Kategorie: Poèmes

  • Gesang aus dem Hafen

    Ihre Stimme um zwei Uhr morgens wie aus einem französischen Liebesfilm Ihr mondhelles Haar wenn Neumond ist und ihre Augenbrauen des klassischen Altertums? Verbeult auf 1 Kinderfoto und gickelnd unter 1 Hunds-Stern ist sie die Hüterin geheimnisvoller Seufzer denen kleine Jungs wie seifenblasenfasziniert nachstarren und wenn sie den Atem anhält schwöre ich beim allmächtigen Gott…

  • Ein Tag im Mai

    London Tower schwere Glocken Das Urteil ist gefällt Sie führen die junge Frau über den Hof Anne Boleyn hineingetanzt in den Palast vor Jahren Schwarzäugig & leichtsinnig Nun wehrlos & verlassen Verwöhntes Kind sie haben dich Du bist das Opfer von Intrigen Des Königs Zorn ist dein Tod Das Volk ist feindselig & voll kalter…

  • Vorwitz und Verstrickung

    Aus: Interview mit Christian Erdmann, Literatur-Feder Magazin Literatur-Feder: Ihr Roman „Aljoscha der Idiot“ ist Ihre erste Roman-Veröffentlichung. Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen und gab es dafür einen bestimmten Auslöser? Christian Erdmann: Die ersten ernsthaften Schreibversuche waren Gedichte. Es gab auch mal einen Gedichtband, den ich zusammen mit einer Freundin gemacht habe. Wir haben…

  • Isispassion

    Auf weissen Laken aus Eis bin ich erlöst von meinen Irrwegen befreit von meinem Trotz geheilt von allem Übel Beschworen die Silben meines Namens wie im Schlummer einer Liebenden Vor reine Gegenwart versammelt die Zerstreutheit meiner Sinne In eins gefügt die zerrissenen Zustände des Herzens In eins verbunden die versprengten Kräfte Nichts mehr trübt die…

  • In der falschen Welt

    Und meine Augen sind weit aufgerissen in der falschen Welt Dunkeltage, langsames Verglühen, zwei Götter, einer fällt Die meisten Menschen hier verstehen nicht, was man für sie fühlt Ich auch nicht und wer weiß, wann die Erinnerung abkühlt Meine Straße weiß nicht weiter und endet hier im Dort Durch die Risse in den Schatten höre…

  • Passage

    Grabmal ohne Inschrift Eingang ohne Tür Licht ohne Quelle Weg ohne Wiederkehr Kompass ohne Norden Zeit ohne Stunden Echo ohne Ruf Weiter ohne Grund Gegangen ohne Abschied Drei Nächte ohne Mond Steine ohne Alter Klang ohne Schall Elemente ohne Namen Wissen ohne Nutzen Kreaturen ohne Augen Knochen ohne Haut Sprache ohne Worte Intelligenz ohne Gehirn…

  • Im Walsertal

    Im Walsertal, im Walsertal, hyperionaktiv vertraklt, hat Schiller sich, der Geisterseher, mal ganz verzweigt verkakelt. In seelischer Verzuckmay’rung, befeuchtwangt bis zur Stirn, tat er Büchner schlegeln, bis ein Lichtenberg im Hirn ihm die pöbelscheue Grille parzte. „Musil denn, Musil denn zum Schädele hinaus!“ verhebbelt‘ er im Werfeldaus – das Eichendorff, es brentanarzte. [Liebesdienst fürs SPIEGEL…

  • Poem For A Mediaeval Baebe

    Auch wir sind in Räumen freigelegter ZeitWie weiße Spinnen, die in Einsamkeit sich webenTräumend, wie im Garten vor lang verschwundenen MondenEin Wispern war im Rauschen dieser BlätterWartend, daß noch einmal unser Weben so erzittert Rubinrot auf den Lippen und sie sagte: kommUnd der Wind, der ihre Haare wehen ließWar kalt und nicht von dieser WeltUnd…

  • Road Dust On Her Ankle Boots

    Der Zug rast in den SandsturmIm Schatten einer KlapperschlangeSpielt sich nicht viel abSchwarzes Kleid auf heller HautWoher kommt das Mädchen?Woher kommt das Mädchen? Der Horizont verbiegt sich in der HitzeSkelette klopfen an die HintertürPferdeschrecken frißt den KlangVon Bottleneck auf EWohin geht das Mädchen?Wohin geht das Mädchen? Reptilien kriechen durch den KorridorWolken brennen an den RändernJemand…

  • Untrunkener Seemann

    Sehr weit unten warten wohl die KrakenAuf die Proportionen eines AbgerutschtenWo sind sie hin, die blinden weißen FischeDie an meiner letzten Planke lutschten? Sternvertäut, wie auf dem Deckel meines SargsUnd nicht geneigt, in diesen Schlund zu sinkenAuf dessen Grund noch nie ein Auge sahWo die matten Arme der Ertrunkenen winken Der bleiche Mond, erbarmt er…