
Upon a wall
I painted a fleur-de-lis
Near the canal
Where the rotting barges sleep
Wandered the banks while a hydra hissed and weeped
I heard two bells ringing at once
In the ancient city of Prague

Upon a wall
I painted a fleur-de-lis
Near the canal
Where the rotting barges sleep
Wandered the banks while a hydra hissed and weeped
I heard two bells ringing at once
In the ancient city of Prague

Donnerstag, 04.09.2014
Als wir uns im August 2012 auf den Weg nach Čachtice machten, fanden wir die Burgruine geschlossen für reconstruction works. Beschlossene Sache, daß wir wiederkommen würden, eines Tages. Wir versprachen es uns und ihr.

Elisabeth (ungarisch Erzsébet) Báthory war eine Edelfrau, die aus einer der mächtigsten ungarischen Familien stammte; sie war die Nichte des Stephan Báthory, Fürst von Siebenbürgen und König von Polen.
Elisabeth wird am 7. August 1560 geboren. Sie wächst in Ecsed auf und lernt Latein, Deutsch und Griechisch. Es ist die Zeit der Türkenkriege, eine heillose Zeit. Mit 12 wird Elisabeth verlobt, mit 14 verheiratet – mit Graf Ferenc Nádasdy, Oberbefehlshaber der ungarischen Truppen, ein Kriegsmann, der bei den Türken gefürchtet ist und dessen hartes Vorgehen ihm den Namen „Schwarzer Ritter“ einbringt. Bei der Hochzeit am 9. Mai 1575 sind 4500 Gäste anwesend. Elisabeth ändert ihren Nachnamen in Báthory-Nádasdy. Die Eheschließung soll Anlaß für Elisabeths Übertritt zum protestantischen Glauben gewesen sein. Das Paar residiert auf Burg Čachtice (ungarisch Csejte), aber Ferenc ist selten bei seiner Frau. Elisabeth führt die Geschäfte der Burg. Das Königreich Ungarn unter Herrschaft der katholischen Habsburger verschuldet sich zur Finanzierung der Kriege hoch bei den Nádasdy. Mit 25 bringt Elisabeth die Tochter Anna zur Welt. Ein Portrait von Elisabeth – das einzige – wird ebenfalls 1585 gemalt. Es ist verschollen.
Noch eine zweite Tochter, Katharina, kommt zur Welt, und 1598 – Elisabeth ist 38 Jahre alt – wird der Sohn Pal geboren, Haupterbe des Paares.
Am 4. Januar 1604 stirbt Ferenc Nádasdy. Die Leichenrede hält Istvan Magyari, ein bedeutender protestantischer Kirchenmann aus Sárvár. Elisabeth erbt Nádasdys ganzes Vermögen, wie auch das ihres Bruders Istvan (Stephan). Sie ist eine reiche und mächtige Frau mit Besitzungen hauptsächlich in der heutigen Slowakei. Ihr gehören u.a. Burg und Dorf Čachtice, Burg Beckov, Burg und Stadt Sárvár, Ecsed, aus dem Erbe ihres Bruders Stephan auch Burg Devin, dazu Stadthäuser u.a. in Wien.
Der Bathory-Biograph Michael Farin nennt sein Buch über sie: Heroine des Grauens.
Auf Befehl des Königs Matthias II. von Ungarn (= Kaiser Matthias HRR) stürmt und durchsucht Palatin Graf György (Georg III.) Thurzo, ein Vetter von Elisabeth, in einer kalten und schneereichen Nacht am 29. Dezember 1610 mit einem Trupp Soldaten die Burg Čachtice. Elisabeth Bathory wird wegen vielfachen Mordes an jungen Mädchen auf ihrer Burg festgesetzt. In Bitcse (Bytca) werden zwei Prozesse abgehalten, auf Ungarisch und Latein, bei denen Elisabeth keine Anwesenheit erlaubt ist. Der Prozeß besteht aus der Vernehmung von Mitangeklagten und einer Unmenge von Zeugen.
Die Aussagen der Mitangeklagten, drei Dienerinnen und ein Diener der Gräfin, werden laut Prozeßunterlagen einmal freiwillig, ein weiteres Mal unter der Folter erbracht. Als Resultat des Prozesses werden zwei der Dienerinnen, Ilona Jó und Dorottya Szentes, die Finger abgerissen, beide dann lebendig verbrannt. Elisabeths Gehilfe Johannes („Ficzko“, Bürschchen) wird geköpft, seine Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Matthias verlangt „die Einhaltung göttlichen Rechts“, also das Todesurteil gegen Elisabeth, Thurzo läßt sie jedoch in einem kleinen Turmzimmer auf Burg Čachtice einmauern. Sie wird nur mit dem Nötigsten versorgt, bis an ihr Lebensende gibt es Kontakt zur Außenwelt für sie nur durch eine kleine Öffnung in der Mauer.
Am 31. Juli 1614 macht sie ihr Testament. Am 21. August 1614 stirbt Elisabeth Báthory.
Das Grab der „Blutgräfin“ ist unbekannt. Einem Bericht zufolge wird sie am 25. November 1614 – nach drei Monaten also – in der Kirche von Čachtice beigesetzt. Ein Sarg wird dort aber auch nach mehreren Untersuchungen nicht gefunden.

