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Aljoscha by Pjotr


„Viele Bücher sind einfach zu intelligent“
Interview mit Vito von Eichborn auf boersenblatt.net
27.11.2008
Zum dritten Mal hat es ein Buch der Libri-Tochter Books on Demand (BoD) auf die „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft. boersenblatt.net sprach mit Vito von Eichborn, Herausgeber der Edition BoD, über Verkaufshits und auf ewig verborgene Schätze. Von Sabine Schwietert.
Mit dem Krebstagebuch von Jennifer Cranen hat es zum dritten Mal ein Buch aus der Edition BoD auf eine Bestsellerliste geschafft. Freuen Sie sich?
von Eichborn: Natürlich, darüber kann man sich nur freuen, weil die Edition BoD ansonsten zuwenig wahrgenommen wird.
Von Juni 2006 bis heute sind 33 Titel in der Edition BoD erschienen. Was eint die Bücher?
von Eichborn: Sie hätten allesamt auch in einem Publikumsverlag erscheinen können.
Sind sie aber nicht.
von Eichborn: Natürlich entsprechen nicht alle BoD-Titel den Kriterien, nach denen Verlage ihre Programme auswählen. Aber es gibt durchaus auch Autoren, die bei BoD sind, weil ihnen dort keiner reinredet.
Wie finden Sie die „Rosinen“?
von Eichborn: Die Kollegen aus Norderstedt schicken Vorschläge, parallel gehe ich die Novitätenlisten durch. Am Ende sind die Überschneidungen übrigens erstaunlich groß.
Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?
von Eichborn: Ich achte auf Originalität und auf sprachliche Qualität. Was mir egal ist, ist das Niveau. Die Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur leuchtet mir einfach nicht ein.
Sie haben einmal gesagt, wir könnten heute gar nicht beurteilen, welche Autoren es später einmal zu Ruhm und Ehre bringen werden. Werden auch BoD-Autoren darunter sein?
von Eichborn: Natürlich. Es gibt viele Bücher, die sind einfach zu intelligent, um ökonomisch erfolgreich zu sein, z.B. der Roman „Aljoscha der Idiot“ von Christian Erdmann. Der Roman ist 2005 bei BoD erschienen, im vergangenen Jahr haben wir das Buch in die Edition BoD aufgenommen. Je intelligenter, desto weniger Leser – so ist es eben.

„Viele Bücher sind einfach zu intelligent“:
Vito von Eichborn schrieb am 3. Mai 2007 um 22:23 Uhr:
Bis vor kurzem habe ich geglaubt: verkannte Dichter gibt’s nicht mehr in unseren inhaltshungrigen Zeiten.
Bis ich bei BoD auf ein tolles Buch stieß. (Dies soll jetzt nicht als Werbung mißverstanden werden – und vorsichtig: es ist nicht leicht zu lesen.) Erdmann „Aljoscha der Idiot“ – das ist ganz große Literatur von einem so klugen wie bescheidenen Autor.
Und jeder normale Verlagslektor lehnt das ab mit dem fürchterlichen Argument: „Das ist richtig gut – und richtig unverkäuflich.“
(Vito von Eichborn, Verleger, @ literaturcafe.de – Die wichtigsten Tipps eines Verlagslektors / Comments)

[Artwork CE]
Buch des Monats BoD News 02/2007
Aljoscha ist Philosophiestudent und eigentlich mit der sanften Leda liiert. Doch eines Tages begegnet er im Hörsaal einer Frau, deren Gang allein ihn hypnotisiert, „weil er schon am Klang der Absätze gehört hatte, dass diese Schritte ihm galten“. Die stumme Liebe zu der unbekannten Schönen wird für Aljoscha zur wahren Obsession. Während äußerlich scheinbar nichts geschieht, verändert sich alles, es entspinnt sich ein komplexes Geflecht aus Realität und Fiktion und bestimmt Aljoschas Sein. Auch Leda bleibt das natürlich nicht verborgen, und doch gibt Aljoscha sich alle Mühe, sie zu lieben …
Christian Erdmann hat selbst Philosophie studiert und führt mit außergewöhnlicher Sprachkraft und atemberaubender Gewandtheit durch die tief empfundene Gedanken- und Gefühlswelt des Protagonisten. „Aljoscha der Idiot“ ist eine Geschichte über das eigentlich Unsagbare. Eine Geschichte voller Anspielungen und Rätsel, ein Mosaik des Fühlens und Träumens, jenseits von Vernunft und Verstand. Eine Geschichte, über die Vito von Eichborn sagt, sie sei „literarisch das Beste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe“.

