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Musik

Mark E. Smith, The Fall

Mark E. Smith, The Fall.
Mark E. Smith.
The Fall Concert Ticket Hamburg 1991.

14 replies on “Mark E. Smith, The Fall”

Der „Aljoscha“-Auszug fetzt! „Staubsaugen auf Kopfsteinpflaster“ – genialer Einfall, um The Fall-Klänge zu treffen. The Fall mochte ich in der Wendezeit eigentlich sehr. „Kurious Oranj“ lief damals oft im Parocktikum auf DT64. Aber beim Reinhör-Check im WOM und anderswo verloren sie dann stets gegen andere „berühmte Geheimtipps“. Also fehlen sie hier bis heute im Regal. Mir gefällt an ihnen, dass sie Pere Ubu dazu gebracht haben, melodiöser zu werden; wenigstens für die „Cloudland“ und Jahrzehnte später muss sich David Thomas für den Sound der „ST Arkansas“ darauf zurückbesonnen haben.
Aber es gibt so Bands im Laufe eines Lebens, die „überwindet“ man; die altern nicht gut, während Zeitgenossen ihrer großen Zeit interessant bleiben. New Model Army, Pixies, Pere Ubu – gehen heute immer noch. – Mit The Fall krieg ich das nicht mehr hin.

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Ich habe The Fall immer selektiv gehört, viele Alben besessen, viele verkauft, die Perlen behalten, daraus folgt: 2 CDs mit Zeugs, das niemals altert. (Trivial: was groß ist, kann nicht altern). Beileibe keine Lieblingsband von mir, aber da sich nun der Todestag von M. E. S. anschleicht, ergriff mich wieder der Respekt vor der Lebensleistung dieses schon sehr Einzigartigen. Die Zeit mit Brix mag ich besonders, obwohl es auch danach noch viele Killersongs gab (das Bass-Riff von Blindness ?! Blimey.) Er hätte Band-Mitstreiter sicher besser behandeln können („If it’s me and yer granny on bongos, it’s The Fall“), und zwischen ihm und dem Weg nach weiter oben stand natürlich auch die Tatsache, daß nicht unbedingt alle verstanden haben, wovon zum Teufel er redet. Oder wenn, war es halt – wtf? Man kann es ignorieren und nur dieses Fall-typisch gnadenlose Riff genießen, aber „Athlete Cured“ handelt von der mysteriösen Malaise eines DDR-Athleten, als deren Verursacher sein Bruder Gert bzw. dessen Autoauspuff ausfindig gemacht wird. Da ist der Massenappeal wegprogrammiert. Lovely, daß Du „das (der „Aljoscha“-Auszug) fetzt!“ gesagt hast. Das haben meine Cousinen und Cousins jenseits der Grenze („Schwanheide, hier Schwanheide!“) auch immer gesagt, „das fetzt!“ :)

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:-)

„Fetzt“ bzw. ,“Fetzt nich'“ hab ich irgendwie beibehalten in all der Zeit.

Ich fand demgegenüber kurios ,“von gestern“, dass sich in Teilen Westdeutschlands ,“dufte“ erhalten haben muss.

In den 90ern auf 3sat wurde ein altes Rory Gallagher-Konzert gesendet und als das Publikum rhythmisch mitklatschte, sagte der doch deutlich vernehmbar ins Mikro: ,,That’s dufte!“

Sachen gibts…

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The Fall waren mir lange Zeit gänzlich unbekannt, erst vor ein paar Jahren fiel ich zufällig über ein Video von The Fall – „I Am Damo Suzuki“. Doch ich schaute und hörte es nur, da mir Damo Suzuki schon lange von Can (die ich ja seeeeeeeeehr mag) bekannt war und ich Damos eigenartigem Gesang doch einiges abgewinnen konnte. Nun, ich war halt neugierig, was eben jener in dem Song von The Fall zu suchen, was es damit auf sich hatte.
Das besagte Fan-Video war sehr eigenartig gehalten:

und auch der Songtext sehr … nun ja … irre, abgefahren, aber irgendwie sprach es mich doch an, blieb der Song wie auch die Band hängen. ;-)
Steve Hanley: „Years later I met him [Damo Suzuki] in a club in Germany. He came up to me and said ‚I am Damo Suzuki‘. He was aware of the track. He seemed pleased enough.“ ;-))

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Die Steve Hanley-Anekdote ist sehr schön, danke! :) Damo Suzuki hat seine Autobiographie ja dann auch „I Am Damo Suzuki“ genannt. Und „I Am Damo Suzuki“ wiederum verbeugt sich vor „Oh Yeah“ von „Tago Mago“ – was für ein Album, und ja, was für eine Band.