„Sich der eigentümlichen Faszination, die von der comtesse sanglante Elisabeth Báthory ausgeht, zu entziehen, das Strahlennetz dieses höllischen Sterns zu durchdringen, fällt schwer. Alle Versuche nämlich, ihrem traurigen Ruhm etwas Vergleichbares an die Seite zu stellen, ihre Taten durch das Vergleichen mit denen anderer zu verstehen, scheitern. Es scheint undenkbar, sich ihrer beinernen Härte und den Delirien ihres Außersichseins auch nur zu nähern. Dem Verstehen hat sie sich entzogen, weil sie sich wie kaum ein anderer Mensch aller Hemmungen entledigte und ihre entsetzliche Leidenschaft rückhaltlos lebte.“
(Michael Farin, Elisabeth Báthory – Heroine des Grauens, 1990, 11)
„Den Ort eines Verbrechens erfüllt eine Aura. Ort wie jeder andere liegt seine Besonderheit in der Zeit, die durch nichts fühlbarer wird als durch vergangenes Geschehen, durch ungeheuerliche Begebenheiten, die das Signum des Geheimnisses tragen. Ihn aus der Zeit hebend, versetzen diese den Betrachter nur um so mehr wieder in sie hinein.
Elisabeth Báthory besaß viele Burgen, Schlösser und Dörfer. Sie quälte, folterte und mordete überall. Die Legende aber hat sich um einen einzigen Ort kristallisiert, wie kein anderer hat sich sein Name mit dem ihren verknüpfr: Csejte.
Es läßt sich kein besserer denken: das Kastell mit den weithin bekannten labyrinthischen Gängen und Gewölben, die Burg, in der sie bis zu ihrem Tode lebte, in ihrer kargen Schroffheit.“ (Farin, 19)
Erst über 100 Jahre nach ihrem Tod wird Elisabeth Báthory von Geschichtsschreibern wieder aus dem Dunkel geholt. Mit der „Tragica historia“, die der Jesuitenpater László Turóczi 1729 erzählt, und einem Text der Annalen von Matthias Bel aus dem Jahre 1742 wird für die Nachwelt die Zahl der von Elisabeth getöteten jungen Mädchen, ihren Dienerinnen, auf ungefähr 600 festgesetzt. Die mörderischste Karriere einer Frau, die in der Geschichte verzeichnet ist – Wahrheit oder Fiktion? Ficzkó gab als Zahl der Opfer 31 an.
„Übrigens ist die Zahl der Opfer von keinerlei Bedeutung. Bezeichnend ist jedoch die Art und Weise, wie diese Morde ausgeführt wurden. Hauptsache und der Quell des Lustempfindens für Elisabeth Báthory war nicht etwa das Töten, sondern vielmehr das raffinierte Quälen der Opfer. Sie besaß in dieser Hinsicht eine bemerkenswerte Erfindungsgabe. (…) Sie ist keine Messalina, wie die Chroniken sie schilderten und die Dichter sie nach diesen besangen; sie war, schlicht gesagt, eine Frau mit zerrüttetem Nervensystem.“ (Junius, 1891; Farin, 189).
„Eine andere wichtige Frage ist, ob sie sich in einem zurechnungsfähigen Zustand befand. Mehrere Angaben weisen darauf hin, daß sie es war und sich bemühte, ihre Neigungen zu verhehlen.“ (Antall / Kapronczay; Farin, 209).
Farin nennt den ersten Teil seiner Sammlung zur Wirkungsgeschichte „Im Blutrausch der Schönheit“, den zweiten Teil „Das teuflische Vergnügen an fremden Schmerzen“, um den Paradigmenwechsel deutlich zu machen, der erst spät zur Annahme einer sexuellen Perversion, „und zwar eines komplizierten Falles derselben“ (CF von Schlichtegroll; Farin 166) durchdringt. Frühe Berichte verbreiten die Legende, für die Elisabeth Báthory berühmt bleibt: daß sie, um sich ihre Schönheit zu bewahren, im Blut junger Mädchen badete. Bei Turóczi liest man die vermeintliche Initialszene; eine der jungen Zofen Elisabeths zieht
„unabsichtlich, unglücklicherweise, ein wenig stärker an irgendeiner Haarsträhne und erregt den Ärger Elisabeths, welche auch sofort ohne Zögern dem Mädchen heftigst mit der Faust ins Gesicht schlägt. Und sieh da, das Blut strömt hervor und bespritzt das Gesicht der Herrin. Die Stelle, wo sie sich mit einem Tuch abgewischt hat, o Wunder, schien schöner als zuvor und so strahlend weiß, daß es nahezu wunderbar anmutete. Sei es, daß dies an der Wirkung des menschlichen Blutes lag, sei es, daß, was wahrscheinlicher ist, die weiblichen Augen durch die schlauen Künste eines bösen Geistes getäuscht wurden; was es auch gewesen sein mag, diese Benetzung mit Blut, und war sie auch noch so geringfügig, weh mir!, wie viel Blutvergießen verursachte sie in der Folge. Elisabeth, die bis zum Wahnsinn auf ihr Äußeres bedacht war, kam angesichts dieses Anblicks der Gedanke: Was? wenn so eine kleine Menge Blut die Schönheit so sehr zu steigern vermag, welche Wirkung wird erst eintreten, wenn ich mich ganz darin bade?“ (Farin, 24).
So nahm, nach Turóczi, das „gottlose Blutbad“ seinen Lauf.
Die Burg Čachtice ist unterkellert mit Gängen und Gewölben, die bis hinunter in den Ort führen. Angeblich brachten durch diese Gänge Elisabeths Helfershelfer die entführten Mädchen zur Burg. Daß sich in dem Berg Weinkeller befinden, berichtet schon Turóczi, „so sorgfältig aus dem Erdboden herausgehauen (…), als wären sie aus Stein. Sie werden weder durch Säulen noch Balken gehalten, sondern allein durch die tragfähige Erde und die gleichermaßen festen Mauern. Und was noch mehr zu bewundern ist, mehrere bilden gleichsam Stockwerke in der Erde.“ Das ganze Kellersystem wirke, so Turóczi, als habe man ein Labyrinth schaffen wollen: „Diese Höhlen sind die berüchtigten Schauplätze eines grausamen Trauerspiels, trauriger als alles, was sich jemals seit der Erschaffung des Menschen unter der Sonne abgespielt hat.“ (Farin, 23).
Daß Elisabeth Báthory ihre Morde nicht in den Kellergewölben begangen hat,
„daß sie ihre Opfer überall folterte, in der Waschküche, im Schloßhof, in der Kutsche und in Flüssen, erhellt sich erst aus den Dokumenten. Diese jedoch einzusehen, war den meisten Autoren nicht möglich. Also adaptierten sie die tragica historia des László Turóczi (…) und übernahmen dabei unbesehen dessen Deutung. Turóczi aber sah das Motiv für ihre Taten ausschließlich in fehlgeleiteter weiblicher Eitelkeit. (…) Es dauerte nicht lange, bis aus dieser Behauptung eine Tatsache geworden war, die unwidersprochen auch in wissenschaftlichen Werken Eingang fand.“ (Farin, 29).
Wie Elisabeth für ihre Bäder den Opfern das Blut entzog, wird im Zuge der Legendenbildung immer ausführlicher und exzessiver beschrieben: „Alle diese Theorien gipfeln schließlich in der Phantasie von der eigens für diese Bäder konstruierten Eisernen Jungfrau als Blutpresse.“ [Die überlieferten Bäder sind unmöglich, da Blut viel zu schnell gerinnt]. Im 18. Jahrhundert wird Elisabeths Vorgehen auf ein Motiv reduziert: Gemetzel für ewige Schönheit. Ohne Zweifel aber „war das Seelenleben dieser Mörderin komplexer“ (Farin, 30). Erst im 19. Jahrhundert tritt das Motiv der sado-erotischen Perversion in den Vordergrund.
„Oede und verlassen stehen die Ruinen des einst herrlichen Csejter Schlosses; Raben umkreisen sein mit jedem Tage mehr zerfallendes Gestein mit ihrem Gekrächze, aber ein Teil des Thurmes, in welchem die Verbrecherin ihre Schandthaten sühnte und ihre mit Angst und Kummer gepreßte Seele aushauchte, steht noch fest, scheint dem Zahne der Zeit für immer trotzen und zur Warnung vor Mißhandlungen der Unschuld für immer dienen zu wollen.“ (Michael Dionys Doleschall, 1838; Farin, 95).
Mit seinem opulenten Filmdrama „Bathory“ versucht sich der slowakische Regisseur Juraj Jakubisko 2008 an einer anderen Version der Geschichte. Mit Anna Friel in der Titelrolle imaginiert er Elisabeth Báthory als Opfer von persönlichen und politischen Intrigen.

