Barbara Valentin in „Welt am Draht“
Sagen Sie, planen Sie nicht vielleicht einen Spaziergang über den Münchener Ostfriedhof? Könnten Sie eine Blume auf das Grab von Barbara Valentin legen? Ich wäre Ihnen schrecklich verbunden, ganz schrecklich. Eine für den Löwitsch noch? Danke, ja, unbedingt. So machen Sie es.

[Antirationalistischer Block 10.09.2013]


Kommentarsektion Antirationalistischer Block:
11.09.2013
Ich wohne ja leider nicht in München, habe ich nie. Aber wenn ich dort wohnen würde, dann wäre ich jetzt bestimmt schon unterwegs, eilenden Schrittes, zum Ostfriedhof, mit einer roten Rose natürlich für Frau Valentin, und einer anderen Blume für Herrn Löwitsch, ich weiß nur nicht was für eine. Würde ich vermutlich aus dem Bauch heraus entscheiden, in dem Blumengeschäft. Oder ich würde die Blumenverkäuferin fragen, sofern es eine nette Blumenverkäuferin wäre.
„Eine Blume bitte für Herrn Löwitsch. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er Rosen mochte.“
„Rosen sind nie verkehrt“, würde sie mir dann fröhlich verkünden und ein gelbes Exemplar nehmen. Spätestens jetzt würde ich überlegen, ob vielleicht Frau Valentin auch lieber eine gelbe Rose auf ihrem Grab liegen hätte, und vermutlich würde ich das Blumengeschäft dann mit zwei gelben Rosen wieder verlassen und meinen Weg zum Ostfriedhof fortsetzen.
Aber was ich eigentlich sagen wollte: bei 1:40 steht ein Mann im Anzug mit Hut und Vollbart versonnen vor einem gelben Vorhang und ich dachte sofort: das ist doch der Ali aus „Angst essen Seele auf“, nun auch schon seit 36 Jahren tot, in Nimes gestorben. El Hedi ben Salem, nicht sehr alt geworden, sein Grab ist bestimmt sehr schwer zu finden. Und wo liegt eigentlich Brigitte Mira? Ich empfand sie immer als eine arge Heimsuchung und ertrug sie nur unter Qualen, doch warum genau ist mir inzwischen entfallen. Ein Röschen jedenfalls hätte ich auch für sie noch übrig.
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
So offenbart sich der wahre Menschenfreund: eilenden Schrittes, wenn auch konjunktivisch. Vielleicht weiße Lilien? Immerhin gibt es einen Song von Laurie Anderson mit diesem Text: „What Fassbinder film is it? The one-armed man comes into the flower shop and says: What flower expresses days go by, and they just keep going by, endlessly pulling you into the future. Days go by, endlessly, endlessly pulling you into the future. And the florist says: white lily.“ – Ich, I confess, weiß nicht einmal, ob es diese Szene tatsächlich gibt. Auch zu dem Komplex „Brigitte Mira / Heimsuchung“ kann ich wenig bis nichts beitragen. Ich kannte und schätzte Fassbinders Spätwerk, Maria Braun, Lili Marleen, Lola, Veronika Voss, Querelle. Aber es gab es drei Werke von Fassbinder, die ich irgendwann in meinem Leben einmal gesehen hatte, und von denen ich immer wußte, ich werde zu ihnen zurückkehren, one day. „Effi Briest“, „Despair“ und „Welt am Draht“.
Die Wiedereroberung von „Despair“, nun, hinter jeder großen Tat eines Mannes steht eine Frau, isn’t it so. An der Besetzungsliste von „Welt am Draht“ beeindruckt ein furchtloser Eklektizismus. Was ich jetzt wieder weiß: daß Mascha Rabben (als Eva) mir irgendein Felsentor der Schatzkammer öffnete, back then.
Ach, nein, doch, Rosen sind nie verkehrt. Die nette Blumenverkäuferin hat recht.
15.09.2013
ray05:
Und dann hab ich noch beim Jörg Fauser vorbeigeschaut.
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Oh boy. Tränchenverdrücker sagt Dankeschön. Ganz groß. Falls hier demnächst eine Mascha Rabben in Welt am Draht-Bilderserie erscheint, betrachte sie als Dir gewidmet. :) So wonderful of you, wonderful to see you doing this. Thank you so much.


