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Iggy Pop

Iggy Pop. Artikel von Christian Erdmann: Bild: "Lust For Life" Album Cover.

Am Abend des folgenden Tages kam Hilfssheriff James Osterberg über die Eselsbrücke in die Stadt geritten. Der Mann, den sie Iggy Pop nannten, dutzendmal geteert und gefedert, der Mann, der wußte, daß man alle Ausgänge kennen muß, bevor man durch den Eingang geht. Lang hatte er Blaßgesichtern das Feld überlassen; jetzt war er zurückgekehrt, um erneut seinen existentialistischen Halsbrecher-Report über die Bretter gehen zu lassen und die Anatomie zu schinden wie kein zweiter, den sehnigen glänzenden Gauklerkörper – man konnte sagen, dieser Körper hatte Charakterstärke – versehen mit einer rituellen Zeichnung: Narben all der Wunden, die der Mann sich zugefügt hatte in Zeiten, als die Frage „Was ist das Problem, James?“ einen konvulsivischen Anfall zur Antwort bekam, begleitet vom Metallgewitter der drei bösen Stooges, weil das Problem war, daß man für das Leben ein zweites Leben als ständigen Kurort gebraucht hätte. Well, Leute. Intensität fängt irgendwann zu brennen an. Allen, die es wissen wollten, erklärte der Mann den Grund für seinen langen Rückzug: er hatte seinen Selbstrespekt verloren. Er hatte eine völlige Neuordnung seines Lebens vorgenommen. Er hatte die Selbstauflösung angehalten und im eigenen mentalen Irrenhaus die Rolle des Platzanweisers übernommen. Eine kopernikanische Wende. Wenn man sich selber ständig in die Quere kommt, hilft ein innerer Amoklauf. Sich nichts mehr vormachen und nichts mehr mitmachen, was man nur durchmacht. Siedende Wahrhaftigkeit aushalten, einem einfachen und starken Sinn zuliebe. „Ich wollte herausfinden“, sagte der Mann, der schon alles gesehen und in der Hölle die Asche zusammengefegt hatte, „ich wollte herausfinden, was ein Liter Milch kostet.“

Das hatte es in sich. Die Würde in diesem Satz! Das ließ den Spiegel der Vorspiegelung falscher Tatsachen zu Bruch gehen. Das gab Sachschaden. Das warf Scheinwelt und Fassaden in den Orkus. Ein Mantra gegen faulen Zauber und Staffage. Vordringen zum wahren Jakob. Herausfinden, was ein Liter Milch kostet. Ein Kôan war das.

Und dann sagte der Mann noch etwas. Er sagte: „Es mußte getan werden, also tat ich es.“ Gott selbst hätte es nicht besser ausdrücken können.

An einem Abend im Dezember konnten Leda und Aljoscha miterleben, was geschieht, wenn Iggy Pop ein paar Bühnenbretter vorfindet, und die Meute, der sie angehörten, wußte, was sie dem Mann schuldig war. Vier Helfershelfer schufen einen Klangwall, auf dem Pop wilde Zeichen machte wie Pierrot auf Glatteis. Er holte das letzte aus sich heraus, und so herausgeholt sah das letzte noch viel besser aus. Der Genosse Osterberg, er lebe hoch, hoch, hoch! Von diesem Schauspiel würde man noch Jahre zehren, und Aljoscha fühlte sich nach dem Konzert so erquickt wie ein Spatz nach einem Sandbad.

Christian Erdmann, „Aljoscha der Idiot“


Wie kann ein Mensch in das, was er an der Welt liebt, nicht „The Idiot“ und „Lust For Life“ inkludieren? Eine Welt, in der diese beiden Platten gar nicht vorkommen, ist das überhaupt eine Welt? „I love those records so much“, läßt Josh Homme die Katze aus dem Sack, als 2013 „… Like Clockwork“ erscheint. Schon 1995 A.D. sind es diese beiden Werke von Iggy Pop, die Homme zur Offenbarung gereichen, mit dramatischen Folgen: auf der Stelle löst er Kyuss auf und gründet die Queens of the Stone Age.

Iggy Pop wiederum erklärt 2016 die Queens of the Stone Age in ihrer Mischung aus Virtuosität, Emotionalität und Präzision zum Inbegriff von Brillanz; besonders zwei Stücke von „… Like Clockwork“, das Titelstück und „The Vampyre Of Time And Memory“, hätten ihn berührt wie seit 40 Jahren nichts.

Daß „Post Pop Depression“ die Vollendung einer Trilogie nach 39 Jahren ist, würde Gott selbst unterschreiben, wenn ihm denn sein derzeitiges Dasein als durchgeknallter Heckenschütze Zeit ließe, doch nach den erschütternden Todesfällen von Lemmy und David Bowie erschien „Post Pop Depression“ wie Ausgießung des heiligen Geistes, Rettung, Trost. Daß Iggy Pop und Josh Homme in aller Heimlichkeit zur Schöpfung schritten, und daß diese Schöpfung tatsächlich so großartig ist, wie man es sich nur hätte ausmalen können, injiziert eine Dosis unfaßbarer Richtigkeit ins zerrüttete Weltgeschehen. Homme ist ein Heiliger, und was er anfaßt, wird zu Gold. Gesegnet der Tag, an dem er begriff, daß der Absender der mittlerweile legendären SMS tatsächlich Iggy Pop mit seinem ollen Klapp-Phone war. Homme: „Mir war nur klar: Wenn mich hier jemand verarscht, werde ich ihn dafür umbringen.“

Ich war 20, als ich zwei große Lautsprecherboxen im Abstand von etwa 70 Zentimetern auf den Teppich stellte und meinen Kopf, der dazwischen lag, mit „Lust For Life“ in die Luft sprengte. Dieser donnernde Drumbeat, 72 Sekunden bis HERE COMES JOHNNY YEN AGAIN, die umwerfendsten Einstiegssekunden eines Songs ever.

UNCUT: Iggy claims ‚Lust For Life‘ was written in front of the TV in Berlin, with a rhythm copied from the tapping Morse Code beat of the Forces Network theme. Is this the case?

BOWIE: Absolutely.

Es gibt mehrere Gründe, warum der Roman „Aljoscha der Idiot“ heißt, aber ohne „The Idiot“ von Iggy Pop hätte ich ihn nie geschrieben.


SPIEGEL ONLINE Forum „Literatur – was lohnt es noch, zu lesen?“

September 2009

hans-werner degen:

Zweigs Dostojewski interessiert mich deutlich weniger als mein eigener…

Christian Erdmann:

„Dostojewski ist nichts, wenn nicht von innen erlebt.“ (Stefan Zweig)

einEi:

Stefan Zweig, der bekannte Schriftsteller, soll das gesagt oder geschrieben haben? Wann? Wo? Sie müssen schon mit Quellen arbeiten, sonst versteht hier keiner mehr, was das alles soll.

Christian Erdmann:

„Sehr schön. Wenn Sie zur Tagesordnung sprechen, gut und schön. Gut und schön, wenn Sie zur Tagesordnung sprechen. Fahren Sie fort.“ (Flann O’Brien)

KLMO:

Im Detail ist Dostojewski ein Meister der menschlichen Psychologie. Doch wie löst er die Problematik als Ganzes?

Seine Werke quellen über von Schuld und Sühne, Gott und Teufel, Paradies und Hölle, alles Metaphern, derer sich bevorzugt das Christentum bedient…

Christian Erdmann:

Iggy Pop, den die meisten nur als „Godfather of Punk“ kennen, ist ein sehr belesenes Kerlchen, was sich zuletzt darin ausdrückte, daß er sich von Houellebecqs Roman „Die Möglichkeit einer Insel“ zu einem Album inspirieren ließ. 1993 ließ er auf seiner „American Caesar“-Platte in seiner Version des Klassikers „Louie Louie“ kurz verlauten: „I’m as bent as Dostoevsky“.

Schon 1977 durfte man annehmen, daß Iggy Pop seinen Fjodor kennt: in diesem Jahr brachte er zwei Platten heraus: „The Idiot“ und „Lust For Life“. Zwei Titel, die, zusammengenommen, Dostojewski in der Nußschale ergeben.

AS BENT AS DOSTOEVSKY

Iggy Pop, The Idiot Album Cover.

zeigt sich Iggy Pop schon auf dem Cover, das sowohl von Heckels „Roquairol“

Erich Heckel, Roquairol.

(nicht umsonst schleppte Bowie Iggy in Berlin durch die Expressionismus-Sammlungen)

inspiriert ist, als auch jenen Bildern Egon Schieles gleicht, in denen die Verzerrung und Verdrehung menschlicher Gestalt wie der Ausdruck des Fehlens jeglicher inneren Ausgewogenheit wirkt. Isoliert wirkende Gestalten – die Journalistin Kerstin Bode betitelte einen Artikel über Iggy Pop mal mit „Isolierter Sprengsatz“ und spricht von seiner „grausamen Einzigartigkeit“ –; Gestalten, die Schiele in „kompromißloser Selbstentäußerung“ (Erwin Mitsch) aufs Blatt bringt, und über die Mitsch sagt: „Die organische Einheit des Körpers … wird zerrissen in einander widerstrebende und bekämpfende Teilstücke. Sie werden Spiegelbild und sichtbarer Ausdruck innerer seelischer Kräfte und Vorgänge.“

Iggy Pop „dehnt/biegt und krümmt seine Gliedmaßen zu Formen, die dem Gravitationsgesetz trotzen. Freiübungen eines Ballettänzers, der an der Starkstromleitung hängt.“ (Harald InHülsen, ca.1980).

