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Ladytron: Gravity The Seducer

Ladytron, "White Elephant" Video, Mira Aroyo, Helen Marnie.

Neues Video von Ladytron, „White Elephant“. Kommt bei einigen nicht so gut an, ich hingegen nehme diesen Kommentar hier als Arbeitshypothese: „They transcend the very fabric of our boring universe. Gods, they are. Gods.“ – „Müssen denn alle Menschen Menschen sein? Es kann auch ganz andere Wesen als Menschen in menschlicher Gestalt geben.“ (Novalis, Neue Fragmente, 739). Vielleicht auch nur Augen weit geschlossen in einem Mulholland Drive-Chambre, das sich wiederum in einem Normandieschloß befindet. 

„A white elephant is an idiom for a valuable but burdensome possession of which its owner cannot dispose and whose cost (particularly cost of upkeep) is out of proportion to its usefulness or worth.“ 

Bringt das weiter? Schließlich sind Ladytron nicht dazu da, Mysterien zu lösen, sondern sie zu personifizieren. Song / Video als Traumstruktur, erhaben, wunderschön, todtraurig. 

(30.07.2011, SPON)

Mädchen, die vom Himmel fielen, die kühle erotische Provokation immer mit Wissen um die Kompliziertheit von Kommunikation verbanden, und die bei der Rückkehr in die Satelliteneinsamkeit noch ein paar kryptische Abschiedsworte funken. Spaceship returns, „it’s over“, Stimmen von hinter der Schwarzen Sonne, verhallt und deadpan. Eine unendliche Melancholie, eine unbeschreibliche Traurigkeit können Ladytron in ihre Melodien legen. „Alles Gold der Welt für Menschen, die es beherrschen, solche Stimmungen aus Silizium und Strom zu zaubern“, schreibt ein Rezensent auf amazon.de zu Witching Hour. Es ist der sense of detachment, der da zu hören ist, das Gefühl von Bindungslosigkeit, Schwerelosigkeit, Unerreichbarkeit. Wenn es da keinen Sinn macht, daß das fünfte Studioalbum von Ladytron Gravity The Seducer heißt, macht nichts Sinn.

Wenn scheue Menschen wie Helen Marnie die Hand aufs Herz legen, wirkt das für den flüchtigen Beobachter immer noch wie eisige Gleichgültigkeit, aber nur für den. Offenbarungen wie in „White Elephant“ mögen rätselhaft erscheinen, „suggesting a lingering fear of the inability to connect emotionally, an android-like anxiety“ (avclub.com), und wenn ein Song jetzt „Melting Ice“ betitelt ist, bedeutet das vor allem immer noch, daß Vertrauen ein Eisberg ist, und melting ice leaves nowhere to go. Ace of Hearts schreiben Ladytron noch immer Ace of Hz,

aber Begegnungen finden jetzt an entfernten Gestaden statt, wo unwirkliches Licht auf Schiffswracks fällt. Metaphern für rätselhafte Vergangenheit gehören zu einem romantischen Mystizismus, den jede Unmittelbarkeit verschreckt.

Ladytron-Songs handelten schon immer primär von Beziehungen und Gefühlen, nur auf ungewöhnliche, distanzierte Weise, und, vor allem, mit einem latenten Versus-Gestus und einem leicht feindseligen Blick, dem blank-eyed electrogaze, der Gefahr signalisierte. Der auch bedeutete: man beherrscht die Kunst der Verführung, aber auch die Kunst, ihr zu widerstehen.

Seit Witching Hour wurde die Ladytron-Klanglandschaft zunehmend dichte Materie: dramatisch, mitreißend, mächtig, gorgeous, dahinfegender big beat auf fusseligen Riffs und mit subtiler Distortion, darüber meist Helen Marnies Stimme, die schon immer einen unwirklichen Hauch hatte, deren Ungerührtheit mit der präzisen Diktion aber auch einer Agentin der Disziplinierung zu gehören schien, die den tease-and-denial-Eindruck, den Ladytron vermittelten, vollendete. Manchmal meinte man, in der funkelnden Schönheit echte Wärme zu spüren („All The Way“), dann wieder wirkte es wie Mimikry, Täuschung des Signalempfängers durch Nachahmung. 

Daß Helen Marnie als Nachnamen den Vornamen der Protagonistin eines meiner Lieblingsfilme hat, ist mir lange gar nicht aufgefallen. Wahrscheinlich wegen „Helen’s ability to crash ships with the mythical purity of her vocal chords“, wie ein Rezensent auf amazon.com schreibt. Nicht selten wurde aber auch der Eindruck beschrieben, „that Marnie is mocking ‚you,‘ whoever ‚you‘ are“; „there’s a feeling of vicious contempt when she addresses ‚you‘; „Helen Marnie, her sweet, intoxicating yet eerie vocals“; „(Ladytron’s) singers sounded sophisticated, remote and contemptuous.“ Sophisticated, mocking, contemptuous: durchaus wie Hitchcocks Marnie. Daß Mira Aroyo immer wieder Stücke auf Bulgarisch sang, was sich im Ladytron-Kontext anhört wie Extraterrestrisch, paßte dazu. 

Velocifero – lies: „Bringer of Speed“ – war ein Werk von bedrohlicher Brillanz („I wrote a protest song about you“), wo meist alle Maschinen auf Alarmstufe standen und mit Hyperenergie zündeten. Gravity The Seducer bringt Ladytron zurück aus der Satelliteneinsamkeit, bedeutet aber zugleich die Einladung, hinter die vermeintliche Indifferenz zu schauen, das Mysterium zu akzeptieren und in der leicht geisterhaften Ästhetik, im eisigen Hall, im Unwirklichen, Traumhaften, Versponnenen die Dinge aufzufinden, die direkt von Herzen kommen.

Ein feingliedriges Handumdrehen der kühlen Schottin und der bulgarischen Molekularbiologin, und ihre seltsam unheimlichen, herzzerreißenden Melodien erscheinen ätherisch, schwebend, verschwommen; „an airy feel that often sounds as if its creators‘ feet are barely touching the ground“ (pitchfork.com), den Beat tragen Luftgeister, wir befinden uns in einem wunderlichen, aber faszinierenden Traum: „Surrender with me, we’re walking in our sleep.“ Bring eine Violine, Photographien und verlorene Dinge.

Das Wagnis der Annäherung vollzieht sich im Unbestimmten, undeutlich und schemenhaft. Helen Marnies surreale Stimme vermittelt Unmögliches: entfernte Nähe. Sie kommt aus einer unwirklichen Sphäre, in der sie den Kampf zwischen Sehnsucht und Zurückweisung der Sehnsucht austrägt. „Holding hands with a mirage / You do not exist.“ Strange girl mit immer schon eigener Phänomenologie: das Geräusch von Schritten auf einem Schulhof, aber niemand ist zu sehen. Wenn Ladytron zur Bandgeschichte gern den Mythos erzählten, man habe sich zufällig in einem Zug in Bulgarien getroffen, gab schon dies der romantischen Möglichkeit den Vorzug gegenüber profaner Realität.

Daß kein Ladytron jemals lächelt, weiß man seit den Zeiten des „Blue Jeans“-Videos, als Helen Marnie und Mira Aroyo so aussahen und klangen, wie sowjetische Musik zu „Gorky Park“-Zeiten hätte klingen sollen.

Ladytron, Helen Marnie, "White Elephant" Video.