Seit den 1980er Jahren wird die Theorie von Elisabeth Báthorys Unschuld verstärkt untersucht. Als möglicher Hintergrund wird angeführt, daß die Habsburger mit den Báthory verfeindet waren, seit Stephan Báthory sich zunächst 1571 gegen den habsburgischen Kandidaten als Woiwode von Transsylvanien durchsetzte, 1575 dann auch gegen Kaiser Maximilian II. als König von Polen. Die katholischen Habsburger führten 1580 die Gegenreformation ein; in Transsylvanien dagegen ließ der protestantische Woiwode Sigismund Báthory, Nachfolger Stephans, die Jesuiten ausweisen. Zwischen 1597 und 1602 kam es zur Auseinandersetzung zwischen Sigismund Báthory und Rudolf II. von Habsburg um die Herrschaft über Transsylvanien. Rudolf setzte sich durch, ließ den Besitz vieler ungarischer Adliger beschlagnahmen und ging gegen die Protestanten vor. Der Aufstand unter István (Stephan) Bocskai ließ Transsylvanien wieder unabhängig von den Habsburgern werden, 1608 wurde Gabriel Báthory Woiwode von Transsylvanien.
Die Theorie nun: bei einem möglichen Feldzug von Gabriel Báthory gegen die mit König Matthias von Habsburg verbündete Walachei hätte die protestantische Elisabeth Báthory ihrem Verwandten Bewaffnete aus ihren überall im Land verstreuten Burgen schicken können. Mit ihrer Festsetzung 1610 wurde das verhindert. Die Organisation eines Prozesses gegen sie, mit zahlreichen gekauften Zeugen, sei einfacher gewesen als die Kriegsaktivitäten gegen die Báthory-Dynastie.
Tony Thorne argumentiert in seinem 1997 erschienenen Buch über Elisabeth, daß Thurzo schon vorher hochadelige Witwen kaltgestellt habe, um sich deren Besitz anzueignen, was Elisabeth Báthory in einem Brief an Thurzo erwähnt; sie schreibt, sie werde nicht gleichermaßen ein leichtes Opfer sein.
Fraglich indes, ob es für einen Plan, sie aus dem Weg zu räumen, die Art der ungeheuerlichen Vorwürfe gegen Elisabeth sowie die Detailfülle der Zeugenaussagen benötigt hätte. (Istvan Magyari, der die Leichenrede für Ferenc Nádasdy gehalten hatte, soll Elisabeth Báthory frühzeitig für ihre tyrannische Grausamkeit zur Rechenschaft gezogen haben.)
Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die Behandlung von Bediensteten niedrigen Standes durch Hochadelige in jener Zeit in der Regel rücksichtlos war und Todesfälle durchaus in Kauf nahm. „Die Leute zu behandeln nach Laune und Gutdünken, war ein unbestrittenes Recht der Magnaten. Körperstrafen waren so alltäglich, so selbstverständlich, daß es niemandem einfiel, darüber Beschwerde zu führen.“ (von Ravelsberg; Farin 198). Als die Truppen Bocskais 1605 die Herrschaft Thurzos in Bytca eroberten und plünderten, Teile des Raubgutes dann in dem Dorf Bodiná gefunden wurden, ließ Thurzo, ein „Bewunderer des Humanismus“, ohne mit der Wimper zu zucken mit Gott an seiner katholischen Seite mehrere Dorfbewohner ohne Richterspruch hängen, mehr noch: er ließ das ganze Dorf anzünden. Später fand man heraus, daß die Dorfbewohner unschuldig waren und Bocskais Söldner das Diebesgut in Bodiná versteckt hatten.
Thurzo war also gewiß kein Heiliger. Er war überdies mit Elisabeth Báthory verwandt und hatte mit Ferenc Nádasdy auf freundschaftlichem Fuße gestanden. Es scheint, als hätte Matthias von Habsburg auf einem Todesurteil für Elisabeth Bathory bestanden und Thurzo dies in lebenslange Einkerkerung abwenden können – um zu verhindern, daß die Habsburger in den Báthory-Besitz kommen (die Krone war bei ihr enorm verschuldet)? Zusammenhalt der feudalen Elite? Persönliche Gründe? Jakubiskos Film inszeniert eine düstere Faszination Thurzos für Elisabeth, die seine Avancen zurückweist.


