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Abandoned Barbies

Abandoned Barbies. Foto von Christian Erdmann.
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Piratenschädel

Schädel eines Piraten, Klaus Störtebeker zugeschrieben. Foto von Christian Erdmann.
Schädel eines Piraten, Klaus Störtebeker zugeschrieben. Foto von Christian Erdmann.
Schädel eines Piraten, Klaus Störtebeker zugeschrieben. Foto von Christian Erdmann.
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Friedhof Ohlsdorf, Hamburg / Ohlsdorf Cemetery [4]

Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
Friedhof Ohlsdorf Hamburg. Ohlsdorf Cemetery Hamburg. Foto von Christian Erdmann.
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Lübeck

20. Dezember 2019

Streckbank, Peitschen, Brandmarkeisen, Daumenschrauben und andere Folterwerkzeuge dokumentieren im Holstentor den Strafvollzug im späten Mittelalter. Schandschilder aus dem 18. / frühen 19. Jahrhundert: damit behängt, mussten Verurteilte ihre Strafzeit auf dem Markt abstehen.

Lübeck, Holstentor, Ausstellung Straf- und Folterwerkzeuge.

Die alten Salzspeicher: hier drehte Friedrich Wilhelm Murnau im Sommer 1921 Szenen für „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922).

Die Salzspeicher in Lübeck, Drehort für "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens", Regie F. W. Murnau.

Max Schreck als Graf Orlok findet sein Domizil in der Stadt Wisborg in den zerfallenen Lagerhäusern, der Nosferatu bewohnt jenes „schöne, öde Haus“, den Hutters vis-à-vis.

Max Schreck als Graf Orlok in "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens", Salzspeicher Lübeck.
Die alten Salzspeicher in Lübeck in "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1922), Regie Friedrich Wilhelm Murnau.
Klaus Kinski in "Nosferatu - Phantom der Nacht", 1979, Regie Werner Herzog, vor den Salzspeichern in Lübeck.

Die Kirchenuhr im Lübecker Dom, 1628.

Die Kirchenuhr im Lübecker Dom.

Das 17 Meter hohe Triumphkreuz des Bernt Notke. Es wurde von Albert II. Krummendiek, Bischof von Lübeck und Kanzler des Dänenkönigs Christian I., aus eigenen, wenn auch geliehenen Mitteln gestiftet und 1477 aufgerichtet. Krummendiek ist in der Triumphkreuzgruppe als Stifter und als Gegenfigur zu Maria Magdalena dargestellt. „… nebst einer Magdalena, unter welcher Gestalt, der Sage nach, seine Beischläferin dargestellt ist“, bemerkt um 1820 der Prediger Zietz. Krummendieks Finanzen blieben nach dieser Stiftung zerrüttet.

Das Triumphkreuz des Bernt Notke im Lübecker Dom.

Schatten haben ein Eigenleben.

Triumphkreuz des Bernt Notke im Lübecker Dom.

Maria und Maria Magdalena.

Triumphkreuz des Bernt Notke im Lübecker Dom. Maria und Maria Magdalena.

Ein freundlicher Bewohner des Doms.

Lübeck, Dom.

Das Museum im St. Annen-Kloster.

Lübeck, St. Annen-Kloster.
Lübeck, St. Annen-Museum, St. Annen-Kloster.
Lübeck, St. Annen-Kloster, St. Annen-Museum.
Lübeck, St. Annen-Kloster, St. Annen-Museum.
Lübeck, St. Annen-Kloster, St. Annen-Museum.

Rathaus, Renaissance-Erker zur Breiten Straße.

Lübeck, Rathaus, Renaissance-Erker.

Rathaus-Nordfassade am Marienkirchhof, auf dem der historische Weihnachtsmarkt stattfindet.

Lübeck, Rathaus Nordfassade Marienkirchhof.

In der Marienkirche: die beim verheerenden Brand in der Nacht vom 28. zum 29. März 1942 heruntergestürzten Glocken am Boden des südlichen Turms.

Lübeck, Marienkirche, die beim Brand 1942 heruntergestürzten Glocken.

Marienkirche

Lübeck, Marienkirche.

Tympanonfenster von Markus Lüpertz.

Lübeck, Marienkirche, Tympanonfenster von Markus Lüpertz.

Marienkirche

Lübeck, Marienkirche.

St. Jakobi. Die Jakobikirche wurde 1334 als Kirche der Seefahrer und Fischer geweiht.

Lübeck, St. Jakobi.

Breite Straße

Lübeck, Breite Straße.

Auf dem Weihnachtsmarkt

Lübeck, Weihnachtsmarkt.

Im Rathaus

Lübeck, Rathaus.
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Das Beinhaus von Mělnik – The Mělnik Chapel of Bones

25.08.2013

Das Beinhaus von Mělnik befindet sich in der Krypta unter dem Altar der Kirche St. Peter und Paul. Der Abstieg in diese Unterwelt führt durch einen separaten Seiteneingang. Man steigt eine schmale, alte Treppe hinab; unten, in einem versteckten Winkel, sitzt eine Frau undefinierbaren Alters, nennen wir sie Madame Lampernisse.

„Ich heiße Lampernisse, und ich erfreue mich an den Farben. Jetzt hat man mich in die Finsternis geschickt. Früher habe ich Schwarz aus Knochen und Schwarz aus Kohle verkauft, aber nie habe ich jemandem die Schwärze der Nacht geliefert. Ich bin Lampernisse. Ich bin so gütig, aber man hat mich im Dunkeln eingeschlossen, zusammen mit einem Wesen, das die Lampen löscht.“ – Jean Ray, Malpertuis

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

30 Kronen für Madame Lampernisse und man darf hinter den uralten, verstaubten Vorhang blicken.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Ossuary.

Ein einziger Raum, nicht sehr groß. Man schätzt, daß er die Gebeine von etwa 15.000 Toten bewahrt.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Ursprünglich sollte die Krypta als letzte Ruhestätte der böhmischen Prinzessinnen und Königinnen dienen, die auf Schloß Mělnik residierten. Eine Pestepidemie im 16. Jahrhundert führte jedoch dazu, daß der kleine Friedhof, der die Kirche umgab, nicht mehr ausreichte, um die Toten zu bestatten, und die Krypta wurde zum Ossarium – Aufbewahrungsort für exhumierte Knochen und Schädel.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Als im Zuge einer Verordnung Ende des 18. Jahrhunderts alle Ossarien aus hygienischen Gründen geschlossen und die Gebeine in der Erde bestattet werden sollten, beließ man es in Mělnik dabei, Eingang und Fenster des Beinhauses zuzumauern. So verblieb die Knochenkapelle, bis 1891 der Zutritt wieder möglich war, doch das Beinhaus war in beklagenswertem Zustand; erst 1913 ließ der Anthropologe Jindřich Matiegka die Kapelle für systematische Untersuchung öffnen. Die Arrangements der Knochen und Schädel in ihrer jetzigen Form sind das Werk von Matiegka.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Ossuary.

Das Herz aus Schädeln soll Liebe als christliche Tugend symbolisieren.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.
Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Einige der Schädel, die zur lateinischen Inschrift ECCE MORS (etwa: Seht den Tod) angeordnet wurden, haben ihren Platz verlassen.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Nicht nur die Höhe der Knochenwälle ist schwindelerregend,

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.
Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

auch ihre Tiefe. Der Tunnel im Frontwall, etwa fünf Meter tief, soll das leere Grab Christi und damit die Auferstehung symbolisieren.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Ossuary.

