Also diese charmante Mixtur aus Zerbrechlichkeit und Psychopathentum.
Christian Erdmann:
Tja, was könnte faszinierender sein? Indes, Portishead bzw. Beth Gibbons bewundere ich, aber ich liebe sie nicht, irgendeine Komponente fehlt, damit es mir wirklich unter die Haut geht. My fault, vielleicht weil ich denke, Mr Borcholte hat unrecht mit der „einsamsten Stimme der Welt“. Das ist immer noch Lisa Germano auf den beiden Mitt-90er-Alben „Happiness“ und „Geek The Girl“.
„The Darkest Night Of All“ von „Happiness“ kann ich fast nicht hören; das traurigste Stück, das ich kenne.
Goodnight How can you sleep? How can you sleep through this? What are your thoughts As you turn to dream? I wouldn’t know I never look These things are hard These things can hurt All of the secrets Nobody needs to know How does it feel Falling asleep so hard How could I ask How could I say The things I need to You’d go away Goodnight Memory must Fill you with love Positive days Positive years Older than lonely Older than old There’s only minutes Minutes to go You have to feel this You have to cry I can go on I can deny This stuff it hurts Always it will Now I can ask Now I can say The things I need to You’ve gone away
Goodnight
↑ Geschrieben im SPIEGEL ONLINE Forum „CDs der Woche – und Ihre Favoriten?“ am 01.05.2008.
Für sehr starke Nerven (der Notruf ist echt):
Brian Eno soll ihr „Geek The Girl“ zum besten Rock-Song aller Zeiten erklärt haben. Iggy Pop lud Lisa Germano 1993 zum Duett für „Beside You“ von „American Caesar“.
Auf David Bowies Neufassung von „Baby Loves That Way“ für sein „Toy“-Album spielt Lisa Germano Violine.
1997 ist sie mit Howe Gelb und weiteren Giant Sand-Mitgliedern als OP8 zu hören:
„Intensely intimate music that a lucky few stumble upon – music that finds hope in the darkness, and the darkness in hope“, heißt es auf der Website von Young God Records, dem Label von Swans-Chef Michael Gira, der Lisa Germano die Möglichkeit zur Veröffentlichung von „In The Maybe World“ (2006) und „Magic Neighbor“ (2009) gab.
2006 schreibt Michael Gira ebendort:
I am incredibly proud and pleased to release the music of Lisa Germano on Young God Records. I have been a fan of Lisa’s music for years. Her songs are impossibly poignant and often heartbreakingly beautiful. She’s a great lyricist and singer but also an extremely talented multi-instrumentalist. She plays violin, piano/keyboards and guitar with equal authority, as well as producing her own records with great imaginative effect – the result is seductive and truly magical. No one sounds like her. You get the feeling you’re walking through her dreams as you listen. The intensity of feeling in her singing is a little frightening sometimes – it’s like she’s singing very close to your ear, leading you through her ultra emotional world. It’s a place I very much enjoy visiting, and I hope you will too. […] Typically, her (self) production and arrangements are inventive and completely unique, the words cut right to the core and her voice carries you gently off into a world where the distinctions between beauty, loss, love and pain tend to blur.
Gira zitiert George Parsons [Dream Magazine]:
The exquisite singer songwriter Lisa Germano often walks that miraculously fine line between breathtaking terror and intoxicating beauty. Chilling seductive and sorrowful but dressed up like a lovely lullaby to mask the tragic core. Lost and found and lost again along the way to oblivion. Magically there are these glimmers of hope that shine though, and the melodies are so instantly beguiling that you’re swept off your feet, but no matter how scary it gets she’s holding your hand.
Lisa Germano ist wie ein Geist, der durch die Hallen des Hochadels spukt. Aber ihre Musik ist die Antithese von kommerziell, und nachdem 4AD sie 1998 aus ihrem Plattenvertrag entlassen hat, arbeitet sie für einige Jahre in einem Buchladen in Los Angeles, um sich über Wasser zu halten.
Songs von ihr können sprachlos machen, betäuben, Sturzbäche auslösen; für mich sind es nicht unbedingt viele, aber sie sind handverlesen. Lisa Germano ist auch nicht immer ratsam. Aber wenn deine Seele wie die Fledermaus im Turm hängt, kann sie genau richtig sein. Singing very close to my ear, als ich verlassen war.
„I was, for a very long time, passionately in love with her… as I’m sure she’s guessed. Every male in the world and a number of females also were. And we all still are.“ – David Bowie 1997
JOURS DE FRANCE No. 553, 19 Juin 1965, 2003 in Paris erworben.
Traum 25.07.2000: Mit Jean Cocteau geplaudert und ihn auf seine Zeichnung von Strawinsky angesprochen – die ganze Nacht plaudern wir mit aller Welt, immer wieder wache ich auf und denke, ich muß es aufschreiben, but I don’t. „Wir“ sind Francoise Hardy und ich.
SPIEGEL ONLINE Forum
05.09.2006
Christian Erdmann:
Ich habe ihre Aufnahmen aus den frühen 60ern vor einiger Zeit für mich entdeckt, oder besser, mich in sie verliebt, und mir bei einem der Bouquinistes an der Seine ein paar Original-Singles gekauft, obwohl ich dafür immer eigens den Plattenspieler entstauben muß.
Sie gehörte ja zu denen, die in den 60ern überredet wurden, deutsch zu singen und in deutschen Shows aufzutreten, beherrschte das aber sehr gut (sie hat Deutsch studiert). Vor einigen Jahren tauchte sie dann mit „Le Danger“ auf, das sie mit einer Rock-Formation einspielte, die Band liefert einen knochentrockenen, interessanten Gegensatz zu ihrer halb melancholischen, halb erotischen Stimme, und kurz danach machte sie ein bezauberndes Duett mit Iggy Pop, „I’ll Be Seeing You“.
19.11.2007
dj1204:
Jetzt muß ich eingestehen, eine Bildungslücke zu haben. Was ist Yé-Yé?