Jetzt sehen sie so aus und klingen, als wären sie in ihrer eleganten Schönheit Schwestern von Delphine Seyrig in „Les lèvres rouges“, oder überhaupt so, als würden sie ihr eigenes Marienbad durchqueren. Auf der Suche nach der verlorenen… Verlorenheit. Abstrakt und atmosphärisch, so war der Band-Plan für Gravity The Seducer. Helen Marnie erscheint als Hohepriesterin der schönen Priesterinnen,

um in ein Reich betörender Bilder zu führen, die auf magische Weise betrügerisch sein könnten, in dem aber nicht mehr kühle Verachtung das zu Fürchtende ist. Die Frage nach ihrem „favorite sci-fi movie“ beantwortete Mira Aroyo einmal mit „Solaris“, Tarkowski.

Der Planet Solaris wird von einem riesigen, mysteriösen Ozean bedeckt, dem eine Frau entsteigt, weil dieser ominöse Ozean in Wahrheit eine von menschlichen Kommunikationsversuchen gelangweilte, intelligente Wesenheit ist, die sich dann aber, mit Röntgenstrahlen gereizt, dazu entschließt, Träume und Gefühle der Raumfahrer-Störenfriede zu materialisieren. So ähnlich kommt das Strange Girl mit der eigenen Phänomenologie auf Gravity The Seducer zu uns, und ähnlich bewegend wie Natalja Bondartschuk in „Solaris“ kämpft sie um ihre Identität, und was sie dazu braucht, ist unsere Wehmut, dieses seltsame Sehnen, von dem sie lebt. Darum ist Gravity The Seducer so haunting und so full of mystery. Suggerierten Ladytron ehedem mit unterkühltem Gestus „unusual sexuality“, wie der Telegraph einmal schrieb, ist die Erotik von Gravity The Seducer im Grunde ein Austausch von Wehmut, der Überleben sichert.

Ladytron, Helen Marnie in "White Elephant".

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Musik

Eagles of Death Metal, Hamburg 2019

Schlägt langsam Dreizehn. Shaking hands with Jesse Hughes. Madame & ich befinden uns in der ersten Reihe, aber eher Außenposten rechts, zwar mit perfekter Sicht auf die Bühne, von der Bühne aus gesehen aber eigentlich eher im Funkloch. Trotzdem marschiert kurz danach

Jesse mit seiner weißen Gitarre um den Boxenturm herum, bleibt vor mir stehen, strahlend, like a long lost friend, wir schütteln uns die Hand, mit meiner Linken berühre ich den Oberarm von fatherbadass, kurz darauf habe ich sonnenhell schockiert vergessen, welches der erste Song war. „I Only Want You“. Natürlich. Surreal intimer Moment im Hexenkessel. Vor uns in the wings Legende Slim Jim Phantom von den Stray Cats, der mit Miss Jennie Vee liiert ist. Könnte Gott / Teufel bitte ein Sonett für Jennie Vee verfassen. Als sie mit Bass und Gesang für etwa 1,5 Minuten „Ace Of Spades“ angestimmt hat, kniet Jesse nieder, um ihre Hand zu küssen, Miss Vee nimmt den Handkuß äußerst huldvoll entgegen, 10 Sekunden lang sind die beiden ganz in ihrer eigenen Welt, zu Herzen gehend dabei Jesses Blick. Ja, der Mann gibt in Interviews auch mal Zinnober zum Besten, nicht alles posttraumatisch, manches nur töricht, selbst seinem guten Freund Mark Lanegan tat es weh, im März 2018, Hughes so „off the rails“ zu sehen, und er bat öffentlich: „Come back bro“. Aber wenn in einem Wanderzirkus eine Ballerina abends allein vor ihrem Zirkuswagen tanzt, dann ist es Herr Boots Electric, der sie ansieht voll Bewunderung und aufrichtiger Zärtlichkeit. „Jesse’s an eccentric, idiosyncratic, high-IQ nutball“ (Josh Homme), aber seine Empathie kennt keine Grenzen. Man darf nie vergessen, was diesem Mann aufgebürdet wurde, und daß es in seiner Lage überall Falltüren gibt. Ob ein Eagles of Death Metal-Konzert jemals wieder gänzlich unbekümmert sein kann, weiß der Himmel, a total blast ist jedenfalls immer auch a different kind of celebration jetzt. Wenn ich es richtig verstanden habe, war es ein Bataclan-Überlebender, der eine Tricolore mit der Aufschrift LOVE mitgebracht hatte, die dann von Jesse über die Bassdrum gelegt wurde. Ein neues Album ist gerade erschienen, „The Best Songs We Never Wrote“, unter den Covern das an diesem Abend auch gespielte „Moonage Daydream“ von David Bowie, Jesse wollte es klingen lassen, als käme es „from the times of Robert Johnson. Jack White has this recording machine at his studio in Nashville from the 30s which allows people to record a two minute, 50 second song directly to disc. I brought my whole band and we recorded it crowded round this bizarre single microphone. We sang the song and the cracks and pops are exactly the way it was recorded direct to a vinyl disc.“

Am bewegendsten aber „Trouble“.

„Cat Stevens is a hero to me and someone that I hold in high regard. ‚Trouble‘ itself is a powerful song about a very simple theme of personal trauma. I experienced an event in Paris that was very traumatic and this became my go-to song. It was the song I listened to every day that summed up the experience.“

Eagles of Death Metal, Hamburg 2019.

Statt Sonett.

Jennie Vee, Eagles of Death Metal.

Statt Hamburg: London, 2 Tage später

Eagles of Death Metal, 2019, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, 2019, Jesse Hughes.
Eagles of Death Metal, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, Jesse Hughes.
Jennie Vee, Eagles of Death Metal.

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Musik

Eagles of Death Metal

Jesse Hughes, Eagles of Death Metal.

Kurzer Dialog im SPIEGEL ONLINE FORUM am 29.08.2008:

T. K. Rauhut:

Sind die der Bukowski der Musik?

Christian Erdmann:

Die sind der Mozart des Sleaze, der Irving Klaw des Glamour, der Felix Krull des Rock’n’Roll, der Batman des Porn, der Backroom von Marlenes „Boys in the Backroom“ und der Mein Freund Harvey der Rolling Stones.

Eagles of Death Metal, Hamburg 2015, Ticket für das in die Markthalle verlegte Konzert.

„Hamburg!! You gobbled up all the tickets so quickly for our 06 June show, and we love you deeply for it. And that means we want to see even more of your sexy faces that night. We will now be performing at Markthalle. If you bought tickets for Gruenspan, your tickets will be honored at Markthalle.“ 

Badass-Wochen in Hamburg. Erst Marcelo Diaz, in Chile auch „Entengesicht“ genannt, mit seinem genial-schurkischen Freistoß past belief (90+1); dem Vernehmen nach beantwortete er Rafael van der Vaarts Vorschlag („Ich schieße“) mit angekautem Zigarillo im Mundwinkel und den Worten: „Tomorrow, my friend, tomorrow.“ Fünf Tage später, der Teufel ist nie weit hinter dir, Jesse „The Devil“ Hughes und die Eagles of Death Metal in der Markthalle. 

