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Nick Cave

Nick Cave. Artikel von Christian Erdmann: Bild: "Kicking Against The Pricks" Cover.
Nick Cave & The Bad Seeds, Knopf's Music Hall, Hamburg 15.08.1987.

2 replies on “Nick Cave”

Grüß Dich Chris
Dich lesen lässt alte Zeiten in mir aufflackern und zuerst kamen mir Bilder meines 16ten, hmm? oder 17ten Birthdays in den Sinn. Eltern mit meinem Bruder im Urlaub und auf der Party dröhnte nur Birthday Party und das bis spät in die Nacht. Uneingeladene, mir unbekannte Leute kamen auch und manche blieben eine Zeit lang ob der krassen Atmosphäre verstört in irgend einer Ecke *lach* das waren für uns irgendwie weichgespülte Fraggles *g*, schwarzkluftig gestylte Modepunker und Trendwaver oder GothicGrufties. Zum Glück ging nicht allzuviel zu Bruch und das kam mir am nächsten Tag wie ein Wunder ob der exzessiv vollgedröhnten Partyleute vor.
Nach Kicking Against The Pricks läutete ich soundbetört Andersgeartetes wie Bauhaus, Joy Division etc. ein. Nick wurde mir zu mainstreamig und ich nahm Abschied von seiner meist schwarzweiß anmutenden Welt.
Herzlichen Dank in das Cabinet Deiner Welt und natürlich Dir für Deinen mich in Erinnerungen schwelgen lassenden Eintrag inkl. gewählten Sounds

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Naja, so schnell ging es ja nicht mit dem Mainstream, nach „Kicking Against The Pricks“ kam „Your Funeral, My Trail“, da ist der Mainstream nicht einmal in Sichtweite. Klassischer Mainstream ist er immer noch nicht, aber mittlerweile hat ihn zum einen ein saturiertes Wohlstandsbürgertum in Beschlag genommen, Leute, bei denen ich denke: ok, wo seid ihr gewesen, als Konzerte, die um 20:00 angesetzt waren, um Mitternacht begannen? Wo seid ihr gewesen, als Nick vor und nach Konzerten in dirty backrooms saß und das ganze Ambiente seiner Auftritte noch nichts Gepflegtes hatte? Wo seid ihr gewesen, als er noch kein Liebling der Feuilletons war? Es ist ein bißchen wie mit dem FC St. Pauli, den auch jeder x-beliebige Vertreter der Bionade-Bourgeoisie als „seinen“ Verein bezeichnen kann, und der darum schon lange nicht mehr der „etwas andere Verein“ ist. Sorry, aber St. Pauli war Rock’n’Roll, als Andrew Eldritch auf der Tribüne stand und im Tor ein Bewohner der Hafenstraßenhäuser.

Und zum anderen… ich werde Nick Cave ewiglich lieben auf Gedeih und Verderb, Musik ist immer mehr als nur Musik, und so viele seiner Songs haben unendliche Bedeutung in meinem Leben. That will never change, and no hard feelings. Aber „Wild God“ ist die erste Platte von Nick Cave, bei der ich nicht folgen kann. Sie ist ohne Magie für mich, abgesehen von einem Song, „Frogs“. Sie fühlt sich kalkuliert an, Spiritualität nach Zahlen, sie ist voller Fehler, falscher Entscheidungen und geradezu Unanhörbarem, und sie verlässt sich ständig auf Dinge, die schon einmal (besser) funktioniert haben. Mir scheinen die Texte oft erstaunlich schwach, nachlässig, schlampig. Die Sterne, „bright triumphant metaphors of love“ – ? Hm. „Joy“ ist so konstruiert, daß sich eher „Anger“ einstellt bei mir.

Aber vielleicht gibt es eines Tages eine Offenbarung und „Wild God“ ist plötzlich nicht mehr das schwächste Album der Nick Cave-Geschichte. Schwarzweiß mutet seine Welt für mich nicht an, nie; als Handke den Literaturnobelpreis bekam, schrieb ich: Nachdem der Preis 2016 völlig verdient an Bob Dylan ging, sollte man jetzt ganz dringend Nick Cave ins Spiel bringen. – So viel sprachliche Schönheit, so viel wilde Poesie, so viel Wagemut beim Erhellen der Conditio humana.

Joy Division und Bauhaus, of course, was kann ich sagen, guess you’ve seen this or this.

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