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Sherlock – Der Reichenbachfall

Andrew Scott als Moriarty in "Sherlock - Der Reichenbachfall".
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Sherlock – Die Hunde von Baskerville

Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes in "Die Hunde von Baskerville" ("The Hounds of Baskerville").
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Hangman’s Cricket [Peter Greenaway]

"Hangman's Cricket [Peter Greenaway]", Gespräch mit Christian Erdmann im SPIEGEL ONLINE Forum. Bild: Szene aus "Drowning By Numbers".
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Sherlock – Ein Skandal in Belgravia

Diskussion über „Sherlock – Ein Skandal in Belgravia“ im Blog Café de Flore, direkt nach der deutschen Erstausstrahlung. Mai 2012.

Sherlock - Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia), Lara Pulver als Irene Adler.

Catherine:

Endlich, endlich, es ist wieder Sherlock-Zeit! Der erste Teil der Series 2 von BBC’s Sherlock lief gestern abend im deutschen TV. Unzählige Male sah ich schon die ersten drei Teile und wartete sehnsüchtig auf die Fortsetzung. Nun also! Und was für ein Wiedereinstieg! Irene Adler, die einzige Frau, die es mit Sherlock’s mind aufnehmen kann. Sie umkreisen sich, sie kämpfen mit Wortspielen, mindtricks und Blicken. Am Ende siegt Sherlock, durchschaut ihren Bluff, sie habe ihr Interesse an ihm gespielt. „Sie konnten nicht widerstehen.“ I AM SHERLOCKED. Und der Code ist geknackt. Es bleibt eine Art Freundschaft? Whatever. Er rettet sie und das Handy verschwindet in der Schreibtischschublade, ganz wie in „A Scandal in Bohemia“, nur dass es dort ein Foto der Dame war. Diese in die Moderne übersetzten Gleichnisse aus den Originalgeschichten gelingen den Produzenten Gatiss und Moffat immer wieder ausgesprochen genial.

Auch wieder grandios:  die vielen Einfälle zur Verschrobenheit der beiden colleagues and friends Sherlock Holmes and Dr. Watson. Sherlock verlässt die Wohnung nicht mehr für die einfachen Fälle. Wird folglich durch Dr. Watson vertreten, der am Tatort ein Notebook mit Webcam herumträgt, um Sherlock einen Überblick zu verschaffen. „Halten Sie mich höher, ich spreche nicht von unten mit ihm!“

Als dritte im Bunde auch diesmal wieder zu schön: Mrs. Hudson. „Daumen!!“ Im Kühlschrank.

Noch schöner – die Christmas Party! Hach, bunte Lichterketten in den Fenstern, verschneites London, Sherlock spielt Geige und zerstört die Stimmung, indem er Molly mal wieder bloßstellt. Am Ende des Abends stehen die beiden Brüder Holmes vor der Morgue. „Gefühle bringen keinen Vorteil.“ – „Frohe Weihnachten, Mycroft.“

Aber herrje, die Synchronisation! Schluckt eine Menge des british understatement, des Charmes, der Besonderheit dieser Serie. Und dennoch: so hochwertige Fernsehunterhaltung sieht man im deutschen Fernsehen sonst nie. Who cares for Tatort anymore!?

„Sie reden einfach weiter, wenn ich weg bin?“ – „Keine Ahnung, wie oft sind Sie denn weg?“

„Und wie oft genau ist er aus dem Fenster gefallen?“

Aaah, Irene Adler. The woman. „Wo ist sie?“ – „Wer?“ – „Na, die Frau! Die Frau Frau!“

Christian Erdmann:

Ah Dear. Ich wußte, wie Sie von Christmas & New Year in 221 B bezaubert sein würden. „Frohes neues Jahr, John.“ Das Fenster, die Atmosphäre, die Lichter, die Violine.

„Who cares for Tatort anymore?“ Well, wenn das nicht alles über Deutschland sagt: der unsägliche Pilawa hatte doppelt so viele Zuschauer, selbst eine Tatort-Wiederholung im Dritten hatte mehr Zuschauer als „Sherlock“. Man faßt es kaum mehr, weder, wie phantastisch diese Folge war, noch die bräsige Ignoranz dieses Volks, Folge langjähriger systematischer Verblödungsarbeit, auch die „Sherlock“-Synchro entgeht, soviel ist schon klar, ohne daß ich die Originalfassung von „A Scandal in Belgravia“ nun schon komplett gesehen hätte, diesem Den-Deutschen-bloß-nicht-überfordern-Verbindlichkeitsdreck nicht vollends, aber gut, bedecken wir diese Tatsache unter 243 verschiedenen Arten von Tabakasche.

Die Szene vor I AM *SHER*LOCKED, in der Sherlock Irenes Handgelenk nimmt und in ihr Ohr flüstert: „Nein. Weil ich Ihren Puls genommen habe… die Frequenz erhöht… die Pupillen erweitert“, ist das Erotischste, was ich seit langem sah.

Lara Pulver ist die perfekte Irene, dieser gleam in ihren Augen, making every move credible. Aber gerade die Sekunden, wenn sie John in der Battersea Power Station entgegengeht, beweisen, wie vollkommen diese Frau in dieser Rolle ist, diese attitude in diesen Sekunden, ihr Gang, ihr Blick.

Sherlock & Irene, die obsessive Faszination der beiden füreinander, so brilliantly done, das ist einfach nur atemberaubend. Alles an dieser Folge funkelte nur so. Man kann jede einzelne Minute nehmen und verfolgen, was alles darin untergebracht ist, so wie man staunend einen Ballon verfolgt, der immer höher fliegt. Die Szene, in der Sherlock die liebeskummerige Molly mit ihrem Weihnachtsgeschenk praktisch öffentlich hinrichtet, weil er sich als „high functioning“-Soziopath nicht kontrollieren kann, und dann der Moment, in dem er tatsächlich versteht, was er angerichtet hat, „Es tut mir leid. Verzeihen Sie mir. Frohe Weihnachten, Molly.“ So unerwartet und berührend, man muß als Cumberbitch in diesem Augenblick zerfließen, aber steht diese Szene nicht auch in unendlich komplexem Zusammenhang mit dem ganzen impact, den Irene Adler auf Sherlock hat, ist nicht auch sie ein mögliches Indiz dafür, daß dieser impact tatsächlich auch emotional ist und nicht „nur“ (Goodness sake!) Erotik als Machtspiel, Machtspiel als Erotik, die erregende Qualität der Intelligenz und die intelligente Art der Erregung? Daß er, Sherlock, vielleicht tatsächlich nicht nur deshalb in Karachi auftaucht, um Irene zu retten, weil sie – full circle – am Anfang auftauchte, um ihn zu retten? 

Und tat SIE das nur, um das einzige Katz-und-Maus-Spiel mit einem Mann zu inszenieren, das diese High Class-Dominatrix faszinieren könnte? Ihn dabei für ihr Spiel zu instrumentalisieren? Schon die Art, wie sie am Anfang über Sherlocks Bild streicht, läßt anderes ahnen. Faszinierend, wie sich in diesem komplexen Geflecht an Motivationen und entsprechenden plot twists doch immer wieder playing the game zwischen Sherlock und der FrauFrau als eigentlicher plot bestätigt, und, wiederum, was unter playing the game verborgen ist.

Die Szenen, in denen man hintenüberfällt – ungezählt. Die Hommage an „Where it is always 1895“. Sherlocks Sockenordnung. „Er wird Gott überleben, nur damit er das letzte Wort haben kann.“ Runter von meinem Laken. Das erotische Stöhnen, das Irene auf Sherlocks Phone spielt, und das dann eben doch mehr als nur ein running gag ist.

„Hamish. John Hamish Watson. Nur, falls Ihr noch einen Babynamen sucht.“ :)

Sherlock - Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia), Lara Pulver als Irene Adler.

Catherine:

Absolutely yes. Nun ja, vergesse in der Aufregung immer, dass das, was im TV geboten wird, auch von Menschen gesehen wird. Also, das andere Zeug, das es meistens gibt. Aber Menschen wollen immer das, was ihnen vertraut ist und wenn es noch so schlecht ist. Umso erstaunlicher und erfreulicher, dass überhaupt Sherlock gezeigt wird. Downton Abbey hat es ja nicht mal in die Hauptkanäle geschafft, die zweite Staffel wurde dann gar nicht erst gekauft.

Aber zurück in die Baker Street. Yes, brilliantly done. Obsession, fascination, ja. Auch bei ihm. Was leicht entgeht: die Story zieht sich über Monate. Monate, in denen Dr. Watson und Mrs. Hudson sich heimlich über den ungewöhnlichen Zustand Sherlocks Sorgen machen. Ein weiteres Indiz für Ihre Vermutung, es sei mehr als nur „das“: Irene Adler flüchtet sich in die Baker Street, liegt in seinem Bett, sitzt in seinem dressing gown und mit gewaschenen Haaren in seinem Sessel. Würde dieser sociopath das zulassen, nur um einen interessanten Fall verfolgen zu können, als Teil des Spiels? Nein, jede/r andere wäre längst rausgeflogen oder teilte Mollys Leid.

Aber Mycroft oder das holmesianische Familiensystem setzt sich durch, als es darum geht, zu siegen. Das letzte Wort zu haben. Und nicht zuletzt: sie erwähnt Moriarty. Brillant hier eingeschoben, dass Moriarty auch hier wieder die Fäden zieht als consulting criminal. (By the way: im „Reichenbach Fall“ wird Ihnen übrigens die Luft komplett wegbleiben. Jede Minute ist dreimal so vollgepackt, jede kleinste Kleinigkeit zählt.) Man kann genau beobachten, wie Sherlock sich in dem Moment, als Irene Adler Moriarty erwähnt, die connection zu Ms. Adler durchtrennt, emotional disadvantages, – für den Moment -, um zu siegen.

Muß zugeben, dass mir manche Zusammenhänge immer noch nicht ganz klar sind. In manchen Szenen wird unfassbar schnell gesprochen. Benedict Cumberbatch spricht im Making of darüber, dass diese Szenen auch für ihn schwierig waren, so las ich heute. Und doch, sogar mit Synchro, didn’t get everything. Das Coventry-Dilemma. Warum ist überhaupt Moriarty involviert? SIE hat ihn konsultiert, ja, aber warum Mycroft? Und warum sollte die Maschine nicht fliegen? Hm. Brauche dringend die DVD. Oh, allein das Seufzen der Ms. Adler auf Sherlocks Handy. In der Synchro viel zu tief, viel zu albern. Im Original much lighter, mädchenhaft und vor allem glaubhaft. Und „Brainy ist the new sexy“ wurde zu „Grips ist sexy“. Ich bitte Sie! Wer verwendet heute das Wort „Grips“? Liegt doch seit den 80ern auf der linguistischen Müllhalde. Das „battle dress“ , das zum „Kampfanzug“ wurde. Naja.

Sherlock - Ein Skandal in Belgravia. Lara Pulver als Irene Adler.

Christian Erdmann:

„… als es darum geht, zu siegen. Das letzte Wort zu haben.“ Der Moment, in dem Sherlock die connection durchtrennt, – für den Moment -, um zu „siegen“. Gut, ja. Und ich las nun, daß Steven Moffat von feministischer Seite Kritik eingesteckt hat sowohl für Irene Adlers „defeat“ als auch dafür, sie schließlich nur zum „pawn of Moriarty“ zu machen. Und dann wieder dafür, daß Sherlock / masculine presence sie am Ende rettet (impliziert wohl: daß sie sich nicht selbst rettet). Also, diese Übellaunigkeit ergrimmt einen. Wenn da eine Frau ist, die an Intelligenz, List und Einfallsreichtum allen Männern außer einem :) überlegen ist, wird all das also praktisch zunichtegemacht, annihiliert, weil dieser eine Holmes ist? Also bitte. Das ist logisch nicht haltbar, mathematisch nicht haltbar, sherlockologisch nicht haltbar. 

Das Schöne an Irene Adlers Blick am Ende ist, daß man in ihn auch hineinlesen kann: sie wußte, daß Sherlock zu ihrer Rettung eilen würde. Was die „Niederlage“ auch wieder relativiert, oder besser: letztlich spielen Sherlock und Irene einfach ihr eigenes Spiel, retten es am Ende gewissermaßen selbst noch vor allen anderen Plot-Verwicklungen, und sogar vor der „Sieg / Niederlage“-Idee.

„Warum ist überhaupt Moriarty involviert?“ Also, wenn Irene, wie gesagt, vorhat, das einzige Katz-und-Maus-Spiel mit einem Mann zu inszenieren, das sie faszinieren könnte (weil Holmes der einzige Mann ist, der sie wirklich fasziniert), dann muß sie Sherlock vor Moriarty retten. Offensichtlich hat sie Sherlock seit längerem im Visier, und nun muß sie sehr dringend einschreiten. Und Moriarty etwas anbieten, das wiederum diesen genug faszinieren könnte, um ihn davon abzuhalten, Sherlock in diesem Moment tatsächlich aus dem Weg zu räumen („Ich kann nicht zulassen, daß Sie weitermachen“). („Stayin‘ Alive“ als ring tone auf Moriartys Phone in diesem Moment – so bescheuert obvious, daß es schon wieder klasse war).

Ausschließen kann man wohl, daß schon diese Szene von Moriarty und Irene fingiert war, Moriarty scheint ehrlich überrascht von dem Anruf, sein „Natürlich, wer sonst!“ läßt auf etwas wie „Ist dort…“ am anderen Phone schließen. Insofern verstehe ich auch den „pawn of Moriarty“-Gedanken nicht. Irene eröffnet, weil sie Moriarty in diesem Moment von seiner Beute abbringen muß (SIE! will mit Sherlock spielen!), und geht wahrscheinlich davon aus, ihn auch weiter in Schach halten zu können. Die Royal Family und die Geheimnisse des Verteidigungsministeriums sind ihr vollkommen gleichgültig. Sie will Sherlock, und es bietet sich ihr die Gelegenheit, an Sherlock heranzukommen, indem sie den born villain Moriarty von der Möglichkeit in Kenntnis setzt, eine Regierung über den Haufen zu werfen.

