

Mädchen Amick (Shelly Johnson),
David Lynch (Gordon Cole),
Kyle MacLachlan (Dale Cooper).


Mädchen Amick (Shelly Johnson),
David Lynch (Gordon Cole),
Kyle MacLachlan (Dale Cooper).

20.10.2006
Genau! Sic transit Gloria Swanson! Dann lassen wir doch mal den Saum raus, erstens: Jess „Gott“ Franco, und in erster Linie natürlich seine Filme mit Soledad Miranda. Beim Dreh von „Il Conte Dracula“ („Nachts, wenn Dracula erwacht“) soll Christopher Lee, der ja schon alles erlebt hatte, gesagt haben, sowas habe er noch nicht erlebt: Soledad Mirandas Augen, ihre unheimliche Intensität, ihre Hingabe, weiß der Himmel was.

Die Trilogie „Der Teufel kam aus Akasava“, „Vampyros Lesbos“ und „She Killed in Ecstasy“, alle kurz vor Soledad Mirandas Tod entstanden (sie starb 1970 bei einem Autounfall), gehört in jeden bizarren Haushalt. „Vampyros Lesbos“: Gräfin Nadine (SM) lebt ein vampirisch sexuelles Leben in Istanbul, unterstützt von ihrem Diener Morpho (in allen 2746 Jess-Franco-Filmen heißt irgendjemand Morpho). Sehr hilfreich ist, daß sie während ihrer aufreizenden lesbischen Tanzshows in Nachtclubs junge Damen mental becircen kann, schließlich ist sie die letzte Geliebte Draculas.

Franco kommt in diesem Film fast ganz ohne seine berüchtigten Zooms aus und schafft es fast, eine Atmosphäre traumhafter, lasziver Mattigkeit durchzuhalten, die ihm den Titel „Bester Joseph Sheridan LeFanu’s ‚Carmilla‘-Ausbeuter der 1970er“ eingebracht hätte, wenn nicht der Soundtrack, den „avantgardistisch“ zu nennen humanistische Schönrednerei wäre, die Türnägel zum Rotieren brächte.

06.07.2009
Franco wollte ja den „Dracula“ drehen, der Stoker endlich mal gerecht werde, was dann aber Franco-typisch in alle Hosen ging, jedoch ein Stück Film erzeugte, das aus vielerlei Gründen seinesgleichen sucht. Unter anderem ja mit einem Kinski, der als Renfield im ganzen Film nur ein einziges Wort sagt („Varna…“), aber seine komische weiße Zelle da mal wieder querrüber mit seinem Genie tapeziert. Herbert Lom kriegt einen albernen Schlaganfall ins „Drehbuch“ geschrieben, weil er am folgenden Drehtag unabkömmlich war, den er dann aber gleich so schlecht spielt, daß man gar nicht mehr weiß, ob Herbert Lom überhaupt je anwesend war oder ob Franco den gleich von Anfang an durch einen Lom-ähnlichen spanischen Finanzbeamten ersetzt hatte.
11.10.2009
Ein sehr phantastischer Soundtrack von Bruno Nicolai auch: „Il Conte Dracula“, der Film von Jess Franco mit den drei Singularitäten Christopher Lee, Klaus Kinski und, auf die Knie bitte, Soledad Miranda. Fängt mit halbwegs stringenter Eerieness an und verliert sich dann in mystischem Perv-Gesprenksel.
14.05.2010
Neben allem mit Soledad Miranda – „Eugenie de Sade“, „Vampyros Lesbos“, „She Killed In Ecstasy“ und „Der Teufel kam aus Akasava“ (mit Horst Tappert!) – natürlich unbedingt Kinski als „Jack The Ripper“, der einem auch nochmal klarmacht, was für ein großartiges Leben Herbert Fux gehabt haben muß. Ständig umgeben von den schönsten Frauen Europas, alle nichts im Sinn als… bizarren, perversen, erotischen Rollen an der Seite von Herbert Fux in Euro-Trash-Filmen nachzujagen.
[SPIEGEL ONLINE Forum]
She Killed in Ecstasy, 1971:







