Wenn ich hier Stichwortsuche betreibe, finde ich, daß der große Boris Karloff definitiv zu kurz kommt. Und vor allem ist noch niemand näher auf „The Mummy“ aus dem Jahre 1932 eingegangen. Und ich bin beinahe hilflos, wenn ich versuche in Worte zu fassen, warum mich dieser Film so verzaubert.
Gedreht hat ihn ein Kameramann, Karl Freund, der früher für F. W. Murnau (z.B. „Der letzte Mann“) arbeitete und der auch Tod Brownings „Dracula“ mit Bela Lugosi fotografiert hat.
Dies ist kein Monster-Film – obwohl Karloffs Make-Up (als bandagierte und dann später als reinkarnierte Mumie), kreiert von Jack „Frankenstein“ Pierce, gruselig genug war, um A.D. 1932 schauerlich zu wirken -, sondern eine Liebesgeschichte. Der wiedererweckte Hohepriester Imhotep sucht in Zita Johann seine reinkarnierte Liebe, und wenn Karloff sie mit ruhiger und trauriger Stimme beschwört: „Ankh-es-en-Amon, my love has lasted longer than the temples of our Gods. No man ever suffered as I did for you.“, dann glauben wir dies und fühlen mit ihm. Die Rückblende entführt uns ins alte Ägypten, und diese Rückblende funktioniert, weil sie gefilmt ist wie ein Stummfilm, und belegt das Leiden Karloffs („They broke in upon me and found me doing an unholy thing.“)
Ich könnte erzählen und erzählen, aber ich beschränke mich auf drei Szenen, die mich besonders gefangennahmen.
Die Mumie erwacht zum Leben. Bramwell Fletcher, der darüber seinen Verstand verlieren wird, transkribiert die Schriftrolle, die dies bewirkt, die Kamera, auf Karloffs mumifiziertes Gesicht und Oberkörper gerichtet, registriert, wie sich unendlich langsam, fast unmerklich ein Auge öffnet und eine ebenso zeitlupenhafte Bewegung der Hand. Als nächstes sehen wir Fletcher, und die Hand der Mumie kommt ins Bild, um die Schriftrolle zu verlangen. Fletcher, hysterisch in Lachen ausbrechend: „He went for a little walk!“
Noble Johnson, damals Universals Standard-Mann für prägnante Nebenrollen, als nubischer Diener empfängt Karloff, der ihn durch seine hypnotische Macht in seinen Bann schlägt und auf die Knie zwingt. Die musikalische Untermalung dieser Szene ist besonders schön und mischt märchenhafte und bedrohliche Motive.
Edward Van Sloan und der Museumsdirektor stellen Karloff zur Rede. Die Szene ist nur ein Dialog in einem Zimmer, aber er ist exzellent gesprochen. Karloff ist großartig. Die Mumie, die sich als Ardath Bey ausgab, bisher stets verwahrt und ruhig, kehrt hier die unterschwellige Bedrohung langsam nach außen, trotz nur subtiler aber wirkungsvoller Änderungen in der Diktion und reduzierter Mimik und Körpersprache ist die Szene so intensiv, daß es mich jedesmal vor Faszination schier lähmt. Als er den Museumsdirektor mühsam beherrscht anfährt: „The scroll is my property. I bought it from a dealer. It is here in this house! I presume in that room!“ und daraufhin seine Hand zum Fluch ausfährt, ist dies einer der Höhepunkte des Films.
Es gibt ein paar absolut unheimliche Großaufnahmen von Karloffs Gesicht. Und abgesehen davon ist der ganze Film von seiner visuellen Qualität her, mit seiner schaurig-schönen Musik, seinem ruhigen Erzähltempo, den unglaublich wirkungsvoll gesprochenen Dialogen, nicht weniger als – ich zitiere Everson – ein Gedicht. Singulär in der Horrorfilmgeschichte!
Christian Erdmann:
Du sprichst mir mal wieder aus der Seele, und „verzaubernd“ ist das einzig angemessene Wort für Filme wie diesen. Zum Zauber gehören unbedingt auch Zita Johanns große, liquide Augen. Und die Art, wie sich der Film, statt auf Schock, vollkommen auf Atmosphäre und Stimmung konzentriert. Die Art, wie Karloff starr wie eine Hieroglyphe durch den Film wandelt, auf der Suche nach seiner großen, verlorenen Liebe.
Aus einem schönen Text zu dem Film zitiere ich Dir einfach, von Hans Schifferle:
„Er ist ein Rebell gegen jede Gesellschaft, gegen die Religion und selbst gegen die Zeit. Er versucht die junge Britin in sein unendliches Zwischenreich zu leiten. Ägypten, zeitlich und räumlich fern, besteht in Die Mumie aus Hollywood-Glamour (die Kostüme der Johann), viktorianischem Romantizismus (…) sowie Freunds expressionistischer Schattenwelt. Momente des Somnambulismus kennzeichnen Die Mumie. Von einer fremdartigen Würde ist Karloffs Imhotep, der Drifter durch die Jahrhunderte, Monster und Manipulator, Kind und Greis. Von traumhafter Schönheit ist Zita Johann als Helen, die zu zerfließen droht zwischen den Zeiten. Eine Schlüsselszene des Films spielt in einem Atrium vor einem Bassin. Auf der empfindlichen Wasseroberfläche erscheinen tranceartige Bilder vom alten Ägypten. Wie ein Teich des Unterbewußten wirkt dieses Bassin (…) Die Surrealisten träumten einst von einem Kino auf dem Grund eines Sees.“
Gwynplaine:
Die traumwandelnde, verstörte Zita Johann („I was tired. But I never felt so alive!“) faszinierte mich ebenso. Wir sehen es wie Imhotep: sie IST Ankh-es-en-Amon!
Die Szene am Bassin, die in die Rückblende führt, ist natürlich magisch. Diese Rückblende, mit ihrer Musik, die die Themen von bedingungsloser Liebe, Tod, Sakrileg in dissonant flirrende und tief bedrohliche Motive umsetzt.
[SPIEGEL ONLINE Forum „Lieblingsfilme – Was ist ‚großes Kino‘?“, 03/2009]
Die Rückblende war ursprünglich bedeutend länger, die geschnittenen Szenen sind offenbar für immer verloren, nur Stills existieren: Inkarnationen der Ankh-es-en-Amon durch die Jahrhunderte, eine christliche Märtyrerin, eine Prinzessin im Mittelalter, ein Wikingermädchen, Madame Dubarry. Der „Pool of Life“ zeigt eine Jahrtausende überdauernde Liebe. Zita Johann, die selbst an Reinkarnation glaubte, litt unter dem Sadismus Karl Freunds:
„Finally, all that was left was the scene by the magic ‚Pool of Life‘ with Karloff, and Zita’s Christian martyr scene – in which she was to be eaten alive by lions.
‚Late Saturday night – exhausted – I fainted – in the middle of a scene with Boris Karloff. I was out for an hour – dead. The crew, generally friendly and this time again on my side, gathered beside me. What that son-of-a-bitch has done to her, I heard. – You don’t know the half of it, my secretary, Ruby Holloway, answered. My guardian angel was very busy.‘
As Zita remembered it, as Karloff showed her the ‚Pool of Life‘, she almost fell into the pool as she fainted. ‚They couldn’t get a doctor – it was 11 o’clock at night,‘ says Zita. ‚So the crew prayed me back to consciousness.‘
The exhausted, frightened actress went home. The Christian martyr, fed-to-the-lions death scene was set for Monday. Universal had slyly saved this scene for her last day of shooting, so that if one of the lions overacted, the actress‘ other scenes would already be in the can. It would be the grand finale of Freund’s sadism.
