Nennen Sie mir das aufregendste Buch, das Sie je gelesen haben!
Christian Erdmann:
Ich empfinde bei Büchern wie bei Filmen oder Musik viel zu häufig „Das ist das Beste, was ich je…“, um die Frage wirklich beantworten zu können. Sehr aufregend war aber, als ich mit 20 Rimbaud entdeckte, seine Werke in zwei Tagen und zwei Nächten las, das Essen vergaß, direkt danach Enid Starkies Rimbaud-Biographie „Das trunkene Schiff“ aus der Bibliothek entlieh und nicht mehr zurückgab („Weiß nicht… muß mir jemand im Bus aus der Tasche gezogen haben…“) (später aber ein Exemplar legal erworben) (Verbrechen aus Leidenschaft, schon die griechischen Götter haben da ein Auge zugedrückt).
Sehr aufregend war auch die Lektüre von Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“, die ich mit durch hohes Fieber bedingte Visionen ergänzte. Zwei andere Romane, deren Lektüre auch sehr intensiv für mich war, die aber beide in eine Art goldenes Herbstlicht getaucht sind, in Septembersonne, sind Jens Peter Jacobsens „Niels Lyhne“ und Rilkes „Malte Laurids Brigge“. Bulgakow, „Der Meister und Margarita“. Thomas Mann, „Der Zauberberg“. David Pirie, „Vampir Filmkult“. Nick Cave, „And the Ass saw the Angel“, yes, sehr aufregend, als dieser von mir sehr geliebte Sänger auch noch seinen Roman vollendete, und so einen großartigen. Sacher-Masoch, „Venus im Pelz“, und Sade, „Die Philosophie im Boudoir“, aber wie gesagt, ich bin leicht erregbar. Es gibt sehr viele „aufregendste“ Bücher, aber wenn ich mich auf EINS beschränken soll: alles von Dostojewski und Kafka.
thedirtydozen:
Nicht zu vergessen die „Sternstunden der Menschheit“! Eine Sternstunde der deutschen Literatur: ein Buch voller Lieblingssätze.
Christian Erdmann:
Ähnlich erging es mir bei Zweigs Schriften über Hölderlin, Kleist, Nietzsche / Dostojewski, Balzac, Dickens. Zweigs Ruf, ein „Frauenversteher“ zu sein, muß in den Hintergrund treten gegenüber der Tatsache, daß er ein Alleversteher ist. Bei Dostojewski wünsche ich mir immer, man könnte wie Wanja in „Erniedrigte und Beleidigte“ ständig von einer Romanfigur zur anderen gehen, aber des Gesamtoeuvres; bei Zweigs Sprache ist es einfacher – man möchte einfach ein Buch von Zweig sein.
fabi82:
Hätte man nicht besser sagen können.
Siebziger:
Forschere Seelen würden vielleicht „Sensibelchen“ meckern (…) Jeder seiner Sätze ist reif fürs Poesiealbum, und bei Stefan Zweig hat man nie das Gefühl, daß es gekünstelt ist, es klingt alles wahrhaftig und originär, also glaubwürdig.
Christian Erdmann:
„Sensibelchen“ – dann hätte man aber Stefan Zweig nicht nur als Mensch, sondern auch als Schriftsteller nicht verstanden. Alles, woran er je glaubte, und wovon jede seiner Zeilen Zeugnis ablegt, ging im Inferno unter. Damit ist ja nicht allein die sichtbare Zerstörung gemeint, nicht allein
„Wie kann ich arbeiten, wenn ich las, daß über einer englischen Stadt soundsoviele Bomben abgeworfen sind, daß im Atlantischen Ozean ein französischer Dampfer torpediert wurde, der dann mit soundsovielen Passagieren unterging. Ich mag die Zeitungen nicht mehr aufschlagen…“ – „Wie kann ich atmen, schlafen, essen, wie kann ich arbeiten, wenn ich weiß, daß diese sinnlose Zerstörung am Werke ist, daß tausende und abertausende unschuldiger Menschen von ihr dahingerafft werden.“
Wir haben von seinen Essays gesprochen – wie selbstlos hat er geistige Größe und Schöpfertum bei anderen bewundert. Welch anderer Schriftsteller war so sehr geistiger Kosmopolit, war so sehr von feiner, zarter, einfühlsamer Empathie. Wie recht hat Zweig mit diesem Satz:
„Nie hat eine Generation einen solchen moralischen Rückfall aus solcher geistigen Höhe erlitten wie die unsere.“
Auch wenn es tausend historisch relevante Dinge dazu zu sagen gibt: das bleibt Teil eines Unbegreiflichen auch für uns – wie war der Nationalsozialismus möglich nach Thomas Mann, nach Stefan Zweig, nach Rilke, nach nehmen Sie, wen Sie wollen, nach all diesen Büchern, die von Deutschen gelesen worden sind. Thomas Mann war über Zweigs Suizid ungehalten, auch Werfel klagte, Zweig habe mit dieser Tat dem Feind zum Triumph verholfen. Aber man muß einfach sehen, von wo aus gerade Zweig stürzte, wenn er sagte (zu Zuckmayer), die Welt, „die wir geliebt haben, ist unwiederbringlich dahin“.
Joseph Roth hatte ihm, Zweig, schon 1933 geschrieben: „Inzwischen wird Ihnen klar sein, dass wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“ – Zweig hat das lange nicht glauben wollen. Dieses Nichtwahrhabenwollen dessen, was da geschieht, ich kann es nachvollziehen bei einem, der so sehr versuchte, die Höhe des Menschen für die Menschen festzuhalten. Die Vernichtung von Humanität und Toleranz war die Vernichtung seiner geistigen Heimat. Er muß gefühlt haben, daß sein ganzes Werk durchgestrichen ist. Wer hätte ihm sagen können, dort in diesem Bungalow in Petropolis, was er uns heute noch bedeutet.
Hmm, bedeutungsgleiten wir später, ich verbrachte die Nacht am englischen Hof und in mehreren Landhäusern an Orten, die alle ein -shire im Namen tragen. Was sind Ihre Glücksmomente derzeit? Haben Sie „Die wilden Jahre“ gesehen? Uschi und Keith? My goth, was für schöne Klamotten. :)
Und: wenn jemand sagt, „Du mußt schreiben, das ist doch völlig klar.“ André aus der Bornstraße nämlich, nachdem ich ihn mit sonnenverbranntem Gesicht antraf. „Wo warst du denn?“ – „Im Park. Mit deinem Buch.“ – Non, verpaßte Die wilden Jahre, war aber, nach „Waren die Beatles die beste Band aller Zeiten?“-Threadschlacht, auf Zeitreise im Silver Train.
Die legendäre „Exile On Main Street“ – aufgenommen mostly in der Villa von Keith Richards in Südfrankreich. Las kürzlich mit Vergnügen seinen Report, WIE ES WIRKLICH WAR, und wie dieser grandios vermuffelte Sound zustandekam.
I remember it was like trying to make a record in the Führerbunker. It was that sort of feeling, you know – it was very Germanic down there for some reason. Swastikas on the staircase. And also, like all basements, it had never been used for anything. So basically it was a dirt floor and some concrete. If somebody got lost, there’d be a little trail of dust in the darkness… It was a labyrinth, in actual fact. It was a concrete labyrinth, subdivided here and there, and we would go around testing to see which one had the best echo or was the best sound for a particular instrument. That sort of thing. But it was also sort of like the netherworld. Upstairs it was fantastic. Like Versailles. The south of France in the summer – la, la, la. Beautiful. Who could ask for anything more? But down there, it was another thing. It was Dante’s Inferno…
There were all these little subdivisions in the basement, almost like booths. So what would happen was that, for a certain sound, we’d schlep an amp from one space to another until we found one that had the right sound. Sometimes the guitar cord wasn’t long enough! That was in the beginning, anyway. But once we started to work there, my little cubicle became my cubicle, and we didn’t change places much. But at first, it was just a matter of exploring this enormous basement, saying, What other sound is hiding ‚round the corner? ‚Cause you’d have weird echoes going on. Sometimes we wouldn’t be able to see each other even, which is very rare for us. We usually like to eyeball one another when we’re recording.
It was a dirt floor. You could see somebody had walked by, even after they disappered ‚round the corner, because there’d be a residue of dust in the air. It was a pretty thick atmosphere. But maybe that had something to do with the sound – a thick layer of dust over the microphones. It wasn’t a great environment for, like, breathing. Mick Taylor and I would just peer through the murk at each other and say, OK, what key is it in?
You’d sort of jam an acoustic guitar into the corner of one of these cubicles and just start playing and you’d hear it back you’d think, that doesn’t sound anything like what I was playing, but it sounds great. So you started to play around with the basement itself, aiming your amplifier up at the ceiling instead of like normal.
I mean, it’s France, man. They were still using horses to plow – a TELEPHONE CALL would take half an hour. Apart from the fact that everything would go out of tune every two minutes because of the heat, then you had to deal with the electricity going down – and this would be when they were actually playing in tune. For the first time in four hours.