What’s this?
Vorweihnacht
Lieber, lieber Watson. Die ersten 7 Folgen der „Return“-Staffel haben begonnen, den unnützen Plunder des kopernikanischen Weltbildes in der Dachkammer, im Haupt-Gebäude, in der Hirnmansarde zu verdrängen. Vor allem „The Second Stain“, „The Musgrave Ritual“ und „The Abbey Grange“ sagen: was zum Teufel soll ich mit dem Sonnensystem. Spätestens mit dem zweiten Sehen verliert das Wort „favourite“ seine Bedeutung; they’re all favourites. Jeremy Bretts kinetische Energie wohl auf dem Höhepunkt, dort, vor dem Zusammenbruch, und die quecksilbrige Rastlosigkeit scheint von so positiver Besessenheit, impulsiv, mitreißend, unwiderstehlich. Übergang zu Hardwicke gelungen, der ernsthafter wirkt als Burke, more solid and more gloomy, aber das veränderte Auftreten macht Sinn. The motives of women – so inscrutable. Their most trivial actions may mean volumes, und das extraordinärste Verhalten kann mit einer Haarnadel zu tun haben. Um so bewegender die Sympathie, die er für Lady Brackenstall empfindet, und die in seiner Verlegenheit kulminiert, als sie ihn am Ende umarmt. Überhaupt, auch am Ende von „The Six Napoleons“, als Lestrade sagt, jeder bei Scotland Yard wird stolz sein, ihm die Hand zu geben: die Emotionen unter der scharfintellektuellen Oberfläche auf JBs Gesicht, einfach nur wundervoll. Lestrade, Holmes und Watson – so funny in dieser Folge. Watson, you left the rugs behind. Wie tief die Petersilie in die Butter gesunken war an jenem heißen Tag.
Lady Brackenstall in „The Abbey Grange“ ist Anne Louise Lambert, schön, sie wiederzusehen: das ist Miranda in „Picknick am Valentinstag“.
Wunderbar auch die ganzen Variationen der theme music während der Folgen. Mrs. Hudsons Vergnügen am Bewegen der Wachspuppe. Holmes‘ Tischtuchtrick. Die Trigonometrie ist die Antwort. Das Millais / Ophelia-Ende von „The Musgrave Ritual“. Überhaupt diese Folge, ganz groß auch Sir Reginald Musgrave und Brunton (on the lawn!). Auch wir haben unsere diplomatischen Geheimnisse, Premierminister. Morgen weiter mit „The Devil’s Foot“.
Thank you so much für die schneeweiße Perle 23, genau 12 Tage vorher erwähnte ich „Under Ice“ im SPON. Ich liebe diese beiden Sounds, dieses weit entfernte Rufen bei 0:48 und diesen splitting sound bei 1:13, der in dieses unheimliche Grollen übergeht – die unermeßliche Weite, die allein diese beiden Sounds andeuten, die Sphären, in die der Fast Skater auf dem Eis sich verliert.
Flucht, Rebellion, Hungerstreik vertagt, vorerst bloße Renitenz, Aufschubsysteme gestartet, Sehnsucht nach Überführung mehrerer Kisten und Schrankkoffer in etwas wie 221 B.
„You got something against the Air Force?“ – „No.“ – „I do.“
„Then when I recorded in Nashville in ’81 with the Attractions, we were invited up to John and June’s house, so we put on our best clothes. We must’ve looked pretty rugged – or ragged. They didn’t pass any comment on it. Just incredibly courteous and made us feel at home. They were so generous; they threw a huge southern banquet for us as friends of the family.
As a songwriter, even his recent records have a tremendous connection to his past. He reclaimed the sound of his earliest records, and even if he wasn’t always writing them himself, he finds his own personality in other people’s songs. There’s nobody remotely like him. There’s nobody that has a voice like him; there’s nobody that can sing the things he does.“ – Elvis Costello. How high’s the water, Mama?
They’re all favourites, yes indeed. Mein Neuester „Der letzte Vampir“. Kannte die Story, konnte mich wieder kaum erinnern, bis gewisse Person bedeutsame Blicke warf. Insgesamt der blutigste und düsterste Film bisher. Brett deutlich gealtert, rundlicher, maskenhaftes Make Up, immer noch gut. Insgesamt vielleicht nicht der beste Film, aber auch gut. Anna Louise Brackenstall / Abbey Grange gefallen mir auch, war auch im Buch schon einer meiner favourite Favourites. :) „The Musgrave Ritual“ – grandios! Was für ein Bild, die ganze Prozession Schritte zählend on the lawn und finally Holmes schwebend zur Tür hin über den Wassergraben. Göttlich. Und Brunton, ja. Wie fanden Sie die „Priory School“? Die düstere Schule mit den viel zu kleinen Buntglasfenstern, die Stimmung so goth. Sehr gespannt auf Ihre Empfindungen zum Teufelsfuß. Aufschubsysteme, hmhm. Überführung wünschenswert. Sollten keine anderen Pläne vorliegen, würde ich Vakanzen vermelden. If there is a place, where Baker Street could be risen, it’s here. :)
Schön, was Elvis Costello sagte und ich glaube jedes Wort. Haben Sie auch die Deleted Scenes gesehen? Warum gibt es eigentlich keinen 3-Stunden-Final-Directors-Cut, wenn man ihn mal braucht?
Happy New Year, my dear fellow, mögen die guten Kräfte mit Ihnen sein!
Walk The Line 2 x auf Deutsch, 1 x auf Englisch, 1 x Audiokommentar Mangold, Deleted Scenes jetzt gleich. Zweite Staffel alles gesehen. Devil’s Foot gut-wrenching… Bretts Schrei am Ende der Devil’s Foot „drug“ sequence… Jesus. Details following. For now: Watson, we have been given a line of investigation which has been missed by the police and which a singular chance has placed in our hands. Faces to the South, then, and quick march! Happy New Year, my dear friend.
Johnny & June, The Loving Gift. Wer würde mit so einem Auftritt durchkommen außer dem worst salesman ever und ihr? Die konnten sich singen, was andere sich nichtmal sagen konnten. Die amerikanische mythologische Poesie von Eigennamen, Städte oder Züge. Honey, I’m gonna snowball Jackson. Liebling, ich überrolle Ulm wie eine Lawine – ist einfach nicht dasselbe. Die Deleted Scenes, Jesus fucking Christ. Seine Panik, als er die Testpressung zerbrochen hat… und dann begreift, daß es 1000 Singles von seinem Song gibt. (Wenn ich nur bedenke, was für ein überwältigender Anblick ein Karton mit 25 Aljoschas war.) Und dann, Cry Cry Cry aus dem Nachbarhaus. „Hörst du Daddy im Wind?“ Ich liebe auch, was James Mangold im Audiokommentar erzählt: James Whales Original-„Frankenstein“ als Lieblingsfilm. Warum? Cash: „Because it’s a story about a man made up of all these bad parts. And yet he still tries to do something decent, and he still tries to be decent.“ Noch ein bewegendes Selbstbild, am Ende seines Lebens, als June bereits gestorben war.
„The Priory School“ wird im Original zum Killer, Performance und Phrasierung aller Beteiligten, daß einem die Spucke wegbleibt, abgesehen von JB besonders von „His Grace“ und Dr. Huxtable, aber sowieso große Folge. Bei so vielen Einstellungen seufzt man einfach nur vor Entzücken. Die cinematography ist grandios all over. All diese Außenaufnahmen, nie in strahlenden Sonnenschein geschönt oder mit Filtern der realistischen Atmosphäre beraubt, allein „Wisteria Lodge“ ist wie Landschaftsmalerei mit Kamera. Finde den Text von Michael Cox in Box 2 ziemlich nörgelig, z.B. über Freddie Jones als Inspektor Baynes. Diese Serie verträgt alles und schon erst recht einen Freddie Jones als Freddie Jones (remember, der skrupellos-schmierige „Besitzer“ von John Merrick in Lynchs „The Elephant Man“). In „Das leere Haus“ todsicher eine der bewegendsten Szenen ever, Jeremy Bretts „Wat- …!“, unter diesem Felsvorsprung bei den Reichenbachfällen, als er den Namen seines one and only friend and colleague nicht rufen darf, die abgrundtiefe Einsamkeit dieses Moments, und dann dieses wehmütige Lächeln, in dem soviel Zuneigung liegt, mit dem er Abschied nimmt von Watson und seinem ganzen früheren Dasein.
And even if you leave me I’ll be richer when you go. Das muß man auch erstmal gelebt haben, bevor man das singen kann. Nicht mal sagen können ja viele nicht. Worteschüttler sind so selten geworden. Ich habe die Bücherdiebin lesen müssen, es blieb nichts anderes übrig. Es war langatmig, aber auch atemberaubend. Der Tod hat unerwarteterweise auch ein Herz. Hitler hat den Baum nicht fällen können, der aus dem Samen von der Wange des Juden gewachsen war und auf dem die Worteschüttlerin saß. Ist das nicht schön? Vielleicht nur im Zusammenhang. Das Buch hat viel zu viele Wörter. Ich will ja nicht meckern. Aber ich musste Tage dafür stehlen. Zu viele Noten. Ich wollte gar kein 2. Weltkriegbuch lesen, mir war überhaupt nicht danach, aber lassen konnte ich es auch nicht. Wenn es nur nicht so lang gewesen wäre.
Ich wünschte, ich säße bei einem Glas Wein, während ich Ihnen dies schrub, aber der einzige und ohnehin miese Weinflaschenöffner hat sich offenbar auf und davon gemacht. Hinterließ dafür den noch gestern und die ganze letzte Woche schmerzlich vermissten Zollstock in der Kramschublade als ironischen Gruß. Haben Sie auch eine Kramschublade in der Küche? Als Kind dachte ich, dass alle so eine haben müssten; als würde man die jungverheirateten Frauen kurz beiseite nehmen und sagen: „Ach und denken Sie an die Kramschublade in der Küche. Es kann ruhig die letzte hinten in der Ecke sein, oder die zweituntere. Jedenfalls muß sie noch so zugänglich sein, dass man herumliegenden Kram blitzschnell verschwinden lassen kann, verstanden? Man weiß nie, wann die Schwiegermutter mal unerwartet in der Tür steht.“ Jedenfalls brauche ich den briefkastengelben Zollstock jetzt überhaupt nicht mehr und der Wein musste zurück in den Kühlschrank.
Warum hab ich den Audiokommentar denn noch nicht inhaled? Ah ja, ich hab den Film an einen mäßig erwünschten Besucher verliehen und all eyes on Jeremy anyway. Der Filmausleiher sagte bei Rückgabe „Joa, war ganz gut.“ HAH! Aber nicht mal bloody. No use. Frankensteinvergleich unglaublich, anyway. Was hat der Mann gelitten. Im Kern verletzt eben. Das heilt nie. June war nie im Kern verletzt. Was hat sie ihm geben können. Müssen. Das Wunder dieser Geschichte ist das eigentliche, das wir deduzieren wollen, Holmes. Wahrhaftigkeit. Ein Geschenk, das sie sich nicht nur selbst gemacht haben, sondern auch denen, die es erzählt bekommen. In den Liedern, wenn man an einem eisigen Januarmorgen durch Russisch-Hoheluft nach Hause geht, die Bäume und Wege so vereist und verschneit, dass man hinter der nächsten Ecke ebenso gut Gräfin Gatzinsky im Zobelmäntelchen und mit Hermelinmuff beim Spaziergang am Newski-Prospekt hätte begegnen können. Die Musik passte nicht, aber die Klarheit der Eisnacht machte so vieles andere auch klar. Aaaach und Jeremy. Jeremy, Jeremy, Jeremy. It’s getting late, nur noch soviel: The Sign of 4. Was. Für. Ein. Film. Victorian London. Sir Toby. Die Baker Street Army. Wir werden das noch mal aufgreifen, Holmes. Michael Cox mag Ihnen zu nörgelig sein, aber ich sage: Michael Cox war nörgelig genug, um Visionen zu entwickeln und zu verwirklichen, wie es kein anderer Holmes Filmer geschafft hat. Soll er doch nörgeln. :)
Ah, der Tod erzählt das himself, now I see. „Während der müde Tod die Sprachfetzen vergessen wollte, die niemand außer ihm verstand“, beim panoramischen hovering gegen Ende, da dachte ich auch an den Müden Tod von Fritz Lang. Dabei ist das ein Stummfilm. Wußten Sie, daß Fritz Lang für einen Stummfilm den Countdown erfunden hat? „Frau im Mond“, 1929. Der Tod ist immer mit uns, wie Watson sagt. Quite so. Gestern half ich dem Tod, einen alten Fernseher aus dem 3. Stock nach unten zu tragen. Da wußte ich aber noch nicht, daß es der Tod war, nämlich der aus dem Speicherstadt-Jedermann. Wohnt in der Hallerstrasse. Sind wir nicht alle irgendwie Kramschublade? Das autonome Vernuddeln diversester Kabel findet, vermute ich, während unserer R.E.M.-Phasen statt, aber die durch Empirie nicht mehr erklärbare Unentwirrbarkeit ist Sargnagel der Theodizee: das Übel HAT eigenständiges Sein. Überhaupt pfoff ich auf Empüree. Joa, war ganz gut? Das gehört gehauen mit der zornigen Faust Gottes.
JB in The Devil’s Foot. Man sieht ihn, wie man sich um einen nahen Verwandten sorgt, die Augenringe, die Wirkungen des Lithiums vielleicht schon. Verstärkt sich, wenn ich das sagen darf – the strange haircut, mit dem er wiederkam – like my father’s. Aber die Lebensgeister kehren nun mal nur so zurück: Deduce, Watson, come… deduce! (wie sich das doch auf seduce reimt, hört man seiner Stimme dabei an). Sein Lächeln. Wie sie auf der Decke sitzen an der Cornwall-Steilküste. Wie er wieder im Kies liegt. Wie er am Hausmädchen vorbeistürmt in das Zimmer der ersten Teufelsfußmorde, im Grunde nur ein schwarzer Schatten, der durchs Bild fliegt. Wie er sagt: „You know… dinner at the vicarage is a splendid idea.“ Schal um den Hut, Maschine, die sich im Leerlauf selbst in Stücke reißt, the pain, und eben doch: Cheer up, Watson! Sea air, sunshine, patience! All will be revealed! Wie sich die beiden Männer, Sterndale und er, über den Brenda-Tregennis-Ring verstehen. I have never loved but if I did. Im Selbstversuch erscheint William Blake. Sein „John!“ nach den Sekunden von, nun ja, Todeskampf, die Darstellung zu nennen sich fast verbietet, so schaurig sind sie, ist wahrscheinlich der aufwühlendste Moment überhaupt. Hope to follow you soon to The Sign of 4, Ihre Punkte zwischen den Worten bedeuten baldige Investition meinerseits.
Die klaren Eisnächte. Die Vermutung, Zobelmäntelchen und Hermelinmuff nur aufgrund eines trick of the light oder ähnlichem nicht wahrzunehmen, unnötig zu betonen, wie vertraut und wie bedeutend. Sloterdijk nennt die Gegenwart das Zeitalter des Versicherungswesens. Zurückschwingen des Zeitgeistes in die Präferenz der mittleren Situationen. Dagegen: das Abenteuer der intellektuellen Existenz im 20. Jahrhundert. Da ist was dran, denke ich, obwohl ich selbst manchmal das Gefühl habe, ich versuche immer noch von der ANDEREN Seite ins 20. Jahrhundert zu kommen, also vom 19. Jahrhundert her. Wie ja auch das eigentliche Verbrechen nicht der Diebstahl von Tagen für die Bücherdiebin ist, sondern von der anderen Seite her kommt. Äh, was? Wo war ich? Jetzt mal was ganz anderes. Liebe die Small Faces.
British Mod Culture von 4 schmächtigen Lads. Noel Gallagher: „The singer looked like he was miming someone else’s voice. Because he had such a strong voice.“ Als ich ein Junge war, lebte irgendwo in der Nachbarschaft einer, der wie Steve Marriott aussah. Ging so in Samthosen und Stiefeln irgendwelchen tragisch aufregenden Dingen entgegen. Und immer wenn Jörg und ich die Singles aus den Plattenalben seiner Schwester Andrea hörten, wenn Andrea nicht da war, also diese Alben mit Pferdebildern drauf und Plastikhüllen innen, dann waren die Small Faces mit das erste, was ich wollte. Weil die so Melodien hatten, die tragisch aufregenden Dingen entgegengingen. It’s all too beautiful.

