The Bunnymen heraus levitierte, zum genial-wahnsinnigen Krautrock-Exegeten und -Weiterdenker, Pagan Eco Warrior und Experten für Megalithkultur, das ist ja in etwa der Weg von Julian Cope, und dessen Song „Robert Mitchum“ (erstmalig auf „Skellington“) enthält wunderbarerweise eine Referenz, die einem anderen großen Film gilt, der so gut wie nie auf der Liste der „großen Filme“ auftaucht:
Robert, Robert Mitchum
I wrote a song for you
Robert, Robert Mitchum
I love you, yes I love you, yes I really do
The part in „Ryan’s Daughter“ when you lose your wife
I’ve never seen a more dignified man in my life
„Ryan’s Daughter“ also, David Lean 1970. Der Film wurde von der Kritik nicht gut aufgenommen, vor allem hieß es, Leans cinematography erschlage die Charaktere, aber wenn man sich Zeit für den Film nimmt, sieht man schnell, daß das nicht stimmt. Für mich ist der irische Schullehrer Charles Shaughnessy eine von Mitchums besten Rollen. Immerhin wird der Film langsam als overlooked masterpiece wahrgenommen.
„You’re such a dude, you’re such a guy, you know you’re so half asleep“ (Cope).
20.09.2008
Christian Erdmann:
„The Night of the Hunter“, der weiter oben erwähnte „Ryan’s Daughter“, das wären zwei meiner Lieblingsfilme mit Mitchum. Absolut phantastisch ist er aber auch, Jane Greer verfallen, in „Out Of The Past“ von Jacques Tourneur.
chevy57:
Mitchum gelingt es in der Rolle tatsächlich, auch mir Angst einzujagen. Und das schaffen nicht viele…
Christian Erdmann:
Genauso, wie ich immer nicht verstehe, daß das Fernsehen immer vehementer mit dem ganzen Mist aufwartet, den Monty Python’s Flying Circus schon in den Siebzigern ultimativ, final und tödlich verkaspert hat, verstehe ich nicht, daß sich nach Mitchum in diesem Film überhaupt noch schmierige Kleinstadt-Evangelisten irgendwo herumzutreiben wagen. Naja, was versteh ich schon.
Ich besitze dieses Buch von Elsa Lanchester, die mit Laughton verheiratet war (Frankensteins Braut), und sie schildert, wie Laughton Mitchum anrief:
„Hello, this is Charles Laughton.“
„Yes?“
„I have a book I’d like you to read. There’s a character in it that I’d like you to play in a movie I’m making. The man is a real shit. A dreadful and devout shit.“
„Present!“
Und als Mitchum erfuhr, daß Shelley Winters gecastet war: „My God, the only thing she’s going to do convincingly is float in the water with her throat cut.“
Neben all seinen anderen Vorzügen hatte Mitchum noch einen überaus bedeutenden Charakzerzug: er schätzte Deborah Kerr mehr als alle anderen Partnerinnen. Was kann man Besseres über Deborah Kerr sagen. Er meinte mal, sie könne ihre Szenen in der Schweiz spielen und er in Maryland, das Ergebnis wäre trotzdem perfekt. „Heaven Knows, Mr. Allison“ ist auch noch so ein schwacher Punkt von mir, Mitchum als Corporal Allison, der auf einer Insel strandet, auf der sich erstmal wenig befindet außer Schwester Angela, Deborah Kerr als Nonne. Und die konnte ja Nonnen wie keine andere, „Black Narcissus“ mit Deborah Kerr als Sister Clodagh ist auch ein klasse Film, von Powell / Pressburger, die wiederum auch „Peeping Tom“ gemacht haben. Und der steht neben „Night of the Hunter“ ganz da oben, Regalbrett „Filme, die man ins Jenseits mitnehmen muß“.
24.09.2008
marks&spencer:
Wenn ich das richtig gehört habe, wollte Laughton zunächst Gary Cooper verpflichten.