On Ventilator Blues we got some weird sound of something that had gone wrong – some valve or tube that had gone. If something was wrong you just forgot about it. You’d leave it alone and come back tomorow and hope it had fixed itself. Or give it a good kick.
Zum Geburtstag 5 Männchen auf einer Torte mit einem der göttlichsten Richards-Riffs, beachten Sie, wie er es bei 1:52 / 1:53 so gerade noch mit leichter Verzögerung um die Ecke bringt …
… ein schönes Schaumbad …
… tickets for the dance …
… alles Liebe zur Sternstunde, Dear, Schockblitzbuntes on your silver screen and ALL IN GOOD TIME!
Oh ja, Sie ganz in weiß mit Argentinien-Shirt, I remember. Aber nun Uruguay! Die geschickteste Spielweise, die schönsten Spieler dieser Chaos-WM! Und Diego heißen die allerhübschesten auch. :) Somit ebenso hingerissen von der Idee eines Estates mit Blick auf den Berg. Traumfinale dito und dann die Urus siegreich – seit Tagen meine Rede! Zum Meyrinkschen Pragbesuch nur: awwwww, jetzt schon Vorfreude auf das, was die goldene Stadt mit Ihnen tun wird und was Sie zu berichten wissen werden. So sehr danke schön, wie es nur geht. Wunderschöne Momente mit Torten- und Matrosen-Stones und GARBAGE, (warum vergesse ich die immer, obwohl die so wunderbar Jetzt-erst-recht-Musik machen?) und Oasis-Licht! Great! Love it! Die Sonne strahlt so hell derzeit und ich strahle zurück.
Ein Viertelfinale Uruguay – Ghana, reine Poesie. Schon im ersten Spiel gegen La France wurde deutlich, daß die beiden Diegos den Laden zusammenhalten. Lugano sieht aus wie ein smarter Freund von Helmut Berger in einem 70er-Jahre-Film von Jess Franco mit Brett Sinclair/Danny Wilde-Autos, und Forlan liebe ich vor allem vor Freistößen – wie in seinen Augen da eine leicht manische Präzision die Situation antizipiert. :) Klasse, geradezu klassisch, schon frisurtechnisch, auch Edinson Cavani, großes Herz: wie er den flennenden Du Ri Cha vom Boden hochzog, fein.
Jedesmal, wenn man Garbage neu entdeckt, gehen sie tiefer als zuvor. Bei allem Kampf gegen die eigenen Neurosen – oder wegen diesem – ist Shirley Mansons wunderbarste Stärke ihre Empathie. Und sie hat 197 Stärken.
Wie? Blondie war eine phantastische Band. „Blondie“ (1976), „Plastic Letters“ (1978), „Parallel Lines“ (1978) und „Eat To The Beat“ (1979) macht vier Killer-Alben am Stück, entstanden in einem Zeitraum von – heute undenkbar – drei Jahren. Ganz großartiges Songwriting, zeitlos, ultrapräziser Pop, jeder Song hat die epische Wahrheit eines 3-Minuten-Dramas. Debbie Harrys tough girl-Glamour war supercool, erst recht, wenn Zuckersüßes mitschwang. Geniale Musiker, Clem Burke einer der besten Drummer überhaupt damals. Aber Debbie Harrys Aplomb, „her bombshell zombie’s voice that can sound dreamily seductive and woodenly Mansonite within the same song“, war natürlich das Beste seit den Shangri-Las.
papazaca:
Schöner Kommentar. Wahre Liebe. Habe mir dann mal die größten 20 Hits angehört. Und dann hatte ich das Gefühl, das Menschen in Filmen haben, wenn sie die große Liebe nach Jahren wiedersehen. Nochmal zu Ihrem Kommentar: Der ist wirklich schön. Fast wie in einem Poesiealbum.
Christian Erdmann:
Das Problem mit Blondie ist ja tatsächlich, daß Debbie Harry so ein Magnet war als Frontfrau. Im „The Hardest Part„-Video sehen wir eine Menge Worte als Graffiti im Hintergrund, und ich wette, kein Mensch auf Erden hat auch nur ein einziges jemals entziffert. So muß man gewissermaßen auch unter ihrer drop dead gorgeous-Stimme hindurch hören, um zu erkennen, wie tight Blondie als Band waren.
Der Soundtrack zu Nicolas Roegs „Performance“ ist großartig. Ry Cooders „Powis Square“ ist halb Blind Willie Johnson-Hommage, halb Vorläufer zu seinem eigenen „Paris, Texas“-Soundtrack. Später spielt Cooder Dulcimer auf einem wunderbaren Stück namens „The Hashishin“ (Ihr wißt schon: der Alte vom Berge / nichts ist wahr, alles ist erlaubt), „Gone Dead Train“, Gesang Randy Newman, ist schneidend scharf und nasty, zwischen alldem noch einige sehr bizarre Tracks, und am Ende ein Stück namens „Turner’s Murder“, das später mal kopiert wurde in „The Hunger“. Ry Cooder-Bottleneck an allen Ecken und Enden.
Gwynplaine:
Cooder – einer meiner heroes – hat lange seine Brötchen mit Soundtrack-Arbeit verdient. Walter Hill mochte ihn besonders gern. „Southern Comfort“ und „Trespass“ sind weitere feine Beispiele. Blind Willie Johnson war natürlich einer der wichtigsten musikalischen Einflüsse für Cooder. Nicht nur für „Paris, Texas“ hat er sich großzügig bei Johnson bedient, aber immer auch Eigenes eingebracht. Danke für den Hinweis auf „Performance“. Davon gehört, aber noch nie gesehen. Mick Jagger spielt mit, oder? Sie haben eine Art, immer meine Lücken zu finden ;-))
arte de la comedia:
Ich glaub‘, das macht der absichtlich. Und das ist auch gut so.
Christian Erdmann:
Falls Sie den Jagger/Richards-Song „Memo From Turner“ kennen, der ist aus „Performance“. Hat zwar sehr viel, nun ja, Zeitkolorit (London, Notting Hill, Spät-Sixties), ist aber immer noch ein sehr interessanter Film… darüber, was passiert, wenn zwei Alter egos sich treffen. („Deinen alten Egon? Hast du den denn dabei?“ – Danny Wilde)
Davon abgesehen: für den „Paris, Texas“-Soundtrack hat Ry Cooder sich ja stark an Johnson’s „Dark Was The Night, Cold Was The Ground“ angelehnt. Der Song sträubt mir drei Minuten lang die Nackenhaare.
Gwynplaine:
So ist es. Robert „Crossroads“ Johnson war immer diese Deltalegende, aber Blind Willie erreichte eine Qualität mit dem Slidespiel, die unerreicht ist. Soweit ich weiss, spielte er Slide mit einem Messer. Und Ry Cooder hat ihn aus der Versenkung geholt. Die vielen Soundtracks, an denen Cooder beteiligt ist, sind allein schon tonnenweise Grammys wert, aber auch von seinen regulären Platten könnte jedes schöne Roadmovie profitieren.
Christian Erdmann:
Es soll ja 8 Sekunden eines 8-Millimeter-Films geben, die Robert Johnson zeigen… Experten behaupten zwar, das ist er nicht, aber wenn Dylan in den „Chronicles“ sagt, das ist er, dann ist er das.
Nachtschwester Ingeborg:
„Performance“ ist ein Anti-68er der feinsten Art.
Christian Erdmann:
Also sagen wir mal, diese beiden treffen sich zufällig, oder durch sonderbaren Magnetismus, der brutale Gangster Chas, der zurückgezogen lebende Rockstar Turner; Chas verachtet Turner, verachtet damit, klassische Projektion, einen Teil von sich selbst, den er nicht akzeptiert, und Turner setzt sein Identitätsaustausch-Ritual in Gang. Sagen wir mal, die „Memo From Turner“-Szene weist z.B. auf die homoerotischen Untertöne im Männerbündlerisch-Harten. Wo könnte ich da die Anti-68-er-Linie unterbringen? Sehen Sie die darin, daß hier zwei Protagonisten scheinbar vollkommen gegensätzlicher Pole sich in dieses Vexierspiel ziehen, bei dem deutlich wird, wieviel Eigenes im Anderen und wieviel Anderes im Eigenen ist? Oder wie? :)
Mark Lanegans „Blues Funeral“ ist im Studio von Alain Johannes entstanden, recorded, mixed and produced by Johannes, der zudem an nahezu allen Instrumenten zu hören ist, except Schlagzeug. Das spielt Jack Irons, ex-Pearl Jam, aber auch mit Alain Johannes und Natasha Shneider bei Eleven.
Die Beiträge von Alain Johannes für die Queens of the Stone Age, die Desert Sessions oder Them Crooked Vultures dürften bekannt sein. Auf „Spark“ kämpft Johannes darum, den Tod von Natasha Shneider zu verarbeiten, seiner Lebensgefährtin, die im Juli 2008 mit 52 Jahren an Krebs verstarb. Zu „Lullabies To Paralyze“-Zeiten gehörten beide zum Line-up der Queens of the Stone Age.