Das bedeutet natürlich, wenn sie nicht zu „Schuhen“ verarbeitet werden will, daß sie weiterhin irgendwie mit Moriarty zusammenarbeiten muß, ihn sich aber auch von den High Heels zu halten gewillt ist. Er ist, wie alles andere, nur Peripherie in ihrem Spiel mit Sherlock.

Die kompromittierenden Fotos, die sie von sich und dem jungen weiblichen Mitglied der Royal Family hat (sehr schön Mycroft: „Eine phantasievolle Palette, hat man uns versichert.“), beschreibt Irene ja immer nur als Versicherung, das Eigentliche ist dieser Plan der englischen und US-Geheimdienste, von dem Irene weiß, weil ein Regierungsmitglied bei ihr geplaudert hat. Terroristen planen, ein Passagierflugzeug in die Luft zu sprengen, und die Geheimdienste wissen davon. An einem bestimmten Punkt (als er im Auto zum Flugzeug gebracht wird) interpretiert Sherlock „Coventry“ als: sie wußten es, aber sie haben es zugelassen. Tatsächlich plant Mycroft aber eben, das ganze Flugzeug auszutauschen, um die Terroristen zu täuschen, und dieses Flugzeug mit den Toten abstürzen zu lassen. (Die Szene, als Holmes dieses Flugzeug betritt, ist schon sehr eerie!). Aber das Projekt wird gestoppt, „die Terroristen haben erfahren, daß wir von der Bombe wissen“, Sherlock hat Irene und daher Moriarty zu dem Code verholfen (die airline seat numbers). Irene erscheint im Flugzeug und hält Mycroft das Phone vor die Nase, „das Ihre ganze Welt zum Einsturz bringen könnte“, übergibt ihm die Liste ihrer Forderungen, um dafür im Austausch die Informationen auf ihrem Phone herauszugeben. Und dann eben der Moment, in dem Sherlock sie damit konfrontiert, daß sie lügt, wenn sie sagt: „Sie denken doch nicht wirklich, daß ich an Ihnen interessiert war“. Genau der Moment, in dem ihm auch der Code klar wird: I AM SHERLOCKED. – Bei mir Mattscheibe: warum Mycroft zu Sherlock sagt (im Flugzeug): und ICH habe dich in ihren (Irenes) Bannkreis gebracht.

Ich LIEBE diese Szene, Schnitt – Gegenschnitt, Irene betrachtet die Photos von Sherlock im Bettlaken auf ihrem Smartphone, Sherlock betrachtet die Photos, die Mycroft ihm im Buckingham Palast reicht, die Bilder von THE WOMAN, die Domina auf ihrer Website – beide ultimately sexy, und doch – obwohl Sherlock ja nachweislich no stranger to Reitpeitschen ist – ahnen wir hinter dem faszinierten Blick auf das, was zu sehen ist, die Faszination an den Sphären, in die sie einander führen können.

Verstehe auch nicht, wie man darauf kommen kann, zu argumentieren, es sei enttäuschend, daß Irene nudity einsetze. So vom feministischen Standpunkt aus enttäuschend. Sie tut es souverän und dominant, sie setzt sich einfach – mit ihm zusammen! – komplett über diese albernen Ideen von „Frau als Objekt“ hinweg, sie zieht ihn in diese wunderbare Dialektik – ihn damit zu faszinieren, daß sie ihm überlegen ist. Sie „setzt Nacktheit ein“ gerade, um ihm zu zeigen, daß sie ihm NICHTS zeigt  (ihm, der aus jedem Detail von Kleidung wie rasend Deduktionen aneinanderreiht) – außer dem Code für ihren Safe (ihre Maße). Die Dialektik, sich ihm überlegen zu zeigen und ihm gleichzeitig die Gelegenheit zu geben, seine Überlegenheit über ihre Überlegenheit zu demonstrieren.

Phantastische Idee auch, Irene und Sherlock „zusammen“ in die Szenerie mit der Bumerang-Geschichte zu versetzen, sie „zusammen“ die Geschichte aufklären zu lassen, von der ich jetzt öfter gelesen habe, sie habe keine Bedeutung für den Plot, die aber eben ganz zentral ist für den Plot, wenn der Plot eben die entfesselte Dialektik dieser obsessiven Faszination der beiden füreinander ist.

Schön auch der Blick, den sie teilen, der als kaum merklich inszeniert ist, vor ihrem Safe sieht er im Augenwinkel, wie sie ihn mit einer Kopfbewegung warnt.

Göttlich, wie Mycroft Mrs Hudson anfährt, und beide, Sherlock und John, mit ihrem „Mycroft! Oi!“ den großen Bruder veritabel erschrecken.

Wie John seiner Freundin anbietet, ihre Hunde auszuführen, und es waren die Hunde der letzten Freundin. Wie diese Szene Irene bestätigt: Oh doch, ihr seid ein Paar.

Anyway, Moffat ist fortan mein top hero, für die Selbstverständlichkeit, mit der er in Irene Adler Ultra-Attraktivität und Ultra-Intelligenz zusammenbringt. Würde sich in D keiner trauen, so eine Frauenfigur, und die Art, wie sie schon wieder zugequatscht wird, ist eben Teil des Problems und nicht der Lösung.

Bin vorbereitet darauf, daß mir bei Reichenbach komplett die Luft wegbleibt, aber nach diesem Spiel zwischen Cumberbatch und Lara Pulver ist eh nicht mehr viel übrig. :)

Sherlock - Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia), Lara Pulver als Irene Adler, Benedict Cumberbatch als Sherlock.

Catherine:

Thank you so much für the enlightenment! Habe nun noch einmal mit neuen Augen geschaut, mit Ihren wunderbaren Erklärungen und neuer Aufmerksamkeit.

„Und ich habe dich in ihren Bannkreis gebracht.“ Weil Mycroft Sherlock mit dem Irene Adler / königliches Familienmitglied – Problem von der Coventry Geschichte ablenken wollte. „Es war vor deinen Augen.“ Die Kinder, die ihren Opa nicht noch mal sehen durften und der Mann mit der Urne, in der keine menschliche Asche war. Sherlock reagiert darauf nicht, aber es ist gefährlich nah an ihm dran, deshalb muß Mycroft sich was überlegen, um seinen Bruder zu beschäftigen, solange das Coventry Dilemma nicht ausgestanden ist. Allerdings war es wiederum sein Fehler, im Beisein Sherlocks am Telefon „Bond Air hat grünes Licht“ zu sagen. Sherlock spricht ihn darauf auch an, Irene Adler wisse noch viel mehr, als ihm bekannt sei und es ginge noch um andere, viel größere Dinge hinter all dem. Mycroft schweigt.

Und dann macht Sherlock den Fehler, auf Moriartys Plan reinzufallen, dass Irenes Wiederauftauchen ihn dazu bringt, ihr den Code zu knacken. Somit schließt sich der Kreis. Hätte Mycroft nicht Sherlock auf Irene Adler angesetzt, hätte sie ihn zwar trotzdem gefunden, aber er wäre nicht der Initiator gewesen. Denn Mycroft hat nicht damit gerechnet, dass Irene Adler mit der Coventry Geschichte in Berührung kommen könnte, da er die Verbindung zu Moriarty nicht kannte. Also hat Mycroft indirekt durch die Vergabe des Falls Irene Adler / Königshaus an Sherlock dafür gesorgt, dass die Terroristen vom Vorhaben der Regierung, den „Flug der Toten“ zu starten, erfahren.

Vermute, dass Moriarty von vornherein alles genau so geplant hat, weil ja schon vor und während des Palastbesuchs Fotos von Sherlock gemacht werden, die Irene postwendend erhält. Bin ich eigentlich die einzige, die die Anspielungen auf die junge, weibliche Person aus der allerhöchsten Familie mit Kate Middleton assoziiert? Vermutlich darf man sowas nicht zu laut denken. :)

Oh ja, die Parallelszenen sind großartig! Beide betrachten die Bilder des anderen, beide „kostümieren“ sich für die erste Begegnung (Gatiss/Moffat haben sich viel mehr am Original orientiert, als mir zunächst aufgefallen war. Zu sehen auch in der Verkleidungsszene, Sherlock als Pfarrer, eine schöne Reminiszenz an die Vorlage.) Beide haben Assistenten zur Seite. Auch die Szene während Sherlocks drugged sleep, genial, wenn Traum und Wirklichkeit ineinander fließen und er noch im Halbschlaf mitkriegt, dass sie da war und dann seinen Mantel an der Tür hängen sieht auf der Suche nach der Ursache für das unbekannte Geräusch, welches sein Handy von nun an von sich gibt.

Aber diesmal fiel mir deutlicher auf, dass Sherlock fast durchgehend misstrauisch bleibt. Er beobachtet genau, er überlässt sich eventuellen Gefühlen nicht, sondern nimmt ihre Maße auf den Inch wahr, nimmt ihren Puls, nutzt ihre gespielte oder eben nicht gespielte Annäherung jeweils für präzise Beobachtung. Auf Watsons „Hamish! … falls ihr noch einen Babynamen sucht.“ folgt ein komplett irritierter und entsetzter Blick. (Benedict Cumberbatch wird ebenso mit jeder Folge präziser und brillanter in Mimik und Gestik, I say!). Während der Zeit, als er denkt, sie sei tot, interessiert ihn ausschließlich, das Handy zu knacken. Sherlocks Obsession bleibt gedeckelt. Sie setzt Nudity ein, ja, aber sie bleibt Objekt in seinen Augen. Er ist auch Narzisst, nicht nur Soziopath, wie die Kommentare zu Watsons Blog sehr deutlich machen. Frauen sind für ihn Objekte, wie Molly, so zunächst auch Irene Adler. Erst als es nicht im geringsten langweilige Rätsel zu lösen gibt, wird es für ihn interessant und dann führt die Bewunderung, die er für Irenes scharfen Verstand empfindet, zu anderer Sichtweise in Bezug auf Frauen, siehe Molly again.

Dazu schrieb Conan Doyle in „Ein Skandal in Böhmen“: „Für Sherlock Holmes ist sie immer noch die Frau. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er sie jemals unter einem anderen Namen erwähnt hätte. In seinen Augen überflügelt und überragt sie ihr ganzes Geschlecht. Es war aber nicht so, dass er so etwas wie Liebe für Irene Adler empfunden hätte. Alle Gefühlsregungen und insbesondere die der Liebe verabscheute sein kalter, analytischer, aber bewundernswert ausgewogener Verstand. (…) Für einen geschulten Denker wie Holmes bedeutete das Eindringen von Gefühlen in sein eigenes kompliziertes, letztendlich hochempfindliches Wesen einen Störfaktor, der möglicherweise Zweifel an seinen logischen Schlüssen aufkommen lassen konnte. (…) Und doch gab es nur eine Frau für ihn, und das war die verstorbene Irene Adler, obwohl die Erinnerung zwiespältiger Natur ist.“

Zwiespältiger Natur, weil sie ihn verraten hat und das darf man bei Narzissten nicht unterschätzen. Trotzdem hat er begonnen sie zu respektieren und zu bewundern. Zwiespältigkeit lässt beide Stränge zu. Er rettet sie aus Respekt, Verehrung und Loyalität. Und weil er damit letztlich seinem Bruder wieder einen Schritt voraus ist, ebenso den Terroristen und nicht zuletzt Moriarty.

Nein, natürlich ist nichts haltbar, was diese feministischen Kritiken angeht. Es ist evolutionär gegeben, dass Männer und Frauen voneinander abhängen und es besteht dabei nun mal keine Gleichheit. Es ist großer Unsinn, von einer Frau zu verlangen, neben Frau auch noch Mann zu sein. Wenn Irene Adler nicht als Frau agieren und einen mächtigeren oder sagen wir schlaueren Mann suchen, herausfordern und bewundern würde (ob nun Moriarty oder Sherlock), wäre grundsätzlich was komplett abhanden gekommen, nämlich die dringend erforderlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau, die dann ja auch überhaupt erst zur Faszination führen. SIE bewundert IHN wegen seines schnellen, scharfen Verstands und weil er in der Lage ist, sie zu retten. ER bewundert SIE, weil sie ihre Attraktivität einsetzt (nudity), um seine Kategorisierung zu umgehen, ein Rätsel zu sein, und er fühlt sich ihr verbunden und bestätigt als Mann, weil er etwas für sie tun kann, nämlich sie zu retten.

Oh, like you said it, ein großes Problem: nicht nur die Ultra-Attraktivität und Ultra-Intelligenz der Frau, sondern auch des Protagonisten. Dazu die Vielschichtigkeit der Story und das hohe Tempo. Alles sehr undeutsch.

Ja, großartig, dass die beiden Mycroft gegenüber Mrs. Hudson in Schutz nehmen, nur um sie dann selbst anzufahren, die Klappe zu halten. Und wie sie dann am Weihnachtsabend zu Molly sagt, dies sei der einzige Abend im Jahr, an dem die Jungs nett zu ihr sein müssen.

„Was tun wir hier eigentlich, Sherlock, was? Treffen wir die Queen?“ Mycroft tritt auf. „Oh, offenbar ja.“ :)

Sherlock - Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia), Lara Pulver als Irene Adler.

Christian Erdmann:

Vermute, die Kate-Middleton-Assoziation dürfte jedem gekommen sein, der „Britishness“ so schätzt, daß er dem „Scandal in Belgravia“ entgegenfieberte, ich stelle mir nur vor, daß Kate selbst gar nicht unbedingt etwas dagegen hat, in fiktive Szenen mit Irene Adler verwickelt zu werden. :) Im übrigen ist der Name von Irenes Gespielin ja auch Kate!

Der Satz von Mycroft – Sherlock hat den Code der email entschlüsselt, Irene sendet den Code heimlich zu Moriarty, der wiederum diesen schadenfrohen, hämischen Text an Mycroft sendet. Irgendwie hatte ich daraus geschlossen, Mycroft müsse eigentlich in dem Moment, als er diesen Satz sagt, schon mehr klar sein als das, was „Und ich habe dich in ihren Bannkreis gebracht“ aussagt; daß er, als Irene Adler im Flugzeug auftaucht, wissen müßte, daß ein Plot im Gange war, der dem von ihm im Buckingham-Palast Initiierten voraus war.