‚Those lions saw no fear in me – just exhausted bones!‘ laughed Zita. ‚And they must have figured, ‚Who needs them?'“
[Gregory William Mank: Women in Horror Films, 1930s]
Zita Johann als christliche Märtyrerin in einer der geschnittenen Szenen
„The Hunter Gets Captured By The Game ging ihm im Kopf herum, die russische Weise vom Tölpel, der sieben Tölpel übertölpelt, in der Version von Anna Domino, der subtilen Chanteuse. Während er sich also dem Hauptgebäude näherte und voluminöse Wassertropfen von den Zweigen der schon blätterlosen Bäume auf sein Haar fielen, stand im Säulenportal des Hauptgebäudes eine Frau, die ihren Schirm aufspannte. Dann trat sie hinaus in den Regen.“
Christian Erdmann, Aljoscha der Idiot
Around the time of Cat People. In einem Szene-Magazin fand ich diesen Text:
Erwachen. Orientierungslosigkeit. Unter der Bettdecke die Hitze des Orients. Eiswürfel in den Mund. Der Körper wird steif – Autobie. Der Zug Hamburg – Paris nähert sich Brüssel. Geduckte Häuser wie bei Lovecraft. Am Bahnsteig stehen einige niedere Chargen aus dem NATO-Hauptquartier, ein verruchtes Wochenende in (Tout)rist-Paris steht ihnen bevor. Ich denke an den 4.4.49 und setze den Walkman auf – Sixteen Tons von Anna Domino – und pfeife auf Paris und verlasse den Zug und suche Anna Domino. Hier in ihrer Stadt, hier in Brüssel. You sent a signal / strong and true enough / love rose up from its sleep … diese Stimme macht süchtig. In einer Fritten-Bude bewirtet mich ein alter Japaner. Tiere im Taxi. Er kannte sie noch als kleines Gör in Tokyo. Vielleicht sei sie ja auch mit Karl Roßmann in New York und entwerfe wieder Kostüme für Rock-Videos. Im übrigen sollte ich doch die Depro-Men von Tuxedomoon oder zumindest Blaine Reininger aufsuchen, die wüßten Bescheid. Dann fragte er mich, ob ich den Witz kennen würde von dem Belgier, der auf dem Eiffelturm die Rue Stalingrad suchte. Den Witz kannte ich nicht. Alle Gäste lachten, und einer fragte mich, ob ich den Witz von dem Deutschen kennen würde, der in Brüssel in einer Schnell-Fresse stand. Anna Domino, am 21.4. um 21 Uhr im Kir__________
Kein Hinweis auf den Verfasser. Kein Bild. Der Text stand rätselhaft auf Seite 125, auf einer ansonsten weißen Seite. Viel Weiß. Weiß war der Staub, den ich einmal auf einer Zugfahrt durch Belgien auf einer alten Fabrik liegen sah, und als der Zug daran vorbeirollte, dachte ich: wie bei Lovecraft.
Wenn es also zwei Menschen gab, die bei Zugfahrten durch Belgien an Lovecraft dachten, und einer davon war ich, dann gab es guten Grund, dem anderen zu trauen. Erst recht, wenn er in einem Promotext Karl Roßmann unterbringt.
Während der mysteriöse Text mit „Erwachen“ begann, fiel ich, nachdem ich ihn gelesen hatte, in Schlaf. Es gab kein Internet, keine Möglichkeit, sofort mehr über Anna Domino zu erfahren. Stattdessen träumte ich, daß ich in einer Bar sitze und ein Szene-Magazin durchblättere. Auf dem Barhocker neben mir sitzt eine wunderschöne Frau, die mich anspricht, schon nah bei mir: „Darf ich sehen?“, sie meint das Titelbild, sie schaut es sich an, ich schaue es mir an, wir schauen uns an, das Funkeln in ihren Augen, sie sitzt sehr aufrecht auf ihrem Barhocker, und ich vergleiche ihr wunderschönes Gesicht mit dem Gesicht auf dem Titelbild, denn es ist dasselbe Gesicht, und wir ertrinken in Verlangen, als ich ihr das Magazin aus der Hand nehme. Sie hat ihre Hand wie zum Gruß erhoben, meine Hand liegt an ihrer, unsere Finger spielen miteinander, die ganze Zeit, während wir uns in die Augen sehen, das Schicksal sagt: es liegt in deiner Hand. Sie hat lange und kurze Haare zugleich, sehr kunstvoll. Dann sehe ich, daß an ihrer anderen Hand zwei Finger verbunden sind.
„Wie ist das passiert?“
„Ich habe bei einer Geburt geholfen. Oh, arme Elise. Es war furchtbar anstrengend für sie. Ich habe sieben Tote herausholen müssen vorher.“
Es war die Vega-Bar.
Am nächsten Tag besaß ich „Anna Domino“ von Anna Domino. Und die subtile Chanteuse half Aljoscha bei einer Geburt mit sieben Toten.
I wanna step out of the shade of a place That’s half aware but never truly wakes I know there is More to love than this I know courageous stranger places Every movement forward must be right The process is the purpose
I know the station I go there every night Dreaming of leaving
Chosen by the dealers hand Answering a higher call A hint to us of bigger plans Sudden rise and early fall Emotions are the facts The real world sorely lacks With the agents of a promise above them And the precipes in view And the place of the chosen ones Is in the safety of the tower
Half of myself would sell my soul Everything else says wait / control Half of myself speaking and the Other half goes on dreaming
Faszinierende Mischung aus Coolness und Verletzlichkeit, out of step with the rest of the world.
Frank Lähnemann traf Anna Domino für die spex, irgendwann vor „This Time“. Auszüge:
„Das Leben beginnt mit einem gebrochenen Herzen“, weiß Anna Domino, die zierlich-zerbrechliche Interpretin spannungsgeladener Nachtgesänge aus Brüssel, auch allein. Nachtmenschen scheuen nicht nur das Licht, sondern auch das Leben in aktiver Form. Wenn die Dunkelheit hereinbricht, dann beginnt dafür ihr Gehirn auf Hochtouren zu arbeiten. Nachtmenschen betätigen sich als stille Beobachter und bereiten sich auf diese Weise auf den Tag vor, den sie so fürchten. Das Leben spüren sie aus der Distanz. Für diese Spezies ist Anna Domino – „Watch The World At Night / Edge Up Against The Lives“ – ein klassisches Beispiel. […] Nervös fingert sie an ihren Zigaretten, ehe der Redeschwall auf mich niederprasselt. Manchmal hält sie abrupt inne, gibt eine Kostprobe ihres trockenen Humors, lacht sympathisch schüchtern und sucht verzweifelt nach den richtigen Worten, ein häufig erfolgloses Unterfangen. Anna Domino kämpft, und keiner merkt’s.