„Dieses ist dein Weg“, wiederholt eine Stimme auf dem Tonband, das Madame Lampernisse angeschaltet hat.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Das Beinhaus von Mělnik ist kleiner als das berühmtere Ossarium von Sedlec bei Kutná Hora, und es gibt kaum Besucher. Mit etwas Glück kann man hier einen mind-blowing Nachmittag damit verbringen, sich auf den Boden der Krypta zu setzen und sich von Schädeln anstarren zu lassen, bis man ihre Gedanken kennt.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.
Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Zu den Exhumierten und den Pestopfern gesellten sich die Überreste Gefallener aus dem Dreißigjährigen Krieg, meistens Sachsen und Schweden.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

Einige der Schädel zeigen die Spuren fataler Kampfwunden.

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.

(Exeunt.)

Das Beinhaus von Mělnik. The Mělnik Chapel of Bones.
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Jüdischer Friedhof Hamburg Altona

Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.

Der Jüdische Friedhof Altona (auch, auf den sephadischen Teil des Friedhofs bezogen, Portugiesenfriedhof an der Königstraße), wurde 1611 angelegt. Er gilt aufgrund seines Alters und der großen Zahl erhaltener Grabsteine (rund 7600 von 8474, die man bei der Schließung des Friedhofs 1869 gezählt hatte) als eines der bedeutendsten jüdischen Gräberfelder der Welt.

Hier wurden Mitglieder der jüdischen Gemeinden aus Altona und Hamburg beerdigt: Sepharden ursprünglich spanisch-portugiesischer Herkunft und Aschkenasim, mittel- und osteuropäische Juden.

Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.

1611 erwarben portugiesische Juden aus Hamburg ein Stück Land von Graf Ernst III. von Holstein-Schauenburg und Sterneberg auf dem Altonaer Heuberg als Friedhof. Die Hochdeutsche Israeliten-Gemeinde zu Altona erwarb kurz darauf in unmittelbarer Nachbarschaft ihrerseits ein Begräbnisgelände. Beide Friedhöfe bilden heute den Jüdischen Friedhof Altona.

Zwischen 1668 und 1806 wurde der aschkenasische Friedhofsteil mehrfach erweitert, so daß er mehr und mehr mit dem Portugiesenfriedhof zusammenwuchs.

Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.

Bei der Schließung des Friedhofs im Jahre 1869 befanden sich auf dem Portugiesenfriedhof 1806 Grabmale, auf dem aschkenasischen Friedhof im Altonaer Teil 6000 und im Hamburger Teil 668.

Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.

Nur eine Person wurde pro Grab beigesetzt. Die sephardischen Grabmale sind liegende Platten oder zeltförmig. Auf den aufrecht stehenden aschkenasischen Grabsteinen sind oft ikonische Zeichen abgebildet, z.B. segnende Hände oder eine Hand mit einer Schreibfeder. Die Grabmale sind aus Marmor, Kalkstein oder Sandstein. Etwa 200 wurden 1939 zerschlagen für einen Sportplatz auf dem Friedhofsgelände. Zu weiteren Zerstörungen kam es durch Erschütterungen und umherfliegende Trümmerteile bei der Operation Gomorrha, Erschütterungen durch die unterirdisch verlaufende S-Bahn, Vandalismus und Diebstahl.

Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
Jüdischer Friedhof Hamburg Altona.
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Bratislava

Montag, 27.08.2012

1052 war Bratislava noch Preslawaspurch, umstritten ist, wem die Purch mit dieser Namenserwähnung zugeschrieben werden darf: Kandidaten sind Predslav, Sohn des Sventopluk, Fürst im Fürstentum Nitra des 9. Jahrhunderts, und ein slawischer Fürst namens Braslav. Nacht mit der „todten Schönen“, der Eisernen Jungfrau von Sacher-Masoch (in: „Heroine des Grauens – Elisabeth Bathory“). Schon kurz hinter Hamburg tritt der zweite Hunger die Tür ein, später informiert ein tschechischer Durchsager über die Existenz eines Spejsewagen. Tschechen sind wunderbar rücksichtsvolle Menschen. Als drei Schwedinnen im Zug zu singen beginnen, legt die tschechische Ticket-Controlleuse einen erstaunten Blick an den Tag und dann einen Finger an den Mund. Das Leise als natürliche Tugend. In Prag steigt eine junge Frau ein, die einen vermutlich gerade bei einem Prager Spezialisten operierten Hund zurück nach Bratislava bringt. Beiden gegenüber sitzt ein Mann, der, am Schicksal des Hundes interessiert, die Frau anspricht, die dann während der ganzen Unterhaltung unbeirrt nur flüstert, um den bedröselten Hund nicht aufzuregen. Wir kommen plangemäß an Zohor vorbei und denken plangemäß an Ray, während die rote Sonne draußen einen 30°-Abend anstimmt. Bratislava. Der Bahnhof ist viel kleiner. Wir schließen daraus, daß alles viel kleiner ist, und beschließen, nicht die Tram zu nehmen. Instinkt und der erste Slowake weisen den Weg durch die im Dunkel unwirkliche Stefanikova, überall abblätternder Putz, seltsame Figuren über fast parisischen Türen. Kein Problem, die Panenská zu finden. Vergänglichkeitsstraße. Die junge Dame im „Virgo Hotel Prihradny“ führt uns über einen Außenkorridor, der in der Dunkelheit an Lynch / Lost Highway erinnert, zur Tür mit dem býk (Taurus) – das Prihradny ordnet Zimmer nach Sternzeichen.

Der Kronleuchter im Taurus Room ist der Traum eines Absinth-Trinkers.

Bratislava, Virgo Hotel Prihradny.

Night Walk durch die phantastische Altstadt. Es gibt zwei prominente Plätze in Bratislava, den Hlavné námestie (Hauptplatz) und den Hviezdoslavovo námestie, eigentlich eine lange, großzügige Promenade. Hviezdoslav war ein slowakischer Dichter. Man findet unter den Bäumen aber auch die Statue eines Schriftstellers, den man nicht unbedingt sofort mit Bratislava in Verbindung bringen würde: Hans Christian Andersen. Tatsächlich hat Andersen 1841 das damalige Pressburg besucht. Er war von der Stadt bezaubert, und man fragte ihn, ob er darüber schreiben würde. Die Antwort des Märchenpoeten war, das sei nicht nötig, schließlich sei die Stadt selbst ein Märchen. Bei Nacht wirkt die Altstadt mit ihren verwunschenen Gassen immer noch märchenhaft, geheimnisvoll und völlig aus der Zeit gefallen. Gleichzeitig sind die Lokalitäten bis unters Himmelsdach voll, aber das Nachtleben wirkt entspannt, unaufgeregt, miles away von hiesigem Gelärme, als würden all die Häuser, Paläste und Kirchen hier die aufgesaugte Erinnerung an die Tradition toleranten Miteinanders in dieser Stadt, die durch ihre Lage prädestiniert war zum Kreuzpunkt verschiedener Kulturen, wieder ausstrahlen. Auf dem Hauptplatz stehen ein alter Bus mit Projektor und eine Leinwand: Open Air-Kino, umsonst. Zwischen Trinitarierkirche und Donau: Oh Moon of Bratislava. Grille zirpt.

Kathedrale St. Martin

Bratislava, St. Martin.

Kapitulská

Bratislava, Kapitulská.

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert führten die ersten Schritte nach der Krönungszeremonie im Martinsdom die Habsburger Könige und Königinnen über die cobblestones der Kapitulská. Die meisten Häuser haben heute bröckelnde Fassaden, einige stehen leer. Angehörige von Klerus und Kollegien können hier gegenüber Spaziergängern die Überzahl bilden.

Bratislava, Farska.

Dienstag, 28.08.2012

Früher Morgen in der Panenská.

Bratislava, Panenská.

Die Burg, eine Pestsäule aus dem Jahr 1723, und die (1717) dem heiligen Stephan von Ungarn geweihte Kapuzinerkirche. Die Kapuziner kamen 1676 in die Stadt.