Christian Erdmann:
Das weiß ich nicht, Elsa Lanchester zitiert Paul Gregory, den Produzenten, der Laughton eine Notiz hinterläßt: „Charlie, this would make a motion picture.“ Und: „I’d seen Robert Mitchum as the heavy in this. Charlie called me the next day and just raved and said: ‚I’m coming down.'“ Laughton hätte gemischte Gefühle gegenüber Mitchum gehabt, aber von Cooper wird nichts erwähnt. Interessant ist, wie Mitchum mehrmals zu Vorbesprechungen ins Haus Laughton / Lanchester kommt: „I don’t know, maybe Bob Mitchum is very bright, but I never heard such a lot of words – big, long words, one after the other.“ (E. L.) Später gibt Mitchum dann den intellektuellen Zugang auf und entpuppt sich als noch größerer Rebell als Laughton, selbst durchaus einer, vermutet hatte, bis zu dem Punkt, an dem Laughton Mitchum väterlich zur Seite nimmt und erklärt: wir alle hätten Skelette im Schrank, die meisten von uns würden aber versuchen, die Skelette zu verbergen und die Tür zuzuhalten. Mitchum aber reiße nicht nur die Tür auf, er schwinge seine Skelette auch noch gleich in der Luft herum. „Bob, you simply must stop brandishing your skeletons.“
26.09.2008
schnuppe:
Film noir und Mitchum als der Böse, oh ja!
Welcher Film ist das, wo ein Girl zu ihm sagt: What I like about you is… you’re rock bottom. I wouldn’t expect you to understand this, but it’s a great comfort for a girl to know she could not possibly sink any lower.
20.02.2010
Christian Erdmann:
Juliet Forrest in „Dead Men Don’t Wear Plaid“: „If you need me, just call. You know how to dial, don’t you? You just put your finger in the hole and make tiny little circles.“ :)
Haio Forler:
War das nicht Rachel Ward?
BerSie:
In der Rolle der Juliet Forrest!











Christian Erdmann:
Hier meine Unterschrift zu:
„Out of the Past is one of the greatest of all film noirs“. (Roger Ebert)
Tourneur (Cat People, I Walked With A Zombie, Night of the Demon) ist sowieso ein Meister; Scorsese: „In a way, you could say that Tourneur’s touch is so refined and subtle that he haunts his films. It’s as though he cast a spell over each project … Tourneur was an artist of atmospheres.“
Scorsese spricht Tourneurs Filmen „a hypnotic quality“ zu, Jane Greer ist als Kathie Moffat wahrscheinlich die faszinierendste Femme fatale des klassischen Film noir, und Mitchum… ist Mitchum.
BerSie:
Bin absolut Deiner Meinung! Auch Kirk Douglas trägt seinen Teil bei!
Christian Erdmann:
Kirk Douglas kann einem ja schwer auf die Nerven gehen, sein zwischen hämischer Vergnügtheit und vibrierendem Rachedurst schillernder Charakter in „Out of the Past“ aber gelingt ihm blendend.
19.09.2010
Christian Erdmann:
1947 war ein phantastisches Jahr für Robert Mitchum, nicht nur drehte er mit Tourneur „Out of the Past“, er stand auch für Raoul Walsh in „Pursued“ vor der Kamera. Gerade gesehen, eine Art Psycho-Noir-Expressionismus-Western, sehr ungewöhnlich, faszinierend. Bei jedem Mitchum-Film, den ich konzentriert sehe, wird mir klar, egal, für wie groß man Robert Mitchum schon hält, man hat ihn grundsätzlich immer noch ein bißchen unterschätzt. Martin Scorsese hat „Pursued“ offenbar höchstpersönlich gerettet, die Restaurierung mit eigenem Kapital in die Wege geleitet.

„Simply by being there, Mitchum can make almost any other actor look like a hole in the screen.“ – David Lean
6 replies on “Robert Mitchum”
*LOVE* *HATE* … die Tätowierung auf seinen Händen, schier eingegraben hat sich diese in mir, als ich in jungen Jahren den Film *The Night Of The Hunter* sah. Unfassbar damals für mich, das Leid, das diesen Kindern angetan wurde. Kinder, die von einem Erwachsenen derart kaltblütig und ohne Skrupel behandelt wurden, sah ich so vorher nie in einem Film. Unfassbar für mich!