PS: Kommentarsektion Antirationalistischer Block
03/2017
Catherine:
Ah, thank you for bringing THIS back. Wie wir schwelgten! Und noch nicht wussten, was uns noch erwartet. Wo fand all dies statt? Noch myspace.com?
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Myspace indeed. Genaugenommen wissen wir immer noch nicht, was uns noch erwartet. Auslassen mußte ich: „Sagte ich schon, daß ich in the age of Innenplastikhüllen unendlich davon beeindruckt war, wie Keith Moon bei 2:35 das Becken trifft?“, weil The Who mit „Magic Bus“ im Beat-Club mal wieder nicht im www existieren & ich Sie also bitten müßte, ein Luftschiff zu besteigen, es vor das Fenster meines Neorenaissance-Schlösschens zu navigieren und die schicksalhafte Magie dieser Sekunde im Film „The Kids Are Alright“ zu bestaunen, bei welcher Gelegenheit ich übrigens auch auf die Kramschublade in meiner Küche deuten könnte, vermute stark, daß jeder Mensch mit einer Kramschublade ausgestattet ist, sofern er mit einer Küche ausgestattet ist, *ringring*, würde ich Ihnen meine neue Fahrradklingel vorführen, und Sie müßten sagen: „Blimey, Sie besitzen eine Mod Target-Klingel! Jenes Signum, das auf dem weißen Rollkragenshirt von Keith Moon eine neue kulturgeschichtliche Bedeutung erhielt!“, und ich müßte sagen: „Rather“, und Sie müßten sagen: „Die kostet doch mindestens genau 9,90 €, die Klingel!“, und ich müßte sagen, „Ja, aber bedenken Sie“, und Sie bedenken Eddie Vedder: „The one thing that disgusts me about The Who is the way they smashed through every door in the uncharted hallway of rock ’n‘ roll without leaving much more than some debris for the rest of us to lay claim to“, und beim letzten Täßchen Tee fänden Sie es schließlich auch nicht mehr verwunderlich, daß mir auf Ihre Frage „Hätten Sie nicht noch eine Luftschiff-Reiseempfehlung?“ umgehend in den Sinn kommt: Armenia City In The Sky.
Catherine:
Woaah, what a (tea)trip. Im Gegenzug müsste ich, wenn ich damals schon 20000 Days on Earth gesehen hätte, geantwortet haben, dass ich Sie nach dieser Episode in Kürze in meinem Cottage an der Küste mit diesem unfassbaren Blick auf die Seven Sisters erwarte. Dort würden Sie sich an den unordentlichen Küchentisch fläzen, wo ich Ihnen irgendwas Zusammengeschmurgeltes aus der Pfanne servierte, was Sie selbstverständlich nicht essen würden, sondern bedeutsamere Dinge zu denken und auszusprechen hätten, während ich irgendeinen Sound auf einem edlen Gerät kreiere und etwas ebenso Bedeutsames in einer seltsamen Stimme antworten könnte. Zusammen würden wir schließlich noch nach draußen gehen, um den sky away zu pushen, diesen sky da über der Küste, der unheimlich und düster, drohend fast aufzieht. Es kann ja nicht immer regnen. Berauscht reisten Sie am Ende in Ihrer schwarz glänzenden Kutsche in Richtung Brighton ab, wobei ich immer irgendwie den Eindruck hätte, dass Sie das Ding nicht selbst fahren. :)
Antirationalistischer Block / Christian Erdmann:
Yeah. :) Statt reflections on Doctor Nina Simone würde ich Ihnen berichten müssen, daß ich heute nacht in aller Glasklarheit ein Konzert von Lebanon Hanover träumte. Sahen Sie gestern L’insoumis / Die Hölle von Algier? Der Film, der für THE QUEEN IS DEAD das Delon-Cover lieferte? An Ihrem unordentlichen Küchentisch, versichernde Konstante des Willkommenseins in der Welt, würde ich Ihnen schildern, wie allererste Worte des Romans aufs Papier kamen, während diese Platte lief. Nahe bei den Seven Sisters Beachy Head, „Quadrophenia“-Schlußsequenz comes to mind, und daß ich schon an zwei Steilküsten Kopfbedeckungen ans Meer verlor. -> I Am The Sea. Da ich aber nur noch zwei Stunden jünger bin als in zwei Stunden: „Krach und Wonne, Krach und Wonne, Krach und Wonne!“ (Lotte Lenya) :)
Prägender Moment meiner Kindheit: Keith Moon bei 2:35.
Ein weiterer Australier, der Kummer gewohnt ist. Sein Oeuvre von 1990 – 1998 – „Earl’s World“, „Second Revelator“, „Valley Of Light“, „Spiritual Thirst“ und „Chemical Wedding“ – zeigt ihn als versierten Traumkartographen, vor allem aber: keiner kann härter, staubiger, trockener sein als Hugo, kein Loch ist schwärzer als das, in dem Hugo war, und wenn der „Dirty Old Waltz“ losgeht, bringt man seine Seele besser in Sicherheit. Aber Liebeslieder schreibt der Mann, da wird erst jahrelang und dann noch 400 Meilen für Victoria gewandert, und wenn ich Victoria wäre, würde ich dem Mann den Blues schon austreiben wollen. Die alte U2-Weisheit, daß man nicht mit ihr und nicht ohne sie leben kann, verteilt sich hier auf 50+ Kleinepen, die sich irgendwo zwischen erotisch aufgeladenen Film noir-Hinterzimmern und dem Showdown mit dem Gunslinger, der mit goldenen Patronen schießt, abgespielt haben müssen. Ein träge kreiselnder Ventilator, 40er-Jahre-Kleider liegen herum. Die Stimme klingt, als wäre ihr Inhaber einst losgezogen, um an einer Frau das Ungeheuerliche zu suchen, und als hätte er es dann gefunden. Großartig auch die Coverversionen, etwa von „River Of No Return“ oder Blind Willie Johnsons „Always Will Be God“.
Last night I saw my Captain
He said „Dream your life has changed“
When I woke up this morning
Nothing looked the same
There was money on the table
And roses in the air
Fire inside my mind
And a woman in my bed

Aber all das ist natürlich nur Gaukelwerk des Second Revelator, des Gottseibeiuns, der seine besten Geschäfte da macht, wo das Wundfieber zu stark ist. Das Lachen, mit dem der Teufel dich dann zurück auf Null setzt, mit delirierender Posaune im Hintergrund und einem schubbernden Bassmotiv, an das man sich gewöhnen kann, obwohl es sagt: Verscharren. An einem unbekannten Ort. Ist das noch eine Bassgitarre oder schon eine Kreatur?
Dirtmusic sind Chris Eckman (Walkabouts), Chris Brokaw und Hugo Race, der „Knochenbrecher-Punk-Blues“ (Musik-Express)-Experte. Spuckt dir ganz gamblingmanlike auf deinen Stiefelstaub.
„Das ist eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen. An die Umstände kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich muss um die fünf Jahre alt gewesen sein. Im Haus meiner irischen Großmutter, in den Hügeln bei Melbourne, wo ich oft in den Sommerferien war, fand ich heraus, dass sie einen uralten Plattenspieler besaß. Von einem meiner Cousins, denke ich. Ja, und die einzige Platte, die sie hatte, war Rebel Walk.“
Some people got no soul.

Orava Castle, Slovakia.

Im Sommer 1920 lernt der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau den Grafiker Albin Grau kennen, der für Murnaus Film „Der Gang in die Nacht“ (mit Conrad Veidt) die Filmplakate gestaltet. Der enigmatische, im Okkulten versierte Grau gehört der Pansophischen Loge der Lichtsuchenden Brüder an, offenbar auch dem seit der Mitgliedschaft Aleister Crowleys skandalumwitterten O.T.O. (Ordo Templi Orientis), in späteren Jahren trifft er Crowley auch persönlich. 1921 gründet Albin Grau mit anderen Mitgliedern der esoterischen Kreise Berlins die Prana-Filmproduktion. Grau gewinnt Murnau für die Regie von NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS, den ersten – und letzten – Film, den die Prana produziert. Grau selbst übernimmt die künstlerische Leitung, zeichnet detaillierte Entwürfe für den ganzen Film, entwirft Dekorationen, Kostüme und Werbeplakate. Ein „wahrhaft okkulter“ Film soll es werden.


„Nach dem Roman ‚Dracula‘ von Bram Stoker. Frei verfaßt von Henrik Galeen“, verkünden die Credits von NOSFERATU. Galeen ist mit Hanns Heinz Ewers bekannt, hat an den Filmen „Der Golem“ (1914) und „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920) mitgearbeitet und führt 1926 Regie bei „Der Student von Prag“ mit Conrad Veidt. Murnau und Grau haben keine Verfilmungsrechte für den Stoker-Roman, Galeen ändert Zeit und Ort der Vorlage, verändert die Handlung, ebenso die Namen der Protagonisten, dennoch verklagt Stokers Witwe Florence Balcombe, nachdem ein anonymer Brief aus Berlin sie über die Existenz des Films informiert hat, die Prana-Filmproduktion; das Urteil ordnet 1924 die Vernichtung aller existierenden Negative und Filmkopien an. Die Prana erklärt sich zwischenzeitlich für bankrott. Ende der 1920er tauchen erste – rechtzeitig in Sicherheit gebrachte – Prints von NOSFERATU in den USA wieder auf.

Murnau beginnt mit den Dreharbeiten zu NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS im Juli 1921, zunächst in Lübeck. Ende Juli befindet sich das Filmteam in Wismar, wo man per Zeitungsannonce „30 bis 50 lebende Ratten“ für Filmaufnahmen sucht, in den ersten Augusttagen erscheinen Berichte über die Dreharbeiten in den Zeitungen von Wismar. Dann geht es weiter nach List auf Sylt, wo die Strandszenen gedreht werden. Im August 1921 bricht Murnau mit seinem Team in die Slowakei auf. Neben Grau und Galeen sowie Kameramann Fritz Arno Wagner ist auch Murnaus Freund als „Künstlerischer Berater“ dabei, der Maler Walter Spies, der am 17. August 1921 aus Prag eine Karte an seinen Bruder schreibt: man sei auf dem Weg in die Hohe Tatra. In Prag wird die einzige Kamera der Produktion beschlagnahmt und drei Tage lang von Zollbeamten des Masaryk-Bahnhofs einbehalten, „bis wir diese gegen 5000 Kronen Zollgebühr und einige Bestechungsgelder auslösen konnten“. Im Zeitungsartikel „Filmreise zur Hohen Tatra“ berichtet Albin Grau weiter:
„Endlich kamen wir in Poprad an, vor uns die gigantische Tatra. Wir mieteten zwei Wagen, Pferde und eine Postkutsche, und stiegen hinauf bis zur Schlesierhütte auf 1700 Metern Höhe. Wir gingen alle zu Fuß, nur die Kutscher blieben auf ihrem Kutschbock. Alle halbe Stunde hielten sie an und tranken einen kräftigen Schluck Schnaps. Bei den Filmaufnahmen unterwegs zeigten sie viel Geschick und verhielten sich wie gut geschulte Statisten.“
„Wir verbrachten die Nacht in einer Hütte unweit der polnischen Grenze. Am nächsten Tag stiegen wir, schwer beladen mit den Geräten, hinauf zum Gebirgskamm, und nach einem Aufstieg von sieben Stunden erreichten wir den Gipfel. Herrliche Luft. Die gigantischen Berge. Ein Bild von bezwingender Gewalt.“
Schließlich:
„Von Poprad gingen wir durch Kralovany bis Dolny Kubin.“
Aus einer Karte von Walter Spies geht hervor, daß sie am 25. August 1921 bereits dort sind.
Die Arwaburg befindet sich bei Oravsky Podzamok, 10 Kilometer von Dolny Kubin entfernt.