„Spark“ ist der komplett allein eingespielte Versuch, Heilung zu finden, die Kraft, den Verlust zu überstehen; ein Werk, das einen schwer anfaßt, und du mußt bereit sein, dich mit dem Schmerz dieses Mannes, seiner Verzweiflung, seinen Fragen, seiner Resignation, seinem Zorn, aber auch seiner Dankbarkeit, seinen Oden für Natasha, ganz allein irgendwo hinzusetzen.
„I felt like I was being guided. Not only that, but I felt her presence in the room so intensely it was insane.“
Josh Homme comments, „Alain’s record is the total embodiment of what the label stands for – the war against endorsing mediocrity and the uncensored attempt to take a leap off the musical cliff. Spark is a stunning examination of figuring out what you do when someone’s gone, and it’s utterly breathtaking.“ Beauty often is born from tragedy, and Spark ultimately stands as a testament to that. Alain elaborates, „I actually finished the album 25 years to the day that Natasha and I met – November 29, 2009. That was our anniversary. In many ways, I was really just trying to make a record that she would be proud of.“ Her light still shines brightly through Alain on Spark.
(alainjohannes.com)
2010, als die Queens of the Stone Age in der Berliner Zitadelle spielten, stand vorher Alain Johannes auf der Bühne, leidgeprüft, was sonst, mit seiner Zigarrenkistengitarre und einer normalen Akustikgitarre, und schon, wie er diese Instrumente spielte, derart intensiv, daß man den Eindruck hatte, da ringt ein Mann jetzt ganz allein mit den Mächten des Schicksals, verschlug uns allen den Atem. Die Welle von Respekt und Zuneigung, die Johannes an diesem späten Sommernachmittag in der Zitadelle erfuhr, ist eine sehr schöne, bewegende Erinnerung.
Was für eine Band das war, vielleicht die beste Band der 90er. So legendär, so traurig. So groß und dabei immer noch so unterschätzt. Intelligent und hypnotisch. Sound der traumartigen Verzerrung. Diese vier Charaktere – Billy Corgan, James Iha, D’Arcy, Jimmy Chamberlin – leuchteten wie Sterne in einem Sternbild. Corgan hat mal gesagt, „You can’t out-god Led Zeppelin“. Die Smashing Pumpkins hatten das Zeug zu mythischer Größe. Aber es war eben auch diese schrecklich komplizierte Band, mit all diesen Spannungen und Problemen, auch, weil Corgan dieser zugleich sentimentale und grausame Diktator ist. Corgan schien gewillt, seine Seele öffentlich in Brand zu stecken, bis er an gebrochenem Herzen stirbt. „Willingness to be vulnerable.“ Die Smashing Pumpkins hatten eine Art, uncool zu sein, die megacool war. Corgan ist ja der, zu dem nie einer sagte: komm und sei Teil des Teams. Alles am Leben führt dazu, daß er nachts im Bett liegt und wehmütig zurückblickt auf die Tage der Unschuld. Irgendwie ist er immer am Ende einer Zeit.
Und es gibt Songs wie „“Porcelina Of The Vast Oceans“, da wird einem klar, die Kunst und die Schönheit dieser Band ist noch nicht im mindesten erforscht. Der Song ist ein einziger Kampf gegen die Entzauberung der Welt. Der Sound dieser Band überhaupt, so fragil und zart und dann so furios, mit einer solch gewaltigen Intensität, aber immer komplex, raffiniert und subtil und vor allem: dramatisch. Ich finde immer neue Farben, Facetten, Schattierungen in all der massiven Epik und melancholischen Sehnsucht.
Auf „To Sheila“ von „Adore“ ist dieser Mittelteil, der Schlagzeugloop hört auf, die Gitarre wird abgelöst durch dieses einsame Banjo, das traurig vor sich hin spielt zu: Lately I just can’t seem to believe / Discard my friends to change the scenery / It meant the world to hold a bruising faith / But now it’s just a matter of grace. Und Corgan schafft es, daß man sich fühlt wie dieses Banjo.
„Adore“ ist die Schatzkammer, die sich öffnet, wenn man die Zauberformel hat. In die Platte kann man so tief fallen wie in keine andere der Smashing Pumpkins. Bei einem englischen Journalisten las ich mal, es gab eine Flut von Bands, die versuchten, Nirvana zu kopieren, aber keine, die versuchte, die Smashing Pumpkins zu kopieren. Geht auch nicht. Unkopierbar.
„Rhinoceros“ würde ich wählen wegen „She knows. And she knows, she knows, she knows.“ Und auch wegen des Videos. In den 90ern faszinierte mich D’Arcy eher aus der Ferne. Heute hege ich eine D’Arcy-Obsession. D’Arcy, die im Video am Tisch sitzt und mit diesem Pingpong-Ball spielt, die Szenen laufen rückwärts in leichter Zeitlupe. Pure Magie. Später filmt sich die Band selbst im Hyde Park. Damals wirkte D’Arcy wie eine Elfe mit ihren langen blonden Haaren, am Ende sitzt sie neben Corgan und Chamberlin auf einer Bank oder einer Mauer, und man sieht ihre Strumpfhalter. So ist sie durch den Hyde Park gegangen. Corgan und Chamberlin mit ihren Sonnenbrillen wie Lou Reed und John Cale bei Velvet Underground, und es wird einem klar, daß D’Arcy wie Nico irgendeiner Tragik entgegengeht.
Ein Song wie „Rhinoceros“, der mit trauriger, erhabener Schönheit euphorisch machen kann, verdeutlicht auch schlagartig, wie tief die Latte heute meistens liegt.
(Aus: „13 Fragen an Christian Erdmann“, netSkater.net, 2009)
SPIEGEL ONLINE Forum
03.06.2007
Jimmy Chamberlins Schlagzeug klingt, als wären zwei Schlagzeuger am Werk, und er scheint kaum einen Muskel zu bewegen.
15.01.2008
Nanana. Corgan mag die Scorpions, aber er ist nun mal ein unermüdlicher Förderer der Erniedrigten und Beleidigten, schon in seiner Jugend hat er sich stets schützend vor seinen behinderten Halbbruder gestellt, er hat eine genuine Zuneigung zu einer gewissen Art von clumsiness, die er offenbar auch an sich selbst verspürt („I’m a Pisces, and Pisces have this weird inability to be completely spontaneous. We’re too conscious of our actions. I’ve always been way too sensible for my own good.“), und er ist natürlich eine wandelnde Jukebox, aber seine musikalischen Erweckungserlebnisse sahen nach eigener Aussage doch anders aus:
„Eight years old, I put on the Black Sabbath record, and my life is forever changed. It sounded so fucking heavy. It rattled the bones. I wanted that feeling. With Bauhaus and The Cure, it was the ability to create a mood and an atmosphere.“
18.04.2008
Für die Beschreibung all der Feinheiten, die die Smashing Pumpkins unkopierbar machen, braucht man einen Homer.
30.04.2008
„Zeitgeist“ hatte vier gute Stücke, eines davon („United States“) stieß einen sozusagen von hinten ins Beweismaterial für Ihro Unermeßlichkeit Corgan, und blies einem auch noch die Schädeldecke weg, seitdem fällt der Regen mir direkt aufs Hirn.
Aber ach, was D’Arcy im „Rhinoceros“-Video mit diesem Pingpongball macht.
dj1204:
Aber was mich im Laufe der Jahre immer mehr stört, ist diese grenzenlose Humorlosigkeit von Billy und Konsorten. Ob dieser Mensch überhaupt irgendwann mal lacht?
James Iha trat während seiner Zeit bei A Perfect Circle durchaus als Possenreißer in Erscheinung. Genauer, als Erzähler von Witzen, deren Pointe niemand so recht verstand. Im Laufe der Tour machten die anderen Bandmitglieder daraus ein Bühnenritual – Iha muß einen kryptischen Witz erzählen.
Iha war auf undurchschaubare asiatische Weise komisch, und Corgan auf Corgan-Weise, und die ziemlich smarte D’Arcy hat darunter schwer gelitten, was wiederum auch komisch war. Sie hat mal erzählt, Billy und Jimmy hätten dieses bad pun game, aus dem auch der Titel „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ entstanden ist. „It’s the bad pun game getting out of control. Embarrassing. Not the name. The name’s not really embarrassing. Just the game.“
Und in einem Interview sagte sie mal, James hätte dies/das gesagt und fügte hinzu: aber wer verstehe schon je, was James sagt.
Erhellend dazu auch D’Arcys Satz: „Look at the name of the band. How can people think we take everything so seriously when we’re called the Smashing Pumpkins.“
Bandintern herrschte also so eine Art Komik des Witzes, der nicht zündet. Okay, genug davon.
25.04.2010
Zen-Übung #53: bei Smashing Pumpkins-Songs nur darauf achten, was Jimmy Chamberlin da am Schlagzeug tut.