Minutenlang ohrenbetäubender Jubel, Rummel und Getöse, bevor auch nur der erste Ton von „Bad Dream Mama“ gespielt ist. Jesse Hughes ist überwältigt von so viel Licht und Liebe, freut sich wie ein Schneekönig über die entfesselte Tausendschaft und schüttelt zwischen den ersten Songs immer wieder ungläubig den Kopf. „Do you feel this shit goin‘ on right now? Do you feel this shit?“ fragt er uns und sich selbst. „Ach! Ach! Ach!“, wie Madame de Saint-Ange sagt. Konsequent monothematischer Groove durch die Philosophie im Boudoir. Die zuvor von Madame mit einem Tritt gegen den Türrahmen beklagte Absenz von Joey Castillo („The Sexy Mexy“) ist verschmerzt, Dave Catching, der mindestens zweitbeste Mann, der je aus Memphis kam, trägt jetzt einen weißen Bart von ZZ-Top-Länge und hat morgen Geburtstag. „It’s your fucking birthday tomorrow, right?“ Jesse kündigt ein Geburtstagsständchen für später an, aber das Vorhaben geht im allgemeinen Tumult unter. Für wen sonst tragen die Ladies so willig Teufelshörner, für wen sonst setzen Jungs sich Puschelohren auf, einfach, weil sie Puschelhase sein wollen für den Reverend. Ein Song namens „The Reverend“ feiert Weltpremiere, nach „I Want You So Hard (Boy’s Bad News)“ geht die Band von der Bühne, Jesse kommt allein zurück, spielt „Midnight Creeper“, und als er nach requests fragt, zündet noch der unkomplexeste Witz: Jemand ruft „Secret Plans“, Jesse: „Or did you say Secret Pants?“ „Brown Sugar“ von den Stones und „New Rose“ von The Damned, dann läßt Jesse seine three motherfuckers wieder auf die Bühne rufen, und es gibt „I Only Want You“ und „Speaking In Tongues“ für die Muschikatzen.  

„Two hours spent in heaven is cheap at any price.“ (JH). 

Auch Teil des Abends: You only wanted Snow White but you got the witch. It’s so easy without complexity.

Der hyperaktive Dave Grohl, wer sonst, zelebrierte Dave Catchings Geburtstag dann einen Tag später vor einem Trilliardenpublikum: 

-> Foo Fighters with Dave Catching, Rock am Ring 2015

Lektionen fürs Leben außer Death By Sexy: gern erzählt Hughes diese Geschichte über Benjamin Disraeli:

„The story is that he was walking along a very narrow sidewalk in a thunderstorm, and the gutters were full, and his political enemy was coming from the opposite direction. His enemy stopped short and glared at him, and said ‚I never step aside for a scoundrel.‘ And [Disraeli] tipped his hat, stepped into the gutter, and said ‚I always do.‘ Be the first one to step in the gutter, man. Just keep movin‘. I’m not gonna stop and bend ears for an asshole anytime, know what I mean?“ 

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Cocteau Twins

Cocteau Twins, Victorialand.

Was singt hier? Eine Seele, schwebend in der Textur der Dinge, das Unbewußte, spukend durch die Fluchten vergessener Räume, eine Sylphide, mit Engelsschauern in der Stimme menschliche Sprachen imitierend, eine Priesterin, mit der Sprache von Nymphen und Musen die magische Entfaltung der Welt begleitend. Der Geist, der einem Sterblichen unverstehbare Geheimnisse singt. Die komplexe und erschreckende Schönheit der Mondmelodien von Persephone und Lorelei, Klagelieder, deren Klage ewiges Mysterium bleibt, das Licht der Liebe in Tautropfen gefangen. Die Cocteau Twins klingen wie das Mädchen, das dir aus dem Jenseits zu verstehen geben will, wie sehr es weiß um das Pulverfaß des Herzens. Elizabeth Fraser betont jedes Wort in seiner unendlichen Bedeutung, nicht irdisch die Semantik. Eispuls. Goldstaubrausch. Herzwehglocken. Feenkleidgestohlenes Blau. Oh, der mingmak Gling-glo.

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Der Ort, der keiner ist: Joy Division

Joy Division, "Closer" Album Cover.

10.11.2007 

Die Schönheit und Gewalt von Joy Division, fast unmöglich zu beschreiben. Ein Klang und eine Stimme, die aus tintiger Schwärze kommen, um „New Wave“ auf die Ebene der griechischen Tragödie zu heben. Wahrscheinlich wird keine andere Band jemals diese kalte, scharfe Trauer berühren und vermitteln, diese Momente erschaffen, bei denen du plötzlich in Tränen ausbrichst. Das hat für mich nichts mit „Schwarzkitteltum“ zu tun, das ist so große Kunst wie Dante oder Michelangelo, die 80er sind ein musikalisch immer noch völlig falsch eingeschätztes Jahrzehnt. Die nächste Wiederentdeckung ist dann hoffentlich Bauhaus – die Songs sind zeitlos spannend und aufregend, man staunt einfach nur über den musikalischen Wagemut, das Ganze ist natürlich viel „artistischer“ als Joy Division, filmischer, mehr Artaud’schem Wahnsinn verpflichtet, das Verblüffende aber: sie wirken immer noch innovativ.

So sehr ich manche Metal-Sachen liebe: gegen die Songs dieser beiden Bands, allesamt scharf wie Messer in deiner Psyche, wirken die Black- oder Death-Metal-Geschichten auf mich ein bißchen wie die Fahrt durch die Kindergeisterbahn.

23.01.2008

Wenn man Curtis auf „Isolation“ hört, das Album dann mit „Heart And Soul“ in Geisterhaftigkeit abdriftet, der ewige Kampf dieses 23jährigen schließlich in der bleakness von „The Eternal“ und „Decades“ endet, wenn man versucht, sich die „Stroszek“ / Iggy Pop „The Idiot“-Nacht vorzustellen: noch immer gibt es in der Musik wenig, was so unter die Haut geht wie „Closer“, zwei Monate vor dem Suizid aufgenommen, posthum veröffentlicht.

Corbijn hätte viel falsch machen können, aber er hat alles richtig gemacht, angefangen mit der Besetzung. Sam Riley ist großartig.

Die beiden unberührbaren Monolithen „Love Will Tear Us Apart“ und „Atmosphere“ verbleiben im Original, aber wie Riley „Dead Souls“ singt, verursacht Gänsehaut. Auf der Bühne ist er wie eine bewegte Montage aus allen Bildern, die man je von Ian Curtis sah. Das Haus in der Barton Street. Es hatte immer etwas Seltsames, daß gleich zwei der Originalmusen, die Muse der rätselhaftesten Schönheit von Songlyrics und die Muse der unausweichlichen Tragödie, in diesem Macclesfield Lower Middle Class-Bau hausten, in diesem Schauplatz der verzweifelten Sehnsucht einer jungen Frau nach dem kleinen Glück mit den schrecklichen Gardinen und der schrecklichen Vase auf der schrecklichen Kommode, und doch war es aufgehoben in der Unmöglichkeit, ein Joy Division-Stück zu beschreiben: Schauplatz der Nichtkommunizierbarkeit. Eine der bewegendsten Szenen: wie Riley / Curtis nur schweigend den Kopf senken kann vor Debbies Tränen: „Who’s Annik? How long have you been seeing her? Answer me, Ian! Don’t ignore me! I don’t deserve this… I don’t deserve this…“. Nur in der Einsamkeit der Kunst war die Antwort möglich: „Atmosphere“.

Corbijn war behutsam genug: Annäherung gelungen, das Enigma bleibt. 