CE:
Oh, Yé-Yé ist französisch für „Yeah Yeah“ :) und meint die französische Popmusik der 60er, die Girlgroup- und Phil Spector-Touch mit der Chanson-Tradition kombinierte. Protagonisten waren etwa Johnny Hallyday, Francoise Hardy, France Gall, Sylvie Vartan oder Serge Gainsbourg. Die Backgroundsängerinnen klangen immer noch ein wenig sexier, schriller und zickiger als die US-Vorbilder.
Ein bedeutendes Thema der französischen Sixties war das der „Puppe“, etwa bei Michel Polnareff: „La poupée qui fait non“.
So bedeutend, daß es auch eine deutsche Version gab:
Gainsbourg schrieb für France Gall den Eurovisions-Sieger „Poupée de cire, poupée de son“,
Sylvie Vartan sang „Jolie poupée“.
Archetypischen Backgroundsängerinnenklang findet man etwa auf „Pourtant tu m’aimes“,
Mit der dem französischen Rationalismus eigenen, zwingenden Logik entwickelte sich das Puppen-Thema in eine Barbarella-Ästhetik, etwa bei Sylvie Vartan, „Irrésistiblement“,
und natürlich bei Brigitte Bardot, „Harley Davidson“, ebenfalls vom verkrachten, aber omnipräsenten Genie Gainsbourg komponiert:
Kopfhörer einstöpseln und dem Mann recht geben, der da sagt: „This has to be one of the best grooves ever“.
Mitte der 90er ging Francoise Hardy mit einer Rockband ins Studio und kam mit „Le Danger“ wieder heraus. „Mir ist ein Album lieber, auf dem ich alle Lieder mag und das sich schlecht verkauft, als eins, das ein Erfolg ist, aber im Grunde nichts taugt. ‚Le Danger‘ war so ein Album, auf das ich sehr stolz bin und das kein Publikum fand.“
20.11.2007
dj1204:
Vielen Dank für die Links! Du hast Recht, Serge Gainsbourg hatte ja wirklich unglaublich gute Rhythmen, da war er seiner Zeit wirklich voraus.
Ich denke, Benjamin Biolay knüpft an diese früheren Protagonisten an. Er sieht sich wahrscheinlich als Fortsetzung des Chanson-Pop und er hat ja auch diese ganze Nouvelle Pop Szene in Frankreich angestoßen. „Trash Yé Yé“ wirkt auf mich trotz des erheiternden Titels eher nachdenklicher als seine Vorbilder, seine Stimme klingt auch düsterer als früher noch auf „Rose Kennedy“.
CE:
Francoise Hardy steht bei mir neben „The Marble Index“ von Nico, dem düstersten Abgrund, den man finden kann. Wobei „Frozen Warnings“ aber wiederum so schön ist in seiner monumentalen Einsamkeit, daß man sofort den Schlüssel für den Hölderlin-Turm suchen möchte.
dj1204:
Von Francoise Hardy sollte ich mir dringend mal ein älteres Album kaufen.
CE:
Ja, die sind zauberhaft. Von den ganz frühen habe ich zwei, beide hießen ursprünglich einfach „Francoise Hardy“, von 1963 und 1964. Einige Songs kennst Du bestimmt, „Mon amie la rose“ vielleicht. Multilinguale Intelligenzbestie, sie hat ja in diversen Sprachen gesungen, es gibt einen Sampler namens „All Over The World“, der einiges davon versammelt. Ich liebe ihre Version von „Catch A Falling Star“.
Weil sie oftmals unser Denken auf die Wege lenken Die wir dann gehen
Kommentarsektion Antirationalistischer Block
21.02.2015
acapulco ramon:
vive la france (gall) et francoise (hardy) … schönste blüten aus dem frankenreich… francoise hardy, in die angeblich bowie so verliebt war … welch pure schönheit. man schaue sich bei yt … was mach ich ohne dich ? an, die deutsche version von comment te dire adieu. traumhafte sehnsucht in diesem gesicht, zum niederknien. france gall war aber auch in zuckersüssen charme gegossen… frankreich in den 60igern, yeye!!!
CE:
„Ich war lange Zeit leidenschaftlich in sie verliebt. Sie weiß das bestimmt. Alle Männer dieser Welt waren es. Und auch ein paar Frauen. Wir sind es immer noch.“ (Bowie) Mick Jagger nannte sie sein Ideal, Scott Walker hatte ihr Bild an der Wand, Dylan hatte ja schon 1964 seine Bewunderung ausgedrückt mittels Poem auf LP, trifft sie dann zwei Jahre später auch in Paris, aber er beeindruckt sie offenbar nicht übermäßig. :) Nick Drake besucht sie im Studio, als sie in den frühen Siebzigern in England aufnimmt, sagt aber kaum ein Wort. Sie kannte seine Alben und hatte ihn gefragt, ob er ein paar Songs für sie schreiben könne. Kurz vor seinem Tod klingelt er noch einmal an der Tür ihres Apartments auf der Ile St Louis, erkennt die Stimme aber nicht, die er durch die Sprechanlage hört, und geht ohne ein Wort davon. – Später die Kollaborationen mit Blur und Iggy Pop („Alles, was sie sagte, war: Wie bist du nur an meine Nummer rangekommen?“).
