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Jardin des Plantes


Fuhr vorhin an einer „Health & Wellness“-Dependance vorbei und dachte: für mich bitte Wealth & Hellness.
Ah. Jemand mag Paul Kamm.



2008, bei der phantastischen Babylon-Ausstellung im Berliner Pergamonmuseum, durfte Paul Kamm (Klamm / Soulier) Zartbitterschokolade zieren.


John Dunkel:
Zu Weihnachten hab ich mir die Die Brüder Karamasow gewünscht. Mal gucken, ob der Weihnachtsmann da mitspielt. (Zusammen mit Solschenizyns Archipel Gulag hätte ich dann einen russischen Winter vor mir.)
Christian Erdmann:
„Der Idiot“, „Die Dämonen“, „Die Brüder Karamasow“, „Schuld und Sühne“, darüber kommt ja generell schon mal gar nichts mehr. Außer vielleicht mein heimlicher Dostojewski-Lieblingsroman „Erniedrigte und Beleidigte“, und seine beiden Erzählungen „Die Sanfte“ und „Weiße Nächte“. Würde plötzlich das Dekret eines betrunkenen Königs verlangen, daß man nur das Werk eines einzigen Autors mit ins Exil nehmen dürfte, für mich wäre es Dostojewski, nicht Shakespeare, nicht einmal Sacher-Masoch, obwohl Dostojewski bestätigt, daß Freud darin irrte, Sadismus als primär anzusehen… Masochismus ist primär. Als Wunsch, sich dem Ungeheuren auszuliefern. Die ungeheure geistige Dimension des Masochismus, diese Einwilligung, zu erleiden, dieser Wille zur Vermischung von Lust und Pein, diese Gestalten in der permanenten Erregung des Suspense! Die Lust an der Zufügung als Lust an der Hinzufügung. Masochismus als ideelle Neuordnung der Welt. Diese Figuren, die eine wahre Wollust zeigen, sich bloßzustellen, Schwächen und Fehler aller Welt zu erzählen. Dieses Hin- und Herjagen zwischen Zeigenwollen und Verbergenwollen. Dieses Verführen zum Schlechtbehandeltwerden. Dieses Zeugensuchen für das Ertragen des Leides. Dieses auffällig Verborgene, das… das…
„Ah, auch du leidest zuweilen darunter, daß ein Gedanke nicht in Worte zu fassen ist! Dieses edle Leiden, mein Freund, wird auch nur Auserwählten zuteil: ein Narr ist immer mit dem zufrieden, was er gesagt hat, und dazu spricht er immer mehr aus, als not tut; sie tun das gern auf Vorrat.“ – Aus „Der Jüngling“.
Weltfremd werden, weil man vor ungestillter Liebe die Welt für weltfremd hält, unwirklich werden aus gewollter Unfähigkeit, die Wirklichkeit leidenschaftslos zur Kenntnis zu nehmen. Have some Toska, John.
„Der Jüngling“, 89: „Aber vielleicht ist es besser, von den Menschen gekränkt zu werden: sie befreien einen wenigstens von dem Unglück, sie zu lieben.“
93: „Als Ergebnis zeigte es sich, daß der Dumme allein ich war, weiter niemand.“
Ty Coon:
Ich hab Schuld & Sühne letztes Jahr in einer Klinik gelesen und begeistert aufgesogen, dabei aber bestimmt nur die Hälfte verstanden. Ich kann mit diesem christlichen Brimborium nicht soviel anfangen, aber man weiß ja vorher wenigstens so ungefähr, was einen erwartet. Dostojewskij ist vor allem in den Dialogen und in den versteckten Nebensätzen wirklich stark. Doch es braucht schon Ruhe und Muße, um sich in so ein Werk zu vertiefen; zwei Dinge, die nicht jeder hat.
Christian Erdmann:
Wenn man bei Dostojewski etwas ausblenden kann, dann das „christliche Brimborium“. Dostojewski ist vor allem als Psychologe stark, und zwar da, wo der common sense endet. All diese Figuren sind Amokläufer im common sense, Besessene, besessen davon, sich für ihre Idee peitschen zu lassen. Wenn du das Gefühl hast, daß die Menschen um dich herum sich bei dem, was du tust, nur noch mit dem Zeigefinger an die Stirn tippen – es gibt einen, der dich versteht, und der heißt Fjodor. Einer, der weiß, warum der Weg, den man dir vor die Füße schiebt, nicht der Weg ist, den du gehen kannst, weil du ein Geheimnis, eine Idee, eine Obsession im Herzen hast, und das, während ständig ohne jeden Rückhalt bloßgelegt wird, Seelen wie Handgranaten in das Leben der anderen geworfen werden. Wenn Camus lakonisch sagt, „An sich neigt der Mensch dazu, sich zu verzetteln“, tröstet Dostojewski mit der dem common sense unbekannten Versicherung, daß der menschliche Geist und das menschliche Herz im Grunde ständig mit den phantastischsten Situationen konfrontiert sind. Und das, schrieb Dostojewski einmal an Strachov, was die meisten Menschen für „phantastisch“ halten, ist für ihn „das innerste Wesen der Wahrheit“. Mindestens: daß man nicht einfach und jederzeit Ja oder Nein sagen kann. Daß Ambivalenz auszuhalten ist. Mittendrin Heilige Narren wie Myschkin mit ihrem intuitiven, hellseherischen Verstehen.
Aus den Dialogen, den „versteckten Nebensätzen“, ebenso den nicht versteckten Nebensätzen, den inneren Monologen und allem, was mir jetzt gerade nicht einfällt :), sprechen Charaktere, die sich weigern, zu kapitulieren, obwohl sie alle um das wissen, wovor es zu kapitulieren lohnt. Selbst Stawrogin mit seiner schrecklichen Indifferenz weiß es – er ist ex-Romantiker.
Mayallix:
Dostojewskijs „Jüngling“ lässt mich immer an Karl Marx denken. Die Sache mit dem Geld und dass der Mensch das Geld anbetet.
Christian Erdmann:
Mag so sein. Dostojewskijs „Jüngling“ scheint mir aber eher ein typischer Fall dafür, wie einer der Gedanken, die transportiert werden sollen, weit zurücktritt hinter viel Eigentlicheres, und beim Verfolgen Arkaschas, der wiederum die Wege des ruhelosen Wersilow verfolgt, seines Vaters, zwischen der Erleuchtung, die Wersilows Liebe zur passiven, duldenden Sofija gilt, Arkadijs Mutter, und seiner Verfallenheit an Katerina, ist Karl Marx in etwa das letzte, woran ich denke. Ich denke eher an Bob Dylans Satz aus „Renaldo and Clara“: „Truth is on many levels“. Wersilow selbst sagt von sich, er könne zwei entgegengesetzte Gefühle zu ein und derselben Zeit fühlen. Und er verbeugt sich vor einer ganz anderen Idee als dem, wie Arkascha sagt, „dummen goldenen Kalb“. Im Grunde weiß er, daß er an einem Punkt zumindest vorübergehend wahnsinnig werden „muß“, um die Verständnislosigkeit, die ihm entgegenschlägt, zu „legitimieren“. Bis zuletzt sucht er einen Menschen seines Schlages, schleudert Katerina entgegen, er wisse, sie und er seien Menschen eines Wahnsinns, obwohl er zugleich weiß, daß sie eine ganz gewöhnliche Frau ist, die das „Heitere“ sucht, (atemberaubend übrigens, wie Dostojewski hier mit einer Dialogzeile den ganzen Wersilow beschwört, wie plastisch er dasteht in diesem einen einzigen Wort, das er antwortet, als Katerina sagt: „Ich liebe heitere Menschen…“ – „Heitere?“) -, und er weiß, daß sie nur deshalb alle Vollkommenheiten besitzen müsste, weil sie solche Macht über ihn hat. Daß nach der katastrophalen Klimax Wersilow endlich Sofija heiratet, mag man dann wiederum als Umsetzung eines „Gedankens“ auffassen, Vereinigung der höchsten, verfeinertsten Intelligenzija mit dem „einfachen“ Volk Russlands, aber blah. All dies brettert für mich immer viel zu sehr über die Komplexität auch der vorgestellten Charaktere hinweg, deren Entgleiten über irgendeinen Plan hinaus ja auch Dostojewskis Werk ist, somit die Größe bei Dostojewski u.a. ja gerade darin liegt, daß seine Charaktere zu vielschichtig sind, um als Transporteure bloßer Ideen daherzukommen.