Sonnabend, 06.09.2014
93 Jahre später.
Zugfahren in der Slowakei ist alles andere als kostspielig, die 259 km von Bratislava nach Dolny Kubin (4 Stunden Fahrzeit) kosten genau 11,62 € pro Person. Mit uns im Abteil ein junges Paar, Madames Augen in Hubot-Blau verwirren den jungen Mann, in äußerst hübschem Englisch bekennen sie Liebe zu Rammstein, leider können wir ihrem entzückten Grusel das gerollte R nicht auch noch bieten. Leicht verspätet erreichen wir Kralovany, laufen durch einen Tunnel zum anderen Gleis, wo schon ein Zug wartet, „Dolny Kubin?“ – „Ano!“ – Und dann rollen wir sehr langsam auf eingleisiger Strecke durch das schon beeindruckend wilde Land der Kleinen Fatra, an der Orava entlang. Madame ist hingerissen, als sie einen Adler seine Kreise ziehen sieht. Ein echter Karpatenadler, put that in your bleeding book.
Gegen 16 Uhr erreichen wir Dolny Kubin. Warnung. Dolny Kubin ist ein kleiner Ort. Aber er hat zwei Bahnhöfe. Wir steigen in Dolny Kubin zast. aus. Was immer zast. bedeutet. Es bedeutet wahrscheinlich: Wenn Sie hier den Zug verlassen, wird die Lage undurchsichtig, und die beiden orientierungslosen Mädchen, die Sie ansprechen, haben auch keinen Plan, welche Richtung es nun einzuschlagen gilt. Ein alter Mann nutzt den ereignislosen Samstagnachmittag, um langsam die Straße zu überqueren und uns davon abzuhalten, für immer in den Karpaten zu verschwinden. Er weist uns die Richtung mit Zeichensprache und einigen verständlichen Brocken. Der Teil von Dolny Kubin, den wir dann durchqueren, ist sozialistische Hochhausarchitektur aus dem Katalog von 1968, aber wir bereiten uns ja ohnehin auf das HOTEL PARK vor, in dem noch Zobelmützendeals à la „Gorky Park“ stattgefunden haben, dead sure. Unser Zielpunkt ist diese Sleepy Hollow-Holzbrücke, die wir dann auch finden und überqueren, im Hotel wird das Foyer gerade von einer Hochzeitsgesellschaft vollständig eingenommen, wir warten erst einmal draußen und entdecken auf der Speisekarte Gegrillten Hermelin. Geht in Ordnung: ein hiesiger Weißschimmelkäse.

Wir bekommen Zimmer 310, und auf diesem Hotelkorridor

steht plötzlich eine The Shining-Erscheinung, ein kleiner Junge, vielleicht vier Jahre alt, im eleganten schwarzen Anzug, ein surrealer Zwerg. Bevor er „Come play with us“ sagen kann, stöckelt seine todschicke Mama ins Bild und lächelt surreal. Albin, das ist surreal.
Wir begeben uns auf die Suche nach dem anderen Bahnhof, von dem aus der Zug nach Oravsky Podzamok fahren soll, to appreciate the situation, wie Lawrence von Arabien sagt, kaufen ein und finden für ein Abendessen outside das Restaurant Lucia, am Hviezdoslavovo namestie, das heißt, wir blicken auf jenen Platz, von dem Albin Grau schreibt:
„Einen der Wagen hatten wir auf dem vollen Marktplatz unter den staunenden Blicken der Einwohner zur Geisterkutsche umgebaut.“
Gedreht wurden die berühmten Kutschenszenen aus NOSFERATU in Vratna Dolina, etwa 20 km von Dolny Kubin entfernt. Vorbereitet wurde die Kutsche aber genau hier:

Dolny Kubin, in the evening:



„Murnau’s somewhat inconsistent notes in the screenplay indicate that the arrival at and departure from the „Carpathian inn“ were filmed at Dolny Kubin, where he was also reported to have hired Jozef Sárený as an extra for the role of the head coachman.“ (Martin Votruba)
Wir erreichen Dolny Kubin am 6. September; der 6. September 1879 war der Geburtstag des geheimnisvollen Nosferatu-Darstellers Max Schreck. Einige Tage zuvor gab es auf der Arwaburg ein nächtliches Fest zu Ehren des berühmten Vampirs.


Sonntag, 07.09.2014
6 Uhr morgens im rätselhaften Dolny Kubin, panisches Glockengeläut, ab 7 Uhr lärmt unfaßbar laute Musik durch den Ort. Vom Hotelbalkon läßt sich die Quelle des dionysischen Sonntagmorgenspektakels nicht ausmachen, genaugenommen sieht man, abgesehen von den Senioren, die unten vor dem Hotel resolut ihren Reisebus stürmen, keine Seele. Keine Ahnung, ob sich ein Junggesellenabschied am Rande des Malá Fatra-Gebirges so anhört oder ob die hiesige Kirche eine frühe Charme-Offensive mit Eurodance und Streetpunk startet. Als ein Dropkick Murphys-CanCan verebbt und Eno-artiger Drone über dem Städtchen schwebt, läßt sich die bizarre Schönheit nicht leugnen. Trotzdem bleibt es unheimlich. Das Zimmertelefon klingelt, aber niemand meldet sich. Fehlen noch die Douglastannen. Das ist osteuropäisches Twin Peaks hier. Parole des Tages, mit David Lynch-Stimme: „They’re planning their actions, Coop.“
Wo sind wir eigentlich?

Gar nicht so weit entfernt von den berühmten Wintersporthochburgen Zakopane (im südlichen Teil Polens) und Strbske Pleso.

Pünktlich um 10:00 besteigen wir den Zug, denn pünktlich um 10:00 soll der Zug nach Oravsky Podzamok abfahren. Leider ist es der Zug nach Kralovany. Wir rollen also nochmals gemächlich durch das Reich des Karpatenadlers. „Albin, wir fahren in die falsche Richtung.“ Als ich der Großmutter auf dem Nebensitz ein fragend-verzweifeltes „Prosim, Oravsky Podzamok?“ antrage, erklärt sie mir eine Minute lang die Sachlage, die recht ungünstig anmutet, auf Slowakisch. Leider ist Slowakisch nicht unser Fachbereich. Doch anders als Jonathan Harker in Stokers „Dracula“ in seinem Reisebericht vermerkt („Die fremdartigsten Gestalten, die wir sahen, waren die Slowaken. Sie sehen zwar sehr malerisch aus, wirken aber nicht sehr vertrauenerweckend. Auf der Bühne würden sie sofort als altorientalische Räuber durchgehen. Sie sind jedoch, wie man mir berichtete, sehr harmlos …“), gibt es scheinbar jederzeit und überall einen Slowaken, der bereit ist, aufzustehen und in der Verwirrung auf Deutsch auszuhelfen. Der junge Mann, der uns seine Hilfe anbietet, bringt beim Schaffner in Erfahrung, daß um 11:28 ein Zug von Kralovany nach Oravsky Podzamok abfährt. Nun gut, Albin. Tatsächlich sogar eine glückliche Fügung, denn während wir den kleinen Bahnhof von Kralovany in seiner ewigen Unwandelbarkeit ausloten,

verzieht sich der Morgendunst. Wenn man sich schon zur Arwaburg durchschlägt, möchte man sie nicht in Nebel eingehüllt vorfinden. Stattdessen bietet sich, da man den Bahnsteig von Oravsky Podzamok verläßt, dieser Anblick.

Die Burg liegt auf einer steilen, 112 Meter hohen, seit der Hallstattzeit besiedelten Felsklippe über dem Orava-Fluß. Für die Anwesenheit der Slawen auf dem Platz der Burganlage gibt es Zeugnisse aus dem 9. Jahrhundert. Aus der Holzbefestigung dieser großmährischen Burgstätte entstand die Arwaburg im 13. Jahrhundert, nach der mongolischen Invasion Ungarns 1241, die erste schriftliche Erwähnung einer steinernen Burg findet sich 1267. Oravsky Hrad diente als Grenzfestung und als Schutzburg an der Handelsroute nach Polen.
300 Jahre blieb die Arwaburg königliche Festung, verwaltet von Kastellanen; Ende des 15. Jahrhunderts erwarb Matthias Corvinus die Burg, König von Ungarn, Gegenkönig von Böhmen und Eroberer weiter Teile der Habsburgischen Erblande. Unter Matthias kam es ab 1474 zu umfangreichen Bauarbeiten, ebenso unter Jan von Dubovec, der 1534 in den Besitz der Burg gelangte. Unter den Erben des Jan von Dubovec kam es zum Streit, und die Burg wurde schließlich 1556 an Ferenc Thurzo verpfändet. So ging die Arwaburg an eine der reichsten und einflußreichsten Adelsfamilien des damaligen Ungarn. Unter den Thurzo kam es ebenfalls zu bedeutenden baulichen Veränderungen und Erweiterungen.
Georg (György) Thurzo, Palatin von Ungarn, verhaftete die als „Blutgräfin“ bekannte hohe Adlige Elisabeth Báthory im Auftrag des ungarischen Königs, setzte sie auf ihrer Burg Čachtice gefangen und organisierte den Prozeß. Eben dieser György Thurzo ist in einer Krypta der Burgkapelle von Oravsky Hrad bestattet.

Während man die Burg halb umrundet, um zum Eingang zu gelangen,

wird jener Turm sichtbar, auf den in NOSFERATU der Lenker der Geisterkutsche, Nosferatu selbst, mit der Reitpeitsche zeigt, um Hutter ins Kommende zu befehligen:


Es ist ein Wehrturm, der Archívna veža heißt, Archivturm. Murnau filmte ihn von einer Burgterrasse aus, die nicht Teil der Führung ist, man sieht diesen Turm also nur auf dem Weg zur Burg.

Der Eingang zur Burg 1921:

2014:



Phantastisch, hier zu stehen, on holy ground, genau dort, wo Murnau zusah, wie Gustav von Wangenheim in den frame von Fritz Arno Wagner wandert. Der Aufgang, der zum Burgtor führt, ist deutlich steiler, als es im Film erscheint. Location filming, Aufnahmen an Originalschauplätzen, das war 1921 ein höchst ungewöhnliches Vorgehen; Landschaften, ganze Städte erstanden als Atelierbauten in den Filmstudios. Als Murnau mit seinem Team durch wilde Tatralandschaften zog, war das eine noch unerhörte Guerilla-Taktik, eine Frühform von rogue film-making.
Vor Gustav von Wangenheim öffnet sich das Tor zur Burg auf mysteriöse Weise; weniger mysteriös öffnet eine junge Slowakin, die für die nächsten zwei Stunden unsere Führerin sein wird, das Tor um 13:15. Man kommt nur mit Führung in die Burg, wir bewegen uns meistens am Ende einer Schar von 25, vielleicht 30 Menschen, loitering with intent, die Tour ist auf Slowakisch, aber wir sind vorbereitet, zur Orientierung haben wir ausgedruckte NOSFERATU-Screenshots als Dossier dabei.
Hutter betritt die Burg des Grafen Orlok: der erste Burghof.

