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Musik

Peter Thomas Sound Orchester

Space Girl. Retro Futurism. Peter Thomas Sound Orchester. Text von Christian Erdmann.

Peter Thomas! Für den will ich eine Lancet brechen. Der „Raumpatrouille“-Soundtrack beginnt so sexy, daß man gleich eine Party imaginiert mit „Girls“ in Minirock und Lederstiefeln, deren Körper sich zur ultra-avantgardistischen Musik winden. Die 25-DM-Kaufhausorgel, die man Ray-Manzarek-Gedächtnisorgel nennen müßte, wenn Peter Thomas nicht früher da gewesen wäre, swingt, wie nur Kaufhausorgeln das konnten. Gut, eigentlich beginnt der Soundtrack mit diesem durch den Vocoder geschickten Countdown „… sieben… sechs… fünnef…“ Hm. Und schon das zweite Stück ist so krank, daß die Girls kichern über den unmöglichen Blödi, der die Musik ausgesucht hat. Dann aber „Love In Space“, ein schwüles Saxophon, das in jeden David-Lynch-Film passen würde. Überhaupt glaube ich, daß Barry Adamson eine Menge Peter-Thomas-Platten im Schrank hat. Und es waren Pulp, jawohl die großartigen Pulp, die für „This Is Hardcore“ den Anfang von „Bolero On The Moon Rocks“ als Sample verwendeten. Dann ufert das Ganze natürlich vollends aus. Schrill, kreischend, Igor Strawinsky im Flitzi-Cola-Rausch. „Landing On The Moon“ macht klar, daß auch Unterhaltungscombos auf dem Mond denselben Schnappndappn spielen werden. Der Klassiker fürs Starlight Casino: „Pizzicato In Heaven“. Minimalistisch und cool. In „Outside Atmosphere“ gibt es ein Intermezzo, das aber GENAU so klingt, als ob dem Bordcomputer noch ein paar Gedanken ausgluckern, bevor er abschaltet, aber GENAU so. „Take Sex“ erinnert mehr an Urwald als an Weltall. Tarzan übt Scat-Gesang. Warum auch nicht. Die Mädels sind eh schon alle gegangen. „Jupiter’s Pop Music“ hat Peitschenknallen und diesen Kriminaltango-Twang irgendwo zwischen Edgar Wallace und Mackie Messer. Weiß der Himmel. Und dann habe ich noch irgendwo ein Stück, das Peter Thomas offenbar für eine lesbische Nummer in irgendeinem St. Pauli-Film beigesteuert hat, denn es heißt „Lesbische Nummer“. Stöhn. Ach ja. The Golden Rage of Grotesque.

[SPIEGEL ONLINE Forum, 13.10.2006]

„So verwundert es nicht, dass eines Tags Jarvis Cocker, Frontmann der englischen Formation Pulp, bei Thomas anrief und nach dessen Vater verlangte. Er wolle einen Teil der ‚Raumpatrouille‘- Musik für den Pulp-Titel ‚This Is Hardcore‘ verwenden und brauche dazu die Genehmigung des Komponisten. Als Thomas, der Jarvis Cocker erst für Joe Cocker hielt, entgegnete, er selbst sei der Gesuchte, reagierte der verblüffte Popstar mit den Worten: ‚Aber Sie müssen doch tot sein.'“

[aus: wittkowsky.net/Peter-Thomas-Filmmusik]

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