Vielleicht, das weiß ich ja nun noch nicht, geben die zwei weiteren Folgen noch clues dazu, aber für mein Empfinden geht Irene tatsächlich so vor, wie sie es Sherlock bzw. Mycroft gegenüber am Ende formuliert: daß Moriarty für sie ein consultant war; der dann zwar with glee zugreift, daß sie aber bei dem für sie Wichtigen unabhängig von ihm agiert. Schickt Moriarty ihr die Fotos von Sherlock im Bettlaken? „Ich schicke Ihnen einen Leckerbissen“ kann von Moriarty sein, muß aber nicht. Ich denke vielmehr, Irene hat ihr eigenes Netzwerk. Because, wir sehen, zu Beginn, daß Irene Moriarty kontaktiert, während Her Naughty Royal Highness noch gefesselt daliegt. Right during a session. Wenn Irene nur vorhat, Moriarty mit ihrem Material zu kontaktieren, könnte sie ja das Ende der Session durchaus noch abwarten. So aber wäre meine Interpretation, daß sie eine dringende Mitteilung bekommen hat, wegen Sherlock in distress, eben von ihrem eigenen Überwachungssystem. Wie gesagt, sie hat Sherlock im Visier, und nun muß sie sehr dringend einschreiten. Und dafür die interessante Stunde mit der Prinzessin unterbrechen, die Peitsche noch in der anderen Hand, und Moriarty jetzt anbeißen lassen. Nur so wird auch die Rettung, die Sherlock dann am Ende erwidert, nicht zum bloßen Zufall. Aber sagen Sie mir, wenn da irgendwo ein Fehler drinsteckt!

Ja, Sie beschreiben das sehr schön, daß Sherlock sich eventuellen Gefühlen nicht überläßt. Aber wir können nicht in ihn hineinsehen. :) Wir wissen nicht, ob ihn wirklich nur das Phone interessiert, in der Zeit, als er Irene tot wähnt. Natürlich ist es main concern des Sherlock-Geistes, aber es ist wohl auch ein Fetisch. Der Fetisch, den er auch am Ende an sich nimmt. Mycroft faßt im Flugzeug Sherlocks Geschichte mit Irene ja mit „Das Versprechen von Liebe, der Schmerz des Verlustes“ etc. zusammen, zugleich ironisch und nicht ironisch. „Liebe“ wäre natürlich das falsche Wort, darum „obsessive Faszination“ etc. Aber die ist reziprok, und, in a way, alles andere ausschließend. Mag sein, daß Frauen für Sherlock grundsätzlich „Objekte“ sind, aber auch nicht mehr als alles andere bzw. jeder andere, abgesehen von John Watson, Mrs. Hudson und Mycroft. Aber Irene ist anders, unvorstellbar anders. :) Sie ist, in a way, the perfect match. Weil sie nicht nur die exzeptionellen Vorzüge Sherlocks teilt bzw. von ihnen erregt wird; auch, weil sie sich in derselben, sagen wir ruhig, Einsamkeit auskennen. Sie erkennen sich. „Die Gleichen erkennen sich im Feindesland“. Sein Mangel an Empathie, Pendant dazu bei Irene etwa ihre Bemerkung, als Kate bewußtlos ist („Daran ist sie weiß Gott gewöhnt.“). Die ruthlessness. Aber was so wunderbar ist an Lara Pulver, so genial an der Besetzung: wie sie vermag, auch Verletzlichkeit auszustrahlen.

Einfach ein Geniestreich ohnehin, aus Irene Adler eine Domina zu machen. Lust an der Macht und Lust an Inszenierung. Sherlock ist ja der klassische Apolliniker. Für den Apolliniker ist die Frau am attraktivsten, wenn sie sich völlig selbst kontrolliert – aber auch am gefährlichsten. Und Moffat / Gatiss hatten den Mut, aus Irene Adler die ideale Dominatrix zu machen. Camille Paglia schrieb einmal: Konversation mit einer Dominatrix ist wie ein Mikado-Spiel mit Rasiermessern. Sherlock darf genau diese Erfahrung machen. :)

Die Femme fatale ist ja deshalb fatal, weil sie die apollinische Verobjektivierung, Verbildlichung und Vergegenständlichung untergräbt – aber seltsamerweise auch gerade deshalb für einen Hyperapolliniker wie Sherlock so attraktiv wird, eben weil sie die Macht hat, das alles zu übersteigen. Irene ist DIE FRAU, weil sie den Distanzierungsprozeß des Apollinikers in eine Art Obsession umwandeln kann. Und Irene als Domina ist eben deshalb so ideal, weil keine Figur schlagender (oh what a pun) die Überlegenheit, mit der sie wiederum selbst den apollinischen Genuß an dieser Obsession genießt, verkörpert.

Sherlock und Irene spielen ein intellektuell-erotisches S/M-Spiel (und gewiß genießt er es am Ende, ihr „Erwarten Sie, daß ich um Gnade flehe?“ mit „Ja“ zu beantworten), aber beide geben dabei auf eine Weise, die zumindest strukturell mit Liebe vergleichbar ist, einander das Gefühl, absolut einzigartig zu sein für den anderen. Eine so phantastisch komplexe Beziehung! Wie sie ihn anschaut, als er S-H-E-R ins Phone zu geben im Begriff steht, und sie weiß! es, daß er es jetzt weiß, so voller Angst und zugleich voller Bewunderung, einfach überwältigend.

„Der einzige Abend im Jahr, an dem die Jungs nett zu mir sein müssen.“ – ha, diese Mrs Hudson hat es in sich. Ja, auch wenn Sherlock ihr dann selbst sagt, „Besser Sie halten wirklich die Klappe“ (schließlich hatte Mrs Hudson auch gerade einen wunden Punkt berührt – Familie!) – fest steht, wer sich mit Mrs Hudson anlegt, fliegt ungeklärte Male aus dem Fenster. Der CIA-Mann fliegt da hinten übrigens dermaßen da hinten vorbei, daß ich an diesen Monty Python-Sketch dachte. „Fine, fine. Fine.“

-> Office Sketch 

Schön auch, wie im Palast the priceless giggle in ein unvergleichliches Lachen bei BC übergeht. Genial natürlich auch das komplexe Bruderverhältnis, sehr bewegend die „Fragst du dich je, ob mit uns etwas nicht stimmt?“-Szene, einfach großartig, wie Cumberbatch und Gatiss diese belastete Geschichte in jeder Szene präsent sein lassen. Ach, alles genial.

Catherine:

„Wilkins!“ „Robertson!“ „Wilkins!“ „Robertson!“ „THAT was Wilkins!“ „That was Wilkins.“ Hach, young John Cleese! Gorgeous! :)

Ah, I see! Vermutlich sind wir im Grunde wieder mal ähnlicher Meinung, nur anders. Obsessive Faszination bei Irene Adler, ja. ER ist unvorstellbar anders. :) But you got me by that pool scene. Hatte das noch nicht, dass Irene in diesem Moment anruft. („Stayin‘ Alive“  >  wait for Reichenbach.) Aber, yes, sie rettet ihn, fantastisch beobachtet, dass sie ihren „Job“ unterbricht, weil die Nachricht von Sherlock in Gefahr sie alarmiert. Aber am Ende sagt sie auch, Moriarty habe ihr gesagt, wie man die Holmes-Brüder am besten manipuliert. Warum dann beide? Weil es auch um ihre Rettung, ihren Schutz geht?

Nein, hineinsehen können wir nicht, aber wir können beobachten und unsere Schlüsse ziehen. :) Deshalb zitierte ich den Originaltext: „… bewundernswert ausgewogener Verstand“. Zunächst ist er tatsächlich verstört, sein Unterbewusstsein reagiert mit eben dieser dionysischen Obsession, die Sie meinen, wie die Traumsequenz zeigt. Er kennt diese Gefühle bis dahin nicht am eigenen Leib („Sex beunruhigt mich nicht.“ – „Woher willst du das wissen?“), er ist quasi asexuell und auch, wie wir wissen, antisozial, wenn es sein muss. (Übrigens auch falsch übersetzt, als er das Smartphone röntgt und Molly sagt, Menschen tun verrückte Dinge aus Liebe oder so ähnlich. Er sagt dann in der Synchro sowas wie „Tun wir das? Ja, das tun wir, nicht!?“ Aber im Original sagt er „Do THEY? Yes, THEY do!“ Er sieht sich davon nicht betroffen.)  Er erinnert sich im Traum auch, dass Moriarty geschworen hat, „to burn the heart out of you“. Und er sagt, er habe die Chemie der Liebe analysiert, sie sei ebenso simpel wie sinnlos. Und das bewundere ich wiederum an Gatiss und Moffat, dass sie genau diese Klarheit bewahren, dass Sherlock sich nicht auf die körperliche Sinnlichkeit der Irene Adler einlässt. JEDE andere Filmproduktion wäre aufs Dionysische verfallen, hätte eine sexuelle Affäre erzwungen, wo sie nicht hingehört. Genau das, dass die beiden auf geistiger Ebene einen intellektuellen Machtkampf oder meinetwegen auch eine Art S/M-Spiel spielen, bis es eben ausgestanden ist, macht alles glaubhafter. Und ja, Lara Pulver spielt unverschämt gut.

Die Irritation, die Sherlock am Anfang durch sie erlebt, ärgert ihn, ja, das Rauschhafte, Sinnliche, das sie in ihn legt, ist ihm fremd und unwillkommen, aber er kann sich (noch) nicht dagegen wehren. Auch weil er glaubt, dass sie tot ist. Ein unglaublich cleverer Schachzug, übrigens. Als er dann in der Battersea Power Station erkennt, dass sie lebt, und die SMS bei ihm ankommt, er entdeckt ist, dreht er sich um und geht. Warum? Ein weiteres Mal fällt er auf sie rein, weil er nicht damit rechnet, dass der Code, den er für sie knackt, nur kurze Zeit später in den falschen Händen landet. Er hasst es, zu verlieren. Dass sie ihn rettet, dass sie ihm geistig und in der Gerissenheit ebenbürtig ist und er Bewunderung und Faszination empfindet, einerseits, dass er sich auf eine Obsession, die ihn als high functioning sociopath, als Hyperapolliniker stört, nicht einlässt, andererseits. Zwiespältig. Ja, ein Machtspiel, und alles ist immer erotisch motiviert, das Begehren ist das, was vorantreibt. Er spielt mit, bis es eben vorbei ist und die Erinnerung, die Ehrerweisung an DIE Frau in der Schreibtischschublade verschwindet. Und so ist es richtig, denn er hat sich – ganz apollinisch – dem Aufklären von Verbrechen verschrieben. :)

Was offen bleibt: was machte Irene in Karachi?

Möchte schon jetzt darauf hinweisen, dass im Reichenbach-Fall Katherine Parkinson auftritt. Für mich als Psychobritin ein weiteres Highlight, für das ich Gatiss und Moffat gern mal die Hände schütteln würde. Katherine Parkinson spielte die „Jen“ in der „IT-Crowd“ und ist eine der besten Schauspielerinnen, die das englische Fernsehen derzeit vorweisen kann, und das kann ich sagen, ohne überhaupt mehr als drei oder vier derzeitige britische Fernsehschauspielerinnen zu kennen. :) Natürlich kann sie es nicht mit Lara Pulver aufnehmen, aber sie ist dennoch ganz wunderbar „fitting“ oder so.

Sherlock - Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia), Lara Pulver als Irene Adler, Benedict Cumberbatch als Sherlock.

Christian Erdmann:

Denke, das haben Sie jetzt unübertrefflich zusammengefaßt. Auch darum, wenn ich das noch hinzufügen darf, ist die Idee so phantastisch, aus Irene eine Domina zu machen, weil es die herkömmliche „sexuelle Affäre“ nach mainstream-Muster im Grunde schon ausschließt. Irene ist, als Dominatrix, mittels stilisierter Erotik, ohnehin Expertin darin, Begehren – eben dadurch, daß sie es zum Innehalten zwingt – zu höherer Bewußtheit zu schärfen. Und sie genießt das Kenntlichwerden des männlichen Eros als begehrendes Streben, über das sie Macht hat. Es ist einfach logisch, daß sie auf mehreren Ebenen Sherlock als einzige echte Herausforderung betrachtet. :)

Ich finde es faszinierend zu sehen, wie diese beiden Menschen sich verstehen, fast wie Spiegel füreinander sind, aber auch wissen, daß sie sich gegenseitig zerreißen würden – Irene sagt am Ende etwas wie „Sie haben recht, es würde nicht einmal sechs Monate dauern“ – ich war zuerst nicht sicher, was sie meint – bis man sie erwischt? Nein, ich glaube, sie meint genau dieses Wissen, wie sie sich gegenseitig zerstören würden, in diesem – hocherotischen – Machtspiel. Ich denke, daß beide in diesem Moment, da sie es erkennen, traurig sind. Irenes Verzweiflung in diesem Moment ist echt und sichtbar, Sherlock kennt keinen anderen Weg als: den bitteren Triumph durchzuspielen mit fast grimmiger Verzweiflung. Und dann zu gehen. Wie er auch vor Watson, als dieser einmal durch den Türspalt fragt „Alles in Ordnung?“, einfach die Tür zuknallt. Es ist der Moment, in dem er vermuten muß, daß Irene tot ist.

Ich dachte einmal sogar, vielleicht ist der Grimm dieses Sherlock, des Cumberbatch-Sherlock, auf seinen Bruder eben auch darin begründet: einerseits kann Sherlock es nicht einmal im Ansatz ertragen, in irgendeiner Form – auch intellektuell – der „kleine“ Bruder zu sein (die Szene im Palast, als Mycroft Tee eingießt!), in irgendeiner Form unterlegen. Sherlock ist Sherlock aus 27 Gründen, aber auch nur als brilliant superbrain hat er ein Mittel gegen die ironisch lächelnde Herablassung Mycrofts – even if Mycroft really cares for his brother. Aber er zahlt einen Preis dafür, und die Begegnung mit Irene wirft Schlaglicht auf das Defizit. So daß, andererseits, Sherlock seinem Bruder wenigstens für Momente eigentlich etwas anderes übelnimmt, jedenfalls schwingt es für mich in der „Fragst du dich je, ob mit uns etwas nicht stimmt“-Szene mit. Ja, er hat sich – ganz apollinisch – dem verschrieben, was er tut, es ist seine Leidenschaft. Aber in der Szene deutet sich etwas an wie Bedauern, Vorwurf an Mycroft, etwas wie: you made me like this, weil ich deine Anerkennung wollte, und das wird verstärkt durch Mycrofts Antwort, die Sherlock daran erinnert! (das Mitschwingen einer langen Geschichte, like I said), daß Gefühle und Empathie nur hinderlich sind.

