
In the corners there is light
That is good for you
And behind you
I have warned you
There are awful things
Cimitero Monumentale della Certosa di Ferrara

In the corners there is light
That is good for you
And behind you
I have warned you
There are awful things
Cimitero Monumentale della Certosa di Ferrara
25.10.2024
Das Foto entstand am 02.09.2024 in Ferrara, Italien.



„From Hell“ (Hughes Brothers, 2001), der Film, in dem Johnny Depp als Inspector Abberline die Jack The Ripper zugeschriebenen Morde an Prostituierten im Londoner Stadtteil Whitechapel untersucht, wurde überwiegend in Prag gedreht, so auch in dieser versteckten Gasse in der Nähe der Karlsbrücke namens Saská.
Rezension #16
02. Mai 2014
Parforceritt durch die Welten des Bewusstseins
Von Jörn Bünning
Wenn Aljoscha, einem Studenten der Philosophie, eigentlich schon in Ledas festen Händen, anlässlich der Vorlesungen über Kunstgeschichte eine stöckelbeschuhte Katzenfrau in schicksalhafter Weise den Weg kreuzt, dann beginnt ein Tanz um das ewige Feuer aus Sinn und Bedeutung, Liebe und Erotik, aus Bildung und Wissen, aus Philosophie und Sprache, aus Erkenntnis und Verständnis aufs Neue.
Ich warne jeden eindringlich davor, hier mitzutanzen: Es könnte sein, dass ihm anschließend jeder andere Text nur noch fad und leblos erscheint. Zu mitreißend wird der Parforceritt durch die Welten der Sprache, deren Fäden im Zentrum des Bewusstseins zusammenlaufen, um eine Welt des großen Zusammenhanges aus Geist und Magie zu gestalten. Zunächst in beschaulichen Verhältnissen eines russifizierten Hamburgs ansetzend, entwickelt der Fluss der Ereignisse sein zunehmendes Tempo um schließlich in einen Strudel zu münden, dessen Unentrinnbarkeit am Schluss nur die Wiedergeburt eines neuen Autors zulässt, nachdem sein Ich zuvor in Metamorphosen mehr Dichterexistenzen durchlaufen hatte, als sein Freund Pjotr im Brennofen Köpfe herzustellen vermochte, und das waren immerhin sieben.
Und wenn Sie dieses Buch, neugierig geworden, nun doch lesen müssen, dann lesen Sie das Ende zuerst: Damit Sie nicht von der unendlich dummen Frage getrieben „Und kriegt er sie?“ über den Text hinweg fliegen. Und lesen Sie danach das ganze Buch zweimal, weil wir den Anfang erst begreifen, wenn wir das Ende bereits kennen.
Dieser Autor wurde mit Esprit gesegnet und er hat ihn hier so großzügig verspritzt, dass davon noch zwei Generationen Literaten satt werden können. Müssen sie auch, denn so bald wird es so etwas nicht wieder geben.




Über den wunderbaren Zauber der Liebe
Der Blitz schlägt ein, und das Universum sprüht Funken. So fühlt es sich an, als Aljoscha die geheimnisvolle Fremde zum ersten Mal sieht. Sie erscheint, er muss ihr folgen. Stumm betet er sie an und schafft in seiner Gedankenwelt eine seltsamen Regeln unterworfene Beziehung mit dem sphinxhaften Wesen. Es scheint, als könne der Zauber nur aus der Distanz heraus wirken. […] Aljoscha ist getrieben von dem Wunsch nach absoluter Liebe, nach totaler Verschmelzung, völliger Hingabe. Diesem fast schon religiösen Anspruch hält seine Liebe zu seiner Lebensgefährtin Leda im Alltag nicht stand, und so ist sie unausweichlich zum Niedergang verurteilt, während andernorts der Zauber neu aufblitzt.
Christian Erdmanns Debütroman ist ein kluges und feinfühliges Buch über die Zerbrechlichkeit der Liebe. „Ich wollte etwas Wunderbares festhalten, was ich in ähnlicher Form selbst erfahren habe“, sagt Christian Erdmann, der wie sein Protagonist Philosophie studiert hat. Er nennt sich Westentaschen-Flaubert – in Verbundenheit mit dem Literaten, der ständig auf der Suche nach dem „mot juste“, dem einen passenden Wort war. Das ist Christian Erdmann auch. Seine Sprache ist mit Bedeutung aufgeladen, wirkt anfangs sperrig, entfaltet aber schnell eine Sogwirkung und wird zum Genuss an sich. Auch für Vito von Eichborn ist dieses Werk „literarisch das Beste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe“. Und ganz nebenbei wächst einem Aljoscha ans Herz.
In Kopf und Seele des Protagonisten spult sich ein Szenario aus Gedanken und Erinnerungen ab – melancholisch, romantisch, dann wieder rasant und aufwühlend. Es geht um Abschied, Verwandlung und Neubeginn. Zwischenmenschliche Beziehungen sind deshalb so schwierig, weil sich bestimmte Phänomene des Gefühlslebens der Kommunikation entziehen. […] Bleibt letztlich jeder mit seiner Sehnsucht und seinen Wünschen allein? Eine Frage, die viele Menschen in der Moderne oder Postmoderne beschäftigt. „Die Welt ist nicht entzaubert“, sagt Erdmann. „Hinter den Fassaden des Auf- und Abgeklärten begegnen der Vernunft noch Ungeheuer und Zauberwesen. Der Zustand des Verliebtseins öffnet die Augen dafür. Und Liebe ist die höchste Form der Magie.“
BoD AKTUELL, Ausgabe 28, Sommer 2007
Based on: Telefon-Interview mit Sylvia Gräber, Journalistin, Rundfunkreporterin und Moderatorin u.a. für NDR und WDR.

[Artwork CE / AI]




































Alle Bilder © Christian Erdmann