„Jeder hat eine Haltung, nur wenn du schüchtern bist, dann behältst du sie eher für dich. Es ist aber nicht so, daß du keine hast, das denken nur die anderen. Meine erste Platte war viel furchtsamer als meine letzte, und die Leute hielten mich für sensibel. Aber in Wirklichkeit war das alles sehr kalt.“
Coolness? Distanz? Reduktion? Irgendwann hatte ich über meine Gesprächspartnerin mal gelesen, daß sie sich eine Band wünsche, in der jeder so wenig wie möglich spielt. Die Musik ist bei ihr, genau wie das Vokabular (und sind noch so verletzte Gefühle das Thema), auf ein Minimum beschränkt. Eiswürfel, die Flammen entfachen.
[…] Natürlich wird man nicht als Anna Domino geboren. Auch nicht in Tokio. Eher schon als Anna Taylor. Von Japan kam sie nach Kalifornien und Detroit, ging danach mit ihrer Mutter nach Italien, landete dann in Norwegen… ach, so genau weiß sie es auch nicht mehr. Jedenfalls besuchte sie irgendwann eine Art School in Kanada, wechselte nach New York, bis sie ein Flugticket, spendiert vom Chef des Labels „Les Disques du Crépuscule“, nach Brüssel beförderte. Zum Gesang kam sie erst sehr spät. Mit 12 Jahren traktierte sie ihre erste E-Gitarre, spielte in etlichen kleinen Combos und nahm für sich selbst Tausende von Tapes auf.
[…] Erwarten tun insbesondere die Kritiker eine Frau, die zwar nicht unbedingt die personifizierte Laszivität ist (…), aber doch jede Menge Erotik ausstrahlt. Während des Soundchecks fiel mein Blick kurz auf den Oszillographen. Was sich dort abzeichnete, war alles andere als abgehackt, es waren wohlig vor sich hin wogende Wellen, die ich dort erspähte.
„Wenn die Leute sich den Text von ‚My Man‘ durchlesen, sagen sie meist: ‚Aha, du liebst es, geschlagen zu werden.‘ Nein, das habe ich nicht gemeint. Das Stück ist über eine Liebe, an die man so stark glaubt, daß man sich ihr ganz unterwirft, egal, ob es nun die Liebe zu einem anderen Menschen, zu einem Land, zu einem Idol oder einer Band ist. Man verliert die Kontrolle, das ist wie eine Art Religion. (…) Die Welt ist sehr intolerant und realistisch in bezug auf exzessives Verhalten. Was ja ein sehr emotionelles Verhalten ist. Künstler leben diese Emotionen zum Nutzen der gesamten Menschheit, stellvertretend für die anderen. (…) Es geht um den Gedanken, daß man auf der einen Seite ein wahres Genie und auf der anderen Seite ein kompletter Idiot ist. (…) Du weißt von früher Kindheit an, daß du nicht fähig bist, dich mit allen Tatsachen dieser Welt abzufinden, weil du vielleicht eine andere Sprache sprichst.“
„The voice of the erotic, tense, despairing, Peggy Lee-meets-Nico, thinking woman – i.e., postmodern platinum.“ (Smart Magazine)
I can’t say why, I won’t say when I’ll ever find my place inside this race to win There’s nothing new in this dirty old town My friends are all off somewhere else when I’m around
These things we feel they threaten to betray us
My favourite, von „Colouring In The Edge And The Outline“ (1988).
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Lost in imaginary mystery Away, a view that has no end I’m alone without laws of time or gravity And I can dream where reality can bend And the light shimmers all around And bolts of electricity release Everywhere Will wonders never cease? And no-one comes here at all Clouds roll back and the angels in the sky Hover overhead about to fall And radiant and terrified Sending showers of sparks They see it all Reflected in my eyes One thing leads to another and Daylight into dark This must be the way the world began Before it lost the spark
„Mysteries of America“ (1990)
Nach „Mysteries of America“ schien Anna Domino zu den spurlos Verschwundenen zu zählen. 1999 war sie dann mit Michel Delory plötzlich zurück in der Welt; zwei Alben des Duos Snakefarm sind bisher erschienen, „Songs From My Funeral“ und, 12 Jahre später, im Oktober 2011, „My Halo At Half-Light“.
Und zwischendurch war sie noch einmal in der Vega-Bar. 2010 nahm Anna Domino den Song „Blood Makes Noise“ auf. Er ist von Suzanne Vega.
Und noch ein Geheimnis: auf dem Tribute „Kerouac: Kicks Joy Darkness“ von 1997 gibt es drei phantastische Momente: Johnny Depp mit „Madroad Driving“, John Cale mit „The Moon“ – und Anna Domino mit „Pome on Doctor Sax“.
„Dieser Mann hat seine Hardcore-Fans, ganz ohne jede Frage: ‚Sein Buch hat mein Leben verändert‘, wird schliesslich nicht jedem Schriftsteller nachgesagt …
Christian Erdmann, Hamburger Jong, Fotograf, Frauenversteher, Katzenfreund und Autor des Buches ‚Aljoscha der Idiot‘ im netSkater-Fragebogen-Outing des Monats Oktober.“
Nennen Sie mir das aufregendste Buch, das Sie je gelesen haben!
Christian Erdmann:
Ich empfinde bei Büchern wie bei Filmen oder Musik viel zu häufig „Das ist das Beste, was ich je…“, um die Frage wirklich beantworten zu können. Sehr aufregend war aber, als ich mit 20 Rimbaud entdeckte, seine Werke in zwei Tagen und zwei Nächten las, das Essen vergaß, direkt danach Enid Starkies Rimbaud-Biographie „Das trunkene Schiff“ aus der Bibliothek entlieh und nicht mehr zurückgab („Weiß nicht… muß mir jemand im Bus aus der Tasche gezogen haben…“) (später aber ein Exemplar legal erworben) (Verbrechen aus Leidenschaft, schon die griechischen Götter haben da ein Auge zugedrückt).
Sehr aufregend war auch die Lektüre von Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“, die ich mit durch hohes Fieber bedingte Visionen ergänzte. Zwei andere Romane, deren Lektüre auch sehr intensiv für mich war, die aber beide in eine Art goldenes Herbstlicht getaucht sind, in Septembersonne, sind Jens Peter Jacobsens „Niels Lyhne“ und Rilkes „Malte Laurids Brigge“. Bulgakow, „Der Meister und Margarita“. Thomas Mann, „Der Zauberberg“. David Pirie, „Vampir Filmkult“. Nick Cave, „And the Ass saw the Angel“, yes, sehr aufregend, als dieser von mir sehr geliebte Sänger auch noch seinen Roman vollendete, und so einen großartigen. Sacher-Masoch, „Venus im Pelz“, und Sade, „Die Philosophie im Boudoir“, aber wie gesagt, ich bin leicht erregbar. Es gibt sehr viele „aufregendste“ Bücher, aber wenn ich mich auf EINS beschränken soll: alles von Dostojewski und Kafka.
thedirtydozen:
Nicht zu vergessen die „Sternstunden der Menschheit“! Eine Sternstunde der deutschen Literatur: ein Buch voller Lieblingssätze.
Christian Erdmann:
Ähnlich erging es mir bei Zweigs Schriften über Hölderlin, Kleist, Nietzsche / Dostojewski, Balzac, Dickens. Zweigs Ruf, ein „Frauenversteher“ zu sein, muß in den Hintergrund treten gegenüber der Tatsache, daß er ein Alleversteher ist. Bei Dostojewski wünsche ich mir immer, man könnte wie Wanja in „Erniedrigte und Beleidigte“ ständig von einer Romanfigur zur anderen gehen, aber des Gesamtoeuvres; bei Zweigs Sprache ist es einfacher – man möchte einfach ein Buch von Zweig sein.
fabi82:
Hätte man nicht besser sagen können.