Ah, dankeschön für den Hinweis auf das Original bei „Do THEY? Yes, THEY do!“ – spricht Molly nicht überhaupt nur von Frauen da? Was Sherlock dann auf eine Idee bringt beim Smartphone-Code? Mit „221B“ ist er ja schon fast auf der richtigen Spur, in dem Sinne jedenfalls, daß der Code direkt auf ihn bezogen ist.

Habe auch erst beim zweiten Sehen einige Sätze verstanden, bei denen die Synchro versagen muß, z.B. die „Bauchnabelbehandlung“ – wohl „navel treatment“ im Original? – Verweis auf „The Naval Treaty“ *stirnklatsch*, bleibt natürlich im Deutschen komplett im luftleeren Raum.

Nochmal zu Irenes eigenem Netzwerk, John wird ja von dieser Frau abgeholt, die dann in der Battersea Power Station Irene mitteilt, daß John kommt. Und daß John davon ausgeht, Mycroft zu treffen. Diese Frau ist nicht Kate. Und John hielt sie vor 221B, nach kurzem Zweifel, für die Frau, die ihn schon einmal zu Mycroft brachte (Staffel 1). Vielleicht hat sie die Photos von Sherlock gemacht, jedenfalls: großes Netzwerk. :)

Was machte Irene in Karachi? Also, das Fake-Flugzeug fliegt nicht, aber die reguläre Maschine ist sicher auch nicht gestartet. Also dürften die Terroristen sehr übellaunig gewesen sein. Moriarty ist skrupellos genug, denen zu vermitteln: diese Frau hat eure Pläne durchkreuzt. Also wird Irene aufgespürt (vielleicht mit Moriartys Unterstützung) und nach Pakistan verschleppt. So ungefähr? :)

Oh, Jen! „It’s the internet, Jen.“-Jen. Sehr schön, ja! Aber daß es niemand, nie mehr, mit Lara Pulver aufnehmen kann, haben Sie auch unübertrefflich zusammengefaßt. So sagten Sie doch? :)

Catherine:

Yes, „The Naval Treaty“. Und es gibt noch einige „links“ zu Originalgeschichten. Hatte mich gefragt, warum Sherlock beim Öffnen des Safes (und nach Irenes angedeutetem Hinweis) „Vatikanische Kameen“ ruft. Soll aus einer der ungeschriebenen Geschichten sein, die am Anfang von Baskerville im Original erwähnt werden. Und, wie ich jetzt im Booklet zur DVD las: Moffat schätzt den „Das Privatleben des Sherlock Holmes“-Film. Die Nacktszene zum Beispiel findet hier ihren Ursprung. Ebenso die „Hinrichtung“ der FRAU am Ende.

Ihr eigenes Netzwerk – ja, da haben Sie natürlich Recht! Und da sie exakt den Stil der Mycroft’schen Entführungen inklusive Anthea und des dunklen großen Autos kopiert, müsste sie Holmes und Watson auch schon viel länger beobachtet haben, als sie Moriarty kontaktiert hat, nicht!?

Ja, da haben Sie die Dynamik zwischen Mycroft und Sherlock sehr interessant beleuchtet! Und umso eindrucksvoller für den Fortgang der Geschichte, dass das System „Familie“, das Sich-Behaupten gegen den Bruder und das Ausbügeln seines begangenen Fehlers sich für Sherlock über die Obsession für DIE Frau erheben muss.

Christian Erdmann:

Genau, Irene kopiert den Stil der Mycroft’schen Entführungen nach langer Beobachtung, genau!! :)

Wir müssen feststellen, die „Vatican Cameos“ sind in ihrer eigenen Szene nur noch von sekundärem Interesse gegenüber dem Cumberbum. :) Irgendwo in der Mitte der Kommentare: „To be fair, that arse could stop the London traffic, so it’s hardly surprising that everyones eyes would be glued to it when shown in slow-motion.“

Ich verstehe, daß unter diesen Voraussetzungen, soweit ich das sehen kann, nur noch ein einziger Kommentar darauf abhebt, daß Irene hier Sherlock mit ihrem Blick-zu-Boden warnt, und ihn damit schon zum zweiten Mal rettet. So daß er die Balance diesbezüglich wiederherstellt, indem er sie in Karachi rettet. Ich möchte ja denken, daß er am Ende nicht Irenes emotional glitch verachtet hat, sondern es ihr übelnimmt („Sie konnten einfach nicht widerstehen, oder?!“), daß dieser glitch das einzigartige, elektrisierende, erotische Spiel der beiden beenden mußte. :)

Für das die feministische Kritik an dieser Folge ja offensichtlich stockblind ist. Bei sowas habe ich immer das Gefühl, mir wachsen Haare auf der Hand, und den nächsten Vollmond erlebe ich als Werwolf. Sehen die KritikerInnen wenigstens, wer smarter ist, ausgebildete CIA-Killer oder Mrs Hudson? :)

Ich lebe ja als Verfügbarkeitsverweigerer ohne Handy, aber die Vermutung, daß es Irene Adlers erotisches Stöhnen längst als ringtone gibt, könnte mich verleiten, bei irgendeinem Euro 2012-Gewinnspiel ein Smartphone gewinnen zu wollen. Da dies ja die beste aller möglichen Welten ist, gibt es sicher auch eine „Irene Adler Text Messages“-App.

Irene kann fühlen, ob es echt ist. :)

„Ich hatte auch schon Tee im Palast, falls es jemanden interessiert.“ John und Irene, gebannt von demselben Mann: einfach großartig in dieser Folge auch, wie Johns Kampf, Sherlocks Fixpunkt zu bleiben, sein Schutz, sein humanizing factor, und Irenes Wissen darum aufeinandertreffen.

Was nehmen wir, die wir die Wohnung auch für eine 6 verlassen müssen, noch mit? Verkleidung ist immer Selbstportrait. 60 Jahre Queen Elizabeth, aber jetzt wissen wir, wann England wirklich untergeht.

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Film

Beineix: Mortel Transfert / Mortal Transfer

Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.

SPIEGEL ONLINE Forum

„Lieblingsfilme – Was ist ‚großes Kino‘?“




31.10.2006

Jean-Jacques Beineix, „Mortel Transfert“. Über die Bredouille eines Psychoanalytikers, der, aus einem Nickerchen erwachend, die schöne Olga Kubler sehr sexy und sehr tot auf seiner Couch findet. Perversion, Psychoanalyse, schwarzer Humor, Paris und „wenn David Lynch Franzose wäre und ein Bewunderer von Chandler und Freud“. Schwer zu schlagen, die Mischung.




22.03.2007

„Mortal Transfer“ (Mortel Transfert) von Jean-Jacques Beineix. Jean-Hugues Anglade als Psychoanalytiker Michel Durand in Paris wird während einer der Sitzungen mit der aufreizend schönen Olga Kubler, einer masochistischen Kleptomanin, von einem zwanghaften Schlaf überwältigt; als er wieder zu sich kommt, ist Olga eine schöne Leiche mit sehr verrutschtem Rock und sehr irritierenden Würgemalen am Hals. Durand hat keine Idee, was passiert sein könnte, und versucht, die Leiche… loszuwerden. Die typisch falsche Hitchcock-Idee, die zur bizarren Odyssee wird. Das Problem, sich aus der Gesellschaft einer Leiche verabschieden zu wollen, ist filmisch keine so neue Idee, erfährt hier aber einige twists, die, frei nach Tertullian, gerade so absurd sind, daß es glaubhaft ist. Wenn Durand Olga über das Glatteis des winterlichen Paris zu seinem Auto zu schleppen versucht, und das Herumgeschlidder dazu führt, daß wir sozusagen die Marke ihrer Dessous lesen können, macht Beineix makabre Erotik schön wie ein Andersen-Märchen. Sehr perfide, und natürlich wieder einmal eine Hommage an ein Paris, in dem alles möglich ist.

Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Jean-Hugues Anglade in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Jean-Hugues Anglade, Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
"Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
"Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Jean-Hugues Anglade, Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Jean-Hugues Anglade, Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
Hélène de Fougerolles in "Mortel Transfert" ("Mortal Transfer"), 2001, Regie Jean-Jacques Beineix.
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Film

Karin Dor

Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Die Bande des Schreckens", 1960.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der grüne Bogenschütze", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Fälscher von London", 1961.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der Würger von Schloss Blackmoor", 1963.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
Karin Dor in "Der unheimliche Mönch", 1965.
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Film

Christine Kaufmann als Labiskwee

💔

Christine Kaufmann als Labiskwee in "Lockruf des Goldes", Fernsehfilm in 4 Teilen von 1975, 4. Teil: "Vierauge". Artikel von Christian Erdmann.
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Film

Candace Hilligoss, Carnival of Souls

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

SPIEGEL ONLINE Forum „Lieblingsfilme – Was ist ‚großes Kino‘?“

29.03.2007 

Christian Erdmann:

„Tanz der toten Seelen“, Originaltitel „Carnival of Souls“, 1962. Candace Hilligoss spielt eine junge blonde Organistin, die sich nach einem Autowettrennen, bei dem ihr Wagen von einer Brücke in den Fluß fällt, schlammverschmiert aus dem Wrack ans Ufer schleppt. Von da an wird sie zu einer Figur, der man alle vorhandene Empathie schenkt, während sie durch eine beklemmende Welt wandelt, an der das Unheimlichste ihr Hyperrealismus ist. Regisseur Herk Harvey war mal Industriefilmer, und was diesen Horrorfilm auf spezifische Weise schauderhaft macht, ist die verstörende Art der – abgesehen von Hilligoss – Laiendarsteller, mit deren Normalität irgendwas nicht stimmt.

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss und Herk Harvey in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

10.01.2011

valasthor:

„Tanz der toten Seelen“: Eine fantastische Candace Hilligoss (…)

Christian Erdmann:

Ab-so-lut phantastisch. Wir sind die einzigen, die Candace hier je erwähnten. :) 

Da ist ein seltsamer, faszinierender Kontrast an ihr, finde ich, die großen Augen mit dem zugleich aufgeschreckten und neugierigen Blick, und trotzdem wirkt sie an sich schon, also unabhängig von dem, was die Geschichte dann offenbart, seltsam distanziert. Damit ist sie die ideale Besetzung, für die Vorstellung, daß sie eventuell auch nur eine wunderschöne Frau sein könnte, die zuviel Schäbigkeit erlebt hat, als daß sie mit der Welt noch viel zu tun haben will. Wiederum trotzdem, oder gerade deshalb, wirkt sie jederzeit so schrecklich einnehmend in ihrer Verletzlichkeit und Verwirrung. Angeblich hat Herk Harvey es irgendwie vermocht, sie im Unklaren zu lassen darüber, wie Mary Henrys Weg durch diesen Film zu verstehen ist – oder der Weg der vierten Dimension durch ihr Bewußtsein in einem einzigen Moment -, weil er den Effekt, den Verwunderung und Desorientiertheit auf diesem Antlitz hatten, noch steigern wollte.

Wiederum andererseits hat sie zuweilen eine toughness, die bei der von uns imaginierten Geschichte dieser Frau einen glaubwürdigen Kontext hat. So klar die Geschichte also eigentlich ist, so plausibel könnte es uns auch erscheinen, daß sie langsam in eine Psychose driftet. Also kurzum, sie durch diesen Film wandeln zu lassen, war ein Geniestreich, ihre Ausstrahlung ist unwiderstehlich.

So viele unvergeßlichliche Details an diesem Film – plus der gruseligste Orgel-Score, den man diesem Instrument nie zugetraut hätte.

Es gibt übrigens einen Film von Claude Chabrol mit Sylvia Kristel, „Alice“, der 1976 dieselbe Geschichte erzählt wie „Carnival of Souls“, nur eben ganz anders, die Protagonistin eben mehr wie Emmanuelle im Wunderland wirken läßt, leider kaum bekannt.

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

21.01.2011

Christian Erdmann:

„Carnival of Souls“. Damals hatten ein paar Leute 30.000 Dollar und Candace Hilligoss, und sie schufen ein Wunderwerk.

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

„Carnival of Souls“ is an odd, obscure horror film that was made on a low budget in 1962 in Lawrence, Kan., and still has an intriguing power. Like a lost episode from „Twilight Zone,“ it places the supernatural right in the middle of everyday life and surrounds it with ordinary people.

The movie stars Candace Hilligoss, one of those worried blonds like Janet Leigh in „Psycho,“ as a young woman who goes along for the ride when two hot-rodders hold a drag race. On a narrow wooden bridge, one of the cars crashes through a railing and plunges into the flooded river below. Police and volunteers search for the wreckage in vain, and then Hilligoss appears on a sandbar, dazed and covered with mud.

What happened to the others? How did she escape? She doesn’t know. Indeed, she doesn’t care. She’s a brittle, cynical woman who works as a church organist but doesn’t take religion seriously. That’s despite the fact that the organ seems to be trying to tell her something. There is a sensational overhead shot in an organ factory, looking down past the steep and angled pipes to her diminutive figure far below, and another effective moment when she’s in a car on a deserted highway and the radio only picks up organ music.

A few days after she crawls out of the river, the woman leaves town for a job playing the organ in Utah, and in one of the movie’s best shots, a cadaverous face appears in the car window. It’s the face of a ghostly figure who will follow her to Utah (the figure is played by the film’s director, Herk Harvey). In Utah, she checks into one of those B-movie boarding houses … There’s one other boarder, a Mr. Linden (Sidney Berger), who is a definitive study of a nerd in lust. 

Unlike most of today’s horror movies, „Carnival of Souls“ has few special effects – some wavy lines as we pass through various levels of existence, and that’s it. Instead, it depends on crisp black-and-white photography, atmosphere and surprisingly effective acting. 

