„‚Donnerkacke!‘ brüllte Stan im Rücksitz.“ (Kerouac, On The Road). Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Doofköppe wie ich denken ja dann immer, das sind Botschaften der Situationistischen Internationale. Peter Alexander hat mal eine Version von „Muleskinner Blues“ gemacht, wußten Sie das? Nein, wußten Sie nicht, und darum ist es notwendig, im nächsten der neun Leben als Diabolik des Schlagerdada wiedergeboren zu werden. Bis dahin: von Marisa Mell nach Mathar.
Genauigkeit ist funky: Grüngespenstich grenzt ein Erich. Man sieht genau, wann bei Bert die Drogen zu wirken beginnen.
Ricky Shayne versteht nicht die Bohne von dem, was er da singt, und während des Instrumentalteils denkt er wahrscheinlich „Nipssachen fängt allmählich einzuschlagen an, Tiereknocken und Fischebeine“. Aber das geht ja jedem mal so.
Meine Eltern hatten Rickys Single. Das Label war schwarz, und immer wenn ich diese Mandoline über diesem klasse Beat höre, sehe ich, wie sich das Ding dreht und diffus behauptet: das, was da auf zwei langen Beinen vorbeistolziert, läßt dich irgendwann mit der bloßen Hand eine Wespe in das Ohr deines Feindes hauen.
Mein Liebling aber bleibt diese Meditation über Bergson’sche durée. Die Zeit ist das, was bald geschieht. Die Zeit läuft vor sich selber fort. Heute ist schon beinahe morgen. Bis man das alles so richtig verstanden hat, sitzt man wieder sieben Jahre unterm Kirschbaum.
Äh, Kitschbaum? Ich kann äußerst kitschunempfindlich sein. Grüngekleidete Königinnen haben für gewöhnlich eine Seele, sonst wäre Barrys „But“ ja sinnlos. Wahrheit wird immer nur fragmentarisch ergriffen.
Platz 4: Costa Cordalis mit „Komm mit mir durch den Steckermännchenkorridor“.
Ich knall‘ die Türen vor stolzesten Frau’n Weil ich so tüddlich und so eigenschaftlich bin Mir braucht nur eine vor die Drehtür zu hau’n Und schon isse hin
Oft steckt bei Frauen der Absatz im Dreck Das ist kein Wunder, denn das Sternbild zeigt halb Vier Der Hut von Prada, und schon ist er weg Das liegt wohl an mir
Ich lach sie an und sage blau: Solln wer hier nächtigen, gnädige Frau etc etc
Unter deutschen Duschen
2007 / 2008
[Der Thread „Unter deutschen Duschen – was singen Sie denn?“ besetzte für lange Zeit im SPIEGEL ONLINE Forum (als das Forum noch Forum war) unter „Meistdiskutierte Themen“ Rang 1. Gekapert zu Beginn des Jahres 2007 vom Kommando „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ und für ein paar Jahre das SPON-Hauptquartier von Tonkunst, Tiefsinn, Unsinn und Psychodrama.]
Grad blieb mir weiter oben auf Ihrer Seite kurz die Luft weg – mal wieder. Pjotr?! Eigentlich nur kurz etwas einwerfen wollte, heute nacht fallen nämlich 100 – 200 Sternschnuppen / Stunde. The rain in Spain stays mainly… Sie wissen schon. Jeremy Brett war auch dabei.
Und dann das hier (and now for something completely different)
Alles weitere muß in die Vertröstungskiste, aber schonen Sie die gestärkten Taschentücher: Keine drei Wochen mehr bis zur Weihnachtskeksezeit.
Wie entzückend von Ihnen, mir ausgelaugt in 100 – 200 Sternschnuppen/h-Nächten solche zauberhaften Vorgeschmacke… Vorgeschmäcker… Vorgeschmackenboom auf unsere Wunderkiste zu präsentieren, und auch noch mittenrein in mein Audrey-Hepburn-Fieber. Wußten Sie, daß Audreys Erschrecken in „Roman Holiday“, als Gregory Peck seinen Arm scheinbar handlos aus dem römischen Mund der Wahrheit zieht, echt ist? Sie müssen mir sagen, wenn ich mich wiederhole. Sie müssen mir sagen, wenn ich mich wiederhole. And what’s more, the quasinoption of the riddlediddle is m—- it is mm:boom
Habe Sie vorhin wohl ein bisschen überfallen, sorry for that, war grad in so nem Flow und es war so schön, Sie zu sehen! Absolute Flight Show haben Sie mit den Kids da geliefert, dachte schon, gleich geht’s in die Luft.
Sie meinten vorhin, Sie haben einen Blog?
Ich hab hier übrigens immer noch ein Buch für Sie liegen zum Geburtstag und die Sherlock Holmes DVDs MÜSSEN Sie sehen.
Naja, Blog, ich habe halt den Blog bei MySpace, aber das ist ja kein Blog, da sammele ich nur Zeugs. Aber ich weiß jetzt wieder, wie er heißt. „I CAN’T FORGET BUT I DON’T REMEMBER WHAT“.