10.08.2010 

BUT IF YOU COULD JUST SEE THE BEAUTY aus „Isolation“ ist wahrscheinlich der Ian Curtis-Satz, der mir immer schon am heftigsten das Herz zerriß, beim Wiedersehen von „Control“ fiel mir auf, wie auch Corbijn diesen Satz, diese Strophe besonders hervorhebt. These things I could never describe. Poetry, sein Traum, wie Rosen in dieser bleakness, weil es sonst keine Verständigung gab, du kannst nur an diesem Ort, der keiner ist, beschreiben, was wirklich ist und was du bist, das ist das tödliche Paradoxon. Auch wieder gedacht, wie neben Joy Division so vieles, was mit Abstieg in Dunkelheit spielt, Kindercartoon wird.

Womit ich nichts gegen Kindercartoons gesagt haben will. Oder gegen Cartoons überhaupt. „Wer am St. Nimmerleinstag in die Gewalt einer Hexe gerät, die ihn nur gegen Lösegeld freigeben will, hat das Recht, einen zweiten Vorschlag zu verlangen, wenn ihm der erste nicht entspricht.“ (Dagobert Duck / Der goldene Eisberg). Was aber, wenn einem die Hexe entspricht?

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Journal Musik

Hiraeth

Die wahrscheinlich letzten Aufnahmen von Mark Lanegan auf diesem Planeten.

Will miss him for the rest of my days. But this helps. And what a beautiful song.

Mark Lanegan, Straight Songs Of Sorrow.
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Aljoscha der Idiot Musik

Rowland S. Howard

„Der Mann der Stunde war Nick Cave, ehedem Sänger der Birthday Party, einer Combo, die so klang wie der eiskalte Samen des Teufels sich anfühlen mußte. Cave zog durch seine Texte wie ein Wanderprediger mit Dreck am Stecken zwischen Sumpfland, Strumpfband und Altem Testament. Sein Spießgeselle war jetzt nicht mehr der seltsame Rowland S. Howard, der mit seinen weinenwollenden großen Augen wirkte wie ein im Cabinet des Dr. Caligari Vergessener und von dessen Gitarre Georg Büchner sagte, daß sie wie ein offenes Rasiermesser durch die Gegend lief (man schnitt sich an ihr), sondern Blixa Bargeld, dessen luziferisches Gebrodel über Caves Lieder kroch wie eine Tarantel übers Bett. Kicking Against The Pricks und Your Funeral, My Trial von Nick Cave schärften den Sinn für die manische Unschuld der Obsession.“


„Vor etwa zwei Stunden hatte Aljoscha eine LP der Birthday Party neben einen Spiegel gestellt und sich selbst davor, um einen Haarschnitt vorzunehmen. Der Kopf des auf dem Cover abgebildeten Gitarristen Rowland S. Howard diente ihm als Vorbild. Hallo, ich bin Butch, und ich nenne diesen Schnitt Scheitel am Ende. Man trägt ein artiges weißes Hemd dazu. Es ist ein Scheitel, dessen Sachlichkeit zugleich betont und zerfetzt ist, verheert, zerwirbelt, verderbt. Die Wirrnis der Fasson. Der Formschnitt der Zerrüttung. Keine Strähne verschafft eine Ahnung, was zum Teufel all das bedeuten sollte, jeder Wirbel verweigert die Mitarbeit. Der Scheitel des Bösen. Aljoscha hatte aufgehört zu funktionieren. Er hatte aufgehört zu resignieren.“

[Christian Erdmann: Aljoscha der Idiot]

Rowland S. Howard. Artikel von Christian Erdmann.

Rowland war für mich immer ein entfernter Satellit, der an bedeutenden Punkten meines Lebens Signale sendet. Ich glaube, es war sein Gesicht, das mich zur Birthday Party brachte. Die Szenen in „Wings Of Desire“, die sich einem ins Gedächtnis brannten. Im Winter unserer Durchgangsriten war er da mit „Wedding Hotel“. „It’s Still Living“ neben meinem Spiegel, um mir den Scheitel des Bösen zu verpassen. These Immortal Souls live, damals, als Konzerte, die für 20:00 angesetzt waren, kurz vor Mitternacht begannen. Dann entdeckt man ihn als Entdecker der Lee Hazlewood / Nancy Sinatra-Größe, mit „Some Velvet Morning“. Und dann kam „I’m Never Gonna Die Again“ – „Crowned“. Gott weiß wohin Genevieves Piano am Ende, das nochmal aus der Stille kommt, meine arme Seele schon geführt hat.

Rowland S. Howard.

Über Rowland S. Howard @ SPIEGEL ONLINE Forum:

23.10.2007

Kuechenchef:

In der Tat habe ich gestern eine lange Crime & The City Solution- und Spätburgunder-Nacht veranstaltet. Angefangen mit der The Dolphins and the Sharks-EP … bis Shine. Dabei ist mir folgendes Schätzchen in die Hände gefallen, dessen Existenz mir nicht mehr wirklich bewusst war, Nikki Sudden and Rowland S. Howard – Kiss You Kidnapped Charabanc. 

Christian Erdmann:

Und natürlich laufen bei alldem so viele Filme ab, daß ich auf den Spätburgunder lieber von vornherein verzichte, aber wie Lou Reed mal sagte, jeder Wirbelsturm hat ein Auge, und durch das muß man durch. Und auf der anderen Seite bleibt dann einfach, daß „Wedding Hotel“ ein großer Song war, ist, und immer sein wird.

kpone:

… Lydia & Rowland mit „Shotgun Wedding“. Da läuft mir immer wieder ein Schauer über den Rücken.
Nicht immer zeugen viele Noten und Breaks für Qualität.

Lydia Lunch, Rowland S. Howard: Burning Skulls

Christian Erdmann:

Was die Breaks angeht… im Nachhinein betrachtet… „Hee-Haw“ hat zuweilen sehr vertrackte Rhythmen, diese seltsame Art von Beautiful Losers-Jazz, der Rhythmus als Strafaktion, und halb hält Howard genau das in der Hand, halb schneidet er mit dem Rasiermesser hinein.

Gerade auf der zweiten These Immortal Souls-Platte („I’m Never Gonna Die Again“) bindet er sich dann aber mal richtig die spitzen Schuhe zu, Stücke von ungeahnter Stringenz, und das etwa 10 Minuten lange „Crowned“ – über das, was passiert, wenn man sich über längere Zeit hinweg über den Schlaf (und ein paar andere Dinge) erhebt – ist vielleicht das beste, was er je gemacht hat, die Beats, die Epic Soundtracks auf diesem Stück auf der Snare hinterläßt, kann kein Sterblicher zählen, und während sich das Ganze am Ende selbst manisch in den Boden dreht, entlarvt diese wunderbare Piano-Melodie von Genevieve McGuckin, die erstmal gegen die neun Höllenkreise ankämpft und dann aus der Stille nochmal wiederkommt, einen wie Howard („I’ve been crowned in black, now I abdicate“) als letztlich heillosen Romantiker. Ganz, ganz groß.

18.03.2008

„Exit Everything“ flattert hier seit Tagen mit schwarzen Engelsflügeln herum und sprüht „Das Herz ist eine Kampfzone“ an die Wand.