Qual/Schmerz/Lust/Erregung.

Eines von Schieles Selbstbildnissen trägt den Titel: „Ich liebe Gegensätze“.

Werner Theurich, den Hiesigen eher als „sysop“ bekannt, schrieb nach einem Konzert von Iggy Pop in „Knopf’s Music Hall“ (heute Docks), bei dem ich auch zugegen war, über den „ewigen Märtyrer“ (Zitat Theurich): „Nicht zu reden von Iggy Pops offensiven Bühnenshows, die über das Publikum hereinbrachen, mit denen Iggy sich auslieferte, Angst machte und immer um den vollen Einsatz spielte.“

Iggy Pop im Sommer 1979:

„Ich habe gerade in der Herald Tribune eine Geschichte über den Nuklearen Endkampf gelesen; weißt du, was Bowie machen würde? Er schlägt seine Landkarte auf, sieht nach, wo die Bombe explodieren wird, steigt sofort ins Flugzeug und begibt sich an einen sicheren Ort, vielleicht Argentinien. Ich werde genau das Zentrum raussuchen, wo die Bombe aufschlägt, denn ich will es fühlen, genau da! Die Hitze spüren, den Schmerz!“

Poetische Übertreibung, vielleicht.

Brocken aus Stefan Zweig über Dostojewski:

„Von jeder seiner Gestalten führt ein Schacht hinab in die dämonischen Abgründe des Irdischen, hinter jeder Wand seines Werkes, jedem Antlitz seiner Menschen liegt die ewige Nacht und glänzt das ewige Licht … Wer viel von sich selbst weiß, weiß auch viel von ihm … die Liebe zum Leid, das unendliche Mitleiden …

…Ein unaufhörlicher Kampf ist zwischen Dostojewski und seinem Schicksal … Alle Konflikte spitzt es ihm schmerzhaft zu, alle Kontraste dehnt es ihm zum Zerreißen schmerzhaft auseinander … Amor fati, die hingegebene Liebe zum Schicksal, die Nietzsche als das fruchtbarste Gesetz des Lebens preist, läßt ihn in jeder Feindlichkeit nur die Fülle fühlen, die Heimsuchung als Heil … Gegen eine solche dämonische Verwandlungskraft des Erlebnisses verliert das äußere Schicksal gänzlich seine Herrschaft … Triumph des Menschen über sein Schicksal, eine Umwertung der äußeren Existenz durch die innere Magie … hat auch das Glück seiner Menschen nichts von einer gesteigerten Heiterkeit, sondern es flimmert und brennt wie Feuer … Nie war vor ihm die Gegensätzlichkeit des Gefühles ähnlich weit aufgerissen, nie die Welt so schmerzhaft weit gespannt wie zwischen diesem neuen Pol der Ekstase und Zernichtung, die er jenseits aller gewohnten Maße von Glück und Leiden gestellt hat … leidenschaftlicher Bejaher seines Schicksals … Dostojewski provoziert im Glücksspiel das Schicksal: … was er ihm abgewinnt, ist äußerster Nervenrausch, tödliche Schauer, Urangst, das dämonische Weltgefühl … Er will unendliches Leben. Und Leben ist ihm einzig elektrische Entladung zwischen den Polen des Kontrastes … Seine Moral geht nicht auf Klassizität, auf eine Norm, sondern einzig auf Intensität … Lust (zeugt) das Leiden und das Leiden wieder Lust. Ewig berühren sich die Gegensätze … Grenzenlose, restlose wissend-wehrlose Hingabe an sein zwiespältiges Schicksal, amor fati ist darum Dostojewskis letztes und einziges Geheimnis, der schöpferische Feuerquell seiner Ekstase. Eben weil das Leben ihm so gewaltig zugemessen war, weil es ihm Unermeßlichkeiten des Gefühles im Leiden auftat, hat er das grausam-gütige, göttlich-unverständliche, ewig unerlernbare, ewig mystische Leben geliebt … Er will nicht wie Goethe zum Kristall erstarren … sondern Flamme bleiben, selbstzerstörend, täglich sich vernichtend, um täglich sich neu aufzubauen, ewig sich wiederholend, aber immer mit gesteigerter Kraft und aus gespannterem Gegensatz. Er will nicht das Leben meistern, sondern das Leben fühlen … Und nur so, als der „Gottesknecht“, als der Hingebendste aller, konnte er der Wissendste alles Menschlichen werden … Seine Helden … sind nicht friedlich eingeordnet in unsere Welt, überall reichen sie mit ihrem Empfinden bis zu den Urproblemen hinab … Sie wollen gar nicht in die Realität hinein, sondern von allem Anfang an über sie hinaus … Sich selbst wollen sie fühlen und das Leben, aber nicht dessen Schatten und Spiegelbild, die äußere Realität, sondern das große mystische Elementare, die kosmische Macht, das Existenzgefühl … jenes ganz urhafte Gelüst, das nicht Glück will oder Leid, die schon Einzelformen des Lebens sind …, sondern die ganz einheitliche Lust …

… Sie wollen das Leben weder erlernen noch bezwingen, gleichsam nackt wollen sie es bloß fühlen und fühlen als Ekstase der Existenz.“

Wersilow und Katharina in „Der Jüngling“, kurz vor dem Ende:

„Ich weiß, ich weiß, Sie sahen, daß Sie das nicht fanden, was Sie brauchten, aber… was brauchten Sie denn? Erklären Sie mir das noch einmal…“

„Habe ich Ihnen das denn schon einmal erklärt? Was ich brauche? Ja, ich bin doch eine ganz gewöhnliche Frau; ich bin eine ruhige Frau, ich liebe… ich liebe heitere Menschen.“

„Heitere?“

Die Verständnislosigkeit, mit der Wersilow das wiederholt: „Heitere?“

Nochmals Stefan Zweig über die Figuren Dostojewskis:

„Glücklichsein ist ihnen gleichgültig, Zufriedensein ist ihnen gleichgültig, Reichsein eher verächtlich als erwünscht. Sie wollen nichts von all dem, diese Seltsamen, was unsere ganze Menschheit will. Sie haben den uncommon sense… sie wollen alles. Und alles ganz stark. Das Gute und das Böse, das Heiße und das Kalte, das Nahe und das Ferne.“

Wissen, daß man verdreht ist, verzerrt, daß man scheitert, sich in (scheinbaren) Widersprüchlichkeiten zerreißt, daß man ein Idiot ist, ewiger Märtyrer, daß man sich selbst fast zugrunderichtet mit der Empathie, dem „unendlichen Mitleiden“, mit dem Versuch, panoramisch zu sein, und bei alldem ICH LIEBE GEGENSÄTZE die Wurstmacher Wurstmacher sein lassen und dort Schätze finden, wo andere ums Verrecken nichts erkennen, wissen, daß man die Einheit noch in den vertracktesten Ambivalenzen aufspüren kann, und in alldem nichts fühlen als das Leben selbst: das, lieber KLMO, ist für mich bei Dostojewski viel wichtiger als „all die Metaphern“, weil am Ende all dessen nicht sinnlose Liebe zum Exzeß steht, sondern: Lust for Life.


Iggy Pop, David Bowie, Tony Visconti – drei der an „The Idiot“ Beteiligten hatten Dostojewskis „Der Idiot“ gelesen.

David Buckley nennt „The Idiot“ „a funky, robotic Hellhole of an album“.

Komplett abgestürzt und ausgelaugt durch die Selbstzerstörungsorgie der Stooges, die sadomasochistischen Energien ihrer Musik, die Drogenexzesse, den Nihilismus und die Torturen an Leib und Seele steht Iggy Pop schließlich vor den Türen einer Anstalt. Zu den wenigen Besuchern in der Neuropsychiatrie zählt David Bowie. Im Frühjahr 1976 nimmt er Iggy als Begleitung mit auf seine Station To Station-Tour durch Europa, surreal schöne Fotos entstehen, Bowie und Iggy in Touristenpose auf dem Roten Platz oder im Moskauer Metropol-Hotel.

Im Juli 1976, der Umzug nach Berlin läuft, beginnen Bowie und Pop im Château d’Hérouville mit den Aufnahmen zu „The Idiot“. Das sexy Höllenloch öffnet sich mit „Sister Midnight“.

Wie Bowie und Iggy Pop bei diesem Sound angekommen sind, bei dieser glorios hypnotischen strangeness, bleibt Geheimnis. „Damn, listen to what Dennis Davis is playing on ‚Sister Midnight‘ … it’s insane!“ (Iggy, 2016). Können vor Schaudern. Selbst jeder Schlag auf die crash cymbal wird von Dunkelheit verschluckt. Die brutale Insistenz, mit der das irreguläre Funk-Riff von Davis / Murray / Alomar und Iggys furchterregende Stimme Sister Midnight bearbeiten, ist betäubend. Dazu eine Gitarre, die den Mond anheult oder eine Jungfrau zersägt. Brian Eno über „The Idiot“: als würde man langsam einbetoniert.

„Calling Sister Midnight / I’m an idiot for you“. Beep.

„So as we were working on Sister Midnight, David was playing, and I was trying to tune the sound using a compressor to get a nice distortion. As I turned an equalization button on the desk, I got a sudden noise, like a ‚bip‘. I saw David, with the headphones on, startled in his chair. But he didn’t stop playing. When he came back to the control room, he asked me ‚What was that noise?‘ I told him that I made a mistake on the desk. We listened to the tape. The ‚bip‘ was clearly distinct. ‚It’s nice! We’ll keep it. ‚“ – Laurent Thibault, Schloßpächter und house engineer im Chateau d’Herouville.