(Karel Roden als Thurzo)
Vieles spricht dafür, daß Elisabeth einen skandalösen Anlaß für das „Kaltstellen“ lieferte. Vielleicht war das, was sie tat, so exzessiv, daß es die damals herrschende Rechtsauffassung, die Gewalt gegenüber Bediensteten als legitim ansah, noch auf entsetzliche Weise sprengte. Vielleicht waren es wirklich „Privatmassaker“ (Farin), die der Befriedigung einer perversen Lust dienten. Daß eine reiche, mächtige, schöne Frau diese Taten verübte, wäre dann das Ungeheuerlichste, das in keinen bekannten Bezugsrahmen mehr zu bringen war. Aber es spricht auch vieles dafür, daß irgendein Anlaß gewissen Mächten höchst willkommen war, um Elisabeth aus dem Verkehr zu ziehen, und zwischen Wahrheit und Legende könnte ein Abgrund liegen.
Bei der Urteilsverkündigung soll Thurzo gesagt haben:
„Sie, Elisabeth, sind wie ein wildes Tier. Sie sind in den letzten Monaten Ihres Lebens. Sie verdienen nicht, die Luft der Freiheit zu atmen, noch das Licht des Herrn zu sehen. Sie verschwinden von dieser Welt und erscheinen nie wieder in ihr. Die Schatten werden Sie einhüllen und Sie finden Zeit, Ihr bestialisches Leben zu überdenken. Ich verurteile Sie, Dame von Cachtice, zur lebenslänglichen Gefangenschaft in Ihrem eigenen Schloß.“
In ihrem ersten Testament vom 3. September 1610, kurz vor ihrer Gefangensetzung also, äußert Elisabeth, ihr Brautgewand bis zu ihrem Tode tragen zu wollen. Sofern das keine Metapher ist – Elisabeth war außergewöhnlich intelligent, soll ein photographisches Gedächtnis besessen haben – läßt sich daraus ableiten, daß sie auch mit 50 noch das Kleid einer 15jährigen tragen konnte.
Elisabeths Grab wurde bislang nicht gefunden. Die erste, am wenigsten wahrscheinliche Version lautet, daß sie den Turm der Burg Čachtice nie verlassen hat. Für die Version, daß sie am 25. November 1614 in der Krypta der Kirche von Čachtice bestattet wurde, gibt es eine schriftliche Aufzeichnung. Nach einer davon abweichenden Version aber habe man sie auf dem Friedhof von Čachtice beerdigt. Dann heißt es, daß die Einwohner von Čachtice sich weigerten, Elisabeth in heiliger Erde liegen zu lassen, so daß sie 1617 von Čachtice nach Nyirbátor in Ungarn gebracht wurde, wo es eine Familiengruft der Bathory gibt. 1995 wurde diese Krypta in Nyirbátor untersucht; von Elisabeth keine Spur.

[Reproduktion eines Gemäldes der Elisabeth Báthory im Schloß Draškovic, dem Museum von Čachtice. Foto CE.]
In der Filmgeschichte erscheint Elisabeth Báthory unter anderem in Gestalt der Paloma Picasso in „Immoral Tales“ von Walerian Borowczyk (1974), oder der phänomenalen Ingrid Pitt in „Comtesse des Grauens“ (Originaltitel „Countess Dracula“) von Peter Sasdy, einem Hammer Horror-Film von 1970/71:




In „Blut an den Lippen“ („Daughters of Darkness“, „Les lèvres rouges“, 1971, Regie Harry Kümel) reist Delphine Seyrig als Gräfin Bathory mit einer Geliebten (Andreau Rau als Ilona) durch die Zeit. In den verfallenden Luxus eines riesigen, menschenleeren Hotels in Ostende tritt „die halluzinatorische Gestalt der Gräfin Bathory in enganliegendem Silberlamé, maskenhaft weiß geschminkt und mit tadelloser Dauerwelle – das genaue Abbild eines Vamps der dreißiger Jahre“ – so David Pirie in „Vampir Filmkult“, der auch Delphines „disziplinierte erotische Gier“ und den „entsetzlichen Stil ihrer Grausamkeit“ zu würdigen weiß. „In der Rolle der Bathory vermittelt Delphine Seyrig nicht die vage, unbekannte Schrecklichkeit der karpathischen Gräfin, sondern sie bringt halbvergessene erotische Erinnerungen aus den zwanziger und dreißiger Jahren zurück.“ (Pirie).

Hans Schifferle: „Ein roter Sportwagen fährt vor, eine Lady entsteigt, ganz in Schwarz, die blonden Haare im Stil der 30er Jahre. Später wird sie Kleider tragen, die an die Dietrich erinnern in Sternberg-Filmen, mit einem Schuß Pop-Art (…) Bathory heißt sie, und ihr Name verweist auf die notorische ungarische Adlige, die im Blut von Jungfrauen gebadet hat, um ewig jung zu bleiben. Das Hotel, in dem sie absteigt, befindet sich gerade ‚außerhalb der Saison‘, was trefflich auch die Stimmung von Kümels Film beschreibt.“

Die Burg Čachtice in den opening shots von Juraj Jakubiskos „Bathory“:


Wir nehmen den Zug von Bratislava nach Nové Mesto nad Váhom (Neustadt an der Waag); als wir dort zum Anschlußzug eilen wollen, fragt ein Kondukteur nach unserem Reiseziel und deutet dann auf einen bereitstehenden Bus. Wir haben zwar ein Zugticket, aber da der Busfahrer auf die slowakische Version von „Nimmst du die Gestalten hier mit nach Čachtice?“ keine Einwände hat, steigen wir ein. Der Busfahrer setzt uns am kleinen Bahnhofsgebäude von Čachtice ab, das noch verödeter wirkt als 2012. Wir wandeln auf vertrautem Weg, inspizieren kurz die hölzerne, nicht besonders subtile Statue der Elisabeth Báthory, die man auf dem main square des Ortes errichtet hat, dann der Aufstieg zur Burg.
Strange to behold is the stone of this wall, broken by fate. Dieser Weg und dieses Tor führen in das berüchtigte Domizil der Blutgräfin, der Tigerin von Čachtice, einfach so, an einem Tag, an dem es 12 Uhr 30 ist.