Robert Mitchum, was für ein Schauspieler, was für ein Mann! Für mich wirkte er aber immer (hab‘ aber nicht so viele Filme gesehen) sehr undurchschaubar (also, jetzt rein persönlich), irgendwie konnte ich ihn nie wirklich „fassen“. Auf der einer Seite hatte er eine enorme Anziehungskraft, andererseits jedoch… hmmm …. als Mann … (vielleicht war das ja auch dem genannten Film geschuldet), war er mir zu undurchsichtig, es fiel mir schwer, ihn zu „schauen“, er hatte (für mich) irgend etwas Undurchdringbares; er vermittelte mir als Frau keine Sicherheit. Ich konnte ihn für mich nie wirklich einordnen. ;-)
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Noch unheimlicher als in „The Night Of The Hunter“ ist er als der psychopathische Max Cady in „Cape Fear“ von 1962, wirklich furchterregend, kennst Du den auch? Das „Undurchdringbare“ an Mitchum ist vielleicht diese seltsame Mischung aus (scheinbarer) Indifferenz und absoluter Unberechenbarkeit; er ist zugleich die starke Schulter, an deren Seite sich alles regelt, und bad boy, dem man wirklich alles zutraut (zutrauen muß). Für Roger Ebert, den Filmkritiker, war dieses Undurchdringbare das, was die Filme selbst so tief und geheimnisvoll machte: „Robert Mitchum was my favorite movie star because he represented, for me, the impenetrable mystery of the movies.“
„If you’re looking for trouble / You came to the right place“, aber konträr zu seinem Image war Mitchum nicht nur, vgl. Elsa Lanchester, überaus intelligent (er hatte ein photographisches Gedächtnis), Jane Greer (Kathie Moffat in „Out of the Past“) beschreibt ihn auch als echten Gentleman und Beschützer:
„She said that he ‚was just terrific to me and just took care of me. Even the way I looked. One costume I wore was a little too large – Bob was the one who noticed it was bulging around the waist. So he stopped everything, borrowed a pin from the wardrobe lady and gathered it in and pinned me up in the back.'“
„Jane Greer reported that the wardrobe department once dressed her and sent her to set in an outfit that was incomplete: the back side wasn’t finished. The dressers knew only her front side would be filmed in this particular scene, so they justified saving the time and expense of completing the outfit. Greer explained her acquiescence to this as something along the lines of ‚I was 22 years old. I was just happy to be in a movie. I wasn’t going to complain.‘ Mitchum, however, threw a rod. ‚This is the leading lady of the film! Take this dress and don’t come back until it’s finished,‘ Greer recalls him saying. Ultimately the dress was finished before the scene was filmed.“
Seine liebste Partnerin war Deborah Kerr, und nachdem er mit ihr „Heaven Knows, Mr. Allison“ gedreht hatte, sagte er dem Produktionsteam: „You can design a 24-foot sign of me bowing to her if you like!“
Und bei den Dreharbeiten zu „Angel Face“ verlangt Otto Preminger für eine Szene von Mitchum, Jean Simmons zu ohrfeigen; Preminger ist nach mehreren Versuchen immer noch unzufrieden mit der Art, wie Jean Simmons reagiert und ruft „Once more!“ Mitchum dreht sich um und ruft „Once more?“, um dann Preminger ganz gewaltig eine zu zimmern.
Ava Gardner meinte, jede Frau, die mit Mitchum gedreht hat, habe sich in ihn verliebt.
Vordergründig so minimalistisch sein acting style, aber allein wie er in „Out of the Past“ zu Jane Greer sagt „Baby, I don’t care“, als Frau wäre ich da in Nullkommanichts in sittliche Entgleisung geführt. :) Nein wirklich, unter dem häufig so Lakonischen tiefste Abgründe, Gott weiß, wo er diesen einen Schrei herholt in „The Night Of The Hunter“, der wirklich kaum noch menschlich ist. Gerade wieder gesehen, übrigens, „The Night Of The Hunter“. Absolut perfekter Film.
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Unglaublich immer für mich, wie du alles zelebrierst, was du so magst, liebst, dir am Herzen liegt. Wie hingebungsvoll du in die „Materie“ eintauchst, um daraus zu schöpfen und es dann liebevoll aufbereitest, vor dir, vor uns, um es zu gustieren, sich daran zu laben und v. m. . 💖lichen DANK dafür. ;-smile
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❤️😊🙏🏻
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Ich mag die Worte und Zeilen von zartgewebt nicht toppen
So auch von mir an und für Dich Chris 💖 Dank dafür
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Thanks!
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