Unwiderstehlich bezaubernd diese Mischung aus Schönheit und Ernsthaftigkeit, Erotik und Melancholie, dieses Capricornmädchen, das mit Scheu und Pessimismus kämpft, sie hat starkes Lampenfieber und vergißt vor Aufregung bei Liveauftritten manchmal die Texte, sie zieht sich von der Welt zurück und flüchtet sich in Bücher, trotzdem diese Stärke und toughness und Wahrhaftigkeit und eben diese Ausstrahlung, die zum Niederknien veranlaßt und die auch Dutronc noch in der „Tant de belles choses“-Doku erklären läßt, er habe sich an ihrer Seite lange minderwertig gefühlt, dabei ist er ein Auserwählter, chosen by her, die von sich sagt: es gibt nicht viele Männer, die ich anziehend finde. „Man schaue sich bei yt ‚Was mach ich ohne dich?‘ an“ – oui, machen wir. :)
Barry Adamson, wie er für „Lost Highway“ aus einem Francoise Hardy-Song something wicked macht:
Antirationalistischer Block, 10/2017
Interviewer: „Sie scheinen mir eher der einsame Typ zu sein?“
Francoise Hardy:
(Francoise Hardy – La discrète, F 2016)
Kommentarsektion, moi @ray05:
27.10.2017
Das Lächeln der Januargeborenen, zugleich embarrassed und unendlich überlegen. Daß ein solches Wesen in Einsamkeit gehüllt ist, als normalsterblicher Trottel („Idiot“) fragt man sich, wie sowas überhaupt sein kann, wie sowas in die Weltharmonik kommt, zu der Zeit sitzt sie in ihrem Zimmer und studiert Deutsch mit Thomas Manns Tod in Venedig, ihr Fotograf-Freund Perier sagt: sie ging nie aus, ich glaube, mit mir war sie zum ersten Mal im Kino. Mick Jagger, Bob Dylan reißen sich um sie, und sie sagt, sie hat es praktisch gar nicht bemerkt. Das klingt absurd, aber etwas daran ist auch wahr. Da ging SIE, zurück in IHRE mystische Einsamkeit. „The Queen of Sheba could have shined her shoes“, doch sie ist scheu und unsicher in einer Welt, die nur darauf wartet, sie zu verletzen. Am Ende sind die Saturnmädchen jedoch geradezu exzessiv furchtlos. Die Klarheit, mit der sie einfach sagt: Ja. Wer wollte da nicht die unauslotbare Tiefe ihrer Liebe gewinnen.
Alison Goldfrapp. Kann sagenhaft singen, kann sagenhaft sexy sein, kann nicht von dieser Welt sein, kann enigmatische Texte machen, kann Filmmusiken für noch nicht existente Filme machen, kann Videos machen, die man hier nicht posten kann, weil Kinder zugucken.
Celestine:
Meine Youtube-Wiedergabe funktioniert nur fragmentarisch, was mich sehr irritiert, und auch von diesen Clips konnte ich nur eine Version hören – „Lovely Head“, aber es war genug: Die Musik, die sie macht, ist wirklich einzigartig; der Song sehr melancholisch, aber avantgarde und experimentell zugleich – eine seltene Mischung. Sie hat eine wunderschöne Stimme, sie sieht gut aus = sie hat alle Voraussetzungen. Wenn alles andere, was sie macht, ähnlich gut ist, kriegt sie 10 Punkte von mir. Nach meiner Einschätzung wird sie jedoch keine „Queen“ für ein Millionenpublikum sein, sondern eine ganz spezielle Nische im Musikgeschäft besetzen, für die, die das Besondere erkennen und lieben.
Christian Erdmann:
Das erste Album „Felt Mountain“ ist so, wie Ihnen „Lovely Head“ erschien: sehr melancholisch, avantgarde, experimentell. Der Nachfolger „Black Cherry“ hatte auch diese Qualitäten, aber mit „Train“ und „Twist“ ging es schon in die Richtung, die dann mit „Supernature“ weiter kultiviert wurde – ein immer leicht oder schwer lasziver, oft obsessiv wirkender Synth-Glam, der Marc Bolan durch Barbarella ersetzt, doch es bleibt stets diese mysteriöse Qualität an Goldfrapp-Songs, etwas, das oberflächlich kühl wirkt wie ein Kubrick-Film, tatsächlich aber hitzig, schwül, dramatisch und pervers ist. Goldfrapp-Songs führen, in oft makelloser Schönheit, zur Wahrnehmung einer Ebene hinter der offensichtlichen Ebene, sie haben dieses Je ne sais quoi, nicht nur in Alison Goldfrapps Stimme, von der es ehedem bei laut.de hieß: „Hinzu kommt Alisons schaurig schöne Vokalakrobatik. Man muss schon genau hinhören, um zu erkennen, dass da an mancher Stelle kein Sampler am Werk ist, sondern sich die Gute in unglaubliche Höhen hinaufschraubt.“ – Der Versuch, den Sound der Band zu beschreiben, hat an der Universität Bristol schon akademische Würden eingebracht. Und während Björk irgendwann nur noch nervt, weiß man, wenn man aus einem Goldfrapp-Album wieder auftaucht, partout nicht, wie man hierher gekommen ist und wieviel Zeit vergangen ist, seit dieser Fahrstuhl einen in den 13ten Stock eines 12stöckigen Hauses gebracht hat.
Göttin der einsamen Tränen, die nur der Spiegel sehen darf. Alison Goldfrapp eignet diese Marlene-Dietrich-Mischung aus geheimnisvoller Sphinx und Bodenständigkeit („Kochen mit Alison Goldfrapp“).
[SPIEGEL ONLINE Forum „Elvis – immer noch der King?“, 09/2007]
„Wie sich zeigt, kann man tatsächlich das Gefühl haben, die eigenen Augäpfel würden aus den Höhlen hervortreten.“ (David Foster Wallace)
Auf dem „Achtung Baby“ Tribute schießt Jack White natürlich den großen schwarzen Vogel ab.
Die A-Klasse erweist sich als die A-Klasse: Nine Inch Nails, Depeche Mode, Jack White, Garbage. Bei den anderen merkt man schon, daß es nicht so leicht ist, einen U2-Song so zu gestalten, daß die Neufassung nicht komplett überflüssig ist. NIN, Patti Smith und Jack White geben ihren Versionen eine gegenüber dem Original ganz andere Färbung, was zumal bei „Until The End Of The World“ eine gute Idee ist, den U2-silver train bekommt man da eh nicht hin. Die Nine Inch Nails-Version von „Zoo Station“ versetzt mich in Trance. Als das Q-Mag mit der Achtung Baby-Tribute-CD gerade erschienen war, erzählte uns eine Frau vor dem Peter Murphy-Konzert, sie hätte „Zoo Station“ gleich 6x nacheinander gehört, und wenn Murphy nicht gewesen wäre, wäre sie wahrscheinlich gar nicht mehr unterm Kopfhörer hervorgekommen. Und genauso geht es mir. Hypnotisch, subtil, reznorous.