07.07.2008

Hatte ich Dir eigentlich seinerzeit erzählt, daß es in dem nicht so berauschenden „Queen of the Damned“ eine kurze Szene gibt, in der eine „Vampir-Combo“ aufspielt, bestehend aus Aimee Nash, Robin Casinader, dem wunderbaren, Dir ja nun auch bekannten Hugo Race und *drumroll* Rowland S. Howard, ex-The Birthday Party, ex-Crime & The City Solution, ex-These Immortal Souls, ex-Lydia Lunch-Kumpan, ex-everything (Song seines Soloalbums „Teenage Snuff Film“: „Exit Everything“), ex-Konsument-von-allem. Wie Du weißt, kann man ihn auch als „im Cabinet des Dr. Caligari Vergessener“ bezeichnen, aber es war einfach schlagend, wie das natürliche unnatürliche Aussehen dieses Mannes ihn vampirhafter erscheinen ließ als den ganzen Rest der Filmvampire!

Queen of the Damned – Deleted Scenes – The Band

07.09.2008

„Exit Everything“ ist so richtig, daß es fast schon falsch ist, erinnert daran, daß Gott ein passiv-aggressiver Profilneurotiker ist, und bleibt dabei cool wie eine tiefgefrorene Gurke.

09.02.2009

Fad Gadget, „Ad Nauseam“ von „Gag“ (1984). Verstörender als 3 Death Metal-Bands auf 1 Pferd, Gitarre Rowland S. Howard.

12.02.2009

Eine der vielen guten Taten Rowland S. Howards: in einer Zeit, in der sich niemand darum kümmerte, auf die Klasse der Hazlewood / Sinatra-Songs zu verweisen, genau wie Nick Cave mit „Kicking Against The Pricks“ Traditionslinien betonte. Die slightly demented Lunch / Howard-Version ist Geschmackssache, ich finde sie wunderbar.

09.07.2009

Von Alex Chilton hat Rowland S. Howard mit seinen These Immortal Souls mal „Hey! Little Child“ gecovert. Der kann überhaupt gut covern.

30.10.2009

Es gibt eine neue Platte von Rowland S. Howard (The Birthday Party, Crime & The City Solution, These Immortal Souls), „Pop Crimes“.

Seine erste Soloplatte, „Teenage Snuff Film“ von 1999, gehört zum Besten, das je aus Australien kam.

Und jeder sollte ihm Glück wünschen. „Basically I got liver cancer, I’m waiting for a transfer, if I don’t get it things might not go so well… so…“

30.12.2009

Heute morgen ist Rowland S. Howard gestorben.

30.12.2009

Als Fad Gadget starb, war ich neu im Internet. Ich fand eine Art Kondolenzbuch auf seiner Website, und trug etwas ein. Aus den 80ern hatte ich noch so einen Artikel über ihn. Der war begleitet von einer Bilderserie; Frank Tovey (sein richtiger Name) und seine damals vielleicht 3jährige Tochter veranstalten eine Tortenschlacht. Sehr niedliche Bilder, sehr im Kontrast zu der damals gefährlich und diabolisch wirkenden Bühnenfigur Fad Gadget – der gerade das Album „Gag“ veröffentlicht hatte; auf einem Stück davon spielt übrigens Rowland S. Howard Gitarre. – In meinem Eintrag also erwähnte ich diese Bilder. Kurze Zeit darauf stand folgender Eintrag online:

„Thank you for all of your messages. I’m still reading them so please keep writing. Thank you to Christian for the message about the photo shoot with me and dad and the cake. I still have one of the photos from that shoot framed in my bedroom, it’s one of my most treasured possessions. Thanks and love to you all, Morgan.“

Das, und zu lesen, wie viele Menschen around the world die Kunst dieses Mannes schätzten und liebten, ließ mich denken, das Internet ist womöglich keine schlechte Sache.

Ja, es hat ihm wehgetan, daß sein Werk nicht die Würdigung fand, die es verdient hätte. Ich finde es ebenfalls schmerzlich, wie manche, die ganze Heerscharen von Epigonen zu hoffnungsloser Mittelmäßigkeit verurteilen, so langsam im Nebel verschwinden. Auf der anderen Seite ist es immer eine Wohltat, auf YT, wie mir gerade bei Siouxsie & The Banshees wieder geschehen, zu lesen, wie 17jährige diese Musik entdecken und ihnen die Kinnlade runterfällt darob, daß es sowas mal gegeben hat.

Warum ich das alles erzähle, weiß der Himmel – vielleicht weil ich heute morgen diese Nachricht bekam: „I woke up this morning and someone told me Rowland died. I’m crying like a child.“

Rowland S. Howard – The Birthday Party, Crime & The City Solution, These Immortal Souls, zwei gloriose Soloalben, massenhaft Kollaborationen. So einflußreich und innovativ, es bräuchte einen eigenen Museumsflügel für ihn. Im Grunde auch der Mann, der für die Postpunk-Generation das Interesse an Lee Hazlewood wiederbelebte, als dieser völlig aus dem Fokus war, mit „Some Velvet Morning“, Duett mit Lydia Lunch.

Ein Nachruf:

-> Rowland S. Howard hangs up his guitar for keeps 

„I think that the most important thing about music should be that it expresses some kind of humanity and it should express the personality of the person who is playing it.“

04.01.2010

Zum Tode Rowland S. Howards:

-> Geier unter Starkstrom

05.01.2010

kpone:

RIP 

„I think that the most important thing about music should be that it expresses some kind of humanity and it should express the personality of the person who is playing it.“ 

Sorry, Christian, hab‘ ich grad mal bei Dir rauskopiert. Natürlich war Howard kein „Supergitarrist“ à la Malmsteen, Satriani, Moore und wie die ganzen Griffbrettmasturbanten alle heißen. Aber da wo Gefühl und Akzentuierung gefragt waren, da hat er sein Metier beherrscht wie kein Zweiter. Allein auf der kompletten LP „Shotgun Wedding“ mit Lydia Lunch zeigen einzelne Töne zur richtigen Zeit, langsame Melodiefolgen einzelner Töne mit kurzem komplett Anschlag eines Akkords über drei Saiten, dass weniger meistens mehr ist.

Feeling für Strukturen, Harmonien (bei Birthday Party meist Disharmonien) und Riffs, die einen bis ins Mark treffen und Schauer über den Rücken jagen, müssen nicht immer technisch perfekt sein oder bis in jede 32tel Triole zu analysieren sein.

R.S. Howard war einer der ganz Großen.

Christian Erdmann:

Sorry, Christian, hab‘ ich grad mal bei Dir rauskopiert.

Gern. Doch noch schön, das alles zu lesen hier; hatte heute morgen schon dem Herrn Buß mein Mitgefühl aussprechen wollen dafür, daß er den deutschen Kulturseppl nahezu todesmutig doch noch mal an etwas Spannendes und Bedeutendes erinnern wollte, bei einer 90:10-Wahrscheinlichkeit von „Rowland wer?“. In jedem englischsprachigen Nachruf findet sich das Wort „influential“, gern mit einem „most“ davor und einem „komma, inventive“ dahinter. Daß Rowland S. Howard in Deutschland vergleichsweise „einflußlos“ war, würde ich gar nicht unbedingt bestreiten; eben daß Gitarristen dieses Kalibers – der Mann hatte einen Stil, den man 10 Meilen gegen den Wind erkennen konnte, präzise, schneidend, durchdringend, aber mit einem phantastischen Sinn für Klang, Struktur und Nuancen – vergleichsweise „einflußlos“ geblieben sind, ist ein Teil der Erklärung dafür, daß deutsche Musik so grottenlangweilig ist.