Der erste Burghof in diesem Moment aus Hutters Perspektive:

Im Hintergrund ist schon jener Tunnel zu sehen, aus dem Max Schreck als Orlok / Nosferatu auftaucht, um Hutter in Empfang zu nehmen. Dieser Tunnel zwischen zwei Burgtoren entstand unter Georg Thurzo. Über dem Tunnel befindet sich die nicht zugängliche Terrasse, auf der Murnau den Archivturm filmen konnte, ebenso den in der Nähe des Archivturms gelegenen Pavillonturm, in dem Hutter seinen Brief an Ellen schreibt.
Kurzer Blick zurück: als Gustav von Wangenheim den ersten Burghof betritt, schaut er kurz nach links, wo man eine Treppe erkennen kann:

Das obere Ende der Treppe ist hier im Hintergrund zu sehen:

Blick in den Tunnel:

Max Schreck in der berühmten Szene des Films, aus völliger Dunkelheit erscheinend. Die „genial photographierte schwarze Silhouette Orloks im leeren Burghof“, eines jener Bilder, durch die, so Béla Balázs 1923, „ein frostiger Luftzug aus dem Jenseits weht“.



Murnaus Standpunkt ziemlich genau getroffen.

Dann steht Murnaus Kamera im Tunnel. Genau hier steht auch Max Schreck, bevor er aus dem Dunkel auf die Kamera zugeht. Der Blick aus dem Tunnel mit derzeit dort befindlicher Kutsche, Max Schreck steht in der folgenden Szene zwischen den beiden Durchgängen, Nosferatu erwartet Hutter.




Ausschnitt aus dem Tunnelbild mit Kutsche, viragiert:

Bei dieser Aufnahme steht Murnaus Kamera dann wieder mit den beiden Protagonisten im Hof zwischen beiden Durchgängen:


Orlok fordert Hutter auf, ihm zu folgen; auch unsere Führung bewegt sich nun weiter durch diesen Tunnel.


Am Ende des Tunnels kommt man erneut in einen kleinen Hof:

Es ist der – seit 1921 erheblich veränderte – Hof, in dem der Nosferatu die Särge, mit denen er nach Wisborg aufbricht, auf seinen Pferdewagen lädt.

Wie man sieht, wurde das Geländer links zur Gänze erneuert; Murnaus Kamera stand auf der Burgebene über dem Tunnel.



Dann erreichen wir den Großen Burghof.





Die Führung bewegt sich nun durch Innenräume, verwinkelte Gänge, Aufstiege, weitere Höfe, dann wieder auf Außentreppen, durch den mittleren Burgkomplex bis zum obersten Burgteil, wo Zeitgenossen mit Höhenangst offenbar eine kleine Warnung erhalten, tatsächlich ersparen sich zwei ältere Herrschaften den allerletzten steilen Aufstieg.

Es ist nicht ausgeschlossen, wenn auch nicht mehr nachweisbar, daß Franz Kafka sich für seinen Roman „Das Schloß“ auch von der Arwaburg inspirieren ließ:
„Nur 90 Kilometer von Oravský hrad entfernt befindet sich das Lungensanatorium von Matliary; hier hält sich zu eben der Zeit, da Murnaus Team in der Burg arbeitet, Kafka auf. […] Am 8. August 1921, wenige Tage bevor Murnau in Dolný Kubín eintrifft, unternimmt Kafka gemeinsam mit einer Reihe von Mitpatienten einen längeren Ausflug in der Tatra. Die erste Station ist der Höhenkurort Szentivány Csorbató, der am Tschirmer See (heute Strbské Pleso) liegt. Dort schreibt Kafka eine Ansichtspostkarte an seine Schwester Ottla in Prag, auf der auch zwei seiner Reisebegleiterinnen – die Patientinnen Annie Nittmann und Elena Roth – mit ihrem Namen unterzeichnen. Es ist durchaus denkbar, dass die Gruppe anschließend die Burg Oravský hrad besucht hat, die zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der westlichen Tatra gehörte und mit ihrem 1868 gegründeten Museum ein besonders prominentes Ausflugsziel darstellte.
Von Strbské Pleso zur Gemeinde Oravský Podzámok beträgt die Entfernung nur 92 Kilometer. In Strbské Pleso existierte damals eine Zahnradbahn, die zum Bahnhof Strba fuhr; von dort ging ein Zug bis Kral’ovany, das durch Droschkenverkehr mit dem Städtchen Árvaváralja am Fuß der Burg verbunden war. Insgesamt hätte der einfache Weg vom Sanatorium über Strbské Pleso bis zur Anlage von Oravský hrad nicht mehr als drei Stunden gekostet. Es blieb also genügend Zeit für eine Besichtigung der Burg und die Rückreise mit der Bahn.“
(Peter-André Alt, Die Burg des Grauens – Franz Kafka und Murnaus „Nosferatu“, sueddeutsche.de, 10. Mai 2010)

Auch nicht ausgeschlossen, daß Kafka den Film dann tatsächlich im Kino gesehen hat. Am 27. Januar 1923 erlebte „Nosferatu“ seine Prager Premiere in einem Saal des Louvre-Cafés.

„Die Dreharbeiten im Schloß Oravsky verliefen ruhig und zügig“, heißt es in „Die Sprache der Schatten“ von Luciano Berriatua.
Albin Grau: „Die geisterhaft bleiche Gestalt des Nosferatu-Darstellers wurde von der Bevölkerung mit entsetzten Blicken beobachtet und wie der Teufel gemieden.“

Oh no it isn’t?

Yes it is.


Hier erkennt man einen kleinen Teil jener Terrasse, auf der Murnau den Archivturm und den Pavillonturm filmen konnte. Und jene Bergwälder, die in der Pavillonturmszene zu sehen sind.


Die Innenaufnahmen für NOSFERATU wurden in Berlin-Johannisthal gedreht, inspiriert von den Originalaufnahmen auf Oravsky Hrad. Also entstanden im Jofa-Atelier auch die Szenen in der Gruft, in denen Hutter entdeckt, wo sich Graf Orlok bei Tag aufhält – in einem Sarg, verborgen vor dem tödlichen Licht der Sonne.




Beim Abstieg entdecken wir diese Treppe, die allerdings so aussieht, als könnte sie in die Gruft von Nosferatu führen. Passend viragiert:

Unsere Führerin verabschiedet sich auf der Burgebene über dem Großen Burghof, die Gruppe spendet Applaus und löst sich auf, und da uns niemand dazu auffordert, zügig dem Ausgang entgegenzugehen, wandeln wir einfach langsam weiter auf den Steinen, die 1921 die Nosferatu-Welt bedeuteten.

Maybe touched by Murnau, Max Schreck, Albin Grau, und dem „törichten Gustav“, wie John Malkovich als F. W. Murnau ihn nennt in „Shadow of the Vampire“.


Schließlich identifizieren wir noch dieses Tor. Im Film erscheint es als Eingang zur Gruft, als Hutter „das Entsetzen seiner Nächte zu ergründen“ sucht:







Als wir den Großen Burghof wieder erreichen, sehen wir die charmante Führerin vor der Burgkapelle, keine anderen Lebewesen mehr im Hof, ich rufe „Oh, certainly we’re too late for this now?“ Da schließt diese wunderbare junge Dame, obwohl ihr Tagewerk getan ist, eigens für uns die Kapelle nochmals auf. So sehen wir auch noch die letzte Ruhestätte des Georg Thurzo. In der Kapelle sind keine Fotos erlaubt, dies sind Wappen und Inschrift über dem Eingang:

Sie fragt uns, woher wir kommen, erzählt uns, daß sie schon einige Male in Deutschland war. Im ersten Burghof, schon fast beim Eingangstor, begutachtet sie unsere Nosferatu-Screenshot-Kopien, und ich darf noch einmal zurücklaufen, für ein Bild vom jetzt leeren Großen Burghof. 1921 lief Gustav von Wangenheim hier noch auf einem Grasweg an Bäumen vorbei.



„Es gelang uns schließlich doch, alle geplanten Aufnahmen zu realisieren. Nach einem heftigen Streit über die Entlohnung der Kutscher verließen wir zufrieden das Dorf.“
Miss Führerin und wir geben uns die Hand für einen geradezu herzlichen Abschied, wir bleiben noch eine Weile beim Burgtor sitzen, stunned. Auf dem Rückweg dann sieht man noch einmal den „Archivturm“ und auch den Pavillonturm, in dem Hutter an Ellen schreibt:




Im Restaurant am Fuße des Felsens gibt es Thurzo-Bier, hergestellt von einer lokalen Brauerei (Kastelan). Direkt neben mir läßt die Maid vor Aufregung alle Gläser vom Tablett fallen. God only knows.

Das Bahnhofsgebäude von Oravsky Podzamok scheint leer, aber irgendwo da drinnen halten sich Gestalten auf, ein Hund bellt uns aus zwanzig Metern Entfernung unentwegt an, irgendwann, schließlich brauchen wir noch Fahrkarten für die Rückfahrt, klopfe ich an die Scheibe, unterbreche vermutlich ein sinistres Kartenspiel in einem Hinterzimmer, das so weit hinter ist, daß es in dieser Realität gar nicht mehr zum Gebäude gehört. „Albin, wir können froh sein, wenn sie uns nicht essen.“ Just kidding. Visit Slovakia. The Beautiful People.