Sind nach Wolfenbüttel. Wir waren im Schloß, natürlich, in der Herzog August-Bibliothek, natürlich, im Lessinghaus, natürlich. Saßen auch eine Weile in der Marienkirche, als die Orgelnacht am frühen Abend begann. Und gingen durch die Stadt, als wäre die Stadt völlig aus der Zeit. Das Licht war wunderschön, all day, outside and inside. Lessing hatte einen Traumjob, finde ich.
Ändert nichts daran, daß der Teufel manchmal nicht genug ist, um diese Frau zu halten.
Watson, die Muster sind unruhig.
Die Muster sind kaum noch zu bändigen, Holmes.
Es war Samstag, als ich auf den Dachboden kletterte und unerwartet einen Salzburgbaedeker fand, der mich dann gestern zu Trakl führte. Vorher nur mal vom Hörensagen. Zufall ist für Feiglinge (frei nach Christian Erdmann).
Am Donnerstag war ich im Docks und es hat mir sehr gut gefallen diesmal. Vielleicht die beste Live-Location derzeit in Hamburg. Haben Sie dort mal an die Decke geschaut? Under a black star. Und nun soll Marilyn Manson dort spielen, man stelle sich vor. Ich werde mir das wohl vielleicht auch nicht entgehen lassen können dürfen.
Ob ich im Docks mal an die Decke geschaut habe? Ich wurde praktisch unter der Decke des Docks gematrixt. Leda & A. bei Iggy Pop war übrigens auch da. Traue mich kaum zu sagen, daß ich sogar bei der Straßenschlacht anläßlich des Kings of Independence-Festivals dabei war, wo dann so um 3 Uhr morgens Crime & The City Solution und so um 5 Uhr morgens Nick Cave mit den Bad Seeds irgendwie doch noch aus der Tiefe eines sehr dunklen Raums kamen. Das war so zu der Zeit, wo wir möglicherweise zur selben Zeit bei „Endstation Sehnsucht“ waren, als Sie Blanche so unendlich faszinierend fanden. Me too.
Leider vergaß ich, Sie zu fragen, wie lange Sie Holmes entbehren können.
Noch ein wenig Trakl für den Weg:
Es ist niemand im Haus. Herbst in Zimmern; Mondeshelle Sonate Und das Erwachen am Saum des dämmernden Walds.
Immer denkst du das weiße Antlitz des Menschen Ferne dem Getümmel der Zeit; Über ein Träumendes neigt sich gerne grünes Gezweig,
Kreuz und Abend; Umfängt den Tönenden mit purpurnen Armen sein Stern, Der zu unbewohnten Fenstern hinaufsteigt.
Also zittert im Dunkel der Fremdling, Da er leise die Lider über ein Menschliches aufhebt, Das ferne ist; die Silberstimme des Windes im Hausflur.
Solange, wie Sie ihn brauchen, Holmes. Weihnachten war doch schon ein guter Richtwert, zum Adventskalenderabschlußfest. :) Ich wende mich indes dem zweiten Teil zu.
Danke für den Trakl. Er steigt morgen mit mir in den Zug. In 8 Stunden durch Deutschland mit Trakl, Schopenhauer und Beauvoirs Briefe an Nelson Algren. Eine gute Zeit und Gruß an Herrn Cave!
St.-Peters-Friedhof
Ringsum ist Felseneinsamkeit. Des Todes bleiche Blumen schauern Auf Gräbern, die im Dunkel trauern – Doch diese Trauer hat kein Leid.
Der Himmel lächelt still herab In diesen traumverschlossenen Garten, Wo stille Pilger seiner warten. Es wacht das Kreuz auf jedem Grab.
Die Kirche ragt wie ein Gebet Vor einem Bilde ewiger Gnaden, Manch Licht brennt unter den Arkaden, Das stumm für arme Seelen fleht –
Indes die Baume blüh’n zur Nacht, Daß sich des Todes Antlitz hülle In ihrer Schönheit schimmernde Fülle, Die Tote tiefer träumen macht.
Wolfenbüttel: im Innenhof des Schlosses, Herzog August Bibliothek, Lessinghaus (Lessing wohnte dort von 1777 bis 1781).
„Aljoscha der Idiot“ ist Typoskript des Monats auf netSkater.net
„Es ist zwar die Geschichte von Aljoscha und von Leda – doch auch wer immer schon mal etwas über Katzen, die Zahl SIEBEN oder die Tonart D-Dur erfahren wollte, kommt hier unweigerlich auf seine Kosten. Denn so wie der Weg für den wahren Fahrensmann das Ziel ist, so ist für nicht wenige Leser die innere Dynamik einer Geschichte die wahre Story – die Komplexität des Lebens eben, die selbst so etwas Banales wie im Bett liegen zu einer Fahrt ins Ungewisse machen kann … und wer darüberhinaus Sinn für abgründigen Humor besitzt und Texte von David Bowie, Iggy Pop und Nick Cave für Leuchttürme in den Stürmen der Existenz hält… der… der…
Interview mit Vito von Eichborn auf boersenblatt.net
27.11.2008
Zum dritten Mal hat es ein Buch der Libri-Tochter Books on Demand (BoD) auf die „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft. boersenblatt.net sprach mit Vito von Eichborn, Herausgeber der Edition BoD, über Verkaufshits und auf ewig verborgene Schätze. Von Sabine Schwietert.