Als wir die Billets erwerben, fragt ein junger Mann aus dem Hintergrund des Holzhüttchens: „Are you from Germany?“



Wir befinden uns hier,

als der junge Mann aus dem Holzhüttchen beschlossen hat, daß wir ihm keine Ruhe lassen. Er folgt uns und begehrt zu wissen:
„Are you actors?“
„No, why?“
„Because you look so beautiful.“
„She is beautiful. I’m not.“
Er heißt David, nach fünf Minuten sind wir mit seinem Liebesleid vertraut, nach zehn Minuten die besten Freunde, nach einer Viertelstunde in höchstem Grade bei der Sache: er vertritt ganz unbedingt die Auffassung, daß Elisabeth Báthory, eine mächtige und unabhängige Frau, durch eine politische Intrige zu Fall gebracht werden sollte. Er ist erstaunt und entzückt darüber, daß wir Jakubiskos Bathory-Film nicht nur kennen, sondern so sehr schätzen. Er hat einmal Deutschland besucht, Neuschwanstein, weil er eine Faszination für Ludwig II. von Bayern kultiviert, und mit „Was it suicide or murder?“ entspinnt sich ein längerer Meinungsaustausch über des Märchenkönigs Ende im Starnberger See. Er kennt Viscontis Film, vom Käutner-Film mit O.W. Fischer und Klaus Kinski hat er – freilich – nie gehört. David führt uns durch die Burgruine, zeigt und erklärt uns jeden Winkel.

Die Burg Čachtice wurde um 1260 unter Kasimir aus dem ungarischen Clan der Hont-Pázmány als eine der ersten Sicherungsanlagen an der ungarischen Nordwestgrenze errichtet. Bis 1299 blieb die Burg Eigentum der Söhne Kasimirs; 1273 wird Čachtice als eine der wenigen Burgen erwähnt, die dem Ansturm des Przemyslidenkönigs Ottokar II. widerstanden.
Am Ende des 13. Jahrhunderts erobert Matúš Čák (Máté Csák) von Trenčin die Burg; nach dessen Tod 1321 steht sie wieder unter königlicher Verwaltung. 1392 erhält Stibor I. von Stiborice Burg und Herrschaft. Zwischen 1436 und 1567 gehört die Burg der Familie Orszag, 1569 geht die Burg an das Geschlecht der Nádasdy, in dessen Besitz sie bis 1670 bleibt, seit 1614 jedoch ist die Burg unbewohnt und dient nur noch als Festung. Nach der Eroberung durch antihabsburgische Rebellen unter Führung von Ferenc II. Rákóczi 1708 verfällt die Anlage.

Elisabeth Báthory erhält die Burg Čachtice sowie die umgebenden Dörfer und Ländereien als Hochzeitsgeschenk der Familie Nádasdy, als sie 1575 Ferenc Nádasdy heiratet, und sie erbt die Burg 1604, als Ferenc stirbt. Von etwa 1585 bis 1610 ist Elisabeth tatsächlich Herrin der Burg.



Außenansicht Todesturm:

David erzählt, daß während der Restaurierung einige der Arbeiter steif und fest behaupteten, sie würden hier von Visionen und Geistererscheinungen heimgesucht.

Ich neige nicht zu Visionen, aber als wir zwischenzeitlich allein sind und auf einer Bank sitzen, I turn my head and see

ein Stück der Mauer blutrot, wie ein Blutfleck, a trick of the light. Wie Bob Dylan sagte: niemals in die Sonne sehen. Wie Ilona Jó sagte: „Auch die Steinmauern waren durch Blut gewaschen.“






(Vincent Regan als Ferenc Nádasdy)





Dies, versichert David, seien die Überreste jenes Raumes, in dem Elisabeth Báthory seit dem 30. Dezember 1610 gefangengehalten wurde und am 21. August 1614 starb. Er befindet sich in einem der beiden noch verbliebenen Türme, dem nach Süden gelegenen residential tower.


Die gegenüberliegende Südmauer:

Im Mauerwerk ist noch zu erkennen, wo die Zimmerdecke verlief:


Das Zimmer, in dem Elisabeth Báthory die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte, so wie Jakubisko es imaginiert:



West Side Stones





Blick ins Innere des hufeisenförmigen Turms, in dem sich einst eine Kapelle befand:


David hat sich nach einer Stunde verabschiedet, kommt aber später noch einmal zurück, mit einem Freund, der kein Wort Englisch spricht, aber offensichtlich mit eigenen Augen sehen muß, daß wir tatsächlich existieren. Ich verspreche David, ihm die DVD von Käutners „Ludwig II.“ zu schicken.






(Franco Nero als Matthias von Habsburg)


Über „Erzsébet Báthory – La Comtesse sanglante“ von Valentine Penrose, Paris 1962, heißt es bei Farin:
„Auf dem Erkenntnisstand der Bücher von Ravelsberg und Rexa schuf Valentine Penrose mit dieser atmosphärischen Nacherzählung eines kaum bekannten Lebens das Portait einer Frau in einer geheimnisvollen Welt:
‚Dies alles hat sich zu einer Zeit abgespielt, in der das Fingerkraut noch seine ganze Macht besaß; eine Zeit, in der man in den Läden der Städte Alraunenwurzeln verkaufte, die zur nächtlichen Stunde am Fuße eines Galgens gepflückt wurden. Es war eine Zeit, in der Kinder und Jungfrauen verschwanden, ohne daß man allzu eifrig nach ihnen suchte: man hielt es für besser, sich nicht allzusehr mit ihrem schlimmen Schicksal zu befassen. Was aber hatte man aus ihrem Herz, aus ihrem Blut gemacht? Einen Liebestrank oder vielleicht Gold.‘
Das Buch liest sich wie ein Roman:
‚In Wirklichkeit war Elisabeth Báthory, als sie auf die Welt kam, kein vollkommen menschliches Wesen. Sie war noch mit dem Baumstamm, mit dem Stein und mit dem Wolf verwandt. War das Schicksal ihres Geschlechts in dem Augenblick, in dem sich das Aufblühen dieser Blume vollzog, bereits vorherbestimmt? War es die Wirkung einer Zeit, in der sich der Geist in den Nebeln primitiver Wildheit bewegte? Gewiß ist, daß es zwischen Elisabeth und den Dingen so etwas wie einen leeren Raum gab (…)'“ (Farin, 215 ff.)