Letzte Nacht unten im Labor, mit Dracula und seiner Crew. Das Album ist creepy. Kalte Dunkelheit, zwielichtige Dekadenz, expressionistische Verzerrung. Was ist, wird Obsession. „Low“ erschien zuerst, aber „The Idiot“ entstand zuerst und war Bowies Testgelände. Bowie inspiriert Iggy zu Gesang in bedrohlich tiefem Bariton, ghoulish zuweilen. Iggy: „I was working on the lyrics to ‚Funtime‘ and he said, ‚Yeah, the words are good. But don’t sing it like a rock guy. Sing it like Mae West.'“ Er entpuppt sich als verdammt guter Sänger. Iggy erhebt sich sinister majestätisch aus seiner Gebrochenheit, über postapokalyptischen Soundscapes, über Rhythmen, die, funky & robotic, einen ominösen Glamour in Bewegung bringen, und, vor allem, über all die Spuren von Verzerrung, die Bowie in die Musik legt. Zweig über Dostojewski variierend ließe sich sagen: von jedem Moment auf „The Idiot“ führt ein Schacht hinab in die dämonischen Abgründe des Irdischen. Ich meine mich zu erinnern, daß ein Journalist mal schrieb: ideale Musik für eine Auspeitschparty.

Für den Nine Inch Nails-Song „Closer“ modifiziert Trent Reznor ein Drum Machine-Sample aus „Nightclubbing“. Die sleazy cabaret-Elemente von „Nightclubbing“ verleihen das Gefühl, vampirhaft, like a ghost, durch die gespenstisch ausgeleuchteten Korridore und Hinterzimmer eines mysteriösen Etablissements zu schleichen, in dem unaussprechliche Dinge vorgehen.

Funtime:

„Almost immediately, the listener is greeted by a zombie-like, dissonant chorus: ‚All aboard for funtime‘. … The guitar on the first bridge starts with an off-note, but it’s kept as it is part of the dissonant mood. During the bridges … the listener feels helpless as if he/she is strapped into some kind of horror show carousel that is careening out of control.

This out of control feeling and ever present dissonance on this song makes the listener feel that something very UN-fun is actually happening and this is the main thrust of ‚Funtime‘. The juxtaposition of ‚Fun‘ and ‚Funtime‘ with the aggressive subject matter, monster references, leering sexual content and terrifying soundscape leaves the listener not with feelings of irony but unease.“ (Bradley Banks)

In den ersten Sekunden hört man etwas, das wie leises Schluchzen klingt, vermutlich gluckst Iggy vor dem vocal take einfach in sich hinein, aber die Atmosphäre ist von Anfang an beunruhigend. Bowies Gitarre, die vom falschen Akkord hochrutscht, lutscht sich Energie von Deinen Knochen, aber das ist Dir im Labyrinth der darkrooms jetzt ganz recht.

Eine der traurig schönen Traumpuppen da unten ist Baby, und der Sänger erklärt ihr: die Welt ist immer ungerecht. „I’ve already been down the street of chance“. Please stay clean, please stay young, Iggy singt, als wolle er alle gleichzeitig hypnotisieren, Baby und die Dämonen, die es auf die Unschuld abgesehen haben. Bei 0:47 hört man einen Lautfetzen, der sich gerade noch als Bowies Stimme identifizieren läßt, wie aus dem Nebenraum des Songs, in dem sinistre Voyeure den lullaby sardonisch kommentieren.

Zwischen „Funtime“ und „China Girl“ hat „Baby“ es nicht leicht, aber wenn man den Song, sagen wir, 10mal nacheinander hört, bekommt man ein Gespür dafür, wie er der winterlichen Schneelandschaft gleicht, in der Iggy auf dem Coverbild die „Roquairol“-Pose nachstellt. Das absteigende Motiv, das Hit The Road Jack-Sachlichkeit vortäuscht und doch nur in schiere Unheimlichkeit getaucht ist, eine Landschaft, die man grimmig durchwandert, Fäuste in den Jackentaschen.

„China Girl“, Amoklauf von Liebeslied, allesverzehrende Leidenschaft, die Bilder von eskalierender Herrschaftsphantasie und Vernichtung produziert, während Taumel und Wahnsinn sich steigern bis zu drohender Selbstentleibung. „China Girl“ fängt nicht einfach an, „China Girl“ entlädt sich, mit der Hoffnung auf escape, mit ihr, ohne sie ein Wrack, Iggy klingt verletzlich, fragil, I’d feel tragic like I was Marlon Brando, dann eskaliert der bedrohliche Unterton, wird manisch bei „It’s in the white of my eyes“, Iggys Stimme „distorting the microphone preamplifier“ (Tony Visconti), und wen zwingt das nicht auf die Knie: „And when I get excited, my little China Girl says ‚Oh Jimmy just you shut your mouth. She says, Sshhh…“ Und dann ist er tatsächlich still, und dieses unfaßbar dramatische Ende nimmt seinen Lauf, Synthesizer mit Streicher-Grandeur, Bowies Saxophon glüht durch den dichten Mix, dann die gleißenden Gitarrenlinien, dann färbt sich die Sonne blutrot.

Weihnachten 2013 war Iggy Pop zum ersten Mal mit einer eigenen Radioshow auf BBC 6 Music zu hören, seit 2015 führt er als „atmospheric bartender“ regelmäßig durch den Abend, läßt uns teilhaben an seinem Gefühl für die Schönheit und Bedeutung der Songs, die er spielt, läßt uns wissen, falls wir es vergessen hatten, daß sie so viel mehr sind als nur Songs, und das Wunderbarste daran: wie er, der Godfather of (you name it), dabei Dankbarkeit und Demut durch den Äther schickt. Mit ähnlichem Gestus erklärt er 2016, der beste Teil von „China Girl“ beginnt

„when I shut up. There is a beautiful guitar line that David wrote. I knew it was good when we did it, but I was not able to appreciate it emotionally the way I do now. Every time I hear it, I feel all these things that have to do with coming and going. Because we all come, and we all go.“

Der verzerrte fernöstliche Klang, den Bowie auf „China Girl“ produziert: ein Spielzeugklavier, das Laurent Thibaults 8jähriger Tochter gehörte. Der Text würde auch Sinn ergeben, wenn „China Girl“ eine Metapher für Heroin wäre, aber die Dame, die den Song wesentlich inspirierte, war eine Vietnamesin namens Kuelan Nguyen.

Am Ende des Songs ist mir immer, als hätte ich Abschürfungen. An der Seele. Manchmal brauche ich die Pause, die das Vinyl der LP danach gewährte, immer noch.

Für „Dum Dum Boys“ spielt Bowie sich die Finger auf der Gitarre blutig, dann läßt er das Riff, das Synapsenverbindungen im Hirn herstellt, die ziemlich sleazy sind, Note für Note von Phil Palmer nachspielen (dem Neffen von Ray & Dave Davies). 7-Minuten-Ode an Aufstieg und Fall der coolen, bösen Gang, in der Iggy die Verachtung der Stooges für den Rest der Welt beschwört und ihre Geschichte damit zum Mythos macht. Siouxsie, die Edle, die später Iggys „The Passenger“ für ein Cover-Album auswählt, beschrieb „The Idiot“ als „re-affirmation that our suspicions were true: the man is a genius.“ Tatsächlich klingt „The Idiot“ geradezu absurd anders als alles andere. „The Idiot“ steht schief zur Welt, auf Trümmern, die noch rauchen.

Der Tag bricht an und du willst nicht leben, „‚cause you can’t believe in the one you’re with“, die Tricks und die Vergangenheit, der Verlust einer Unschuld, die dann auch die junge Unschuld nicht zurückbringt. „Tiny Girls“ – ah what did you think. Über der dunklen Textur spielt Bowie das wunderschönste, coolste und zugleich wehmütigste Solo auf einem Plastiksaxofon für Kinder.

Auf die Desillusionierung von „Tiny Girls“ folgt die epische Verheerung von „Mass Production“.

„I have no idea how Bowie and Pop achieved the song’s unique sound; I suspect Alomar and a synthesizer are running the show, especially during the sublimely weird instrumental passage which makes you feel like you’re on the floor of the ocean in a doomed submarine that is sending out an SOS.“ (Michael H. Little, 2016).

Dave Catching (QOTSA, EODM, Herz des Rancho de la Luna): „It sounds like they were detuning the synths too, and it always puts me in a trance whenever I listen to it.“

8 1/2 Minuten Trance.

„The first thing you hear on ‚Mass Production‘, the eight-minute industrial horror movie that finishes off The Idiot, is a synthesizer fading in, like a machine drawing breath; it’s suddenly confined to the right channel, where it now drones a single note, like a foghorn, and it’s answered by four piping notes in the left channel, a mechanical birdsong that repeats through much of the track (though often drowned in the mix). Dennis Davis‘ drum fill kicks the song into a semblance of life, and Iggy Pop appears, sounding like a man holding a hostage.“

„Mass Production“ – „is far from any sort of triumphal Futurism; there’s no nobility of the machine found here, just a nihilistic realization that even the cold promise of machinery is a lie. If ‚Mass Production‘ has a visual analogue, it’s David Lynch’s street sets for Eraserhead: a city seemingly purged of human beings and reduced to abandoned train tracks, lifeless tenements and an encroaching darkness.“ (Pushing Ahead Of The Dame)

Leben als industrielle Massenproduktion, Lyrics, in denen ein Mädchen nach der Nummer eines Mädchenduplikats gefragt wird, Austauschbarkeit und Leere und trotzdem ein seltsamer Reiz: Iggy Pop sprach immer fasziniert von der Schönheit verfallender Industriekultur. Das fadeout von „Mass Production“ post-alles, der Song geht unter in grauer endloser Ferne und otherwordliness, letzte Atemzüge of everything, devastating und – unerklärlich schön.