[SPIEGEL ONLINE Forum 11/2011]
„Bono used reverse psychology in his email, saying he totally understood why we’d say no. We just thought, Why not? ‚So Cruel‘ is Bono at his best, words-wise.“ – Martin Gore
Dave Gahan Zeilen singen zu hören wie „I gave you everything you ever wanted / It wasn’t what you wanted“ – wen das nicht in die Knie zwingt, der hat einen Kopf aus Eisen.
„When people talk about how good other guitarists are, they are talking about how they play within the accepted structures of contemporary guitar playing, which Pagey plays miles outside of. He plays from somewhere else. I like to think of it as… a little left of heaven.“ — Robert Plant
SPIEGEL ONLINE Forum „Led Zeppelin – vielversprechendes Comeback?“
13.09.2007
Christian Erdmann [Aljoscha der Idiot]:
LEIHT MIR MAL JEMAND 183 EURO?
Crot:
Mir bitte auch? Die Seite ist aber eh am Zusammenbrechen, wie’s scheint.
14.09.2007
dr_klaus_martin_schulte:
… wer hingegen brillante Musiker erwartet, die angesichts ihres Alters noch einmal das Beste geben wollen, für den sehe ich gute Chancen – viele der Auftritte von Page und Plant in den 90ern haben gezeigt, dass sie eine solche Angelegenheit ernst nehmen und sicherlich viel proben werden, um sich angesichts ihres legendären Rufs nicht zu blamieren. Ich jedenfalls bin zuversichtlich und würde den hohen Preis sofort zahlen.
Christian Erdmann:
Zumal sie sogar zu verhindern wußten, daß ihr 1985 spektakulär verunglückter Live Aid-Auftritt auf der DVD erschien. Wenn sie jetzt nicht 100% sicher wären, daß sie ihren Mythos musikalisch im Griff haben, würden sie es nicht machen.
IsArenas:
War er denn verunglückt? Meines Wissens war das vor allem Plants und Pages eigenes Urteil.
Christian Erdmann:
Und welchem sollte man sonst trauen? Schließlich sind Plant und Page bei allem, was sie entfesselt haben, immer Perfektionisten gewesen.
Der Auftritt überragt vieles andere, was an dem Tag zu hören war, schon deshalb, weil er stattfand. An Led Zeppelin-Maßstäben gemessen aber war er schlecht. Das Beste ist eigentlich der Moment, in dem das JFK-Stadion explodiert, weil Mister Robert Plant, Mister Jimmy Page, Mister John Paul Jones angekündigt werden.
Keine Proben, die Gitarren verstimmt, Plant nicht wirklich auf der Höhe und Page neben der Spur, im Zentrum des Problems aber saß Phil Collins. Genaugenommen ist der eigentlich immer ein Problem: Langeweile ist konterrevolutionär.
Crot:
Außerdem zeigt Jason einen ähnlichen Stil wie sein Vater und wird auch emotional der Band sehr nahe stehen und auch von daher sicher gut mit ihr harmonieren.
Christian Erdmann:
Sieht so aus, als wäre Jason ein wichtiger Faktor gewesen; von jimmypageonline.com:
Concert promoter Harvey Goldsmith said that he had originally asked Page, Plant and Jones to consider reuniting to play a 30-minute set as part of a gala concert. After several weeks of discussions the band finally assembled in a rehearsal studio on the outskirts of London in June to see if they could still play together. After a week of rehearsals, Zeppelin announced to Goldsmith that they would be willing and able to perform a full two-hour set. „Jason Bonham became part of the catalyst, and they did a week’s rehearsal,“ said Goldsmith. „We had a meeting and Robert turned around and said we’re not going to do 30 minutes, we’re going to do a whole set.“ Goldsmith added „They’re going to play all the great songs that everybody wants to hear. They are the last great rock gods that remain to be seen.“
16.09.2007
Celestine:
Ich war ein Led Zeppelin-Fan, aber der Preis ist einfach exorbitant…
Christian Erdmann:
Der Preis ist exorbitant, eigentlich lachhaft – aber das ist es ja gerade: ich würde das Geld investieren. Allein, derzeit ist die Ticketnachfrage so groß, daß Led Zeppelin das Wembley-Stadion 57 Wochen lang jeden Abend ausverkaufen würden. Die Welt will, daß die Olympgötter noch unter uns sind.
Zu den Spezies auf diesem Planeten, die ich nicht für überbezahlt halte, zählen Künstler – Künstler dieses Schlages erst recht.
Man kann ja vieles mit Led Zeppelin-Platten machen… eine Sache ist, einfach nur auf das zu achten, was Jimmy Page da treibt. Hypnotisches Riff 1, hypnotisches Riff 2, dann produziert er ein paar zuvor ungehörte Effekte, dann legt er Schicht über Schicht, Kaskaden von Klängen, dann wechselt er das Tuning, dann wechselt er die Tapete, dann kehrt er das Echo um, dann führt er dich in den Saal, wo die Prinzessin ruht, dann kommt brillantes Solo 1, dann gibt er kurz Aleister Crowley die Hand, dann mischt er Riff und Solo und den Teufel, dann noch eine Gitarre für brillantes Solo 2, dann noch eine Gitarre für eine Passage, deren Schönheit man gerade noch begreift, dann noch eine Gitarre für eine Passage, deren Schönheit unbegreiflich ist, zu diesem Zeitpunkt hat er bereits acht Arme und zwei Köpfe, und jedes einzelne Riff und jedes einzelne Solo ist magisch, und er ist dabei nie, entschuldigen Sie, ein Wichser; alles ist glitzernde, leuchtende Textur, unglaublich und goldrichtig, Soundgewebe so full of longing, und so sexy, daß du… und das war nur der erste Song.
Bei „No Quarter“, diesem ziemlich unheimlichen Song, bestimmt ja eigentlich John Paul Jones erstmal die Atmosphäre, aber nach 4 Minuten erschaffen die Gitarren von Page drei verschiedene Ebenen, eine davon klingt wie der langgezogene Schrei eines prähistorischen Riesenvogels. Ein 3-bändiges Tolkien-Werk in diesem Klang, wenn Sie mich fragen.