Bratislava, Kapuzinerkirche.

In der Farska, rechts die Klarissenkirche im gotischen Stil. Die Klarissinnen waren seit 1297 in Bratislava und durften Anfang des 14. Jahrhunderts mit Unterstützung des Königs am Ort eines zerstörten Zisterzienserklosters eine Kirche und ein Kloster errichten.

Bratislava, Farska.

Eine Legende behauptet, daß der gotische Turm von einem Ritter namens Christian aus Liebe zu einer Nonne mit Namen Matilda errichtet wurde; die ranghöchste Klarissin versprach Christian das Mädchen, hielt ihr Versprechen aber nicht.

Der angeschlossene Konvent war nach Auflösung des Ordens eine Oberschule, zu deren Schülern auch der junge Béla Bartók zählte, der seit 1893 in Bratislava Musik- und Kompositionsunterricht erhielt.

Bratislava, Farska.

Die Kapitulská (früher Pfafengasse, Kirchgasse, Capitelgasse) am noch immer frühen Morgen.

Bratislava, Kapitulská.

Rudnayovo-Platz, beim Dom.

Bratislava, Rudnayovo.

Bus 29 bringt in weniger als einer halben Stunde zu den Ruinen von Hrad Devin. Aufgrund ihrer Lage, in 212 Meter Höhe auf dem Felsmassiv über dem Zusammenlauf von Donau und March, war die Burg Devin zu allen Zeiten eine strategisch wichtige Befestigung; im Großmährischen Reich wird sie zur Fürstenburg. [Das als Großmährisches Reich bezeichnete Staatsgebilde entstand, als Mojmir I., Fürst von Mähren, 833 das Fürstentum Nitra eroberte].

Bratislava, Burg Devin.
Bratislava, Devin Castle.

Die Stätte war seit dem Neolithikum besiedelt und seit der Bronzezeit befestigt. Die Kelten siedelten hier, Germanen, in den ersten Jahrhunderten nach Christus errichteten die Römer hier eine der Grenzstationen des Limes Romanus. 1975 entdeckte man bei Ausgrabungen ein christliches Heiligtum aus dem 4. Jahrhundert, einer Zeit, in der es unter römischen Legionären bereits eine beträchtliche Zahl von Christen gab. 864 wird die Burg vermutlich zum ersten Mal schriftlich erwähnt, wenn die Fuldaer Annalen berichten, daß Ludwig der Deutsche 855 mit einem Heer die Festung des Großmährischen Fürsten Rastislav belagerte, die Burg Dowina. Nach Ende des Großmährischen Reiches wurde die Slowakei ein Teil des Königreichs Ungarn; Devin galt als das westliche Tor des Königreichs. Anfang des 13. Jahrhunderts begann Devin als frühmittelalterliche Burg jene Formen anzunehmen, deren Ruinen heute zu sehen sind. Ab dem 15. Jahrhundert regierten verschiedene ungarische Adelsgeschlechter auf der Burg, seit König Sigismund die Burg seinem Palatin Nicolaus Gara übergab. 1809 wurde die Festung durch Napoleonische Truppen gesprengt.

Burg Devin bei Bratislava.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Burg zum wichtigen nationalen Symbol für die Slowaken, die in der Burg ihre Identität als eine der slawischen Nationen, die aus dem Großmährischen Reich hervorgingen, repräsentiert sehen.

Bratislava, Burg Devin, Hrad Devin.

Die Burg inspirierte romantische Poeten, Canaletto (der Mittlere) hat sie gemalt, und der schlanke Turm, der auf einem Felsen balanciert, heißt Jungfrauenturm.

Bratislava, Burg Devin.

Ein Ritter namens Nikolaus, so geht die Sage, hatte aus Kärnten eine Jungfrau namens Margarete entführt und nach Devin gebracht; das Mädchen wehrte sich nicht sehr, denn der junge Ritter gefiel ihr, und seine Burg auch. Bevor es zur Hochzeit kam, erschien Margaretes Onkel Raphael, der Abt von Isenburg, auf der Burg. Seine Knappen ergriffen die junge Frau, setzten sie auf ein Pferd und sprengten im Galopp nach Kärnten. Nikolaus holte sie jedoch ein und brachte seine Auserwählte nach einem Kampf zurück. Während der Hochzeitsvorbereitungen klirrten im Burghof erneut die Waffen: Raphael drang in die Burg ein, die Kärntner waren in der Übermacht und zwangen Nikolaus zum Rückzug in den kleinen Turm auf dem Felsvorsprung. Nikolaus fiel schließlich im ungleichen Kampf. Seine junge Braut sprang aus Trauer in die Donau, der Fluß verschlang die Jungfrau Margarete an ihrem Hochzeitstag.

Bratislava, Devin Castle, Burg Devin.
Bratislava, Burg Devin.
Burg Devin bei Bratislava, Slowakei.

Wir trinken das Wasser der Herren von Gara (Garai), gießen Wasser in einen Brunnen (es dauert fünf Sekunden, bis 55 Meter tief ein Platschen zu hören ist), und lernen, daß Kaiser Ferdinand I. 1527 die Burg an Stephan Bathory gibt, dessen Familie sie bis 1605 besitzen wird.

Bratislava, Burg Devin.

Auf dem Areal leben Eidechsen, Gottesanbeterinnen, Falken und Schlangen.

Burg Devin bei Bratislava.
Bratislava, Devin Castle.

Es gibt auch eine kleine Ausstellung zur Burghistorie, neben Hellebarden, Schwertern und Kanonenkugeln auch eine Lafette (gun-carriage) schottischer Herkunft, die man, wie die freundliche Dame, die über die Exposition wacht, unserem Interesse beispringt, in der Donau gefunden hat.

Bratislava, Burg Devin.

Madame inspiziert das Waffenlager.

Bratislava, Burg Devin.

Plötzlich im Gebüsch: smiles like a reptile

Burg Devin, Bratislava.

Rowr

Bratislava.

Wieder in der Stadt: Martinsdom. Die Kathedrale ist dem heiligen Martin von Tours geweiht, der um 316 im heutigen Ungarn geboren wurde. Nach der hagiographischen Überlieferung traf Martin, seit 334 als Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde in Amiens stationiert, an einem kalten Wintertag am Stadttor auf einen unbekleideten Bettler; Martin teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab die eine Hälfte des Mantels dem Armen. Die Szene nochmal in Zeitlupe [Reiterstatue im Dom]:

Bratislava, St. Martin.

In der Schatzkammer erfährt man von einer wunderlichen That, die sich zu Pressburg zugetragen; aus geschwornen Zeugknussen geht hervor, daß der Geist eines gewissen Hans Clement Zwespenbauer 1641 / 1642 der Jungfrau Regina erschien, so lange, bis er auf ihre Fürbitte aus dem Fegefeuer erlöst wurde, was ihr ein Engel zu wissen gab. Die geschrockene Regina ist leider nicht zu sehen, dafür ein eingebranntes Handzeichen, das der Geist als Nachweis seiner Existenz dankenswerterweise hinterließ. Vor allem beherbergt die Schatzkammer zahlreiche Objekte aus der langen Geschichte des Doms als Krönungstätte der Habsburger Regenten, die hier zu Königen und Königinnen von Ungarn gekrönt wurden, u.a. Rudolf II., Matthias und Maria Theresia. 1563 war der spätere Kaiser Maximilian II. der erste ungarische König, der im Martinsdom gekrönt wurde; die Kathedrale trat damit an die Stelle der königlichen Basilika in Székesfehérvár, das dem Osmanischen Reich in die Hände gefallen war.

