































Alle Bilder © Christian Erdmann
































Alle Bilder © Christian Erdmann
Und meine Augen sind weit aufgerissen in der falschen Welt
Dunkeltage, langsames Verglühen, zwei Götter, einer fällt
Die meisten Menschen hier verstehen nicht, was man für sie fühlt
Ich auch nicht und wer weiß, wann die Erinnerung abkühlt
Meine Straße weiß nicht weiter und endet hier im Dort
Durch die Risse in den Schatten höre ich den Schlußakkord
Ich nehme nichts zurück, das Nichts nimmt mich zurück
Alles, was noch vor mir liegt, ist Feuerreiterglück
Wenn es keine Übung ist, dann ist der Ernstfall Wirklichkeit
Die lebendigsten der Toten stehlen uns die Zeit
Ist für alle schlecht, was für nichts gut ist? Ich frag den Polizisten
Er zieht den Colt und sagt, er setzt mich auf die Liste der Vermissten
Doktor, können Sie mir sagen, wo ich unterwegs bin jede Nacht
Meine Träume sind aus Tränen der Verlorenen gemacht
Die Braut trug Schwarz und gab ihr Jawort im verhexten Licht
Die Frau in meiner Hochzeitsnacht erkennt mich nicht
Das Go-Go-Girl im Lazarett behauptet, dass ich an der Front bin
Sie kennt den Rand am Abgrund und sie fällt gekonnt hin
Der Schatten einer Krähe, die den Himmel zu vernichten droht
Fällt auf die Schwester der Barmherzigkeit, sie schreit zerrissenrot
Die Pforten des Entsetzens mit singenden Segeln berührt
Im Boudoir der Opfergänge zu teuflischen Lüsten verführt
Ich schritt um die Königsgräber, der Tod hat sich vertan
Nächtliches Gelächter ohne Ort ist Hymne dir, mein Wahn
Der Wundertäter hebt den Stab, ein Engel liegt in Ketten
Die Engel sprechen rückwärts, um sich vor dem Ritual zu retten
Ein Abschied, der Äonen dauert, ein guter Grund zur falschen Zeit
Das Leid, das ich aus Zuneigung verteile, macht die Hölle himmelweit
Ihr Seidenschoß, ihr weißer Hals für einen Graf aus den Karpaten
Ich schwor ihr auf der Zeitenflucht, ihre Schönheit niemals zu verraten
Für eine Ewigkeit war nichts vor Alles-möglich-sein
Meine Liebe, sagte sie, ist Sternmesskunst für dich allein
Es weht ein Wind, der unser Fieber fieberhaft besingt
Es weht ein Wind, der alle Warnglocken zum Klingen bringt
Kalter Wind weht durch die Stadt, in der das Lachen starb
Wind heulte durch ihr Zimmer, als ich um sie warb

Artwork CE
SPIEGEL ONLINE Forum
„Literatur – Was lohnt es noch, zu lesen?“
18.12.2009
Celestine:
„Aljoscha der Idiot“ von Christian Erdmann.
Eine tiefgründige Erzählung, klassisch und modern zugleich. Genialer Schreibstil, den ich aus der deutschsprachigen Literatur sonst so nicht kenne. Das beste Buch, das ich seit langem das Glück hatte zu lesen. Ein „Must“ für jeden Literaturliebhaber.
Volker Paul:
Zwei meiner diesjährigen Weihnachtspakete beinhalten dieses Buch.
Kryoniker:
Steht auch bei mir im Regal. Leider immer noch nicht zuendegelesen, da doch zuweilen sperrig. Aber der Erzählstil gefällt mir, er ist wirklich mal was Neues!


Bronzene Nachbildung eines Amuletts, das im 9. Jahrhundert in einem Frauengrab im schwedischen Uppland gefunden wurde. Erworben in Ladby („Ort am Umladeplatz“) am Kerteminde-Fjord in Dänemark, wo man einen Grabhügel betreten kann, um die freigelegten Überreste eines Wikingerschiffs zu besichtigen. Das Schiff wurde um 925 an Land gezogen, aufgrund der wertvollen Grabbeigaben wird angenommen, daß das Ladby-Schiff die Grabstätte für einen Wikingerhäuptling war. Wenn man Odin am Hals hat, kann es sein, daß man irgendwann ein Gedicht namens „Zwei Raben“ geschrieben hat.

Die Taschenuhr meines Großvaters.