Roger Ebert, 10/1989

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

… the spookiest, weirdest, and maybe greatest horror film you’ve never seen 

Carnival of Souls may be the ultimate horror film to watch late at night on TV. More than just scary, it’s arrestingly odd, with a bats-in-the-belfry 3-a.m. loneliness that you plug into like a private dream. The film’s stilted expressionistic no-budget atmosphere is one of a kind …

Candace Hilligoss, who plays Mary, was a Strasberg-trained actress, and her mixture of slightly hysterical intensity and dinner-theater amateurishness keeps you solidly off-kilter: We’re not sure if we’re watching good acting, bad acting, or no acting at all. … Fifty years later, Carnival of Souls still has the power to tantalize and disturb.

Entertainment Weekly, 94/2011

"Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

„Carnival of Souls“ entwirft einen Zwischenraum. Er erzählt die Geschichte einer letzten Reise, eines Widerstrebens gegen den Tod, die verzweifelte Geschichte eines Festhaltens am Leben, des Vordringens des Endes. Ein Film, der mit dem Anfang und dem Ende eine Schleife setzt und um diesen Nullpunkt herum im Niemandsraum und in der Niemandszeit spielt. Ein Film, der sich und seine Heldin dem Nichts ausliefert, einer Nicht-Zeit, die eine gedoppelte Zeit ist, einem Nicht-Raum, der gedoppelter Raum ist, dazwischen nichts als Modulationen, die an der Stelle dessen sich befinden, was andernorts eine Entwicklung wäre, hier aber nichts anderes ist als Krankheit zum Tode.

„Carnival of Souls“ ist, so absurd das angesichts eines No-Budget-Movies klingt, ein perfekter Film. Er erreicht größtmögliche Effekte mit den einfachsten Mitteln, ohne dass diese je nur Mittel zu diesen Effekten wären. (…) Kein Bild zielt nur auf den Schrecken, den es hat. Der Schock verliert sich in der Unerbittlichkeit, die in den Bildern steckt von Anfang an. Es wird keinen Ausweg gegeben haben: das sagt, beinahe, schon die erste Einstellung. Es wird keinen Ausweg gegeben haben: das sagt, buchstäblich, jede Einstellung. Der Schrecken der Geschichte, die dieser Film erzählt: sie ist immer schon vorüber. Ein dem Tode bereits verfallenes Leben, oder: das Leben als vom Tod schon gezeichnetes. Insofern: ein existenzialistischer Film. Die Orgel spielt dazu.

„Carnival of Souls“ besteht zur Hälfte, mindestens, aus seiner Tonspur. Orgelmusik, Stille, Modulation der Orgelmusik vom Sakralen ins Weltliche, das das Todesverfallene ist. Lebensmusik, Todesmusik. Schritte, nichts als Schritte. Ich kenne kein schöneres, kein traurigeres Bild der Einsamkeit, der totalen Verlassenheit mitten im Leben (natürlich: im vermeintlichen Leben). Und die Rückkehr, zweimal, wenn die Heldin sich, verzweifelt, an den Baum klammert, Vogelstimmen, die Sonne. Ich kenne keinen anderen Film, der von jenseits des Grabes gefilmt ist, dessen Perspektive keine andere ist als die einer Toten. Ein jenseitiger Film, der aus dieser Perspektive, dieser Entleerung, die noch in den schönsten Einstellungskompositionen steckt, sogar einen merkwürdigen Trost bezieht. Denn nicht zuletzt erzählt „Carnival of Souls“, denkbar fern vom Christentum, auch die Geschichte einer Heimkehr. Der Untote, der nach der Untoten ruft, ist unheimlich vielleicht nicht als Wiederkehr des Vertrauten, sondern als Memento, insistent, aber beinahe sanft, das sich als das Vertrauteste präsentiert. Er ruft zum Tanz und erst, als die Heldin ihm gefolgt ist, setzt der Fluss der Zeit wieder ein, wechselt die Perspektive zurück auf die Seite der Lebenden. Der Film kehrt zurück zu seinem Ausgangspunkt, zum Fluss des Todes, über den eine Brücke führt. Wir sind zurück in unserem Raum, in unserer Zeit.

Ekkehard Knörer, filmzentrale.com

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

Mary Henry ist die einzige Überlebende eines bizarren Autounfalls. Das blonde, zierliche Mädchen, von Beruf Organistin, zieht nach dem Unglück in eine andere Stadt. Dort verliert sie zunehmend Kontakt zu ihrer Umwelt. Ein totenbleicher Mann verfolgt sie, den nur sie sehen kann. Und ein verlassener Pavillon am Rande der Stadt, der wie der Eingang zum Totenreich wirkt, zieht sie magisch an. Seit ihrem Unfall ist Mary Henry dem Tod ganz nahe.

Das bisweilen amateurhafte Spiel einiger Akteure wirkt seltsam authentisch, die Straßenszenen sind manchmal von fast dokumentarischer Qualität. In diesem Realismus situiert Harvey das Traumhafte und das Unheimliche. Unvermittelt taucht der zombiehafte Mann, den Herk Harvey selbst spielt, vor Mary auf: Jedermann als Todesbote. Faszinierend und beklemmend sind die Szenen, in denen Mary nicht mehr wahrgenommen wird von ihren Mitmenschen. Mit Gottfried Benn scheint sie zu rufen: ‚Kommt, reden wir zusammen, wer redet ist nicht tot.‘ Doch niemand hört sie.

Zur trance-artigen Atmosphäre des Films tragen die Leistung der New Yorker Schauspielerin Candace Hilligoss bei, die ein Porträt gibt in äußerster Sensibilität, und die durchdringend-sanfte Musik von Gene Moore. Der Film (…) hat zweifellos großen Einfluß gehabt auf George A. Romero und David Lynch.

Hans Schifferle, Die 100 besten Horror-Filme, 34

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.
Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

Maurice Prather, Kameramann:

„We had basically no special effects whatsoever. The only ’special effect‘ per se is the time (Hilligoss) rolls up her window and Herk’s ghost picture comes into it. We created that in the studio ourselves. We did it with a mirror.“

„What do you think it cost us for a city like Lecompton (Kansas) to let us wreck their bridge? $38. They said, ‚Yeah, you can do that as long as you replace the rails you knock out.'“

Candace Hilligoss in "Carnival of Souls" ("Tanz der toten Seelen"), 1962, Regie Herk Harvey.

Das Leben, der Tod und das Dazwischen:

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Film

Buster Keaton

Buster Keaton in "Go West".
Buster Keaton, Marceline Day in "The Cameraman".
Marceline Day und Buster Keaton in "The Cameraman".

Und, liebster Buster-Keaton-Film?

Schwer zu sagen, ich weiß. Ich habe eine besondere Schwäche für „The Cameraman“.

Liebste Buster-Keaton-Szene: natürlich aus „The General“ – Marion Mack fängt während der Verfolgungsjagd an, den Boden der Lokomotive zu fegen, Keaton nimmt ihr am Rande der Verzweiflung den Besen weg und macht ihr klar, sie solle weiter Holz ins Feuer werfen. Sie nimmt ein Stöckchen und wirft es geziert hinein. Keaton sieht zu, reicht ihr einen Splitter, sie wirft auch den ins Feuer. Eine Sekunde vollkommener Fassungslosigkeit, dann würgt Keaton ihren Hals, um sie direkt danach zu küssen.
 
Ich will nicht sagen „Alles danach ist nur Fußnote“, aber ein überaus wertvoller Beitrag zur Erklärung elementarer Rätsel im Geschlechterverhältnis aus dem Jahre 1927.

Ich habe auch nie ganz die Bezeichnung „Stoneface“ verstanden. Dieses überaus schöne Gesicht empfinde ich als sehr ausdrucksstark. Woran das liegt, weiß ich nicht; entweder ist es so, oder aber, in meiner Wahrnehmung überträgt sich Keatons Körpersprache, und dieser Körper ist ja dauernd am Reden, auf sein Gesicht.

„Viele Situationen sind eigentlich erst da, wenn sie eingetreten sind“. Das Unglaubliche an Keaton ist das permanente Reagieren auf sturzbachartig eintretende Situationen. Alles, was in der Situation auftaucht, ist Teil der Bewegung, in die nächste Situation zu kommen. Alles, was sich absurd in den Weg stellt, wird nutzbar gemacht. Leben als ständiges Wegräumen des Absurden. Oder besser: ist man elastisch genug, um auf sie aufzuspringen, kann man die Überraschung selbst überraschen.

[SPIEGEL ONLINE Forum: Lieblingsfilme – was ist „großes Kino“? – 04.10.2006]

Buster Keaton in "Sidewalks of New York".
Buster Keaton und Dorothy Sebastian in "Spite Marriage".
Buster Keaton in "The Navigator".

00:51:35 ff.

Buster Keaton, Kathryn McGuire in "The Navigator".
Buster Keaton in "The Navigator".
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Film Horror

Carl Theodor Dreyer: Vampyr (1932)

"Vampyr", Regie Carl Theodor Dreyer, die Darstellerin Rena Mandel.

1930 in Senlis bei Paris, Carl Theodor Dreyer dreht „Vampyr“. Das Haus, in dem der böse Dorfarzt von Courtempierre sein Unwesen treiben soll, ist vorbereitet, doch etwas fehlt: Spinnweben. Dreyer will echte Spinnweben. Eliane Tayar, Dreyers Ausstatterin, spricht mit allen Pariser Spinnenspezialisten, aber keiner weiß, wie man eine Spinne dazu bringt, auf Kommando ein Netz zu weben. Eliane trommelt Kinder aus der Nachbarschaft zusammen und bittet sie, Spinnen und Fliegen zu fangen. Die Kinder kommen zurück mit Gläsern voller krabbelnder Kreaturen. Die Gläser werden in dem Raum ausgekippt, die Versorgung der Spinnen wird sichergestellt, die Tür verschlossen. Als die Dreharbeiten beginnen sollen und die Tür wieder geöffnet wird, hängen Spinnennetze überall, wo Spinnennetze hängen können, Kameramann und Schauspieler wissen kaum noch, wie sie sich bewegen sollen, wagen kaum zu atmen.

Alfred Hitchcock bedachte „Vampyr“ mit dem Satz: „The only film worth seeing… twice.“ Luis Bunuel bezeichnete „Vampyr“ als einen seiner Lieblingsfilme. Das Bekenntnis von David Lynch ist eine Frage der Zeit. Die Zeitung „Berlingske Tidende“ berichtet im Oktober 1935 von dem Fall eines in heftiger Verwirrung aufgegriffenen jungen Mannes, auf den „Vampyr“ so starken Eindruck gemacht hatte, daß er hernach kein einziges Wort mehr sprach. Dreyers Anspruch war es, einen Film zu machen, der wie kein anderer sein sollte. Es ist ihm geglückt. „Vampyr“ ist ein unfaßbar schauriges Etwas. Ein böser Spuk von einem Film. Unheimlich, gespenstisch, faszinierend. Und wunderschön.

Der Film wurde wie ein Stummfilm gedreht, die Darsteller sprachen ihre wenigen Sätze später als Overdub in drei verschiedenen Fassungen nach, in deutscher, französischer und englischer Sprache. Die Originalnegative sind verloren, ausgehend von unterschiedlich vollständigen Kopien der deutschen und der französischen Fassung konnte jedoch 1998 eine Restaurierung des Films unternommen werden. Über Jahrzehnte war der Film nur in schwer beschädigten, unvollständigen Fassungen zu sehen, manchmal in verhackstückter Chronologie, häufig auch als Bastard-Montage, in der ohnehin kaum verständliche Wortfetzen in verschiedenen Sprachen zu hören waren. Auf seltsame Weise trugen diese neuerlichen Anschläge auf die narrative Logik sogar zum Faszinosum bei.  Das Unzusammenhängende, Inkohärente der Bilder und der Worte glich nun in noch stärkerem Maße fremdartigen Traumfetzen, als es ohnehin schon intendiert war. Für David Pirie etwa hatte das Geschehen in „Vampyr“ die Form

„eines hermetischen Rituals, von dem sich der Held ständig rigoros ausgeschlossen sieht (…) Nichts, was er tut oder sagt, scheint irgend eine Wirkung auf (die anderen Personen) zu haben (…) allein die Tatsache, daß der Held anscheinend keine definierbare, reale Beziehung zum tatsächlichen Geschehen hat, steigert den Eindruck völliger Orientierungslosigkeit.“ (Pirie 47).

Gegenüber dem „Eindruck völliger Orientierungslosigkeit“ eröffnet die restaurierte Fassung, mit ihren der Kontinuität dienlichen Vervollständigungen, ein besseres Verständnis für den inneren Zusammenhang der Ereignisse in der allesdurchdringenden alptraumhaften Atmosphäre von „Vampyr“, nach wie vor jedoch erlebt man das Unheimliche in klassischer Form nach Ernst Jentsch: intellektuelle Unsicherheit. Nach wie vor gilt dieser 1932 uraufgeführte Film den einen als sensationelles Meisterstück des Horrorfilms, den anderen als wirres Machwerk, als – so ein imdb-Kommentar – „dull mess“. Die verwirrenden Blickwinkel, die schleichenden Bewegungen der Kamera, die immer noch Schaurigeres zu erwarten und vorauszuahnen scheinen, es aber nicht übertragen, erzeugen das Gefühl, „es stehe jemand – oder etwas – hinter einem und würde einen regungslos beobachten.“ (Everson 172). Das hält man entweder keine 10 Minuten aus, oder man ist so gebannt, daß man sich 70 Minuten nicht mehr bewegt.

Was Dreyer an Kameraführung / Cinematographie vorlegt, ist derart einzigartig, daß es entweder den Eindruck von Sehstörung hervorruft, oder aber einen willigen, zur Extrakonzentration bereiten Zuschauer hineinzieht in komplette Hingabe an diese Welt, in ein überwältigendes Gefühl von Faszination an der phantastischen, eindringlichen Bildsprache eines Films, der selbst von ruhelosen Mächten heimgesucht scheint, und in lustvolles Sichausliefern an die bedrohliche Stimmung, die er transportiert, an die „Heraufbeschwörung einer Atmosphäre miasmatischen Schreckens“ (Pirie 47). Das Grauen als visuelles Poem: „Vampyr“ vermag die Aufmerksamkeit zu stimulieren wie nur wenige andere Filme. Du mußt nicht Caligari werden, aber Du bist auch Allan Gray: veränderte Psyche bedeutet veränderte Wahrnehmung, und Wirklichkeit ist das, was wirkt. Den Effekt, den er mit „Vampyr“ zu erzielen versuchte, beschrieb Dreyer einmal so:

„Man stelle sich vor, daß wir in einem gewöhnlichen Zimmer sitzen. Plötzlich wird uns mitgeteilt, daß sich hinter der Tür ein Leichnam befindet. Von einem Augenblick zum anderen ist der Raum, in dem wir sitzen, völlig verändert: alles hat ein anderes Aussehen angenommen; das Licht, die Atmosphäre haben gewechselt, wenn sie auch physisch die gleichen geblieben sind. Der Grund ist der, daß wir uns verändert haben und daß die Dinge so sind, wie wir sie erfassen.“ (Seeßlen / Weil 73 ff.)