Was Page für die Musikgeschichte geleistet hat, ist noch nichtmal ansatzweise gewürdigt.
Das einzige, was mich beunruhigt, ist die Frage, ob die Architekten der O2-Arena bedacht haben, daß einmal der Moment kommen wird, in dem Jimmy Page da drin die ersten Töne von „Stairway To Heaven“ spielt.
Celestine:
Hallo Aljoscha, ich verdanke ihrer Musik einige der schönsten Momente meiner ganzen Jugend. Auch ich fand sie genial und phänomenal. Danach habe ich sie nur selten gehört, aber jedes Mal war es das gleiche Gefühl wie damals – ein absoluter Musikgenuss.
Gwynplaine:
Zitat von Aljoscha der Idiot […] was Jimmy Page da treibt […]
Schöne Hymne an einen Magier.
Trotzdem, richtig schätzen lernte ich Led Zeppelin erst mit „Houses Of The Holy“, aber vor allem mit „Physical Graffiti“, eine wunderbare Scheibe, trotz „Stairway To Heaven“ das Beste! „Kashmir“, „In The Light“ „Bron-Yr-Aur“, „Down By The Seaside“, „Ten Years Gone“ u.a. sind so schön und außerweltlich, dass es sich verbietet, einen Jimmy Page mit technischen Maßstäben zu messen. Er ist kein Virtuose, sondern ein Visionär, ein Maler, ein Weltenerschaffer, also doch ein Virtuose. :)
Christian Erdmann:
Geht mir ähnlich, ich halte „Kashmir“ für einen der besten Songs aller Zeiten. Interessiert jetzt keinen, aber als ich den zum ersten Mal hörte, stand ich 8 Minuten in religiöser Ehrfurcht mitten im Zimmer, weil ich es nicht glauben konnte. :)
BerSie:
Ja, mir gings genauso… aber erst bei der 90er Jahre Fassung! No Quarter ist sicher die CD, die ich in den letzten fünfzehn Jahren am häufigsten gehört habe!
Christian Erdmann:
Unfaßbare Version von „Kashmir“ – wie die Hossam Ramzy-Combo das am Ende nach jedem Riff noch weiterträgt: > blows me away.
17.09.2007
l.augenstein:
Glauben Sie das mit den 20 Millionen potentiellen Kartenkäufern wirklich? Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Veranstalter so versucht, einen Hype daraus zu machen, um die heillos überteuerten Karten zu rechtfertigen. Vermutlich brauchen die Zeppeline auch eine Finanzspritze und wollen damit den CD-Verkauf wieder pushen!
Christian Erdmann:
Die brauchen kein Geld. Festgestellter Vermögensstand April 2007: Robert Plant 70 Millionen Pfund, Jimmy Page 70 Millionen Pfund. Die Band hat 300 Millionen Alben verkauft, allein seit 1990 über 20 Millionen, ein Drittel davon geht an Fans unter 25 Jahren. Aber Ihre Zweifel an den 20 Millionen Registrierten sind schon berechtigt: mittlerweile sind es 25 Millionen. :)
paparatzi:
Zitat von Aljoscha der Idiot … ich halte „Kashmir“ für einen der besten Songs aller Zeiten. Interessiert jetzt keinen, aber als ich den zum ersten Mal hörte, stand ich 8 Minuten in religiöser Ehrfurcht mitten im Zimmer, weil ich es nicht glauben konnte. :)
Doch, interessiert schon, sehr sogar, wenn es Anderen ähnlich ging :)) Genau diese Inspiration fehlt bei heutigen Interpreten. Liegt es am Kommerz, an der Ideenlosigkeit?
Christian Erdmann:
Es ist auch eine bestimmte Form des kreativen Chaos sehr selten geworden. Wenn man bedenkt, wie z.B. Led Zeppelin IV aufgenommen wurde, und damals zog man in irgendein altes Gemäuer für solche Sachen. :)
Nun ist John Bonham ja fraglos nicht ersetzbar, sein Sound unerreicht. Und auch unerklärlich. Ich denke, sein rechter Fuß war aus Adamant.
Jedenfalls, auch da war Page Teil der Magie – für „When The Levee Breaks“ hat er Bonham ja in die Halle des besagten Altbaus gesetzt, und ein Stereomikrofon eine oder zwei Etagen höher aufgehängt, nach der Maxime: distance equals depth. Dabei kam dann diese Sound-Dimension heraus, die Page „ambience“ nannte.
Jeder Led Zeppelin-Song ist randvoll mit magischen Dingen, die in heutigen Studioproduktionen kaum mehr auftauchen. Und das geht von der wagemutigen Virtuosität von drei Musikern und einem Sänger bis zu diesem Bandknistern vor „Immigrant Song“, oder dem Gitarrenwarmmachgewische vor „Black Dog“, das integral zur Stimmung des Songs gehört. :)
l.augenstein:
@Aljoscha: Freut mich ungemein, wenn’s den alten Haudegen finanziell so gut geht. Ich darf Ihnen versichern, dass ich mir Stücke wie BRON-YR-AUR auch heute noch sehr gerne anhöre und spiele!
Christian Erdmann:
Zitat von l.augenstein Ich darf Ihnen versichern, dass ich mir Stücke wie BRON-YR-AUR…
… erklären kann? Können Sie’s mir erklären? Ich meine, genau dieses Stück wäre mal ein lohnendes Studienobjekt: 9 von 10 spielen das so runter, und es klingt wie Wandertag. Der zehnte ist Jimmy Page. :)
18.09.2007
Christian Erdmann:
Einzigartig an Led Zeppelin auch die Chemie zwischen den Bandmitgliedern. Und die Art, wie man Charisma hören kann, auf jeder Aufnahme.
Der Moment, in dem John Bonham bei „Misty Mountain Hop“ einsetzt, läßt einen denken, der trommelt da mit Bahnschranken.