Siebziger:
Forschere Seelen würden vielleicht „Sensibelchen“ meckern (…) Jeder seiner Sätze ist reif fürs Poesiealbum, und bei Stefan Zweig hat man nie das Gefühl, daß es gekünstelt ist, es klingt alles wahrhaftig und originär, also glaubwürdig.
Christian Erdmann:
„Sensibelchen“ – dann hätte man aber Stefan Zweig nicht nur als Mensch, sondern auch als Schriftsteller nicht verstanden. Alles, woran er je glaubte, und wovon jede seiner Zeilen Zeugnis ablegt, ging im Inferno unter. Damit ist ja nicht allein die sichtbare Zerstörung gemeint, nicht allein
„Wie kann ich arbeiten, wenn ich las, daß über einer englischen Stadt soundsoviele Bomben abgeworfen sind, daß im Atlantischen Ozean ein französischer Dampfer torpediert wurde, der dann mit soundsovielen Passagieren unterging. Ich mag die Zeitungen nicht mehr aufschlagen…“ – „Wie kann ich atmen, schlafen, essen, wie kann ich arbeiten, wenn ich weiß, daß diese sinnlose Zerstörung am Werke ist, daß tausende und abertausende unschuldiger Menschen von ihr dahingerafft werden.“
Wir haben von seinen Essays gesprochen – wie selbstlos hat er geistige Größe und Schöpfertum bei anderen bewundert. Welch anderer Schriftsteller war so sehr geistiger Kosmopolit, war so sehr von feiner, zarter, einfühlsamer Empathie. Wie recht hat Zweig mit diesem Satz:
„Nie hat eine Generation einen solchen moralischen Rückfall aus solcher geistigen Höhe erlitten wie die unsere.“
Auch wenn es tausend historisch relevante Dinge dazu zu sagen gibt: das bleibt Teil eines Unbegreiflichen auch für uns – wie war der Nationalsozialismus möglich nach Thomas Mann, nach Stefan Zweig, nach Rilke, nach nehmen Sie, wen Sie wollen, nach all diesen Büchern, die von Deutschen gelesen worden sind. Thomas Mann war über Zweigs Suizid ungehalten, auch Werfel klagte, Zweig habe mit dieser Tat dem Feind zum Triumph verholfen. Aber man muß einfach sehen, von wo aus gerade Zweig stürzte, wenn er sagte (zu Zuckmayer), die Welt, „die wir geliebt haben, ist unwiederbringlich dahin“.
Joseph Roth hatte ihm, Zweig, schon 1933 geschrieben: „Inzwischen wird Ihnen klar sein, dass wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“ – Zweig hat das lange nicht glauben wollen. Dieses Nichtwahrhabenwollen dessen, was da geschieht, ich kann es nachvollziehen bei einem, der so sehr versuchte, die Höhe des Menschen für die Menschen festzuhalten. Die Vernichtung von Humanität und Toleranz war die Vernichtung seiner geistigen Heimat. Er muß gefühlt haben, daß sein ganzes Werk durchgestrichen ist. Wer hätte ihm sagen können, dort in diesem Bungalow in Petropolis, was er uns heute noch bedeutet.
Hmm, bedeutungsgleiten wir später, ich verbrachte die Nacht am englischen Hof und in mehreren Landhäusern an Orten, die alle ein -shire im Namen tragen. Was sind Ihre Glücksmomente derzeit? Haben Sie „Die wilden Jahre“ gesehen? Uschi und Keith? My goth, was für schöne Klamotten. :)
Und: wenn jemand sagt, „Du mußt schreiben, das ist doch völlig klar.“ André aus der Bornstraße nämlich, nachdem ich ihn mit sonnenverbranntem Gesicht antraf. „Wo warst du denn?“ – „Im Park. Mit deinem Buch.“ – Non, verpaßte Die wilden Jahre, war aber, nach „Waren die Beatles die beste Band aller Zeiten?“-Threadschlacht, auf Zeitreise im Silver Train.
Die legendäre „Exile On Main Street“ – aufgenommen mostly in der Villa von Keith Richards in Südfrankreich. Las kürzlich mit Vergnügen seinen Report, WIE ES WIRKLICH WAR, und wie dieser grandios vermuffelte Sound zustandekam.
I remember it was like trying to make a record in the Führerbunker. It was that sort of feeling, you know – it was very Germanic down there for some reason. Swastikas on the staircase. And also, like all basements, it had never been used for anything. So basically it was a dirt floor and some concrete. If somebody got lost, there’d be a little trail of dust in the darkness… It was a labyrinth, in actual fact. It was a concrete labyrinth, subdivided here and there, and we would go around testing to see which one had the best echo or was the best sound for a particular instrument. That sort of thing. But it was also sort of like the netherworld. Upstairs it was fantastic. Like Versailles. The south of France in the summer – la, la, la. Beautiful. Who could ask for anything more? But down there, it was another thing. It was Dante’s Inferno…
There were all these little subdivisions in the basement, almost like booths. So what would happen was that, for a certain sound, we’d schlep an amp from one space to another until we found one that had the right sound. Sometimes the guitar cord wasn’t long enough! That was in the beginning, anyway. But once we started to work there, my little cubicle became my cubicle, and we didn’t change places much. But at first, it was just a matter of exploring this enormous basement, saying, What other sound is hiding ‚round the corner? ‚Cause you’d have weird echoes going on. Sometimes we wouldn’t be able to see each other even, which is very rare for us. We usually like to eyeball one another when we’re recording.
It was a dirt floor. You could see somebody had walked by, even after they disappered ‚round the corner, because there’d be a residue of dust in the air. It was a pretty thick atmosphere. But maybe that had something to do with the sound – a thick layer of dust over the microphones. It wasn’t a great environment for, like, breathing. Mick Taylor and I would just peer through the murk at each other and say, OK, what key is it in?
You’d sort of jam an acoustic guitar into the corner of one of these cubicles and just start playing and you’d hear it back you’d think, that doesn’t sound anything like what I was playing, but it sounds great. So you started to play around with the basement itself, aiming your amplifier up at the ceiling instead of like normal.
I mean, it’s France, man. They were still using horses to plow – a TELEPHONE CALL would take half an hour. Apart from the fact that everything would go out of tune every two minutes because of the heat, then you had to deal with the electricity going down – and this would be when they were actually playing in tune. For the first time in four hours.
On Ventilator Blues we got some weird sound of something that had gone wrong – some valve or tube that had gone. If something was wrong you just forgot about it. You’d leave it alone and come back tomorow and hope it had fixed itself. Or give it a good kick.
Zum Geburtstag 5 Männchen auf einer Torte mit einem der göttlichsten Richards-Riffs, beachten Sie, wie er es bei 1:52 / 1:53 so gerade noch mit leichter Verzögerung um die Ecke bringt …
… ein schönes Schaumbad …
… tickets for the dance …
… alles Liebe zur Sternstunde, Dear, Schockblitzbuntes on your silver screen and ALL IN GOOD TIME!