Allan Gray ist ein blasser, modern gekleideter junger Mann, der, so der erste Schrift-Titel, „sich in die Studien des Teufelskultus und Vampyr-Aberglaubens versenkte. Die Beschäftigung mit den Wahnideen vergangener Jahrhunderte machte ihn zu einem Träumer und Phantasten, dem die Grenze zwischen Wirklichkeit und Übernatürlichem verlorenging…“ – Jede Grenze erzeugt das Jenseits der Grenze, wo das Andere und Fremde wartet; darum ist Horror, die Melange aus Schrecken und Faszination, der Grenzzwischenfall schlechthin.

Erstes Bild: ein Gasthausschild in Form eines Engels. Gray, Angelzeug über der Schulter, gelangt zum einsam am Fluß gelegenen Gasthof in der Nähe des Dörfchens Courtempierre. Schon das „Wer ist da? Gehen Sie dort herum!“ des Mädchens, das vom Fenster aus den Weg weist, klingt wie ein Ruf in einem Traum, seltsam losgelöst von aller sichtbaren Präsenz. Gray sieht einen Mann, der wie der Schnitter eine Sense trägt und am Fluß eine Glocke läutet, 12mal. 

Carl Theodor Dreyer, Vampyr.

Vielleicht nur ein Arbeitsmann auf seinem Weg, aber es wirkt wie ein mysteriöses Zeremoniell. Ein Fährmann erscheint. Die männliche Gestalt betritt die Fähre, als Gray sein Zimmer betritt. Beide setzen über an ein anderes Ufer. Gray blickt aus dem Fenster, der Blick des Sichelmannes gilt ihm, ominös. Diese ersten Shots etablieren bereits auf außergewöhnliche Weise das Gefühl des Kontakts mit einer anderen Welt. Was beginnt hier? Der surreale Impressionismus eines von einem mythischen Bösen faszinierten Mannes mit unsicherem Zugriff auf die Wirklichkeit? Subjektive Phantasmagorie eines Menschen von besonderer Sensibilität? Bebilderung von Seelenlandschaft mit ihren unbewußten Ängsten und Sehnsüchten? Der Blick eines aus allen Zusammenhängen Gerissenen in eine verborgene Welt? „Chasing after passing visions“ (Propaganda: The Chase) – ? Man könnte aus der Art, wie sich bei Dreyer Bilder aneinanderreihen, die man aus Träumen kennt, eine Art Naturalismus des Irrealen herleiten. Oder aber zugestehen, daß Dreyer hinter die Oberfläche des Realismus dringt. Die Welt ist alles, was für Allan Gray der Fall ist, und dieser Fall ist nicht die Welt, wie wir sie kennen.

Dreyer zeige nicht den Mythos selbst, so Seeßlen / Weil, sondern die Wirkung des Mythos: das Phantastische als Faktor, der die physische Realität bereits verändert hat. Es gehe nicht um den Einbruch des Phantastischen in eine unverletzte Realität, sondern um die potentielle Omnipräsenz des Phantastischen, die sich herleitet aus der potentiellen Omnipotenz der Wahrnehmung. Sozusagen: physische Realität und subjektive Wahrnehmung nicht als zwei aufeinander abzustimmende Bereiche, sondern als die Elemente einer dauernden Vermischung, in der jede materiale Ontologie von vornherein obsolet ist, weil sie ständig von „Realität“ als Effekt psychischer Verdichtungen kontaminiert ist, alles Gesehene zum Zeichen wird. Nichts ist wahr, alles ist wahr.

Der für das Okkulte empfängliche junge Mann im Zweireiher mit Krawatte, der erstaunliche Ähnlichkeit mit H. P. Lovecraft aufweist, versinkt in eigenartigen, unheilvollen, doch auch betörenden Wahrnehmungen; unmöglich zu sagen, was Realität ist, was Traum, was Phantasie.

Während er eine Kerze hochhält, um ein seltsames Bild zu betrachten, ist eine Stimme zu hören, die zunächst schaurig Undefinierbares von sich gibt, als würde Nichtmenschliches sich an menschlicher Sprache versuchen; schließlich ist vernehmbar: „… du sollst leben… le-ben…“. Gray folgt der Stimme; auf dem Korridor kommt ihm ein blinder Alter mit entstelltem Gesicht entgegen. Gray flieht zurück in sein Zimmer, verschließt die Tür, auf der Tonspur sind noch die Fetzen „Adern“ und „das Blut“ zu hören. Wie diese leichenhafte, alptraumhafte Gestalt im Haus herumschleicht, wie ihre Erscheinung und ihr Tun sich rationaler Erklärung verschließen: schon mit dieser Szene läßt Dreyer „ein fast religiöses Gefühl von der Nähe des Bösen aufkommen“ (Pirie 46). Ein Film in der Tradition von Maupassants „Horla“: jede Wahrnehmung steigert nur die unfaßbare Bedrohung. „Lichter und Schatten, Stimmen und Gesichter“, so der Zwischentitel, „schienen eine verborgene Bedeutung zu erhalten. Allan Gray spürte, wie das Unheimliche Macht über ihn gewann (…), und die Furcht vor ungreifbaren Dingen folgte ihm in seinen unruhigen Schlaf…“

Es klopft an seine Tür, Gray erwacht – sofern nicht genau hier sein Traum / seine Phantasie beginnt. Der Schlüssel dreht sich im Schloß. Entsetzlich langsam öffnet sich die Tür, schließlich betritt ein alter Mann das Zimmer. Warum eigentlich? Ist nicht auch eine verschlossene Zimmertür eine Grenze, die nicht so ohne weiteres übertreten werden dürfte? Horror kennt keine verschlossene Tür.

Julian West (Baron Nicolas de Gunzburg) als Allan Gray in "Vampyr" von Carl Theodor Dreyer.

Der Mann kommt langsam an Grays Bett, blickt ihn eindringlich und ernst, jedoch auch seltsam unverwandt an. „Wer sind Sie?“ – Der Mann reagiert nicht auf Gray. Er geht zum Fenster, läßt Licht in das Zimmer. Lauscht dann. „Still!“ – Er deutet nach oben, wie einer, der etwas vernimmt, seine nächste Geste wirkt wie Verwirrung über das, was er vernommen hat. Wir aber haben nichts vernommen. Der Mann tritt wieder an Grays Bett: „Sie darf nicht sterben! Hören Sie!“ Grays Augen sind weit aufgerissen. In seiner abgrundtiefen Bestürzung, von etwas Unbeschreiblichem heimgesucht, erscheint der Alte wie ein spukhafter Bote aus dem Labyrinth, in dem es Verbindungen zwischen den Lebenden und den Toten gibt, die jeden Atemzug bedrücken: Furcht in jeder Seele, jedem Winkel, doch keine Worte dafür.

Der Alte legt ein Päckchen auf Grays Tisch und schreibt darauf: „Zu öffnen nach meinem Tode“, als wäre es die Mitteilung für einen Abwesenden, und als wäre dieser Tod unausweichlich. Dann verläßt er das Zimmer. Eindringen und Präsenz des Fremden in Grays Zimmer in ihrer fast unerträglich in die Länge gedehnten Unerklärtheit: komplett enervierend.

„Eines“, so der nächste Zwischentitel, „fühlte Allan Gray: Eine Menschenseele in Todesnot sandte einen Ruf um Hilfe aus. Und eine innere Stimme gebot ihm, dem Ruf zu folgen.“ So wandelt Gray hinaus in die Mondlichtnacht. Er sieht die Bewegung einer Gestalt, die sich auf einer Wasseroberfläche spiegelt, aber am Ufer ist niemand zu sehen. Da ist der Schatten eines Mannes, der Erde schaufelt, doch die Schattenerde fliegt nicht von der Schaufel, sondern zu ihr hin. Gray betritt ein altes Gebäude. 

"Vampyr", Film von Carl Theodor Dreyer.

Da ist der Schatten eines Soldaten mit Holzbein, der durch sein Eigenleben als Schatten humpelt und eine Leiter erklimmt, um seine Gebieterin zu warnen. Diese nähert sich stumm durch einen Korridor, Gray eilt davon. Sieht, wie der Holzbeinschatten seinen Gewehrschatten abstellt und zu seinem sitzenden Eigentümer zurückkehrt. Der wird von der Alten gerufen: „Gehorche!“ Der Vampir in „Vampyr“ ist eine alte Frau, die „Boshaftigkeit und Macht ausstrahlt, zugleich aber auch so etwas wie Mitleid aufkommen läßt“ (Everson 71). Sie ist es, die das Dorf in Bann und Bedrückung hält.

In dem Gebäude von undefinierbarer Architektur entdeckt Gray weitere Schatten, die marionettengleich zum Bal Musette ihren makabren Schattensabbat tanzen. In der Höhe drehen sich langsam die Schatten riesiger Wagenräder. Die weißhaarige Alte erscheint und befiehlt der Schattenwelt mit einer majestätischen Geste Ruhe. Dieser Ausruf, „Ruhe!!!“, erscheint in allen drei Sprachversionen des Films, offensichtlich war er integraler Bestandteil der (wunderbaren) Filmmusik von Wolfgang Zeller.

Carl Theodor Dreyer, "Vampyr", 1932.

Gray steigt irgendwo empor, öffnet eine Luke. Hundegebell ist zu hören. Die Kamera schwenkt von Gray weg, man sieht einen Sarg, übersät mit Hobelspänen, und ein Schild: „Docteur Medecin“. Die Kamera vollführt, wie sie es zu tun pflegt, wenn sie die Perspektive des Protagonisten einnimmt, eine Bewegung durch den Raum, schwenkt aber dann rasch zurück und „erblickt“ am Ende der Bewegung den bereits wieder enteilenden Protagonisten. Dadurch entsteht im Zuschauer „das unheimliche Gefühl (…), gleichzeitig in zwei Wesen zu existieren.“ (Everson 74).

Gray betritt zwei weitere Räume, in denen erneut das Hundegebell und die Laute anderer undefinierbarer Wesen zu hören sind, sie sind angefüllt mit alten Büchern, Schädeln, Petrischalen, staubigen Flaschen, chirurgischen Instrumenten, dem seltsam aufgerichteten Skelett eines Kindes und anderen Sonderbarkeiten einer Nekromanten-Klause. Schließlich kommt Gray zu einer Treppe und sieht – eine Kameraeinstellung, die Hitchcock beeindruckt haben dürfte – weiter oben eine Hand, die sich am Treppengeländer bewegt, von jemandem, der langsam herabsteigt; 15 Sekunden lang ist nur die Hand zu sehen. Es ist der Dorfarzt, der hier haust, schurkischer Diener der Vampirin. Er scheint zu lauschen, während er herabsteigt; man vermutet natürlich, er steigt herab, weil er Gray gehört hat. Vollkommen unerwartet und rätselhaft aber geht er, immer noch lauschend, an Gray vorbei, als wäre dieser gar nicht da.

Jan Hieronimko in "Vampyr", 1932, Regie Carl Theodor Dreyer.

Erst als Gray ihm folgt, wendet sich der Doktor ihm zu: „Haben Sie gehört?“ – „Ja! Das Kind“, antwortet Gray. „Es ist kein Kind hier“, äußert der Doktor sibyllinisch und weist Gray die Tür. „Aber… die Hunde!“, sagt Gray. Auch keine Hunde hier. 

Eine andere Tür öffnet sich. Der Arzt empfängt die Vampirin, zieht den Hut vor ihr, geleitet sie hinein. Die leeren Augenhöhlen eines Totenschädels beginnen zu leuchten. Ein anderer Totenschädel dreht sich, wie um das Entree des Bösen besser sehen zu können. Die Alte überreicht dem zweifelhaften Arzt ein Fläschchen – Gift.

"Vampyr" von Carl Theodor Dreyer.
Carl Theodor Dreyer, "Vampyr", aus dem Jahre 1932.

Sich entfernende, Zeichen gebende, kindhaft wirkende Schatten/Schemen weisen Gray den Weg durch einen Wald, er gelangt zu einem Château. Zu seinem Erstaunen sieht er dort durch das Fenster den alten Mann wieder, der ihm im Gasthauszimmer erschienen war; es ist der Schloßherr. Weltabgeschieden, nur mit einer kleinen Dienerschaft, lebt er hier mit seinen beiden jungen Töchtern, Léone und Gisèle.

Léone siecht dahin, wird jeden Tag schwächer, als würde ihr etwas die Lebenskraft aussaugen; von seltsamen Wunden ist die Rede. „Das Blut! Das Blut!“ deliriert sie. Eine Krankenschwester wacht bei ihr. Der Doktor wird erwartet.

In dem Moment also, da Gray das Château erreicht, wird der Schloßherr vom Gewehrschuß eines Schattens getroffen, „as though their souls were bound together in some mysterious way“ (Milne 1971). Gray begehrt Einlaß, klopft, ruft, man solle sich beeilen. Extrem langsam jedoch, denn alle in diesem hypnotischen Film wirken wie hypnotisiert, bewegt sich der alte Diener auf die Tür zu, als wolle er bestätigen, wie sehr doch Traumgeschwindigkeiten dem Willen und dem Sehnen des Träumers zu widersprechen scheinen.

Sterbend legt der Schloßherr seiner jüngeren Tochter, Gisèle, etwas in die Hand, ein Schmuckstück in Form eines Herzens. Gray und zwei Diener tragen ihn in die Bibliothek. „Bitte, wollen Sie nicht bei uns bleiben?“. Gray willigt ein. Die schöne, blasse, keusche Gisèle betrachtet ihn mit verstörend intensivem Blick, alle Fragen in sich verschlossen. 