Anhang: Kommentarsektion Antirationalistischer Block




Auf dem Papier eine Factory-Skizze, einer der wenigen Songs, die Lou Reed widerwillig an Nico gab, die er nicht in der Band wollte. Im für 2.500 Dollar und drei Nächte gemieteten Studio spielen Reed auf seiner Gitarre und Sterling Morrison am Bass ein leises Intro. Die ersten Schläge auf Maureen Tuckers umgekippte Bassdrum, dann setzt John Cale ein mit seinem präparierten Piano, das er auf unmenschliche Weise so spielt, als würde ein mechanisches Piano von allein spielen. Normalsterbliche halten das 20 Sekunden durch, Cale hämmert seine Cluster unerbittlich fast sechs Minuten lang, und der Song klingt wie die Prozession in irgendein Schattenreich, Reeds Gitarre im Ostrich-Tuning (alle Saiten auf dieselbe Note gestimmt) spielt Mädchenträume unter dem Blick von Todesengeln. Nico, die einsame Majestät ihrer Stimme, eine Göttin, in der urbanen Unterwelt gelandet. Skizze? Dies ist der Klang einer erhabenen Tragödie.
Andy Warhol: „Her voice, the words, and the sounds The Velvets made all were so magical together.“ (U 34)
David Croland: „She was observant, and people don’t get this! She was at heart a poetess. Your looks do get in the way of your progress if you’re that beautiful, there’s no doubt about it. People become instantly attracted to you and instantly jealous at the same time. […] What I liked most about her, after the initial shock of her extraordinary beauty, was her reserve, her quietness and her way of observing people who were observing her. She was very, very curious and very quiet. She didn’t spin around: people spun around Nico because of her beauty and her mystery. She was sweet. I liked her shyness. I did not find her aloof, I found her shy.“ (JOB 44 ff.)
Danny Fields: „She was so impressive to look at that boys feared her, mainly.“ (JOB 62)
Billy Name: „Nico … rarely spoke. And only when someone spoke to her. She was totally nonflamboyant, nonpretentious, but absolutely magnetically controlling.“ (JOB 79 ff.)
Andy Warhol: „She had this very strange way of speaking. People described her voice as everything from eerie, to bland and smooth, to slow and hollow, to a ‚wind in a drainpipe,‘ to an ‚IBM computer with a Garbo accent.‘ She sounded the same strange way when she sang, too.“ (JOB 90)
John Cale: „Here was this formidable woman, the world’s first supermodel. We were awed by her style.“ (JOB 95)
Playboy Magazine: „… seeing her in her floor-length cloak and listening to her musical, remote talk, one gets the impression of a medieval German Madonna glimpsed in a dream full of images of spring and sunlight.“ (JOB 95)
Lou Reed: „Nico’s the kind of person that you meet and you’re not quite the same afterwards. She has an amazing mind. … If you get into Nico, there’s always the danger that you don’t want to leave.“ (JOB 96)
Andy Warhol: „Nico was weird and untalkative. You’d ask her something and she’d maybe answer you five minutes later. […] She wasn’t the type to get up on a table and dance, the way Edie might; in fact, she’d rather hide under the table than dance on top of it. She was mysterious and European, a real moon goddess type.“ (JOB 102)
Paul Morrissey: „We were always fighting tooth and nail to get poor Nico on. She didn’t fight this sort of thing herself, she was very shy and self-effacing. She would make a little remark. Or then she would giggle a lot. She’d giggle like a girl.“ (JOB 122)
Dave Navarro: „It’s kinda hard to be a fan of Nico and not fall in love with her. You hear this voice and you see her image, the cheekbones, the whole package, it’s strong, unapologetic, haunting, melancholy. As soon as I heard that voice I fell in love with her – I’d marry this girl today.“ (JOB 149)
Una Baines: „‚She just fits into those fears that men have of women who are outside of the norm.“ (JOB 171)
Nico: „I read a lot, I like to read. I prefer Nietzsche of all. Then I like some English poets: William Wordsworth, Lord Tennyson, Lord Byron, Shelley … Shakespeare sometimes, but Tennyson is the best of all. He’s an incredible Romantic, it’s just so beautiful. You find everything there.“ (JOB 254 ff.)
Gerard Malanga, A Short Essay In Appreciation Of Nico, 1967, über Nicos „unapproachable mystique“:
„But the most incongruous is the look of the eyes, focused most frequently on the imperceptible. […] Because of her impact as a three-dimensional whole, Nico would be most effectively represented in sculpture, but not even the most profound artist could capture the strange and unexplainable quality of her eyes. They captivate, but do not beckon; they ignore, but cannot be forgotten; they reflect the inner reality, but leave no clue to its contents. Their expression, or lack of a comprehensible expression, does not relate to the thoroughly comprehensible phenomenon of her beauty. Nico’s eyes seem to guard a great mystery which, hidden in aloofness, they do not want anyone to know exists.“ (U 40)
John Cale: „We were trying to do a Phil Spector thing with as few instruments as possible. On some tracks it worked. „Venus In Furs“ is the best, and „All Tomorrow’s Parties […]“ (U 74)
Paul Morrissey: „Sie war wie Garbo, sie hatte Anziehungskraft, Klasse, Würde. Sie beantwortete sogar Fragen wie die Garbo, umständlich, aber auf witzige Art.“ (AvC 28)
John Cale: „… die Szene aus La Dolce Vita, wo sie in den Daumen ihres Verlobten beißt. So war sie.“ (AvC 49)
Pauledith Soubrier, Halbschwester Alain Delons: „Sie war selber kein deutscher Staatsbürger, sie stammte von irgendeinem kleinen Planeten, das arme Mädchen.“ (AvC 64)
Nico: „Ich bin zum Schauspielern zu scheu. Ich kann nicht so tun, als wäre ich jemand anders, weil ich schon jemand anderes bin.“ (AvC 75)
U = Up-tight – The Velvet Underground Story. By Victor Bockris / Gerard Malanga, London / New York / Sydney / Cologne 1983.
JOB = Jennifer O. Bickerdike: You Are Beautiful And You Are Alone. The Biography of Nico, London 2021.
AvC= Axel von Cossart, Kult um Nico, 1995.
021
Helsingør im rauhen Wind, auf dem Weg zur Busstation sehen wir ein Plakat für eine Ausstellung von Hans Henrik Lerfeldt, der soeben mit zeichnerischer Sorgfalt einer schönen Dame die schwarzen Strümpfe anzieht, wir besteigen jedoch Bus 331 und verlassen ihn kurz vor Gurre.
Der Wind weht durch den Bambus, wir wandern auf der Landstraße durch Waldemar Atterdag-Land, ich trage Milady über das Moor. Gurre Slot wird im 12. Jahrhundert erbaut. 1364 wird Gurre zum ersten Mal erwähnt; in einem Papstbrief wird bestätigt, daß König Waldemar IV. Atterdag dort eine Kapelle eingerichtet hat, vermutlich gibt er dem Schloß auch seine endgültige Form. Nach einer Glanzperiode im 14. und 15. Jahrhundert setzt mit der Reformationszeit ein allmählicher Verfall ein. Material aus der Ruine wird für den Bau von Schloß Kronborg verwendet. 1652 wird Gurre als „altes, heruntergekommenes und verödetes Schloß“ bezeichnet, im 18. Jahrhundert liegt es unter Erde und Gesträuch.
Die Legende besagt, daß Waldemar Atterdags eifersüchtige Frau Helvig (Heilwig von Schleswig) des Königs Geliebte, die wunderschöne Tove, in einer Badestube ermordete; die Sage berichtet von dem Zauberring, der die Liebe des Königs an die tote Tove band, so daß ihre Leiche ihn überall begleiten mußte. Einer der Hofleute stahl den Ring von Toves Leiche, doch durch dessen magische Kraft erschreckt, warf er ihn in den See. Dadurch bekam der König eine so große Zuneigung zu dieser öden Gegend, daß er die Burg bauen ließ. Er soll später gesagt haben: „Laßt Gott sein Himmelreich bewahren, wenn ich nur mein Gurre behalten kann.“
Sehr wahrscheinlich war Tove in Wirklichkeit die Geliebte Waldemars I. des Großen; Waldemar Atterdag jedenfalls starb hier, auf Schloß Gurre, im Jahre 1375. Zur Strafe für seine Frevel muß (darf) Waldemar für alle Ewigkeit mit seiner wilden Jagdgesellschaft durch die Wälder um Gurre reiten. Jens Peter Jacobsen gab dem Mythos von Waldemar und Tove eine poetische Form, die Gurre-Lieder von Arnold Schönberg vertonen die deutsche Übersetzung der Texte Jacobsens.