Eine Gedächtnistafel in der Kathedrale erinnert an Beethoven, der im Herbst 1796 Bratislava zum ersten Mal besuchte und später hier seine Missa Solemnis vorstellte. Mozarts Witwe Constanze heiratete den Schriftsteller Georg Nikolaus Nissen im Juni 1809 im Dom zu Preßburg. Stanzerl sah damals allerdings noch einen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert barockisierten Innenraum. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurden die barocken Elemente weitgehend entfernt und das Gebäude in den ursprünglichen Zustand im gotischen Stil zurückversetzt.

Die schöne Apollonia

Bratislava, St. Martin, Apollonia.

Nahe der Martinsstatue ist der Kirchenboden aufgelassen und man schaut hinab auf einen Schädel. Was daran erinnert, daß die Kathedrale ab dem späten 13. Jahrhundert an der Stelle einer früheren romanischen Kirche und über einem sehr alten Friedhof entstanden ist. Unterhalb der Kirche existieren Katakomben von unbekannter Länge. Teile der Krypta, in der die Särge hochrangiger Persönlichkeiten und kirchlicher Würdenträger eingemauert sind (die letzte Bestattung wurde 1895 vollzogen), kann man betreten. Es ist kalt hier.

Bratislava, St. Martin, Krypta.
Bratislava, Krypta von St. Martin.

Den ganzen Nachmittag durchstreifen wir die Gassen der Altstadt, begegnen all den kuriosen Statuen von Bratislava, dem Schönen Náci, der, ganz Stadtoriginal, beschwingt mit dem Zylinder winkt, oder dem aus einem Kanalschacht spähenden Gaffer. 32° in der Sonne um 17 Uhr.

Bratislava, Altstadt.
Bratislava, Altstadt

Das Michaelertor (Michalská brána) mit seinem 51 Meter hohen Turm ist das letzte erhaltene von ehemals vier Toren der mittelalterlichen Stadtbefestigung, die im 18. Jahrhundert auf Anordnung Maria Theresias größtenteils abgerissen wurde. Der Weg der gekrönten Monarchen führte aus dem Martinsdom auch durch das Michaelertor, wo der neu gekrönte König vor dem Erzbischof einen Treueschwur ablegte. Die Geschichte des Michaelertors reicht bis ins späte 13. Jahrhundert zurück, seine barocke Form erhielt der Turm in der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Bratislava, Michaelertor.

Die Wächter der Franziskanerkirche.

Bratislava, Franziskanerkirche.

Im Eingang der Franziskanerkirche sitzt ein Franziskanermönch, barfuß und hardcore auf dem kalten Boden, in Erwartung eines kleinen Obolus. Als wir die Kirche wieder verlassen, steht er lässig an der Tür wie der Bruder von Tomas Milian in irgendeinem Italowestern und betrachtet das Treiben vor dem gegenüberliegenden Mirbach-Palais. Dazwischen liegt Reparatus. Soll im 4. Jahrhundert gelebt haben und aus Nola bei Neapel stammen. Starb als Märtyrer 353 und kam 1769 aus Rom nach Bratislava.

Bratislava, Franziskanerkirche, Reparatus.
Bratislava, Franziskanerkirche, Reparatus.

Die Franziskanerkirche ist das älteste sakrale Gebäude in Bratislava. Sie wurde ab 1280 an das 1278 errichtete Franziskanerkloster angebaut, angeblich ließ der ungarische König Ladislaus IV. (der Kumane) sie zu Ehren seines Sieges über Przemysl Ottokar II. von Böhmen auf dem Marchfeld bauen. 1297 wurde sie in Anwesenheit des letzten Arpaden-Königs Andreas III. geweiht, als einschiffige Kirche im gotischen Stil. 1590 brachte ein Erdbeben das gotische Kreuzgewölbe zum Einsturz, Anfang des 16. Jahrhunderts wurde es durch ein neues Kufengewölbe ersetzt. Die Seitenwände des Kirchenschiffes und das Presbyterium blieben erhalten und sind heute die ältesten Teile der Kirche. Hauptaltar und Seitenaltäre stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die Rokoko-Kanzel ist von 1756.

1526 wurde der spätere Kaiser Ferdinand I. in der Franziskanerkirche zum König von Ungarn gewählt. Fortan wurden, als Bestandteil von Krönungszeremonien, Ungarische Adelige in der Franziskanerkirche zu Rittern des Goldenen Sporn geschlagen.

Bratislava, Franziskanerkirche.

Eine Johannes dem Täufer geweihte gotische Kapelle aus dem 14. Jahrhundert, die der Sainte-Chapelle in Paris nachempfunden ist: Where angels don’t fear to tread.

Bratislava, Franziskanerkirche.

Abendmahl, dann der Burgberg. Ein Rest der alten Stadtbefestigung, der beim Martinsdom noch zu sehen ist:

Bratislava.

Auf der anderen Seite der Straße: das Haus zum Guten Hirten (1760-1765).

Bratislava, Haus zum Guten Hirten.
Bratislava, Haus zum Guten Hirten.

Hinter dem schönen Rokokohaus beginnt der Aufstieg zur Burg.

Bratislava, Schlossberg Cafe Schild.

Der Burgberg ist ein Ausläufer der Kleinen Karpaten, und die Burg, das Wahrzeichen Bratislavas, liegt auf einem Felsen 85 Meter über dem linken Ufer der Donau an einer alten Kreuzung europäischer Handelswege. Der Berg ist seit der Steinzeit besiedelt; wie auf Devin errichteten auch hier Kelten, Germanen und Römer Befestigungen. Gegen Ende der Völkerwanderung erreichten Slawen das Gebiet, und zur Zeit des Großmährischen Reiches im späten 9. Jahrhundert entstand eine wichtige Befestigung. 907 wird die Burg in den Salzburger Annalen erwähnt. Wie Devin wurde die Burg nach dem Fall des Großmährischen Reiches Teil des Königreichs Ungarn.

Im 11. und 12. Jahrhundert entstand hier ein vorromanischer mittelalterlicher Steinpalast. Seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde die Burg zum Sitz der neu entstandenen Gespanschaft Pressburg. Im 13. Jahrhundert wurde eine romanische arpadische Burg errichtet, die bis 1427 Bestand hatte. Zu dieser Befestigungsanlage gehörte ein romanischer Wohnturm auf der Südwestseite; als einziger Bauteil der Anlage ist er bis heute erhalten geblieben.

Am Ende des 13. Jahrhunderts fiel die Burg zweimal: 1273 wurde sie von Truppen des böhmischen Königs Przemysl Ottokar und 1287 vom österreichischen Herzog Albrecht erobert. Ihren heutigen vierflügligen Grundriss bekam die Burg im 15. Jahrhundert, als Sigismund von Luxemburg einen gotischen Umbau anordnete. Nach der Schlacht bei Mohács im Jahr 1526, als die Türken die ungarische Armee schlugen und später die bisherige Hauptstadt Buda besetzten, wurde die Burg zum Sitz des Habsburgers Ferdinand I.

Während der Umbauarbeiten im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Burg mehrmals befestigt: 1552–1562 wurde die Burg im Renaissancestil umgebaut. Alle Flügel wurden im Bezug auf die Höhe vereinheitlicht und ein weiterer Turm errichtet. Seit 1608 beherbergte der Südwestturm die ungarischen Kronjuwelen; seither wird er auch als Kronturm bezeichnet. 1635 bewilligte der ungarische Landtag bauliche Veränderungen an der Burg. Palatin Graf Paul Pálffy beauftragte den Architekten Giovanni Alberti, die Aufsicht hatte der kaiserliche Hof-Baumeister Giovanni Battista Carlone. Die ganze Burganlage wurde um einen Stock erhöht und es wurden weitere zwei Türme erbaut, womit die Burg ihr heutiges viertürmiges Aussehen bekam.