Oh ja, Sie ganz in weiß mit Argentinien-Shirt, I remember. Aber nun Uruguay! Die geschickteste Spielweise, die schönsten Spieler dieser Chaos-WM! Und Diego heißen die allerhübschesten auch. :) Somit ebenso hingerissen von der Idee eines Estates mit Blick auf den Berg. Traumfinale dito und dann die Urus siegreich – seit Tagen meine Rede! Zum Meyrinkschen Pragbesuch nur: awwwww, jetzt schon Vorfreude auf das, was die goldene Stadt mit Ihnen tun wird und was Sie zu berichten wissen werden. So sehr danke schön, wie es nur geht. Wunderschöne Momente mit Torten- und Matrosen-Stones und GARBAGE, (warum vergesse ich die immer, obwohl die so wunderbar Jetzt-erst-recht-Musik machen?) und Oasis-Licht! Great! Love it! Die Sonne strahlt so hell derzeit und ich strahle zurück.
Ein Viertelfinale Uruguay – Ghana, reine Poesie. Schon im ersten Spiel gegen La France wurde deutlich, daß die beiden Diegos den Laden zusammenhalten. Lugano sieht aus wie ein smarter Freund von Helmut Berger in einem 70er-Jahre-Film von Jess Franco mit Brett Sinclair/Danny Wilde-Autos, und Forlan liebe ich vor allem vor Freistößen – wie in seinen Augen da eine leicht manische Präzision die Situation antizipiert. :) Klasse, geradezu klassisch, schon frisurtechnisch, auch Edinson Cavani, großes Herz: wie er den flennenden Du Ri Cha vom Boden hochzog, fein.
Jedesmal, wenn man Garbage neu entdeckt, gehen sie tiefer als zuvor. Bei allem Kampf gegen die eigenen Neurosen – oder wegen diesem – ist Shirley Mansons wunderbarste Stärke ihre Empathie. Und sie hat 197 Stärken.
Wie? Blondie war eine phantastische Band. „Blondie“ (1976), „Plastic Letters“ (1978), „Parallel Lines“ (1978) und „Eat To The Beat“ (1979) macht vier Killer-Alben am Stück, entstanden in einem Zeitraum von – heute undenkbar – drei Jahren. Ganz großartiges Songwriting, zeitlos, ultrapräziser Pop, jeder Song hat die epische Wahrheit eines 3-Minuten-Dramas. Debbie Harrys tough girl-Glamour war supercool, erst recht, wenn Zuckersüßes mitschwang. Geniale Musiker, Clem Burke einer der besten Drummer überhaupt damals. Aber Debbie Harrys Aplomb, „her bombshell zombie’s voice that can sound dreamily seductive and woodenly Mansonite within the same song“, war natürlich das Beste seit den Shangri-Las.
papazaca:
Schöner Kommentar. Wahre Liebe. Habe mir dann mal die größten 20 Hits angehört. Und dann hatte ich das Gefühl, das Menschen in Filmen haben, wenn sie die große Liebe nach Jahren wiedersehen. Nochmal zu Ihrem Kommentar: Der ist wirklich schön. Fast wie in einem Poesiealbum.
Christian Erdmann:
Das Problem mit Blondie ist ja tatsächlich, daß Debbie Harry so ein Magnet war als Frontfrau. Im „The Hardest Part„-Video sehen wir eine Menge Worte als Graffiti im Hintergrund, und ich wette, kein Mensch auf Erden hat auch nur ein einziges jemals entziffert. So muß man gewissermaßen auch unter ihrer drop dead gorgeous-Stimme hindurch hören, um zu erkennen, wie tight Blondie als Band waren.
Der Soundtrack zu Nicolas Roegs „Performance“ ist großartig. Ry Cooders „Powis Square“ ist halb Blind Willie Johnson-Hommage, halb Vorläufer zu seinem eigenen „Paris, Texas“-Soundtrack. Später spielt Cooder Dulcimer auf einem wunderbaren Stück namens „The Hashishin“ (Ihr wißt schon: der Alte vom Berge / nichts ist wahr, alles ist erlaubt), „Gone Dead Train“, Gesang Randy Newman, ist schneidend scharf und nasty, zwischen alldem noch einige sehr bizarre Tracks, und am Ende ein Stück namens „Turner’s Murder“, das später mal kopiert wurde in „The Hunger“. Ry Cooder-Bottleneck an allen Ecken und Enden.
Gwynplaine:
Cooder – einer meiner heroes – hat lange seine Brötchen mit Soundtrack-Arbeit verdient. Walter Hill mochte ihn besonders gern. „Southern Comfort“ und „Trespass“ sind weitere feine Beispiele. Blind Willie Johnson war natürlich einer der wichtigsten musikalischen Einflüsse für Cooder. Nicht nur für „Paris, Texas“ hat er sich großzügig bei Johnson bedient, aber immer auch Eigenes eingebracht. Danke für den Hinweis auf „Performance“. Davon gehört, aber noch nie gesehen. Mick Jagger spielt mit, oder? Sie haben eine Art, immer meine Lücken zu finden ;-))
arte de la comedia:
Ich glaub‘, das macht der absichtlich. Und das ist auch gut so.
Christian Erdmann:
Falls Sie den Jagger/Richards-Song „Memo From Turner“ kennen, der ist aus „Performance“. Hat zwar sehr viel, nun ja, Zeitkolorit (London, Notting Hill, Spät-Sixties), ist aber immer noch ein sehr interessanter Film… darüber, was passiert, wenn zwei Alter egos sich treffen. („Deinen alten Egon? Hast du den denn dabei?“ – Danny Wilde)
Davon abgesehen: für den „Paris, Texas“-Soundtrack hat Ry Cooder sich ja stark an Johnson’s „Dark Was The Night, Cold Was The Ground“ angelehnt. Der Song sträubt mir drei Minuten lang die Nackenhaare.
Gwynplaine:
So ist es. Robert „Crossroads“ Johnson war immer diese Deltalegende, aber Blind Willie erreichte eine Qualität mit dem Slidespiel, die unerreicht ist. Soweit ich weiss, spielte er Slide mit einem Messer. Und Ry Cooder hat ihn aus der Versenkung geholt. Die vielen Soundtracks, an denen Cooder beteiligt ist, sind allein schon tonnenweise Grammys wert, aber auch von seinen regulären Platten könnte jedes schöne Roadmovie profitieren.
Christian Erdmann:
Es soll ja 8 Sekunden eines 8-Millimeter-Films geben, die Robert Johnson zeigen… Experten behaupten zwar, das ist er nicht, aber wenn Dylan in den „Chronicles“ sagt, das ist er, dann ist er das.
Nachtschwester Ingeborg:
„Performance“ ist ein Anti-68er der feinsten Art.
Christian Erdmann:
Also sagen wir mal, diese beiden treffen sich zufällig, oder durch sonderbaren Magnetismus, der brutale Gangster Chas, der zurückgezogen lebende Rockstar Turner; Chas verachtet Turner, verachtet damit, klassische Projektion, einen Teil von sich selbst, den er nicht akzeptiert, und Turner setzt sein Identitätsaustausch-Ritual in Gang. Sagen wir mal, die „Memo From Turner“-Szene weist z.B. auf die homoerotischen Untertöne im Männerbündlerisch-Harten. Wo könnte ich da die Anti-68-er-Linie unterbringen? Sehen Sie die darin, daß hier zwei Protagonisten scheinbar vollkommen gegensätzlicher Pole sich in dieses Vexierspiel ziehen, bei dem deutlich wird, wieviel Eigenes im Anderen und wieviel Anderes im Eigenen ist? Oder wie? :)
Mark Lanegans „Blues Funeral“ ist im Studio von Alain Johannes entstanden, recorded, mixed and produced by Johannes, der zudem an nahezu allen Instrumenten zu hören ist, except Schlagzeug. Das spielt Jack Irons, ex-Pearl Jam, aber auch mit Alain Johannes und Natasha Shneider bei Eleven.