What’s this?
Vorweihnacht
If you could have seen me! Die Hände vorm Gesicht, eyes wide. Was für Gesichter, aber – god damn, was für Körper, was für eine Story! Ich gestehe, ich bin noch nicht ganz durch, aber das wird noch. Alle Emsigkeit ganz canceresque längst beiseite geschoben für einen Tag Schundroman lesen und andere Ausreden. Oh ja, geben Sie mir ein kleines Mädchen, noch dazu mit einer Puppe oder zweien und ich bin verloren. Das Libretto des 14. heißt hier:
ICH BIN DIE HERRSCHERIN DER MEERESTIEFEN!
Ah, Luzie! Die blonde Ansagerin im TV fand ich toll. Und Friedrich & Friedrich auch. Die Herrscherin der Meerestiefen auch toll! Also, alle beide! Der Kampf gegen den gewaltigen Riesenkraken, sehr schön. Heute las ich, daß Kraken auf dem Meeresgrund Kokosnußschalen sammeln, sie ineinander stapeln, sich in die oberste Schale setzen, die acht Arme seitlich versteift herunterlassen und dann wie auf Stelzen losziehen da unten. Die Meerestiefen sind auch nicht mehr, was sie mal waren.
Die tschechischen Kinderserien waren unschlagbar. Kennen Sie auch „Der fliegende Ferdinand“? Manche Dinge gehen einfach weg, manche Ringe auch. Zum 15. etwas ganz Sprödes. Damals, lang vor Peter Jackson, als man „Der Herr der Ringe“ zum ersten Mal las, lobte irgendein Schreiber des Musik-Express diesen Schweden, von dem Jimi Hendrix sehr begeistert war, und ich ynvestierte Münzen in den „Magician’s Hat“ und in „Lord Of The Rings“. Die sich um nichts kümmernde Otherworldliness dieser Musik gehört zu meinen Winterritualen. Zeugs völlyg aus der Zeit, immer schon und nach wie vor.
Die Rollschuhe für die Enkelin bei Kaschtschej, hmhm. :) Mir ist die Feuervogel Geschichte irgendwoher familiar. Gibt es auch ein solches Märchen, das hier für den KiKa verbraten wurde? Man weiß es nicht, vermutet nur.
„Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?“ – „Oh, Kim Wilde, wie immer.“
Was es alles gibt! Kim Wilde rules!
16: Es soll schneien! Es soll schneien! Es soll schneien!
Haha, das sind aber lustige Riesenkraken. Wenn Bayern einst am Meer liegt, werden die noch auf Schatzsuche gehen und sich im Unterwasservergnügungspark vergnügen. Hanni Vanhaiden. Die Fernsehansagerin, nicht die Riesenkrake. Die mochte ich auch. Und Denes Törzs nur, wenn er die Sesamstraße angesagt hat, dann war er nicht so unheimlich ernst.
Ach, war das schön, als man unterm Wohnzimmertisch auf dem dicken Teppich lag und erklärt bekam, was man zu sehen kriegen würde. Vorher natürlich die Nachrichten und die Wettervorhersage. Erstaunlich, wie geduldig man damals noch Sätze sprechen konnte.
Christine Steinfeld WDR 10.04.1982
Nun soll es heute nacht tatsächlich schneien. Hach, und dazu geröstete Kastanien am Feuer.
Christine Steinfeld könnte ich stundenlang zuhören. Während ich schon deshalb kaum noch fernsehen kann, weil die zeitgenössische Trailerflut mir dermaßen auf den Zeiger geht, wo Sprecher in Ankündigung irgendeines Pseudo-Events ihre Stimmen in prä-orgasmische Markigkeit runterknödeln. Grotesk. Verrückt, daß Sie ans Liegen unterm Wohnzimmertisch vor einem noch nicht dehumanisierten TV erinnern, spürte ich alldem doch auch gerade nach. Tatsächlich bin ich sicher, daß sogar die Umschaltpausenzeichen zur Neuroplastizität meines Hirns beitrugen. :) Das NDR-Zeichen hatte eine seltsame kosmische Tiefe, die mein kindliches Aufmerksamkeitsnetzwerk besonders präparierte. :)
Oder das Intro zu „Der phantastische Film“.
Vermutlich kapieren die Programmacher these days gar nicht mehr, wieviel Genie in dem Trailer steckte.
Interessant auch, wie im ersten „Aktenzeichen XY“-Intro das Böse musikalisch noch an „Der Malteserfalke“ erinnert und aus irgendwelchen Schwarzweiß-Gullys kommt.
17: was ist das da, direkt neben Nat King Coles Kastanienrösterei? Muß Frosty The Snowman sein!
Sie haben das sehr treffend beschrieben, wie das im TV heute geht. Ich vertrage es auch nur schlecht. Endloses Getue um nichts und niemanden. Histrioniker bis zum Abwinken. Das frühere Intro zu Aktenzeichen XY ist der Wahnsinn! :) Die Sendung war mir immer ein Rätsel, aber verpassen ging nicht. „Wir schalten um, in unser Büro in Zürich. Guten Abend nach Zürich.“ Haha. Sah aber genau so aus wie vorher, das Studio. In die eigene Kindheit zu spüren ist ja oft sehr rührend. Ich bin mir auch sehr sicher, dass es in meinem Hirn eigene Karten, synaptische Felder für die zum festen Ablauf gehörigen Dalli Dalli Spiele gibt. Donnerstagsabends, 19:30. Unser kleines Schnelldenkerspiel. Ich bemühte mich immer, die Anwesenheit von Sofa oder Sessel zu respektieren, magisch zog es mich je später der Abend unter den Tisch auf den Teppich.
Ja, der Trailer zum phantastischen Film ist groß. Scheint fast unglaublich, dass so etwas mal erlaubt war. Erinnere mich sehr gut, dass ich es gruselig fand, aber die Neugier doch immer siegte.
17 … if only in my dreams.
18
Ich weiß nicht, warum ich die Dinge immer erst richtig schätzen lerne, wenn ich die gesamte Story kenne. Natürlich kennen Sie das Video zu Johnny Cashs Hurt, in dem man nicht nur das Haus sieht, in dem das Dreamteam gelebt hat, sondern auch das Studio, in dem so viele Lieder aufgenommen wurden. So fascinating. Weil es so schön ist:
June Carter Cash wurde am 23. Juni geboren. „Goodbye“ that’s all she wrote. :)
Weiß nicht, ob Pat Boone immer noch der Nachbar von Ozzy ist, wenn er Home for Christmas ist. Laut Ozzy der netteste Nachbar, den man haben könne. „Hat sich nie beklagt.“ :) Sie sehen, unsere Beschwörungen mittels samtweicher Standards machen sich schneeweiß bezahlt!
Sahen Sie Johnny Cash at Folsom Prison? Sehr gut gemachter Film, fand ich. Beeindruckend die Photographien, die bei der Ankunft von June & Johnny im Folsom Prison entstanden, die Spannung auf den Gesichtern, Cash weiß, wie bedeutend dieser Tag für alle ist, auch für ihn, und für ein paar Momente scheint dieser düstere Ort allen die Knie weich zu machen. Wie Cash mit den Tränen kämpft bei Glen Sherleys „I Love You“-Rede, und wie Cash ihn am Gefängnistor abholt, beide scheinbar mit Zweimeterschritten davonziehen. Sehr erhellend die Aussage über Cash, daß er sich auch Krisen kreierte, wenn doch scheinbar alles gut lief. Auch eine Form des Outlawtums, daß einer gerade da, wo alles normal scheint, die Motten kriegt, und dies sozusagen auch conditio seiner Kunst wird. Muß „Walk The Line“ wieder sehen. Groß groß groß, Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. June 25 wäre fast noch logischer gewesen. Ohne June hätte Johnny es einfach nicht geschafft.
Das „Hurt“-Video kann ich kaum anschauen, fang ich immer an zu heulen. Pièce de résistance von Nine Inch Nails, niemand hätte es covern dürfen, nur er, und er macht daraus sein Testament. Nick Cave sagte mal: Johnny Cash covered one of my songs so you can all go fuck yourself.
Mark Lanegan, so meine Theorie zum 18. Fenster, geht langsam dahin, wo Johnny Cash mal war. Darum auch nicht verwunderlich, daß er in diesem Stück, und dieser TV-Auftritt ist eines der faszinierendsten Dinge für mich on whole fucking YT, Johnny Cash verwandelt zu „We got buried in a fever“.
Seine beiden Platten mit den Seelenrettern: Songs wie Nachtlichter in Fenstern.
Carnival, Whiskey für den Heiligen Geist,
und Nähe von Wesen, die seltsame Religionen inspirieren können.
Yes, die primal truths alle auf dem Teppich rezipiert, me too. Noch heute eigentlich Carpet Viewer, me. Diese Rosenthal-Hüpfer im Standbild festgehalten, ich sah den Witz nicht, habe nie verstanden, warum man den armen kleinen ekstatischen Mann nicht gleich wieder runterließ. Zweite Staffel arrived, by the way. Ist der Brunnen reserviert this year? Schön draußen, Schnee funkelt unter der Laterne, here comes that weird chill. Dennoch in Fenster 19 another moment of the year. Twenty years to go.
Sorry I’m late. Wedding Dress kannte ich schon von Profilbesuchen her, aber diese Aufnahme da an dem Ort mit den kirchenartigen Fenstern und dem black-haired girl neben ihm ist ganz toll. Und Mark singt ganz wunderbar tief und sanft. A Strange Religion, so ist dieser Mann wohl. Gefällt mir alles sehr, auch die Soulsavers-Sachen, thank you very much, Holmes! Dieses Einfrieren im Sprung wurde spät eingeführt, da war ich auch schon fast aus dem Interesse heraus. Wissen Sie, irgendwann ist man einfach zu müde, um selbst der Unterhalter sein zu können und dann sehnt man sich nach solchen Sendungen zurück, die von Menschen gemacht wurden, denen es niemals eingefallen wäre, alltägliche Nasen zu Pseudostars zu küren, nachdem sie vorher wochenlang unter dem Druck standen, perfekt zu funktionieren, beleidigt und bis aufs Hemd ausgezogen wurden bezüglich ihres uninteressanten Privatlebens. EWG oder andere waren eben noch unterhaltsame Spielshows. Ich träume manchmal nachts davon. Neuroplastizität für DSDS und Popstars abgewehrt. Carpet viewer noch heute? :) Unser Penthouse ist noch carpet-free.
Ja, „Hurt“ ist schon besonders schwer auszuhalten. Aber da sind noch mehr unglaublich rührende Lieder, gerade auch die mit June zusammen mag ich sehr. Ein Film über Folsom Prison? Nein, den sah ich noch nicht. Ich hab ungefähr 2 Tage in der 1. Etage bei Heymann verbracht, um die Biographie zu inhalieren, bis ich beschlossen hab, sie mir zu Weihnachten zu schenken. „Walk The Line“ ebenso. Ich BRAUCHE diesen Film. Hab ihn erst einmal gesehen und da auch noch den Anfang verpasst. June und Johnny haben ja noch selbst der Auswahl der Hauptdarsteller zugestimmt. Hach. Ja, Outlaw, und dass er sich für Schwarz entschied und warum. All die Dinge, die ihn so einzigartig machen. June fiel „Ring of Fire“ ein, als sie im Auto fuhr und darüber nachdachte, ob sie diesen Mann heiraten solle, der so labil und so schwierig war damals. Und sie wusste, sie würde es tun, sie könnte gar nicht anders, es war eben, als wäre sie in einen ring of fire gefallen. Die zweite Staffel? Oh, ich bin soo gespannt auf Ihre Kommentare zu einzelnen Szenen. Es erwarten Sie wieder so herrliche Momente! Na, ich denke doch, dass der Brunnen reserviert ist. Wann passt es wohl? Am Tage vor der Heiligen Nacht wieder oder ist die BS dann schon im Winterschlaf?
Ja, es ist unglaublich, wie gut wir diesmal unsere psychischen Kräfte gebündelt haben und die weiße Pracht alles so sanft und still werden lässt. Heute in der Landstraße, die Verkehrswand gedämpft unter der Schneedecke, ganz zart und später kräftiger tönte „Stille Nacht“ und der Schnee knirschte unter den Schuhen. Vor der Post saß ein Mann mit einem Saxophon. Kinder zogen ihre Schlitten und Schneebälle flogen. So nice this chill. Moment of the year? Wow. One of my moments of this year für Sie in Fenster 19, aber nicht live am 11.7. in Berlin. Es ist nicht lange her, da war ich wieder mal am Meer.
Der Nietzschevorleser Kulenkampff versuchte ja noch, aus den Kandidaten eine Verbindung von Intelligenz und Charme herauszukitzeln, da wurden nicht komplette Blödmänner mit zigtausend Euro bedacht, EWG im übrigen auch Relikt einer Zeit, in der Europäer sich erstaunlicherweise viel näher waren und jemand wie Francoise Hardy in deutschen TV-Studios ein und aus ging. Träume, die uns nichts bedeuten, sollte man beizeiten mit anderen Augen sehen, weil sie oftmals unser Denken auf die Wege lenken, die wir dann gehen.