Kryoniker:
War Chamberlin jetzt der, der mal frei und umsonst auf dem Spielbudenplatz spielte?
Nein, das war Kenny Aronoff. Chamberlin hat nur von 1996-1999 eine Auszeit verhängt bekommen, ansonsten war er permanenter Pumpkin. Wo bist Du denn hier? Ich bin alle Augen auf D’Arcy. :)
Immer wenn man denkt, jetzt ist Corgan endgültig weg, kommt er mit irgendeinem Kram zurück, der einem die Schuhe auszieht, oder wenigstens die Schnürsenkel beider Schuhe zu einem mysteriösen Knoten zusammenschlingt.
23.11.2010
Einer meiner Lieblingsgitarristen ist ja jeder, der neben D’Arcy und ihrem Bass stehen durfte. Jetzt habe ich das Telefon-Interview gehört, das einem das Herz bluten läßt, als sie, nach 10 Jahren Versteck, plötzlich bei einer Radiostation in Chicago anrief, eine Frau am Rande von irgendwas, die vor Verwirrung über den Kontakt mit der Welt nicht weiß, wo ihr der Kopf steht. Fontane sagte mal, seine Frauenfiguren haben alle einen Knacks, und nur das fasziniere ihn.
Gegen die 100-Stunden-Version von „Transmission“, die die Smashing Pumpkins 1998 in der Aula Magna Lissabon spielten (James Iha: „Prepare for the spaceship.“),
ist dies, nun ja, ein Schnappschuß. Aber die Sekunde zwischen 2:59 und 3:00 ist ein ganzer expressionistischer Film. Versteht das jemand? Schon gut. :) Dear Santa, zu Weihnachten wünsche ich mir eine Radiostation in Chicago. Damit ich die ganze Zeit aufs Telefon starren kann.
25.11.2010
Ich komm später, ich liege hier noch mit der DVD („Smashing Pumpkins 1991-2000“) in der Hand, als wäre ich Protagonist in „The Lost Weekend“ oder sowas. – Das hier hat was Magisches, auch wenn es zuerst vielleicht gar nicht so scheint. Manche schreiben, sie möchten es für ihre Beerdigung, manche können es gar nicht zuende hören, weil es ihr Innerstes auflöst. Manche wissen, das Stück ist da, um plötzlich ganz besondere Erinnerungen zu beschwören. Und darum ist es „a happy song“, auch wenn er „melancholisch“ sagt. Der ist wie freigelegte Zeit, in der alles bedeutend war und ist und wieder ist, der läßt dich innehalten und für einen Moment die ganze seltsame Kontinuität sehen, die…
Isn’t it good, daß an jedem Tag irgendwo auf dieser Welt das hier in den Äther zieht.
„When the song appears to have reached its climax and to fade out, something comes to sustain the reduced guitar, looping. The previous dynamic, assertive riff comes back in a reversed form, as if someone has responded to the cry. The riff repeats in an alternation between the low pitch and the high pitch, as if an eternal reflection between a son and his mother.“
26.11.2010
Landete während meiner Suchtbefriedigung beim Herabsteigen Daphnes in Bilbao, und was – D’Arcy hat den gleichen Glitzerpullover wie der, den – naja, Juni, Kleidermarkt. Trotz intensiven Verständnisses dafür, wie alles wieder zusammenpaßt, bleibt mir ein Rätsel, wie sie damals, als sie Jimmy Chamberlin zur Rehab schickten, ausgerechnet auf Kenny Aronoff kamen. In Bilbao hatte der Mann jedenfalls eindeutig zuviel Tee in sich, bei „1979“ kann sich sogar D’Arcy ein Lächeln nicht verkneifen, weil der einsetzt, als müßte der Song totgeprügelt werden.
Ich nagel‘ das hier mal eben an die Tür: bei Hyperbeln ist die Übertreibung als solche schon selbst das Korrektiv, das selbstironisch die Befangenheit in der eigenen Perspektive eingesteht. :)
Dieses ganze Psychodrama der 4 wird langsam Teil meiner eigenen Psyche.
Rio 1996, vor 1 Trilliarde Menschen. Billy und James schießen Bälle ins Publikum. D’Arcy – „No more soccer balls!“ – „Goooool!“ – „No, no that’s not what I want to say.“ – sagt danke, fügt aber hinzu, die Band fände es unangenehm, daß ein Zigarettenhersteller (Hollywood) hier der Sponsor sei.
Vor X.Y.U. dann Billy: „The soccer balls were courtesy of the Hollywood Cigarette Company, thank you.“ Und dann achte mal auf D’Arcy.
D’Arcy war vorher schon ungehalten, weil James „Boys Don’t Cry“ von The Cure anstimmte. D’Arcy ist riesiger Fan von The Cure und redet ihm dazwischen, aber er singt ungerührt weiter.
24.02.2011
„The Smashing Pumpkins, at this time, could only be described as gargantuan.“
„Und D’Arcy, während des gut 100minütigen Auftritts versunken in ihre eigene Welt, war für wenige Minuten die wahrscheinlich schönste Frau der Welt. Umfangen von einem Hauch von Bluse, Lippen und Augen blaßblau geschminkt, auf dem Kopf eine Art silberne Badehaubenkrone, zupfte sie entrückt ihren Baß, arrogant und schüchtern zugleich.“
(intro.de über das Konzert auf der Hamburger Reeperbahn)
Ich entdeckte die Smashing Pumpkins ja erst 2000 wirklich, zur Hölle. Obwohl wir 1993, als wir in Gilleleje/DK waren, einmal eine „Berlingske Tidende“ kauften. Und da war ein Artikel über sie. Ich verstand nichts, niemand versteht Dänisch. But those 4 faces made an impression, it was like a pact: one day we’ll carry you off. Und die mysteriöse Fähigkeit von Smashing Pumpkins-Songs, Räume freigelegter Zeit zu öffnen, läßt mich jetzt manchmal meinen, ihre Gedankenatombeschleuniger waren für mich schon immer da.
Der letzte Song, den die Smashing Pumpkins vor dem breakup 2000 aufnahmen, schon ohne D’Arcy.
Eins der schönsten Videos aller Zeiten, weil man, wenn man aus dem Luftgefährt springt, immer dem Mond entgegenspringt und dem Unmöglichen, possible tonight.
„The most beautiful girl in the world“, zumindest am Abend des legendären Umsonstkonzerts der Pumpkins auf der Hamburger Reeperbahn. Wer dabei war, wird seinen Enkeln noch erzählen, wie 30 000 Menschen den Verkehr in St. Pauli lahm legten und die größte Rockband der 90er Jahre feierten. – Reiner Pfisterer
Und wenn man noch tausend Bilder von D’Arcy fände, auf allen ist sie eingehüllt in Infinite Sadness. „Arrogant und schüchtern zugleich“. Wenn sie lächelte, dann immer mit dem Vorwurf, daß jemand sie zum Lächeln brachte. Sie redet wie ein Killer aus Scham vor ihrem Charme.
„Sometimes I feel like I’m speaking Martian to people.“ – D’Arcy Wretzky
Praktisch alle Videos, in denen die Smashing Pumpkins sprechen, offenbaren etwas über die komplizierte Bandstruktur, immer am Rande der Dysfunktionalität, zugleich Matrix ungeheurer, unglaublicher Energien, von der Band ironisiert, so lange es ging, in „Vieuphoria“ bringen die Smashing Pumpkins sich bekanntlich selbst zum Psychiater, in einer anderen Sequenz regiert D’Arcy über drei Plüschtiere, die die anderen Bandmitglieder repräsentieren, und geht den James-Hasen mit einer Plastik-Kettensäge an wie eine böse kleine Alice, im „Thirty Three“-Video erscheint sie tatsächlich als klassische Alice im Wunderland, mit viktorianischem Kleid und weißen Strümpfen, zum Ballett mit dem Weißen Kaninchen.
Sie trifft Billy Corgan 1988 vor dem Avalon-Club in Chicago, wo sie in ein Streitgespräch geraten über die Band, die gerade gespielt hat: der schnippische Dialog, der seltsamerweise dazu führt, daß Corgan sie zum Vorspielen einlädt, enthält als Urszene die ganze mysteriöse Konstellation: Billy Corgan engagiert dieses rauflustige Mädchen mit dem wunderbaren Blondhaar, das von nun an immer so wirken wird, als ob sie Billy gar nicht mag, permanent not amused und dem Streß nicht gewachsen scheint – beim Vorspielen ist sie so bang und beklommen, daß sie ihren Bass nicht richtig spielen kann -, er engagiert sie mit ihrer faszinierenden Mischung aus badass und awkward, weil er weiß, daß er es muß.
Irgendwann, als die Smashing Pumpkins gargantuan sind, sagt Corgan: „There’s a lot of chemistry in the band that the outside world could never witness. In our band, D’Arcy is the moral conscience – it’s really hard to do something if D’Arcy thinks it’s fucked.“
Eine Aussage, die er 2011 erstaunlicherweise wiederholt. Erstaunlich, weil die Pfeile, die Corgan nach der Trennung auf D’Arcy, James Iha und sogar auf Jimmy Chamberlin abgeschossen hat, von niemals schließenden Wunden bei Corgan selbst künden, unstillbares geschwärztes Herzblut.
