Fünf Jahre noch, bis die KI uns auslöscht?
Aufgenommen am 15. November 1971, Trident Studios London.
„News had just come over“: fünf Jahre verbleiben der Menschheit noch. Die Panik und das Chaos, das die Nachricht auslöst, die absurden Szenen, die sich abspielen, der Strom der Erinnerungen, der plötzlich einsetzt, die veränderte Wahrnehmung, die Erkenntnis, daß es keine Zukunft mehr gibt, keine Regeln; Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, aber Kollaps aller bestehenden Ordnung und Entregelung bedeuten auch Befreiung, die Zeit läuft ab und alles ist erlaubt – das brennende Verlangen, das noch verbleibende Leben in vollen Zügen und ohne Einschränkungen leben zu wollen. Die Welt bereits ein soziales, emotionales, reales Trümmerfeld, jemand bahnt sich seinen Weg durch die Straßen und versucht, alles festzuhalten, bis er ein vertrautes Gesicht in einer Eisdiele entdeckt, „smiling and waving and looking so fine“. Dieses Bild! Schönheit wird die Welt nicht retten, aber sie wird ein solcher Trost sein beim Untergang.
Phantastisch das Streicher-Arrangement von Mick Ronson, das so eine dichte, dramatische Atmosphäre erzeugt – bis, so Peter Dodgett, „by the finale, the orchestral players were fighting for air against amplified guitar static, scraping despairingly at their own instruments while the last of the human race screamed around them.“
„And it was cold and it rained so I felt like an actor“ und „I kiss you, you’re beautiful, I want you to walk“ in der (sehr sehr langen) Shortlist der schönsten Bowie-Zeilen.
Co-Produzent Ken Scott erklärt 2012, „95 percent of the vocals on the four albums I did with him as producer, they were first takes.“
Und 2015: „So many first takes on this track. Ronno’s two ending guitars, one take each. David’s vocal, first take beginning to end. Well if I’m to be totally honest we did have to punch [drop-in] for four words, ‚We’ve got five years‘. We had to do that because by the end of the take David was bawling his eyes out. He put so much into that vocal performance he was sobbing and just once those four words were completely incomprehensible and so we re-did them.“
Schlagzeuger Mick „Woody“ Woodmansey bestätigt 2018: „I remember when we recorded it, he was actually in tears. He was doing the vocal and he was actually crying.“
Jemand, für viele von uns, auf YT: „When I listened to this song for the first time I started crying, I just couldn’t handle the desperation in Bowie’s voice, the melody, the way he describes people… This is an absolute masterpiece.“
Pushing through the market square
So many mothers sighing
News had just come over
We had five years left to cry in
News guy wept and told us
Earth was really dying
Cried so much his face was wet
Then I knew he was not lying
I heard telephones, opera house, favorite melodies
I saw boys, toys, electric irons and TV’s
My brain hurt like a warehouse, it had no room to spare
I had to cram so many things to store everything in there
And all the fat-skinny people
And all the tall-short people
And all the nobody people
And all the somebody people
I never thought I’d need so many people
A girl my age went off her head
Hit some tiny children
If the Black hadn’t a-pulled her off
I think she would have killed them
A soldier with a broken arm
Fixed his stare to the wheels of a Cadillac
A cop knelt and kissed the feet of a priest
And a queer threw up at the sight of that
I think I saw you in an ice-cream parlor
Drinking milk shakes cold and long
Smiling and waving and looking so fine
Don’t think you knew you were in this song
And it was cold and it rained so I felt like an actor
And I thought of Ma and I wanted to get back there
Your face, your race, the way that you talk
I kiss you, you’re beautiful, I want you to walk
We’ve got five years, stuck on my eyes
Five years, what a surprise
We’ve got five years, my brain hurts a lot
Five years, that’s all we’ve got

(David Bowie by Reinhard Kleist)
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4 replies on “Today’s Best Song Ever: David Bowie – Five Years”
Der Song ist grossartig, aber für mich hat Bowies Musik etwas Anstrengendes.