Rezension #15
23. August 2011
Ein Rausch!
Von Carlson63
Das ist nicht irgendein empfehlenswertes, gutes Buch: Das ist ein Meer aus Sprache, Bildern, Musik, Gedanken, Atmosphäre und hintergründigem Gelächter! Man will meinen, Luis Bunuel und Dostojewski hätten David Bowie gehört und den Film Cat People gesehen, um sich ans Gesamtkunstwerk zu machen, daran zu scheitern und Christian Erdmann zu fragen, ob er die Sache übernehmen kann. Und der hat einfach „Ja“ gesagt und sich hineingestürzt in die Flut, die den Leser später süchtig macht!
Einfach ins Buch eintauchen und davontragen lassen, es gibt kein Entkommen, kein Ertrinken, nur den Rausch, der entrückt und verzückt! Wunderbar!

Die Rezension „Ein Rausch!“ wurde 2023 auf Amazon gelöscht.

Abandoned Barbies @Stilbruch Hamburg
Foto CE 04/2024
Rezension #14
23. Dezember 2010
Ein Mann betritt das Reich hinter dem Selbstverständlichen
Von Lena Wilde
Der Schlaf der Vernunft kann Ungeheuer erzeugen. Doch auch bei Wachheit laufen der Vernunft allerhand Ungeheuer über den Weg, diese Erfahrung macht Aljoscha.
Der Philosophiestudent beginnt zu ahnen, dass das Leben nicht nur das scheinbar perfekt aufgeführte Theaterstück vor seinen Augen ist. Er erkennt, dass hinter der Bühne noch ganz andere Gestalten toben, ganz andere Mächte wirken, die seine Sinne allenfalls schemenhaft abbilden können.
Voller Furcht und Faszination betritt er die verborgenen Gebäude seines Hauptes und er bekommt einen Eindruck von den Welten, die sich neben uns drehen, während wir unter dem Eindruck völliger Kontrolle unseren wichtigen Geschäften nachgehen. Doch noch hat die Wissenschaft nicht alle Mythen gebändigt, noch spuken sie unerkannt in unserer Welt umher und sorgen in aufgeräumten Gemütern für Verwirrung.
So ist auch Aljoscha von der Deutung des Erahnten noch weit entfernt. Was ihm bleibt, ist die Feststellung, dass die Welt doch eigentlich recht weltfremd sei: Die Normalität zerfließt unter dem Blick des Betrachters, das Selbstverständliche geht munter seinen Launen nach und schert sich nicht um menschliches Gesetz.
Unermüdlich und unerschrocken stellt sich Aljoscha jeder neuen Frage und jedem neuen Eindruck, der seine gewohnte Welt zum Wanken bringt und ihr jede Konstante raubt. Und ein ums andere Mal lässt er sich nicht entmutigen dadurch, dass jede Antwort eine völlig neue Welt von Fragen eröffnet. Und die Welt hinter den noch nicht gestellten Fragen und den noch weniger gegebenen Antworten? – Ein fürwahr unheimliches Reich.
Ein Reich, aus dem die Götter fröhlich winkend grüßen, in dem Tarotkarten zu Konferenzen laden und der Teufel sich von seiner besten Seite zeigt. Und ein Reich, in dem sich eine Frau in sein Leben schleicht, einer Geschichte entspringend, die eigentlich gar nichts mit seinem Leben zu tun hat.
Als wäre das noch nicht genug, scheint auch sein Innenleben in einer gewissen Korrespondenz mit diesem Reich zu stehen – und das völlig ohne sein Zutun. Ist er es wirklich selber, der die Hebel in seinem Schädel bedient? Oder ist er nur ein treuer Diener?

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Rezension #13
17. Dezember 2010
Das Leben, die Liebe, das Universum und noch ein paar Dinge
Von Sockensuchender
Die Sache ist die: Was soll ich sagen, was schreiben angesichts einer Geschichte, die so brillant verfasst ist, dass es mich einfach aus den Socken gepustet, schier umgehauen hat im schönsten Sinne aller Sinne? Zum Beispiel dieses hier: Doch in IHRER Nähe gäbe es kein Andernorts, kein Anderwärts und kaum ein Andernfalls. Oder das: …, verstand er, daß das Unnötige nötig ist, um das Nötige zu erkennen. Der barfüßige Zen-Meister Huang-Po hingegen bestünde darauf, Christian Erdmanns „Aljoscha der Idiot“ mindestens noch zwei Mal lesen zu müssen, bevor ihm dann endgültig die Worte fehlen würden. So eine Sache ist das mit großartiger Lebenspoesie in Romanform.

Das Leben, die Liebe, das Universum und noch ein paar Dinge @amazon