Rena Mandel als Gisèle in Carl Theodor Dreyers Film "Vampyr" (1932).

Ein anderer Diener fährt mit der Kutsche davon; Gisèle: „Wo fährt er hin?“ – Gray berührt ihren Arm: „Zur Polizei.“ Gisèle erschrickt, fast mehr vor der Berührung als vor der „Polizei“. Gray öffnet das Päckchen, das der Schloßherr ihm überbracht hatte, und findet ein Buch. „Die seltsame Geschichte der Vampyre“. Er liest von den „Verstorbenen, die wegen ihrer im Leben begangenen Untaten keinen Frieden im Sarge finden“, die in hellen Vollmondnächten ihren Gräbern entsteigen, um jungen Menschen das Blut auszusaugen und dadurch ihr eigenes Schattendasein zu verlängern. „Der Fürst der Finsternis ist ihr Verbündeter und verleiht ihnen übernatürliche Macht im Reich der Lebenden und Toten.“

Mit nur zwei Kamerabewegungen wird dann nicht nur unser point of view erneut unterminiert, sondern auch das Vertrauen darauf, daß irgendeine Wahrnehmung irgendeine Gewißheit verschafft: die Krankenschwester richtet die Bettdecke der schlafenden Léone, die Kamera schwenkt an der Wand entlang nach rechts, bis zu einer Tür. Die Krankenschwester, die hinter der Kamera um das Bett herumgegangen ist, taucht wieder auf, um diesen Nebenraum zu betreten, wo sie mit einer Wasserschüssel hantiert; die Kamera schwenkt zurück nach links: das Bett, in dem eben noch Léone lag, ist leer. Man ist fast zu schockiert, um zu begreifen, wie brillant diese Szene ist.

Eine Art Schluchzen ist zu hören. Oder ein Heulen? Oder ein übernatürliches Bellen? Wie etwas, das auf einer ganz anderen Wirklichkeitsfrequenz stattfindet. Die Tonspur ist voller Geräusche, die sich den Bildern nicht zuordnen lassen.

Gray liest weiter, von den Geschöpfen des Abgrundes, die bei Nacht die Wohnstätten der Lebenden heimsuchen: „Wer einem Vampyr verfällt, siecht rettungslos dahin.“ Ein Mal am Hals ist das Zeichen der Verdammnis, gegen das ärztliche Wissenschaft machtlos ist.

Gisèle erblickt Léone im Park, wo sie somnambul durchs Nachtlicht schreitet; Gisèle und Gray laufen ihr nach, rufen sie, wieder scheinen die unwirklichen, entrückten Stimmen nicht zu den Gesten und Bewegungen zu passen. Sie finden Léone auf eine Steinbank hingestreckt, die alte Vampirin über sie gebeugt; eine Pose, die an Füsslis „Der Nachtmahr“ erinnert.

Die Alte erblickt sie, läßt ab, bewegt sich starr seitwärts, für ihre Verhältnisse rasch, aber immer noch maliziös langsam, bis sie entschwunden ist. Der alte Diener ist hinzugeeilt, auch die Krankenschwester, sie tragen Léone zurück in das Schloß; Gray ist dabei nur Beobachter, als wäre es ihm physisch unmöglich, einzugreifen. Er kehrt zu dem Buch zurück, liest weiter: wie eine Seuche übertrage sich „das Gelüst des Vampyrs auf sein Opfer, das zwischen blutgierigem Verlangen und verzweifeltem Abscheu vor diesem Wunsch hin- und hergerissen wird. Ein schuldloser junger Mensch wird selbst Vampyr und sucht sich seine Beute unter seinen nächsten Angehörigen.“ 

Sybille Schmitz in "Vampyr", Regie Carl Theodor Dreyer.

Die Krankenschwester entdeckt eine Wunde an Léones Hals, desinfiziert sie, und die zwischen Leben und Verdammnis schwebende Léone kommt zu sich. Ihr steigen Tränen in die Augen, sie beginnt hoffnungslos zu schluchzen: „Ach, könnte ich doch sterben… ich weiß, ich bin verloren… ich bin verdammt.“ Es ist eine Nahaufnahme von Sybille Schmitz, die dann für jene Szene, deren Grauen in nahezu allen Artikeln über Dreyers Film besonders betont wird, ihren Kopf wendet und mit entblößten Zähnen, bösartigen Augen, dämonischem Verlangen und plötzlicher, bestürzender, obszöner Blutlust ihre Schwester betrachtet.

„As we watch this take place, a peculiar, eerie feeling wells up within us. What effect will touching the vampire’s wound have on her? We have to wait a moment, as if giving time for the evil inside to have been agitated, and then slowly she smiles a diabolically evil smile. There are few moments in the history of the cinema more horrific.“ (Soren 52)

Gisèle, entsetzt, bewegt sich langsam zur Tür, wo die Krankenschwester steht; als Léones Blick, der Gisèle folgt, auf die Krankenschwester fällt, legt Sybille Schmitz in ihr Antlitz einen Haß auf den Todfeind, der kaum weniger schauderhaft ist.

Gisèle kehrt zu Gray zurück und haucht: „Ich glaube, sie stirbt…“ Sie läuft zum Fenster: „Hat nicht jemand geschrien?“ Gray geleitet sie behutsam zurück. Schnitt. Der alte Diener klopft an das Fenster, die Kutsche kommt zurück. Der Diener, der auf dem Kutschbock sitzt, ist tot, Blut tropft auf die Erde.

Gisèle schlafend auf dem Schloßgestühl. Man sieht, wie der alte Diener das Pferd wegführt. Wie Gray zu seinem Buch zurückkehrt. Wie die Kutsche schnell anfährt, weggezogen wird – offensichtlich nicht von einem Pferd. Gray liest weiter: „Ein Bericht aus Ungarn gibt davon Kunde, dass der Arzt des Dorfes, der seine Seele dem Bösen verschrieben hatte, eines Vampyrs Gehilfe und dessen Mitschuldiger an einer Reihe grauenvoller Verbrechen in dieser Gegend wurde.“ Wieder ist der Buchtext Menetekel. Es läutet, Gray hört, wie der Diener den Doktor empfängt, folgt dem Doktor hinauf ins Krankenzimmer. Der Doktor simuliert Untersuchung, Gray fragt, ob Léone nicht gerettet werden könne. Vielleicht, antwortet der Doktor, aber sie brauche Blut. „Es muß… Menschenblut sein.“ Gray willigt ein, sein Blut herzugeben. „Kommen Sie, junger Mann. Ich werde… sie… zur Ader… lassen.“ Befremdlicher, unheimlicher können Worte nicht gesprochen werden als in diesem Film. Gisèle ist erwacht: „Warum kommt der Arzt immer bei Nacht?“

Der alte Diener beginnt nun selbst, in dem Buch zu lesen: „Sobald der Vampyr das Opfer ganz in seiner Macht fühlt, versucht er, es zum Begehen des Selbstmordes zu treiben und dadurch dem Bösen seine Seele zu überantworten.“ Gray, nach dem Aderlaß geschwächt, sinkt auf einem Stuhl in sich zusammen, der Doktor schickt die Krankenschwester barsch fort. Der Diener liest über die seltsame Weise, den Vampyr zu vernichten, davon, wie man einen Toten morden muß. Gray – ist er wach, träumt er? – betrachtet seinen Arm, ruft: „Herr Doktor! Ich verliere ja mein Blut!“ – „Ha! Unsinn! Ihr Blut ist doch hier!“

„Bei Tagesgrauen öffnete man das Grab“, liest der alte Diener, „in dem man die Alte liegen fand, so, als ob sie schliefe. Einige Männer trieben ihr einen eisernen Pfahl durch das Herz und nagelten so die entsetzliche Seele des Weibes an die Erde fest.“ Gray scheint in einer Art von Schlummer, eine Stimme ist zu hören: „Komm mit mir… folge mir… wir werden eine Seele sein, ein Blut… folge mir, der Tod wartet…“ – Die Kamera richtet sich dabei auf die Tür, hinter der wir den Doktor wissen.

Der alte Diener liest schließlich von der Epidemie, die vor einem Vierteljahrhundert in Courtempierre herrschte, von dem Gerücht, daß ein Vampir die Ursache dieser Epidemie sein müsse.

„Viele Leute glaubten fest daran, dass nur Marguerite Chopin, die auf dem Friedhof von Courtempierre begraben liegt, dieser Vampyr sein könne. Marguerite Chopin war während ihres ganzen Lebens ein Ungeheuer in Menschengestalt gewesen. Sie starb reuelos, und die Kirche verweigerte ihr in der Todesstunde die Sakramente.“ 

Die Tür, hinter der sich der Doktor aufhielt, geht auf und wieder zu, wie keine Tür auf- und wieder zugehen kann, und wir sehen niemanden. Der Diener hat etwas gehört, forscht mit seiner Lampe, sieht den Doktor die Treppe hinaufsteigen, zu einem Fenster, ein Schrei ist zu hören. Schnitt auf Gray, es donnert, blitzt, ein Totenschädel, eine Skeletthand mit dem Giftfläschchen, Visionen oder Bilder aus Grays Traum, dann wird der von der Blutentnahme geschwächte Gray, sofern er nicht träumt, vom Diener geweckt zu werden, vom Diener geweckt: „Kommen Sie! Schnell! Es geschieht etwas Furchtbares!“ Schnitt auf Léone, die nach dem Giftfläschchen greift, das der Doktor auf dem Nachttisch stehen ließ – um die Absicht des Vampirs zu erfüllen, eine Selbstmörderseele in ewige Verdammnis zu zerren. Diese Szene wird noch bewegender, wenn man sich vor Augen hält, daß Dreyers leibliche Mutter, Josefine Bernhardine Nilsson – er war ein uneheliches Kind, vom Vater zur Adoption freigegeben – Selbstmord begangen hatte, als er zwei Jahre alt war; und daß die rätselhafte Sybille Schmitz – „Ich wurde scheintot geboren und in einen Sarg gelegt. Erst die Hammerschläge, die ihn schlossen, erweckten mich zum Leben.“ – 1955 mit einer Überdosis Luminal dem Wunsch nachgeben würde, „für immer zu schlafen“.

Gray überwältigt den eben das Zimmer betretenden Doktor und verhindert Léones Selbstmord. Der Doktor ist augenblicklich verschwunden, und Gisèle mit ihm. Donnern, Heulen und tanzende Schatten im Haus, selbst die Architektur scheint aufgewühlt. Wieder zieht Dreyer mit einem virtuosen, vorsätzlich verwirrenden Effekt den Zuschauer noch tiefer in das Mysterium, indem er ihn zu einem zweiten Gray macht: auf der Suche nach Gisèle und dem Doktor läuft Gray auf die Kamera zu, in einen Raum des Schlosses hinein; die Kamera macht einen 360°-Schwenk, wir haben mit ihrem Blick einmal das Zimmer abgesucht; als die Kamera zum Ausgangspunkt zurückkehrt, ist auch Gray schon verschwunden. Unser Blick aber ist, gerade weil er ratlos in diesem Raum festhängt, autonomer Bestandteil dieses „Traums“.

Dann, draußen, tanzende Schemen, jene, die Gray schon einmal führten. Sie scheinen Zeichen zu geben, Gray folgt ihnen. Die Krankenschwester betet am Bett Léones. „Schwester… ich habe Angst, zu sterben… ich bin verdammt… mein Gott… mein Gott… mein Gott.“ Der Diener: „Schwester… sie darf nicht sterben… sie muß bis zum Sonnenaufgang am Leben bleiben… hören Sie!“ – Der Diener hat einen Entschluß gefaßt.

Während sich der Diener im unwirklichen Licht auf den Weg zum Friedhof macht, läuft Gray durch den Park, fällt, läßt sich auf eine Bank nieder. Grays durchsichtige Hülle verläßt ihn. Als diese läuft er zu dem alten Gebäude, in dem er den Doktor zum ersten Male traf. Er entdeckt den Sarg, zieht das Tuch ab, und sieht sich selbst im Sarg liegen. 

An diesem Punkt ist Gray in dreifaches Sein aufgeteilt: jener Gray auf der Bank im Park, der eingeschlafen sein mag; die geisterhafte Hülle, die nun unterwegs ist; und jener Allan Gray im Sarg, den der Geisterwanderer entdeckt.

Julian West (Nicolas de Gunzburg) als Allan Gray in Carl Theodor Dreyers Film "Vampyr" von 1932.

Hinter dem Glas einer Tür sieht er das Licht- und Schattenspiel, mit dem Dreyer das Toben des Übernatürlichen suggeriert, Gray späht hinein, sieht Gisèle, an ein Bett gefesselt.

Rena Mandel in "Vampyr - Der Traum des Allan Gray" von Carl Theodor Dreyer.

Gray kann die Tür nicht öffnen. Der Doktor kehrt zurück, Gray beobachtet ihn. Der Doktor holt den Schlüssel zu der Tür, hinter der Gisèle gefangen ist, aus einer alten Standuhr ohne Uhrwerk, doch er schließt nicht auf. Auch der einbeinige Soldat ist jetzt da. Gray versteckt sich, sieht zu, wie der Einbeinige, im Beisein des Doktors, das Tuch vom Sarg zieht, Grays lebende Leiche darin. Mit den starr aufgerissenen Augen des im Sarg Liegenden sieht man durch das Glasfenster des Sargdeckels den Kopf des Soldaten, während er den Sarg schließt. Schnitt auf den reglosen Kopf Grays im Sarg, Entsetzen in den Augen. Die zweite Sequenz von „Vampyr“, die stets besonders hervorgehoben wird, die klaustrophobische Begräbnisvision, nimmt ihren Lauf.

Der Zuschauer liegt selbst im Sarg, lebendig, bewegungsunfähig, hilflos, und sieht mit Grauen durch das Glas, wie der Soldat den Sargdeckel zuschraubt mit knirschendem Geräusch. Wie eine Kerze auf das Glas gestellt wird, die Hände des Soldaten, die mit einem Streichholz die Kerze anzünden. Dann eine andere Hand, die die Kerze nimmt, dann das Gesicht der alten Vampirin, die kalt und unerbittlich hineinstarrt zu uns, wie um zu erkennen, ob wir wirklich da sind.