RSH hatte eine Lone-Ranger-Stimme von düsterer Determiniertheit, die immer etwas Unheimliches hatte, aber eine Stimme, die selbst schon mehr erzählte als tausend in Verbindlichkeitsakkorden absaufende Wischiwaschitexte. Wer sich mit den Texten wirklich beschäftigt, erkennt darin natürlich kleine poetische Sprengköpfe allerorten, RSH hat immer literarische Einflüsse zugegeben, von denen er meinte, daß er sie noch durch einen vielleicht nicht immer leicht verständlichen, spezifisch australischen Humor filtert, der mit dem vermeintlich Morbiden ganz gut umgehen kann. Großer Mann des dunkelromantischen weißen Blues, der ein genieförmiges Loch in der Kultur hinterläßt. 

Aus einem Review zu „Pop Crimes“:

„And it’s a revelation. Howard comes across as an intriguing blend of world-weary cynic and romantic, with that oddly puritanical streak you often get in lifelong ‚outsiders,‘ with a deliciously rich vein of black humour to bring it all to life. His cavernous voice sounds like it has smoked a forest of cigarettes but conversely has that rare power which comes from a sense of having really lived.“

01.07.2010

Einer, der gehen mußte: von Rowland S. Howards nun erschienener „Pop Crimes“.

10.12.2010

kpone:

Der hat sich einfach die Zeit genommen, Emotionen in Musik zu packen & Töne auch mal stehen zulassen, um damit zu kommunizieren. Demnächst jährt sich sein erster Todestag. R.I.P. Rowland. Never got the chance to see you on stage.

Christian Erdmann:

Thx. Ja, man möchte pathetisch werden, und warum auch nicht, ich danke den Göttern, die zwischen den Atomen sitzen und kichern, daß sie uns Diesen Unsterblichen Seelen zuführten, damals, als bestimmte Konzerte aus bekannten Gründen ca. 3 Stunden später begannen als angekündigt. Hager, ausgemergelt, als wäre Sonne ihm nur vom Hörensagen bekannt, schien er mehr Wesen als Mensch, später, in „Queen of the Damned“, bei seinem erstaunlichen Cameo, war er wohl der einzige, den man nicht eigens zum Vampir hinschminken mußte. Seine Art, sich zu bewegen, beeindruckte mich zutiefst. Eben die Art eines sehr schlanken, sehr großen Mannes, der ein Messer gegessen hatte. Die wunderbare Jutta Koether schrieb mal, These Immortal Souls stanzen in kostbarer Düsternis Blumen in schwarzes Glanzpapier. Und das ist natürlich das genaue Gegenteil von „depressiv“. Er liebte James Ellroy und verriet immer so interessante Dinge wie etwa, daß Blixa Bargeld eine Schuhputzmaschine besäße. Die drei besten „Wedding“-Songs: das „White Wedding“-Cover der Queens of the Stone Age, „Wedding Dress“ von Mark Lanegan, und „Wedding Hotel“ von Rowland S. Howard und Nikki Sudden.

Ein paar Platten, die der Mann todsicher zuhause hatte:  die großen, großen Shangri-Las. Wenn der nicht auch a crush on Mary Weiss (Capricorn, weiß man schon, bevor man es nachliest) hatte, will ich einen Besen fressen.

„Worte und Sounds lange nach Mitternacht. Winter-Pop. Was kümmert uns der schmutzige Schnee? Behende eilen die Immortal Souls spitzschuhig darüber hinweg.“ – Jutta Koether

„Autoluminescent“ Movie Trailer

The Birthday Party: „Junkyard“, TV 1982

The Birthday Party

„Rowland S Howard (the „W“ in Rowland and the „S“ in the middle were not negotiable) was one of this world’s most ridiculously singular and charismatic individuals. He was himself to the nth degree. He was beautiful, extraordinary, intelligent, funny, wickedly talented, wickedly human, affectionate, warm loving and always entertaining to the precious people in his life. He was as dapper as the devil, at times as shabby as an aristocrat who’d fallen on hard times.

He felt things in a wholly unimpeded way, there were no walls between his heart and his mouth, his skin was thin. When he loved he loved with all his heart, soul and mind, he could break hearts and did. He railed and writhed in agony when his own heart was broken. He devoured life and books and films and music and pop culture with a curiosity and zest for new information that was astonishing. He was a popular criminal. He was great and he was flawed, and life tested him again and again, but he arose from times of gloom and adversity to charm and amuse and spark and spin and produce songs and music that came straight from the centre of his being with an honesty and intensity that was bone-deep. He didn’t suffer fools gladly, if at all, yet he was always a gentleman.

His life was 50 years long, different periods of friends, cities, bands. So much happened it would be impossible to cover or do justice to them all. This is a eulogy, not a biography.

I’ll miss his blue eyes, his face, his downturned smirk, his raised eyebrow, his fount of information, his devilish humour, the sound of his voice. His compassion and empathy, his loyalty, his chuckle, his mocking laugh, his huge vocabulary. I’ll miss him telling me exactly what to read and see. I’ll miss his presence, the light he shed on those around him, his music, his singing, his words that made us cry, and watching and hearing him skip and strut and swing that guitar like a screechy demon, wringing the most bone shatteringly beautiful noises out of the ether while he sang his heart out all over the place. It all came from the most profound regions of his soul. It was how he expressed himself.

Through everything Rowland, you were the best friend of my life. I couldn’t have asked for more.“ 

Genevieve McGuckin

„Rowland’s quest is to banish banality from the kingdom.“ – Harry Howard

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Musik

Nick Drake

Nick Drake.

Träumte heute, daß es ein Album von Nick Drake gibt, das er vor der Welt versteckt hat, und er spielt mir zwei oder drei Songs vor, die ich im Traum kristallklar hören kann, und die ganze Szene läuft in „There you are“-Color. [Seine Schwester Gabrielle erzählt in „A Skin Too Few“, wie Nick in ihr Zimmer in London kam und mit einem gehauchten „There you are“ eine Pressung von „Five Leaves Left“ aufs Bett warf.] Die Magie seiner rechten Hand, sein fingerpicking, „like a machine“ (Robert Kirby, Arrangeur), like a soft machine, jede Saite seiner Gitarre distinktes Instrument eines Orchesters, das jede Jahreszeit in Herbst verwandelt, „Wie ein Traum verfliegen Ewigkeiten, / Schläft der Jüngling seiner Braut im Arm“ (Hölderlin), der Klang dieses fingerpicking ist der Schlaf im Arm der Braut, die er niemals hatte. „Cello Song“, beyond words.

Strange face
With your eyes
So pale and sincere
Underneath you know well
You have nothing to fear
For the dreams that came
To you when so young
Told of a life
Where spring is sprung

You would seem so frail
In the cold of the night
When the armies of emotion
Go out to fight
But while the earth
Sinks to it’s grave
You sail to the sky
On the crest of a wave

So forget this cruel world
Where I belong
I’ll just sit and wait
And sing my song
And if one day you should see me in the crowd
Lend a hand and lift me
To your place in the cloud


Daß The Cure The Cure heißen wegen der Zeile „Time has told me you’re a rare, rare find / A troubled cure for a troubled mind“, führt uns zu dieser Pilgerseele, die nicht von dieser Welt war. This is the one:

Die rätselhafte Schönheit seiner Songs, die man nie wieder verlassen kann, once you’re in. Sagte vor seinem Hinfortgang zu seiner Mutter: „If only I could feel that my music had ever done anything to help one single person, it would have made it worth it“. Könnte er nur wissen, wie viele Menschen ihm so gern sagen würden, was seine Musik ihnen bedeutet.