„Es soll einmal ein Schäfer in der Nähe der Burg Csejte eingeschlafen sein. Da sei eine in Weiß gekleidete Frau zu ihm gekommen. Sie habe ihm geheißen, in die Burg zu gehen, denn dort fände er eine Schlange mit goldenen Schlüsseln. Hebe er diese mit den Lippen auf, würde ihn die Schlange zu einem Schatz führen. Der Schäfer erwachte, aber glaubte den Traum nicht. Auch als er sich wiederholte, tat er nicht, wie ihm die Frau in Weiß gesagt. In der dritten Nacht aber trug sie schwarz und warf ihm vor, nicht auf sie gehört zu haben. Von nun an sei der Schatz nur demjenigen erreichbar, welcher einst in einer Wiege aus dem Holz eines Kirschbaums geschaukelt werde, gewachsen auf dem Gemäuer der Ruine Csejte.
Elisabeth Báthory habe keine Ruhe gefunden, nicht einmal der Tod habe sie von den Schreckgesichtern ihrer Erinnerung befreit. So jedenfalls wollen es die Dichter. Das aber setzt Reue voraus, Einsicht in verbotenes, verfehltes Tun. Davon jedoch ist ihrerseits nichts bekannt. Es sei denn, man schenkt Stanislas Thurzo, Bruder des Palatins Georg Thurzo Glauben, der anläßlich ihres Todes in einem Brief an seinen Bruder schrieb: ‚Man sagt aber, sie betete inständig und pries Gott mit schönen Lobgesängen.'“ (Farin, 175)

Hochzeitszeitung, 1575. Gedruckt in Wien bei Stephan Creuzer.

Na, es gibt jedenfalls EIN Debut, das Vito von Eichborn, den Verleger, vom Hocker gerissen haben soll, und der Autor, soweit ich ihn persönlich kennengelernt habe, ist sehr belesen. (Wenn auch auf anderen Gebieten als ich).
Also WENN ein Titel unter den jüngeren auf dem deutschen Buchmarkt subversiv und anspruchsvoll ist, dann diese bizarre Geschichte eines Philosophiestudenten mit allerlei Schwierigkeit sowohl an der Universität als auch in seinem Alltag…
Und weil ja unser Forumsbetreiber diese Seite u.a finanziert, indem wir von dieser Seite aus Kunden Amazon zuführen, hier
der betreffende Link dorthin –
voller überschwenglicher Kundenrezensionen.
LiteraturForum – Online-Forum für Literarische Diskussionen
Thread: Literatur – Must Reads – woher Impulse?
07.10.2009
Beitrag von Gast2153
Literaturforum: LITERATUR – MUST READS – WOHER IMPULSE?

[Artwork CE]

Mark Lanegan im Uebel & Gefährlich. Diese Hinterzimmer-Lounge mit den verrußt-goldenen Tapeten im oberen Bunkerstockwerk, so oldschool-stylish. Das Konzert so unfaßbar brillant. „The Faye Dunaways“ (Fred Lyenn Jacques & Aldo Struyf), Duke Garwood, die ganze Zeit hört man Gläserklirren und audience chat von hinten, dann kommt Lanegan auf die Bühne, singt ein paar Töne, and there is absolute, stunned silence. „When Your Number Isn’t Up“ verursacht mir the chills, completely.
Und wie er auf die Bühne kam. Tosender Applaus, und er schaut in Richtung Schlagzeug, auf dem kurzen Weg, der ihm angeblich so unangenehm ist. Er ist zunächst kaum zu sehen, spotlight control freak. Wir sind in der zweiten Reihe, gegen Ende des Sets dann ganz vorn. Letzter Song eine Killerversion von „The Killing Season“. „Quiver Syndrome“ ist live einer meiner Favoriten. Und es gab diesen einen Moment, als der Applaus so anstieg, daß er tatsächlich kurz innehielt, zur Seite schaute, nickte und – lächelte. Kaum merklich, but he did. Das erste Mal, daß ich ihn lächeln sah auf einer Bühne.
Nach dem Konzert schnappe ich mir eine Setlist.
Jeff Fielder (Gitarre) sagt noch auf der Bühne: „Hamburg, that was wicked!“, macht ein Foto von uns, und erinnert daran, daß Mark in 15 Minuten am Merchstand sein wird, to sign things and shake a few hands. Do we go? Als ich ihn da sitzen sehe, kann ich nicht anders. Ich erwerbe ein Phantom Radio-Notebook. Er sieht mich, sagt „Hey man.“ Und gibt mir die Hand. Er unterschreibt Setlist und Notebook mit Silberstift. Ich sage „Thank you for being you.“ Er schaut slightly baffled. Ich schaue slightly baffled zurück.




Aljoscha der Idiot [Christian Erdmann]:
„‚Donnerkacke!‘ brüllte Stan im Rücksitz.“ (Kerouac, On The Road). Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Doofköppe wie ich denken ja dann immer, das sind Botschaften der Situationistischen Internationale. Peter Alexander hat mal eine Version von „Muleskinner Blues“ gemacht, wußten Sie das? Nein, wußten Sie nicht, und darum ist es notwendig, im nächsten der neun Leben als Diabolik des Schlagerdada wiedergeboren zu werden. Bis dahin: von Marisa Mell nach Mathar.
Genauigkeit ist funky: Grüngespenstich grenzt ein Erich. Man sieht genau, wann bei Bert die Drogen zu wirken beginnen.
Ricky Shayne versteht nicht die Bohne von dem, was er da singt, und während des Instrumentalteils denkt er wahrscheinlich „Nipssachen fängt allmählich einzuschlagen an, Tiereknocken und Fischebeine“. Aber das geht ja jedem mal so.
Meine Eltern hatten Rickys Single. Das Label war schwarz, und immer wenn ich diese Mandoline über diesem klasse Beat höre, sehe ich, wie sich das Ding dreht und diffus behauptet: das, was da auf zwei langen Beinen vorbeistolziert, läßt dich irgendwann mit der bloßen Hand eine Wespe in das Ohr deines Feindes hauen.
Mein Liebling aber bleibt diese Meditation über Bergson’sche durée. Die Zeit ist das, was bald geschieht. Die Zeit läuft vor sich selber fort. Heute ist schon beinahe morgen. Bis man das alles so richtig verstanden hat, sitzt man wieder sieben Jahre unterm Kirschbaum.
Äh, Kitschbaum? Ich kann äußerst kitschunempfindlich sein. Grüngekleidete Königinnen haben für gewöhnlich eine Seele, sonst wäre Barrys „But“ ja sinnlos. Wahrheit wird immer nur fragmentarisch ergriffen.
Platz 4: Costa Cordalis mit „Komm mit mir durch den Steckermännchenkorridor“.
Ich knall‘ die Türen vor stolzesten Frau’n
Weil ich so tüddlich und so eigenschaftlich bin
Mir braucht nur eine vor die Drehtür zu hau’n
Und schon isse hin
Oft steckt bei Frauen der Absatz im Dreck
Das ist kein Wunder, denn das Sternbild zeigt halb Vier
Der Hut von Prada, und schon ist er weg
Das liegt wohl an mir
Ich lach sie an und sage blau:
Solln wer hier nächtigen, gnädige Frau
etc etc
Unter deutschen Duschen
2007 / 2008

[Der Thread „Unter deutschen Duschen – was singen Sie denn?“ besetzte für lange Zeit im SPIEGEL ONLINE Forum (als das Forum noch Forum war) unter „Meistdiskutierte Themen“ Rang 1. Gekapert zu Beginn des Jahres 2007 vom Kommando „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ und für ein paar Jahre das SPON-Hauptquartier von Tonkunst, Tiefsinn, Unsinn und Psychodrama.]
What’s this?
Vorweihnacht
Grad blieb mir weiter oben auf Ihrer Seite kurz die Luft weg – mal wieder. Pjotr?! Eigentlich nur kurz etwas einwerfen wollte, heute nacht fallen nämlich 100 – 200 Sternschnuppen / Stunde. The rain in Spain stays mainly… Sie wissen schon. Jeremy Brett war auch dabei.
Und dann das hier (and now for something completely different)
Alles weitere muß in die Vertröstungskiste, aber schonen Sie die gestärkten Taschentücher: Keine drei Wochen mehr bis zur Weihnachtskeksezeit.
Yeah, it was
Wie entzückend von Ihnen, mir ausgelaugt in 100 – 200 Sternschnuppen/h-Nächten solche zauberhaften Vorgeschmacke… Vorgeschmäcker… Vorgeschmackenboom auf unsere Wunderkiste zu präsentieren, und auch noch mittenrein in mein Audrey-Hepburn-Fieber. Wußten Sie, daß Audreys Erschrecken in „Roman Holiday“, als Gregory Peck seinen Arm scheinbar handlos aus dem römischen Mund der Wahrheit zieht, echt ist? Sie müssen mir sagen, wenn ich mich wiederhole. Sie müssen mir sagen, wenn ich mich wiederhole. And what’s more, the quasinoption of the riddlediddle is m—- it is mm:boom
Habe Sie vorhin wohl ein bisschen überfallen, sorry for that, war grad in so nem Flow und es war so schön, Sie zu sehen! Absolute Flight Show haben Sie mit den Kids da geliefert, dachte schon, gleich geht’s in die Luft.
Sie meinten vorhin, Sie haben einen Blog?
Ich hab hier übrigens immer noch ein Buch für Sie liegen zum Geburtstag und die Sherlock Holmes DVDs MÜSSEN Sie sehen.
Naja, Blog, ich habe halt den Blog bei MySpace, aber das ist ja kein Blog, da sammele ich nur Zeugs. Aber ich weiß jetzt wieder, wie er heißt. „I CAN’T FORGET BUT I DON’T REMEMBER WHAT“.
Sind nach Wolfenbüttel. Wir waren im Schloß, natürlich, in der Herzog August-Bibliothek, natürlich, im Lessinghaus, natürlich. Saßen auch eine Weile in der Marienkirche, als die Orgelnacht am frühen Abend begann. Und gingen durch die Stadt, als wäre die Stadt völlig aus der Zeit. Das Licht war wunderschön, all day, outside and inside. Lessing hatte einen Traumjob, finde ich.
Ändert nichts daran, daß der Teufel manchmal nicht genug ist, um diese Frau zu halten.
Watson, die Muster sind unruhig.
Die Muster sind kaum noch zu bändigen, Holmes.
Es war Samstag, als ich auf den Dachboden kletterte und unerwartet einen Salzburgbaedeker fand, der mich dann gestern zu Trakl führte. Vorher nur mal vom Hörensagen. Zufall ist für Feiglinge (frei nach Christian Erdmann).
Am Donnerstag war ich im Docks und es hat mir sehr gut gefallen diesmal. Vielleicht die beste Live-Location derzeit in Hamburg. Haben Sie dort mal an die Decke geschaut? Under a black star. Und nun soll Marilyn Manson dort spielen, man stelle sich vor. Ich werde mir das wohl vielleicht auch nicht entgehen lassen können dürfen.
Ob ich im Docks mal an die Decke geschaut habe? Ich wurde praktisch unter der Decke des Docks gematrixt. Leda & A. bei Iggy Pop war übrigens auch da. Traue mich kaum zu sagen, daß ich sogar bei der Straßenschlacht anläßlich des Kings of Independence-Festivals dabei war, wo dann so um 3 Uhr morgens Crime & The City Solution und so um 5 Uhr morgens Nick Cave mit den Bad Seeds irgendwie doch noch aus der Tiefe eines sehr dunklen Raums kamen. Das war so zu der Zeit, wo wir möglicherweise zur selben Zeit bei „Endstation Sehnsucht“ waren, als Sie Blanche so unendlich faszinierend fanden. Me too.
Leider vergaß ich, Sie zu fragen, wie lange Sie Holmes entbehren können.
Noch ein wenig Trakl für den Weg:
Es ist niemand im Haus. Herbst in Zimmern;
Mondeshelle Sonate
Und das Erwachen am Saum des dämmernden Walds.
Immer denkst du das weiße Antlitz des Menschen
Ferne dem Getümmel der Zeit;
Über ein Träumendes neigt sich gerne grünes Gezweig,
Kreuz und Abend;
Umfängt den Tönenden mit purpurnen Armen sein Stern,
Der zu unbewohnten Fenstern hinaufsteigt.
Also zittert im Dunkel der Fremdling,
Da er leise die Lider über ein Menschliches aufhebt,
Das ferne ist; die Silberstimme des Windes im Hausflur.
Solange, wie Sie ihn brauchen, Holmes. Weihnachten war doch schon ein guter Richtwert, zum Adventskalenderabschlußfest. :) Ich wende mich indes dem zweiten Teil zu.
Danke für den Trakl. Er steigt morgen mit mir in den Zug. In 8 Stunden durch Deutschland mit Trakl, Schopenhauer und Beauvoirs Briefe an Nelson Algren. Eine gute Zeit und Gruß an Herrn Cave!
St.-Peters-Friedhof
Ringsum ist Felseneinsamkeit.
Des Todes bleiche Blumen schauern
Auf Gräbern, die im Dunkel trauern –
Doch diese Trauer hat kein Leid.
Der Himmel lächelt still herab
In diesen traumverschlossenen Garten,
Wo stille Pilger seiner warten.
Es wacht das Kreuz auf jedem Grab.
Die Kirche ragt wie ein Gebet
Vor einem Bilde ewiger Gnaden,
Manch Licht brennt unter den Arkaden,
Das stumm für arme Seelen fleht –
Indes die Baume blüh’n zur Nacht,
Daß sich des Todes Antlitz hülle
In ihrer Schönheit schimmernde Fülle,
Die Tote tiefer träumen macht.
Wolfenbüttel: im Innenhof des Schlosses, Herzog August Bibliothek, Lessinghaus (Lessing wohnte dort von 1777 bis 1781).






Mai 2009:
„Aljoscha der Idiot“ ist Typoskript des Monats auf netSkater.net
„Es ist zwar die Geschichte von Aljoscha und von Leda – doch auch wer immer schon mal etwas über Katzen, die Zahl SIEBEN oder die Tonart D-Dur erfahren wollte, kommt hier unweigerlich auf seine Kosten. Denn so wie der Weg für den wahren Fahrensmann das Ziel ist, so ist für nicht wenige Leser die innere Dynamik einer Geschichte die wahre Story – die Komplexität des Lebens eben, die selbst so etwas Banales wie im Bett liegen zu einer Fahrt ins Ungewisse machen kann … und wer darüberhinaus Sinn für abgründigen Humor besitzt und Texte von David Bowie, Iggy Pop und Nick Cave für Leuchttürme in den Stürmen der Existenz hält… der… der…
sollte jetzt
aber mal ganz schnell vorbeiklicken!“

netSkater nunmehr:
jotWeigelt BESTANDSAUFNAHMEN
Contemporary Photography & More
-> jotWeigelt BESTANDSAUFNAHMEN
[Artwork CE]

„Viele Bücher sind einfach zu intelligent“
Interview mit Vito von Eichborn auf boersenblatt.net
27.11.2008
Zum dritten Mal hat es ein Buch der Libri-Tochter Books on Demand (BoD) auf die „Spiegel“-Bestsellerliste geschafft. boersenblatt.net sprach mit Vito von Eichborn, Herausgeber der Edition BoD, über Verkaufshits und auf ewig verborgene Schätze. Von Sabine Schwietert.
Mit dem Krebstagebuch von Jennifer Cranen hat es zum dritten Mal ein Buch aus der Edition BoD auf eine Bestsellerliste geschafft. Freuen Sie sich?
von Eichborn: Natürlich, darüber kann man sich nur freuen, weil die Edition BoD ansonsten zuwenig wahrgenommen wird.
Von Juni 2006 bis heute sind 33 Titel in der Edition BoD erschienen. Was eint die Bücher?
von Eichborn: Sie hätten allesamt auch in einem Publikumsverlag erscheinen können.
Sind sie aber nicht.
von Eichborn: Natürlich entsprechen nicht alle BoD-Titel den Kriterien, nach denen Verlage ihre Programme auswählen. Aber es gibt durchaus auch Autoren, die bei BoD sind, weil ihnen dort keiner reinredet.
Wie finden Sie die „Rosinen“?
von Eichborn: Die Kollegen aus Norderstedt schicken Vorschläge, parallel gehe ich die Novitätenlisten durch. Am Ende sind die Überschneidungen übrigens erstaunlich groß.
Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?
von Eichborn: Ich achte auf Originalität und auf sprachliche Qualität. Was mir egal ist, ist das Niveau. Die Unterscheidung zwischen E- und U-Literatur leuchtet mir einfach nicht ein.
Sie haben einmal gesagt, wir könnten heute gar nicht beurteilen, welche Autoren es später einmal zu Ruhm und Ehre bringen werden. Werden auch BoD-Autoren darunter sein?
von Eichborn: Natürlich. Es gibt viele Bücher, die sind einfach zu intelligent, um ökonomisch erfolgreich zu sein, z.B. der Roman „Aljoscha der Idiot“ von Christian Erdmann. Der Roman ist 2005 bei BoD erschienen, im vergangenen Jahr haben wir das Buch in die Edition BoD aufgenommen. Je intelligenter, desto weniger Leser – so ist es eben.

„Viele Bücher sind einfach zu intelligent“:
Vito von Eichborn schrieb am 3. Mai 2007 um 22:23 Uhr:
Bis vor kurzem habe ich geglaubt: verkannte Dichter gibt’s nicht mehr in unseren inhaltshungrigen Zeiten.
Bis ich bei BoD auf ein tolles Buch stieß. (Dies soll jetzt nicht als Werbung mißverstanden werden – und vorsichtig: es ist nicht leicht zu lesen.) Erdmann „Aljoscha der Idiot“ – das ist ganz große Literatur von einem so klugen wie bescheidenen Autor.
Und jeder normale Verlagslektor lehnt das ab mit dem fürchterlichen Argument: „Das ist richtig gut – und richtig unverkäuflich.“
(Vito von Eichborn, Verleger, @ literaturcafe.de – Die wichtigsten Tipps eines Verlagslektors / Comments)

[Artwork CE]