[SPIEGEL ONLINE Forum „Literatur – Was lohnt es noch, zu lesen?“]
„Von mir aus will ich noch bemerken, daß fast jede Wirklichkeit, wenn sie auch ihre unwiderleglichen Gesetze hat, unwahrscheinlich und unglaublich erscheint. Und je wirklicher sie ist, desto unwahrscheinlicher sieht sie mitunter aus.“
(Fjodor Dostojewskij, Der Idiot, München 1979, 495)
!["Hangman's Cricket [Peter Greenaway]", Gespräch mit Christian Erdmann im SPIEGEL ONLINE Forum. Bild: Szene aus "Drowning By Numbers".](https://christian-erdmann.com/wp-content/uploads/2024/01/peter-greenaway-drowning-by-numbers.gif)
Haio Forler:
Der Kontrakt des Zeichners müßte ich noch mal sehen, der entdeckte Mord auf den Zeichnungen war mir noch nicht ganz klar.
Christian Erdmann:
Nicht grämen, Greenaway selbst sagte mal, die Hälfte von dem, was im „Kontrakt des Zeichners“ passiert, geschieht im Hintergrund, und im Fernsehen sieht man überhaupt nichts. :)
Gwynplaine:
Ich benötige Nachhilfe in Sachen Greenaway. Aus irgendeinem Grunde hab‘ ich den Mann bisher nicht so beachtet.
Christian Erdmann:
„Nachhilfe“? Ich erwarte vielmehr Deinen Report, den ich mir dann wieder an die Wand hängen kann. :)
Greenaway ist ausgebildeter Maler, mit ausgeprägtem Hang zu Strukturen und Zahlen, ihrem Sinn und ihrer Sinnlosigkeit. Die Filme sind Vexierspiele, komplex, anspielungsreich, einer von Greenaways Lieblingsfilmen ist „Letztes Jahr in Marienbad“ von Resnais. „Spiel“ ist ein entscheidendes Wort bei oder für Greenaway, denke ich; auch die Autonomiebestrebungen der zahlreichen Subtexte spielen miteinander derart ausgelassen, daß „Subtext“ eigentlich schon das falsche Wort ist.
„Prospero’s Books“ sehe ich in erster Linie als großartige Hommage an den Schauspieler John Gielgud, meine beiden Favoriten sind „The Draughtsman’s Contract“ und „Drowning By Numbers“. Frauen, die sich um das vordergründig „Frauenaffine“ nicht scheren und die gewisse Kühle, die durch die extreme ästhetische Stilisierung auf jeder Ebene entsteht, lustvoll genießen können, haben Greenaway offenbar positives feedback galore zukommen lassen, er scherzte mal über den „Feminismus“ der Filme. Schwierig, nicht zu spoilern, aber man könnte sagen, eine Plot-Parallele beider Filme ist: männliche Erwartung einer sexuellen Gegenleistung trifft auf weiblich feinziselierte Manöver.
Mr. Neville, der Zeichner, hat gewisse Ähnlichkeiten mit David Hemmings in „Blow-Up“ – arrogant, eingebildet, zugleich zynisch und naiv. Es tauchen Veränderungen in seinem künstlerischen Blickfeld auf, es entstehen durch seine Arbeit „Beweise“ (Anführungsstriche für Hemmings). Neville ist „Realist“, „Naturalist“, er hält fest, was er sieht. Wie in „Blow-Up“ bricht das Mysteriöse ins vermeintlich objektive Schwarzweiß des Bildes ein, aber die Konsequenzen sind für Thomas (so heißt der Photograph in „Blow-Up“, dessen Name aber im Film nie ausgesprochen wird) und Mr. Neville, nun ja – durchaus unterschiedlich.
Der englische Hochbarock war ja eine Zeit extremer Stilisierung und Künstlichkeit, die sich durch starre Geometrie bewegte, die Perücken, von ray05 und mir schon ausgiebig gewürdigt, sind allerdings nochmal overblown wie bei Lady Lyndon in „Barry Lyndon“, ebenso die hinreißend preziösen, grotesk komplizierten Sätze, die ein ästhetisches Dickicht über den Whodunit legen – sofern es ein Whodunit ist, ist es aber eigentlich nicht.
Bei „Drowning By Numbers“ ist das „Spiel“ dann omnipräsent. Das seilspringende Mädchen benennt 100 Sterne, teils echte Sternnamen, teils Namen von Künstlern oder auch von Figuren aus Greenaways Filmen. Die Zahlen 1 – 100 tauchen linear im Film auf, entweder im Bild selbst oder im Dialog. Smuts, der Sohn des Leichenbestatters Madgett, sammelt roadkill, markiert die Fundstellen und gibt ihnen Nummern. Er zählt unaufhörlich Dinge, die sich nicht zählen lassen, und spielt unermüdlich Spiele mit Spielregeln von kryptischer Stringenz. Aber auch hier: Linearität als Puzzle.
All das begleitet von Nymans Musik, die mich immer leicht an Delphine Seyrig in Truffauts „Geraubte Küsse“ erinnert, als sie völlig selbstverständlich und mit entwaffnendem Strahlen am Tisch sitzt und zu Jean-Pierre Léaud über ihren Mann sagt: „Wie Hitler!“ Das Muntere, Strahlende der Musik hat zuweilen etwas sehr Ironisches.
BerSie:
Wow! Applaus…
AndersSehend:
Zitat von Aljoscha der Idiot
Bei „Drowning By Numbers“ ist das „Spiel“ dann omnipräsent. Das seilspringende Mädchen benennt 100 Sterne, […]
Großartig, ganz großartig, vielen Dank dafür, Ihre Beschreibung hat den Film auf meiner geistigen Augenleinwand nach Jahren wieder ablaufen lassen.
Christian Erdmann:
Danke für den Hinweis auf „Die Bettlektüre“ heute abend! Falls mir Hypnos und Morpheus kein Schnippchen schlagen (quasi schlaflos seit Nine Inch Nails in Berlin), I’ll try. Hab den nur 1 x gesehen, als er neu war, in einer Phase, wo ich fand, daß Greenaways Einsatz technischer Mittel da ein bißchen Amok lief, komischerweise erinnere ich fast nur noch den blitzsauberen Einsatz von Musik, Guesch Patti, „Blonde“, U2, „Daddy’s Gonna Pay For Your Crashed Car“.
Und ich weiß noch, daß Greenaway fasziniert davon war, daß Sei Shonagons Kopfkissenbuch im Jahr 996 einsetzt, und er seinen Film 1996 zu drehen begann, das Buch im Jahre 1000 fertiggestellt wurde und er seine letzte Szene am 31.12.1999 drehte.
Haio Forler:
Zitat von Aljoscha der Idiot
Das Muntere, Strahlende der Musik hat zuweilen etwas sehr Ironisches.
Ja, ironisch, rückblickend, und gar ein wenig zynisch.
Die Musik scheint immer sagen zu wollen: so sind die Naturgesetze, unabänderlich.
Christian Erdmann:
Unausweichlichkeit, Unentrinnbarkeit, Gefangensein in sadomasochistischem Aufschub. Alles Zyklische hat Abweichungen, keine Abweichung ändert was am Zyklischen. :)
Nyman meinte mal, er atomisiere Musik, achte auf kleine Phrasen und Fragmente, diese magischen kleinen Wendungen, deren Schönheit für ihn schon Zeugnis für absolutes Genie ist. Bei „Drowning By Numbers“ liegt Mozarts Sinfonia Concertante KV 364 zugrunde, insbesondere Takte 58-61, bei „Draughtsman’s Contract“ war Purcell Inspiration oder Ausgangspunkt.
Gwynplaine:
@Aljoscha
@BerSie
Vielen Dank auch für eure Tips bezüglich Greenaway. Echt! Ohne Euch wäre das Leben manchmal so öde und leer :)
Pnin:
Mag jemand eine Runde Hangman’s Cricket mitspielen?
BerSie:
Na gut! Ich werde Sie rehabilitieren, wenn Sie mir in wenigen Worten die Regeln dieses mir nicht bekannten Spiels erklären!