„Literatur, zumal wenn sie anspruchsvoll ist, war ja immer in einer Nische. Und dass so etwas Literarisches wie ‚Aljoscha der Idiot‘ bei BoD lieferbar ist – das kommt im Februar in meiner Edition -, das zeigt, wo die Zukunft hingeht…“
Vito von Eichborn, BoD AKTUELL 26

[Artwork CE]
„Aljoscha ist Student der Philosophie. Während er mit der liebevollen Leda liiert ist, werden stumme Verabredungen mit einer unbekannten Schönen zur Obsession. Die Wirklichkeit scheint voller verborgener Muster. Aljoscha versucht, die Zeichen zu entschlüsseln…“

Ankündigung der Neu-Edition
Booklet für den Buchhandel, Januar 2007
Text Vito von Eichborn (Herausgeber der Edition BoD)

Präsentation von „Aljoscha der Idiot“
auf der Leipziger Buchmesse
März 2005
Kurzvorstellung des Romans im Messe-Sonderteil
von BoD AKTUELL 19
Frühling 2005

[Artwork CE]

In the corners there is light
That is good for you
And behind you
I have warned you
There are awful things
Cimitero Monumentale della Certosa di Ferrara
25.10.2024
Das Foto entstand am 02.09.2024 in Ferrara, Italien.
What’s this?
Vorweihnacht

So, Watson, nochmal von vorn. Ich rief Ihnen etwas zum Geburtstag zu, von diesem schaukelnden Berg aus, aber der große schwarze Adler schnappte sich das wohl im Flug. Ich dreh mal kurz die Zeiger auf Kurz Vor: All good things to you, my Co-Spion in the House of Sinn. Sagte ich Sin? In ein paar Tagen wird The Claw leuchtend zusehen, wie mein Geist in tausend Stücke springt.
Kennen Sie übrigens die hier? „I Am Kloot“ von I Am Kloot ist die beste Herbstplatte, wenn nicht Herbst ist. Manchmal ist das Leben genau so. Genau so. Und Tischtennis war schon immer mysteriös, wenn die Mädchen mitspielten, damals.
Da erwähnt einer Robyn Hitchcock, stimmt zwar nicht, was der sagt, aber Robyn Hitchcock & The Egyptians müssen mal erwähnt werden. „Robyn“, she said, „you know I don’t take sugar.“
Musik ist Komplizin der Ahnung, daß Zeit ein Schwindel ist. Was heißt da schon „long ago“. „Achtlos gehe ich meines Weges, in einem großen Lärm von Gattern, die überall geschlossen werden. Lieben, sie wiederfinden, die verlorene Gnade des ersten Augenblicks, in dem man liebt…“ (Breton, L’amour fou).
Nine Inch Nails in Berlin am 30.6. Nach ein paar Songs: „God DAMN it’s hot up here!“ Und etwas später: „We’re having fun up here, so… thank you!“ Die Treptow Arena, a wonderful place. Von Nebelmaschine zu Fever Ray vs. 200% Luftfeuchtigkeit unmittelbar vor Konzertbeginn bis: „Our last show in Germany was a good one. Thank you Berlin! Hotter than fuck onstage.“ (Trent auf Twitter um 2 Uhr morgens).
Wenn es wirklich das letzte NIN-Konzert war, vorerst – was für ein phantastischer Abschluß. Unfaßbar, was aus „Hurt“ geworden ist, live. Triumph des Lebens, des Am-Leben-Seins, der Liebe zum Leben.


Nachts um 3 sahen wir Füchse beim Hauptbahnhof. Vorher Marienkirche, Nikolaiviertel, Impressionistentee bei Mariage Frères, Kaffee auf der Friedrichstraße, und dann unser Besuch bei E.T.A. Hoffmann, an einem wunderbaren Spätnachmittag.