Die Beiträge von Alain Johannes für die Queens of the Stone Age, die Desert Sessions oder Them Crooked Vultures dürften bekannt sein. Auf „Spark“ kämpft Johannes darum, den Tod von Natasha Shneider zu verarbeiten, seiner Lebensgefährtin, die im Juli 2008 mit 52 Jahren an Krebs verstarb. Zu „Lullabies To Paralyze“-Zeiten gehörten beide zum Line-up der Queens of the Stone Age.
„Spark“ ist der komplett allein eingespielte Versuch, Heilung zu finden, die Kraft, den Verlust zu überstehen; ein Werk, das einen schwer anfaßt, und du mußt bereit sein, dich mit dem Schmerz dieses Mannes, seiner Verzweiflung, seinen Fragen, seiner Resignation, seinem Zorn, aber auch seiner Dankbarkeit, seinen Oden für Natasha, ganz allein irgendwo hinzusetzen.
„I felt like I was being guided. Not only that, but I felt her presence in the room so intensely it was insane.“
Josh Homme comments, „Alain’s record is the total embodiment of what the label stands for – the war against endorsing mediocrity and the uncensored attempt to take a leap off the musical cliff. Spark is a stunning examination of figuring out what you do when someone’s gone, and it’s utterly breathtaking.“ Beauty often is born from tragedy, and Spark ultimately stands as a testament to that. Alain elaborates, „I actually finished the album 25 years to the day that Natasha and I met – November 29, 2009. That was our anniversary. In many ways, I was really just trying to make a record that she would be proud of.“ Her light still shines brightly through Alain on Spark.
(alainjohannes.com)
2010, als die Queens of the Stone Age in der Berliner Zitadelle spielten, stand vorher Alain Johannes auf der Bühne, leidgeprüft, was sonst, mit seiner Zigarrenkistengitarre und einer normalen Akustikgitarre, und schon, wie er diese Instrumente spielte, derart intensiv, daß man den Eindruck hatte, da ringt ein Mann jetzt ganz allein mit den Mächten des Schicksals, verschlug uns allen den Atem. Die Welle von Respekt und Zuneigung, die Johannes an diesem späten Sommernachmittag in der Zitadelle erfuhr, ist eine sehr schöne, bewegende Erinnerung.
Was für eine Band das war, vielleicht die beste Band der 90er. So legendär, so traurig. So groß und dabei immer noch so unterschätzt. Intelligent und hypnotisch. Sound der traumartigen Verzerrung. Diese vier Charaktere – Billy Corgan, James Iha, D’Arcy, Jimmy Chamberlin – leuchteten wie Sterne in einem Sternbild. Corgan hat mal gesagt, „You can’t out-god Led Zeppelin“. Die Smashing Pumpkins hatten das Zeug zu mythischer Größe. Aber es war eben auch diese schrecklich komplizierte Band, mit all diesen Spannungen und Problemen, auch, weil Corgan dieser zugleich sentimentale und grausame Diktator ist. Corgan schien gewillt, seine Seele öffentlich in Brand zu stecken, bis er an gebrochenem Herzen stirbt. „Willingness to be vulnerable.“ Die Smashing Pumpkins hatten eine Art, uncool zu sein, die megacool war. Corgan ist ja der, zu dem nie einer sagte: komm und sei Teil des Teams. Alles am Leben führt dazu, daß er nachts im Bett liegt und wehmütig zurückblickt auf die Tage der Unschuld. Irgendwie ist er immer am Ende einer Zeit.
Und es gibt Songs wie „“Porcelina Of The Vast Oceans“, da wird einem klar, die Kunst und die Schönheit dieser Band ist noch nicht im mindesten erforscht. Der Song ist ein einziger Kampf gegen die Entzauberung der Welt. Der Sound dieser Band überhaupt, so fragil und zart und dann so furios, mit einer solch gewaltigen Intensität, aber immer komplex, raffiniert und subtil und vor allem: dramatisch. Ich finde immer neue Farben, Facetten, Schattierungen in all der massiven Epik und melancholischen Sehnsucht.
Auf „To Sheila“ von „Adore“ ist dieser Mittelteil, der Schlagzeugloop hört auf, die Gitarre wird abgelöst durch dieses einsame Banjo, das traurig vor sich hin spielt zu: Lately I just can’t seem to believe / Discard my friends to change the scenery / It meant the world to hold a bruising faith / But now it’s just a matter of grace. Und Corgan schafft es, daß man sich fühlt wie dieses Banjo.
„Adore“ ist die Schatzkammer, die sich öffnet, wenn man die Zauberformel hat. In die Platte kann man so tief fallen wie in keine andere der Smashing Pumpkins. Bei einem englischen Journalisten las ich mal, es gab eine Flut von Bands, die versuchten, Nirvana zu kopieren, aber keine, die versuchte, die Smashing Pumpkins zu kopieren. Geht auch nicht. Unkopierbar.
„Rhinoceros“ würde ich wählen wegen „She knows. And she knows, she knows, she knows.“ Und auch wegen des Videos. In den 90ern faszinierte mich D’Arcy eher aus der Ferne. Heute hege ich eine D’Arcy-Obsession. D’Arcy, die im Video am Tisch sitzt und mit diesem Pingpong-Ball spielt, die Szenen laufen rückwärts in leichter Zeitlupe. Pure Magie. Später filmt sich die Band selbst im Hyde Park. Damals wirkte D’Arcy wie eine Elfe mit ihren langen blonden Haaren, am Ende sitzt sie neben Corgan und Chamberlin auf einer Bank oder einer Mauer, und man sieht ihre Strumpfhalter. So ist sie durch den Hyde Park gegangen. Corgan und Chamberlin mit ihren Sonnenbrillen wie Lou Reed und John Cale bei Velvet Underground, und es wird einem klar, daß D’Arcy wie Nico irgendeiner Tragik entgegengeht.
Ein Song wie „Rhinoceros“, der mit trauriger, erhabener Schönheit euphorisch machen kann, verdeutlicht auch schlagartig, wie tief die Latte heute meistens liegt.
(Aus: „13 Fragen an Christian Erdmann“, netSkater.net, 2009)
SPIEGEL ONLINE Forum
03.06.2007
Jimmy Chamberlins Schlagzeug klingt, als wären zwei Schlagzeuger am Werk, und er scheint kaum einen Muskel zu bewegen.
15.01.2008
Nanana. Corgan mag die Scorpions, aber er ist nun mal ein unermüdlicher Förderer der Erniedrigten und Beleidigten, schon in seiner Jugend hat er sich stets schützend vor seinen behinderten Halbbruder gestellt, er hat eine genuine Zuneigung zu einer gewissen Art von clumsiness, die er offenbar auch an sich selbst verspürt („I’m a Pisces, and Pisces have this weird inability to be completely spontaneous. We’re too conscious of our actions. I’ve always been way too sensible for my own good.“), und er ist natürlich eine wandelnde Jukebox, aber seine musikalischen Erweckungserlebnisse sahen nach eigener Aussage doch anders aus:
„Eight years old, I put on the Black Sabbath record, and my life is forever changed. It sounded so fucking heavy. It rattled the bones. I wanted that feeling. With Bauhaus and The Cure, it was the ability to create a mood and an atmosphere.“
18.04.2008
Für die Beschreibung all der Feinheiten, die die Smashing Pumpkins unkopierbar machen, braucht man einen Homer.