G. Starostin: „Sometimes the noises get really ugly but then again it’s mass production“. „Das ist ja schrecklich! Wie das leiert!“ rief Leda eines Abends bei besagter weird instrumental passage, und es war einer dieser Momente: „Aljoscha sah, wie an einer entscheidenden Weiche ein schwerer Hebel umgelegt wurde, von einem Mann, der sein Gesicht im Schatten der Hutkrempe verbarg.“

„Though I try to die / You put me back on the line / Oh damn it to hell / Back on the line / Hell, back on the line / Again and again / I’m back on the line“.

„The Idiot“ war das letzte, das Ian Curtis in seinem Leben hörte. Für mich war in Phasen tiefster Verzweiflung, Entfremdung und Verachtung „The Idiot“ ein Teil der Mythologie, die zu Auferstehung rief. „The Idiot“ sagt: If you lived through this, you live through everything. Tief im Herzen dieser desolation liegt a new conviction.

„The Idiot“ und „Lust For Life“ bedeuteten auch: die Götter sehen diesem Mann zu in stiller Bewunderung I’M AN EASY MARK WITH MY BROKEN HEART „Ein permanenter Versuch, die Verbindung zwischen dem brodelnden Inneren, der Irrationalität / dem eigenen Irrenhaus und der (er-)wartenden Außenwelt herzustellen“ I STAND ON THE WORLD’S EDGE wer sonst ist mit mir AND I RIDE AND I RIDE smiles like a reptile HERE COMES MY FACE IT’S PLAIN BIZARRE ich fotografierte das „Lust For Life“-Cover und vergrößerte es für meine Wand, „a beaming, slightly mad-looking Iggy shot in a dressing room during the March ’77 UK tour. It’s the face of a man ready to harangue the world while he charms it“ JESUS? THIS IS IGGY ein Gesicht, aus dem man Handlungsmaximen ableiten kann THINGS GET TOO STRAIGHT I CAN’T BEAR IT selbstverständlich ist er 1977 die schönste Kreatur auf Erden I SEE THE STARS COME OUT OF THE SKY „immer auf der Suche nach der Möglichkeit, nach dem Weg, das eigene Geschick unter Kontrolle zu bekommen“ ALL OF IT WAS MADE FOR YOU AND ME „Ich weiß nichts, was ähnlich wäre wie diese Stimme. Ich denke, daß es die einsamste Stimme der Welt ist.“ (Dirk Scheuring, SPEX 1986) I’M TRYING TO BREAK IN OH I KNOW IT’S NOT FOR ME ein Märtyrer, der sich nach Liebe und Anerkennung sehnt CALLING SISTER MIDNIGHT I’M A BREAKAGE INSIDE sein Plan für später: wiedergeboren werden als schwarzer Pudel und an den Beinen der Mistress hochspringen CALLING SISTER MIDNIGHT YOU’VE GOT ME REACHING FOR THE MOON.

„I just want to say that the most provocative friend of my adult life has been David Bowie and he has absolutely opened vistas to me where I have been able to assimilate information that has allowed me to survive and also to enjoy the world I’m in a lot more…“ – 1988

1976 pflegen Bowies Tourmusiker Iggy Pop am Frühstückstisch anzutreffen, wie er beim Kaffee mit Brille auf der Nase die politischen Kommentare europäischer Zeitungen studiert. Der Mann, der am Ende einer Nacht exzessiven Konsums in Berlin von einer Telefonzelle aus, in die irgendein Witzbold ihn eingeschlossen hat, die Polizei anrufen muß, um sich befreien zu lassen, war immer einer der Intelligentesten der Delinquenten. The world’s forgotten boy ist ein Informationsassimilator mit einem enzyklopädischen Gedächtnis für Kunst und Geschichte, einer, der Bücher als Freunde betrachtet, in einem Interview 1999 zählt er als letzte Lektüre auf: Charles Dickens, Voltaire, Victor Hugo, Marquis de Sade. „The History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ von Edward Gibbon ist eines seiner Lieblingswerke; sein leidenschaftliches Interesse an Römischer Geschichte lebt er 1993 auf dem Song „Caesar“ als „Throw them to the lions“-Imperator aus. Römisch an ihm ist vor allem die Mischung aus Primitivismus und refinement.

Geschichte als Weg aus dem gefängnishaften Zeitgenössischen. Iggy Pop sammelt Stühle. Zu seiner Kollektion gehören ein Louis Seize-Stuhl und ein normannischer Thron. Er begann ein intensives Verhältnis zu Stühlen zu entwickeln, weil ihm lange Zeit nichts gehörte – seine Plattenverkäufe standen in gotterbärmlichem Gegensatz zu seinem Ruf -, und weil es ein gutes Gefühl war, wenigstens auf einem Stuhl sitzend sagen zu können: „Das Fernsehen blökt mich an, und die Leute betonieren alles zu und treiben mich verdammt nochmal in den Wahnsinn“, aber dies ist mein Reich. Weltherrschaft ist Herrschaft über die eigene Welt, you see.

Iggy Pop, Post Pop Depression Tour, Konzert-Ticket Hamburg, 2016.

Indianischer Gesang, Schamanentrommeln, dann hebt sich der Vorhang für die Band in leuchtend roten dinner jackets im Sixties-Stil – und für den donnernden Beat. Nach einer Minute „Lust For Life“ kündigt Josh Homme ihn an: „Ladies and Gentlemen, Mister Iggy Pop!“ Die Antwort auf Iggys Erscheinen ist ungezügelte, manische Turbulenz. Sollte es die letzte Tour des Iggy Pop sein, dann ist sie ein würdiger Triumphzug. Vor diesem Abend habe ich Iggy Pop 5 x live gesehen, und es war jedes Mal nicht nur ein denkwürdiges Spektakel, sondern auch, siehe ganz oben, eine Art Anleitung zum Himmelssturm. Diese Band aber spielt / zelebriert die Songs von „The Idiot“ und „Lust For Life“ genau so, wie sie live klingen müssen, wenn man diese beiden Platten über alles liebt. Josh Homme genießt seinen Part als Hofzeremonienmeister wie ein Schneekönig, der seine süßeste Fantasie auslebt, zusammen mit Troy van Leeuwen, Dean Fertita, Matt Sweeney und Matt Helders reproduziert er den vibe all dieser Songs getreu und punktgenau, zwangsläufig schütteln sich ein paar Elemente aus dem Queens of the Stone Age-Hexensabbat aus dem Handgelenk – Killerversionen der Originale mit Queens-Stempel, ein verdammter Traum. Iggy kracht nicht mehr von allen Seiten durch die Bühnenbretter, doch der ungezähmte Genius seiner Five Foot One macht Lust For Life zum Thema dieser Nacht und aller Nächte wie noch nie zuvor. Eine so überwältigte Freude bei allen, auf der Bühne und davor, alle komplett betäubt und euphorisiert. Als wisse tatsächlich plötzlich die ganze Welt, was sie diesem Mann schuldig ist, und als wäre die Welt überglücklich, es ihn wissen zu lassen. Das Feingefühl, mit dem Josh Homme Bowies Präsenz in die Musik von „Post Pop Depression“ eingearbeitet hat, abwesende Freunde sind anwesend heute nacht, „China Girl“ wie ein ergreifender Salut. „David’s friendship was the light of my life. I never met such a brilliant person. He was the best there is.“ – Iggy Pop 11:00 AM – 11 Jan 2016.

„FUUUUCK! BLESS YOU!“, „WHOU! WHOU! FUCKING HELL!“, er winkt jeder einzelnen Seele zu, vor „Funtime“ läßt er Boxen näher an das Publikum schieben, damit er springen kann. Bei „Fall In Love With Me“ teilt er das Meer und wandert durch den ganzen Saal. Michael Ruff, 1987: „Für Iggy Pop sind Konzerte in Hamburg seit jeher ein Heimspiel – unvergessen die kaum zu kontrollierende Begeisterung bei seinem ersten Hamburg-Auftritt vor zehn Jahren.“ An diesem Abend kulminiert die gegenseitige Zuneigung in ganzer Schärfe, Schmerzlichkeit und Schönheit. He is the best there is.

Brust in Brand setzen, Instinkt, Verletzlichkeit, Scheitern, Würde, childlike flashes of excitement, Triumphieren on your own terms. Seine Musik / sein Leben war immer eine Antwort auf die Frage, wie man mit der Welt koexistiert. Die ganze Geschichte des Iggy Pop gewährt einen Blick ins Wesen des Menschseins, für den ich endlos dankbar bin. Sagte ich endlos? Auf „Post Pop Depression“ sind Sterblichkeit und Endlichkeit nichts Unwirkliches mehr. Beliebter Schreibfehler hierzulande: „Zum Todlachen“. Das Todlachen, ich hörte es auch schon. Es klingt raffelnd, rasplig, geschrotet, dann schaumig. Dann so, als hätte er glühende Kohlen mit dem Löffel gefressen, dann wieder scharfkantig, gezackt, durchbohrend, Schnitzmesser spuckend. Manchmal abgearbeitet, schachmatt. Vaterlos, mutterlos, gottverlassen. Dann dieses Lachen, das an Jahren zunimmt, während er es lacht, bis es vergreist, vereist, zerklirrt. Zum Todlachen. Nein, ich gehe vorerst nicht dahin zurück. CALLING SISTER MIDNIGHT CAN YOU HEAR ME CALL CAN YOU HEAR ME WELL CAN YOU HEAR ME AT ALL.