Anläßlich der Remasters von „Gish“ und „Siamese Dream“ erklärt Billy Corgan dann in einem Interview 2011: „D’Arcy was probably the person in the band with the highest taste. She had a very almost snobby taste about music. And it was D’Arcy who often times would say, no that’s too cheesy, no that’s too lame. And her opinion carried a lot of weight in the band.“
Corgan wußte, daß D’Arcy das Mädchen ist, mit dem er jedes Pferd stehlen kann. Daß die Viererbande Corgan – Iha – D’Arcy – Chamberlin eine mystische Einheit war, die den Göttern das Feuer entriß. Daß D’Arcy bei allem Hickhack eine Vision mit ihm teilte. Und daß er bei allem Hickhack bedingungslos auf sie vertrauen konnte, daß sie ihm folgen würde von Méliès-Mond bis zu Porcelinas Unterwasserspielplatz:
„I’d say that’s always been Billy’s motto: ‚Anything to serve a song‘. Whatever it is to serve the song, you know. If he has me stand on my head while I’m playing the kazoo, so be it.“
„I think we were a perfect band for social media. In fact I think we were doing social media before there was social media. Because we would cause fake controversies, and we would pretend to argue with each other in public and on MTV, we would do all sorts of weird stunts … and the band was very visually rich, and four distinct personalities, strong personalities.“
Billy Corgan, Interview with Rick Beato, 2022
„During the interview on Rockline on July 13, 1998, Billy said that the song at first sounded like a hippy folk song and lyrics were funnier. Then he rewrote the music, made it sparser and fragmented, and rewrote the lyrics. He said that he was going to rewrite the lyrics again but D’Arcy talked him into keeping the lyrics the way they are.“ (landslide.2007.org)
What if the sun refused to shine? What if the clouds refused to rain? What if the wind refused to blow? What if the seas refused to wave? What if the world refused its turn? What if the stars would hesitate?
What if what is isn’t true? What are you going to do? What if what is isn’t you? Does that mean you’ve got to lose? Digging for the feel of something new
What if the silence let you dream? What if the air could let you breathe? What if the words would bring you here? What if this sound could bring you peace?
What if what is isn’t true? What are you gonna do? Digging for the feel of something new What if what is isn’t you? What are you gonna do?
It came from your thoughts your dreams and visions Ripped up from your weeks and indecisions
D’Arcy behauptet, sie habe ihre ältere Schwester einmal dadurch zur Unterwerfung gezwungen, daß sie Messer warf, und man glaubt es ihr. Ihr Weg von irritierter Reinheit zu zerstörtem Engel ist der traurigste seit Nico.
„There’s a part of D’Arcy that wants to just walk off the stage.“ – James Iha comment after D’Arcy walked off the stage before „1979“ during a concert
The face we choose to miss Be it but for a day As absent as a hundred years When it has rode away
What a great page! I feel incredible sorry when I see D’Arcy in this fantastic performance in the 90’s knowing what happened to this poor soul afterwards. She always looks innocent and somehow „thrown into all of this“.
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Oh yes, I feel the same way, to the syllable. There’s something so incredibly touching about her way of being in this band, her stage presence, the shyness in her glamour. Recently the Rolling Stone wrote, „… she looked like an updated version of a sullen silent film star … the most glamorous outsider.“ Thank you for your lovely comment!
Mark Lanegan hat den BRMC weggeschwemmt!? Was für eine Stimme.
So. Wo waren wir? Coco. Woah. Eine der wichtigsten Frauen der Moderne und so kam auch ich nicht an ihr vorbei. Als ich in den 80ern und 90ern die Vogue und so Zeug durchblätterte, liebte ich allein die Chanel-Anzeigen, weil sie die stilvollsten waren. Linda Evangelista und Christy Turlington in zarten schwarzen Tüllröcken und mit tiefroten Lippen.
Rot, das so rot ist wie Blut, wenn man „Blut“ denkt. Und dann kamen die auch noch mit Rouge noir. Ich las damals dann auch diese schlechte, aber beeindruckende Biographie, die ein Roman ist. Ihr Klostertrauma, ihre Rebellion in Hosen, ihre Kühle, Strenge, Zähigkeit. Und das alles in Paris und Deauville, wo man nicht bereit war, es ihr leicht zu machen. Aber sie war auch gerissen, mutig und so schlau wie nur wenige Frauen. Auch eine meiner Wegweiserinnen, ganz klar, ich wußte alles über sie, was man wissen konnte und als ich Anfang der 90er in Paris war, besuchte ich mit großer Frechheit die 31, Rue Cambon. Schwarz und weiß, kühle Eleganz, kompromißlos und luxuriös.Stravinsky wurde in dem Buch kaum erwähnt, dafür die enge Freundschaft mit Misia Sert. Naja. Sahen Sie den Film bereits? Anna Mouglalis – mais oui, très bien.
Bitte sagen Sie, was Sie über Hegel-Freud-Lacan herausgefunden haben, Holmes. Über signifiants und signifiés. Sie wissen etwas, ganz sicher. Ich ließ beinah das Buch fallen, als es vom Auflösen im Anderen und der Rückkehr zu sich, wenn das Fremde im Anderen erkannt wird, sprach. Mein Gott, wie recht Sie hatten. Ganz am Anfang damals. Aber ich auch, weil alles erst dann schwierig wird, wenn man das Fremde zu überwinden und anzunehmen beginnt. Trotzdem, ein schweres Los, diese Lacan-Schriften. Ist denn nun Hegels Bedeutung des Unsichtbaren das, wovon Sie immer sagten, es sei nicht Positivismus, dem wir verfallen wollen? Ich hoffe, es macht Sie nicht alles sehr müde.
Den Black Rebel Motorcycle Club kann man nicht wegschwemmen. Ich hatte zwar die Ahnung, daß die es einem so richtig besorgen, aber ich hatte nicht gewußt, was die darunter verstehen, es einem so richtig zu besorgen.
Mark Lanegan, Sonnabend – hypnotisch, unglaublich, unerklärlich. Faszinierend ist es da, im Uebel & Gefährlich. Als wir da so saßen auf einem der Sofas der Hinterzimmer mit den alten gemusterten Goldtapeten an der Wand: B fragte sich, wo sie in dieser Bunkeretage das Bett hinstellen würde, und ich spendierte derweil laneganesque einen Whiskey für jeden Geist, der hier noch seufzte. Sie ist einfach die Pragmatikerin, of us two.
Oui, wir sahen den Film. Loved it. Und es ist ein Film für jene, die wissen, daß schon die Auswahl der Knöpfe für einen Chanel-Entwurf eine Wissenschaft ist und nichts weniger. Und für jene, denen es Schauder über den Rücken jagt, die ersten Töne des Fagotts von „Le Sacre du Printemps“ zu hören, im Orchestergraben so nah zu sein, daß man das leise Klappern der Mechanik des Instrumentes hört, weil es noch atemlos still ist – bevor alles im Inferno untergeht, das gleichwohl auch hier, wie ich u.a. von Misia Sert weiß :), noch recht zahm inszeniert ist. Leider gibt es auch hier keinen Nijinsky oder Diaghilev, wie sie zu sein hätten, aber das ist nebensächlich. Anna Mouglalis ist perfekt im Kühlen, Strengen, Zähen, Kompromißlosen. „Mögen Sie keine Farben?“ – „Doch. Schwarz.“ Chanel N° 5: „Ich will wie eine Frau duften, nicht wie eine Blume.“ Vor allem ein Film für jene, die wissen, welche Lektion Anna als Coco erteilt, und warum das deutsche Feuilleton den Film nicht lieben kann; beides gehört untrennbar zusammen. In Marlene-go-home-Land, das jetzt Heidi-Klum-Land ist, bleibt die Empfänglichkeit für subtilere Ausdrucksformen erotischer Spannung eher rar gesät. Schon für das, was Lagerfeld über Heidi Klum sagte, muß man ihn lieben: „In Paris kennt die keiner.“ Danke für das Bild mit all der schwarzerotischen Eleganz und den tiefroten Lippen, Sie wissen, wie Sie mich ergetzen, Watson.
Lacan. Nie verstanden, ob ich auch nur ein Wort von Lacan wirklich verstanden habe. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, ist für Lacan das Reale überhaupt nur in Vermittlung des Symbolischen erfaßbar, schon das ist eine antipositivistische Breitseite. Das Ich ist – als „Einheit“ – eine imaginäre Funktion. Das Symbolische ist die fast apriorische Kategorie, in die wir eintreten: Sprache, Zeichensysteme, die „symbolischen Formen“, von denen Ernst Cassirer spricht. Das Reale ist zwar da, aber wir können es immer nur in Annäherungen erfassen, mittels symbolischer Formen.