Christian Erdmann:
Du mußt einen Run mit der Katze schaffen, damit du deine bewilligten neun Leben behältst. Wichtig ist, eine Identität zu haben, die den Schiedsrichter überzeugt. Der Totengräber darf alle erreichten Punkte von Ausgeschiedenen zu seinen eigenen addieren. Wenn du der Henker bist, mußt du dich mit dem Richter zusammentun. Henkercricket macht erst nach vielen Stunden Spaß, wenn jeder Spieler eine ungefähre Vorstellung von den vielen Regeln hat und weiß, welchen Charakter er spielen will. Moment, es gibt nicht nur einen Schiedsrichter, es gibt zwei.
Pnin:
Außerdem darf die Jungfrau nur mitspielen, wenn sie der Partner der Zwillinge ist.
Christian Erdmann:
Stimmt. Aber wie war das, muß man einer Stelle zwingend „Bugger Bognor!“ rufen?
Pnin:
Das gehört zur blutigen Cricketgeschichte. :)
[SPIEGEL ONLINE Forum „Lieblingsfilme – was ist ‚großes Kino‘?“, 2008/2009]
Encore: Track 14 aus Michael Nymans Soundtrack für Peter Greenaways „Prospero’s Books“, „The Masque“. Marie Angel (Iris), Deborah Conway (Juno), Ute Lemper (Ceres). Phantastische 12 Minuten, aber gerade Ute Lempers Part in diesem Stück fand ich immer überaus zauberhaft.
Iris, Ceres, Juno:
Come, temperate nymphs, and help to celebrate
A contract of true love; be not too late.
Das Konzert beginnt eher mystisch mit „The Three Shadows – Part 1“ vom Bauhaus-Album „The Sky’s Gone Out“, Murphy mit Akustikgitarre und seinem very rare Bulgarian hat.
Band: Mark Gemini Thwaite, Gitarre, und Nick Lucero (ehemals bei QOTSA), Schlagzeug, die zusammen mit Paul Raven von Killing Joke gerade die Band Mob Research auf die Beine gestellt hatten – als Raven verstarb. Der Bassist ist nicht Jeff Schartoff, habe den Namen des Mannes, der an diesem Abend, offenbar recht kurzfristig eingesprungen, Bass und Violine spielt, nicht behalten, besitze aber jetzt ein Bassplektron von ihm.
Mit „Velocity Bird“ beginnt der Reigen der Songs von „Ninth“, der vielgerühmten, noch nicht genug gerühmten. Auch dabei: „I Spit Roses“. Bei den Aufnahmen zum wohl allerletzten Bauhaus-Album „Go Away White“ füllte sich der Mann den Mund mit Rosenblüten, als er ahnte, daß es zu einem der berüchtigten Bauhaus-Streitgespräche kommen würde. „Daniel said, ‚Peter we need to talk about …‘ ‚Pwah!‘ That’s my answer.“ Der Charmeur. So behauptet er denn auch heute, immer gern in Deutschland zu sein, so beautiful people hier, beautiful ladies, you’re really my kind, und blickt dabei natürlich wieder in sehr blaue Augen. Hält auch ein Schwätzchen auf Türkisch. Vor zwei Jahren sahen wir John Andrews in Murphys Band, heute durfte er mit seiner eigenen neuen Band Loudboy das Vorprogramm bestreiten, und natürlich schaute Murphy sozusagen im Vorbeigehen, als Murphy von nebenan, den anderen Hut hatte er noch auf, für einen Song vorbei („Pretty Bleak“). Und natürlich durfte John Andrews ein bißchen aufgeregt sein, als Murphy ihn für „Silent Hedges“ auf die Bühne holte. Man singt nicht jeden Tag einen Bauhaus-Song auf der Bühne von Ländern mit sehr fremdartigen Sprachen, auch wenn Andrews nach dem Konzert im Garderobengang Madame mit einem perfekten „Entschuldigung“ an ihren eigenen Satz erinnerte: „Ich mag dünn sein, aber ich beherrsche die Kunst des Im-Wege-Stehens.“ Doch ich schweife up.
„If you fall in love with me you’ll never fall out“, heißt es in einem Song auf „Ninth“, und wer seit „Bela Lugosi’s Dead“ im iridescent blue der Murphy-Welt verweilt, weiß: no lie. Er redet aus einem Traum in Gold und Simurghblau, verwandelt Gekritzel in Gemälde und weiß: the captain is sea. Von „Cascade“, dem Album, das er einmal als love drunk bezeichnete,
„Cascade handelt mehr vom Licht als vom Wasser. Das kaskadenartige Zwielicht, der Bereich der Kommunikation, der vor dem Bewußtsein versteckt ist. Viele Bilder stammen von liebestrunkener Poesie, die ich in der Türkei gelesen habe. Dieser mystische Ansatz des Islam, wie z.B. auf Wild Birds Flock To Me.“
gibt es „Disappearing“, „Subway“ und „I’ll Fall With Your Knife“, das neue „The Prince And Old Lady Shade“ ist live ein Killer, Mark Thwaites Gitarre läßt Trent Reznors „Hurt“, das Heilige, aus kaskadenartigem Zwielicht kommen, bei „In The Flat Field“ ist er wieder da, der Hochgeschwindigkeitsvogel eines unsichtbaren Sterns. Jedes Mal, wenn der Mann in deine Nähe kommt oder dich ansieht, bist du überzeugt, Charisma wurde am 11.7.1957 geboren. Wir erreichen den Punkt, an dem Butterfly-Bela (Ulf Kubanke, laut.de) die Saturnwürfel wirft: „A Strange Kind Of Love“, das er, wie schon vor zwei Jahren, am Ende in „Bela Lugosi’s Dead“ übergehen läßt, und „Marlene Dietrich’s Favourite Poem“: zum Zusammenbrechen.
Es gibt zwei Zugaben, „All We Ever Wanted Was Everything“ ist dabei und, ah Himmelsplünderer, „Ziggy Stardust“, und dann muß man, als das Licht wieder an ist, irgendwie unzurechnungsfähig auf Ansprache reagieren. Das tat ich, als ich in der Bar des Knust das Murphy-Tourposter vom dafür vorgesehenen und mit viel Tesafilm geschützten Platz abzureißen begann, um es als Beutestück # 2 mitzunehmen, bis ein wackerer Knappe des Knust schließlich kam und fragte: „Eh, was macht ihr denn da!“ Ich sagte: „Wir hätten das gern“, drehte mich wieder um und machte weiter.
Spuck Rosen und danke dem Boot, von dem du glaubtest, es sinkt.
„Wenn es etwas zu entdecken gibt, dann wird es dich entdecken, einfach dadurch, daß es da ist.“ (Peter Murphy)
Give peace to each thing you see. Reject the junk. Pwah.


Jetzt, wo ich gerade beschlossen hatte, mich in eines der verrufeneren Hotelzimmer von Buenos Aires einzumieten, um nächtelang alte Horrorfilme zu schauen und deren Poesie als Antidot gegen die beschränkten Wirklichkeitsmodelle zu nutzen, während nebenan eine der luxuriösen Schildwachen vernehmbar ihr Geld verdient, die flirrende Hitze wird flirren, daß es nur so ein Jalousienrunterlassen ist, ich inkorporiere Tangotexte und entferne mich von systemstabilisierender Verblödungsarbeit, Dorothy Lamour singt „Sentimental Sandwich“ und ich kriege langsam ein wenig Hunger. 100 Tage entfernt von hier kommt ein Schiff.
SPIEGEL ONLINE Forum
02.12.2008
Gutter Twins – Saturnalia
Mark Lanegan und Greg Dulli hausen in dem Keller, in dem Rowland S. Howard mit These Immortal Souls hauste. Düsterer, rauher, weißer Blues, voll der hundertmal zerfledderten Zärtlichkeit, die man nur auf verbrannter Erde fühlen kann. „All Misery/Flowers“ fängt mit dem Drumbeat an, der auch U2’s „Trip Through Your Wires“ eröffnet, dann kommt Lanegans Stimme und macht daraus Stadionrock für Satans Stadion, nach der ersten Strophe ein Sound wie von einem riesigen prähistorischen Vogel, weit da oben, aber nicht mehr lange. Eine Million Zigaretten später nagelt dich „Idle Hands“ ans Kreuz, und von da aus siehst du zu, wie hier alles ominös aus irgendeinem Dunkel kriecht, um Oden an den Herzbruch zu veredeln. Beste Platte, wenn du von Bruder, Schwester, Vater, Mutter, der Liebsten und schließlich allen guten Geistern verlassen bist. In dieser Reihenfolge.
22.01.2009
The end could be soon, we’d better rent a room. Mark Lanegan, zur Hölle. Diese Stimme läßt jeden Pfirsichsonnensatelliten fallen, diese Stimme, diese Stimme.
17.07.2009
The Gutter Twins – An Evening with Greg Dulli and Mark Lanegan, Stage Club Hamburg, 16.07.2009
@ kuechenchef, kpone, Motorpsycho: preaching to the perverted also. Morgen abend werden wir bei U2 im Berliner Olympiastadion sein, und ich dachte, das wird die surreale Sache.
Aber nein. Es war surreal, plötzlich drei Meter entfernt von Greg Dulli und Mark Lanegan zu sein (der Stage Club HH ist für vielleicht 500 Leute). Bei „Saturnalia“ mußte ich mich sozusagen erstmal durch Lanegan durchhören zu Dulli und die von ihm dominierten Songs, live erlebe ich das anders. Dulli ist leutseliger, quasi the life of the party. Lanegan ist komplett ainigmatikós. Schwer zu beschreiben, was für eine Faszination von dem ausgeht. Mit seinen entweder zugekniffenen oder seltsam unfokussierten Augen scheint er like a blind man, aber ihm entgeht nichts, nur ist nicht ganz klar, ob das, was ihm nicht entgeht, auch auf diesem Planeten stattfindet. Ein Techniker ist er auch nicht. Er schaffte es weder, das Lämpchen über seinem Textblattständer zu justieren, noch Dullis Mundharmonikahalter zurechtzuruckeln, der fiel nach Lanegans Versuch während des Songs dann Dulli völlig vom Hals. – Drei Stühle (ein zusätzlicher Gitarrist), Dulli wechselt bei einigen Songs von seiner Akustikgitarre ans Piano, Lanegan sitzt stoisch auf seinem Platz, wirkt keineswegs grimmig, beinahe aufgeräumt, aber unendlich verloren. Dulli bester Laune, ursympathisch, übernimmt die Interaktion mit dem Publikum, Lanegan lächelt zuweilen ein völlig seltsames Lächeln, man hat keine Ahnung, worüber, ansonsten ist er einfach konzentriert, nur seine tätowierten Hände ruhen nie, flirren die ganze Zeit den Takt aufs Bein. Also kurz, es war in etwa das intimste, aber zugleich eins der intensivsten Konzerte, das ich je sah. Setlist ging quer durch Afghan Whigs, Screaming Trees, Gutter Twins, versteht sich, daß die Songs von den Lanegan-Soloplatten mir am meisten Boden unter den Füßen wegzogen: „Creeping Coastline Of Lights“, „Resurrection Song“, „The River Rise“ und vor allem „One Hundred Days“.
09.05.2010
Wenn er sich zwischen den Songs bewegt: als ob er hinkt, einen Buckel hat und Zuckungen, blind ist und mindestens halbirr. Und dann ergreift er den Mikroständer, mit immer derselben Pose, er ergreift den Mikroständer und wird Gott. Die Stimme wird Gott, der zuviel gesehen und erlebt hat, und der doch, das ist die Ausgießung seiner Gnade, Bilder findet für die unzerstörbare Schönheit, an der er sich festhält, um nicht das ganze Universum mit sich zu reißen.
02.01.2011
Isobel Campbell / Mark Lanegan: Nuff said über den Zauber dieser Kollaboration. Live stellte sich wieder heraus, daß The Beauty manchmal etwas kauzig dasteht, während The Beast großzügig den Raum mit seiner inneren Schönheit flutet.
[2008 – 2011]
If I am frightened, then I can hide it
If I am crying, I’ll call it laughter
If I am haunted, I’ll call it my imaginary friend
If I am bleeding, I’ll call it wine
But if you leave me, then I am broken
And if I’m broken, then only death remains
If I am drifting, then I can fight it
If I am sinking, no one will know it
If I am blinded, I’ll have my voices still to guide me
If they yet fled away, I’d bless the silence
But if you leave me, then I am broken
And if I’m broken, then only death remains

Written by Cait O’Riordan
Elvis Costello, Mighty Like A Rose, 1991
017
Diskussion über „Sherlock – Ein Skandal in Belgravia“ im Blog Café de Flore, direkt nach der deutschen Erstausstrahlung. Mai 2012.

Catherine:
Endlich, endlich, es ist wieder Sherlock-Zeit! Der erste Teil der Series 2 von BBC’s Sherlock lief gestern abend im deutschen TV. Unzählige Male sah ich schon die ersten drei Teile und wartete sehnsüchtig auf die Fortsetzung. Nun also! Und was für ein Wiedereinstieg! Irene Adler, die einzige Frau, die es mit Sherlock’s mind aufnehmen kann. Sie umkreisen sich, sie kämpfen mit Wortspielen, mindtricks und Blicken. Am Ende siegt Sherlock, durchschaut ihren Bluff, sie habe ihr Interesse an ihm gespielt. „Sie konnten nicht widerstehen.“ I AM SHERLOCKED. Und der Code ist geknackt. Es bleibt eine Art Freundschaft? Whatever. Er rettet sie und das Handy verschwindet in der Schreibtischschublade, ganz wie in „A Scandal in Bohemia“, nur dass es dort ein Foto der Dame war. Diese in die Moderne übersetzten Gleichnisse aus den Originalgeschichten gelingen den Produzenten Gatiss und Moffat immer wieder ausgesprochen genial.
Auch wieder grandios: die vielen Einfälle zur Verschrobenheit der beiden colleagues and friends Sherlock Holmes and Dr. Watson. Sherlock verlässt die Wohnung nicht mehr für die einfachen Fälle. Wird folglich durch Dr. Watson vertreten, der am Tatort ein Notebook mit Webcam herumträgt, um Sherlock einen Überblick zu verschaffen. „Halten Sie mich höher, ich spreche nicht von unten mit ihm!“
Als dritte im Bunde auch diesmal wieder zu schön: Mrs. Hudson. „Daumen!!“ Im Kühlschrank.
Noch schöner – die Christmas Party! Hach, bunte Lichterketten in den Fenstern, verschneites London, Sherlock spielt Geige und zerstört die Stimmung, indem er Molly mal wieder bloßstellt. Am Ende des Abends stehen die beiden Brüder Holmes vor der Morgue. „Gefühle bringen keinen Vorteil.“ – „Frohe Weihnachten, Mycroft.“
Aber herrje, die Synchronisation! Schluckt eine Menge des british understatement, des Charmes, der Besonderheit dieser Serie. Und dennoch: so hochwertige Fernsehunterhaltung sieht man im deutschen Fernsehen sonst nie. Who cares for Tatort anymore!?
„Sie reden einfach weiter, wenn ich weg bin?“ – „Keine Ahnung, wie oft sind Sie denn weg?“
„Und wie oft genau ist er aus dem Fenster gefallen?“
Aaah, Irene Adler. The woman. „Wo ist sie?“ – „Wer?“ – „Na, die Frau! Die Frau Frau!“
Christian Erdmann:
Ah Dear. Ich wußte, wie Sie von Christmas & New Year in 221 B bezaubert sein würden. „Frohes neues Jahr, John.“ Das Fenster, die Atmosphäre, die Lichter, die Violine.
„Who cares for Tatort anymore?“ Well, wenn das nicht alles über Deutschland sagt: der unsägliche Pilawa hatte doppelt so viele Zuschauer, selbst eine Tatort-Wiederholung im Dritten hatte mehr Zuschauer als „Sherlock“. Man faßt es kaum mehr, weder, wie phantastisch diese Folge war, noch die bräsige Ignoranz dieses Volks, Folge langjähriger systematischer Verblödungsarbeit, auch die „Sherlock“-Synchro entgeht, soviel ist schon klar, ohne daß ich die Originalfassung von „A Scandal in Belgravia“ nun schon komplett gesehen hätte, diesem Den-Deutschen-bloß-nicht-überfordern-Verbindlichkeitsdreck nicht vollends, aber gut, bedecken wir diese Tatsache unter 243 verschiedenen Arten von Tabakasche.
Die Szene vor I AM *SHER*LOCKED, in der Sherlock Irenes Handgelenk nimmt und in ihr Ohr flüstert: „Nein. Weil ich Ihren Puls genommen habe… die Frequenz erhöht… die Pupillen erweitert“, ist das Erotischste, was ich seit langem sah.
Lara Pulver ist die perfekte Irene, dieser gleam in ihren Augen, making every move credible. Aber gerade die Sekunden, wenn sie John in der Battersea Power Station entgegengeht, beweisen, wie vollkommen diese Frau in dieser Rolle ist, diese attitude in diesen Sekunden, ihr Gang, ihr Blick.
Sherlock & Irene, die obsessive Faszination der beiden füreinander, so brilliantly done, das ist einfach nur atemberaubend. Alles an dieser Folge funkelte nur so. Man kann jede einzelne Minute nehmen und verfolgen, was alles darin untergebracht ist, so wie man staunend einen Ballon verfolgt, der immer höher fliegt. Die Szene, in der Sherlock die liebeskummerige Molly mit ihrem Weihnachtsgeschenk praktisch öffentlich hinrichtet, weil er sich als „high functioning“-Soziopath nicht kontrollieren kann, und dann der Moment, in dem er tatsächlich versteht, was er angerichtet hat, „Es tut mir leid. Verzeihen Sie mir. Frohe Weihnachten, Molly.“ So unerwartet und berührend, man muß als Cumberbitch in diesem Augenblick zerfließen, aber steht diese Szene nicht auch in unendlich komplexem Zusammenhang mit dem ganzen impact, den Irene Adler auf Sherlock hat, ist nicht auch sie ein mögliches Indiz dafür, daß dieser impact tatsächlich auch emotional ist und nicht „nur“ (Goodness sake!) Erotik als Machtspiel, Machtspiel als Erotik, die erregende Qualität der Intelligenz und die intelligente Art der Erregung? Daß er, Sherlock, vielleicht tatsächlich nicht nur deshalb in Karachi auftaucht, um Irene zu retten, weil sie – full circle – am Anfang auftauchte, um ihn zu retten?
Und tat SIE das nur, um das einzige Katz-und-Maus-Spiel mit einem Mann zu inszenieren, das diese High Class-Dominatrix faszinieren könnte? Ihn dabei für ihr Spiel zu instrumentalisieren? Schon die Art, wie sie am Anfang über Sherlocks Bild streicht, läßt anderes ahnen. Faszinierend, wie sich in diesem komplexen Geflecht an Motivationen und entsprechenden plot twists doch immer wieder playing the game zwischen Sherlock und der FrauFrau als eigentlicher plot bestätigt, und, wiederum, was unter playing the game verborgen ist.
Die Szenen, in denen man hintenüberfällt – ungezählt. Die Hommage an „Where it is always 1895“. Sherlocks Sockenordnung. „Er wird Gott überleben, nur damit er das letzte Wort haben kann.“ Runter von meinem Laken. Das erotische Stöhnen, das Irene auf Sherlocks Phone spielt, und das dann eben doch mehr als nur ein running gag ist.
„Hamish. John Hamish Watson. Nur, falls Ihr noch einen Babynamen sucht.“ :)

Catherine:
Absolutely yes. Nun ja, vergesse in der Aufregung immer, dass das, was im TV geboten wird, auch von Menschen gesehen wird. Also, das andere Zeug, das es meistens gibt. Aber Menschen wollen immer das, was ihnen vertraut ist und wenn es noch so schlecht ist. Umso erstaunlicher und erfreulicher, dass überhaupt Sherlock gezeigt wird. Downton Abbey hat es ja nicht mal in die Hauptkanäle geschafft, die zweite Staffel wurde dann gar nicht erst gekauft.
Aber zurück in die Baker Street. Yes, brilliantly done. Obsession, fascination, ja. Auch bei ihm. Was leicht entgeht: die Story zieht sich über Monate. Monate, in denen Dr. Watson und Mrs. Hudson sich heimlich über den ungewöhnlichen Zustand Sherlocks Sorgen machen. Ein weiteres Indiz für Ihre Vermutung, es sei mehr als nur „das“: Irene Adler flüchtet sich in die Baker Street, liegt in seinem Bett, sitzt in seinem dressing gown und mit gewaschenen Haaren in seinem Sessel. Würde dieser sociopath das zulassen, nur um einen interessanten Fall verfolgen zu können, als Teil des Spiels? Nein, jede/r andere wäre längst rausgeflogen oder teilte Mollys Leid.
Aber Mycroft oder das holmesianische Familiensystem setzt sich durch, als es darum geht, zu siegen. Das letzte Wort zu haben. Und nicht zuletzt: sie erwähnt Moriarty. Brillant hier eingeschoben, dass Moriarty auch hier wieder die Fäden zieht als consulting criminal. (By the way: im „Reichenbach Fall“ wird Ihnen übrigens die Luft komplett wegbleiben. Jede Minute ist dreimal so vollgepackt, jede kleinste Kleinigkeit zählt.) Man kann genau beobachten, wie Sherlock sich in dem Moment, als Irene Adler Moriarty erwähnt, die connection zu Ms. Adler durchtrennt, emotional disadvantages, – für den Moment -, um zu siegen.
Muß zugeben, dass mir manche Zusammenhänge immer noch nicht ganz klar sind. In manchen Szenen wird unfassbar schnell gesprochen. Benedict Cumberbatch spricht im Making of darüber, dass diese Szenen auch für ihn schwierig waren, so las ich heute. Und doch, sogar mit Synchro, didn’t get everything. Das Coventry-Dilemma. Warum ist überhaupt Moriarty involviert? SIE hat ihn konsultiert, ja, aber warum Mycroft? Und warum sollte die Maschine nicht fliegen? Hm. Brauche dringend die DVD. Oh, allein das Seufzen der Ms. Adler auf Sherlocks Handy. In der Synchro viel zu tief, viel zu albern. Im Original much lighter, mädchenhaft und vor allem glaubhaft. Und „Brainy ist the new sexy“ wurde zu „Grips ist sexy“. Ich bitte Sie! Wer verwendet heute das Wort „Grips“? Liegt doch seit den 80ern auf der linguistischen Müllhalde. Das „battle dress“ , das zum „Kampfanzug“ wurde. Naja.

Christian Erdmann:
„… als es darum geht, zu siegen. Das letzte Wort zu haben.“ Der Moment, in dem Sherlock die connection durchtrennt, – für den Moment -, um zu „siegen“. Gut, ja. Und ich las nun, daß Steven Moffat von feministischer Seite Kritik eingesteckt hat sowohl für Irene Adlers „defeat“ als auch dafür, sie schließlich nur zum „pawn of Moriarty“ zu machen. Und dann wieder dafür, daß Sherlock / masculine presence sie am Ende rettet (impliziert wohl: daß sie sich nicht selbst rettet). Also, diese Übellaunigkeit ergrimmt einen. Wenn da eine Frau ist, die an Intelligenz, List und Einfallsreichtum allen Männern außer einem :) überlegen ist, wird all das also praktisch zunichtegemacht, annihiliert, weil dieser eine Holmes ist? Also bitte. Das ist logisch nicht haltbar, mathematisch nicht haltbar, sherlockologisch nicht haltbar.
Das Schöne an Irene Adlers Blick am Ende ist, daß man in ihn auch hineinlesen kann: sie wußte, daß Sherlock zu ihrer Rettung eilen würde. Was die „Niederlage“ auch wieder relativiert, oder besser: letztlich spielen Sherlock und Irene einfach ihr eigenes Spiel, retten es am Ende gewissermaßen selbst noch vor allen anderen Plot-Verwicklungen, und sogar vor der „Sieg / Niederlage“-Idee.
„Warum ist überhaupt Moriarty involviert?“ Also, wenn Irene, wie gesagt, vorhat, das einzige Katz-und-Maus-Spiel mit einem Mann zu inszenieren, das sie faszinieren könnte (weil Holmes der einzige Mann ist, der sie wirklich fasziniert), dann muß sie Sherlock vor Moriarty retten. Offensichtlich hat sie Sherlock seit längerem im Visier, und nun muß sie sehr dringend einschreiten. Und Moriarty etwas anbieten, das wiederum diesen genug faszinieren könnte, um ihn davon abzuhalten, Sherlock in diesem Moment tatsächlich aus dem Weg zu räumen („Ich kann nicht zulassen, daß Sie weitermachen“). („Stayin‘ Alive“ als ring tone auf Moriartys Phone in diesem Moment – so bescheuert obvious, daß es schon wieder klasse war).
Ausschließen kann man wohl, daß schon diese Szene von Moriarty und Irene fingiert war, Moriarty scheint ehrlich überrascht von dem Anruf, sein „Natürlich, wer sonst!“ läßt auf etwas wie „Ist dort…“ am anderen Phone schließen. Insofern verstehe ich auch den „pawn of Moriarty“-Gedanken nicht. Irene eröffnet, weil sie Moriarty in diesem Moment von seiner Beute abbringen muß (SIE! will mit Sherlock spielen!), und geht wahrscheinlich davon aus, ihn auch weiter in Schach halten zu können. Die Royal Family und die Geheimnisse des Verteidigungsministeriums sind ihr vollkommen gleichgültig. Sie will Sherlock, und es bietet sich ihr die Gelegenheit, an Sherlock heranzukommen, indem sie den born villain Moriarty von der Möglichkeit in Kenntnis setzt, eine Regierung über den Haufen zu werfen.
Das bedeutet natürlich, wenn sie nicht zu „Schuhen“ verarbeitet werden will, daß sie weiterhin irgendwie mit Moriarty zusammenarbeiten muß, ihn sich aber auch von den High Heels zu halten gewillt ist. Er ist, wie alles andere, nur Peripherie in ihrem Spiel mit Sherlock.
Die kompromittierenden Fotos, die sie von sich und dem jungen weiblichen Mitglied der Royal Family hat (sehr schön Mycroft: „Eine phantasievolle Palette, hat man uns versichert.“), beschreibt Irene ja immer nur als Versicherung, das Eigentliche ist dieser Plan der englischen und US-Geheimdienste, von dem Irene weiß, weil ein Regierungsmitglied bei ihr geplaudert hat. Terroristen planen, ein Passagierflugzeug in die Luft zu sprengen, und die Geheimdienste wissen davon. An einem bestimmten Punkt (als er im Auto zum Flugzeug gebracht wird) interpretiert Sherlock „Coventry“ als: sie wußten es, aber sie haben es zugelassen. Tatsächlich plant Mycroft aber eben, das ganze Flugzeug auszutauschen, um die Terroristen zu täuschen, und dieses Flugzeug mit den Toten abstürzen zu lassen. (Die Szene, als Holmes dieses Flugzeug betritt, ist schon sehr eerie!). Aber das Projekt wird gestoppt, „die Terroristen haben erfahren, daß wir von der Bombe wissen“, Sherlock hat Irene und daher Moriarty zu dem Code verholfen (die airline seat numbers). Irene erscheint im Flugzeug und hält Mycroft das Phone vor die Nase, „das Ihre ganze Welt zum Einsturz bringen könnte“, übergibt ihm die Liste ihrer Forderungen, um dafür im Austausch die Informationen auf ihrem Phone herauszugeben. Und dann eben der Moment, in dem Sherlock sie damit konfrontiert, daß sie lügt, wenn sie sagt: „Sie denken doch nicht wirklich, daß ich an Ihnen interessiert war“. Genau der Moment, in dem ihm auch der Code klar wird: I AM SHERLOCKED. – Bei mir Mattscheibe: warum Mycroft zu Sherlock sagt (im Flugzeug): und ICH habe dich in ihren (Irenes) Bannkreis gebracht.
Ich LIEBE diese Szene, Schnitt – Gegenschnitt, Irene betrachtet die Photos von Sherlock im Bettlaken auf ihrem Smartphone, Sherlock betrachtet die Photos, die Mycroft ihm im Buckingham Palast reicht, die Bilder von THE WOMAN, die Domina auf ihrer Website – beide ultimately sexy, und doch – obwohl Sherlock ja nachweislich no stranger to Reitpeitschen ist – ahnen wir hinter dem faszinierten Blick auf das, was zu sehen ist, die Faszination an den Sphären, in die sie einander führen können.
Verstehe auch nicht, wie man darauf kommen kann, zu argumentieren, es sei enttäuschend, daß Irene nudity einsetze. So vom feministischen Standpunkt aus enttäuschend. Sie tut es souverän und dominant, sie setzt sich einfach – mit ihm zusammen! – komplett über diese albernen Ideen von „Frau als Objekt“ hinweg, sie zieht ihn in diese wunderbare Dialektik – ihn damit zu faszinieren, daß sie ihm überlegen ist. Sie „setzt Nacktheit ein“ gerade, um ihm zu zeigen, daß sie ihm NICHTS zeigt (ihm, der aus jedem Detail von Kleidung wie rasend Deduktionen aneinanderreiht) – außer dem Code für ihren Safe (ihre Maße). Die Dialektik, sich ihm überlegen zu zeigen und ihm gleichzeitig die Gelegenheit zu geben, seine Überlegenheit über ihre Überlegenheit zu demonstrieren.
Phantastische Idee auch, Irene und Sherlock „zusammen“ in die Szenerie mit der Bumerang-Geschichte zu versetzen, sie „zusammen“ die Geschichte aufklären zu lassen, von der ich jetzt öfter gelesen habe, sie habe keine Bedeutung für den Plot, die aber eben ganz zentral ist für den Plot, wenn der Plot eben die entfesselte Dialektik dieser obsessiven Faszination der beiden füreinander ist.
Schön auch der Blick, den sie teilen, der als kaum merklich inszeniert ist, vor ihrem Safe sieht er im Augenwinkel, wie sie ihn mit einer Kopfbewegung warnt.
Göttlich, wie Mycroft Mrs Hudson anfährt, und beide, Sherlock und John, mit ihrem „Mycroft! Oi!“ den großen Bruder veritabel erschrecken.
Wie John seiner Freundin anbietet, ihre Hunde auszuführen, und es waren die Hunde der letzten Freundin. Wie diese Szene Irene bestätigt: Oh doch, ihr seid ein Paar.
Anyway, Moffat ist fortan mein top hero, für die Selbstverständlichkeit, mit der er in Irene Adler Ultra-Attraktivität und Ultra-Intelligenz zusammenbringt. Würde sich in D keiner trauen, so eine Frauenfigur, und die Art, wie sie schon wieder zugequatscht wird, ist eben Teil des Problems und nicht der Lösung.
Bin vorbereitet darauf, daß mir bei Reichenbach komplett die Luft wegbleibt, aber nach diesem Spiel zwischen Cumberbatch und Lara Pulver ist eh nicht mehr viel übrig. :)

Catherine:
Thank you so much für the enlightenment! Habe nun noch einmal mit neuen Augen geschaut, mit Ihren wunderbaren Erklärungen und neuer Aufmerksamkeit.
„Und ich habe dich in ihren Bannkreis gebracht.“ Weil Mycroft Sherlock mit dem Irene Adler / königliches Familienmitglied – Problem von der Coventry Geschichte ablenken wollte. „Es war vor deinen Augen.“ Die Kinder, die ihren Opa nicht noch mal sehen durften und der Mann mit der Urne, in der keine menschliche Asche war. Sherlock reagiert darauf nicht, aber es ist gefährlich nah an ihm dran, deshalb muß Mycroft sich was überlegen, um seinen Bruder zu beschäftigen, solange das Coventry Dilemma nicht ausgestanden ist. Allerdings war es wiederum sein Fehler, im Beisein Sherlocks am Telefon „Bond Air hat grünes Licht“ zu sagen. Sherlock spricht ihn darauf auch an, Irene Adler wisse noch viel mehr, als ihm bekannt sei und es ginge noch um andere, viel größere Dinge hinter all dem. Mycroft schweigt.
Und dann macht Sherlock den Fehler, auf Moriartys Plan reinzufallen, dass Irenes Wiederauftauchen ihn dazu bringt, ihr den Code zu knacken. Somit schließt sich der Kreis. Hätte Mycroft nicht Sherlock auf Irene Adler angesetzt, hätte sie ihn zwar trotzdem gefunden, aber er wäre nicht der Initiator gewesen. Denn Mycroft hat nicht damit gerechnet, dass Irene Adler mit der Coventry Geschichte in Berührung kommen könnte, da er die Verbindung zu Moriarty nicht kannte. Also hat Mycroft indirekt durch die Vergabe des Falls Irene Adler / Königshaus an Sherlock dafür gesorgt, dass die Terroristen vom Vorhaben der Regierung, den „Flug der Toten“ zu starten, erfahren.
