Humanist ist Rob Marshall, ein englischer Musiker, Songwriter und Produzent. Marshall und Mark Lanegan kennen sich seit einer Soulsavers-Tour 2008; 2016 schickt Marshall per Email Songideen an Lanegan, der Lyrics dazu schreibt, und so erscheint Marshall bei der Hälfte der Songs von „Gargoyle“ (2017) als Co-Autor. Auf „Somebody’s Knocking“ (2019) setzen Lanegan und Marshall die Zusammenarbeit fort. Für sein Humanist-Projekt kann Marshall neben Lanegan so illustre Namen wie Dave Gahan und Peter Hayes (Black Rebel Motorcycle Club) gewinnen.
„Fernab liegt die Welt / Wie versenkt in eine tiefe Gruft“. Do it, scheint die Braut durch Zeit und Raum zu hauchen. Ritt durch nebelnächtiges Land, bis zum Rauschen aller Lebenstöne. Do it. Kann ich zurück zu meiner Hochzeit bitte? Und der Tod sagt, aber sicher, ich begleite dich.
I’m riding through the kingdom A ghost is riding by my side As we roll up to the kingdom Ours is just to ride or die
There is no medicine to cure us There is no medicine to take Beware the shark below the surface Beware the love that you forsake
Keep a-ridin‘ Keep a-ridin‘ baby
Death tripping through the kingdom Death is riding by my side We are rolling through the kingdom Ours is just to ride or die
Doctor are you gonna cure us Give us some medicine to take I am the shark below the surface I am the love that you forsake
Mama turn your floodlights on Let them radiate Turn your floodlights on Let them radiate
Dies sind die ersten vier Zeilen aus „Marlene Dietrich’s Favourite Poem“ – „O lieb‘, so lang du lieben kannst“ von Ferdinand Freiligrath. Am 20. Juli 2025 entdeckte ich sie als Grabinschrift auf dem Ohlsdorfer Friedhof.
Freiligrath schrieb das Gedicht als Neunzehnjähriger im Jahre 1829.
O lieb‘, so lang du lieben kannst! O lieb‘, so lang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Wo du an Gräbern stehst und klagst!
Und sorge, daß dein Herze glüht Und Liebe hegt und Liebe trägt, So lang ihm noch ein ander Herz In Liebe warm entgegenschlägt!
Und wer dir seine Brust erschließt, O thu‘ ihm, was du kannst, zu lieb! Und mach‘ ihm jede Stunde froh, Und mach‘ ihm keine Stunde trüb!
Und hüte deine Zunge wohl, Bald ist ein böses Wort gesagt! O Gott, es war nicht bös gemeint, ― Der Andre aber geht und klagt.
O lieb‘, so lang du lieben kannst! O lieb‘, so lang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Wo du an Gräbern stehst und klagst!
Dann kniest du nieder an der Gruft Und birgst die Augen, trüb und naß, ― Sie sehn den Andern nimmermehr ― In’s lange, feuchte Kirchhofsgras.
Und sprichst: O schau‘ auf mich herab, Der hier an deinem Grabe weint! Vergib, daß ich gekränkt dich hab‘! O Gott, es war nicht bös gemeint!
Er aber sieht und hört dich nicht, Kommt nicht, daß du ihn froh umfängst; Der Mund, der oft dich küßte, spricht Nie wieder: ich vergab dir längst!
Er that’s, vergab dir lange schon, Doch manche heiße Thräne fiel Um dich und um dein herbes Wort ― Doch still ― er ruht, er ist am Ziel!
O lieb‘, so lang du lieben kannst! O lieb‘, so lang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Wo du an Gräbern stehst und klagst!
Ein Versuch der Übertragung ins Englische von mir:
Oh, love, as long as love you can! Oh, love, as long as love you may! The hour is coming, the hour is coming, When you will stand at graves and mourn.
And make sure to let your heart glow Let it cherish love and carry love As long as there’s another heart Beating for you with love so warm
And whoever opens up his heart for you, Oh, to him, do all you can, in love! And make his every hour happy, And make no hour sad for him!
And guard your tongue with care, Too soon an evil word is spoken! Oh God, it wasn’t meant to hurt ― But the other goes away in grief.
Oh, love, as long as love you can! Oh, love, as long as love you may! The hour is coming, the hour is coming, When you will stand at graves and mourn.
Then you kneel down at the tomb And hide your eyes, all cloudy, wet, – Him they’ll never see again – In the churchyard’s tall damp grass.
And you say: Oh, look down upon me, Who weeps here at your grave! Forgive me please for hurting you Oh God, I didn’t mean you harm
But he doesn’t see you, doesn’t hear you, Won’t come for you to embrace him joyfully The mouth that often kissed you speaks No more: I forgave you long ago!
He did; he forgave you long ago, Yet many a hot tear has been shed Over you and your harsh words ― But quiet now ― he’s resting, he has reached the end!
Oh, love, as long as love you can! Oh, love, as long as love you may! The hour is coming, the hour is coming, When you will stand at graves and mourn.