Unfaßbar, wie Bonham das mit, eben, four sticks durchhaut, und Page möchte man einfach nur den Gitarrenhals küssen.
l.augenstein:
Und wenn Sie mich fragen hat sich Page bei Bron-Yr-Aur in eine Art Trancezustand gespielt…
19.09.2007
Gwynplaine:
Zu „Bron-Yr-Aur“: das mit dem Trancezustand halte ich nicht für unwahrscheinlich, denn das Stück hat einst mich in einen Trancezustand versetzt. Ich denke, das Stück ist geeignet, jeden zu hypnotisieren, der es hört.
thedirtydozen:
Tschuldigung, ich hab keine Ahnung und bin jetzt auch zu faul, alles nachzulesen: Wer soll denn bei der Reunion an den Drums sitzen? Mein Wunschkandidat wäre, wie sollte es anders sein, Dave Grohl. Ich glaube, der wäre einer der Wenigen, die tatsächlich den Geist und die Wucht John Bonhams wiederaufleben lassen könnten.
Christian Erdmann:
Grohl pausiert von Omnipräsenz. Jason Bonham – ich denke, für den „Geist“ des Konzerts ist das schon die richtige Entscheidung. Plant, Page, Jones, Bonham: Jasons Hauptaufgabe ist es wohl, den Mythos zu repräsentieren. Über seine Technik weiß ich nichts, aber das für Led Zeppelin-Songs grundsätzlich Unabdingbare übt er doch eh seit 100 Jahren.
26.09.2007
Yeti:
Zitat von Aljoscha der Idiot Ich denke, sein rechter Fuß war aus Adamant.
Wahrscheinlich. Aber die Bassdrum wurde auch ziemlich heftig abgemischt. Auf vielen Studio-Aufnahmen hört man immer wieder das Quieksen der Pedal-Mechanik.
Jedenfalls, auch da war Page Teil der Magie…
Auch das, auf jeden Fall. Seit ich als Jugendlicher vor 25 (?) Jahren das erste Mal das Video von „The Song Remains The Same“ gesehen habe, bin ich überzeugt davon, der hat einen Deal mit dem Teufel gemacht. Mindestens. Evtl. ist er’s sogar selbst :-)
Haben Sie sich mal Pages Finger angesehen? Deren untere zwei Glieder sind länger als meine ganze Hand!
Christian Erdmann:
Auf „Black Country Woman“ klingt Bonhams Einsatz mit der Bassdrum nach anderthalb Minuten so, als würde irgendein Koloß von der Heilsarmee mit einer 2-Meter-Durchmesser-Pauke durchmarschieren.
Plants Stimme – ich meine, so wie auf „The Wanton Song“ kann eine menschliche Stimme ohnehin kaum klingen. Aber die Art, wie sie bei „Hats Off To (Roy) Harper“ noch durch diesen Vibrato-Amp gefiltert wird – schaurig genial. Page war ja in den 60ern sozusagen Studio-Inventar, mit allen Wassern gewaschen. Aber die Trickkiste, die er dann selbst als Produzent aufgemacht hat, ist einzigartig.
Seit ich als Jugendlicher vor 25 (?) Jahren das erste Mal das Video von „The Song Remains The Same“ gesehen habe, bin ich überzeugt davon, der hat einen Deal mit dem Teufel gemacht. Mindestens. Evtl. ist er’s sogar selbst :-)
Die Art, wie er sich auf der Bühne bewegte, hat mich bei dem Film auch unendlich fasziniert… wenn dem mal nicht die Glieder vom Second Revelator verrenkt wurden! :) Hatte immer schon (Lederstrumpf-Chingachgook-Schema) ein Faible für den dark sidekick, den zweiten Mann, der eigentlich der erste ist.
Diese unberechenbare Feingliedrigkeit wirkte dann spätestens mit Knebworth, wo er ja nur noch ein Rohr im Wind war, natürlich schon unheilvoll, wenn man das heute sieht, hat man schon das Gefühl, das konnte nicht mehr lange gutgehen.
29.11.2007
BerSie:
Das Konzert wurde übrigens auf den 10. Dezember verschoben! Page hat sich einen Finger gebrochen.
10.12.2007
flonaldo73:
Hat jemand von Euch etwas hinsichtlich einer Live-Übertragung der heutigen Led Zeppelin-Reunion im Radio/Internet, etc. vernommen? Wer kann behilflich sein??? Wäre zumindest gerne mit einem Ohr in London dabei.
Christian Erdmann:
Akustisch gibt es da sicher nichts… nme.com hat als „live coverage“ einen „Song-Blog“. Überraschend vielleicht, was Page sagt:
Continuing to fuel speculation, Jimmy Page told Britain’s Q magazine that he wants the Zeppelin reunion to continue beyond next week’s London show, and is even willing to consider using the new music he’s been stockpiling as the basis for a new Zeppelin album.
Jones sagt, die Tür dafür sei wahrscheinlich halb offen. Das heißt wahrscheinlich, Plant hält sie halb zu.
11.12.2007
Leondavid:
Hallo zusammen, komme gerade aus London und bin noch immer high. Ich war gestern abend mit meiner Frau auf dem Konzert und kann nur Gutes berichten. Es war eine Wiederauferstehung.
Die Band ist sensationell stark und braucht sich vor niemandem zu verstecken. Seit 33 Jahren gehe ich zu Rock-Konzerten und bin noch NIE so weggeblasen worden. Nach schon gutem Anfang trotz Abstimmungsproblemen mit der Technik steigerte sich die Band unaufhörlich von Song zu Song ohne einen Aussetzer. Eine solche dichte Live-Atmosphäre habe ich noch nie erlebt. Und den Jungs hat es nach etwa einem Drittel der Songs auch richtig Spaß gemacht. Als sie lockerer wurden, war sie wieder da, diese legendäre Urgewalt. Sie hatten aber auch einen guten Ruf zu verlieren. So viele glückliche Gesichter mit Tränen in den Augen habe ich noch nie gesehen. Und ich meine nicht Rockopis mit Bierbäuchen und Glatzen, sondern sehr viele junge Leute, die alle durch diesen Zeittunnel mitgerissen wurden.