Setlist

Lust For Life
Sister Midnight
American Valhalla
Sixteen
In The Lobby
Some Weird Sin
Funtime
Tonight
Sunday
German Days
Gardenia
Nightclubbing
The Passenger
China Girl

Encore:

Break Into Your Heart
Fall In Love With Me
Repo Man
Baby
Chocolate Drops
Paraguay
Success

„Mass Production“ was not played due to keyboard difficulties

„It’s endearing and almost childlike, just the way he looks at the world with those big eyes.“ – Nina Alu, 2003

Kategorien
Travelogue

Salzburg / Cesky Krumlov / Prag – 2011 [4]

Die Wenzelskeller befinden sich unter dem 4. Schloßhof, sie entstanden Anfang des 14. Jahrhunderts als eine Art Hinter- und Unterland der Burg. In diesem mehrstöckigen Labyrinth wurde angeblich auch König Wenzel IV. festgehalten. Was vermutlich nicht stimmt: ein gefangener König wurde in den Wohnräumen der Burg bewacht. Als Ausstellungsräume für Gegenwartskunst sind die Wenzelskeller überaus effektiv. Der Künstler Miroslav Páral findet hier unten die „Czech-Krumlov Surreality“ ohnehin lediglich verdichtet. Andere finden hier unten ein unterirdisches Abberline-Whitechapel.

Cesky Krumlov. Krumau. Wenzelskeller.
Wenceslas Cellars. Foto von Christian Erdmann. Cesky Krumlov, Wenzelskeller.

St Veit

Cesky Krumlov. Krumau. St. Veit.

Never a dull moment with Ting Tong – als wir in einem der in Tschechien häufig von Vietnamesen geführten Lebensmittelläden die Gebäcklage studieren, zupft einer der Verkäufer Birgit am Ärmel und deutet verschmitzt auf das Pumpernickel. Schwarzbrot für Schwarzgekleidete.

Cesky Krumlov. Krumau. Doku "Die Vampirprinzessin".
Cesky Krumlov. Krumau. Doku "Die Vampirprinzessin".

Wir haben vor, die Ausgrabungsstätte zu finden, jenen Ort, an dem 2007 die Skelette der drei im 18. Jahrhundert als Vampire Verdächtigten entdeckt wurden, die man offensichtlich daran hindern wollte, aus ihrem Grab zu steigen. Wir haben drei Anhaltspunkte: wir wissen, daß die Stelle an einer Moldaubiegung liegt, die sich damals außerhalb des Stadtgebiets befand; wir haben ein Bild von den Grabungsarbeiten, auf dem ein Geländer deutlich zu sehen ist,

Cesky Krumlov. Krumau. Doku "Die Vampirprinzessin".

und auf einer Website namens shroudeater.org (!) gab es die Andeutung, daß die Straße namens Plesivecka in die richtige Richtung führt.

Wir begeben uns also in Richtung Süden, den alten Stadtkern verlassend, und die Plesivecka stellt sich als Gasse heraus, in die sich am späten Nachmittag schon niemand mehr verirrt.

Cesky Krumlov. Krumau. Plesivecka.

In der Plesivecka befand sich 1910 ein kleines Häuschen, in dem zwei Studenten der Prager Universität eine Dame entdeckten, die heute zum kostbarsten Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien zählt: die Krumauer Madonna, entstanden um 1400, Inbegriff der spätgotischen Madonnenfiguren vom Typus der Schönen Madonna oder auch des Weichen Stils, der im Umfeld des Prager Hofes gedieh.

Und wir entdecken im Abendlicht das Geländer, das den Platz der 3 Toten von Krumau anzeigt,

Cesky Krumlov. Krumau.

jenen Ort, durch den ein archäologischer und forensischer Beleg für die Vampirhysterie des 18. Jahrhunderts gelang.

Wer genau hinschaut, entdeckt im Gras noch Spuren der Grabung.

Cesky Krumlov. Krumau.

Rückweg durch die Plesivecka,

Cesky Krumlov. Krumau. Plesivecka.

vorbei am Haus der Tausend Leichen, in dem wir, Rob Zombie möge uns verzeihen, Boleslav den Behämmerten vermuten,

Cesky Krumlov. Krumau. Plesivecka.

vorbei an offensichtlich bearbeiteten Steinen von Werweißwann, die einfach so am Straßenrand liegen.

Cesky Krumlov. Krumau. Plesivecka.

Bemalte Front des Hauses Na Louži Nr. 54, ein ursprünglich gotisches, mehrfach umgebautes Haus, die Renaissancemalerei-Verzierung stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Cesky Krumlov. Krumau. Haus Na Louzi 54 mit Renaissancemalerei.

Ting Tong hat die dünnsten Plastiktüten, die er aus den Flügeln des Cellophanschmetterlings schneidet.

For Sale.

Cesky Krumlov. Krumau.

Montag, 12.09.2011

Egon Schiele. Selbstporträt, Self Portrait.

Egon Schiele, 12.6.1890 – 31.10.1918.

Schiele weilte oft und gern in Cesky Krumlov, dem Geburtsort seiner Mutter. Die Stadt inspirierte ihn zu einer Vielzahl von Zeichnungen und Bildern. Aber Schieles Bohème-Leben und die erotischen Motive seiner Kunst erregten Ärgernis; er mußte Krumau verlassen und zog nach Neulengbach, wo ihn 1912 der Schock seines Lebens traf – er wurde wegen „Gefährdung öffentlicher Sittlichkeit“ eingesperrt und angeklagt.

Am Morgen des 28. Oktober 1918 stirbt Schieles Frau Edith an der Spanischen Grippe, drei Tage später liegt Schiele auf dem Totenbett. Schieles Schwester überlieferte seine letzten Worte: „Der Krieg ist aus – und ich muß gehn.“

Zitate aus: Franz E. Wischin, Schiele und Krumlov, 2010.

„Trotz der Protektion durch den Kunstsammler Heinrich Benesch und den Kunstkritiker Arthur Roessler, die Egon Schiele Zugang zu Wiener Kunst- und Sammlerkreisen verschafft hatten, hatte Schiele immer wieder finanzielle Probleme und konnte sich nicht einmal die notwendigen Zeichen- und Malutensilien kaufen. Dazu kam noch die Rivalität und der Neid einiger Malerkollegen, von welchen ihm nur Anton Peschka und Erwin Osen als Freunde blieben. Von Wien enttäuscht beschloss er, im Mai 1910 nach Krumau zu fahren und dort ein ganz neues Malerleben zu beginnen.“

An Peschka schreibt er:

„In Wien ist Schatten, die Stadt ist schwarz, alles heißt Rezept. Ich will allein sein. Nach dem Böhmerwald möcht‘ ich.“

Im Mai 1910 bezieht Schiele Quartier in der Fleischgasse 133 (Masná ulice), Osen kam mit nach Krumau, Peschka folgt ihnen wenig später nach.

„Das extravagante Auftreten der drei Künstler aus der Großstadt erregte natürlich bei der Bevölkerung der Kleinstadt bald einiges Aufsehen. Die Jugend begegnete ihnen mit Interesse und Bewunderung. Die älteren Bürger hingegen fanden es unschicklich, wenn Schiele in weißer modischer Kleidung mit schwarzer Melone und Spazierstock mit seinen Malerkollegen Peschka und Osen am Ringplatz beim Korso zwischen den jungen Menschen einherstolzierte und sich in lauten Worten über die kleinbürgerliche Gesellschaft der Stadt ausließ oder im Café Fink, dem einzigen Café der Stadt, ungeniert seine Füße auf Sessel und Tische legte.“

„Drei Cousinen seiner Mutter Marie lebten in Krumau. Eine dieser Tanten Egons hatte eine Ziehtochter namens Ada, die im Tuchgeschäft am Krumauer Ringplatz arbeitete, wo sie einiges sehen und von den Kunden vieles über Egon hören konnte. Sie berichtete jeden Fauxpas Egons an seinen Onkel und Mitvormund Leopold Czihaczek nach Wien. Dieser war ein höherer Beamter im technischen Dienst der k.u.k. Eisenbahnen, konservativ, korrekt bis kleinkrämerisch und vollkommen verständnislos gegenüber der Berufswahl Egons. Egons Eskapaden machten ihn wütend. Drei Tage nach seiner Ankunft hatte dieser aus Krumau telegrafiert: ‚In Nöten, bitte um 40 Kronen, Egon, Krumau, Fleischgasse 133.‘ (…) Der briefliche Streit eskalierte weiter: Onkel Leopold beschwerte sich bei Mutter und Sohn Schiele über das ‚perfide Telegramm‘, dieser beantwortete das Schreiben und wurde vom Onkel mit noch mehr Zorn bedacht:
‚… für Dein bodenloses, freches, orthographisch und stilistisch miserables Schreiben – ohne Anrede und Datum, erhalten am Pfingstsonntag, wirst Du zur Verantwortung gezogen werden!’“

Es kommt zum Bruch mit dem Onkel und Vormund; Leopold Czihaczek schrieb später an seine Schwägerin Marie Schiele:

„Habe als Mitvormund alles getan, um Egon auf dem rechten Pfad zu erhalten; aber leider alles umsonst. Bodenlos freche lügnerische Briefe habe ich für meine Ermahnungen geerntet. Er führt in der letzten Zeit ein Lotterleben! An der Akademie hat er, wie ich hörte, einen ‚Wirbel‘ gemacht. Unter seinen Kollegen detto. Und glaubt auch seinen Vormund traktieren zu können. Aber da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Er wird schon sehen, ob die Bäume in den Himmel wachsen.“

In Krumau sucht Schiele immer wieder die Sicht auf Motive von erhöhten Punkten aus:

„Er suchte die Galerie auf dem Schlossturm oder die Anhöhen rings um die Stadt auf, um von dort mit Malstift oder Pinsel ihre Eigenart und ihr Wesen zu ergründen. Vom Plateau hinter der Mantelbrücke (Pláštovy Most) beim Schlosstheater bot sich ihm die Sicht hinunter zum Moldaubogen entlang der Breiten Gasse (Široka ulice) mit der alten Stadtmühle, die 1910 das Motiv für die erste seiner Ansichten der Toten Stadt bildete (…)

1910 galt Schieles Vorliebe in der Innenstadt den alten Mauern und den ineinander verschachtelten alten Häusern, die er für seine Bilder Häuser an der Moldau, Blick auf Häuser und Dächer von Krumau, Alte Stadt, Tote Stadt, Krumau bei Nacht, Blick über Dächer auf Häuserfassaden des Krumauer Ringplatzes oder Dämmernde Stadt als Motive wählte.“

Schieles Mutter Marie und seine Schwester Gerti kommen zu Besuch; Gerti lernt Peschka kennen, den sie 1914 heiratet.

Schiele, Peschka, Osen:

„Am liebsten suchten sie aber den Hofgarten oberhalb des Schlosses auf, wo der riesige Park in französischem Stil des 18. Jahrhunderts mit seinem Rokoko-Lustschloss Bellaria, den Wasserfontänen und dem Schwanenteich – von Schiele in seinen Notizen Parksee genannt – zu Spaziergängen einlud.
Auf Spaziergängen kamen die drei auch den jungen Mädchen und Frauen der Stadt näher und Schiele versuchte mit mehr oder weniger Erfolg, sie zum Modellstehen zu überreden.“

„Es scheint, als habe sich Schiele damals in Krumau zeitweise recht wohl gefühlt und mit dem Gedanken gespielt, sich ganz in Krumau niederzulassen, was aber Peschka immer bezweifelte. Als Schiele und Peschka wieder einmal im Goldenen Engel saßen, nahm Schiele ein Stück Papier und schrieb:

„Ich bestätige, daß ich auf Jahre hinaus, vielleicht immer in Krumau wohnen will – dort, wo ich mich Selbstsehen will. Egon Schiele.“

Anton Peschka drehte das Blatt um und schrieb auf die Rückseite:

„Diese Bestätigung schrieb Schiele in Krumau nach einem Gespräch, in welchem ich bezweifelte, daß er dort bleiben will. 1910.“

„Wie wohl ist aber der Herbst in diesem Windwinterland!“ – Schiele im Oktober 1910 an Roessler.

Im Frühjahr 1911 wurde die 17jährige Wally Neuzil, ein ehemaliges Klimt-Modell, Schieles Lebensgefährtin. Der Gymnasiast Lidl, den Schiele bei seinem ersten Aufenthalt in Krumau kennengelernt hatte, schrieb an Schiele, daß er versucht habe, eine passende Wohnung mit Atelier in Krumau für Schiele aufzutreiben. Lidl fand schließlich eine Stadtwohnung im Parkán 111 und ein Gartenhäuschen an einem Steilhang mit Terrassen. Besitzer des Häuschens war Max Tschunko, ein Textilwarenhändler und Kunstliebhaber. Lidl traf unermüdlich Vorbereitungen, um die Wohnung im Parkán und das Gartenhaus bezugsfertig zu machen. Der 19jährige war ein glühender Bewunderer Schieles, verfaßte auch einen Essay über Schiele.

Schiele kommt im Mai 1911 nach Krumau. Durch Tschunkos Entgegenkommen darf er das Gartenhaus unentgeltlich nutzen, was seine finanziellen Schwierigkeiten aber kaum lindert. Trotzdem ist er optimistisch und – glücklich. In einem Brief an Peschka heißt es:

An Peschka.
Die alten Häuser sind so durchwärmt von der Sienaluft, überall gibt es sonnenverbrannte Rouleaus, weiß, rot und dazu spielt zuzelig eine alte Drehorgel, – der große schwere Jahresrock des blinden Musikanten ist altgrünbraun, geschossen und abgeschunden. – Ich rufe Dich, um Dir all das Vergönnte zu zeigen; da lachen große und kleine Kinderaugen herein und sprechen laut von mir. Oben im Garten gibt es alle Grüns und menschenähnliche Blumen. Draußen in einer Farbenwiese sind farbige Gestalten zerschmolzen, braune buschige Bauern am braunen Weg und gelbe Mädchen in der Maiblumenwiese. Hörst Du? Im Blätterbaum sitzt ein inniger Vogel, er ist dumpffarbig, er rührt sich kaum und singt nicht, – tausend grüne Blätter spiegeln sich in seinen Augen – er weint.

„Allein Schieles Zusammenleben mit Wally sorgte schon für Entrüstung, ebenso dass sie ihm im Gartenhaus Modell stand. Dass er dafür auch Krumauer Mädchen gewinnen wollte und konnte, löste in der Kleinstadt natürlich zusätzlich Aufregung aus.“

Daß sich in dem Gartenhaus am Moldauufer der junge Maler aus Wien, den man schon aus dem Vorjahr kannte, mit seiner rothaarigen Freundin niedergelassen hat, spricht sich in der Kleinstadt schnell herum und lockt junge Besucher an. So schreibt Schiele bereits am 25. Mai an Arthur Roessler:

Ich heiße bei den Kindern der Herrgottsmaler, weil ich in diesem Malhemd im Garten gehe; ich zeichne an verschiedenen Kindern und alten Frauen, Ledergesichtern, Trotteln usw. es ist hier wirklich viel besser, am besten daß ich nichts über mich hören brauche.

Schieles Krumauer Sommer ist produktiv, die Freude des Krumauer Sommers
„ … war aber nicht ungetrübt, das Moos, wie Schiele das Geld nannte, fehlte ständig, trotz aller Hilferufe an seine Freunde und Gönner in Wien. In Krumau selbst gab es kaum Interessenten und Käufer für seine Bilder und Zeichnungen, weil seine Darstellungsweise natürlich nicht der Kunstauffassung der Krumauer Bürger entsprach. Noch weniger konnte er hier seine Aktstudien und Aktbilder verkaufen. Trotz dieser Situation zeigte sich Schiele immer nobel, besuchte Gasthäuser oder das Café Fink, wo er mit Zechschulden in der Kreide stand. Im Café soll er mit den Worten: ‚Herr Ober, bringen Sie den Damen Stühle!‘ junge Mädchen zum Bleiben animiert haben, nicht immer mit Erfolg. Natürlich waren Schiele und seine Freundin Wally, mit der er ja offensichtlich unverheiratet zusammenlebte, mit ihrem großstädtischen Auftreten eine Attraktion und Anlass für jede Art von Tratsch und Gemunkel. Trotz der Äußerungen über Schiele und seine Lebensweise, die es in der Stadt sicher hinter vorgehaltener Hand gab, hatte sich Schiele bis Ende Juli in Briefen nie über eine feindliche Stimmung geäußert.
Umso dramatischer erscheint sein Schreiben an Arthur Roessler am 31. Juli:

Sie wissen, wie gern ich in Krumau bin und jetzt wird es mir unmöglich gemacht: die Leute boykottieren uns einfach, weil wir rot sind. Freilich könnte ich mich dagegenstellen, aber die Zeit habe ich nicht dazu und wozu (sich) auf die Art ausgeben. Das Übrige kann ich Ihnen erst erzählen. Ich muss bis 6. August ausgezogen sein und will aber schon am 4. Fortfahren und zwar nach Neulengbach (…)

„Otto Kallir meint, dass Schiele der Aufenthalt in Krumau unerträglich geworden sei, weil seine freie Lebensweise und die Wahl seiner Modelle für Aktstudien bei der kleinbürgerlichen Bevölkerung Anstoß erregte. Ähnlich macht auch Rudolf Leopold den Umgang Schieles mit jungen Mädchen, die er für Aktstudien Modell stehen ließ, und seine Lebensgemeinschaft mit Wally dafür verantwortlich, dass ihm offene Feindseligkeit entgegenschlug und er aus Krumau fortgehen musste.“

„Die Aussagen über Schieles Lebensweise scheinen alle mehr oder weniger der Wahrheit zu entsprechen. Es wäre aber ein Irrtum anzunehmen, dass die Bürger Krumaus auf die Barrikaden gestiegen wären und die Ausweisung Egon Schieles und seiner Lebensgefährtin verlangt hätten. Dass sich ihm einige enthusiastische Gymnasiasten als begeisterte Anhänger der Moderne angeschlossen hatten, schlug sich auch darin nieder, dass zwei der 25 Maturanten des Krumauer Gymnasiums im Jahr 1911 freischaffende Künstler werden wollten.“