„Spoon“ war der erste Song, den ich kannte von Can, fand ihn faszinierend und leicht unheimlich. „Mother Sky“ hat besondere Bedeutung, durch Skolimowskis „Deep End“, indes, in einer Phase meines Lebens, als ein paar Trümmer noch rauchten, gehörte „I Want More“ zu der Musik, die durch vom Himmel fallende Wolken führte. Eigentlich ja ein untypischer Song, anders hypnotisch als frühere Can-Songs, aber noch immer heilig für mich. Die surreale Schönheit von Can mit diesem Song in der „Plattenküche“ habe ich ja schon bewundert [ -> Huch, der Musikladen ], sie schafften es sogar bis ->Top of the Pops, wo dann Michael Karoli gar nicht da war und ein Lou Reed-Lookalike seinen Platz einnahm. Schöner Kommentar: „The fact that Can were ever on TOTP tells me that the universe has an unfathomable sense of humour which must be admired.“

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Ja, ich erinnere mich, über Skolimowskis „Deep End“ hast Du ja hier schon mal einen Beitrag geschrieben; Film und Musik ~ einfach fantastisch, ganz meins das ;-)

Musikladen, Top of the Pops … diese Sendungen kannte ich nicht in meiner Jugend, ich glaub‘, die liefen bei uns in Österreich gar nicht, da gab es nur so eine ähnliche mit Peter Rapp, „Spotlight“ hieß die. Ich schaute sie gerne, weil, na ja, ich kannte die Musik nur vom Plattenteller oder Radio und die dazugehörigen Gesichter der Bandmitglieder und jeweiligen Geschichten von den Bravos. War schon toll dann, die „Stars“ auch mal im TV performen zu sehen, denn Konzertbesuche … tja, die waren rar gesät (ich wohnte ja gaaaanz weit weg vom Schuss). ;-)

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Ich habe noch einen alten Artikel über Can, der unter der Überschrift „Rockmusik und Magie“ die „beinahe schon gespenstische Übereinstimmung der Musiker bei der Improvisation“ anspricht: „Traumhafte Rauschklänge schienen direkt dem Unterbewußtsein zu entspringen, aber wie wurden sie zwischen den Spielern derart perfekt synchronisiert?“

„Als erste hat Vivien Goldman, Reporterin des englischen Magazin Sounds, diese unbekannten Dimensionen im Gruppenbild auszuloten versucht. Mit Mikrophon und Tonbandgerät versuchte sie Irmin Schmidt Ende 1975 in einem Londoner Hotel Anekdoten über außersinnliche Erfahrungen zu entlocken. Ihr Bericht ‚Tales of the Supernatural‘ ist am 6. Dezember 1975 in Sounds erschienen. Seine Pointe: Von dem Moment an, in dem das Interview konzentriert um Fragen des Okkulten kreiste, waren Irmins Antworten nicht mehr auf dem Band. Auf die deutlich verständlichen Fragen folgten von Irmins Seite nur verzerrte Stör- und Blubbergeräusche, dann gar nichts mehr.“

„Immer wieder hatte er gegenüber der Reporterin betont: ‚It is not good to talk about these things if you cannot control them.‘ (Zitat aus Sounds). Soll heißen: Wecke keine Dämonen, die du nicht wieder bannen kannst. Irmin später, mit eigentümlichem Doppelsinn: ‚Es ist immer gefährlich, die Geister zu verwirren.'“

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„Unerklärliches aber geschieht immer wieder im Umkreis der CAN, über das die Musiker nur zögernd und mit aller Vorsicht zu sprechen bereit sind. Da war beispielsweise die Sache mit der Studiouhr im Februar 1974 bei der Aufzeichnung zur englischen TV-Sendung ‚Old Grey Whistle Test‘. Nach dem Startzeichen und dem Beginn des Stücks stellte Jaki fest, daß mit seinem Schlagzeug irgend etwas nicht stimmte. Er brach die Aufnahme ab, und im gleichen Augenblick blieb der Sekundenzeiger der Uhr stehen. Minuten später gab der Drummer das Signal ‚Fertig!‘, und der Zeiger begann wieder zu laufen. Keiner der Musiker hatte es wahrgenommen, aber die ganze Szene war mit vier Videokameras gefilmt worden und also nachprüfbar. Ein Kameramann kreidebleich: ‚An euch ist wirklich etwas komisch.'“

So oder so, Irmin Schmidt sagte über Liebezeit: „Jaki kann mit der Trommel zaubern.“ :)

Holger Czukay, Jaki Liebezeit und Michael Karoli haben ja auch mit Jah Wobble zusammengearbeitet, der als Bassist von Public Image Ltd. in Erscheinung trat, später dann Becoming More Like God anvisierte, aber sehr quirky. Jah Wobble spielt Basslinien, auf denen man durch alle Himmelskreise gleiten kann. Wunderschön mit Sinéad O’Connor: Visions Of You.

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