[ -> Fuck off 2016 ]


Nick Drake wurde nur 26. Sein stilles, trauriges Weggehen, seine Unrettbarkeit, die Schönheit seiner Songs, all still so touching. Brad Pitt hat mal für die BBC eine Gedenksendung für Nick Drake moderiert.

Was ich lange nicht wußte, Gabrielle Drake, in die ich mal schrecklich verliebt war, ist Nick Drakes Schwester.

Gabrielle Drake als Lt. Ellis in "U.F.O."

Lt. Ellis in dieser Serie hier, die Frau, die weiß, wie man die Verfolgungssysteme der B142 aktiviert.

[ -> Adventskalender 2013 ]


Alain Johannes über „Hum“:

The feeling of this song reminded me of Nick Drake and those beautiful recordings in the early 70s. I envisioned a forest setting and the gentle breeze and sounds of leaves underfoot as the old oak comes into view. A sacred place where the connection beyond time and space to your missed loved one still exists.

July 2020

[ -> loudersound.com ]

Molly Drake, mother of Nick Drake and Gabrielle Drake.

Molly Drake, Mutter von Nick und Gabrielle.

„Molly Drake never released any official publications of her poetry or compositions in her lifetime, but she had a profound impact on the musical style of her son. As Nick Drake’s music gained a larger following after his death, Molly Drake’s recordings have been released, which uncover the musical similarities between her and her son.“

[ -> Molly Drake ]

Nick Drake.

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Musik

Einstürzende Neubauten

„Und diese laute Trümmermusik! Diese Einstürzenden Musikhallen, oder wie die heißen.“ 

„Neubauten.“

„Da kann ein kleines Kind nicht gedeihen! Es muß auch mal Mozart hören!“

„Das Beste, was man im Leben finden kann, ist große Kunst. Das kann ein Kind gar nicht früh genug lernen.“

„Das Beste ist große Kunst? Na hör mal!“

Zuletzt verschlug es Aljoscha in einen Schallplattenladen. Ein alter schwarzer Bluessänger sang alten schwarzen Blues. Der Mann an der alten schwarzen Kasse sah aus wie Majakowski. An einem Ständer hingen T-Shirts. Aljoscha sah sie gelangweilt durch, bis er eines mit dem Erkennungszeichen des Kollektivs Einstürzende Neubauten fand. Auf dem schwarzen Stoff zeichnete sich ein archaisches Symbol ab, das an eine Höhlenmalerei der Frühzeit erinnerte. Nur war hier kein Tier dargestellt von Menschenhand, sondern eine menschliche Gestalt, die so wirkte wie die Vorstellung, die ein Tier vom Menschen haben könnte. Ein Rückgrat, davon ausgehend Arme und Beine, statt Händen oder Füßen nur die Andeutung einer atavistischen Drehung der Extremitäten; der Kopf ein Kreis, überdimensional vergrößert, und in den Kopf-Kreis war ein Mittelpunkt gemalt. Wie der Herzmittelpunkt in der Umrißzeichnung eines Elefanten in der Pindal-Höhle, 12000 Jahre alt. Was bedeutete dieser Mittelpunkt hier? Gesicht? Blick? Brennpunkt? Verdacht auf Innewohnendes? Vermuteter Sitz einer Matrix, die für unfaßbare Vorgänge im Innern der Gestalt verantwortlich ist?

Reduktion auf das Wesentliche, äußerste Stilisierung, äußerste Verdichtung. Diese Figur, dieses ins Quintessentielle implodierte Menschlein, strahlte gespenstische Intensität aus. Unheimlich stand es da wie die unentzifferbare Wahrheit des Schauerlichen, unheilschwanger in seiner primitiven Indifferenz, und lud sich auf mit Exzentrizität – mit extremer Abweichung vom gegenwärtig eingenommenen Punkt.

Christian Erdmann, „Aljoscha der Idiot“

Einstürzende Neubauten Logo.

SPIEGEL ONLINE Forum

„CDs der Woche – und Ihre Favoriten?“

25.01.2008

Christian Erdmann:

Mir geht es mit den Einstürzenden Neubauten so: seit „Haus der Lüge“ waren auf jedem Opus fünf große Songs, aber die waren dann richtig groß. „Tabula Rasa“ hatte fünf, „Ende Neu“ hatte fünf, „Silence Is Sexy“ hatte fünf. Und das Seltsame ist: „Perpetuum Mobile“ fand ich dann wieder richtig gut, von Anfang bis Ende. Sounds und Bilder wie auf „Ein seltener Vogel“

Nach dem Regen sind nicht mehr alle dabei
Zum Beispiel
Das Pteranodon ist nicht mehr dabei
Zum Beispiel
Archaeopterix ist nicht mehr dabei
Zum Beispiel
Selbst der Shenzhouraptor ist nicht mehr dabei
Zum Beispiel
Sowieso sind nach dem Regen die meisten nicht mehr dabei…

machen (können) hierzulande halt nur die Neubauten, und ich fand, jetzt, wo BB auch mit seltsamer Melancholie zu Werke gehen kann, steckt er textlich immer noch alle in seine faustisch-mephistophelische Tasche, wenn er will.

12.02.2008

Christian Erdmann:

Arvo Pärt kennt natürlich mittlerweile jeder, und jeder weiß auch, daß die Einstürzenden Neubauten in „The Garden“ mit einem Streicher-Arrangement aufwarteten, das eine gezielte Verbeugung in Richtung Pärts „Cantus in Memory of Benjamin Britten“ ist. Was nahelegt, daß auch Blixa Bargeld, wenn er bei Zadek freihatte, ins Hamburger Ballett geschlichen ist. Die schönste und beste der Hamburger Primaballerinen, Heather Jurgensen, habe ich in den 90ern beim Konzert von Rickie Lee Jones gesehen. Und deren Version von „Comin‘ Back To Me“ geht so unter die Haut, daß man heulend zusammenbrechen und fragen möchte, warum der Himmel nicht genug ist. Soviel zu gestern nacht. Heute morgen dann…


SPIEGEL ONLINE Forum

„Literatur – Was lohnt es noch, zu lesen?“

19.02.2007 


Mixolydian: 

Gute Gegenwartsliteratur liefert genau das: sie ordnet die Dinge, die sich der Sprache immer schneller entziehen, in eine offene, unvollkommene Struktur voller Brüche ein und schreibt, ein Glücksfall, mit ihrem Mut zur Lücke „schwarze Zahlen ins utopische Kalkül“ (Blixa Bargeld, wer sonst).

Christian Erdmann:

Genau.

