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The Everlasting Gaze

2023 [2]

Christian Erdmann, Autor des Romans "Aljoscha der Idiot", 2023.
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Aljoscha der Idiot

Erzählen Sie wirklich das Unsagbare?

Erzählen Sie wirklich das Unsagbare? Gespräch über "Aljoscha der Idiot" im SPIEGEL ONLINE Forum.
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Musik

Propaganda: A Secret Wish

Susanne Freytag und Claudia Brücken von Propaganda.
Propaganda: Michael Mertens, Susanne Freytag, Ralf Dörper, Claudia Brücken.
Susanne Freytag, Claudia Brücken von Propaganda.
Claudia Brücken von Propaganda.
Susanne Freytag von Propaganda.

p:Machinery

Claudia Brücken.
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Musik

Elvis

Elvis Presley, Comeback Special 1968.

Elvis Presley with Barbara Gray, by Alfred Wertheimer.

Elvis Presley, Jennifer Holden.
Elvis Presley, Comeback Special.

Elvis Presley, Jennifer Holden.
Elvis Presley.
Elvis Presley, Comeback Special. Artikel Christian Erdmann.
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Musik

The Rolling Stones: Sticky Fingers

The Rolling Stones: Sticky Fingers. Album Cover. Text Christian Erdmann.

Brown Sugar


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Vorweihnacht

Dita von Teese, intelligenztechnisch

What’s this?
Vorweihnacht

Dita von Teese.

Vor einigen Tagen saßen Ch. und ich vor dem TV-Gerät und bestaunten eine hinreißende Dita von Teese, she left us open mouthed und Ch. sagte nur: Die sieht aus wie gemalt! Ich tat der Dame unrecht, als ich sie einmal belächelte, wenn Sie erinnern. Sie ist wirklich eine beeindruckende Person.

Haben Sie schon von dem neuem Lenz-Roman gehört? Bin ja äußerst gespannt, die Kritiken sind interessant. Er gehört unbedingt zu den Guten, finden Sie nicht? Ich hielt einen Teil meiner mündlichen Abiturprüfung über „Deutschstunde“ und denke immer noch gern an meine grandiosen Interpretationen… Mein ansonsten korrekter und distanzierter Lehrer umarmte mich nach der Prüfung. Ich glaube, er selbst staunte darüber wiederum mehr als ich.

Oh ja, Dita. Ihr opulentes „Burlesque / Fetish & The Art of the Teese“-Buch wurde mir als Weihnachtsgeschenk zuteil. Falls Sie auf die 10 Minuten bei der FruchtbonbonszwischendieZehensteckerin anspielen – es war ein siriusweiter Abstand erkennbar, there on the screen. Die ich nur sah, die 10 Minuten, weil Buchspende und Leben sich halt immer schon seltsam vermischen für mich, und ich Manson auch auf die Silbe verstand, als er von seiner Sehnsucht nach Nähe sprach, auch ist „Eat Me, Drink Me“ hochnotfaszinierend als hochnotpersönliches pièce de résistance, indes, vielleicht hat der Mann ja auch selbst verbockt. Jedenfalls hat Ch. recht. Vermutlich war ja ein Ghostwriter mit dabei, aber das, was Dita / Pseudo-Dita z.B. über Fetischismus schreibt, ist nearer to the truth als manch anderes, was ich las. Werteste, ich fürchte, in Bälde muß ich Ihnen einmal unkryptisch kommen. Das aber würde länger.

Von Lenz‘ Roman hörte ich, aber ich kann gar nicht sagen, ob Lenz unbedingt zu den Guten gehört, ich habe den immer geschwänzt. Selbst lese ich derzeit, nach Tolstois „Kreutzersonate“ (teilweise haarsträubend, teilweise in ein Schwarzes treffend, das tiefschwarz ist), Dostojewskijs „Jüngling“. Schon deshalb interessant, weil es einen etwas rauhbauzigen, scheinbar ganz unliterarischen Stil pflegt, der aber natürlich wiederum sehr kunstvoll ist, den des „ungeschliffenen“ Jünglings eben. Aber am wichtigsten bei Dostojewskij, fand ich immer, sind diese tiefen Blicke in die Seele von Menschen, die scheinbar ständig das Gegenteil tun von dem, wonach ihre Seele sich verzehrt, und dabei doch unbeirrt ihrer „Idee“ folgen, atemlose Märtyrer, a martyr for my love for you, Masochismus muß eine russische Erfindung sein, jedenfalls gibt es eine spezifisch russische Spielart.

Grandiose Interpretation der „Deutschstunde“, bis hin zu unerwarteten Umarmungen? Glaub ich aufs Wort!

Genau die 10 Minuten sahen wir. All die kleinen Mädchen, blass und leer neben dieser Dame. Eine schreckliche Sendung. Gestern sagte der Chefbeurteilerfrauenhassersack, die 16jährige sei natürlich noch ganz anders ins Geschäft zu bringen als die 24jährige, für die ja eigentlich schon alles zu spät sei. Absurdistan. Hm, mit „verbockt“ meinen Sie Manson und Dita gegen die Wand? Sehnsucht nach Nähe haben ja die, die sie nicht aushalten. Also alle. Ich hab ja bisher nur den Idioten von Dostojewski gelesen und am besten gefiel mir die Geschichte von dem Mädchen auf dem Dorf, das von allen gehasst wurde. Und dann aber von den Kindern geliebt und dann wurde sie krank und starb an der Schwindsucht. Ich weiß nicht warum, aber das Schwindsuchtthema hat es mir sehr angetan. Auch die Kameliendame scheidet so konsequent autoaggressiv, jede Verletzung, jede Wut und Moralvorstellung gegen sich selbst gerichtet, geben die Frauen auf, das einzige Mittel, sich nicht anzupassen, aus den Alternativen Kampf oder Flucht die Flucht gewählt. Nur die, die sich selbst lieben, werden auch geliebt. Aber kann man es wirklich lernen, wenn es einem nicht geschenkt wurde? Dieser Moment, als Marguerite Gautier im Garten sitzt und für einen Moment auf eine Zukunft hofft, in der sie gesund ist und geliebt wird. Sie könnte es nicht aushalten und das weiß sie auch. Und doch hofft sie darauf. So sind Menschen.

Ich hab mir Lenz zum Abitur nur deshalb ausgesucht, weil mein damals sehr verehrter Grönemeyer mal in einem Interview gesagt hat, dass er es gar nicht leiden kann, wenn in seine Texte so viel interpretiert wird. Er wäre ja schließlich nicht Lenz, über dessen „Deutschstunde“ die Schüler im Deutschunterricht wochenlang die erste Seite auseinander nehmen müssen und er immer dachte, Mann, der hat sich bei jedem Wort soviel gedacht, wie macht der das nur? So kam ich zu Fetisch-Lenz und fand, soviel hat er sich gar nicht gedacht, aber dann eben doch. Anders als Dostojewski. Die Szenen auf dem Land, wo der Briefträger auf seinem Fahrrad weite Feldwege zurücklegen muß und schließlich am Ende den Frieden dabei hat in seiner braunen Briefträgerumhängetasche, beobachtet vom Protagonisten, der am Anfang und am Ende der Geschichte im Feld liegt und noch nicht so recht glauben kann, dass er überlebt. Dass auch Sie mal etwas schwänzen! Unkryptisch? Wann immer es beliebt.

Ah, auch ich liebe „Die Kameliendame“. Kennen Sie auch „Manon Lescaut“ von Prévost? Als Ballettomane darf ich auch mitteilen, daß der einzigartige John Neumeier beide Geschichten in seinem Kameliendamen-Ballett virtuos verwob. Sehen Sie? Kein Ende der Liebe – nur rituelle Opferung des Herzens. „A Martyr For My Love For You“, wie der weißgestreifte Jack in gänzlich anderem Zusammenhang sagt. Ein Rezensent schrieb ja, „Aljoscha“ wirke, als hätte ihn ein böser Geist aus der Belle Epoque gerissen, vielleicht meinte er aber auch die präzise Erinnerung an das Geräusch der Kutschräder im Bois de Boulogne einige Jährchen zuvor – die demi-monde war seinerzeit so faszinierend, wozu eine ganze? Wahr ist jedenfalls, daß SIE am 15. Januar geboren ist, wie Marie Duplessis, die eigentlich Alphonsine Plessis hieß. Sie haben recht, nichts Herzzerreißenderes als dieser Moment, in dem alle Fassaden nichts mehr bedeuten und nur noch das mädchenschüchterne, von der Überzeugung des Unverdienten bedrohte Bekennen da ist, zu der Hoffnung, die ja immer Hoffnung war. Liszt dachte an sie mit einem „geheimnisvollen Akkord aus einer antiken Elegie“ im Herzen.

Der Sarkophag, von dem Aljoscha die magische Blüte nahm, eines jener Zeichen, die die Muster geben, Sie kennen ihn.

Das Unkryptische später. Die Franzosen haben ja eine ganz andere Einstellung. Zwar stammt von denen der aufklärerische Ruf „Beseitigt die Schnürbrüste!“, aber sie haben dann doch schnell eingesehen, daß hohe Absätze das Denkvermögen keineswegs beeinträchtigen. Bei denen sitzt Dita eloquent in TV-Gesprächsrunden, die wir in dieser Form gar nicht haben. Und ich sage nochmals, Camille Paglia. Von dieser weiblichen Macht und Stärke, die klassischer Feminismus immer als servile Unterwerfung unter männlichen Blick zu betrachten geneigt ist, handelt sie eigentlich, handelten irgendwann wesentlich auch die über Bord gegangenen 100 Bände Horror. Darum ist beispielsweise Sacher-Masochs „Venus im Pelz“ so interessant: weil Wanda im Verlaufe der Geschichte immer ein wenig weiter geht, als Severin eigentlich vorgesehen hatte. Sie übersteigt seine apollinischen Entwürfe permanent.

Die Äußerung Grönemeyers (seinerzeit ein guter Schumann) rief in Erinnerung, daß Lenz auch für mich in der Tat arg mit Deutschunterricht verbunden ist – Deutsch LK war ein Flop. Die Wahl beruhte auf einer Best of-Serie in der 10., als man uns interpretatorisch freie Hand gab, später hieß es dann, interpretier‘ so wie ICH will oder stirb, und ich streikte mich so durch. Im Grunde war mein Abi gänzlich improvisiert. Back to bed, keine Schwindsucht, undekorative Erkältung.

Gute Besserung und wie gut, dass es keine romantische Schwindsucht ist.

Danke! Professor Manson sagt ja, man müsse seinen Körper zu einem Ort machen, an dem Viren sich nicht wohlfühlen, Miss Apotheke 2008 sagt, Wasser bis man blubbert, Mighty Joe Strummer sagt, Pillen bis man rasselt, da soll einer durchfinden. Nee, doch nicht.

Seufzer, Ausgestoßener! THE OLD WOUND FEVER!! TUPELO BOUND! LOOKA YONDER!

Ich folge da wohl eher den weisen HausfrauInnen, die da fanden, eine Erkältung dauere etwa 7 Tage bis 1 Woche, ob nun mit Professor, Miss Zaubertrank, Schlossgespenst oder ohne.

Paglia und Prévost notiere ich mal auf der Sabbatical To Do Liste.

Ja, ich kam erst durch Aljoscha zur Kameliendame. Es ist wohl das Entscheidende an diesem Moment im Garten, dass die Fassaden fallen. Ohnehin im Leben meistens der interessanteste Moment, da wir bis dahin zu sehr unseren von den Fassaden zurückgeworfenen Projektionen ausgeliefert sind. Kennen Sie denn die La Traviata-Aufführung mit der bis dahin noch undivenhaften und unbekannten Netrebko? Großartig das. So ein zartes schwindsüchtiges Geschöpf. Ausschnitte davon findet man auf youtube, aber vielleicht wissen Sie das schon.

Nun ja, hohe Absätze beeinträchtigen nicht das Denkvermögen, aber die Unversehrtheit bei hoher Laufgeschwindigkeit. Müßte ich in hohen Absätzen nur dekorativ in eloquenten Gesprächsrunden, um die ich französische Fernsehzuschauer sehr beneide, herumsitzen, würde ich sie vielleicht auch tragen. Modisch gesehen war die Grunge Phase in den 90ern eine glückliche Zeit. Schwere schwarze Stiefel und dazu kurze Blümchenkleider, besser geht’s nicht. Nun ja, obwohl mir kürzlich jemand sagte, meine Cure-Kleider seien so cure, dass ich den Mary Smith Lookalike Wettbewerb leicht gewinnen könne. Insofern bin ich da festgelegt. Äh, worum ging es gleich? Ah ja, Feminismus. Nun ja, ein anderes Mal vielleicht.

Grönemeyers frühe Schaffensphase weist einige Perlen auf. Ich hatte mal Radioaufnahmen mit Liedern aus seiner Klassik Phase. Ein guter Schumann und ein guter Bootsmann. Als er anfing, Stadien zu füllen, stieg ich aus, nein, stimmt nicht, ich stieg wohl schon aus, bevor Anna starb, aber nicht mal absichtlich oder füllte er die Stadien schon vorher? Ich weiß es nicht mehr. Ich glaube, „Luxus“ war mein letztes Album. Oder „Chaos“? Hm.

„Pfeiffer, Sie faseln!“

Dass Sie die Erlebnisse im Deutsch LK verstimmten, glaub ich gern, ich hörte von anderen ebensolch Unglücklichen.
Ich hatte in der 11. das Glück, einer Stunde der vorgesehenen Lehrerin beizuwohnen. Schrecklich. Ich wich auf Englisch und Gemeinschaftskunde aus und verbrachte so eine glückliche Zeit im Deutsch Grundkurs, welcher mich zu eben der mündlichen Abiturprüfung führte. Beim zweiten Teil der Prüfung handelte es sich um Faust. Grandios, oder? Die einzige Prüfung für die ich lernte, und ich tat es gern.

Nein, so häufig der Name Netrebko an mein Ohr dringt, so selten ihre Stimme. Aber ich bin neugierig geworden, und tatsächlich scheiterte die Billigung der letzten Traviata-Aufführung, die ich mal live sah, vor Äonen, eben daran, daß die Kameliendame so unbedingt keinerlei Schwindsüchtigkeit evozierte, in etwa so überzeugend wie singende Vampire im Musical. Aber man soll Oper ja vor allem hören. Wagner wäre ja auch richtig gut ohne den ganzen Gesang. Mein Lieblingswagner ist die Minute „Rheingold“ vor Hojotoho, Sie wissen schon.

Mary Smith Lookalike-Wettbewerbe zu gewinnen ist ehrenhaft! Ich werde ja immer noch, trotz fortschreitender Idiotisierung, spontan für „Künstler“ gehalten, aber meist tippen die Leute auf „Musiker“. Faust in der Abiprüfung, natürlich ist das grandios! Eins der besagten Themen der 10., bei denen ich abräumte, war ein Satz aus dem „Faust“ – Denn eben, wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Ein anderes war: „Ist Faulheit immer zu tadeln?“. Beide Themen zusammen ergaben dann, daß ich „Faust“ erst richtig in einem Pariser Hotelzimmer las, Hotel de Lausanne, bei tropfendem Wasserhahn und überhaupt sehr montmartresch. – Meine mündliche Prüfung in Bio galt einer Qualle, die im Sommer da ist und im Winter dort, und ich sollte erklären, warum. Hinterher meinte die Lehrerin, es war deutlich, daß ich von dieser Qualle nicht die leiseste Ahnung hatte, nur meine Intelligenz hätte mich gerettet. Tempi passati, intelligenztechnisch.

Dita von Teese.
Dita von Teese.
Dita von Teese.
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Alles was der Fall ist

Plumpbeutler [Vombatidae]

Von Dr. Bruno Brotmitbutter (Hamburg / Wagga Wagga).

Der Verfasler: Bruno („Bruce“) Brotmitbutter von der Universität Heidelbeerberg ist Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Pöbelaktionen. Zu seinen Hauptwerken zählen „Manische Depression bei Eurasischen Eichhörnchen“ (1995), die Langzeitstudie über Nußverstecke, für die Brotmitbutter 1997 mit dem Nuxi-Preis der Norddeutschen Reformhäuser ausgezeichnet wurde, sowie „Laßt die Nuggets doch den Nagern“ (1912), das Standardwerk über den Goldrausch bei Goldhamstern. Brotmitbutters gegenwärtige Forschungen gelten dem „missing link“, der fehlenden Übergangsform zwischen Beutelratte und Einkaufstüte.

Der Federbettenwombat ist eine jüngst entdeckte Spezies der Vombatidae, von Dr. Gurkenbrötchen vorläufig als Nacktnasenwombat eingestuft. Dr. Fünfuhrtees Hypothese, nach der sich der Federbettenwombat als Verwandter des noch unentdeckten asiatischen Futon-Wombat erweisen könnte, scheint haltbarer als die These von Dr. Pølser (Kopenhagen), dessen These nur bis zum 10.11.12 haltbar war.

Wie es scheint, ernähren sich Federbettenwombats von Haferflocken und Cornflakes, die größeren Lebewesen aus der Tüte fallen. Weichholzbenagung ist seltener, überhaupt sind die Tiere bemerkenswert genügsam. Dr. Kartoffelninsaureryoghurtsauce von der Universität Sydney Greenstreet: „Ich habe noch nie ein so dickes Tier so wenig essen sehen.“ – Dr. Soufflè (Koala Lumpur), einer der am wenigsten erforschten Forscher überhaupt, wies jedoch schon in seiner Streitschrift „Naßforsche Naßrasuren nützen Nacktnasenwombats nichts“ (1999) darauf hin, daß man sich ganz schön verpforschen kann. Es ist also Pforschicht geboten.

Der Federbettenwombat bewegt sich meist überhaupt nicht, es sei denn, er wird bewegt, aber was ihn bewegt, wissen wir nicht. Forscher, die im Dunkeln lagen, sahen nichts. Dr. Dankemir Reichts (Izmirschlecht) zieht Schlußfolgerungen aus den mysteriösen Wombatfunden abseits des Federbetts, die Dr. C.G. Nimmnochwas-Jung, der Schweizer Psychoanalytiker, indes kritisiert: „Der Mann ist doch krank!“ (aus: „Kommunikatives Handeln als Paradigma einer Seinsmetapher im Dekonstruktivismus-Streit zwischen Natur-Teleologie und Logisch-Semantischer Popeldeutik“). Dr. Quarkspeise (Kühlschrank) hält dies alles für Käse. Wohl zurecht; Dr. Sprachforscher, der bekannte Sprachforscher, hat mittels Computeranalyse die nächtlichen Laute eines Federbettenwombats analysieren können: „Halt – nein – warte – die – “ Und so weiter. Dr. Bratmirwas von der Universität Bratdirselberwas (Slowakei) hält den Wombat für einen Liebhaber moderner Kunst. Collagen finden sein reges Interesse. Dreht man den Wombat um, betrachtet er allerdings mit unermüdlichem Interesse die andere Wand, an der überhaupt keine Bilder hängen. Aber wo beginnt Kunst, wo endet sie? Kunst kommt ja nicht von „Können“, sondern von „Kunstmann, Gemüsehändler“. Dessen Diktum „Man kann auch Artischocken nehmen“ ist immer noch subjektiver Grund ästhetischen Urteilens. Dr. Spielverderber konnte erleben, wie ein domestizierter Wombat einen Spielverderber, der ein Spiel verdarb, anpischerte. Dr. Selbstschuldgemeinerdoofi gab daraufhin Rhabarber zu Protokohl.

Dr. Nudelsupp, der schon Gugel hupfen sah, berichtet, daß beim ersten Lauf des Rennrudelns in Luistrenker eine Gruppe Wombats das Rennrudeln mit dem Rudelrennen verwechselte. Damit zum Sport.

RUMKUGELN. Beim Rumkugeln im französischen Boulangerie kam es zu einem Eclaire. Der Schietrichter griff rein, fand aber nichts schiete.

SCHIEFSPRINGEN. Bei der Vierschranzentournee im Schiefsprung gelang Luggi Oberdeppner aus Sepplmütz im Zenzital die tolle Weite von Pi mal Zwiesel. Wombats waren nicht am Start.

STAPELLAUF. Bestnoten bekam ein Wombat beim diesjährigen Meeting im schwedischen Regal, als er über einen Stapel Bücher lief.

PHILOSOPHIEREN. Wieder einmal setzte sich im 8. Rennen Stoizismus durch. Mit einer Nasenlänge Vorsprung holte sich Wombat den Grand Prix de la Schisselaweng und verwies Ferkel mit Skeptizismus und Bär mit Dialektischem Materialismus auf die Rote Grütze.

MAULAFFENFEILHALTEN. Mit 84 feilgehaltenen Maulaffen belegte ein Wombat beim Blöd-Cook-Memorial einen erstaunlichen 2. Platz hinter Dumm Rumpupen (USA).

DOPPELKLOPP. Bundestrainer Kloppo Klopp hat seinen Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen an Bimbo, Bombi und Schlippo verkloppt. Auswechselungen: Bele, Bumsch und Beule (4. Minute).

Plumpbeutler [Vombatidae]. Foto: Der Federbettenwombat. Von Christian Erdmann.
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Musik

Eagles of Death Metal, Hamburg 13.07.2023

Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.

Wenn man Jesse Hughes auf Instagram folgt, ist einem die Mitteilung wohlvertraut: „fatherbadass hat ein Live-Video gestartet.“ In der Nacht vor dem Konzert erzählt er uns beim Spaziergang durch St. Pauli („I’m gonna get an apartment right above the Sexy Angel Shop!“), wie sehr ihn die Stolpersteine bewegt haben, die in den Boden verlegten kleinen Gedenktafeln aus Messing („Hier wohnte…), die an das Schicksal von Menschen erinnern, die von den Nazis verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. „Deeply moved by those markers“ nimmt er sich ein Gebet vor für den nächsten Morgen.

Ein Konzert der Eagles of Death Metal ist immer auch Gottesdienst, Göttinnendienst vielmehr, widmet er doch ausdrücklich jeden einzelnen Song seines gesamten Oeuvres den Damen. „It’s astounding / Time is fleeting / Madness takes its toll“, die Lichter gehen aus für „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show, Jesse betritt die Bühne in einem roten Glitzercape aus seiner Kollektion von Capes, das er für den Opener „Got A Woman“ ablegt, der Show-Hase braucht maximale Bewegungsfreiheit. Song 2:

Es folgt „Don’t Speak (I Came To Make A Bang)“, nach „Anything *Cept The Truth“ kümmert sich Jesse kurz mit inniger Umarmung um das Wohlbefinden von Jennie Vee, dann wieder um uns: „This ain’t fucking Hollywood, how is everybody doin‘ tonight?! Amen! Do we love the Ladies?“ Hohe Zustimmungswerte, „That’s right! And that is why I wrote this next song!“ Das ist dann „Complexity“. Hernach erzählt er euphorisch die Geschichte, wie „this amazing beautiful drummer“, es ist Leah Bluestein, zu den Eagles of Death Metal kam, das war nämlich so, daß Jesse zwischen einer Reihe von Steinstatuen irgendwelche ungezogenen Dinge tat, und er sich wünschte, „my God, if only this beautiful statue could be a real girl!“, und irgendeine Blue Fairy erledigte das dann. „Can you dig it, amen!“ Genau so war das nämlich. „Silverlake“ von „Zipper Down“, das Haus singt den „Don’t you know who I am“-Chorus mit.

Dann „Heart On“, nach „Secret Plans“ kommen abwechselnd hoch- und tieftönige Antworten auf wiederholte „Ladies, how you doin‘ tonight!“ – „Boys, how you doin‘!“ – „Ladies!“ – „Boys!“, das anschließende „Cherry Cola“ ist dann wieder ausdrücklich den Ladies gewidmet, „just like every song we’ve played before and every song that follows!“

„Flames Go Higher“, dann das wunderschöne „Now I’m A Fool“, auch von „Heart On“, für das der Gitarrist Scott Shiflett, ebenfalls neu in der Band (Bruder des Foo Fighters), ein exquisites Solo beisteuert.

Jesse Hughes kennt ein paar Höllen, von denen wir wissen, und wahrscheinlich noch ein paar Höllen, von denen wir nicht wissen. Keine andere Band hat je erlebt, was er mit seiner Band im November 2015 im Pariser Bataclan erleben mußte. Die Eingangskontrollen in der Markthalle waren besonders sorgfältig, und wir hörten einen der Securityleute sagen, das müsse man verstehen bei dieser Band. Nicht, daß die Traumata enden würden: Jesses Herzensdame Tuesday Cross ist aus einem Koma erwacht, following an asthma attack that sent her into cardiac arrest. Ein Hirnschaden war die Folge, und Jesse ist glücklich über jeden Moment, in dem sie ihn zu erkennen scheint. Die Menschen, die ihren langen, schweren Weg aus dem Dunkel begleiten, nennt er Tuesday’s Army.

Er hätte jeden Grund, Gott einfach in die Gosse zu treten und das Schicksal zu verfluchen, aber – he cares about people. Jesse Hughes ist ein Mann ohne Arg. Und er verliert nicht für eine Sekunde die Dankbarkeit dafür, tun zu dürfen, was er hier heute abend auf dieser Bühne tut. „The greatest joy in my life is to entertain you, my friends!“

Und dann stellt er die atemberaubende Jennie Vee vor mit: „We’ve got the Queen of Rock’n’Roll herself!“, und der roar für die Betörende ist so groß, daß man von ihren Lippen ein „Oh my God!“ lesen kann.

„I Want You So Hard (Boy’s Bad News)“ und „Whorehoppin‘ (Shit, Goddamn)“, „I don’t think I’m wrong when I say this is probably the best fucking crowd of the tour so far“, Frau Vee, die Angetraute des glücklichen Slim Jim Phantom (Stray Cat), signalisiert Zustimmung, Jesse traut man zu, daß er das in jeder Stadt erklärt und es in jeder Stadt genau so meint, aber Hamburg ist nun mal immer the best fucking crowd of the tour so far. „Dös is faktisch“, wie Joseph Roth sagte. „I Love You All The Time“, dann spricht er plötzlich erstaunlich gutes Deutsch, „Unsere Freunde! Es tut mir leid, ich bin nicht gut Deutsch sprechen, ich bin ein bißchen behindert“, aber sein Lieblingswort aller Sprachen dieser Erde sei ein deutsches: Muschikatze. Damit ist endgültig alles allen Muschikatzen gewidmet, und weil David Bowie den Song für jeden einzelnen, der hier ist, geschrieben hat, beschließt „Moonage Daydream“ das Set – das Gitarrensolo von Mr. Shiflett hat den Segen von Mick Ronson.

Vor der Zugabe erklärt Jesse, „We’re having the time of our lives, if you can’t see it, you can’t see nuthin‘!“ Die Zugabe ist dann „Speaking In Tongues“, including Jesses Auftauchen im Zuschauerraum, von wo aus er sich ein Gitarrenduell mit Shiflett liefert, Jennie Vee mit einer Kurzfassung von „Ace Of Spades“, und Jesses Kniefall vor ihr mit Handkuß.

Ace of Spades

Eigentlich war noch geplant, daß alle anwesenden Boys kurz vor Jennie Vee in die Knie gehen, aber dann ist doch Schluß. Jesse läßt offenbar jedes Konzert filmen, auch die Momente davor und danach, und so erfahren wir, daß Jennie Vee vor der Show noch unter Kopfweh litt, was die besorgte Umarmung auf der Bühne erklärt, aber das Steinbockmädchen kann noch so ätherisch sein, es ist tougher als der Rest und hat einfach grundsätzlich nach ein paar Takten die Malaisen weggeblasen.

Und wir können Jesse direkt nach dem Auftritt hinter der Bühne hören: „That was fucking killer tonight!“

Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023, Jesse Hughes, Jennie Vee.

Versorgungspunkt STAGE LEFT Jennie Vee:

Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023.
Eagles of Death Metal, Markthalle Hamburg 13.07.2023.

Fotos & Videos CE

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Journal Musik

Hollywood Vampires

Hollywood Vampires Ticket Stadtpark Hamburg 2023.

„Essentially a pub rock supergroup that grew monstrously out of control“ (list.co.uk). Alice Cooper, Johnny Depp, dagegen verblasst doch vieles. Die beiden so nah: so real, daß es surreal ist. Johnny bester Laune, hatte sich offenbar den Knöchel gebrochen und stapft mit Fraktur-Boot über die Bühne, singt aber göttlich und hat eine gute Zeit, smiling and waving and looking so fine. „The Death & Resurrection Show“, das Killing Joke-Cover von seiner Platte mit Jeff Beck, ist eine der Glanznummern der ausgelassenen Vampire an diesem Abend. Bei allem Heidenspaß geht es bei den Hollywood Vampires immer auch um absent friends, verlorene Weggefährten, und Johnny hat eine Gitarre seines jüngst verstorbenen Freundes Jeff Beck dabei. Die spielt Joe Perry dann für ein Stück. Da wird einem gleich ums Herz so doof. Überhaupt Perry: Aerosmith leidet ja vor allem unter Steven Tyler, Perrys Cover von „You Can’t Put Your Arms Around A Memory“ zeigt, daß er eigentlich der viel bessere Sänger ist, seine Stimme wie gemacht für diesen Song von Johnny Thunders.

And that Cooper woman… der ist 75 und kontrolliert immer noch die Erdrotation mit seinem Stock. „School’s Out“ und „Billion Dollar Babies“ gehörten zu den ersten Platten, die ich als Schuljunge besaß. Ich sag’s nur. Charisma-Overkill. „Listen to them. The children of the night. What music they make!“

Hollywood Vampires, Stadtpark Hamburg, 27.06.2023.
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Aljoscha der Idiot

„Meine paar Groschen Verstand sind verspielt…“

Rezension #10

15. Februar 2008

„Meine paar Groschen Verstand sind verspielt…“

Von Zadig

„Wer die Deutsche Sprache liebt, wird auch dieses Buch lieben“, schrieb ein anderer Rezensent – eine Behauptung, der ich mich anschließen möchte. Die außergewöhnlich lebendige und komplexe Sprache ist eine der großen Stärken dieses Romans. Sie macht einen erheblichen Teil von dessen Faszination aus, indem sie auf geschickte Weise immer wieder überrascht und fesselt.

Den Leser erwarten eine Liebesgeschichte, deren wohltuende Handlungsarmut ihr ausreichend Platz lässt, um sich auszudehnen und, als Umkehrschluss daraus, einen perfekt eingefangenen Entfremdungsprozess, der ihn ein um das andere Mal traurig lächeln lassen wird. Ein unausgleichbarer Gegensatz und eine Unterlegenheit unter das Schicksal, ausgelöst durch eine rätselbehaftete Fremde, die exakt so geheimnisvoll und unnahbar ist, wie sie sein muss.

Der Roman konzentriert sich weitestgehend auf die Gefühls- und Erlebniswelt des Aljoscha. Diese aber ist so intensiv, dass sie eine dichte Körperhaftigkeit und Mehrdimensionalität schafft, die Aljoscha stofflich, von allen Seiten greifbar und sinnlich erfahrbar werden lässt.

Es gelingt dem Autor gewissermaßen, den Leser in Aljoschas Gedankenräumen einzusperren, wo er sich mal vorsichtig dessen Hirnwindungen entlang tastet, mal von einer Gedankenstromschnelle unerwartet fortgerissen wird, um sich ein Stück weiter wieder hochzurappeln, neuzuorientieren und schon neugierig um die nächste Ecke zu schielen.

Gemessen an dieser Intensität müssen die wenigen übrigen Personen notgedrungen blass bleiben und wollen dies auch. Gegen Ende wird über einen Schwebezustand, ein kleines Handlungsvakuum, ein geradezu gemein raffinierter Spannungsbogen hergestellt, der den Leser unruhig umherrutschen lässt und fast zum Weiterblättern verführen könnte.

Kein leichtes, aber ein lohnendes Buch für den, der es mag, Sprache auf sich wirken zu lassen und in ihr zu versinken. Wer weiß, vielleicht findet man sogar ein Stück von sich selbst darin wieder. Und selbst wenn nicht, so darf man zumindest damit rechnen, von der Geschichte berührt und eingefangen zu werden.

Amazon-Rezension für den Roman "Aljoscha der Idiot" von Christian Erdmann: "Meine paar Groschen Versand sind verspielt...", von Zadig.

(Rezension auf amazon wurde später gelöscht)