Wir sind da, mit der genuinen menschlichen Angst, lebendig begraben zu werden. Aber was folgt, ist auch von unwirklicher, seltsamer Schönheit. Der Doktor befiehlt: „Also los! Marsch!“ Träger heben den Sarg an, „wir“ werden hinausgetragen, Glockengeläut setzt ein, mit Grays entsetzensstarren Augen sehen wir weiter durch die Glasscheibe: Zimmerdecke, der Doktor, dann der Himmel, Wolken, Baumwipfel, Kirchenfassade, Kirchturm.

Die vier Träger kommen mit dem Sarg an Grays Bank vorbei und lösen sich auf, als Gray wieder „Substanz“ gewinnt. Er „erwacht“, läuft zum Friedhof, wo der Diener das Grab der alten Vampirin öffnet. Gray nähert sich zögernd. Sie nehmen den Sargdeckel ab, leuchten in das Grab, sehen die Alte in ihrem Sarg liegen. Der Diener setzt – einzige konventionelle Genreszene des Films – den Eisenpfahl an, stößt zu; wir sehen den düsteren Himmel und hören Hammerschläge. Das Gesicht der Alten wird zum Totenschädel.

Da der Vampir stirbt, verliert der Fluch, der auf den Opfern lastet, seine Kraft; Léone richtet sich in ihrem Bett auf: „Ich fühle mich stark… meine Seele ist frei…“ – Frei, um in Frieden zu sterben.

Im Haus des Doktors, der Soldat spielt auf einem Banjo. Donnern und Blitzen und ein vor dem Fenster erscheinendes Antlitz (der Schloßherr), eine übernatürliche Heimsuchung, die Dreyer wieder als undefinierbares Licht- und Schattenspiel hinter Glas zeigt, treibt den Arzt aus seinem Haus, die Zeit des Einbeinigen ist dagegen abgelaufen. Gray ist plötzlich anwesend, nimmt den Schlüssel für die Tür zur schönen Gefangenen aus der Standuhr, befreit Gisèle von ihren Fesseln, läuft mit ihr zum Fluß, sie besteigen ein Boot.

Der Doktor flieht in eine Mühle. Der Schloßdiener ist ihm gefolgt. Als der Doktor plötzlich gefangen ist, weil sich auf mysteriöse Weise die Tür eines Gitterkäfigs hinter ihm schließt, setzt der Diener die schweren Mühlräder in Gang, der sinistre Doktor wird von Kaskaden herabfallenden Mehls langsam – sehr langsam – zugeschüttet und erstickt, begraben von einer Lawine weißen Staubes: eine der beklemmendsten, erschreckendsten, Szenen der Filmgeschichte. Beim ersten Sehen sträubt man sich gewissermaßen gegen den Glauben, daß man tatsächlich gerade sieht, was da geschieht. Beim zweiten Sehen weiß man, daß der Darsteller des Doktors ein sehr tapferer Mann war.

Jan Hieronimko in "Vampyr - Der Traum des Allan Gray".

Gray und Gisèle überqueren langsam den in Nebel gehüllten Styx, gelangen auf die andere Seite der „anderen Seite“, wandern durch den Wald, Hand in Hand, zwischen zwei Welten von einem diagonalen Sonnenstrahl getroffen, dem Licht eines neuen Morgens entgegen.

„Vampyr“ dürfte der Film sein, der einem Traumerlebnis am nächsten kommt. Zudem führt Dreyers Film vor Augen, wie es aussehen müßte, wenn der Träumende im Traum auch noch sich selbst als agierende Person sähe.

Charaktere und Begebenheiten scheinen geführt und gelenkt von verborgenen Mächten aus der Welt hinter der Welt. Nicht die Vampirin ist das Monströse. Das Ungeheuerliche ist das, was der ganze visuelle Kontext vermittelt: da ist etwas, das sich nie erschließt, nie offenbart, aber alles durchdringt. Über allem liegt das Gefühl einer unsichtbaren, aber allgegenwärtigen Präsenz. Ein unerklärliches, unfaßbares Grauen. Eine Serie von spukhaften Bildern, die intensive Gefühle auslösen, doch die Übergänge wirken, als würden sich verwirrende, unzusammenhängende Traumfragmente nach unbekannter Gesetzmäßigkeit aneinanderreihen. Da wir Allan Gray durch dieses Reich folgen, überträgt er auf uns zugleich eine phantastische sinnliche Unmittelbarkeit und das Gefühl einer seltsamen Bindungslosigkeit. 

Es gibt kein Blut zu sehen; man spürt es, wie man die Wirkmacht des Unheimlichen spürt, das gleichsam aus den Szenen emaniert, bis es einen selbst in Trance versetzt. Die hypnotischen Bilder, die dichte Atmosphäre, die befremdlich faszinierenden Gesten: ein magischer Sog. Dreyer gibt uns mit unorthodoxen, brillanten Effekten das Gefühl, dem Abenteuer Grays nicht nur beizuwohnen, sondern es von innen her zu erleben. Virtuos läßt Dreyer den Zuschauer fühlen, was Gray fühlen müßte, würde er fühlen. Die Kamera folgt verwirrenden Regeln, die das unheimliche Gefühl verstärken, man selbst wäre nur ein wandernder Traumcharakter.

Mit Allan Gray bewegt man sich zwischen dem Horror völliger Desorientierung und der Gabe, Dinge zu erkennen, die für gewöhnlich der Wahrnehmung nicht zugänglich sind: Frieda Grafe sprach von Dreyers Fähigkeit, etwas zu  Realität zu verdichten, das sich der Darstellung sonst entzieht. Sobald uns, wie Dreyer selbst formulierte, irgendein Geschehnis in einen Zustand hochgespannter Aufmerksamkeit versetzt, schreiben wir den Dingen, die uns umgeben, andere Bedeutungen zu.

Es bleibt offen, ob sie diese Bedeutungen haben. Allan Gray ist der Katalysator seines eigenen strange adventure. Es ist, als hätte Gray den Durchgang zu einem Paralleluniversum gefunden, als bliebe aber die Schwelle bei jedem Schritt unter seinen Füßen: nie ganz ausgeschlossen, nie ganz involviert streift er durch das Zwischenreich der Wirklichkeit des Unwirklichen. Der unter dem Pseudonym Julian West agierende Darsteller des Allan Gray, Baron Nicolas de Gunzburg, war ein junger Filmenthusiast, der gleichzeitig als Finanzier des Films dafür sorgte, daß Dreyer über jeden Aspekt der Produktion vollständige Kontrolle hatte und genau den Film machen konnte, den er wollte. Dem jungen Baron wird zuweilen ungeschickte Schauspielkunst zur Last gelegt, was vollständig neben der Sache ist. Wenn er quasi somnambul durch diesen Film läuft, mit ausdruckslosem Erstaunen in den großen, aber merkwürdig leeren Augen, ohne jedes Mienenspiel, flach und kontrastarm wirkend, dann ist das nur logisch und richtig: Expression? Man sieht sich selbst nicht im Traum.

Nur Sybille Schmitz (Léone) und Maurice Schutz (der Schloßherr) waren professionelle Schauspieler. Rena Mandel, die Darstellerin der ätherisch-keuschen Gisèle, arbeitete als Aktmodell für einen Pariser Photographen. Sie berichtete, daß Dreyer ihr während der Dreharbeiten Bilder von Goya zu zeigen pflegte. Den Doktor fand Ralph Holm, ein Assistent Dreyers, eines Nachts in Paris in der letzten Metro – als heruntergekommenes Individuum mit einem Hutfilz auf wirrem Haar, vogelähnlichen, ruckartigen Kopfbewegungen, und merkwürdig stechenden Augen, die hinter den Brillengläsern böse zu funkeln schienen; wie sich herausstellt, handelt es sich um den polnischen Poeten Jan Hieronimko, der einige Tage später an der Sorbonne geehrt wird. Die Darstellerin der Marguerite Chopin, eine respektable Witwe, war die Mutter einer Schauspielerin, von Holm entdeckt, als er eigentlich die Tochter besuchen wollte. Das seltsam Unstete der Bewegungen und das leicht verschlagen Wirkende der Mimik des Doktors, die unheimlich gleitende Präsenz der Vampirin: Dreyer nutzt die Eigenheiten seiner Darsteller konsequent, ohne ihnen Schauspiel im eigentlichen Sinne oder Nuancierung psychologischer Details abzuverlangen, und verleiht ihnen gleichzeitig die schemenhafte Präsenz von Traumgestalten. Die madonnenbleichen Schwestern mit ihrem stummen Entsetzen sind das Schöne als der Beginn des Schrecklichen.

Die Darsteller wirken selbstversonnen, körperfremd, matt, eingeschlossen und versunken in etwas, das nur halb explizit wird: es sind sonderbare, unheimliche performances, bei denen Bewegungen und Blicke aus einem narrativen Grund der Bilder zu kommen scheinen, der sich entzieht. Das gesamte Sounddesign ist verstörend. Die kryptischen Sätze und fragmentarischen Gesprächsfetzen wie Echos aus einer nicht zugänglichen Welt, die einen frösteln lassen, nicht selten am Rande des Unverständlichen; die Overdubs mit den seltsam ausdruckslosen Stimmen, der fremdartigen Aussprache (angeblich bestand Dreyer darauf, daß alle Darsteller sich selbst in allen drei Sprachen nachsynchronisieren, unabhängig davon, ob sie die Sprache verstanden oder nicht), all das wirkt, als hätte das Jenseits von diesen Charakteren so vollständig Besitz ergriffen, sie so sehr durchdrungen, daß sie im Bewußtsein befristeter Zeit nicht mehr so sprechen, als wäre das, was sie sagen, noch unbedingt für irdische Ohren bestimmt. Flüchtige Stimmen, die aus unendlicher Entfernung zu kommen scheinen, aus einer opaken Schicht der Wirklichkeit, gebannt von Worten wie „Blut“ und „sterben“. Oft wirken die Figuren so, als wollten sie Bedeutendes sagen, doch dann schweigen sie, und die Stille wird ohrenbetäubend. 

Die Phasen furchterregender Stille, die eigenartigen, befremdlichen Übergänge im Ablauf, all das verstärkt die bedrohliche Atmosphäre des Films, die Undurchdringlichkeit des Geschehens, das Gefühl des Schlafwandelns. Der Text des Vampirbuches, das der Vater von Léone und Gisèle Allan Gray überbringt, ist zwar wie eine guideline durch den Film, aber es bleibt das Gefühl, daß die Erklärungen nichts wirklich erklären.

Gedreht wurde bevorzugt im Morgengrauen, und die ungewöhnliche visuelle Qualität der Außenaufnahmen mit ihren immateriell wirkenden Landschaften erreichten Dreyer und Kameramann Rudolph Maté durch bewußte Wiederholung eines Mißgeschicks: bei der ersten Ansicht der rushes bemerkten sie, daß einer der takes grau war. Sie fanden die Ursache (versehentlich auf die Linse projiziertes Licht) und arrangierten nun für jeden take dieses „falsche Licht“: schwarzer Tüll zwischen der Kamera und einem auf die Kamera gerichteten Scheinwerfer ließ bei den Aufnahmen jene bleiche, diffuse Helligkeit entstehen, die nicht im Tag, nicht in der Nacht zuhause ist.

Ebbe Neergaard, ein Schriftsteller und Freund Dreyers, sprach von weißem Unbehagen: Beklommenheit, die durch Licht ausgelöst wird. Gefühle also, die sonst eher durch Dunkelheit hervorgerufen werden. Das weiße Unbehagen trägt zur Desorientierung bei, zum Aufheben des Aufgehobenseins in der Realität, wie wir sie kennen. Dieses Licht, das kein Licht ist, schenkt kein Vertrauen. Die Lawine weißen Mehls, die den Doktor begräbt, vollendet das weiße Unbehagen.

Dieser Film, der die Realität auf so intensive Weise unwirklich und traumgleich erscheinen läßt, wurde ausschließlich an real existierenden Schauplätzen gedreht, die Dreyer in der Nähe von Paris gefunden hatte: das alte, dunkle, verfallene Château von Courtempierre, moderig von Feuchtigkeit, voller Ratten; eine alte Gipsfabrik, ein Pfarrhaus, eine stillgelegte Eisfabrik, ein Landgasthaus.

Der Film erlebte seine Uraufführung in Berlin im Mai 1932. Zischen, Buhen, Hurrarufe. In Wien kam es zu einem veritablen Skandal, aufgebrachte Zuschauer verlangten ihr Geld zurück, Polizei stellte die Ordnung mit Schlagstöcken wieder her. Dänische Zeitungen berichten von einem hochinteressierten Publikum. In den USA erfuhr der Film offenbar keine kommerzielle Aufführung, 16mm-Kopien kursierten im Untergrund. Die Familie de Gunzburg verlor mit „Vampyr“ fast ihr ganzes Geld.

Subtiler Horror, so alptraumhaft wie traumhaft schön, voller Andeutungen und Symbole, voller Unerklärlichkeiten, innovativ, suggestiv, mit einem Leichnam hinter der Tür – aber wir wissen nicht, hinter welcher Tür.

Diese Beschreibung zerstört sich selbst in 20 Minuten. Denn „Vampyr“ ist unbeschreiblich.

Rena Mandel, Darstellerin in "Vampyr - Der Traum des Allan Gray", 1932, Regie Carl Theodor Dreyer.

Rena Mandel

Zitate aus:

William K. Everson, Klassiker des Horrorfilms, München 1979

Tom Milne, Vampyr, in: „The Cinema of Carl Dreyer“, published by A. Zwemmer, Ltd. 1971.

David Pirie, Vampir Filmkult, Gütersloh 1977

Georg Seeßlen u. Claudius Weil, Kino des Phantastischen. Geschichte und Mythologie des Horror-Films, Reinbek bei Hamburg 1980

David Soren, The Rise and Fall of the Horror Film, Second Printing (revised), Baltimore, Maryland 1995 (First Edition: 1977).

Rena Mandel als Gisèle in "Vampyr - Der Traum des Allan Gray", Regie Carl Theodor Dreyer.