Christian Erdmann:
Man hätte es ja schon als Erfolg werten können, wenn Led Zeppelin gestern nicht ihren eigenen Mythos zerstört hätten, ich fand es schon ziemlich bold, anzutreten unter diesem übergroßen Schatten, den das Luftschiff wirft. Offenbar haben sie aber selbst diejenigen, die vielleicht schon die Feder ins Gift getaucht hatten, sprachlos gemacht. Rückwärtsgewandt ist also dann eigentlich vor allem die Vorstellung, es gehe hier um „Revival“. Was gut ist, wirklich gut, kann gar nicht genug Kontinuität haben.
Daß Robert Plant mit knapp 60 nicht mehr die Tonlage sexueller Hysterie trifft wie in den 70ern, ist doch wohl klar. Trotzdem hat er es offenbar geschafft, die Led Zeppelin-Sänger-Persona wieder aufzugreifen, weiterzuentwickeln und in die Magie zu integrieren.
canUCme:
Tja, manche Leute werden auch noch am Himmel was auszusetzen haben. Es erscheint mir manchmal so, als wäre die junge Generation etwas neidisch auf die alten Herren. In der Tat wird es keine Gruppe der letzten zwanzig Jahre fertig bringen, 27 Jahre nach ihrer Auflösung über 20 Millionen Interessenten für ein Konzert zu mobilisieren. Diese ganze Musikalität, die Mystik, das Phänomen, als Gruppe von Solisten banddienlich zusammenzuspielen: Das wird es in dieser Ausprägung so schnell nicht wieder geben.
Aber das allein erklärt den Ruhm von Zeppelin noch nicht. Von Pages Musikersuche Ende 1967, über die Wahl eines kompetenten Managements, über den Plattendeal mit Atlantic (ohne Demo-Aufnahmen!) bis zu den Mega-Touren mit Privatjet und riesigem technischem Aufwand: Alles erscheint rückwirkend zusammenzupassen, eine einzige aufsteigende Linie. Selbst die nie gekannte Konsequenz einer Rockgruppe, ohne ihren Schlagzeuger nicht weiterzumachen, zeigt die gleiche Größe wie alles andere.
Led Zeppelin-Platten konnte man allein auf seinem Zimmer hören, sich in die Musik vertiefen und tags darauf auf einer Fete ekstatisch dazu tanzen. Stücke wie „Kashmir“ oder „Achilles Last Stand“ hatten etwas Hypnotisches und kondensierten die Träume und Gefühle einer ganzen Generation. Das Verblüffende ist eben, dass dies auch heute noch funktioniert. Wann hat man Leute aus aller Welt das letzte Mal so euphorisch und überwältigt aus einem Rockkonzert kommen sehen wie gestern Abend?
Hats off!
12.12.2007
Christian Erdmann:
Dieser Moment, wenn vor einem Konzert die Lichter ausgehen, ist ja jedes Mal ein ekstatischer, aber nachdem ich das geniale Intro aus der O2-Arena gesehen habe, dachte ich, wohl ganz gut, daß ich nicht da war. Ich glaube, ich wäre komplett durchgeknallt, mir wären Flügel aus den Schultern gepoppt oder so.
16.12.2007
Yeti:
Zitat von Aljoscha der Idiot Was gut ist, wirklich gut, kann gar nicht genug Kontinuität haben.
Amen! Aljoscha, Sie sind ein wahrlich weiser „Idiot“!
mahrud:
Die Fragestellung „Led Zeppelin – vielversprechendes Comeback?“ geht meines Erachtens durchaus weit über die Frage einer richtigen Wiedervereinigung von Led Zeppelin hinaus.
Was hat es zu bedeuten, wenn sich mehr und mehr alte Könner eindrucksvoll zurückmelden? Alle diese Musiker stehen für eine Kontinuität, nicht nur ihrer eigenen Person, sondern einer musikalischen Ära, die Teil des Welt-Kulturerbes geworden ist und vermutlich einmal den gleichen Rang einnehmen wird wie heute Klassische Musik. Die Reaktion der Öffentlichkeit geht dabei deutlich über reine Sentimentalität hinaus. Trotz allen Mainstreams gibt es offenbar ein allgemeines Bedürfnis nach der Art, wie vor 40 Jahren Musik gemacht wurde. Vielleicht sehnt man sich nach mehr Authentizität und instrumentaler Virtuosität.
Christian Erdmann:
Vorgestern las ich den Blog der Tagesthemen-Redaktion, in dem publik gemacht wurde, wie innerhalb der Redaktion gestritten wurde, ob der Bericht vom O2-Konzert nun in die Sendung gehöre oder nicht. Seltsame Frage, bei 20 Millionen Ticket-Anfragen und angesichts der Tatsache etwa, daß der „Song-für-Song-Blog“ auf der Online-Präsenz der renommierten Musikzeitschrift, nme.com, zusammenbrach, weil Menschen rund um den Globus die Tracklist in Echtzeit zu wissen begehrten; seltsame Frage also, die ich in Ihrem Sinne beantwortet habe: die Musik von Led Zeppelin ist zeitgenössische Klassik.
Wichtig auch Ihr Punkt: eine Reaktion, die deutlich über Sentimentalität hinausgeht. Man kann die Rede von „Epiphanie“ auch der leicht ironischen Ebene entziehen und einfach zu den von Ihnen formulierten Sehnsüchten diejenige nach „Charisma“ addieren – nach echtem, nicht nach dem, was in unzähligen Shows voller Künstlichkeit, Epigonentum oder verblüffender Talentlosigkeit als „Star“ verkauft wird.
Davon abgesehen wird die Musik von Led Zeppelin ja ständig von neuen Generationen entdeckt, und natürlich nicht nur die; in das online-Kondolenzbuch für Joe Strummer trugen sich viele Unter-20-Jährige ein, mit dem Tenor: was soll ich mit Green Day, wenn es The Clash gab.
Bzw: gibt. Genau das ist der Punkt.