Vermute, dass Moriarty von vornherein alles genau so geplant hat, weil ja schon vor und während des Palastbesuchs Fotos von Sherlock gemacht werden, die Irene postwendend erhält. Bin ich eigentlich die einzige, die die Anspielungen auf die junge, weibliche Person aus der allerhöchsten Familie mit Kate Middleton assoziiert? Vermutlich darf man sowas nicht zu laut denken. :)
Oh ja, die Parallelszenen sind großartig! Beide betrachten die Bilder des anderen, beide „kostümieren“ sich für die erste Begegnung (Gatiss/Moffat haben sich viel mehr am Original orientiert, als mir zunächst aufgefallen war. Zu sehen auch in der Verkleidungsszene, Sherlock als Pfarrer, eine schöne Reminiszenz an die Vorlage.) Beide haben Assistenten zur Seite. Auch die Szene während Sherlocks drugged sleep, genial, wenn Traum und Wirklichkeit ineinander fließen und er noch im Halbschlaf mitkriegt, dass sie da war und dann seinen Mantel an der Tür hängen sieht auf der Suche nach der Ursache für das unbekannte Geräusch, welches sein Handy von nun an von sich gibt.
Aber diesmal fiel mir deutlicher auf, dass Sherlock fast durchgehend misstrauisch bleibt. Er beobachtet genau, er überlässt sich eventuellen Gefühlen nicht, sondern nimmt ihre Maße auf den Inch wahr, nimmt ihren Puls, nutzt ihre gespielte oder eben nicht gespielte Annäherung jeweils für präzise Beobachtung. Auf Watsons „Hamish! … falls ihr noch einen Babynamen sucht.“ folgt ein komplett irritierter und entsetzter Blick. (Benedict Cumberbatch wird ebenso mit jeder Folge präziser und brillanter in Mimik und Gestik, I say!). Während der Zeit, als er denkt, sie sei tot, interessiert ihn ausschließlich, das Handy zu knacken. Sherlocks Obsession bleibt gedeckelt. Sie setzt Nudity ein, ja, aber sie bleibt Objekt in seinen Augen. Er ist auch Narzisst, nicht nur Soziopath, wie die Kommentare zu Watsons Blog sehr deutlich machen. Frauen sind für ihn Objekte, wie Molly, so zunächst auch Irene Adler. Erst als es nicht im geringsten langweilige Rätsel zu lösen gibt, wird es für ihn interessant und dann führt die Bewunderung, die er für Irenes scharfen Verstand empfindet, zu anderer Sichtweise in Bezug auf Frauen, siehe Molly again.
Dazu schrieb Conan Doyle in „Ein Skandal in Böhmen“: „Für Sherlock Holmes ist sie immer noch die Frau. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er sie jemals unter einem anderen Namen erwähnt hätte. In seinen Augen überflügelt und überragt sie ihr ganzes Geschlecht. Es war aber nicht so, dass er so etwas wie Liebe für Irene Adler empfunden hätte. Alle Gefühlsregungen und insbesondere die der Liebe verabscheute sein kalter, analytischer, aber bewundernswert ausgewogener Verstand. (…) Für einen geschulten Denker wie Holmes bedeutete das Eindringen von Gefühlen in sein eigenes kompliziertes, letztendlich hochempfindliches Wesen einen Störfaktor, der möglicherweise Zweifel an seinen logischen Schlüssen aufkommen lassen konnte. (…) Und doch gab es nur eine Frau für ihn, und das war die verstorbene Irene Adler, obwohl die Erinnerung zwiespältiger Natur ist.“
Zwiespältiger Natur, weil sie ihn verraten hat und das darf man bei Narzissten nicht unterschätzen. Trotzdem hat er begonnen sie zu respektieren und zu bewundern. Zwiespältigkeit lässt beide Stränge zu. Er rettet sie aus Respekt, Verehrung und Loyalität. Und weil er damit letztlich seinem Bruder wieder einen Schritt voraus ist, ebenso den Terroristen und nicht zuletzt Moriarty.
Nein, natürlich ist nichts haltbar, was diese feministischen Kritiken angeht. Es ist evolutionär gegeben, dass Männer und Frauen voneinander abhängen und es besteht dabei nun mal keine Gleichheit. Es ist großer Unsinn, von einer Frau zu verlangen, neben Frau auch noch Mann zu sein. Wenn Irene Adler nicht als Frau agieren und einen mächtigeren oder sagen wir schlaueren Mann suchen, herausfordern und bewundern würde (ob nun Moriarty oder Sherlock), wäre grundsätzlich was komplett abhanden gekommen, nämlich die dringend erforderlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau, die dann ja auch überhaupt erst zur Faszination führen. SIE bewundert IHN wegen seines schnellen, scharfen Verstands und weil er in der Lage ist, sie zu retten. ER bewundert SIE, weil sie ihre Attraktivität einsetzt (nudity), um seine Kategorisierung zu umgehen, ein Rätsel zu sein, und er fühlt sich ihr verbunden und bestätigt als Mann, weil er etwas für sie tun kann, nämlich sie zu retten.
Oh, like you said it, ein großes Problem: nicht nur die Ultra-Attraktivität und Ultra-Intelligenz der Frau, sondern auch des Protagonisten. Dazu die Vielschichtigkeit der Story und das hohe Tempo. Alles sehr undeutsch.
Ja, großartig, dass die beiden Mycroft gegenüber Mrs. Hudson in Schutz nehmen, nur um sie dann selbst anzufahren, die Klappe zu halten. Und wie sie dann am Weihnachtsabend zu Molly sagt, dies sei der einzige Abend im Jahr, an dem die Jungs nett zu ihr sein müssen.
„Was tun wir hier eigentlich, Sherlock, was? Treffen wir die Queen?“ Mycroft tritt auf. „Oh, offenbar ja.“ :)

Christian Erdmann:
Vermute, die Kate-Middleton-Assoziation dürfte jedem gekommen sein, der „Britishness“ so schätzt, daß er dem „Scandal in Belgravia“ entgegenfieberte, ich stelle mir nur vor, daß Kate selbst gar nicht unbedingt etwas dagegen hat, in fiktive Szenen mit Irene Adler verwickelt zu werden. :) Im übrigen ist der Name von Irenes Gespielin ja auch Kate!
Der Satz von Mycroft – Sherlock hat den Code der email entschlüsselt, Irene sendet den Code heimlich zu Moriarty, der wiederum diesen schadenfrohen, hämischen Text an Mycroft sendet. Irgendwie hatte ich daraus geschlossen, Mycroft müsse eigentlich in dem Moment, als er diesen Satz sagt, schon mehr klar sein als das, was „Und ich habe dich in ihren Bannkreis gebracht“ aussagt; daß er, als Irene Adler im Flugzeug auftaucht, wissen müßte, daß ein Plot im Gange war, der dem von ihm im Buckingham-Palast Initiierten voraus war.
Vielleicht, das weiß ich ja nun noch nicht, geben die zwei weiteren Folgen noch clues dazu, aber für mein Empfinden geht Irene tatsächlich so vor, wie sie es Sherlock bzw. Mycroft gegenüber am Ende formuliert: daß Moriarty für sie ein consultant war; der dann zwar with glee zugreift, daß sie aber bei dem für sie Wichtigen unabhängig von ihm agiert. Schickt Moriarty ihr die Fotos von Sherlock im Bettlaken? „Ich schicke Ihnen einen Leckerbissen“ kann von Moriarty sein, muß aber nicht. Ich denke vielmehr, Irene hat ihr eigenes Netzwerk. Because, wir sehen, zu Beginn, daß Irene Moriarty kontaktiert, während Her Naughty Royal Highness noch gefesselt daliegt. Right during a session. Wenn Irene nur vorhat, Moriarty mit ihrem Material zu kontaktieren, könnte sie ja das Ende der Session durchaus noch abwarten. So aber wäre meine Interpretation, daß sie eine dringende Mitteilung bekommen hat, wegen Sherlock in distress, eben von ihrem eigenen Überwachungssystem. Wie gesagt, sie hat Sherlock im Visier, und nun muß sie sehr dringend einschreiten. Und dafür die interessante Stunde mit der Prinzessin unterbrechen, die Peitsche noch in der anderen Hand, und Moriarty jetzt anbeißen lassen. Nur so wird auch die Rettung, die Sherlock dann am Ende erwidert, nicht zum bloßen Zufall. Aber sagen Sie mir, wenn da irgendwo ein Fehler drinsteckt!
