London Tower schwere Glocken
Das Urteil ist gefällt
Sie führen die junge Frau über den Hof
Anne Boleyn hineingetanzt in den Palast vor Jahren
Schwarzäugig & leichtsinnig
Nun wehrlos & verlassen
Verwöhntes Kind sie haben dich
Du bist das Opfer von Intrigen
Des Königs Zorn ist dein Tod
Das Volk ist feindselig
& voll kalter Neugier
Sie sind hier
um die Königin sterben zu sehen
& es wird kein Mitleid geben
& keine Tränen
Wird es wehtun, fragt sie den Constable
Man sagt, der Henker aus Calais versteht sein Fach,
erwidert der Constable gesenkten Hauptes
& auch er läßt sie mit ihrem Leid allein
Er gibt ihr Handgelenk frei vor dem hölzernen Schafott
& ihr Blick fällt auf den Sarg auf ihren Sarg
Die Ornamente
Die Inschrift
Hinauf jetzt! bedeutet die Hand die ihren Arm preßt
Matt & langsam & Stufen zum Tod
Sie sieht den Kronrat den Lordsiegelbewahrer
Cromwell du Kröte
Auf den Knien das letzte Gebet
Der Henker hebt sein Beil
& jetzt endlich begreift sie
& wirft jäh ihren Kopf herum, Frage und Furcht in den Augen –
„Mon Dieu, sie sieht mich an! Lenk sie ab!“
& der Henkersknecht streckt seine Hand nach ihr aus
& ihr fataler Reflex
& Kanonendonner Sekundenbruchteile später
& Heinrich der Achte, zu Jane Seymour reitend

One reply on “Ein Tag im Mai”
Zum einen erinnerts an Rick Wakemans schönstes Album. Zum anderen an Schillers „Maria Stuart“. Und zum dritten an Rammsteins ,“Deutschland“-Video mit der schwarzen Germania, die am Ende die schillersche Stuart-Halskrause trägt. – (Ich musste 55 werden, um zu begreifen, was für ein mutiges, bissig-dissidentisches Werk Schillers „Maria Stuart“ war/ist. Seitdem mag ich es.)
Und zum vierten ist dieses Bäumchen-wechsle-dich Spiel von Heinrich VIII. die brutal anschauliche Bilderbuchvariante von Koalitionswechseln. – Heute „hui“ und morgen „pfui“. –
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