(Und „London Calling“ ist ja auch der Grund, warum man die taz nicht lesen muß. :) Ernsthaft: der lausigste Kommentar zur Led Zeppelin-Reunion [vor dem Konzert] kam von der taz.)
Led Zeppelin waren immer da und werden immer da sein, als einzigartige Facette in diesem ziemlich großen Ding namens Universum, in dem es unzählige hinreißende Facetten gibt: was Placebo können, kann sonst keiner. Aber jetzt wissen wir halt wieder: was Led Zeppelin konnten, konnte ganz besonders sonst keiner.
22.04.2008
Nachtschwester Ingeborg:
Na ja, ich würde mal sagen, das ist klar geklaut, genauso wie der Song „Whole Lotta Love“, der sich verdammt nach dem Song „You Need Love“ von Muddy Waters anhört.
Christian Erdmann:
Für das vielgelobte Riff von „Seven Nation Army“ könnte sicher auch irgendein schwarzer Bluesmusiker das Haus von Jack White heimsuchen, aber ich schätze, er würde sagen: ich segne dich, mein Junge.
Pnin:
Naja, bei Dazed and Confused ist es schon arg offensichtlich. Tut dem Lied selbst aber ja keinen Abbruch :)
Christian Erdmann:
Die Diskussion darüber, ob die beiden nicht überhaupt recht unbekümmert mit „Page / Plant“ gezeichnet haben, ist ja nicht neu. Aber ehrlich, die haben Versatzstücke so sehr zu their own gemacht und etwas so vollkommen Anderes, Einzigartiges daraus erschaffen, das ist für mich niemals ein „Plagiat“.
Derart einzigartig actually, daß mir kein sinnvolles Cover eines Led Zeppelin-Songs einfällt. Die haben einfach diese rätselhaften Pyramiden in die Musikgeschichte gesetzt, zackzackzack, eine nach der anderen, und man kann sich höchstens den Kopf dran stoßen.
Ja, Physical Graffiti. Hatte die Doppel-LP. Wenn ich sie denn mal durchhörte, was selten genug vorkam, konnte ich lange Zeit nichts anderes mehr hören. Das Zeugs kam wie ein Eisbrecher daher, oder wie ’ne Walze, die einem viel Mittelmäßiges einfach so auslöschte im Kopf. Man fing dann wieder bei 0 an, gewissermaßen, aber 0 auf einem höheren Level. :)
Christian Erdmann:
Dieser Nachmittag, als ich Physical Graffiti nach Hause brachte, – die vier Wände meines Zimmers brachen einfach so weg, und man stand in Houses of the Holy, seitdem. „From the door comes Satan’s daughter“, ah, ok, herein. :) An meiner Schule gab es ein bezauberndes Mädchen, eines Tages fragte ich sie, ob sie Led Zeppelin mag. „Manchmal sehr“, sagte sie, „und manchmal bekomme ich von der Musik Kopfschmerzen.“
Weiß nicht, welche andere Band es schafft, noch bei der 100sten deiner Lebensphasen, in der du komplett eintauchst in diese Musik, so completely mind-blowing zu sein? David Lynch: „Sex is a doorway to something so powerful and mystical“. Jimmy Page wußte das. Darum klingt er so, wie er klingt.
Hörte gerade IV; „Black Dog“, winding riff and complex rhythm changes, John Paul Jones über seinen Basspart: „I wanted it to turn back on itself. We struggled with the turn-around, until Bonham figured out that you just four-time as if there’s no turn-around. That was the secret.“
Da kann man als 16jährige schon Kopfschmerzen bekommen. :)
But when I whispered in her ear, I lost another friend
It was an April morning when they told us we should go
„Why we are here? The temporary answer for me is: because you are. So get started. And it won’t be long. The prevailing element for me is: it won’t be long.
Vor ein paar Tagen hörte ich das hier und machte mir dann ein Festival mit Garbage, Garbage, Garbage und Garbage.
kpone:
Ach ja, die beautifulgarbage ist wohl eine der meistunterschätzten und schönsten Pop-Platten des angebrochenen Jahrtausends. Wenn ich Gänsehaut fühlen will, dann leg‘ ich die auf alle Fälle auf.
Christian Erdmann:
Verrückt, je länger das alles her ist, desto klarer wird, daß jeder einzelne Song von Garbage der gnadenlos unterschätzteste unter der Sonne und Shirley Manson die Königin dieser Galaxie ist. „So Like A Rose“, da streckst du doch alle Waffen. Noch so ein Song, der macht, daß man eine Religion gründen will. Church of Holy Shirley oder sowas.
kpone:
Dein Wort in den Gehörgang des höheren Wesens, das es nicht gibt ;-)! Aber als Atheist würde ich höchstens meine eigene Sekte gründen… leider muss man hinter dem stehen, was man predigt! Oder in der 2ten Reihe stehn, also Aljoscha, mutig nach vorn an die Front und predigen, Termine & Kasse regel‘ ich… :) btw: mir kommen immer höchst unheilige Gedanken (im christlichen Sinne), wenn ich Ms. Manson singen höre…
Christian Erdmann:
So die Mansoniten sol recht aufgerichtet werden, so muß man die Böswichter wegtun und sie zu Hundknechten machen! Es hat kein Ding auf Erden ein besser Gestalt und Larve denn die Götin, doch oho, dieser laugnet den hohen Glauben! Da wöllen sie vil erger mit irem Lestern aller Leüt Maul verstopfen! Denn der Tölpel, der Babst, mit seinen Butterbuben, sie wöllen der hohen Bewegung und herzlich Betrübnus der Auserwelten schlecht settigen! Sie tun das dünne Zünglein herfür und predigen unverschempt, die Hare aufm Haupt möchten krachen. O allerliebsten Brüder, wozu erinnert uns dis Evangelion 2.0 anders, denn das: sie haben daselbst imaginiert die Engel mit langen Spießen und mechtig groß Schwermerei!
kpone:
So tretet bei und spendet reichhaltig, ihr, die ihr der Absolution der Götin harret und unser Leben bereichern wöllt… auf dass ihro Lieder ewig in Euren Gehörgengen wohnen werden! Amen!