

March 2026. Another trip around the sun.


March 2026. Another trip around the sun.

Separates and lingerie, seven pairs of shoes
Lots of Woolworth’s makeup, a pair of Black Watch trews
Your out-of-tune piano, sentimental photographs
A million little memories, a million little laughs
The wing of the airplane has just caught on fire
I say without reservation we ain’t getting no higher
All you wanted from me, all I had to give
Nothing matters you’ll see, when in paradise you live
The plane is diving faster, we’re getting near the ground
Nobody is screaming, no one makes a sound
It’s a girl, Mrs. Walker, it’s a girl
„Glow Girl“ wurde im Januar/Februar 1968 aufgenommen, erschien aber erst im Herbst 1974 auf dem Album „Odds & Sods“.
Ein Flugzeug, das abstürzt, weil die Tragfläche brennt. Augenblicke, in denen das Leben sich noch einmal wie ein rasend schneller Film abspielt, eine tumultuarische Konfusion von Bildern, Gedanken und Erinnerungen, die durch den Kopf schießt, bestimmte Dinge rätselhaft klar. In den Sekunden der Panik hat das Gehirn eine Ewigkeit lang Zeit, an die Dinge zu denken, die im Koffer sind. Die trews, eine Tartan-Hose. Black Watch ist ein klassisches Karomuster, das auf das schottische Black Watch-Regiment zurückgeht. Lingerie. Eine aufregende Zukunft. Make-up von Woolworth’s, nicht das teuerste. Zwei Zeilen, und man hat die junge Frau vor Augen, man kennt geradezu ihren Namen. Lilian. Eigentlich haßt sie es, Lil genannt zu werden.
Bei The Who klang jeder der Vier so, als wäre er the leader of the pack. Von „I Can’t Explain“ bis, mindestens, „Quadrophenia“ landeten The Who einen Coup nach dem anderen, aber mein liebster Song von The Who, und ich schreibe das in einem Mod Target-Shirt, ist „Glow Girl“. Der Song entsteht im letzten Moment, bevor Roger Daltrey seine neue Rock-Stimme findet, und in diesen zweieinhalb Minuten kulminiert alles, was an The Who seit 1964 großartig ist. „Glow Girl“ beschwört in nur 10 Zeilen so unendlich viel, most haunting, und in die 11te Zeile versenkt Townshend noch ein Mysterium.
Wie das Bewußtsein beim Absturz durchmißt das opening riff in ein paar Sekunden noch einmal die ganzen Sixties und sagt gleichzeitig Adieu. Townshend modifiziert das Gitarrenintro für „Sensation“ von „Tommy“, und aus „It’s a girl, Mrs. Walker, it’s a girl“ wird „It’s a boy“.
Wenn die Musik nach „no one makes a sound“ Absturz und crash bedeutet, deutet die Zeile „It’s a girl, Mrs. Walker, it’s a girl“ auf Wiedergeburt. Tatsächlich singt Townshend auf einem Demo für „Glow Girl“ noch eine Zeile, die in der Endfassung nicht mehr auftaucht: „You’ve had some good times, and you’ll be round again“. Und Townshend erklärte später: „This was written in Las Vegas while on tour with Herman’s Hermits in the summer of 1967. It’s about reincarnation.“
Meine erste LP von The Who war „Quadrophenia“, da war ich 14, kurz darauf besaß ich „Tommy“, ein Freund lieh mir „Odds & Sods“. Die vocal harmonies von Daltrey und Townshend auf „Glow Girl“, beide singen Lead, sind zum Sterben schön, bei Bridge 1 und 2 suggeriert schon die Melodielinie Vertigo beim Höllenritt. Der Instrumentalteil ab 1:24 ist wie die Quintessenz von Pete Townshends Energie an der Gitarre, bis zum Feedback am Ende, und daß niemand jemals so Schlagzeug spielen wird wie Keith Moon, stand schon in seiner Geburtsurkunde. Die brillantesten zweieinhalb Minuten, die man sich denken kann, musikalisch; und wenn die beiden Stimmen „All you wanted from me, all I had to give“ singen, eröffnet sich in 10 Worten ein ganzer Roman, die Irrungen und Wirrungen einer Liebe, die vielleicht zum Scheitern verurteilt war; das Ende, zu dem die Passagiere dieses Flugzeugs verurteilt sind, ist unvorstellbar. Es ist ein so phantastischer Song, dramatisch und mitreißend, und zugleich ein so trauriger und beängstigender. „Nobody is screaming, no one makes a sound“, die Stille in den letzten Sekunden, das Mädchen allein mit sich, mit „a million little memories“. Und immer wenn der jangle von Pete Townshends Gitarre einsetzt, möchte ich die Hand des Glow Girl halten.
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![111 Lieblingsvideos [5] von Christian Erdmann. Bild: "Lazarus", David Bowie.](https://christian-erdmann.com/wp-content/uploads/2023/02/david-bowie-lazarus-video.png)
089
Chuck Berry – You Never Can Tell
(„Pulp Fiction“, Quentin Tarantino)
1964 / 1994
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095
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2000
097
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098
David Bowie – I’m Afraid Of Americans
1997
099
The Who – Happy Jack
1966
100
Propaganda – Dr. Mabuse
1984
101
Gudrun Gut & Blixa Bargeld – Die Sonne
1995

102
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1990
103
ABBA – Ring Ring
1973
104
Adriano Celentano (w/ Raffaella Carrà) – Prisencolinensinainciusol
1972 / 1974
105
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1998
106
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1994
107
Rykarda Parasol – The Loneliest Girl In The World
2017
108
Christine Owman feat. Mark Lanegan – Familiar Act
2013
109
The Rolling Stones – Brown Sugar
1971
110
Iggy Pop – The Passenger
1977 / 2020
111
David Bowie – Lazarus
2016
![111 Lieblingsvideos [2] von Christian Erdmann. Bild: Fever Ray, "When I Grow Up" Video.](https://christian-erdmann.com/wp-content/uploads/2023/01/fever-ray-when-i-grow-up.png)
023
Fever Ray – When I Grow Up
2009
024
Mark Lanegan – Stitch It Up
2019
025
Iggy Pop – Real Wild Child
1986
026
Mark Lanegan: The Gravedigger’s Song
2012
027
The Who – Magic Bus
1968
028
Garbage – Stupid Girl
1996
029
The Devils – Real Man
2021
030
Siouxsie & The Banshees – The Last Beat Of My Heart
1988
031
Queens of the Stone Age – No One Knows
2002
032
The Beatles – Paperback Writer
1966
033
David Bowie – Life On Mars?
1973
034
Ladytron – Mirage
2011
035
Messer Chups – Electric Zombierella
2021
036
Queens of the Stone Age – Go With The Flow
2003
037
Marilyn Manson – mOBSCENE
2003
038
Bauhaus – She’s In Parties
1983
039
Wolf Alice – Space & Time
2018
040
Goldfrapp – Twist
2003
041
The Smashing Pumpkins – Ava Adore
1998
042
Queens of the Stone Age – Carnavoyeur
2023
043
Messer Chups – Intox-Tika
2022
044
Johnny Cash – Hurt
2002