Die letzten größten Umbauarbeiten erfolgten während der Regierungszeit von Maria Theresia. Diese barocke, heute als theresianisch bezeichnete Burg wurde 1755–1765 umgebaut; auf der Südseite wurde der sogenannte Ehrenhof erstellt. Auf der Westseite entstanden ein Geschäftshof und ein Pferdestall, auf der Ostseite wurde ein als Theresianum bezeichnetes Rokokopalais gebaut; es war Sitz des Statthalters.

Nachdem der Statthalter die Burg im Jahr 1780 verlassen hatte und die Kronjuwelen nach Wien verbracht worden waren, verlor die Burg während der Regierung von Joseph II. ihre Bedeutung. Bis 1802 stand die Burg im Eigentum der Kirche. Seit 1802 wurde die Burg als Kaserne benutzt.

Am 28. Mai 1811 brach ein verheerendes, drei Tage dauerndes Feuer aus, vermutlich durch Achtlosigkeit der Truppen verursacht. In den folgenden 150 Jahren erhoben sich nur die Burgruinen über der Stadt. Teile, die nicht dem Feuer zum Opfer gefallen waren, wurden weiterhin als Kasernen und Gefängnis benutzt. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Vorschläge zum Wiederaufbau unterbreitet, aber nicht durchgeführt. Die Burg wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg von 1953 bis 1968 renoviert. Am 3. September 1992 unterzeichnete man im damaligen Rittersaal (heute Saal der Verfassung) die slowakische Verfassung, vier Monate vor der Unabhängigkeit der Slowakei. Von 1993 bis 1996 diente die Burg als Sitz des slowakischen Präsidenten, bevor der Sitz in das renovierte Palais Grassalkovich verlegt wurde.

Seit 2008 wurde die Burg erneut renoviert und erscheint seitdem in strahlendem Weiß.

Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.
Bratislava, Burg.

Brilliant Trees, Louise Brooks, eine Band auf dem Rudnayovo-Platz spielt „Purple Rain“.

Bratislava.
Bratislava, 2012, Louise Brooks, Nuspirit Club.
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Bode-Museum Berlin

Matteo Civitali: Johannes der Täufer / John the Baptist. Bode-Museum Berlin. Foto von Christian Erdmann.
Bode-Museum Berlin. Foto von Christian Erdmann.
Bode-Museum Berlin. Foto von Christian Erdmann.
Bode-Museum Berlin. Reparaturinschrift der Stadtmauer von Konstantinopel. Foto von Christian Erdmann.

Reparaturinschrift der Stadtmauer von Konstantinopel, 1439.

Bode-Museum Berlin. Foto von Christian Erdmann.
Bode-Museum Berlin. Apsismosaik aus Ravenna, 6. Jahrhundert. Foto von Christian Erdmann.

Apsismosaik aus San Michele in Ravenna, 545.

Bode-Museum Berlin. Foto von Christian Erdmann.
Bode-Museum Berlin. Nicolas Poussin. Foto von Christian Erdmann.

Nicolas Poussin.
Von Francois Duquesnoy, Marmor, um 1630.

Bode-Museum Berlin. Memento Mori, ca. 1520, Elfenbein. Foto von Christian Erdmann.

Memento Mori, Frankreich oder Niederlande ca. 1520, Elfenbein.

Bode-Museum Berlin. Foto von Christian Erdmann.
Bode-Museum Berlin. Antonio Canova, Tänzerin. Foto von Christian Erdmann.

Antonio Canova, Tänzerin.

Bode-Museum Berlin.Rodrigo Borgia, Papst Alexander VI. Foto von Christian Erdmann.

Rodrigo Borgia, Papst Alexander VI.

23.06.2013

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Travelogue

Salzburg / Cesky Krumlov / Prag – 2011 [6]

Mittwoch, 14.09.2011

Freigelegt unter dem Putz einer Mauer des Svaty Jan, das, wie gesagt, einmal Pfarrhaus war: zum Mitsingen.

Prag. Svaty Jan.

This Year’s Destination: Vyšehrad. Pure Morning, ein Haus in der Vyšehradska:

Prag. Haus in der Vyšehradska.
Prag. Haus in der Vyšehradska.

Balkon in der Slavojova

Prag. Balkon in der Slavojova.

Der Vyšehrad entstand als befestigte Burgstätte im 10. Jahrhundert, als zweite Prager Burg der Przesmysliden, auf einem Hügel, der sich südlich der Innenstadt steil über dem rechten Moldau-Ufer erhebt. Der Legende nach war dieser geheimnisvolle Ort Sitz der ersten tschechischen Herrscher; die sagenhafte Fürstin Libussa (Libuše) soll vom Vyšehrad aus in einer Vision die Gründung Prags prophezeit haben. Man weiß jedoch mittlerweile, daß die Hochburg auf dem Vyšehrad etwas jünger ist als die Burg auf dem Hradschin. Wir erobern den Vyšehrad durch das Taborer Tor und lernen, daß Libuše die jüngste der drei Töchter des Krok war, dem Mythos nach ein weiser Richter.

Prag. Vyšehrad.

In der Chronica Boemorum des Cosmas von Prag vom Beginn des 12. Jahrhunderts fordert die in der Christianslegende (992-994) noch namenlose, nun Libuše genannte, visionär begabte Regentin und Przesmysliden-Ahnin nach ihrer Hochzeit mit Przemysl das Volk auf, die Stadt zu gründen. Weil sie so schön ist: die Legende vom Ursprung Prags.

Libuše, eine Frau von großer Schönheit und Weisheit, die prophetische Gaben besaß, regierte mit ihrem Gemahl, Prinz Przemysl, vom Hügel Vyšehrad aus. Eines Tages stand sie an einer Klippe, schaute auf die Moldau, zeigte auf einen bewaldeten Hügel auf der anderen Seite des Flusses und rief aus: „Ich sehe eine große Stadt, deren Ruhm bis zu den Sternen reichen wird.“ Sie gab Anweisung, dort eine Burg zu bauen, wo ein Mann gerade dabei war, die Schwelle (Tschechisch práh) zu einem Haus zu legen. „Und weil selbst die Edlen vor einer Schwelle niederknien müssen, soll die Stadt den Namen Praha (Prag) tragen.“

Um 1070 verlegte Vratislav II. seine Residenz von der Prager Burg auf den Vyšehrad und gründete dort das Kollegiatkapitel St. Peter und Paul, das sich bald zu einem bedeutenden Bildungszentrum entwickelte. Neben der Kirche und den Stiftsgebäuden entstanden am Ende des 11. Jahrhunderts auch der steinerne romanische Wohnbau Vratislavs, der „Palas“, die St. Laurentius-Basilika und die St. Martins-Rotunde. Als nach rund 70 Jahren die Przemyslidenherrscher auf die Prager Burg zurückkehrten, verfiel die Burg auf dem Vyšehrad zunehmend.
Unter Karl IV., römisch-deutscher König aus dem Geschlecht der Luxemburger, seit 1347 König von Böhmen, ab 1355 Kaiser, erlebte die Burg einen erneuten Aufschwung; die Burg war der letzte Sitz seiner Mutter, der Königin Elisabeth, eine Tochter des Königs Wenzel II. Przemysl; Karl betonte stets den Bezug auf den heiligen Wenzel und die Przemysliden.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtete man eine neue Befestigungsmauer mit Zinnen, Wehrgang, zwei neuen Toren und quaderförmigen, sieben Meter breiten Türmen, die einen Abstand von ca. 60 Metern zueinander hatten. Den Hauptzugang zum Vyšehrad bildete im Osten das „Spitze Tor“, den Zugang in die Stadt ermöglichte das Prager Tor (später Jerusalemer Tor). Innerhalb des Mauerrings ließ Karl einen neuen Königspalast errichten, St. Peter und Paul wurde zu einer dreischiffigen Kirche mit Seitenkapellen umgebaut. Karl IV. bestimmte den Vyšehrad zum Ausgangspunkt des Krönungszuges der böhmischen Könige, den Karl selbst als erster am 1.9.1347 unternahm.

Nach dem Tod des Kaisers am 29. November 1378 wurde sein Körper elf Tage lang im Auditorium der Prager Burg aufgebahrt. Vier Tage dauerten die anschließenden Begräbnis-Feierlichkeiten, bei denen Karls Leichnam unter Begleitung von 7.000 Teilnehmern von der Burg durch die Prager Alt- und Neustadt und dann über die Karlsbrücke auf den Vyšehrad überführt wurde. Dort wurde er eine Nacht lang in der St. Peter und Paul-Kirche aufgebahrt. Zwei weitere Tage wurden die sterblichen Überreste dem Publikum im Konvent des Hl. Jakob und in der Johanniter-Kirche der Jungfrau Maria zugänglich gemacht. Die abschließende Bestattungszeremonie im Veitsdom unter Anwesenheit des gesamten Hofes wurde vom Prager Erzbischof zelebriert.

Nach Karls Tod war der Vyšehrad vor allem eine Priesterstadt, über 100 Geistliche betreuten die Sakralräume. 1420 eroberten die Hussiten die Burg und zerstörten nahezu alle Bauten. Im 15. Jahrhundert entstand die „Freistadt auf dem Berge Vyšehrad“, die vor allem von Handwerkern bewohnt war. Mit der Gegenreformation fiel das Gelände 1620 an das Kapitel zurück. 1648 wurde die militärtechnisch veraltete Burganlage bei einem Angriff der Schweden schwer beschädigt.

Von 1654 bis 1680 wurde die Anlage zu einer Burgfestung ausgebaut; für die gewaltigen Schanzen aus Backsteinmauerwerk und die schweren Eckbasteien, die nach Heiligen benannt sind, wurde die Bevölkerung vertrieben, die alten Gebäude abgerissen.
1866 wurde Prag als Festung aufgehoben und zur offenen Stadt erklärt, der Abriß von Befestigungsanlagen wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortgesetzt, die Festung Vyšehrad wurde 1911 von der Militärverwaltung der Stadt übergeben.

Das Leopoldstor, 1678 erbaut.

Prag. Vyšehrad. Das Leopoldstor.

Am Leopoldstor bleiben am Ende von Milos Formans „Amadeus“ die Begleiter stehen, während die Kutsche mit Wolferls Leiche durch den strömenden Regen dem Armengrab entgegenfährt. Hinter F. Murray Abraham (Salieri) ist hier ein Teil der Befestigungsanlagen von Vyšehrad zu sehen.

Prag. Vyšehrad. Am Leopoldstor in "Amadeus" von Milos Forman.

Die romanische St. Martins-Rotunde ist als einziges Baudenkmal des Vyšehrad in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Die Rotunde wurde wahrscheinlich noch im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts unter Vratislav II. als Pfarrkirche der Vorburg erbaut und ist die älteste Rotunde Prags. Nach Errichtung der Barockfestung diente die Rotunde als Pulvermagazin.

Prag. Vyšehrad. Die romanische St. Martins-Rotunde.

Türbeschlag am neogotischen Portal der Rotunde, im späten 19. Jahrhundert entstanden, als der Eingang auf der Westseite zugemauert wurde.

Prag. Vyšehrad. Türbeschlag am neogotischen Portal der St. Martins-Rotunde.

Das Marterl. Eine Pestsäule aus Sandstein, vor 1685 errichtet; das Mosaik entstand vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Prag. Vyšehrad. Das Marterl, eine Pestsäule.

Dann wird es klaustrophobisch.

Im Chotek-Tor (Ziegeltor) befindet sich der Zugang zu den Kasematten – ein System von Gängen im Festungswall, das militärtechnisch zum Sammeln der Truppen und ihrer unbemerkten Verlegung diente. Einer der Gänge der Vysehrad-Kasematten mündet in den Gorlice, einen unterirdischen Saal, der als Sammelplatz für die Soldaten sowie als Lebensmittel- und Munitionslager dienen sollte. Die Gänge sind mindestens 2 m hoch und 1,5 m breit – gefühlt eher schmaler.

Während der Kämpfe des Dreißigjährigen Krieges intensivierte sich das Interesse an der Prager Fortifikation, zumal in Zeiten der direkten Bedrohung Prags (1632, 1639, 1648). Nach Kriegsende machte Graf Montecucoli 1648 den Vorschlag zur Befestigung Prags, den technischen Generalplan legte 1650 Graf de Conti vor, der auch die Arbeiten seit der Entscheidung Kaiser Ferdinands III. für den Baubeginn 1654 leitete. Bis zum Jahre 1680 erhielt die äußere Befestigung der Burg Vyšehrad ungefähr ihr heutiges Aussehen, der Bau der gesamten barocken Prager Festung wurde um 1720 beendet.

Die Verteidigung blieb unzureichend; im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Prag am 26. November 1741 von Karl Albrecht von Bayern, dem späteren Kaiser Karl VII., sowie verbündeten Truppen aus Frankreich und Sachsen eingenommen. Der französische General de Berdiquier gab 1742 seinen Soldaten den Befehl, die Aufschüttungen der Zitadelle Vyšehrad herzurichten, einen Ravelin (Basteivorsprung) zur Neustadt hin zu errichten und die Kasematten auszubauen.

1744, Böhmen und Mähren wurden inzwischen von den Österreichern behauptet, griff Friedrich II. von Preußen in Böhmen an, im September wurde Prag belagert und eingenommen. Die Kasematten und der gesamte Vyšehrad entgingen der völligen Zerstörung im November 1744: die Preußen brachten damals vor ihrem Rückzug 133 Fässer mit Schießpulver in die Kasematten, die der letzte Soldat mit Zündschnüren in die Luft jagen sollte; drei mutigen Männern gelang es, die Zündschnüre rechtzeitig zu beseitigen.

Prag. Vyšehrad. Kasematten.

Tatsächlich befindet man sich in den Kasematten also gar nicht „unterirdisch“, sondern schleicht durch den Festungswall, mit einem Gefühl wie in Moria freilich, und irgendwann erreicht man den monumentalen Gorlice, einen 13 Meter hohen Saal, Bestandteil der XXXIII. Bastion der Barockwälle. Der Gorlice diente später als Luftschutzraum, auch als Kartoffel- und Gemüselager für Prag. Seit 1992 befinden sich unter dem Tonnengewölbe des Gorlice sechs der originalen Barockstatuen von der Karlsbrücke.

Prag. Vyšehrad. Kasematten. Gorlice.

Mit „Ach, die gute Luft hier!“ setzt die Phase ein, in der man die Kasematten gar nicht mehr verlassen möchte.

Prag. Vyšehrad. Kasematten.

Schon fängt man an, Giallo-Plakate zu entwerfen.

Prag. Vyšehrad. Kasematten.

Wenzelsdenkmal ohne Wenzel

Prag. Vyšehrad. Christian Erdmann am Wenzelsdenkmal.

Right after this bricht jeder Widerstand gegen Smetanas „Moldau“ endgültig zusammen, als das Glockenspiel von St. Peter und Paul die ewige Melodie läutet, und ich verstehe, man liebt das oder ist hier falsch. Auf dem weitläufigen, ruhigen, geschichtsträchtigen Areal des Burgwalls trifft einen diese Melodie direkt ins slawische Herz.

St. Peter und Paul wurde in den 1070er Jahren unter Vratislav II. errichtet. Die Kirche diente vier Herzögen der Przemysliden als Grabkirche; Vratislav II. – er starb durch einen Sturz vom Pferd – wurde 1092 hier bestattet, bei dem romanischen Steinsarkophag aus der Zeit um 1100, der „Tumba des heiligen Longinus“, handelt es sich vermutlich ebenfalls um die Grablege eines Przemyslidenherzogs. Die Kirche wurde mehrfach vergrößert und nach einem Brand frühgotisch erneuert; Reste der romanischen Basilika haben sich im Südwesten der heutigen Kirche erhalten. Die Fassade mit den beiden 58 m hohen Türmen stammt aus den Jahren 1902-1903. In St. Peter und Paul gibt es ein gotisches Tafelbild der Jungfrau Maria aus der Zeit um 1360, die „Vysehrader Madonna“ oder „Regenmadonna“: mit ihr wurde in Dürrezeiten bei Prozessionen um Regen gebetet.

Prag. Vyšehrad. St. Peter und Paul Kirche.

Im Portalbogen führen Teufel, Dämonen und Höllenhunde die armen Sünder zum Jüngsten Gericht; besonders lustvoll werden die entblößten Damen herangeschleppt. Eine der Figuren erinnert seltsam an das „Come To Daddy“-Video von Aphex Twin.

Prag. Vyšehrad. Portalbogen von St. Peter und Paul.

In der Kirche bewundern wir Funerary Equipment of Noble Person from the crypt of Przemyslids in the Basilica und die Art Nouveau-Wandgemälde im Mucha-Stil von Frantisek und Maria Urban, 1902/03.
Dann wandern wir über den Friedhof, freundliche Menschen fragen, ob wir Smetana und Dvorak suchen. Der Friedhof von Vyšehrad, seit 1869 auf dem Gelände der Burg, ist letzte Ruhestätte vieler bedeutender Tschechen. Das Slavin-Monument dient als Mausoleum, letzte Ruhestätte u.a. von Alfons Mucha und Rafael Kubelik.

Prag. Vyšehrad. Friedhof. Das Grab von Jan Neruda.
Prag. Vyšehrad Cemetery.
Prag. Vyšehrad. Friedhof. Das Grab von Bedrich Smetana.
Prag. Vyšehrad. Friedhof.
Prag. Vyšehrad. Friedhof. Alfons Mucha.
Prag. Vyšehrad. Friedhof. Cemetery.
Prag. Vyšehrad. Friedhof.
Prag. Vyšehrad. Friedhof.
Prag. Vyšehrad. Friedhof.
Prag. Vyšehrad. Friedhof.
Prag. Vyšehrad. Friedhof.

„Whenever possible, I like to return to the Golden City for composition and to walk in the hallowed footsteps of Beethoven, Mozart, Martinu, Dvorak and Janacek – all of whom composed some of their greatest works in Prague. I never liked to work from home (or hotel) whenever possible, unless there is no other option. In fact, I always try to locate a room or flat in or very near certain sacred areas. This particular session was in a flat kindly lent to me by Veronika Brtova for the duration of the proposed composition in the old seat of the first kings of Prague – Vyšehrad – a highly charged geodetic point where Dvorak’s grandiose tomb can be seen (characterised by a Templar cross denoting the composer’s affiliations to Templar Freemasonry). It also has other secret temples, to which I have personal access.“

Jaz Coleman von Killing Joke, in: Letters from Cythera, p. 416

Prag. Vyšehrad. Friedhof. Das Grab von Anton Dvorak. Dvorak's tomb. Jaz Coleman, Killing Joke.

Dvořak schickte seine erste Sinfonie zu einem Musikwettbewerb nach Leipzig und sah die Partitur nie wieder. Als man ihn später fragte, was er unternommen habe, sagte er: Nichts. Ich setzte mich hin und schrieb eine neue Sinfonie.

Prag. Vyšehrad. Friedhof. Das Grab von Anton Dvorak. Dvorak's tomb.
Prag. Vyšehrad.

Das Bad der Libuše, Ruine eines Wachgebäudes aus dem 14. Jahrhundert. Der Legende nach hat Libuše von hier aus abgelegte Liebhaber im Fluß versenkt. Tatsächlich wurden hier Waren, die mit Schiffen ankamen, nach oben befördert.

Prag. Vyšehrad. Das Bad der Libuše.
Prag. Vyšehrad.

Ein Soft-Eis beim mittelalterlichen Brunnen, Zeit für noch eine Legende.

Die Geschichte von Horymír und Šemík

„Als die tschechischen Lande von Prinz Krzesomysl regiert wurden, lebte in der Stadt Neumetely ein Bauer namens Horymír. Er hatte ein weißes Pferd von außerordentlicher Intelligenz mit dem Namen Šemík. Auf Grund der Besessenheit des Prinzen, unterirdische Schätze aufzuspüren, wurden die Menschen ermutigt, ihre Landwirtschaft ruhen zu lassen um in den Minen zu arbeiten. Horymír war unzufrieden mit Krzesomysl und dessen Herrschaft und warnte, dass die Vernachlässigung der Landwirtschaft zu einer Hungersnot führen würde. Sein Protest stieß bei den Bergarbeitern auf taube Ohren, und so steckten sie eines Tages sein Anwesen in Brand. Daraufhin brannten Horymír und seine Anhänger das Dorf der Bergarbeiter nieder. Horymír wurde angeklagt und zum Tode verurteilt. Als man ihn nach seinem letzten Wunsch befragte, bat er um einen letzten Ritt auf dem Schlosshof auf seinem geliebten Pferd Šemík. Sein Wunsch wurde ihm gewährt. Als Horymír auf sein weißes Pferd stieg, flüsterte er etwas in dessen Ohr. Šemík rannte zu den Wällen, sprang über sie und glitt die Klippen hinab. Als die Schaulustigen zu den Wällen kamen waren sie erstaunt, Horymír und Šemík auf der anderen Seite des Moldau in Richtung Neumetely galoppieren zu sehen.

Der wundersame Sprung hatte Šemík erschöpft. Das sterbende Pferd sprach mit einer menschlichen Stimme zu Horymír und bat ihn, ihm ein Grab zu errichten. Horymír tat, was sein Pferd wünschte. Das Grab ist seitdem verschwunden, aber man sagt, dass Šemík in dem Felsen von Vyšehrad schläft, bereit, herauszukommen, wann immer sein Hilfe von Neuem benötigt würde.“

(myczechrepublic.com)

Eingang zur St. Lorenz Basilika, inside: Fundamente des romanischen und vorromanischen Kirchenbaus, der ursprünglichen Pfarrkirche der Burg.

Prag. Vyšehrad. Eingang zur St. Lorenz Basilika.

Das Spitze Tor (Špicka) bildete einst den Hauptzugang zum Vyšehrad. Heute sieht man noch Mauerreste des von 1348 bis 1350 errichteten Haupttores und ein 140 m langes Teilstück der gotischen Burgmauer. Im Špicka befindet sich ein Informationszentrum, und man kann u.a. Kopien keltischen Schmucks erwerben. Mit einem Bronzekreuz, das bei der archäologischen Untersuchung auf den Wällen bei Mikulcice gefunden wurde, dem rätselhaften Zentrum des Großmährischen Reiches im 9. Jahrhundert, verlassen wir Vyšehrad.

Und noch:

Altneu-Synagoge. Golem oben links.

Prag. Altneu-Synagoge.

Altstädter Ring, Teynkirche

Prag. Altstädter Ring, Teynkirche.

Altstädter Ring

Prag. Altstädter Ring.

Das Sixthaus, Zeltnergasse (Celetná) 2, das fünfte Haus der Familie Kafka, in dem sie von August 1888 bis Mai 1889 wohnte.

Prag. Sixthaus in der Zeltnergasse 2 (Celetná 2), Franz Kafka.