Mascha Rabben in „Welt am Draht“




SPIEGEL ONLINE Forum
15.02.2010
ray05:
Nur sieben Filme hat Mascha Rabben bis 1974 gemacht, u. a. den irrsinnig stilisierten Western Deadlock von Roland Klick und Werner Schroeters Salome nach Oscar Wilde. In der recht berühmten Sequenz „Siskins‘ Party“ in Welt am Draht sieht man Schroeter und Magdalena Montezuma als elektronische Impulse teilnahmslos an der Poolbar und Ivan Desny wird von „oben“ einfach abgeschaltet und verschwindet spurlos, als Löwitsch nur mal kurz von Barbara Valentin abgelenkt wird. Welt am Draht ist freilich ein Kammerspiel, weil Fassbinder eben aus allem ein Kammerspiel machte und in einer Szene fragt Löwitsch: Wie werde ich abgeschaltet? und Mascha Rabben antwortet: Du wirst erschossen, morgen vormittag. Ich liebe Dich. – Warum sage ich das? Keine Ahnung, fiel mir gerade ein.
Christian Erdmann:
Vielleicht, weil Du Deine „Welt am Draht“-Erinnerung auch gerade neugeladen und wie ich gedacht hast: oh, Mascha Rabben. Oh, verdammt nochmal, Mascha Rabben.


[Antirationalistischer Block 10.09.2013]











Kommentarsektion Antirationalistischer Block:
27.09.2013
ray05:
Jessas!! :)
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
So würde ich es auch formulieren wollen, ja. :)








17.02.2015
acapulco ramon:
ihr somnambules auftreten und ihre schleppende stimme waren sehr speziell….. ich traf sie dann in indien als ma hari chetana verkleidet.
aber sie war auch privat so.
sie schrieb dann auch einen esoterischen roman… wo ist sie jetzt? ich vermisse sie seither.
und HARLIS wird im tv leider auch nie gezeigt.
somit bleibt nur welt am draht … immerhin.
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
In den 90ern hat sie „Die Wolfsfrau“ übersetzt, das ist alles, was ich noch weiß. So läßt sie Jungs wie uns zurück mit der Sehnsucht nach Sphinxhaftigkeit, die, wie es bei Pynchon irgendwo heißt, jede Art von einleitendem Geplauder von vornherein ausschließt. „Ihr somnambules Auftreten und ihre schleppende Stimme“… das erinnert schon an Nico.
In einem Roman, in dem ich ziemlich heimisch bin (ich schrieb ihn), gibt es den Satz: „Sie hüllte sich in Puppenstarre.“ Gut möglich, daß da eine dunkle Erinnerung an Mascha Rabben als Eva Vollmer mitschwang.
„Ich traf sie dann in…“ – in meinen Augen pflegten Sie Umgang mit einer Legende, Mister. :)




Bevor er stirbt, deutet Professor Henry Vollmer verstört einen „traurigen Witz“ an, der das Simulacron-Programm betrifft. Zu Günter Lause, dem Sicherheitschef des „Institut für Kybernetik und Zukunftforschung“ (IKZ), sagt er „Ich weiß etwas, was du nicht weißt, und was auch niemand wissen darf, weil es das Ende dieser Welt wäre.“ Bevor Lause selbst von einer Sekunde auf die andere spurlos verschwindet, wie vom Erdboden verschluckt, erklärt er gegenüber Fred Stiller (Löwitsch):
„Vollmer war seltsam. Es ist was Unerklärliches mit ihm geschehen. Ich hab kurz vor seinem Tod noch gesprochen mit ihm. Er hatte Angst. Und dann hat er etwas erzählt, das war so… das war… sehr verrückt.“
„Was?“
„Ich kann’s dir nicht sagen, es ist zu verrückt.“
Vollmer wird gespielt von Adrian Hoven, der als Frauenschwarm begann und dann, noch vor seinen Fassbinder-Engagements, in internationale Horror- und Erotik-Produktionen einstieg. Er produzierte Jess Francos sadomasochistische Erotikfantasie „Necronomicon – Geträumte Sünden“ mit Janine Reynaud und übernahm auch eine Rolle in dem Film, der von Fritz Lang sehr geschätzt wurde. Hoven führte dann Regie bei Filmen wie „Im Schloß der blutigen Begierde“ oder „Mark of the Devil“ („Hexen bis aufs Blut gequält“), der in vielen Ländern auf dem Index landete. Meine Mutter besaß ein Autogramm von Adrian Hoven. Was das über meine Mutter sagt?




















































































