„Roessler irrt sich aber auch, wenn er meint, Schieles politischer Radikalismus sei der Grund gewesen, warum man ihn aus der Stadt vertrieben habe. Von Schiele sind keine parteipolitischen oder radikal politischen Äußerungen bekannt. Der Vorwurf, ein ‚Roter‘ zu sein, beinhaltete in der Monarchie ja noch nicht die Gleichsetzung mit einem parteipolitischen Bekenntnis, sondern galt im Volksmund als Synonym für antiautoritär, fortschrittlich, freizügig und unkonventionell. Eigenschaften, die auch auf andere Stadtbewohner zutrafen, ohne dass man sie dafür behördlich verfolgen konnte. Eine Ausweisung, einen Stadtverweis oder eine ähnliche behördliche Zwangsmaßnahme hat es in Krumau gegen Schiele nicht gegeben, weil eine solche Maßnahme in der Monarchie weder strafrechtlich noch verwaltungsrechtlich vorgesehen war.“

„Tatsache ist, dass sich im Terrassengarten neben dem von Schiele bewohnten Gartenhaus ein Vorfall ereignete, der den Hausbesitzer Max Tschunko veranlasste, von Schiele und seiner Freundin binnen acht Tagen die Räumung zu verlangen.
An einem schönen Tag Ende Juli hatte sich Schiele in seinem Terrassengarten niedergelassen, wobei ihm ein junges Mädchen aus Krumau, Liesl Woitsch, vor einem blühenden Rosenstrauch Modell stand. Den Terrassengarten oberhalb des Gartenhauses, der auch Max Tschunko gehörte, hatte die Familie des Postpferdehalters Pollak gepachtet. Paula Pollak, die Tochter der Familie Pollak, besuchte an diesem Tag den Garten und hatte, indem sie auf den unteren Terrassengarten hinunterblickte, den besten Ausblick auf die Szenerie. Empörend für Paula Pollak war nicht nur den Anblick eines nackten Mädchens in einem von drei Seiten einsehbaren Gelände, sondern auch die Tatsache, dass sie in dem jungen Mädchen die Tochter ihrer Nachbarn erkannte. Nun waren alle Voraussetzungen für einen Skandal erfüllt und Hausbesitzer Tschunko musste sich Vorwürfe aus der gesamten Nachbarschaft anhören. Diesem Druck war selbst dieser kunstverständige Mann nicht gewachsen, zumal ihm aus der Umgebung dringend nahegelegt wurde, Schiele und seine Freundin baldigst von seinem Grundstück zu entfernen. Nach diesem stadtbekannten Skandal konnte Schiele in der Folge auch kein Ersatzquartier in der Stadt mehr finden, daher wird die Klage verständlich, dass er und Wally boykottiert werden.

Der Hinauswurf durch Max Tschunko war für Schiele gleichbedeutend mit der Vertreibung aus Krumau überhaupt. Dass Schiele über den Vorfall in seinem Garten, den eigentlichen Grund seiner Vertreibung, in Briefen keine Worte verliert, hat wohl damit zu tun, dass für ihn die Arbeit mit nackten Modellen seit seiner Akademiezeit zu seinem selbstverständlichen Alltag als Künstler gehörte. Ähnlich zurückhaltend hat er sich auch später in der Neulengbacher Affäre nach seiner strafrechtlichen Verurteilung verhalten. (…) Dem Gericht in St. Pölten genügte für eine Verurteilung (…) allein schon die Tatsache, dass Schiele in seinem Wohnzimmer in Neulengbach ein aus Krumau mitgebrachtes Aquarell eines Mädchenaktes an der Wand hängen hatte. Die Strafbarkeit hatte das Gericht damals darin erblickt, dass Kinder, welche öfters aus Neugierde in seine Wohnung und sein Atelier gekommen waren, die Möglichkeit hatten, das Aktbild zu sehen.“

Egon Schiele verließ noch vor der von Max Tschunko eingeräumten Frist die Stadt Krumau. Einen Tag nach seiner Ankunft in Wien, wo er vorerst bei seiner Mutter Quartier bezog, schrieb er an Arthur Roessler:

Ich will nicht an Krummau denken, so lieb hatte ich die Stadt, aber die Leute wissen nicht, was sie tun.

Nach seinem Weggang ist Schiele noch mehrfach wieder zurückgekehrt, so im Mai und Juni 1913 und im November 1914:

„Da logierte er im Gasthaus zum Goldenen Engel am Ringplatz, dessen Pächter Hessina Schiele von früher gut kannte.“

1917, ein Jahr vor seinem Tod, war Schiele das letzte Mal in Krumau.

„Er hatte sich inzwischen von seiner Freundin Wally getrennt und unmittelbar vor seiner Einberufung zum Militär im Juni 1915 Edith Harms, die er schon längere Zeit verehrt hatte, geheiratet. (…) So nützte er auch im September 1917 einen Urlaub für einen Abstecher mit seiner Gattin nach Krumau. Ausgestattet mit Pinsel und Zeichenstift stieg er wieder die zahllosen Stufen des Krumauer Schlossturms hinauf, wo er 1910 und 1911 viele seiner Krumauer Stadtbilder ‚von oben herab‘ gezeichnet und gemalt hatte. Diesmal, als letzte Erinnerung, das Kleinformat Krumau 1917, ein Blick hinunter zum St. Jodokusgebäude und die Zeichnung Alte Giebelhäuser in Krumau, welches die Renaissancefassade des Bürgerhaus Latran 19 zeigt.“

Arthur Roessler 1911:

„Schieles Malereien enthalten nicht viel von der beliebten ‚fein säuberlichen‘ Ausführung, von der gepriesenen Naturwahrheit, keine moralische Tendenz, nichts gegenständlich Anmutendes. Weder das Bürgertum noch die Aristokratie finden ihr Herz durch Schieles Bildwerke bewegt, ihren Geist natürlich erst recht nicht, kaum die Sinne. Er steht außerhalb der Gesellschaft, ein ‚Einsamer‘.“

„Arthur Roessler hat dem Maler einmal in einem Gespräch vorgehalten, dass über all seinen wohl starkfarbigen, zum Teil aber dennoch dumpfdüsteren Städtebildern – die mehr oder minder unheimlich anmutenden, vom blutwarmen Leben entleerten Behältern gleichen – eine eigentümliche Schwermutsstimmung liege.“

Schieles Antwort, nach Roessler:

„Mit zuweilen oft übermütig heiterem Sinn ging ich auf die Suche nach Trauer und Verlassenheit, sterbenden Städten und rotsiechenden Landschaften.“

Schiele erklärt weiter, daß er den Herbst schöner finde als jede andere Jahreszeit:

„Wohl liebe ich auch den Frühling, dessen herber Zauber uns, von der Ahnung eines fremdartigen Glücks beseligt, durchbeben läßt, der nicht von dieser Welt zu sein scheint; noch mehr aber liebe ich den Herbst – und nicht nur als Jahreszeit, auch als Zustand der Menschen und Dinge, also auch der Städte (…) Die vegetative Melodie, von der im Herbst die Natur umsponnen erscheint, haucht auch aus alten Mauern und füllt das Herz mit Wehmut und mahnt uns daran, daß wir nur Pilger sind auf dieser Erde.“

Schiele über seine Methode, in Krumau von oben herab in die Tiefe zu schauen:

„Das hat sich in Krumau so aufgedrängt. Dort lernt man die Welt von oben herab zu betrachten (…).“

Otto Benesch, 1915: „Diese Städte sind so rein, so unberührt von den häßlichen Zufallswucherungen da, wie sie nur in der Vorstellung eines Ungewöhnlichen existieren (…) Weit muß man zurückgreifen, um jenes Dunkle, Unwirkliche und doch sehr Reale, Eindringliche der stummen, schlafenden Städte wiederzufinden (…)“

Vom Budweiser Tor in Krumau gibt es eine Farbkreidezeichnung Schieles von 1906, entstanden rund einen Monat vor Schieles Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie; die früheste bekannte Landschaftsdarstellung Schieles.

1908 entstand ein Ölbild vom Budweiser Tor. Das Budweiser Tor ist das einzige noch erhaltene Stadttor von Krumlov.

Cesky Krumlov. Krumau. Budweiser Tor.

Der Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern erwarb einen Teil des Areals, auf dem 1350 ein vereintes Kloster von Minoriten und Klarissinnen mit einer gemeinsamen Kirche gegründet wurde. Auf einer Bleistiftzeichnung von 1913 dient Schiele die Klosteranlage als Motiv, und zwar so, wie sich ihm der Anblick vom Schloßturm herab bot. Tür der Klosterkirche:

Cesky Krumlov. Krumau. Tür der Klosterkirche.
Cesky Krumlov. Krumau. Tür der Klosterkirche.

Im Haus der Fürstlich Schwarzenbergschen Schloss-Apotheke links der Eingang zu einem „Shop with Minerals“, Madame erwirbt Böhmischen Granat.

Cesky Krumlov. Krumau. Fürstlich-Schwarzenbergsche Schloss-Apotheke.

Im Haus Latrán 37 lebte zwischen 1573 und 1588 der Schloßhauptmann mit dem phantastischen Namen Slatinsky von Slatinka, aber wer unter der Budweiser-Werbung hindurchgeht, folgt auch Egon Schieles Spuren; Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich dort das Café Fink, in dem Schiele sein „Herr Ober, bringen Sie den Damen Stühle!“ vernehmen ließ.

Hausfront Latrán 39: der „Rosenberger Reiter“. Die Rosenberger verwendeten dieses Motiv sehr oft, z.B. bei Siegeln, Buchzeichen, als repräsentatives Zeichen an Fassaden, schließlich auch als das Hauptmotiv ihrer Grabstein-Epitaphe.

Cesky Krumlov. Krumau. Latrán 39: der "Rosenberger Reiter".