Und jetzt will ich, daß mir doof ums Herz wird, darum verschwinde ich jetzt mit Musik, die zu mir kam in einem mitleidlosen Winter, als zwei Frauen noch da waren, die jetzt auf zwei verschiedene Weisen nicht mehr da sind. Ich wünsche, daß es Ihnen wohlergeht, ich umarme Sie.
Und sind Sie sicher, dass es der große schwarze Adler war? Weil hier ewig erwartungsvoll der hässliche braune Geier kreist und nicht einsehen will, dass auch in den dunkelsten Phasen noch erneuerbare Energie vorhanden bleibt, die einen Kosmos erhellen könnte, wenn sie nur wollte. Es ist wohl die rührendste aller menschlichen Verrücktheiten, diese Hoffnung auf was auch immer, die wieder aufersteht aus der Asche der letzten Dummheit.
Long ago heißt vielleicht auch, dass es gut ist, dass Zeit Wunden heilt und Menschen die weniger guten Stunden vergessen. Naja. Heute hoffe ich auf sechs Wochen mit ausreichend Schlaf. Luxuriös, geradezu dekadent, ich weiß, aber alles, was zu hoffen mir in naher Zukunft von Bedeutung scheint. Also, danke schön für den Co-Spion in the House of Sinn. Darf ich das verwenden? The House of Sinn. Das baue ich doch, als Mahnmal für, nein, gegen die Unwahrhaftigkeit. Materialbestellungen zur Zeit leider mit Verzögerungen, good reasons out of stock. Neulieferungen in Kürze. Hopefully. Oh ja, auf Kurz Vor drehen wäre fein. Ich verbrachte so viele wunderbare Abende seitdem mit diesem hier:
The Dancing Men – Sherlock Holmes
Die Szene ab 2:53 in Holmes‘ und Watsons Wohnzimmer! Jeremy Brett ist, nein war grandios. DER Sherlock Holmes, jetzt verstehe ich alles. Rathbone unvergessen, aber blass gegen diesen phänomenalen Mann, der sein Leben Sherlock widmete, nachdem seine Frau viel zu früh starb. Am Ende konnte er, depressiv und gebrochenen Herzens, Rolle und Realität nicht mehr auseinander halten – wer wollte es ihm verdenken. Starb 1995, das Herz blieb einfach stehen. Skorpion, certainly. Konnte nicht anders sein.
Natürlich kenne ich I Am Kloot, wenn nicht sogar durch Sie, ich weiß es nicht mehr. Loneliness, it s got your name and your new address, and it drinks and never leaves. Hymne, Holmes, Hymne. Tischtennis, hmhm, so kam mir das alles auch immer vor, als ich noch an Leben mit einem Gegenspieler dachte. Energiekosten können in kritischen Turnierphasen ins Unermessliche steigen.
Aaaaach, Berlin. Aber ich war ja auch da, letztes Wochenende. Now I hate Madame Tussauds, aber das nur am Rand. Drei Tage including Farin Urlaub Racing Team including 12000 Fans in der Wuhlheide including Walls of Death and Walpurgisnacht im Juli. Advanced Ärzte. Farin leistet sich da ein richtig gutes Racing Team und seine Philosophie bringt auch immer etwas Licht in unsere Seelen. Dumm nur die Organisation, der Einlass dauerte katastrophale 2 Stunden und wir standen ebenso lange erschöpft in der Menge, fielen zu Konzertbeginn auf Plätze im Seitenrang und sahen den feiernden Menschen zu. Haben Sie schon mal eine auf- und zugehende La Ola Blume aus 24000 Händen gesehen? Beautiful!
NIN also auch mit wie immer hoher Erfreudichte, sehr schön! Treptow Arena ist doch die an der Spree? Das Partyschiff dahinter war Ort der NachderTheCureShowFeier letztes Jahr, weil die Show auch in der Arena sein sollte, (leider) ins Velodrom verlegt wurde. Ein schöner Ort, Blick in Richtung Alex und Oberbaumbrücke unterm Sternenhimmel.
Robyn Hitchcock! God damn, das ist toll! Wenn Musik Komplizin der Ahnung, dass Zeit ein Schwindel, dann wünsche ich Ihnen, dass sie mit Ihnen im Olympiastadion Lügen aufdeckt bis in Ihrem Blut ein blubberndes Süppchen aus Adrenalin kocht!
Seien Sie auch umarmt und beschützt from your old Watson!
„Pum pum pum pum.“ (Holmes at 5:17). Miss Ina (Bornstraße) hat mir gerade eine 5 x Audrey Hepburn DVD-BlissBox geliehen, muß mal in „War and Peace“ auf Jeremy Brett achten. Denn natürlich stimmt alles, was Sie sagen. Ich las darauf, daß er mal mit Anna Massey verheiratet war. „Peeping Tom“, knoworrimean. Die sich öffnende und schließende Wuhlheidenblume ist wunderschön.