Fangen wir ganz vorne an, Watson: „Je est un autre“, Arthur Rimbaud, 1871. „Subjekt“ als abgeschlossene Ganzheit ist Fiktion. Lacan betreibt nicht Auflösung der Ich-Identität, wie ihm ja auch vorgeworfen wurde, doch er löscht „Identität“ als umgrenztes Ich – da wurde er für mich im Horror-Zusammenhang interessant.
Die Genese der Einheit des Ich als imaginär (im Sinne von „scheinhaft“ wie im Sinne von „auf ein Imago gründend“) verläuft entlang der bilderproduzierenden Kraft der Form und einer wiederum formenden Kraft des Bildes. Spiegelstadium als eine durch Aufnahme eines Bildes ausgelöste Verwandlung. Diese Form, die gespiegelte Gestalt des eigenen Körpers, situiert die Instanz des Ich (moi) auf einer fiktiven Ebene. Diese Form ist ihm als „Gestalt“ gegeben, jedoch – Lacans Pointe – „in einem Außerhalb“. Einheit des Subjekts ist auf die Ebene des – buchstäblich – Imaginären verschoben. Der gespiegelte lebendige Leib ist Gestalt, als Gestalt ist er Einheit, die sich auf das Ich überträgt. Das Kind, das sich mit dem Spiegelbild identifiziert, identifiziert sich mit der imaginär antizipierten Einheit. Das Bild des Ich ist also von Anfang an imaginär. Die das Eigenempfinden bis dahin beherrschende Impression der Zerstückeltheit weicht einer Projektion von Identität, die am Außerhalb des Bildes, am *anderen* orientiert ist. Der Spiegel gibt ein Ich ganz, aber als ein anderes. Diese erste Identifikation enthält eine Hochrechnung auf die Vollkommenheit, die später dem Anderen unterstellt wird. Soweit d’accord?
„Mögen Sie keine Farben?“ „Doch. Schwarz.“ *seufz* *umfall* Müßte allein schon reichen, mich restlos zu überzeugen. Oui, soweit recht d’accord. Sein Spiegelstadium formte Lacan ja unter anderem aus der Grenzerfahrung des Narziss, „die Stimme der Nymphe Echo verdoppelt die visuelle Beziehung zwischen Narziss und seinem Bild“. Und was er damit zeigen konnte, ist, dass das Ich nicht die autonome Instanz ist, die in der Psychoanalyse vorausgesetzt wird. Dann geht es weiter mit dem Symbolischen im Spiegelstadium als „strukturierende Instanz, ohne welche die spiegelbildliche Beziehung mit dem andern tödlich würde.“ Etwas später heißt es auch noch, dass „das Subjekt seinen Mangel im Angewiesensein auf die andern, in seinen Ansprüchen an sie, in der Liebe und vor allem in der Unmöglichkeit, restlos befriedigt zu sein, bemerkt. Im andern begegnet es erneut dem Mangel, dem des Andern. Damit ist das Drama jeder menschlichen Beziehung strukturell vorgezeichnet.“ Aber das ist auch nur aus der Einführung der Sekundärliteratur. :) Man kann Lacan wohl nie „verstehen“, das liegt schon in der Struktur seiner Inhalte begründet, sagen alle, die über ihn schreiben und von ihm sprechen. Man kann sich wohl nur annähern, und das immer mal wieder. Äußerst spannend.
Gut, also: das „Ich“ geht, bevor es eigentlich da ist, außer sich und findet sich als ein anderes; und es hebt insofern das Andere auf, als es sich selbst im Anderen sieht. Das Bild der Ganzheit wird dem Ich durch das Sichwahrnehmen im anderen, in einem außerhalb des Ich liegenden Bild vermittelt. „Ich ist ein anderer“. Dadurch, meint Lacan, wird also gerade die Ganzheit des Ich das eigentlich andere seiner selbst. Werten wir das nicht, versuchen wir einfach, weiter zu folgen. Das Ganzheitsbild erscheint ja vor dem Hintergrund der „discorde primordiale“. Wenn ich es richtig verstehe, meint Lacan, daß das Subjekt diese Erfahrung der Einheit, die „außerhalb“ gefunden wurde, in der Begegnung mit dem Anderen zu wiederholen versucht, und daß da immer eine Produktion von Imaginärem stattfindet. Unauflösbarer Zusammenhang von „Einheit“ und „imaginär“.
Dann: das Symbolische. Also das Differente. Das Gesetz des Vaters, strukturierende Instanz. Was Sprache ist und gleich ihr strukturiert ist. Dabei entsteht die Absenz des Anderen, die symbolisch in der Sprache repräsentiert ist. Und dabei entsteht das Unbewußte. Aber wenn es heißt, „L’inconscient, c’est le discours de l’Autre“ – das Unbewußte ist der Diskurs des Anderen – artikuliert sich das Ich in der Sprache des Unbewußten? Oder ist das Unbewußte der Ort des Anderen, das dem Subjekt vergessene Botschaften übermittelt? Oder beides? Oder ist dies ein Spiel mit Worten, welches das Unbewußte genau darin illustriert, daß die Reichweite des Sinns die gehandhabten Zeichen immer übersteigt? Daß in allem Gesagten Ungesagtes mitschwingt?
Irgendwie bleibt wohl, daß sich das Ich in der Sprache des Unbewußten anders als in seiner imaginären Einheit artikuliert, jenseits von ihr. Und das ist elementar z.B. im Hinblick auf das „Fremde sind wir uns selbst“ (Julia Kristeva), im Hinblick auf „das Andere“ als Konstante im Horror-Genre (und –Erlebnis), eben auch als internes Anderes, das helfen könnte, externes Anderes leichter zu akzeptieren.
In der Konfrontation mit der Sprache kommt es also zu einer Entfremdung, zu Spaltung und Dezentrierung des Subjekts; die sprachlichen Symbole vermögen nicht, die Totalität von Erfahrung abzudecken und alle Nuancen dessen auszudrücken, was ausgedrückt werden soll. Darum z.B. gibt es bestimmte Romane, die von vornherein dezentriert arbeiten, verschlossene Räume mitschwingen lassen, vergessene Botschaften evozieren und bestimmte Verleger zu der Aussage verleiten, der Autor sagt das Unsagbare. :)
Gehen wir zum ständigen Bedeutungsgleiten über? :)
Adam und Eve in „Only Lovers Left Alive“ von Jim Jarmusch wären mein Traumpaar #1, wäre dieser Rang nicht seit Anbeginn der Zeit vergeben an Poison Ivy und Lux Interior – The Cramps.
„We have been accused of being sexist. They don’t comment on our music at all, or the fact that maybe what I play is unique and I’m not mimicking some male guitarist — that this is original. I co-write the very sexual ones. All I see is our songs have to do with, from the male point of view, being intrigued by the power and mystery of females.
I think it’s a great tradition in blues songs and I think we’re in a good tradition there, too. He [the protagonist] is loving being overpowered by women and turned on. And a lot of people just confuse being turned on with being sexist — like it’s not OK to be flat-out horny over someone else. That’s really pitiful, but that happens to be the way things are right now. It’s a fear of sex in general, sex and power.“ – Poison Ivy
What’s inside a girl? Something’s telling me there’s a whole ’nother world You got a pointy bra, a ten-inch waist Long black stockings all over the place Boots, buckles, belts outside Watcha got in there you’re trying to hide
„I’m the Queen of Rock ’n‘ Roll, and for this to not be recognized is pure sexism.“ – Poison Ivy
„A Bikini Girl with Machine Gun is just a scary, powerful female image, that’s not misogynist.“ – Poison Ivy
„There’s no more feminist band in the world than The Cramps.“ – Lux Interior
„What outrages me is that people can be so satisfied and half asleep. I don’t want to go back to the 50s or something, but I do remember a time when cars looked like rocket ships, and people wanted to have a wild time and dress sexy and dance sexy and try new, crazy things. It seems like these days there’s an abundance of boringness and timidity, and that’s the kind of thing that outrages me, you know? Boring people, that’s nothing new, but the numbers are growing rather than going down. It’s not a good sign.“ – Lux Interior [COSMIC DEBRIS – OCT 1997]
Zwei denkwürdige Soireen. Heilige Nächte für uns.
The Cramps – Docks. Review von Jörg Burger, 03/90
Spielte der Teufel Gitarre, er täte es bei den Cramps. Ihre Musik ist böse, ihre Auftritte sind schmutziger Sex (…) Am Dienstag war das Docks ihr Höllenpfuhl. Sänger Lux Interior keuchte im engen Plastikdress wie ein schwarzer Engel der Lust, die Gitarre klingelte metallen, das Schlagzeug stieß monoton: ein musikalischer Geschlechtsakt, Rock ’n‘ Roll aus dem Rotlichtbezirk. Aber die Cramps – und das ist ihr Geheimnis – sind nicht nur ein physischer Genuß. Die Cramps sind auch Amerikas Antwort auf Plastik-Pop und Kleenex-Sex. Im Schmutz glänzt da die Wahrheit, unter dem Bösen lauert das Gute. Teuflisch schön.