30.04.2008
„Zeitgeist“ hatte vier gute Stücke, eines davon („United States“) stieß einen sozusagen von hinten ins Beweismaterial für Ihro Unermeßlichkeit Corgan, und blies einem auch noch die Schädeldecke weg, seitdem fällt der Regen mir direkt aufs Hirn.
Aber ach, was D’Arcy im „Rhinoceros“-Video mit diesem Pingpongball macht.
dj1204:
Aber was mich im Laufe der Jahre immer mehr stört, ist diese grenzenlose Humorlosigkeit von Billy und Konsorten. Ob dieser Mensch überhaupt irgendwann mal lacht?
James Iha trat während seiner Zeit bei A Perfect Circle durchaus als Possenreißer in Erscheinung. Genauer, als Erzähler von Witzen, deren Pointe niemand so recht verstand. Im Laufe der Tour machten die anderen Bandmitglieder daraus ein Bühnenritual – Iha muß einen kryptischen Witz erzählen.
Iha war auf undurchschaubare asiatische Weise komisch, und Corgan auf Corgan-Weise, und die ziemlich smarte D’Arcy hat darunter schwer gelitten, was wiederum auch komisch war. Sie hat mal erzählt, Billy und Jimmy hätten dieses bad pun game, aus dem auch der Titel „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ entstanden ist. „It’s the bad pun game getting out of control. Embarrassing. Not the name. The name’s not really embarrassing. Just the game.“
Und in einem Interview sagte sie mal, James hätte dies/das gesagt und fügte hinzu: aber wer verstehe schon je, was James sagt.
Erhellend dazu auch D’Arcys Satz: „Look at the name of the band. How can people think we take everything so seriously when we’re called the Smashing Pumpkins.“
Bandintern herrschte also so eine Art Komik des Witzes, der nicht zündet. Okay, genug davon.
25.04.2010
Zen-Übung #53: bei Smashing Pumpkins-Songs nur darauf achten, was Jimmy Chamberlin da am Schlagzeug tut.
Kryoniker:
War Chamberlin jetzt der, der mal frei und umsonst auf dem Spielbudenplatz spielte?
Nein, das war Kenny Aronoff. Chamberlin hat nur von 1996-1999 eine Auszeit verhängt bekommen, ansonsten war er permanenter Pumpkin. Wo bist Du denn hier? Ich bin alle Augen auf D’Arcy. :)
Immer wenn man denkt, jetzt ist Corgan endgültig weg, kommt er mit irgendeinem Kram zurück, der einem die Schuhe auszieht, oder wenigstens die Schnürsenkel beider Schuhe zu einem mysteriösen Knoten zusammenschlingt.
23.11.2010
Einer meiner Lieblingsgitarristen ist ja jeder, der neben D’Arcy und ihrem Bass stehen durfte. Jetzt habe ich das Telefon-Interview gehört, das einem das Herz bluten läßt, als sie, nach 10 Jahren Versteck, plötzlich bei einer Radiostation in Chicago anrief, eine Frau am Rande von irgendwas, die vor Verwirrung über den Kontakt mit der Welt nicht weiß, wo ihr der Kopf steht. Fontane sagte mal, seine Frauenfiguren haben alle einen Knacks, und nur das fasziniere ihn.
Gegen die 100-Stunden-Version von „Transmission“, die die Smashing Pumpkins 1998 in der Aula Magna Lissabon spielten (James Iha: „Prepare for the spaceship.“),
ist dies, nun ja, ein Schnappschuß. Aber die Sekunde zwischen 2:59 und 3:00 ist ein ganzer expressionistischer Film. Versteht das jemand? Schon gut. :) Dear Santa, zu Weihnachten wünsche ich mir eine Radiostation in Chicago. Damit ich die ganze Zeit aufs Telefon starren kann.
25.11.2010
Ich komm später, ich liege hier noch mit der DVD („Smashing Pumpkins 1991-2000“) in der Hand, als wäre ich Protagonist in „The Lost Weekend“ oder sowas. – Das hier hat was Magisches, auch wenn es zuerst vielleicht gar nicht so scheint. Manche schreiben, sie möchten es für ihre Beerdigung, manche können es gar nicht zuende hören, weil es ihr Innerstes auflöst. Manche wissen, das Stück ist da, um plötzlich ganz besondere Erinnerungen zu beschwören. Und darum ist es „a happy song“, auch wenn er „melancholisch“ sagt. Der ist wie freigelegte Zeit, in der alles bedeutend war und ist und wieder ist, der läßt dich innehalten und für einen Moment die ganze seltsame Kontinuität sehen, die…
Isn’t it good, daß an jedem Tag irgendwo auf dieser Welt das hier in den Äther zieht.
„When the song appears to have reached its climax and to fade out, something comes to sustain the reduced guitar, looping. The previous dynamic, assertive riff comes back in a reversed form, as if someone has responded to the cry. The riff repeats in an alternation between the low pitch and the high pitch, as if an eternal reflection between a son and his mother.“
26.11.2010
Landete während meiner Suchtbefriedigung beim Herabsteigen Daphnes in Bilbao, und was – D’Arcy hat den gleichen Glitzerpullover wie der, den – naja, Juni, Kleidermarkt. Trotz intensiven Verständnisses dafür, wie alles wieder zusammenpaßt, bleibt mir ein Rätsel, wie sie damals, als sie Jimmy Chamberlin zur Rehab schickten, ausgerechnet auf Kenny Aronoff kamen. In Bilbao hatte der Mann jedenfalls eindeutig zuviel Tee in sich, bei „1979“ kann sich sogar D’Arcy ein Lächeln nicht verkneifen, weil der einsetzt, als müßte der Song totgeprügelt werden.
Ich nagel‘ das hier mal eben an die Tür: bei Hyperbeln ist die Übertreibung als solche schon selbst das Korrektiv, das selbstironisch die Befangenheit in der eigenen Perspektive eingesteht. :)
Dieses ganze Psychodrama der 4 wird langsam Teil meiner eigenen Psyche.
Rio 1996, vor 1 Trilliarde Menschen. Billy und James schießen Bälle ins Publikum. D’Arcy – „No more soccer balls!“ – „Goooool!“ – „No, no that’s not what I want to say.“ – sagt danke, fügt aber hinzu, die Band fände es unangenehm, daß ein Zigarettenhersteller (Hollywood) hier der Sponsor sei.
Vor X.Y.U. dann Billy: „The soccer balls were courtesy of the Hollywood Cigarette Company, thank you.“ Und dann achte mal auf D’Arcy.
D’Arcy war vorher schon ungehalten, weil James „Boys Don’t Cry“ von The Cure anstimmte. D’Arcy ist riesiger Fan von The Cure und redet ihm dazwischen, aber er singt ungerührt weiter.