Über die Bedeutung von Peter Murphy in meinem Leben: Ich wüßte nicht wo anfangen. In „Eliza“ von „Lion“ (2014) singt Peter Murphy die Zeile: „I’m a painter on the hearts of those I sing for.“ Der vierte Track auf dem Album „Deep“, das Peter Murphy im Dezember 1989 veröffentlichte, ist „Marlene Dietrich’s Favourite Poem“, und auch mit diesem Song hat er auf mein Herz gemalt, eines der allerschönsten Gemälde.
Marlene Dietrich. Für die Liste meiner 111 Lieblingsfilme wählte ich „Shanghai Express“, aber ich hätte auch „Morocco“, „Dishonored“, „Blonde Venus“, „The Scarlet Empress“, „The Devil Is A Woman“, „Knight Without Armour“, „Destry Rides Again“, „A Foreign Affair“, „Witness for the Prosecution“ oder „Touch of Evil“ hinzufügen können. Wenn es im Himmel kein Hinterzimmer gibt, in dem Marlene Dietrich-Filme laufen, ist es nicht der Himmel.
„Marlene“ ist ein Film von Maximilian Schell aus dem Jahre 1984. Marlene Dietrich und Maximilian Schell kannten und schätzten sich seit den Dreharbeiten zu „Urteil von Nürnberg“ (1961), und Schell hatte häufig den Wunsch geäußert, mit ihr einen Dokumentarfilm über ihr Leben zu drehen. 1982 willigte sie schließlich ein unter der Bedingung, daß sie nur zu hören ist, aber nicht im Bild erscheint. Schell war einverstanden und dachte vielleicht, irgerndwann würde sie seinem Charme erliegen und ihre Meinung über das Filmverbot ändern, aber Marlene blieb eisern.
„Das ist es wahrscheinlich, was sie geheimnisvoll macht: daß eine so schöne und begabte Frau, die tun kann, was sie will, nur tut, was sie für unbedingt richtig hält, und daß sie so klug und mutig war, die Regeln aufzustellen, die sie befolgt.“ – Ernest Hemingway
Schell besucht die legendäre Schauspielerin in ihrer Wohnung in der Pariser Avenue Montaigne für vertraglich vereinbarte 40 Stunden Interview, und die ursprüngliche Absicht Marlenes, möglichst wenig von ihrem Innersten preiszugeben, schmilzt vor allem in der Szene gegen Ende des Films, als Schell und Marlene zusammen Teile von Freiligraths Gedicht rezitieren.
Bei der Zeile „Der Andre aber geht und klagt“, die sie mitspricht, bricht sie in Tränen aus, wir hören es in ihrer Stimme. Schell zitiert weiter, zuletzt schluchzt Marlene:
„Ich kann das ja leider nicht sagen. Dann muß ich heulen. Kann nicht, kann nicht… o Gott, o Gott… es ist… es ist vielleicht ein kitschiges Gedicht, aber ich weiß nicht, nein… meine Mutter liebte das sehr. Das sagen doch so viele Leute, es war nicht bös gemeint… und was die schönste Zeile darin ist… Der Andre aber geht und klagt… vielleicht heutzutage zu sentimental… vielleicht.“
Ich habe mein Leben mit einem Capricorn Girl verbracht, und ich habe keine Ahnung, ob Astrologie nur Spielerei ist oder nicht, aber ich weiß, daß dieser Satz von Marlene – „Ich weigere mich einfach, auf jegliche Art von Humbug hereinzufallen und nachzugeben.“ – einen Wesenszug des Steinbockmädchens perfekt beschreibt. Ebenso: „Da ich Dilettantismus hasse, würde ich mich nie an etwas wagen, das ich nicht eines Tages beherrschen könnte.“ Kenneth Tynan über Marlenes Stil: „Es ist das, was übrigbleibt, wenn man auf jede Anbiederung, Sentimentalität und alle Arten herzergreifenden Kitsches unbarmherzig verzichtet. Da bleiben nur noch Stahl und Seide, schimmernd und unverwüstlich.“
Marlene fragte Josef von Sternberg, wie sie in der letzten Szene von „Dishonored“, als ein Erschießungskommando Marie Kolverer hinrichtet, in den Schnee fallen soll. „Ich kann doch nicht falsch fallen!“ Kriegswitwe, Prostituierte, Spionin X-27 und als Verräterin Angeklagte: Maries Bestehen auf Haltung, Eleganz und darauf, vor den Schüssen noch einmal die Lippen nachzuziehen und die Strümpfe zu richten, ist ein letzter Triumph über das Schicksal; nicht einmal dem Tod ist es erlaubt, sie ihrer Würde zu berauben.
Sie ist hart gegen sich selbst und streng mit anderen, äußerst diszipliniert und auf die exzentrischste Weise ausschweifend, sie trägt ihre Träume trotzig durch die Wüste, ihre Loyalität, einmal gewonnen, widersteht jeder Gefahr bis in den letzten Winkel der Unterwelt, und man könnte sagen, sie ist hart im Nehmen. Ich sah, wie über ihrem Haar der Regen zögerte zu fallen, und wenn ein Capricornmädchen in Tränen ausbricht, dann hat die Welt gerade kurz aufgehört, sich zu drehen.
Und dann ist der Schutzwall um diese Seele plötzlich nicht mehr da, hot tears flow as she recalls her favourite worded token – und wir weinen mit ihr. Daß Peter Murphy, von dieser Szene ergriffen, diese Hommage an Marlene schreibt – the beauty of humanity. „Marlene Dietrich’s Favourite Poem“ hat einen verzauberten Klangteppich aus Akustikgitarren und Harfe, die verhallte elektrische Gitarre prophezeit ominös einen sich öffnenden Abgrund. Die 10 Sekunden ab 4:35, wenn Murphys Stimme sich erhebt für „Forgive me please for hurting so, don’t go away heartbroken, no“ – das ist der Moment, in dem er uns nochmals in Tränen hat. Mich jedenfalls.
Und nein, Freiligraths Gedicht ist nicht „sentimental“, nicht kitschig. Wie können wir so gedankenlos sein gegen das Beste, das uns im Leben zuteil wird? You get one shot at life. Irgendwann ist es zu spät für Verzeihen.
My mother loved it so, she said.
Im toten Winkel meines Lebens liegt ein Sternberg, letzte Szene: Nordlicht fällt auf eine nie falsch fallende Marlene.
My mother loved it so, she said Sad eyed pearl and drop lips Glancing pierce through writer man Spoke hushed and frailing hips Her old eyes skim in creasing lids A tear falls as she describes Approaching death with a yearning heart With pride and no despise
Hot tears flow as she recounts Her favourite worded token Forgive me please for hurting so Don’t go away heartbroken no
Just wise owl tones no velvet lies Crush her velvet call Oh Marlene suffer all the fools Who write you on the wall And hold your tongue about your life Or dead hands will change the plot Will make your loving sound like snakes Like you were never hot
Hot tears flow as she recounts Her favourite worded token Forgive me please for hurting so Don’t go away heartbroken no
Mother loved it so, she said Sad eyed pearl and drop lips yeah Glancing pierce through writer man Spoke hushed and frailing lips yeah Old eyes skim in creasing lids A tear falls as she describes Approaching death with a yearning heart With pride and no despise
Hot tears flow as she recounts Her favourite worded token Forgive me please for hurting so Don’t go away heartbroken no
Manchmal, wenn Aljoscha aufs Meer hinaus sah, meinte er sich an sein Schiff erinnern zu können, an das Ächzen und Knarren der Planken und Spanten, an das verzerrte Gesicht des Steuermanns, an Admiral Nelson, der nachts bei rauher See bisweilen aufstand, um die Schiffskatze zu trösten. Das ließ seine erste Ehe scheitern.
Es war ihm selber ein Rätsel, aber wenn er wollte, konnte Aljoscha nahezu waschechtes Cockney-Englisch sprechen. Und in einem verschämten Winkel seines Herzens glaubte er, daß er in einem früheren Leben hinter einem der Fenster aufgewachsen war, unter denen die Huren von Whitechapel Wünsche weckten und nicht selten auch an Ort und Stelle erfüllten, daß er dann ausgerückt war zu den Docks von Bristol oder Plymouth, in Moloneys Bar seine Seele für ein paar Silbermünzen und eine Blasphemie verkauft hatte und dann an Bord gegangen war. Dafür sprach unbedingt, daß die alten Lieder aus England, Irland oder Schottland, die vom Leben der wehmütigen Seemänner und der tapferen Fabrikmädchen handelten, von blutigen Schurken wie Long Lankin, von der toten Braut, die als Geist zurückkehrt, oder von Thomas The Rhymer, den die Elfenkönigin ins Elfenland entführt, in Aljoscha stets den ungereimten Wunsch weckten, in der Zeit dieser Lieder gelebt zu haben – bis er sich eben sagte: das habe ich dann ja wohl, verflucht.
Oft war es Musik, bei der die Melodie sich über einem einzigen beständig durchgehaltenen Akkord erhob; schon das machte Aljoscha völlig widerstandslos. Wie ein fester Blick, in dem die Macht von tausend Worten liegt. Eine Weite tat sich auf zum Auf-die-Knie-Sinken, und jede Melodie darin klang wie das erste oder letzte Lied auf Erden. Und wenn dann auch noch D-Dur die Tonart war! A Sailor’s Life, ein ganzes Seemannsleben in D-Dur… Aljoscha konnte keine Noten lesen, aber sobald er Musik hörte, bei der er sich wünschte, daß sie niemals aufhört, konnte er 100 Guineas darauf setzen, daß D-Dur im Spiel war.
Wenn er also in einem früheren Leben Seemann gewesen und ertrunken war, wenn ihn die Undinen auf den Meeresgrund gezogen hatten, wenn in diesem Leben nun sein Ohr so überaus empfänglich für D-Dur war, und wenn das Meer uns ein Gedächtnis gibt für das letzte, was man hört nach einem Schiffbruch, dann konnte das zusammengefaßt nur eins bedeuten: die Undinen sangen in D-Dur.
[Christian Erdmann: Aljoscha der Idiot]
Sandy Dennys Stimme geleitet dich zurück in vergangene Zeiten. Wenn sie Fotheringay singt, siehst du ein letztes Mal die Sonne untergehen mit den Augen der Maria Stuart, am Abend vor ihrer Hinrichtung. Du spürst den Stein der alten Burgmauer, an den sie ihre Hand legt, als sie in der Fensternische steht. Ich würde jeden verstehen, der, wenn er zum ersten Mal diese Stimme hört, das Gefühl hat, er habe noch nie eine schönere Stimme gehört. Tatsächlich kennen viele Menschen ihre Stimme, dank eines beeindruckenden Gastauftritts auf einem Album einer begnadeten Band, von dem bislang 37 Millionen Exemplare verkauft wurden. (Sie hat nie einen Penny dafür erhalten und nie um einen Penny gebeten). Sehr viel weniger Menschen kennen ihre Arbeit mit Fairport Convention oder ihr Solowerk. Als einer ihrer signature songs gilt Who Knows Where The Time Goes; und diese sechs Worte beschreiben, was aus Sandy Dennys Stimme spricht. Ihre Stimme beschwört das Vergehen der Zeit, sie ist voll winterlicher Melancholie und tiefer Traurigkeit, sie ist aber auch die Schönheit im Verfließenden; sie ist Wehmut, Abschied, sie hat irgendein undurchschaubares Verhältnis zur Zeit, wie es Capricornmädchen eignet; sie kennt Geheimnisse der Vergangenheit. Greil Marcus schrieb einmal, Sandy Denny singe über Adelige und Leibeigene, als singe sie über everyday life; „and she sang about everday life as if from a perspective of a woman a thousand years gone.“
Fairport Convention spielen eine Art American Folk, bis Sandy Denny in die Band kommt und ihre Liebe für „die alten Lieder aus England, Irland oder Schottland“ mitbringt. Sie singt „A Sailor’s Life“, eine traditionelle Folkballade, von der es zahllose Variationen gibt, im dressing room zum Aufwärmen. Am 26. Februar 1969, backstage im Adam und Eve Club in Southampton, beginnen die anderen Bandmitglieder, sie dabei zu begleiten, und an diesem Abend spielen Fairport Convention den Song zum ersten Mal auf der Bühne. Der große Joe Boyd – der Produzent, der auch Nick Drake protegierte, und ohne den Nick verloren war -, geht hinter die Bühne und sagt: Das müssen wir aufnehmen, das ist phantastisch. Band: Was, wenn wir noch einen traditional musician dazunehmen, jemanden wie Dave Swarbrick? Boyd: Gut, ich rufe ihn an. Verblüffte Band: Oh, you know Dave Swarbrick?!
Boyd sagt, es habe vielleicht einen run-through mit Swarbrick gegeben vorher, aber was wir in diesen unvergleichlich wunderbaren 11 Minuten hören, ist one single take, direkt aufgenommen, keine Nachbearbeitung, keine Overdubs.
Die LP „Unhalfbricking“ entsteht zwischen Januar und April 1969. Kurz nach dieser Aufnahme von „A Sailor’s Life“ verunglückt am 12. Mai 1969 nach einem Auftritt in Birmingham der tour van der Band auf der M1 schwer; bei dem Unfall kommen Schlagzeuger Martin Lamble und Jeannie Franklyn, die Freundin des Gitarristen Richard Thompson, ums Leben. (Farewell, Farewell von „Liege & Lief“ ist auch Thompsons Abschied von den beiden). Martin Lamble ist bei seinem Tod erst 19 Jahre alt.
Das brillante Können dieser blutjungen Musiker – Richard Thompson ist bei den Aufnahmen 19, Simon Nicol 18, der zu diesem Zeitpunkt bereits legendäre Dave Swarbrick ist gerade 27 -, das sich auf „A Sailor’s Life“ entfaltet, fließt in eine der großartigsten Instrumentalpassagen aller Zeiten, und Sandy Denny – niemand sang wie sie.
„Sandy had a way of really living a song. And I think she was able to do it because she had a very acute imagination. You could almost describe Sandy as someone who didn’t have any skin. She was so hypersensitive to every little thing in the world, it was as if she lived more vividly than the rest of us. And I think that ability to get right inside a song, inside the persona of a song, was really quite extraordinary.“ – Richard Thompson.
„No one came anywhere near Sandy. She was the best. She just had that very special quality when she sang a beautiful song. It broke your heart.“ – Ashley Hutchings.
„A Sailor’s Life“ hat mir tausendmal das Herz gebrochen. Sandy Denny singt untröstliche Verzweiflung mit kristallklarer Stimme; emotionale Intensität von absoluter Reinheit, ohne gesangliche Tricks, erhaben, tief berührend, haunting.
Das qualvolle Warten der Geliebten auf ihren sailor boy: Thompson, Nicol, Swarbrick, Hutchings und Lamble sind das Meer, das noch ruhig ist, aber schon drohend, mit Martin Lambles crashing waves. Sie macht sich auf die Suche nach ihm, mit ihrem bonny boat, und die Musik beschreibt die gefährliche, aber zunächst noch hoffnungsvolle Fahrt. Sie fragt die Seeleute eines vorbeifahrenden Schiffes, und sie antworten ihr: wir haben ihn aus den Augen verloren, wir fürchten, er ist ertrunken. Vom Schmerz gebrochen, ohne ihren William mag sie nicht leben, steuert sie ihr Boot gegen einen Felsen. Wie die Musik sich ab etwa 6:10 zu überwältigender Dramatik steigert, die den stürmischen Verlauf der schicksalhaften Seefahrt illustriert, wie das unglaubliche, scheinbar telepathische Zusammenspiel aller, besonders von Thompsons Gitarre und Swarbricks klagender Violine, die Verzweiflung des Mädchens und das aufgewühlte, tosende, immer wütendere Meer illustriert, das alles zu vernichten droht – ganz groß, das Werk von Genies. Zuletzt beruhigt sich das Meer, aber nach der Tragödie, die wir gerade miterlebt haben, kann uns auch die anbrechende Dämmerung nach dem Sturm nicht trösten.
Der einzige Trost ist, daß wir gerade eine unbegreiflich grandiose historische Aufnahme gehört haben.
Und es ist die Geburtsstunde des britischen Electric Folk Rock. Dave Swarbrick bleibt gleich in der Band und bereits im Dezember 1969 veröffentlichen Fairport Convention „Liege & Lief“, und das Album gilt noch heute als der Klassiker des Genres. Sandy Denny verläßt Fairport Convention nach den Aufnahmen für „Liege & Lief“, auch Ashley Hutchings, für den diese alten Songs zur Obsession geworden sind, nimmt seinen Hut und gründet Steeleye Span. Steeleye Span mit Maddy Prior und Fairport Convention mit Sandy Denny sind die beiden Bands, deren Musik die Passage in „Aljoscha der Idiot“ inspirierte, und noch immer können diese beiden Stimmen mit mir machen, was sie wollen.
A sailor’s life, it is a merry life He robs young girls of their heart’s delight Leaving them behind to weep and to mourn They never know when they will return. „Well there’s four and twenty all in a row My true love he makes the finest show He’s proper tall, genteel withal And if I don’t have him, I’ll have none at all.“ „Oh father, build for me a bonny boat That on the wide ocean I may float And every Queen’s ship that we pass by There I’ll enquire for my sailor boy.“ They had not sailed long upon the deep When a Queen’s ship they chanced to meet „You sailors all, pray tell me true Does my sweet William sail among your crew?“ „Oh no, fair maiden, he is not here For he’s been drownded we greatly fear On yon green island as we passed it by There we lost sight of your sailor boy.“ Well she wrung her hands and she tore her hair She was like a young girl in great despair And her little boat against a rock did run „How can I live now? My sweet William is gone.“
Sandy Denny, Gesang. Richard Thompson, Leadgitarre. Simon Nicol, Gitarre. Dave Swarbrick, Violine. Ashley Hutchings, Bass. Martin Lamble, Schlagzeug.
Ich besaß einmal ein klassisches Matrosenhemd. Eines Tages kam ich in diesem Matrosenhemd und weißer Seemannshose verspätet zu einer Philosophie-Vorlesung in den vollbesetzten Hörsaal, und der Professor unterbrach kurz seinen Vortrag, um zu bemerken: „Ah, die Marine ist auch schon da!“
Natürlich hatte so ein Matrosenhemd Konnotationen, die nicht dazu paßten, daß ich Hand in Hand mit IHR ging. Ich hatte offenbar sowieso eine Ausstrahlung, die auf manche Schwule anziehend wirkte, ich fühlte mich geehrt und verneinte freundlich. Für mein Matrosenhemd gab es andere Gründe. Dieses Video. Und „A Sailor’s Life“. Weil ich in einem früheren Leben… und so weiter.
„Poppy Day (2 Minutes Silence)“ is based on John McCrae’s poem In Flanders Fields.
The poem was written in 1915 after he lost a friend during a battle in World War I.
„Join Hands“ Remaster Liner Notes 2006:
The mantra-like ‚Poppy Day‘, which included lyric snatches from First World War poet John McCrae’s ‚In Flanders‘ Fields‘, had been conceived after Severin had observed the televised two-minute’s silence on Remembrance Sunday 1978. „We wanted to write a song that would fittingly fill that gap,“ he said.
I read voraciously. Every book I ever bought, I have. I can’t throw it away. It’s physically impossible to leave my hand! Some of them are in warehouses. I’ve got a library that I keep the ones I really really like. I look around my library some nights and I do these terrible things to myself – I count up the books and think, how long I might have to live and think, ‚F@#%k, I can’t read two-thirds of these books.‘ It overwhelms me with sadness. – David Bowie 2002
‚Heathen‘ is about knowing you’re dying. It’s a song to life, where I’m talking to life as a friend or lover. I virtually couldn’t change a word the moment I sung it into a tape recorder. – David Bowie 2002
What’s your favorite song you ever wrote and is there a particular reason it’s the favorite?
David Bowie: Right now I would say the song „Heathen“. It came pouring out one morning at the studio up in Woodstock. I had little or no control over it. It had me in tears as I sang it. It felt like it was being plucked from my very being. An epiphany of sorts. It seems to be a summation of some kind and I think will become a personal milestone of some sort to me. It contains for me a strong indication of how beautiful and wonderful life is and how I regret that I will have to relinquish my hold upon it.
„Ring Ring“ gehört nach 111 Jahren Überlegung zu meinen 111 Lieblingsvideos. Agnethas Outfit in dem Clip raubte mir den Schlaf. Schön auch die deutsche Version: „Auch bei mir reißt mal der Draht! Häng dich an den Apparat!“ Unter 14 07 03 kann man Agnetha und Anni-Frid dann anrufen. Juliet Forrest, Dead Men Don’t Wear Plaid: „You know how to dial, don’t you. You just put your finger in the hole and make tiny little circles.“ Khm. Phil Spector-Wall of Sound auf Schwedisch: Michael B. Tretow hatte die Idee, „to simply record the song’s backing track twice in order to achieve an orchestral sound. Changing the speed of the tape between the overdubs, making the instruments marginally out of tune, increased the effect.“ Agnetha, I had such a crush on her.
Lemmy Kilmister, Motörhead: „Ist das ein Scheiß? Ist das ein Scheiß? Agnetha! Anni-Frid! Großartige Songs. Schreib mal einen Song wie ‚Fernando‘!“ Pete Paphides, britischer Musikjournalist: „If you don’t like ABBA, you don’t like Pop.“ Und wenn du Pop nicht magst, wenn du einen großen Popsong nicht würdigen kannst, nehme ich dir auch nicht ab, daß du irgendwas von Led Zeppelin verstehst. Nichts Schlimmeres als idiotisch-prätentiöse „Rock-Puristen“, die glauben, auf eine Gruppe wie ABBA verächtlich herabschauen zu müssen. Lemmy wußte, daß Benny Andersson und Björn Ulvaeus perfekte Popsongs schrieben; er wußte, was für ein Wunderwerk ein Popsong sein kann, und alle, bis auf idiotisch-prätentiöse „Rock-Puristen“, wissen auch, wie tief Pop gehen kann. Joe Strummer, Ian McCulloch, Elvis Costello – bekennende ABBA-Fans.
In der BBC 4-Doku „The Joy of ABBA“ erinnert Orchesterdirigent Charles Hazlewood daran, daß „S.O.S.“ in d-Moll beginnt, „the saddest of all keys“. John Grant: „This is one of the greatest pieces of music ever made.“ John Lennon und Pete Townshend zählten „S.O.S.“ zu den größten Popsongs aller Zeiten. Grant: „Agnetha has that perfect understanding of the content of the song – the sadness in her voice! It’s just really… a beautiful thing.“
Grant nennt das, was ABBA machen, auch auf einem Song wie „Knowing Me, Knowing You“, Goth-Pop. ABBA waren eine einzigartige Mischung aus Glamour und tiefster Traurigkeit, incredibly cheerful – und oft verdammt dunkel.
Das Geheimnis der „Zauberstimmen aus dem schwedischen Märchenwald“ (Lemmy), „the beautiful alchemy that happened between Frida and Agnetha’s voices“ (Kim Wilde), diese unglaublich strahlenden Stimmen, die alles, was cheesy sein könnte, einfach transzendieren. Diese beiden Stimmen zusammen = a piece of heaven. Und strahlender als auf „Chiquitita (Spanish Version)“ – ist Gesang im Kosmos nicht vorgesehen. Schöner Kommentar zu ABBA auf YouTube: „Their melody purify the soul much love from Kigali Rwanda“.
Sexy und quirky – I mean, come on – und trotzdem, Agnethas Gesicht am Ende: die ganze ABBA-Geschichte in einem Moment.
„There is something spiritual about a great pop song“, sagt jemand in „The Joy of ABBA“. Kim Wilde: „That was their talent of making something very normal seem otherworldly.“
Als Benny Anni-Frid zum ersten Mal den Backing Track von „Dancing Queen“ vorspielt, beginnt sie zu weinen. „I was so moved by it.“ Bewegt von der Schönheit der Melodie, des Arrangements, von der Magie dieses Klangraums. Und die Texte: „The Winner Takes It All“ ist, wie Kim Wilde sagt, „one of the most painful songs to listen to“. In vielen ABBA-Songs geht es um „the difficulty of the human condition“. ABBA „have a pure joy to their music“ (Bono), und darunter liegt Melancholie, nordische Düsternis. Bei „The Visitors“ erkennen manche sogar eine an Joy Division erinnernde bleakness.
Spooky New Wave-Synthesizer, Anni-Frids mysteriöser Gesang, die indischen Linien der Melodie, Tomorrow Never Knows in tiefe Dunkelheit getaucht. Jemand hat zu „The Visitors“ auf YouTube geschrieben: „We had a radio station here that played this record for weeks without telling its listeners who the band was. They were getting dozens of calls a day raving about the song and requests that it be played again. Once the station finally announced that it was ABBA, the calls stopped. People are such idiots.“ – Zuerst scheint der Text noch ambivalent, geht es vielleicht um diffuse, paranoide Todesangst …? No. Aber um den sense of mystery des Songs zu bewahren, erklärte Björn erst sehr viel später, er habe tatsächlich an die Situation der Dissidenten in der Sowjetunion gedacht. But the song is more universal than that, of course. Von „Ring Ring“ bis hier: ABBA haben gezeigt, was Pop vermag.
I hear the doorbell ring and suddenly the panic takes me The sound so ominously tearing through the silence I cannot move, I’m standing Numb and frozen Among the things I love so dearly The books, the paintings and the furniture Help me The signal’s sounding once again and someone tries the door-knob None of my friends would be so stupidly impatient And they don’t dare to come here Anymore now But how I loved our secret meetings We talked and talked in quiet voices Smiling Now I hear them moving Muffled noises coming through the door I feel I’m Crackin‘ up Voices growing louder, irritation building And I’m close to fainting Crackin‘ up They must know by now I’m in here trembling In a terror evergrowing Crackin‘ up My whole world is falling, going crazy There is no escaping now, I’m Crackin‘ up These walls have witnessed all the anguish of humiliation And seen the hope of freedom glow in shining faces And now they’ve come to take me Come to break me And yet it isn’t unexpected I have been waiting for these visitors Help me
Separates and lingerie, seven pairs of shoes Lots of Woolworth’s makeup, a pair of Black Watch trews Your out-of-tune piano, sentimental photographs A million little memories, a million little laughs
The wing of the airplane has just caught on fire I say without reservation we ain’t getting no higher
All you wanted from me, all I had to give Nothing matters you’ll see, when in paradise you live
The plane is diving faster, we’re getting near the ground Nobody is screaming, no one makes a sound
It’s a girl, Mrs. Walker, it’s a girl
„Glow Girl“ wurde im Januar/Februar 1968 aufgenommen, erschien aber erst im Herbst 1974 auf dem Album „Odds & Sods“.
Ein Flugzeug, das abstürzt, weil die Tragfläche brennt. Augenblicke, in denen das Leben sich noch einmal wie ein rasend schneller Film abspielt, eine tumultuarische Konfusion von Bildern, Gedanken und Erinnerungen, die durch den Kopf schießt, bestimmte Dinge rätselhaft klar. In den Sekunden der Panik hat das Gehirn eine Ewigkeit lang Zeit, an die Dinge zu denken, die im Koffer sind. Die trews, eine Tartan-Hose. Black Watch ist ein klassisches Karomuster, das auf das schottische Black Watch-Regiment zurückgeht. Lingerie. Eine aufregende Zukunft. Make-up von Woolworth’s, nicht das teuerste. Zwei Zeilen, und man hat die junge Frau vor Augen, man kennt geradezu ihren Namen. Lilian. Eigentlich haßt sie es, Lil genannt zu werden.
Bei The Who klang jeder der Vier so, als wäre er the leader of the pack. Von „I Can’t Explain“ bis, mindestens, „Quadrophenia“ landeten The Who einen Coup nach dem anderen, aber mein liebster Song von The Who, und ich schreibe das in einem Mod Target-Shirt, ist „Glow Girl“. Der Song entsteht im letzten Moment, bevor Roger Daltrey seine neue Rock-Stimme findet, und in diesen zweieinhalb Minuten kulminiert alles, was an The Who seit 1964 großartig ist. „Glow Girl“ beschwört in nur 10 Zeilen so unendlich viel, most haunting, und in die 11te Zeile versenkt Townshend noch ein Mysterium.
Wie das Bewußtsein beim Absturz durchmißt das opening riff in ein paar Sekunden noch einmal die ganzen Sixties und sagt gleichzeitig Adieu. Townshend modifiziert das Gitarrenintro für „Sensation“ von „Tommy“, und aus „It’s a girl, Mrs. Walker, it’s a girl“ wird „It’s a boy“.