Now I just can’t identify With this world, so I don’t try
Interior, from Cleveland, met Ivy in California in 1972. „It is very romantic,“ she said of their life together. „“It’s like a living myth.“ [*]
Onstage, there was chaos, confrontation, destruction of equipment, bare flesh, and that dangerous, subversive-sounding psychobilly. Rebellion and reliability were mashed together, which is to say the Cramps flirted with disaster but always came through with an A-level show.
A Cramps gig was one of barely controlled chaos. The Cramps took rockabilly – that most stable of forms – and warped it. The Cramps embraced trash rock (…) as glorious rediscovery, investing it with a thick forest of crazed psychedelia and primitive, pounding drum beats. (…) From the voodoo rhythm a danceable, dark, entrancing beauty arose. [*]
Mad? You call me mad? I who have the secret of eternal love? You call me mad? Yeah, I can teach you how to read the book of life But you can just look at the pictures if you like
„I’ve always thought of us as surrealists right from the very beginning. I think anytime anybody gets too comfortable or decides to cleverly pigeonhole ‚the way things should be‘, an artist is going to come along and turn the whole thing upside down. That’s always healthy. That means people are thinking; they’re not just doing what they’re told. It means they’re being moved by a spirit. Gauguin said there are two types of artists: revolutionaries and plagiarists. We’re revolutionaries.“ – Lux Interior [*]
Die schönste, schnellste, langsamste, unabhängigste, reinste und beste Rock’n’Roll-Band der Welt [**]
„Wir umgeben uns eigentlich nicht gern mit anderen Menschen.“ (Lux Interior) Wie man sich amüsiert, das wissen die Cramps. Auch die Cover der letzten drei Cramps-Platten sollen bewußt machen, daß Sex & Amüsement eine entscheidende Rolle spielen: Poison Ivy, die Göttliche, ist zu sehen als Revue-Strip-Girl (auf dem Live-Album SMELL OF FEMALE), als fauchende Tigerkatze in Netzstrümpfen (auf der Maxi „Can Your Pussy Do The Dog“) und in der Pose des sexhungrigen Satanweibs mit Glamour-Girl-Touch (auf A DATE WITH ELVIS). Lux: „A DATE WITH ELVIS dreht sich nur um das eine: um die Frau und das Verlangen. (…) In den jüngsten Kritiken hat man uns als Frauen-Hasser und Anti-Feministen angeklagt – für mich ist diese Person, die uns Frauen-Hasser und Sexisten nennt, selbst sexistisch. Wir sind eine der wenigen Bands, in der zwei Frauen den größten Teil der Musik machen (…)“ Lux: „Elvis steht für mich als Symbol für eine Rockabilly-Ethik, für eine bestimmte Lebensphilosophie, nach der man sich seine eigene magische Welt aufbaut und darin leidenschaftlich lebt.“ (Artikel / Interview Harald InHülsen 1986)
„Wir haben uns nie entwickeln müssen“, sagt Lux Interior. „Wir waren gut von Anfang an.“ [**]
I’m glidin‘ thru this friction Like some science fiction thrill Gettin‘ off in these dimensions Where time itself stands still Flowin‘ thru a whirlpool to A she-feast wrapped in silk
„Es ist schwierig, zu bestimmen, ob wir zeitgenössisch sind“, sagt Poison Ivy. „Wir haben keine Zeitgenossen.“ [**]
„Wir haben keinen Apparat um uns herum. Keinen Manager, keinen Rechtsanwalt oder sowas. Wir machen alles alleine. Es ist seltsam, aber wenn du zu einem Konzert der Cramps gehst und Eintritt bezahlst, bekommen zuerst einmal wir das Geld. Kein Geldschwamm ist dazwischen. Das macht das Leben natürlich etwas leichter.“ Und die Umwelt? Welches Jahr ist heute, Lux? „Das ist im Grunde egal.“ (Lars Freisberg, SPEX, 1990)
Now, if you’ll remember, the last episode in our series showed The Cramps signing a contract with Enigma over Bela Lugosi’s grave two Halloweens ago. This gave them major label distribution and their only chart hit ever (the only fair „Bikini Girls With Machine Guns“). But Enigma folded, dumping our heroes back in the swampy indie backwaters where I guess they belong. They apparently lost their bassist, the luscious, pouting Candy Del Mar in the scuffle and replaced her with the leaner, meaner Slim Chance. Much more worrying is the absence of Nick Knox, The Cramps‘ drummer since roughly 29BC and, I am convinced, one of the undead. „Dames, Booze, Chains And Boots“ pretty much sets the tone, and demonstrates that the right concerns can be eternal. From then on, it’s every virgin for herself as Lux Interior gets persuasive … He’s the only singer alive who can actually sound cross-eyed with lust. Above all, there is still something compelling about Lux and Ivy, the Romeo and Juliet of the trash world … Ivy, with her tinselly wig and witchy gloves, and Lux, sunken-eyed, pale as a wraith, but still with the cheekbones of a matinee idol, are supernovas. – Caren Myers, „Look Mom No Head!“ Review, 1991
Sie [Poison Ivy] und Lux Interior sind die ausgeglichensten Menschen der Welt. Eines der wichtigsten Rock ’n‘ Roll-Paare, weil gleichberechtigt und zusammenarbeitend, haben Lux und Ivy inzwischen einen gegenseitig sich verstärkenden Über-Charme entwickelt. […] Trotz aller Schwierigkeiten dieser komischen Subkultur-Karriere: 15 Jahre sind sie Könige der B-Kultur und Underdogs in der Mainstream-Kultur. Sie ziehen es vor, milde auf ihrem Terrain zu residieren, ohne zu resignieren. […] Und Ivy ist mit der gleichen Souveränität zu einem Interview mit dem führenden Gitarren-Spieler-Mag bereit wie dazu, als Sexdoll-Gummi-Kleider-Modell in „Skin Two“ zu fungieren. Man höre sich nur diese Dinger auf „Look Mom No Head!“ an. Das sind kleine Leckereien von Songs. Petit Fours. Die durchknallen im rosa Marzipanbelag wie in „Eyeball In My Martini“ oder „Bend Over, I’ll Drive“, das Stück zum Sex im fahrenden Auto mit dem Refrain „Is this the way Jayne Mansfield died?“. – Jutta Koether, 1991
When The Cramps come over to Europe to play some gigs, they like to go shopping. Actually, they love to go shopping. On their current world tour, to promote the latest album, ‚Stay Sick‘, they’ve been taking in a number of the more esoteric shopping experiences that Europe has to offer, including Paris‘ Scarabée d’Or bookshop, and our very own showroom in Ladbroke Grove. Sultry, flame haired lead guitarist Poison Ivy and tall, dark, ghoulishly handsome singer Lux Interior spent their time off in London stocking up on shiny black clothes and new high-heeled shoes for their outrageous stage show. The Cramps‘ association with fetish clothing and imagery goes back a long way. (…) When they came over to the SKIN TWO showroom, we took the chance to pin them down (…) IVY: I think I picked it up from old magazines really, just wanting to live in another world, you know, and circles I fell into. SKIN TWO: Are you serious collectors of fetish imagery too? LUX: We have boxes stacked up… SKIN TWO: Who are your favourite artists, among the Stantons and the Irving Klaws of this world? LUX: Actually we named our cat Torchy, after Torchy by Bill Ward. We have quite a bunch of his original art on our wall – from the ’50s when he was drawing real good stuff. IVY: I think my favourite one is the Outer Space story in Bizarre. It’s about one man in outer space, who lands on a planet of women and they have a huge fight and blow up the spaceship. The final frame of it is all these high-heel shoes floating through space like satellites! (SKIN TWO Issue No. 10)
It’s an attitude otherwise known as Ultimate Glamour, a knowing sexual charisma pre-pubescent Kylies worldwide would kill to possess. If that enviable edge has a name, it’s Poison Ivy Rorschach. Lead killer vamp, co-founder, and probable prime mover of the band, she’s flashed out the Cramps‘ jagged strobe-lit world of sex ’n‘ horror with Looks To Die For. (…) She’s outcamped camp in the process, mercilessly subjecting sexual stereotypes to a wry sker-reem of consciousness that confuses the f**k out’ve teenage cockrockers because it’s on her terms, not theirs. (?, 1991)
„I bumped into him at the liquor store next to the studio, and talked him into doing ‚Miniskirt Blues‘. It was a real thrill – we’ve always been big Iggy fans; we’ve got his first record ‚Mona‘ by the Iguanas, which cost us a lot of money to get, but it’s really great.“ – Lux Interior 1991
I’m kinda surprised you’re not hassled by Moral Majority groups in the States (…) Lux: „These are the kind of people you really gotta spell things out to, blatantly mention Satan every other word. But they treat us like black music in the 50’s, something really underground that’s better left alone. In a way that’s kept us from being targets – they’re afraid of us and don’t understand what we’re talking about. It’d need half a brain, and they don’t even have that much!“ (1991)