Ah, großer Song von Farin. Beide solo oft plötzlich näher als die Ärzte – Bela B, Letzter Tag. WalkTheLineBrauchen bedingungslos von mir geteilt, gestern auch fast genommen, stattdessen dann doch im Lichterglanz Richtung Dartmoor: The Hound of the Baskervilles. JB hat versucht, Watson hinter sich in der glanzpolierten Kaffeekanne zu sehen, aber es gelang ihm nicht, erzählt der Audiokommentar. Es mit dem Kaffeekannendeckel zu versuchen, war dann seine Idee. Damit gelang es. Dieser Perfektionist.
The black-haired girl ist Shelley Brien.
Mich lassen sie bis Mittwoch durch den Schnee stapfen, am 23. wäre also perfekt – sofern Extremitäten und Verstand bis dann nicht eingefroren sind?
„I’m proud to say that I worked with Johnny Cash, and when he came through the studio door for the first time it was like Moses himself had arrived. He is a character of truly biblical proportions, with a voice, all wailing freight trains and thundering prairies, like the landscape of his beloved America. Before I got to see it with my own eyes I had a picture of it through Johnny Cash’s singing.
He has a soul as big as a continent, full of righteous anger mixed with human compassion. A true individual in a land founded on individuality. There will never be another like him, and he could have come from nowhere else.“ (The Edge). 20:
Ach Sie! Dann haben Sie mir ja den Hound voraus, obwohl er schon hier herumoxidiert mitsamt Audiokommentar. Wo bleibt nur die Ruhe vor dem Sturm, wenn man sie mal braucht? Also gut, Sie bekommen ein Johnny Cash-Päckchen von mir zu Weihnachten, wenn Sie mir folgende Frage beantworten: Warum ist Aljoscha offenbar erleichtert darüber, dass SIE keine hochwohlgeborene Russin (die selbstverständlich Fremden auf Französisch geantwortet hätte) ist? (S. 240) Die 14. Stunde des 23. Tages also am üblichen Ort? Wie schön.
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Seine Stimme war so einzigartig, dass man immediately getröstet ist, auch wenn man vorher gar nicht traurig war.
Ich darf Auchmalwasvoraushabenkönner sein, weil ich das Privileg ansonsten ganz Ihnen verdanke. S. 240 – in eine Art fiktives St. Petersburg als psychische Landschaft transponiert sind ohnehin alle, die Erleichterung gilt nicht so sehr dem nicht fehlenden h der Aussprache, dies eher reiner Fakt wie geschürftes Gold, Hochwohlgeborenheit (in psychischer Landschaft) dadurch unberührt, Erleichterung über das Allesbisdahinbestätigende des ersten Wortes an sich. „Eine tiefgründige Erzählung, klassisch und modern zugleich. Genialer Schreibstil, den ich aus der deutschsprachigen Literatur sonst so nicht kenne. Das beste Buch, das ich seit langem das Glück hatte zu lesen.“ Schrieb jemand am 18. in „Bücher – welches sind Ihre aktuellen Favoriten?“ auf SPON über „Aljoscha“, Hölderlin sagte mal irgendwie was über Gefahr und Rettung und hatte irgendwie recht. Oui, 14. Stunde des 23. Tages, right there, enchanté.
21: Ich liebe diesen Song von Fairport Convention seit langem so sehr:
Now imagine my surprise.
Im psychischen Sinn Britin; ich konnte 19 von 20 des Sherlock Holmes-Quiz beantworten. Können Sie auch, wenn Sie Staffel 2 inhaled haben.
19 von 20 – splendid, Watson! Aber welches war die eine, die nicht gelang, und warum? :) Wenn Sie Fenster 22 öffnen, hören Sie die recht unbeschreibliche Danielle Dax mit ihrem Beitrag zum Winter Wonderland.
Hab maßlos übertrieben, eher 18 von 20. Frage 4: Wer ist der Mann mit den langen Fingernägeln? Ich vermute Moriarty, aber not sure. Und Frage 16: Why does Holmes scream? Kann mich nicht im Geringsten an die Szene erinnern. :)
Ja, der Mann mit den langen Fingernägeln ist Moriarty (Szene ist ziemlich am Anfang von „The Red-Headed League“), die Why does Holmes scream?-Szene mag ich sehr, ist aus „The Copper Beeches“, Holmes echauffiert sich zunächst über Watsons Vorliebe fürs Triviale bei den Aufzeichnungen der Fälle, zuviele Schnörkel, Farbe und Lebendigkeit, wo er doch nur die Fähigkeiten der Deduktion und der logischen Synthese akzentuieren sollte. In der deutschen Synchro fällt leider unter den Tisch, wie Watson sagt: Also Holmes, immer, wenn Sie diese Pfeife wählen, sind Sie streitsüchtig. Holmes beklagt Schauergeschichten statt Lehrbeispielen. Am Fenster dann: was schert sich denn das Publikum um die feineren Schattierungen von Analyse und Deduktion! Der Verbrecher von heute habe weder Unternehmungsgeist noch Originalität, beklagt er, und daß seine Praxis degeneriert sei zu einer Agentur für das Auffinden von Bleistiften. So cute, wie schon am Anfang der Szene Holmes indigniert Watsons halb sympathische, halb pompöse Selbstzufriedenheit bemerkt, als ihn mal wieder „die Muse geküßt“ hat. Auch das liebe ich so an David Burke, wie er Watson exakt diesen Zug verleiht. Jede Folge Lieblingsfolge, morgen alle wieder bei Ihnen. :)
Sie sind so ein Schatz. Wenn das Selbstredende selbst reden müßte, würde es sagen: so schön, daß es Sie gibt. Die Welt war noch schlechter als gedacht, Watson, und jagt mich mit genau 778 Pferden, but tonight I’ll walk the line. „Gerade auch die mit June zusammen mag ich sehr“, Sie geschickte Andeuterin, und Deuterin, die in exakt der richtigen Sekunde „Lanegan“ sagt. :) One of the pleasures of my life, Passionen mit Ihnen zu teilen. Ein richtiger Streit war das heute auch nicht, Watson, das müssen wir üben. :) Der Psychobritin zum 23. eine traditionelle englische Ballade.
Thank you so much, Dear.
Got me. Im Streiten bin ich schlecht, Holmes. Es ging ja auch eher um Erklärungen. War das schön, Ihnen beim Schwärmen zuzuhören. Achten Sie doch in der zweiten Riege auch auf Holmes, wie er „Quite so“ sagt. Sie werden sehen, falls Sie nicht sowieso schon wissen, was ich meine.. :)
778!!!??? Sie lesen mich sprachlos. Dafür könnten Sie hier Anteile kaufen. Denken Sie an Flucht, Rebellion, Hungerstreik? Alles andere: ich freu mich, wenn und dass Sie sich freuen. Ich habs noch nicht geöffnet, morgen um 7, Dear! :)
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„Wie von ihm festgesetzt, trafen wir uns am nächsten Tag und inspizierten die Räumlichkeiten von Nr. 221B, Baker Street, über die wir bei unserer Begegnung gesprochen hatten. Sie bestanden aus zwei gemütlichen Schlafzimmern und einem gemeinsamen, großen, luftigen Wohnraum, der fröhlich möbliert war und von zwei breiten Fenstern erhellt wurde. Die Zimmer waren insgesamt so ersprießlich, und die Kosten, geteilt durch uns beide, erschienen uns so maßvoll, daß die Verhandlungen auf der Stelle zu einem Abschluß gebracht wurden und die Wohnung sogleich in unseren Gebrauch überging. Noch am gleichen Abend brachte ich meine Habseligkeiten aus dem Hotel herbei, und am nächsten Morgen folgte Sherlock Holmes mir mit mehreren Kisten und Schrankkoffern. Einen Tag oder zwei waren wir vollauf damit beschäftigt, unsere Besitztümer auszupacken und in möglichst vorteilhafter Weise unterzubringen. Nachdem dies geschehen war, begannen wir, ansässig zu werden und uns an die neue Umgebung zu gewöhnen. Mit Holmes war es keineswegs schwierig auszukommen. Er war von ruhiger Art und hatte geregelte Gewohnheiten. Selten war er nach zehn Uhr abends noch auf den Beinen und immer hatte er bereits gefrühstückt und das Haus verlassen, bevor ich morgens aufstand. Bisweilen verbrachte er den Tag im Chemie-Laboratorium, manchmal in den Sezier-Räumen, und gelegentlich auf langen Spaziergängen, die ihn in die niedersten Teile der Stadt zu führen schienen.
War er arbeitswütig, so vermochte nichts seine Energie zu übertreffen; hin und wieder setzte jedoch eine Reaktion ein, und dann pflegte er tagelang auf dem Sofa im Wohnraum zu liegen, wobei er vom Morgen bis zum Abend kaum ein Wort sagte oder einen Muskel bewegte. (…) Seine Unwissenheit war ebenso bemerkenswert wie seine Kenntnisse. Über zeitgenössische Literatur, Philosophie und Politik schien er so gut wie nichts zu wissen. Als ich Thomas Carlyle zitierte, erkundigte er sich überaus naiv, wer dieser sei und was er geleistet habe. Meine Überraschung erreichte jedoch einen Höhepunkt, als ich zufällig herausfand, daß ihm die Theorie Kopernikus‘ und der Aufbau des Sonnensystems unbekannt waren. Daß ein gebildeter Mensch in diesem unserem neunzehnten Jahrhundert in Unkenntnis der Bewegung der Erde um die Sonne verharrte, erschien mir als solch außerordentliche Tatsache, daß ich es kaum zu begreifen vermochte. ‚Sie scheinen sehr erstaunt zu sein‘, sagte er; er lächelte über meinen verblüfften Gesichtsausdruck. ‚Jetzt, da ich es weiß, werde ich mich nach Kräften bemühen, es zu vergessen.‘ ‚Es zu vergessen!‘ ‚Sehen Sie‘, erläuterte er, ‚ich bin der Meinung, daß das Hirn eines Menschen ursprünglich eine kleine leere Dachkammer ist, die man mit dem Mobiliar versehen muß, das einem genehm ist. Ein Narr nimmt allen Plunder auf, über den er stolpert, so daß das Wissen, das ihm nützen könnte, von der übrigen Menge verdrängt oder bestenfalls von all den anderen Dingen verstellt wird, so dass er es schwerlich erfassen kann.
Der geschickte Arbeiter dagegen wird sehr sorgsam mit jenen Dingen umgehen, die er in seine Hirnmansarde holt. Er nimmt nur jene Werkzeuge auf, die ihm bei seiner Arbeit helfen können, aber von diesen hat er ein großes Sortiment, und alle sind wohlgeordnet und in bestem Zustand. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dieser kleine Raum habe elastische Wände und sei beliebig dehnbar. Verlassen Sie sich darauf: Es kommt eine Zeit, da Sie für jede neue Kenntnis etwas vergessen, das Sie vordem gewusst haben. Es ist daher von größter Wichtigkeit, daß nicht nutzlose Fakten die nützlichen verdrängen.‘ ‚Aber das Sonnensystem!‘, protestierte ich. ‚Was zum Teufel soll ich damit?‘ unterbrach er mich ungeduldig. ‚Sie sagen, wir kreisen um die Sonne. Und wenn wir um den Mond kreisten – für mich oder meine Arbeit würde das nicht den geringsten Unterschied machen.'“ (A.C. Doyle, Eine Studie in Scharlachrot, Kapitel 2: Die Wissenschaft der Deduktion)
Thank you so very much für diesen zweiten wundervollen Adventskalender, Holmes. Was Sie heute, nein gestern, sagten, beschämt und freut mich gleichermaßen und es sinkt erst langsam ein, dass Sie und ich nun schon Traditionen pflegen. My dear friend and colleague Holmes, ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein paar ruhige Tage, in denen es gelingen mag, allen Unbill auszuschließen und die Gedanken auf all das Gute zu lenken, das war, ist und kommen mag. Alles Liebe, Dear und Dank für Reziprozität, Zeit und Schönheit. Love, Yours Watson
Danke für die Studie in Scharlachrot, für alles! Nun gut. Eigentlich war das hier mein Plan, unashamed.
Aber ich hab „Walk The Line“ gesehen heut nacht, and you gave it to me, und da gibt es nur eins. Augenblicklich der beste Film aller Zeiten, das beste Mobiliar in der Dachkammer. Was Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon da zusammen veranstalten, raubt mir den Atem und jagt mir Tränen in die Augen. Everything’s alright tonight.
Merry Christmas, Baby.