Wenn die Musik nach „no one makes a sound“ Absturz und crash bedeutet, deutet die Zeile „It’s a girl, Mrs. Walker, it’s a girl“ auf Wiedergeburt. Tatsächlich singt Townshend auf einem Demo für „Glow Girl“ noch eine Zeile, die in der Endfassung nicht mehr auftaucht: „You’ve had some good times, and you’ll be round again“. Und Townshend erklärte später: „This was written in Las Vegas while on tour with Herman’s Hermits in the summer of 1967. It’s about reincarnation.“
Meine erste LP von The Who war „Quadrophenia“, da war ich 14, kurz darauf besaß ich „Tommy“, ein Freund lieh mir „Odds & Sods“. Die vocal harmonies von Daltrey und Townshend auf „Glow Girl“, beide singen Lead, sind zum Sterben schön, bei Bridge 1 und 2 suggeriert schon die Melodielinie Vertigo beim Höllenritt. Der Instrumentalteil ab 1:24 ist wie die Quintessenz von Pete Townshends Energie an der Gitarre, bis zum Feedback am Ende, und daß niemand jemals so Schlagzeug spielen wird wie Keith Moon, stand schon in seiner Geburtsurkunde. Die brillantesten zweieinhalb Minuten, die man sich denken kann, musikalisch; und wenn die beiden Stimmen „All you wanted from me, all I had to give“ singen, eröffnet sich in 10 Worten ein ganzer Roman, die Irrungen und Wirrungen einer Liebe, die vielleicht zum Scheitern verurteilt war; das Ende, zu dem die Passagiere dieses Flugzeugs verurteilt sind, ist unvorstellbar. Es ist ein so phantastischer Song, dramatisch und mitreißend, und zugleich ein so trauriger und beängstigender. „Nobody is screaming, no one makes a sound“, die Stille in den letzten Sekunden, das Mädchen allein mit sich, mit „a million little memories“. Und immer wenn der jangle von Pete Townshends Gitarre einsetzt, möchte ich die Hand des Glow Girl halten.
Mark Hollis schrieb „I Believe In You“ als letzten verzweifelten Appell an seinen älteren Bruder Ed, der seit langem heroinsüchtig war und dessen Zustand sich im Sommer 1987 dramatisch verschlechterte. Als die Tea Lady des Studios den Song hörte, brach sie in Tränen aus. Ed Hollis starb im April 1989. Der Engelschor, Geleit in die andere Welt. Wir alle sind Tea Lady. Play loud.
Gudrun Gut & Blixa Bargeld – Die Sonne. Gudrun Gut & Anita Lane – Firething. Zu oft schau ich mir das nicht an, ich will ja nachts noch ein Auge zutun manchmal. Smashing Pumpkins – Rhinoceros. Na? Eben. Alles Videos von Angela Conway. Das legendäre „The Weeping Song“-Video, Nick Cave und Blixa Bargeld bechern und schwanken im Ruderboot auf windgeblähter Augsburger-Puppenkiste-Plastikfolie: Angela Conway. Frank Tovey (Fad Gadget) in „Sam Hall“: Angela Conway. Barry Adamson, „The Man With The Golden Arm“: Angela Conway.
Ende der 1980er hatte Angela Conway ein eigenes musikalisches Projekt namens A.C. Marias. Mitstreiter war, vor allem, Bruce Gilbert von Wire. Barry Adamson und Rowland S. Howard schauten auch vorbei. „One Of Our Girls Has Gone Missing“ ist die Platte als dunkler Kontinent, rezeptionsgeschichtlich.
„Just Talk“ klang wie Zaubersprüche aus der Feenwelt. Zwischen Rembrandtsommer und Poussinwinter gehörte Who shall spell it out? / You’ve just run out of time zum plötzlich endlosen Strom von Verkündigungen. Ich hatte das Stück in irgendeiner tiefen Nacht aufgenommen von einer Radiostation, die von einem anderen Planeten gesendet haben muß. Der Titel „Just Talk“, und daß jemand von Wire beteiligt war, das war alles, was ich mitbekam. Die Gitarre schien tatsächlich vertraut, und ich behielt Wire im Sinn, aber ich wollte das Mysterium dieses from another world-Moments bewahren, und ich wußte äonenlang nicht, wer hier singt. Der Song hatte etwas Heiliges für mich, Portal zum Latenten, überirdische Schönheit, die Stimme so haunting. Eines Tages begab ich mich doch auf die Suche und fand, siehe oben, daß Angela Conway andauernd durch mein Leben gespukt war. The way life works, all the time.
Auf weissen Laken aus Eis bin ich erlöst von meinen Irrwegen befreit von meinem Trotz geheilt von allem Übel Beschworen die Silben meines Namens wie im Schlummer einer Liebenden Vor reine Gegenwart versammelt die Zerstreutheit meiner Sinne In eins gefügt die zerrissenen Zustände des Herzens In eins verbunden die versprengten Kräfte Nichts mehr trübt die Reinheit meiner Anbetung Possen, die ich spielte Verrat, den ich beging Anfang der Welt und Endzeit und jede Wunde, die ich riss Alle Stationen der Isispassion Ri, dschi, Eisenkönig, stirb Endlich das Unsuchbare suchen Todgeweihtes Leiden Hochzeit im Kristallpalast Die wahre und die falsche Zeit Eine Nacht, die sieben Nächte dauert Schwester der Träume und schlafender Gott Bring dich mir zum Opfer Bis goldene Flammenreihen sich In deinem Schädel spalten So werde ich die Tore für dich öffnen Du willst die Wahrheit und du starrst direkt durch sie hindurch Totengräber klagen über Grabesstimmung Köpfe werden rollen in der Commedia