24.02.2011
„The Smashing Pumpkins, at this time, could only be described as gargantuan.“
„Und D’Arcy, während des gut 100minütigen Auftritts versunken in ihre eigene Welt, war für wenige Minuten die wahrscheinlich schönste Frau der Welt. Umfangen von einem Hauch von Bluse, Lippen und Augen blaßblau geschminkt, auf dem Kopf eine Art silberne Badehaubenkrone, zupfte sie entrückt ihren Baß, arrogant und schüchtern zugleich.“
(intro.de über das Konzert auf der Hamburger Reeperbahn)
Ich entdeckte die Smashing Pumpkins ja erst 2000 wirklich, zur Hölle. Obwohl wir 1993, als wir in Gilleleje/DK waren, einmal eine „Berlingske Tidende“ kauften. Und da war ein Artikel über sie. Ich verstand nichts, niemand versteht Dänisch. But those 4 faces made an impression, it was like a pact: one day we’ll carry you off. Und die mysteriöse Fähigkeit von Smashing Pumpkins-Songs, Räume freigelegter Zeit zu öffnen, läßt mich jetzt manchmal meinen, ihre Gedankenatombeschleuniger waren für mich schon immer da.
Der letzte Song, den die Smashing Pumpkins vor dem breakup 2000 aufnahmen, schon ohne D’Arcy.
Eins der schönsten Videos aller Zeiten, weil man, wenn man aus dem Luftgefährt springt, immer dem Mond entgegenspringt und dem Unmöglichen, possible tonight.
„The most beautiful girl in the world“, zumindest am Abend des legendären Umsonstkonzerts der Pumpkins auf der Hamburger Reeperbahn. Wer dabei war, wird seinen Enkeln noch erzählen, wie 30 000 Menschen den Verkehr in St. Pauli lahm legten und die größte Rockband der 90er Jahre feierten. – Reiner Pfisterer
Und wenn man noch tausend Bilder von D’Arcy fände, auf allen ist sie eingehüllt in Infinite Sadness. „Arrogant und schüchtern zugleich“. Wenn sie lächelte, dann immer mit dem Vorwurf, daß jemand sie zum Lächeln brachte. Sie redet wie ein Killer aus Scham vor ihrem Charme.
„Sometimes I feel like I’m speaking Martian to people.“ – D’Arcy Wretzky
Praktisch alle Videos, in denen die Smashing Pumpkins sprechen, offenbaren etwas über die komplizierte Bandstruktur, immer am Rande der Dysfunktionalität, zugleich Matrix ungeheurer, unglaublicher Energien, von der Band ironisiert, so lange es ging, in „Vieuphoria“ bringen die Smashing Pumpkins sich bekanntlich selbst zum Psychiater, in einer anderen Sequenz regiert D’Arcy über drei Plüschtiere, die die anderen Bandmitglieder repräsentieren, und geht den James-Hasen mit einer Plastik-Kettensäge an wie eine böse kleine Alice, im „Thirty Three“-Video erscheint sie tatsächlich als klassische Alice im Wunderland, mit viktorianischem Kleid und weißen Strümpfen, zum Ballett mit dem Weißen Kaninchen.
Sie trifft Billy Corgan 1988 vor dem Avalon-Club in Chicago, wo sie in ein Streitgespräch geraten über die Band, die gerade gespielt hat: der schnippische Dialog, der seltsamerweise dazu führt, daß Corgan sie zum Vorspielen einlädt, enthält als Urszene die ganze mysteriöse Konstellation: Billy Corgan engagiert dieses rauflustige Mädchen mit dem wunderbaren Blondhaar, das von nun an immer so wirken wird, als ob sie Billy gar nicht mag, permanent not amused und dem Streß nicht gewachsen scheint – beim Vorspielen ist sie so bang und beklommen, daß sie ihren Bass nicht richtig spielen kann -, er engagiert sie mit ihrer faszinierenden Mischung aus badass und awkward, weil er weiß, daß er es muß.
Irgendwann, als die Smashing Pumpkins gargantuan sind, sagt Corgan: „There’s a lot of chemistry in the band that the outside world could never witness. In our band, D’Arcy is the moral conscience – it’s really hard to do something if D’Arcy thinks it’s fucked.“
Eine Aussage, die er 2011 erstaunlicherweise wiederholt. Erstaunlich, weil die Pfeile, die Corgan nach der Trennung auf D’Arcy, James Iha und sogar auf Jimmy Chamberlin abgeschossen hat, von niemals schließenden Wunden bei Corgan selbst künden, unstillbares geschwärztes Herzblut.
Anläßlich der Remasters von „Gish“ und „Siamese Dream“ erklärt Billy Corgan dann in einem Interview 2011: „D’Arcy was probably the person in the band with the highest taste. She had a very almost snobby taste about music. And it was D’Arcy who often times would say, no that’s too cheesy, no that’s too lame. And her opinion carried a lot of weight in the band.“
Corgan wußte, daß D’Arcy das Mädchen ist, mit dem er jedes Pferd stehlen kann. Daß die Viererbande Corgan – Iha – D’Arcy – Chamberlin eine mystische Einheit war, die den Göttern das Feuer entriß. Daß D’Arcy bei allem Hickhack eine Vision mit ihm teilte. Und daß er bei allem Hickhack bedingungslos auf sie vertrauen konnte, daß sie ihm folgen würde von Méliès-Mond bis zu Porcelinas Unterwasserspielplatz:
„I’d say that’s always been Billy’s motto: ‚Anything to serve a song‘. Whatever it is to serve the song, you know. If he has me stand on my head while I’m playing the kazoo, so be it.“
„I think we were a perfect band for social media. In fact I think we were doing social media before there was social media. Because we would cause fake controversies, and we would pretend to argue with each other in public and on MTV, we would do all sorts of weird stunts … and the band was very visually rich, and four distinct personalities, strong personalities.“
Billy Corgan, Interview with Rick Beato, 2022
„During the interview on Rockline on July 13, 1998, Billy said that the song at first sounded like a hippy folk song and lyrics were funnier. Then he rewrote the music, made it sparser and fragmented, and rewrote the lyrics. He said that he was going to rewrite the lyrics again but D’Arcy talked him into keeping the lyrics the way they are.“ (landslide.2007.org)
What if the sun refused to shine? What if the clouds refused to rain? What if the wind refused to blow? What if the seas refused to wave? What if the world refused its turn? What if the stars would hesitate?
What if what is isn’t true? What are you going to do? What if what is isn’t you? Does that mean you’ve got to lose? Digging for the feel of something new
What if the silence let you dream? What if the air could let you breathe? What if the words would bring you here? What if this sound could bring you peace?
What if what is isn’t true? What are you gonna do? Digging for the feel of something new What if what is isn’t you? What are you gonna do?
It came from your thoughts your dreams and visions Ripped up from your weeks and indecisions
D’Arcy behauptet, sie habe ihre ältere Schwester einmal dadurch zur Unterwerfung gezwungen, daß sie Messer warf, und man glaubt es ihr. Ihr Weg von irritierter Reinheit zu zerstörtem Engel ist der traurigste seit Nico.
„There’s a part of D’Arcy that wants to just walk off the stage.“ – James Iha comment after D’Arcy walked off the stage before „1979“ during a concert
The face we choose to miss Be it but for a day As absent as a hundred years When it has rode away
What a great page! I feel incredible sorry when I see D’Arcy in this fantastic performance in the 90’s knowing what happened to this poor soul afterwards. She always looks innocent and somehow „thrown into all of this“.
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Oh yes, I feel the same way, to the syllable. There’s something so incredibly touching about her way of being in this band, her stage presence, the shyness in her glamour. Recently the Rolling Stone wrote, „… she looked like an updated version of a sullen silent film star … the most glamorous outsider.“ Thank you for your lovely comment!