Ich träum‘, ich treff‘ dich ganz tief unten
Der tiefste Punkt der Erde, Marianengraben, Meeresgrund
Zwischen Nanga Parbat, K2 und Everest
Das Dach der Welt, dort geb‘ ich dir ein Fest
Wo nichts mehr mir die Sicht verstellt
Wenn du kommst, seh‘ ich dich kommen schon vom Rand der Welt
Es gibt nichts Interessantes hier
Die Ruinen von Atlantis nur, aber keine Spur von dir
Ich glaub‘, du kommst nicht mehr
Wir haben uns im Traum verpaßt

Du träumst mich, ich dich
Keine Angst, ich weck‘ dich nicht
Bevor du nicht von selbst erwachst

Übers Eis in Richtung Nordpol, dort werd‘ ich dich erwarten, werde an der Achse stehen
Aus Feuerland in harter Traumarbeit zum Pol, wird alles dort sich nur um uns noch drehen
Der Polarstern direkt über mir
Dies ist der Pol, ich warte hier
Nur dich kann ich weit und breit noch nirgends kommen sehen
Ich wart‘ am falschen Pol
Wir haben uns im Traum verpaßt
Du träumst mich, ich dich
Keine Angst, ich finde dich
Bevor du noch von selbst erwachst

Bitte bitte weck‘ mich nicht
Solang‘ ich träum‘ nur gibt es dich …

Du träumst mich, ich dich
Keine Angst, ich weck‘ dich nicht
Bevor du nicht von selbst erwachst

Lass mich schlafend heuern auf ein Schiff, Kurs Eldorado, Punt, das ist dein Heimatort
Warte an der Küste, such‘ am Horizont, bis endlich ich sehe deine Segel dort
Doch der Käpt’n ist betrunken und meistens unter Deck
Ich kann im Traum das Schiff nicht steuern, eine Klippe schlägt es leck
Im Nordmeer ist es dann gesunken, ein Eisberg treibt mich weg
Ich glaub‘ ich werde lange warten, Punt bleibt unentdeckt
Wir haben uns im Traum verpasst
Du träumst mich, ich dich
Keine Angst, ich weck‘ dich nicht
Bevor du nicht von selbst erwachst

Du träumst mich, ich dich
Keine Angst, ich finde dich
Am Halbschlafittchen pack‘ ich dich
Und ziehe dich zu mir
Denn du träumst mich, ich dich
Ich träum‘ dich, du mich
Wir träumen uns beide wach.

(Einstürzende Neubauten: Stella Maris)

„Nur“ Songlyrics. Poesie als Macht von Bildern, neue Bilder zu beschwören. Ein jeder der Traum eines anderen, als wären wir nur Geburten der Sehnsucht. Während Streicherklänge das ewige Eis überfliegen, schaffen Liebe und Traum neue Naturgesetze. Herstellung von Schönheit, wo man sie nicht vermutet, ist die Spezialität des lange Zeit als Nihilist verkleideten Romantikers, der plötzlich das Unsagbare sagt.


12.01.2008

Christian Erdmann:

Blixa Bargeld (49. Geburtstag)

kurzundknapp:

Gehört der wirklich in diesen erlauchten Kreis, „Einstürzende Neubauten“ war das doch…

Christian Erdmann:

Ist immer noch.
Im SPIEGEL wurde er kürzlich ganz treffend als „semantischer Muezzin“ bezeichnet.

kurzundknapp:

Aljoscha, haben Sie Texte von dem Vogel, so bleibt der virtuose Umgang mir unerschlossen und zum Finden fehlt mir die Laune…

Christian Erdmann:

Na, wenn Ihnen zum Finden die Laune fehlt, wird Ihnen auch die Laune fehlen, Bargeld als Poeten zu würdigen. :)

Natürlich arbeitet Bargeld in einem anderen Medium, dem Songtext, aber kürzlich wurde hier ja ein Verfasser von Kirchenliedern gewürdigt, und nicht vergessen: Bob Dylan erscheint permanent als Kandidat für den Literaturnobelpreis. Jedenfalls, die Zeiten, in denen Bargeld als mephistophelischer Kopf von Strukturvernichtern in Erscheinung trat, sind schon länger vorbei, heute schillern seine Texte zwischen Romantik und Dada.

Das Problem der EN ist, daß sie eben Musik machen, Bargelds Texte aber im ehemaligen Land der Dichter und Denker als zu dichterisch und denkerisch wahrgenommen werden, und er diesen Gestus natürlich auch düster-ironisch ausspielt, was ihm keine Freunde macht. Ein Bargeld-Love-Song sieht beispielsweise so aus wie „Stella Maris“, BB im Duett mit Meret Becker.

Ich zitiere der Einfachheit halber mich selbst: „Mancher hat ein Traumland, das er Nacht für Nacht durchwandert, im Wachen nie gesehene Gestaltungen, stets aufs neue reproduziert, wie Gedächtnisrelikte eines früheren Daseins. Jeder hat im Traumreich seine eigenen Archetypen. Und die unergründliche Regie der Nachtseele ergötzt sich an unbegreiflichen Konstanten und merkwürdigen Apotheosen.“

Nicht vergessen, es ist ein Song, aber in diesem Metier gehört BB’s Arbeit sicher zum Besten, was mit deutscher Sprache derzeit angestellt wird.


Blixa Bargeld, Stimme frißt Feuer, Berlin 1988:


„Musik setzt sich für mich aus drei Teilen zusammen: Macht, Magie und Wahnsinn.“ (Sounds 11/1981)

„Ich mag nur die Musik (wenn ich Musik mag) von Toten, Unschuldigen und denen, die ganz außerhalb stehen.“ (Tele 5, Nachtexpress 1988)

„Ich habe immer behauptet: ‚Ich kann nicht Gitarre spielen‘. Ich kann auch wirklich nicht Gitarre spielen; ich habe nie geübt. Aber ich habe dieses Nicht-Spielen-Können jetzt so lange praktiziert, daß ich jetzt behaupten kann: ‚Ich kann Gitarre spielen‘. Ich habe die Musik ausgedehnt, bis nichts mehr übrig ist, was nicht Musik ist.“

„Ich saß eines Tages vor einem weißen Blatt und überlegte, wie ich mich nennen könnte. Ich hatte einen Filzstift, da stand Blixacolor 70 oder sowas ähnliches drauf. Zunächst nannte ich mich Blixa (…) Der Name Bargeld kommt von einem Dadaisten, der sich allerdings mit zwei a schrieb. Der nannte sich so, um seinen Vater zu ärgern, der Bankier war. Ich habe nur das Vaterärgern übernommen.“ (1985)

„Ich möchte Verbindungen legen, die die Leute nicht von vornherein als auf der Hand liegend ansehen.“ (April 1985)

„Wofür ich mich hauptsächlich interessiere, sind komplette Systeme. Als ein komplettes System bezeichne ich alles von Mao Tse-Tung bis Alchemie; Astrologie ist ein vollständiges System, aber auch die Kabbala, I Ching, auch der Marxismus. Ich interessiere mich für Systeme und Symbole. Um ein System zu beschreiben, sind Symbole nötig.“ (April 1985)

„Was ist eine Diva? Eine Diva ist eine Person, die Bedingungen unterliegt, die Außenstehenden nicht unbedingt klar sind.“ (Tele 5, Nachtexpress 1988)

„Die vornehmste Botschaft ist immer noch die Liebe.“ (April 1985)

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Musik

Mark Lanegan, Hamburg 15.03.2012

"Grip", Zeichnung von Paula K. Völker. Mark Lanegan's hand, drawing by Paula K. Völker.

Mark Lanegan hat mir die Hand gegeben. Meine rechte Hand ist gebenedeit unter den Händen. Ich kann in Frieden sterben.

Mark Lanegan, Ticket  Hamburg 2012.

Sleep With Me
Hit The City
Wedding Dress
One Way Street
Resurrection Song
Wish You Well
Gray Goes Black
Crawlspace
Quiver Syndrome
One Hundred Days
Creeping Coastline Of Lights
Riot In My House
Ode To Sad Disco
St. Louis Elegy
Leviathan
Tiny Grain Of Truth
The Gravedigger’s Song
Pendulum
Harborview Hospital
Methamphetamine Blues


„Grip“ (Mark Lanegans Hand), Zeichnung von Paula K. Völker.

Visit:

The art of paula_k


Mark Lanegan Live 2012: