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Japanese Whispers


Über den wunderbaren Zauber der Liebe
Der Blitz schlägt ein, und das Universum sprüht Funken. So fühlt es sich an, als Aljoscha die geheimnisvolle Fremde zum ersten Mal sieht. Sie erscheint, er muss ihr folgen. Stumm betet er sie an und schafft in seiner Gedankenwelt eine seltsamen Regeln unterworfene Beziehung mit dem sphinxhaften Wesen. Es scheint, als könne der Zauber nur aus der Distanz heraus wirken. […] Aljoscha ist getrieben von dem Wunsch nach absoluter Liebe, nach totaler Verschmelzung, völliger Hingabe. Diesem fast schon religiösen Anspruch hält seine Liebe zu seiner Lebensgefährtin Leda im Alltag nicht stand, und so ist sie unausweichlich zum Niedergang verurteilt, während andernorts der Zauber neu aufblitzt.
Christian Erdmanns Debütroman ist ein kluges und feinfühliges Buch über die Zerbrechlichkeit der Liebe. „Ich wollte etwas Wunderbares festhalten, was ich in ähnlicher Form selbst erfahren habe“, sagt Christian Erdmann, der wie sein Protagonist Philosophie studiert hat. Er nennt sich Westentaschen-Flaubert – in Verbundenheit mit dem Literaten, der ständig auf der Suche nach dem „mot juste“, dem einen passenden Wort war. Das ist Christian Erdmann auch. Seine Sprache ist mit Bedeutung aufgeladen, wirkt anfangs sperrig, entfaltet aber schnell eine Sogwirkung und wird zum Genuss an sich. Auch für Vito von Eichborn ist dieses Werk „literarisch das Beste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe“. Und ganz nebenbei wächst einem Aljoscha ans Herz.
In Kopf und Seele des Protagonisten spult sich ein Szenario aus Gedanken und Erinnerungen ab – melancholisch, romantisch, dann wieder rasant und aufwühlend. Es geht um Abschied, Verwandlung und Neubeginn. Zwischenmenschliche Beziehungen sind deshalb so schwierig, weil sich bestimmte Phänomene des Gefühlslebens der Kommunikation entziehen. […] Bleibt letztlich jeder mit seiner Sehnsucht und seinen Wünschen allein? Eine Frage, die viele Menschen in der Moderne oder Postmoderne beschäftigt. „Die Welt ist nicht entzaubert“, sagt Erdmann. „Hinter den Fassaden des Auf- und Abgeklärten begegnen der Vernunft noch Ungeheuer und Zauberwesen. Der Zustand des Verliebtseins öffnet die Augen dafür. Und Liebe ist die höchste Form der Magie.“
BoD AKTUELL, Ausgabe 28, Sommer 2007
Based on: Telefon-Interview mit Sylvia Gräber, Journalistin, Rundfunkreporterin und Moderatorin u.a. für NDR und WDR.

[Artwork CE / AI]




































Alle Bilder © Christian Erdmann










































Alle Bilder © Christian Erdmann
































Alle Bilder © Christian Erdmann
Und meine Augen sind weit aufgerissen in der falschen Welt
Dunkeltage, langsames Verglühen, zwei Götter, einer fällt
Die meisten Menschen hier verstehen nicht, was man für sie fühlt
Ich auch nicht und wer weiß, wann die Erinnerung abkühlt
Meine Straße weiß nicht weiter und endet hier im Dort
Durch die Risse in den Schatten höre ich den Schlußakkord
Ich nehme nichts zurück, das Nichts nimmt mich zurück
Alles, was noch vor mir liegt, ist Feuerreiterglück
Wenn es keine Übung ist, dann ist der Ernstfall Wirklichkeit
Die lebendigsten der Toten stehlen uns die Zeit
Ist für alle schlecht, was für nichts gut ist? Ich frag den Polizisten
Er zieht den Colt und sagt, er setzt mich auf die Liste der Vermissten
Doktor, können Sie mir sagen, wo ich unterwegs bin jede Nacht
Meine Träume sind aus Tränen der Verlorenen gemacht
Die Braut trug Schwarz und gab ihr Jawort im verhexten Licht
Die Frau in meiner Hochzeitsnacht erkennt mich nicht
Das Go-Go-Girl im Lazarett behauptet, dass ich an der Front bin
Sie kennt den Rand am Abgrund und sie fällt gekonnt hin
Der Schatten einer Krähe, die den Himmel zu vernichten droht
Fällt auf die Schwester der Barmherzigkeit, sie schreit zerrissenrot
Die Pforten des Entsetzens mit singenden Segeln berührt
Im Boudoir der Opfergänge zu teuflischen Lüsten verführt
Ich schritt um die Königsgräber, der Tod hat sich vertan
Nächtliches Gelächter ohne Ort ist Hymne dir, mein Wahn
Der Wundertäter hebt den Stab, ein Engel liegt in Ketten
Die Engel sprechen rückwärts, um sich vor dem Ritual zu retten
Ein Abschied, der Äonen dauert, ein guter Grund zur falschen Zeit
Das Leid, das ich aus Zuneigung verteile, macht die Hölle himmelweit
Ihr Seidenschoß, ihr weißer Hals für einen Graf aus den Karpaten
Ich schwor ihr auf der Zeitenflucht, ihre Schönheit niemals zu verraten
Für eine Ewigkeit war nichts vor Alles-möglich-sein
Meine Liebe, sagte sie, ist Sternmesskunst für dich allein
Es weht ein Wind, der unser Fieber fieberhaft besingt
Es weht ein Wind, der alle Warnglocken zum Klingen bringt
Kalter Wind weht durch die Stadt, in der das Lachen starb
Wind heulte durch ihr Zimmer, als ich um sie warb

Artwork CE
SPIEGEL ONLINE Forum
„Literatur – Was lohnt es noch, zu lesen?“
18.12.2009
Celestine:
„Aljoscha der Idiot“ von Christian Erdmann.
Eine tiefgründige Erzählung, klassisch und modern zugleich. Genialer Schreibstil, den ich aus der deutschsprachigen Literatur sonst so nicht kenne. Das beste Buch, das ich seit langem das Glück hatte zu lesen. Ein „Must“ für jeden Literaturliebhaber.
Volker Paul:
Zwei meiner diesjährigen Weihnachtspakete beinhalten dieses Buch.
Kryoniker:
Steht auch bei mir im Regal. Leider immer noch nicht zuendegelesen, da doch zuweilen sperrig. Aber der Erzählstil gefällt mir, er ist wirklich mal was Neues!


Bronzene Nachbildung eines Amuletts, das im 9. Jahrhundert in einem Frauengrab im schwedischen Uppland gefunden wurde. Erworben in Ladby („Ort am Umladeplatz“) am Kerteminde-Fjord in Dänemark, wo man einen Grabhügel betreten kann, um die freigelegten Überreste eines Wikingerschiffs zu besichtigen. Das Schiff wurde um 925 an Land gezogen, aufgrund der wertvollen Grabbeigaben wird angenommen, daß das Ladby-Schiff die Grabstätte für einen Wikingerhäuptling war. Wenn man Odin am Hals hat, kann es sein, daß man irgendwann ein Gedicht namens „Zwei Raben“ geschrieben hat.

Die Taschenuhr meines Großvaters.