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Gänsehaut ‘‘ Gänsehaut ‘‘ Gänsehaut ‘‘ ~ mich sehr packend, ergreifend, wie soooo viele Songs von ihm; das Album selbst eines meiner liebsten seiner Schaffenszeit. Bowie ist und bleibt mein ewiger Hero in der Musikszene. Nicht jetzt, dass ich ihn als Mann vergöttert hätte *lächel*, nein, dafür war er mir zu androgyn, aber er (bzw. seine Songs) verkörperte für mich etwas unbeschreiblich Fremdartiges und mir doch sehr Nahes, er hatte die Gabe, mich in andere Gefilde zu geleiten.
Ja, und auch wenn mir „Five Years“ sehr nahe geht, es mich enorm touched, ist da dennoch DAS in mir:
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Atemberaubend, Dein Traum vom Weltuntergang! Das Bild dieser gewaltigen Sonne, die im Westen erscheint um 1 Uhr nachts, riesengroß und orangerot; daß Du es als wunderschön empfunden hast, und daß da nur seltsam stilles Staunen war, das ist sehr ergreifend. Ich habe einmal von einem Planeten geträumt, der unserer Erde immer näherkam, gigantisch wie in Lars von Triers „Melancholia“, dann aber gigantisch an der Erde vorbeischwebte. :) Im Roman gibt es einen Satz, der noch Echo ist von diesem Traumbild – „Man zöge still wie ein Planet an seiner Bestimmung vorbei.“
„In meiner 5. und 6. Klasse gab es einen Jungen, der eigentlich ein Mädchen war und sicher auch wurde. Er war gut befreundet mit Iris, also mußte es geschehen: Star dream girl hörte ‚Ziggy Stardust‘, so begegnete ich Bowie zum ersten Mal. Bald darauf ‚The Jean Genie‘, mit 14 erwarb ich meine erste Bowie-LP, ‚Aladdin Sane‘.“ (-> David Bowie has left the Planet)
Bowie ist so sehr eingewoben in die Textur meines Lebens seitdem, seine Musik ist von unschätzbarem Wert für mich und die Faszination erschöpft sich nicht, im Gegenteil. Immer neu entdecke ich, was er tut und wie er es tut, immer anders ist der thrill über diese einzigartig großartige Kunst. Und wie Du empfinde ich immer tiefer, er ist der eine Künstler, der für mich noch über allen anderen steht.
Erinnerst Du Dich an diese Theorie, daß die Welt vor die Hunde geht, seit David Bowie gestorben ist? Gary Oldman hat sie vor kurzem wiederholt: „Don’t you feel that since he died, the world’s gone to shit? It was like he was cosmic glue or something. When he died, everything fell apart.“
Demnach wäre Bowie nicht ein Universalgeist gewesen, sondern der Universalgeist – der Weltgeist. Vielleicht wird eines Tages eine Intelligenz, die uns überlegen ist, herausfinden, daß die Welt überhaupt nur existierte, um David Bowie zu inspirieren. :)
Seriously – „Er hat all diese verschiedenen Persönlichkeiten angenommen, um das Verständnis davon zu erweitern, was es bedeutet, ein Mensch zu sein“, heißt es in der Doku über Bowie von Jonathan Stiasny. Ich denke, er war furchtlos im Ergründen der Conditio humana, er gab Herz und Seele dafür. Er hatte nie Angst vor dem Unbekannten. Play it safe? Er tat stets das Gegenteil.
Im August habe ich einen Tag in Berlin verbracht, um Marlene Dietrich zu besuchen, um das Grab von Nico zu finden tief im Grunewald, und um einmal vor dem Haus zu stehen, in dem David Bowie und Iggy Pop damals lebten, Hauptstraße 155. Ich konnte ins Treppenhaus spähen und sah den alten Mosaikfußboden, über den sie gingen. :)
Wenig später waren wir in Mechelen, Brüssel, Antwerpen und Paris, und die RUE DAVID BOWIE zu finden, war buchstäblich das letzte, was ich auf dieser Reise tat. Es ist kaum eine „rue“, die Umgebung herzlich wenig einladend, but I don’t care – ein weiterer Grund, Paris zu lieben. :)
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