Das Ständetheater. Uraufführung von Mozarts „Don Giovanni“ hier am 29.10.1787: „Meine Prager verstehen mich!“ Milos Forman drehte viele der „Amadeus“-Szenen tatsächlich im Ständetheater.

Prag. Ständetheater.
Prag. Ständetheater.

Masarykovo nábrz.

Prag. Masarykovo nábrz.
Prag. Masarykovo nábrz.

Donnerstag, 15.09.2011

In diesem Haus, Vysehradska 45, einen Katzensprung vom Svaty Jan entfernt, wohnte Božena Nemcová, die Autorin von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Wenn wir die Gedenktafel richtig verstehen, vollendete sie hier „Babicka“.

Prag, Vysehradska 45, Božena Nemcová.

Kafka an Kafkas Geburtshaus

Prag, Kafkas Geburtshaus, Franz Kafka.

Der 65 m hohe Pulverturm, in dem bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Schwarzpulver gelagert wurde

Prag. Der Pulverturm.

Die Kirche Maria Schnee. Den Grundstein der Kirche, mit deren Bau 1347 begonnen wurde, legte Kaiser Karl IV. selbst, die Hussitenkriege unterbrachen den Bau einer Basilika, deren Länge sogar den Veitsdom übertreffen sollte. Anfang des 15. Jahrhunderts war die Kirche ein Zentrum des radikalen Flügels der Hussitenbewegung. Im 16. Jahrhundert verödete die Kirche, das ursprüngliche Gewölbe stürzte ein. Anfang des 17. Jahrhunderts übernahmen die Franziskaner die Kirche, ließen ein Netzgewölbe im Renaissancestil ausführen, der frühbarocke Hochalter ist der höchste Altar in Prag.

Prag. Die Kirche Maria Schnee.

Bei seinem zweiten Aufenthalt in Prag, den noch unvollendeten „Don Giovanni“ im Gepäck, wohnte Mozart in diesem Haus am Kohlenmarkt, nicht weit vom Ständetheater entfernt, da hatte das Wolferl nicht weit zu trippeln.

Prag. Haus am Kohlenmarkt, in dem Wolfgang Amadeus Mozart wohnte.

St. Martin in der Mauer. 1419 reichten Hussiten in dieser Kirche erstmals den Abendmahlskelch auch den Laien („Freiheit für den Kelch“). Die Forderung nach dem Laienkelch wurde kurz nach dem Tod von Jan Hus zu einem Symbol der hussitischen Bewegung.

Prag, Kirche St. Martin der Mauer.

In einer Gasse bei St. Martin

Prag, eine Gasse bei St. Martin.

Eine Kirchentür

Prag. Eine Kirchentür.

Altstädter Ring

Prag. Altstädter Ring.

Kirche St. Heinrich und Kunigunde (Kostel sv. Jindricha a Kunhuty)

Prag. Kirche St. Heinrich und Kunigunde (Kostel sv. Jindricha a Kunhuty).

Jerusalem-Synagoge

Prag. Jerusalem-Synagoge.
Prag. Jerusalem-Synagoge.

Und auf der Parizska wandelten wir so über den Bürgersteig, zwei Japanerinnen machten große Augen, als sie uns sahen, wir drehten uns um, sie drehten sich um, und sie lachten und machten diese Bewegung mit erhobenem Arm, Daumen und Zeigefinger aneinander, einen imaginären Faden haltend, und riefen: „Bat, bat!“


Sie hatten uns in Cesky Krumlov mit Freddie gesehen.

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Salzburg / Cesky Krumlov / Prag – 2011 [5]

Dienstag, 13.09.2011

Zum letzten Mal vorbei am Graphitbergwerk an der Chvalsinska, wir lösen 80 kr-Tickets für einen Student Agency-Bus nach Budejovice, eine halbe Stunde Fahrt, von dort aus im Zug nach Prag, „Paranoid“ aus irgendeinem Abteil, letztes Jahr war Ozzyho Osbourna zur selben Zeit wie wir in Prag, Ozzy sollte Zweitwohnsitz in Böhmen beantragen. Am Marylebone Workhouse aus „From Hell“ vorbei zum Hotel Svaty Jan in der Vysehradska, Miss Ulinakova hat Zimmer 24 reserviert, lovely view, Blick in den Garten und auf die Kirche St. Johannes von Nepomuk am Felsen. Und das Hotel ist traumhaft, es ist das ehemalige Pfarrhaus von St. Johannes, großzügig neobarock, „it will amaze you with it’s mystical calmness“, schreibt die staff auf der Svaty Jan-Website und übertreibt nicht. Badewanne, leise plätschert das Wasser aus dem Nebenzimmer, schade, schade, denkt die Schöne.

Prag. Hotel Svaty Jan.

Tram und Metro, bis wir uns dem Hradschin von der anderen Seite nähern können, letztes Jahr stiegen wir über die Nerudova zur Burg hinauf, dieses Mal kommen wir durch den Königsgarten.

Prag. Königsgarten.

Das Belvedere, das Lustschloß der Königin Anna Jagiello. In der Galerie des Lustschlosses begegnet Paul Wegener als Student von Prag seinem eigenen Spiegelbild.

Prag. Das Belvedere, das Lustschloß der Königin Anna Jagiello. Paul Wegener, Student von Prag.

Veitsdom, goth

Prag. Veitsdom.
Prag, Königsgarten.

Das Ballhaus im Königsgarten, zwischen 1567 und 1569 erbaut.

Prag. Das Ballhaus im Königsgarten.
Prag. Das Ballhaus im Königsgarten.

St Veit

Prag. Veitsdom.
Prag. Veitsdom.
Prag. Veitsdom.
Prag. Veitsdom.

Bei magickyavalon in der Vlasska, bei Manufactura,
über die Karlsbrücke.

Prag. Blick von der Karlsbrücke.
Prag. Statue auf der Karlsbrücke.

Climb on every tower. Nächste Turmbesteigung: der im späten 14. Jahrhundert unter Peter Parler errichtete Altstädter Brückenturm, am östlichen Ende der Karlsbrücke. 10 Jahre lang, von 1621 bis 1631, hingen die Köpfe von hingerichteten Anführern des Aufstandes gegen die Habsburger in eisernen Körben am Turm. Erster Sonnenuntergang nach Vollmond, die goldene Stadt noch mehr vergoldend, fast hätte mich der Turmwärter auf der Aussichtsetage in luftiger Höhe ausgesperrt, aber ohne Trompete mach‘ ich’s nicht.

Prag. Altstädter Brückenturm.

Scharen von Riesenspinnen vor den Fenstern, aber in diesem Turm könnte man wohnen. Nach etwa 3/4 der 136 Stufen: Decke im Ausstellungssaal.

Prag. Altstädter Brückenturm, Decke im Ausstellungssaal.

Blick durch ein Turmfenster

Prag.

Das Netzgewölbe des Tordurchgangs

Prag. Altstädter Brückenturm, Netzgewölbe des Tordurchgangs.

Altstädter Brückenturm after dark

Prag. Altstädter Brückenturm.
Prag. Altstädter Brückenturm.

Salvatorkirche

Prag. Salvatorkirche.

View from Room 24. Kostel sv. Jana Nepomuckého na Skalce, St. Johannes von Nepomuk am Felsen, nach Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer errichtete Hochbarockkirche.

Prag. St. Johannes von Nepomuk am Felsen.
Prag. Hotel Svaty Jan.

Prag am Tag ist schon kaum auszuhalten, Prag bei Nacht ist magisch. Man sitzt auf der Bank vor dem Svaty Jan, blickt auf eine Kirche oder zwei im warmen gelben Licht, und will da plötzlich nie mehr weg. Von dieser Bank. Seltsam. Beschließe, im Ministerium für Spejbl & Hurvinek anzuheuern.

Prag. Hotel Svaty Jan.