Ivy: „I think there’s something mainly in our titles that grabs people’s attention because of what they think it may be about. But the content… It’s not sexist to say that women can be bewildering to men. Or that women can be bad … Dangerous, scary, powerful, terrifying, destructive, these are things that can be true, and that’s not sexist at all.“ They’ve also been called sexist because of the way they advertise themselves (…), with Ivy posing as a stripper outside a porn movie house on the cover of „Smell Of Female“, or „Stay Sick!“ Ivy flashes her tiara scornfully. She’s the Queen of trash glamour, and that’s the way she likes it. „There’s different ways for people to express themselves visually. I love the way I look, I worship women, we buy a lot of these old pin-up magazines from the Fifties. There was even a culture that doesn’t exist now of strippers and showgirls who could live being just that, their pure visual physical existence was enough. That to me is like being a goddess, that’s like getting to do whatever you want. I think a totally free world for women would be to be able to do whatever you want. Freedom doesn’t mean you have to imitate men, who may be full of shit too.“ Certainly, within The Cramps, women don’t seem to be the weaker. Ivy quite obviously runs the show, producing the records, dealing with the business side. Onstage, Lux’s exhibitionism and orgasmic yelps end up making him seem more vulnerable than predatory, more „I wanna be your dog“ than „I’m gonna give you every inch of my love.“ I mean, I, uh, assume you have no whips at home. „I wouldn’t assume anything,“ says Ivy darkly. The Cramps, like all the best stories, is also a great romance. Was it love at first sight? „Oh, yes!“ they chorus, glowing. And is Ivy still the most beautiful woman in the world? „Oh yeah,“ he beams. „And I’m more madly in love with her now than then. Every day more. It seems really natural.“ Ivy: „I think we kinda brought each other up, we’ve been together so long. We’re both romantic people, which helps. Getting together made us think of things to do, being partners in crime.“ [Caren Myers, Melody Maker, March 3 1990]
„We’re just people who remain ever-curious. We’re just attracted to whatever comes in handy. Again, like the Surrealists, anything you run across is actually beautiful; within a single city block, you find miraculous things. It’s a good planet — and good things can happen.“ (Lux Interior)
„This thing we call ‚Stay Sick!‘ is not so much about staying sick as staying well, when everybody else on earth is really kinda f—ed up. ‚Stay Sick!‘ to me means ‚Stay Alive!'“ (Lux Interior)
„Our world will continue when everybody else’s has fallen apart.“ (Poison Ivy)
Nicholas Barber interview, 1998
Ivy:
„We’re not married. I don’t know what you’d call what we are. We’re deeply in love and feel like we’ve been together for more than this lifetime, but we’re not aware of any particular ritual that would consecrate it in a way that makes sense to us. We sure don’t need to make it any kind of institutionalised situation. Nature upholds our bond. There’s not anything that we deny each other. I’ll always hear somebody say, ‚Oh, I’d like to buy that but my wife would kill me‘, or vice versa, and I’m like, ‚God, what is that?‘ We don’t feel that either one of us has any right to say anything about the other’s needs. We just have to trust that person and what that person is entitled to. Fortunately, we happen to like a lot of the same things, but even if we didn’t, that shouldn’t matter. We’re both real free thinkers. We’re nice to each other. There’s all those reasons why we’re together, but I think it’s also karmic. We’re karmically entwined.
He’s easy to love. He’s someone I can get crazy with, I knew that about him right away. I thought: ‚Oh boy, what’s gonna happen now? Something exciting!‘ It’s still happening.“
Lux:
„She’s incredibly beautiful, that was the first thing I noticed. And then when I talked to her she was incredibly smart, too. We just had a bond. A week and a half, maybe two weeks later we started living together. We just couldn’t hardly stand to be away from each other. People would even tell us: ‚That’s not right, it’s not healthy, you guys shouldn’t be spending all your time together.‘ And they tell us that to this day.
It was a while on before the group actually happened. All my life I’d been to see rock ’n’roll bands, but I’d never quite been in one myself until I met her. I remember her saying, ‚Well, we should do that‘, and I’d say, ‚Well, yeah, I guess we could do that‘, and she’d go, ‚Of course we could do it!‘ I think we just talked each other into it.
This is our dream-child or something, this is something that we make and we do together, and we’re real protective of it. And we’re also appreciative of the fact that we invented this thing called The Cramps, and from that has sprung a subculture of people all over the world, and we feel we’re representative of them. We take that real seriously.
I tend to fly off the handle and go crazy and start screaming and she tends to be a bit wiser and calmer and more patient than I am – before she starts going wild, too. I think she’s a lot classier than I am, but I think I’ve gained a lot of class from her. It’s hard to figure out how we’re different because we’re together all the time and we always do everything together. In a way it’s kind of one thing, me and her, but she’s also very much an individual and very strong. She grows like a tree. She’s faceted like a diamond. There’s a million sides to Ivy and I just love all of them.“
She’s the Queen of the Psychedelic Jungle, Punkabilly Rebel, and Garage Goddess. And was The Cramps‘ leader, though the planet hardly acknowledged it. Lux Interior might have been the face of The Cramps, the walking, screaming obscenity that grabbed all the headlines. He defined the term „unpredictable,“ writhing around like — as disciples The Gun Club once described him — „an Elvis from Hell“. But make no mistake – Poison Ivy was the fuel that powered that engine of sonic depravity. Her guitar work was a perfect storm – the raw, snotty edge of punk fused with the raw, untamed spirit of rockabilly. It was like taking a shot of cheap whiskey and snorting a line of razor blades – pure, uncut adrenaline, filtered through thick fuzz, reverb and tremolo. Why evolve when you’ve achieved perfection? Their phantasmic punkabilly (…) drove eight studio albums with nary a weak moment, as well as powering countless world tours. They quietly retired after stealthily playing their final gig November 4, 2006 at Tempe, Arizona’s Marquee Theater. Three years later, on February 4, 2009, Lux Interior unexpectedly passed away at Glendale Memorial Hospital due to an aortic dissection. Initial reports suggested that he had a pre-existing condition, but this was later disputed. It felt like a tall, thin, PVC-clad hole had been ripped out of the heart of the universe. We would never see the likes of The Cramps again.
Certainly, Poison Ivy Rorschach has not been seen again. Kristy Wallace laid her creation to rest alongside her lifelong soulmate Lux Interior, as Erick Lee Purkhiser’s crypt was sealed. She continues living a private life, and why not? She gave everything to rock ’n‘ roll as Poison Ivy. It’s enough. She was a goddamned revolutionary, a sonic architect who built a world where horror movie soundtracks collided with ’50s rock ’n‘ roll freakouts, and then with a burlesque show. The Cramps were the antithesis of everything that was polished and palatable in the music scene (…) Poison Ivy redefined rock ’n‘ roll guitar and left a scorch mark on the face of music history. Let her reign as the heroine she was, the phantom menace behind one of the greatest bands to emerge from the punk rock gutter. Hail Poison Ivy! God save the queen!
„In Esterles Atelier soll nun, nach einer Mitteilung Fickers, Trakl den Pinsel ergriffen und sich so gemalt haben, wie er sich einmal, nachts aus dem Schlaf aufschreckend, im Spiegel gesehen hatte.“ (Otto Basil)
Trakl-Gedenkstätte Salzburg, Foto Christian Erdmann, 09/2011
Klage
Schlaf und Tod, die düstern Adler Umrauschen nachtlang dieses Haupt: Des Menschen goldnes Bildnis Verschlänge die eisige Woge Der Ewigkeit. An schaurigen Riffen Zerschellt der purpurne Leib Und es klagt die dunkle Stimme Über dem Meer. Schwester stürmischer Schwermut Sieh ein ängstlicher Kahn versinkt Unter Sternen, Dem schweigenden Antlitz der Nacht.
Die Nacht
Dich sing ich wilde Zerklüftung, Im Nachtsturm Aufgetürmtes Gebirge; Ihr grauen Türme Überfließend von höllischen Fratzen, Feurigem Getier, Rauhen Farnen, Fichten, Kristallnen Blumen. Unendliche Qual, Daß du Gott erjagtest Sanfter Geist, Aufseufzend im Wassersturz, In wogenden Föhren.
Golden lodern die Feuer Der Völker rings. Über schwärzliche Klippen Stürzt todestrunken Die erglühende Windsbraut, Die blaue Woge Des Gletschers Und es dröhnt Gewaltig die Glocke im Tal: Flammen, Flüche Und die dunklen Spiele der Wollust, Stümt den Himmel Ein versteinertes Haupt.
Seele des Lebens
Verfall, der weich das Laub umdüstert, Es wohnt im Wald sein weites Schweigen. Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen. Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.
Der Einsame wird bald entgleiten, Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden. Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden, Indes die Lider sich vor Gottheit weiten.
Der blaue Fluß rinnt schön hinunter, Gewölke sich am Abend zeigen; Die Seele auch in engelhaftem Schweigen. Vergängliche Gebilde gehen unter.