Der von Quentin Tarantino produzierte Splatterfilm „Hostel“ von 2005, in dem auch Takashi Miike einen Cameo-Auftritt hat, wurde zum Teil in Cesky Krumlov gedreht; das im Film gezeigte Foltermuseum existiert hier tatsächlich, das Museum Tortury.

Cesky Krumlov. Krumau. Foltermuseum. Museum Tortury.

In den Ecken sitzen sinistre Mönche, ein Barbara Steele-lookalike-Mannequin wird als Hexe verbrannt, Audioeffekte inbegriffen, Folterinstrumente und Totenschädel galore.

Cesky Krumlov. Krumau. Foltermuseum. Museum Tortury.
Cesky Krumlov. Krumau. Foltermuseum. Museum Tortury.

Wir besuchen das Egon Schiele Art Centrum, Široká 71, in den Renaissance-Räumen einer ehemaligen Brauerei, phantastische Gewölbe, Balkendecken. Dokumentation zu Leben und Werk Schieles. Die Traueranzeige für Edith. Schieles Totenmaske – lange Wimpern. Seine schöne Handschrift in den Briefen. Möbel aus Schieles Nachlaß, zum Teil von ihm selbst entworfen. Das lackschwarze Bett. Die berühmten Schiele-Photos von Anton Trcka, die magischen Posen. Überhaupt all die wunderbaren Photographien, Schiele als Kind, als Jüngling, seine schönen Schwestern, Elvira, Melanie, Gertrude. Elvira, die älteste, starb im Alter von 10 Jahren; Gerti, von Schiele mehrfach porträtiert, gehörte zu den ersten Wiener Mannequins.

Es gibt einen Film zu sehen von 1994, Presenter ist Serge Sabarsky, der Expressionismus-Sammler, der auch bedeutend zum Aufbau des Schiele Art Centrum in Cesky Krumlov beitrug. Sabarsky erzählt in diesem Film, wie Schiele als psychopath, sex maniac or at least a pornograph rezipiert wurde. Spricht von the clarity of his message, the sincerity of his language.

Schieles Vater war station master des Bahnhofs von Tulln, Egon liebte alles, was mit railway zu tun hatte.

„You have to study the Academy in order to forget it.“

Die Bilder, die Schiele während seiner Inhaftierung in der Gefängniszelle von Neulengbach schuf, erschütternde Dokumente einer gemarterten Seele.

NICHT GESTRAFT SONDERN GEPEINIGT FÜHL ICH MICH

DIE EINE ORANGE WAR DAS EINZIGE LICHT

KUNST KANN NICHT MODERN SEIN KUNST IST UREWIG

DIE TÜR IN DAS OFFENE!

DEN KÜNSTLER HEMMEN IST EIN VERBRECHEN,
ES HEISST KEIMENDES LEBEN MORDEN!

ICH WERDE FÜR DIE KUNST UND FÜR MEINE GELIEBTEN GERNE AUSHARREN!

… aber was -> hier an Verzweiflung, Angst, Schmerz, Müdigkeit und Halbwahnsinn in Schieles Gesicht eingegraben ist…

Ein anderes Selbstbildnis, das Schiele im Gefängnis von Neulengbach zeichnete, beschriftet mit:

ICH LIEBE GEGENSÄTZE.

Zwei Proletarierkinder und Zwei Gassenbuben von 1910:
„An Modellen für seine Zeichnungen und Bilder von Kindern und Jugendlichen scheint es keinen Mangel gegeben zu haben, wie die Vielzahl solcher Darstellungen aus diesen beiden Jahren beweist: Gassenjunge, Proletariermädchen, Arbeiterjunge, Bauernjunge sind Beispiele aus einer großen Zahl posierender Kinder.“

Schieles Bilder von Krumau, Traumvorstellungen einer von jeder Kommunikation abgeschlossenen Stadt, Schiele selbst nennt sie zuweilen Inselstadt.

John Willie, Leather Boots.

Einen Absatz höher: die Ausstellung „Heights of Fashion – A History of the Elevated Shoe“.

Wir lernen: „Throughout its history in Western fashion, the high heel has been used to enhance stature, status, and sex appeal.“

Indicator of wealth, status, privilege, Indikator auch für pursuit of private pleasures. Ende des 19. Jahrhunderts ist der hohe Absatz schließlich clear signifier of the female gender, und derart sexuell aufgeladen, daß junge Mädchen keine Absätze mehr tragen dürfen.

Madame tätigt ihren Großeinkauf bei Botanicus, dann Gulasch & Semmelknödel, the real gourmet shit of Bohemia, direkt gegenüber im Goldenen Engel, Zlaty Andel, also ebendort, wo Schiele für Peschka auf ein Blatt Papier schrieb: „Ich bestätige, daß ich auf Jahre hinaus, vielleicht immer in Krumau wohnen will – dort, wo ich mich Selbstsehen will.“ Allerdings, the weather is so fine, sitzen wir draußen, beobachtet von einer schlauen Maus, die sich im Mauerwerk bei den Tischen eingenistet hat. Sagte ich schon, daß auch Rilke von Krumau fasziniert war?

St. Veit. Die Nepomuk-Kapelle. Unter diesem roten Teppich befindet sich das Grab der „Vampirprinzessin“, Eleonore von Schwarzenberg.

Cesky Krumlov. Krumau. St. Veit. Nepomuk-Kapelle. Eleonore von Schwarzenberg, die "Vampirprinzessin".

In einem Antique Shop halte ich die ganze Zeit dieses kleine Blechdöschen mit alten Schreibfedern in der Hand, schließlich erläßt mir der Inhaber ein Siebtel, als ich erzähle, daß ich einen Roman mit diesen Dingern geschrieben habe.

Cesky Krumlov. Krumau. Antique Shop.

Madame erwirbt schwarze Knöpfe, in einem anderen Antikladen alte Keksformen, Zeit für einen Trdlnik, der Dorfdepp pfeift.

Renaissanceportal des Hauses Siroka Nr. 77. Von 1588 bis 1592 lebte hier der Magister Michael Anton von Ebersbach, der als Alchemist am Hofe des Krumauer Herrschers Wilhelm von Rosenberg tätig war. 1592 wurde Ebersbach wegen finanzieller Betrügereien in das Schloßgefängnis geworfen, 1593 starb er im Kerker.

Cesky Krumlov. Krumau. Renaissanceportal des Hauses Siroka Nr. 77.

Auf der ganzen Reise sind Reiseleiter not amused, wenn wir Freddie irgendwo postieren oder Birgit ihn am Faden hält, weil sich das Interesse der Reisegruppe jedes Mal um 90° wendet. Im 3. Schloßhof nun, als Madame Freddie gerade am ausgestreckten Arm hält und ich auf den Knien den richtigen Winkel suche, um den Arm nicht im frame zu haben, bemerke ich hinter mir einen ganzen Pulk Japaner, die alle fasziniert und angeregt ihre Kameras auf die sehr blonde, sehr blasse, sehr schlanke Frau richten, die gerade im Schloßhof steht und eine Stoff-Fledermaus am Band in die Höhe hält. Sie lächeln sehr japanisch und nicken eifrig, photographieren und filmen die Szene. Wir grinsen also alle, und ich verständige mich ein bißchen mit ihnen, einer Dame zeige ich schließlich das Bild von Freddie, das ich gerade gemacht habe. Sie schaut sich das an, deutet dann aber auf Birgit und sagt:

„She pretty, SHE pretty!“
Tja, damn.

Vom Gardeplatz im Krumauer Schloß gelangt man über zwei Innenhöfe und über die Mantelbrücke auf das Plateau vor dem Schloßtheater. Von dort aus geht es weiter zu einem schmiedeeisernen Tor und über einen steilen Weg zum Schloßgarten. Kurz hinter diesem Tor liegt der Standort, von dem aus Schiele einen bevorzugten Blick auf die Häuser und Dächer von Krumau fand. Im Schloßgarten, den Schiele so liebte, steht das 1755 – 1757 im Rokokostil erbaute Lustschloß Bellaria, von leicht bröckelndem Charme.

Cesky Krumlov. Krumau. Schloßgarten. Bellaria.

Bellaria von der anderen Seite

Cesky Krumlov. Krumau. Schloßgarten. Bellaria.

Im Schloßgarten

Cesky Krumlov. Krumau. Schloßgarten.

Kaskadenfontäne mit Amphitrite

Cesky Krumlov. Krumau. Schloßgarten. Kaskadenfontäne.

1910 schrieb Anton Peschka auf einer Karte an Gerti, die schöne Schwester Egon Schieles:

„Liebes Fräulein! Krumau bekommt jetzt ein Aeroplan! Sie werden bald in den Zeitungen lesen davon. Das Komitee besteht aus den Herren Tschunko, der alles konstruierte, Maler Tupy und meine Wenigkeit, welche alles zusammenschraubten, Egon, der die Flugversuche macht und Herren Hessina und Fink, welche sonstwie mithelfen. Samstag wird der erste Flugversuch stattfinden. Wir hoffen das Beste. Egon wird mit Luftpolstern an den Apparat angebunden. Es wird ihm gar nichts geschehen. Viele Grüße an Mama! Ihr Freund Ant. P.“

Das Flugprojekt scheiterte kläglich, der Apparat brach schon beim Transport auseinander.

Meist war es Schieles Freund Erwin Osen, der vor den allegorischen Statuen des Schloßparks pantomimisch posierte.

Cesky Krumlov. Krumau. Schloßgarten.

The Last of Krumlov

Cesky Krumlov. Krumau.