Mit dem Krebstagebuch von Jennifer Cranen hat es zum dritten Mal ein Buch aus der Edition BoD auf eine Bestsellerliste geschafft. Freuen Sie sich?
von Eichborn: Natürlich, darüber kann man sich nur freuen, weil die Edition BoD ansonsten zuwenig wahrgenommen wird.
Von Juni 2006 bis heute sind 33 Titel in der Edition BoD erschienen. Was eint die Bücher?
von Eichborn: Sie hätten allesamt auch in einem Publikumsverlag erscheinen können.
Sind sie aber nicht.
von Eichborn:Natürlich entsprechen nicht alle BoD-Titel den Kriterien, nach denen Verlage ihre Programme auswählen. Aber es gibt durchaus auch Autoren, die bei BoD sind, weil ihnen dort keiner reinredet.
Wie finden Sie die „Rosinen“?
von Eichborn: Die Kollegen aus Norderstedt schicken Vorschläge, parallel gehe ich die Novitätenlisten durch. Am Ende sind die Überschneidungen übrigens erstaunlich groß.
Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?
von Eichborn: Ich achte auf Originalität und auf sprachliche Qualität. Was mir egal ist, ist das Niveau. Die Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur leuchtet mir einfach nicht ein.
Sie haben einmal gesagt, wir könnten heute gar nicht beurteilen, welche Autoren es später einmal zu Ruhm und Ehre bringen werden. Werden auch BoD-Autoren darunter sein?
von Eichborn: Natürlich. Es gibt viele Bücher, die sind einfach zu intelligent, um ökonomisch erfolgreich zu sein, z.B. der Roman „Aljoscha der Idiot“ von Christian Erdmann. Der Roman ist 2005 bei BoD erschienen, im vergangenen Jahr haben wir das Buch in die Edition BoD aufgenommen. Je intelligenter, desto weniger Leser – so ist es eben.
Vito von Eichborn schrieb am 3. Mai 2007 um 22:23 Uhr:
Bis vor kurzem habe ich geglaubt: verkannte Dichter gibt’s nicht mehr in unseren inhaltshungrigen Zeiten.
Bis ich bei BoD auf ein tolles Buch stieß. (Dies soll jetzt nicht als Werbung mißverstanden werden – und vorsichtig: es ist nicht leicht zu lesen.) Erdmann „Aljoscha der Idiot“ – das ist ganz große Literatur von einem so klugen wie bescheidenen Autor.
Und jeder normale Verlagslektor lehnt das ab mit dem fürchterlichen Argument: „Das ist richtig gut – und richtig unverkäuflich.“
(Vito von Eichborn, Verleger, @ literaturcafe.de – Die wichtigsten Tipps eines Verlagslektors / Comments)
Aljoscha ist Philosophiestudent und eigentlich mit der sanften Leda liiert. Doch eines Tages begegnet er im Hörsaal einer Frau, deren Gang allein ihn hypnotisiert, „weil er schon am Klang der Absätze gehört hatte, dass diese Schritte ihm galten“. Die stumme Liebe zu der unbekannten Schönen wird für Aljoscha zur wahren Obsession. Während äußerlich scheinbar nichts geschieht, verändert sich alles, es entspinnt sich ein komplexes Geflecht aus Realität und Fiktion und bestimmt Aljoschas Sein. Auch Leda bleibt das natürlich nicht verborgen, und doch gibt Aljoscha sich alle Mühe, sie zu lieben …
Christian Erdmann hat selbst Philosophie studiert und führt mit außergewöhnlicher Sprachkraft und atemberaubender Gewandtheit durch die tief empfundene Gedanken- und Gefühlswelt des Protagonisten. „Aljoscha der Idiot“ ist eine Geschichte über das eigentlich Unsagbare. Eine Geschichte voller Anspielungen und Rätsel, ein Mosaik des Fühlens und Träumens, jenseits von Vernunft und Verstand. Eine Geschichte, über die Vito von Eichborn sagt, sie sei „literarisch das Beste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe“.
„Literatur, zumal wenn sie anspruchsvoll ist, war ja immer in einer Nische. Und dass so etwas Literarisches wie ‚Aljoscha der Idiot‘ bei BoD lieferbar ist – das kommt im Februar in meiner Edition -, das zeigt, wo die Zukunft hingeht…“
„Aljoscha ist Student der Philosophie. Während er mit der liebevollen Leda liiert ist, werden stumme Verabredungen mit einer unbekannten Schönen zur Obsession. Die Wirklichkeit scheint voller verborgener Muster. Aljoscha versucht, die Zeichen zu entschlüsseln…“
Ankündigung der Neu-Edition
Booklet für den Buchhandel, Januar 2007
Text Vito von Eichborn (Herausgeber der Edition BoD)