We saw the Wild Irish Rose unfolding. Das blubbernde Süppchen aus Adrenalin wich schließlich, kurz vor Ende, bei „With Or Without You“ einem nicht mehr zu verhindernden Tränenfluß. Positionalität beinhaltet Übergang, meint Plessner. Weinen gehört dazu. Weinen ist wider den Cartesianismus. Weil Trennung von Ich und Welt, sofern sie die Übergänge sperrt, schlecht ist. Und weil es einer dieser Momente unfaßbarer Richtigkeit war, und das, als man ohnehin schon in einer plötzlich aufgegangenen buntfunkelnden Sternengalaxie schwebte. „Unbelievable“, meinte Bono mehrmals.
Ich weiß nicht mehr, ob ich Ihnen erzählte, daß Bono und ich uns mal hallo sagten vor der „Fabrik“, als sie ihren Schepperbus einluden. U2 waren schuld daran, daß die Psychedelic Furs an dem Abend nicht auftraten. Zu denen hatte ich damals Leda eigens verschleppen wollen, so aber boykottierten wir U2, und in der Werkstatt 3 warf Rimbaud mir Fragezeichen ins Weinglas und in die ungeschriebene Zukunft. Die Psychedelic Furs mit ihrer unter Ha! Ha! Ha!-Zynismus begrabenen Romantik, im Grunde war schon alles vorbereitet. Jedenfalls kamen wir auf dem Rückweg wieder an der Fabrik vorbei. „Hello!“ – „Hello!“ Als viel später dann Aljoscha at a place called Vertigo war, wies The Joshua Tree den Weg. Denn worum geht es bei U2 sonst, als um erneuerbare Energie. Um House of Sinn versus mauvaise foi. Ich schrieb über die irischen Mönche, und SIE, die als Mädchen mal in Irland war, brachte mir Material, halb Bibliotheken durchforstend, halb einfach nie aus Irland zurück und von dort aus sprechend. So ging das dann immer weiter, mit U2.
Und darum war es Zeit.
Bei Tischtennis denke ich gar nicht so sehr an Gegenspieler, sondern an diese Sonderform mit Um-den-Tisch-Laufen. Wer den Ball verhaute, flog raus. Und ich flog meistens früh raus, weil ich zu Tode fasziniert war davon, wie Mädchen laufen. Ich fand das sehr erotisch, wenn sie nach ihrem Schlag auf die andere Seite des Tisches liefen, mit sinnlos, aber bezaubernd fliegenden Armen, wunderbar unökonomisch. Da lag eine geheime Koordination drin, die auf alles außer Tischtennis gerichtet war. Das hat auch irgendwie damit zu tun, daß sie beschwipst nicht mehr „Atom Heart Mother“ sagen konnten. „Aaytom… atom… wie?“ Aber das führt jetzt zu nichts, Watson.
Robyn Hitchcock, verkanntes Genie. Bitte beachten Sie den Monolog in „Autumn Sea“.
‚Hunting? No, I think it’s a perfectly beastly sport!‘ quipped Frobisher as they leaned on the mantlepiece over the crisp autumn fire.
Featherstonehaugh felt his calves warming pleasantly as the brandy seeped below his waist: knotting slightly over the abdomen, suddenly passing back up through the spine, causing a small trickle of the otherwise pleasing brown fluid to shoot from the fontanel on top of his head which landed on top of the other guy‘s head (I’ve forgotten his name now… aw, anyway, he got covered in it).
‚Aw, what’s this?‘
‚Aw, some kind of fluid,‘ said Featherstonehaugh.
‚Fluid? Oh, that’s the tops.‘
‚No, they use them for clothes pegs, you know!‘ continued Featherstonehaugh, somewhat more droll.
‚Really?‘ said Butterworth, who was feeling rather left out of the conversation.
‚Oh yes, that’s right, you know, they pick them up in Siberia and bring them over.‘
‚Siberia!‘ interjected the fellow whose name I still can’t remember.
‚Topping place! Went there once. Found a little moustache. One of the Russkies had it. Wah ha ha! Took it home, don’t you know. Showed the little lady. Hrrmph. She put it on. Left me for another woman. Hmmm. Rum things, lefts. And women.‘
He was left alone: there was no one there, not even a woman, just the fireplace and his ever swelling chins. As the brandy began taking lethal effect, Featherstonehaugh (or was it Butterworth? Or was it the other guy whose name I can’t remember?) found himself slowly turning into some kind of helpless, diseased houseplant. As he watched his future and his past gradually become interchangeable like a highway surrounding a drunken man that begins to spin, he looked up above him.
Even the angels were asleep. It was one of those nights.
Ahhh. October.
The universe is based on sullen entropy
It falls apart as it goes on
As the light shines through your Chinese bones
There’s no one else
In the whole outside world
That matches to her in your soul
But she doesn’t exist anymore