Ja, Sie beschreiben das sehr schön, daß Sherlock sich eventuellen Gefühlen nicht überläßt. Aber wir können nicht in ihn hineinsehen. :) Wir wissen nicht, ob ihn wirklich nur das Phone interessiert, in der Zeit, als er Irene tot wähnt. Natürlich ist es main concern des Sherlock-Geistes, aber es ist wohl auch ein Fetisch. Der Fetisch, den er auch am Ende an sich nimmt. Mycroft faßt im Flugzeug Sherlocks Geschichte mit Irene ja mit „Das Versprechen von Liebe, der Schmerz des Verlustes“ etc. zusammen, zugleich ironisch und nicht ironisch. „Liebe“ wäre natürlich das falsche Wort, darum „obsessive Faszination“ etc. Aber die ist reziprok, und, in a way, alles andere ausschließend. Mag sein, daß Frauen für Sherlock grundsätzlich „Objekte“ sind, aber auch nicht mehr als alles andere bzw. jeder andere, abgesehen von John Watson, Mrs. Hudson und Mycroft. Aber Irene ist anders, unvorstellbar anders. :) Sie ist, in a way, the perfect match. Weil sie nicht nur die exzeptionellen Vorzüge Sherlocks teilt bzw. von ihnen erregt wird; auch, weil sie sich in derselben, sagen wir ruhig, Einsamkeit auskennen. Sie erkennen sich. „Die Gleichen erkennen sich im Feindesland“. Sein Mangel an Empathie, Pendant dazu bei Irene etwa ihre Bemerkung, als Kate bewußtlos ist („Daran ist sie weiß Gott gewöhnt.“). Die ruthlessness. Aber was so wunderbar ist an Lara Pulver, so genial an der Besetzung: wie sie vermag, auch Verletzlichkeit auszustrahlen.
Einfach ein Geniestreich ohnehin, aus Irene Adler eine Domina zu machen. Lust an der Macht und Lust an Inszenierung. Sherlock ist ja der klassische Apolliniker. Für den Apolliniker ist die Frau am attraktivsten, wenn sie sich völlig selbst kontrolliert – aber auch am gefährlichsten. Und Moffat / Gatiss hatten den Mut, aus Irene Adler die ideale Dominatrix zu machen. Camille Paglia schrieb einmal: Konversation mit einer Dominatrix ist wie ein Mikado-Spiel mit Rasiermessern. Sherlock darf genau diese Erfahrung machen. :)
Die Femme fatale ist ja deshalb fatal, weil sie die apollinische Verobjektivierung, Verbildlichung und Vergegenständlichung untergräbt – aber seltsamerweise auch gerade deshalb für einen Hyperapolliniker wie Sherlock so attraktiv wird, eben weil sie die Macht hat, das alles zu übersteigen. Irene ist DIE FRAU, weil sie den Distanzierungsprozeß des Apollinikers in eine Art Obsession umwandeln kann. Und Irene als Domina ist eben deshalb so ideal, weil keine Figur schlagender (oh what a pun) die Überlegenheit, mit der sie wiederum selbst den apollinischen Genuß an dieser Obsession genießt, verkörpert.
Sherlock und Irene spielen ein intellektuell-erotisches S/M-Spiel (und gewiß genießt er es am Ende, ihr „Erwarten Sie, daß ich um Gnade flehe?“ mit „Ja“ zu beantworten), aber beide geben dabei auf eine Weise, die zumindest strukturell mit Liebe vergleichbar ist, einander das Gefühl, absolut einzigartig zu sein für den anderen. Eine so phantastisch komplexe Beziehung! Wie sie ihn anschaut, als er S-H-E-R ins Phone zu geben im Begriff steht, und sie weiß! es, daß er es jetzt weiß, so voller Angst und zugleich voller Bewunderung, einfach überwältigend.
„Der einzige Abend im Jahr, an dem die Jungs nett zu mir sein müssen.“ – ha, diese Mrs Hudson hat es in sich. Ja, auch wenn Sherlock ihr dann selbst sagt, „Besser Sie halten wirklich die Klappe“ (schließlich hatte Mrs Hudson auch gerade einen wunden Punkt berührt – Familie!) – fest steht, wer sich mit Mrs Hudson anlegt, fliegt ungeklärte Male aus dem Fenster. Der CIA-Mann fliegt da hinten übrigens dermaßen da hinten vorbei, daß ich an diesen Monty Python-Sketch dachte. „Fine, fine. Fine.“
Schön auch, wie im Palast the priceless giggle in ein unvergleichliches Lachen bei BC übergeht. Genial natürlich auch das komplexe Bruderverhältnis, sehr bewegend die „Fragst du dich je, ob mit uns etwas nicht stimmt?“-Szene, einfach großartig, wie Cumberbatch und Gatiss diese belastete Geschichte in jeder Szene präsent sein lassen. Ach, alles genial.
Catherine:
„Wilkins!“ „Robertson!“ „Wilkins!“ „Robertson!“ „THAT was Wilkins!“ „That was Wilkins.“ Hach, young John Cleese! Gorgeous! :)
Ah, I see! Vermutlich sind wir im Grunde wieder mal ähnlicher Meinung, nur anders. Obsessive Faszination bei Irene Adler, ja. ER ist unvorstellbar anders. :) But you got me by that pool scene. Hatte das noch nicht, dass Irene in diesem Moment anruft. („Stayin‘ Alive“ > wait for Reichenbach.) Aber, yes, sie rettet ihn, fantastisch beobachtet, dass sie ihren „Job“ unterbricht, weil die Nachricht von Sherlock in Gefahr sie alarmiert. Aber am Ende sagt sie auch, Moriarty habe ihr gesagt, wie man die Holmes-Brüder am besten manipuliert. Warum dann beide? Weil es auch um ihre Rettung, ihren Schutz geht?
Nein, hineinsehen können wir nicht, aber wir können beobachten und unsere Schlüsse ziehen. :) Deshalb zitierte ich den Originaltext: „… bewundernswert ausgewogener Verstand“. Zunächst ist er tatsächlich verstört, sein Unterbewusstsein reagiert mit eben dieser dionysischen Obsession, die Sie meinen, wie die Traumsequenz zeigt. Er kennt diese Gefühle bis dahin nicht am eigenen Leib („Sex beunruhigt mich nicht.“ – „Woher willst du das wissen?“), er ist quasi asexuell und auch, wie wir wissen, antisozial, wenn es sein muss. (Übrigens auch falsch übersetzt, als er das Smartphone röntgt und Molly sagt, Menschen tun verrückte Dinge aus Liebe oder so ähnlich. Er sagt dann in der Synchro sowas wie „Tun wir das? Ja, das tun wir, nicht!?“ Aber im Original sagt er „Do THEY? Yes, THEY do!“ Er sieht sich davon nicht betroffen.) Er erinnert sich im Traum auch, dass Moriarty geschworen hat, „to burn the heart out of you“. Und er sagt, er habe die Chemie der Liebe analysiert, sie sei ebenso simpel wie sinnlos. Und das bewundere ich wiederum an Gatiss und Moffat, dass sie genau diese Klarheit bewahren, dass Sherlock sich nicht auf die körperliche Sinnlichkeit der Irene Adler einlässt. JEDE andere Filmproduktion wäre aufs Dionysische verfallen, hätte eine sexuelle Affäre erzwungen, wo sie nicht hingehört. Genau das, dass die beiden auf geistiger Ebene einen intellektuellen Machtkampf oder meinetwegen auch eine Art S/M-Spiel spielen, bis es eben ausgestanden ist, macht alles glaubhafter. Und ja, Lara Pulver spielt unverschämt gut.
Die Irritation, die Sherlock am Anfang durch sie erlebt, ärgert ihn, ja, das Rauschhafte, Sinnliche, das sie in ihn legt, ist ihm fremd und unwillkommen, aber er kann sich (noch) nicht dagegen wehren. Auch weil er glaubt, dass sie tot ist. Ein unglaublich cleverer Schachzug, übrigens. Als er dann in der Battersea Power Station erkennt, dass sie lebt, und die SMS bei ihm ankommt, er entdeckt ist, dreht er sich um und geht. Warum? Ein weiteres Mal fällt er auf sie rein, weil er nicht damit rechnet, dass der Code, den er für sie knackt, nur kurze Zeit später in den falschen Händen landet. Er hasst es, zu verlieren. Dass sie ihn rettet, dass sie ihm geistig und in der Gerissenheit ebenbürtig ist und er Bewunderung und Faszination empfindet, einerseits, dass er sich auf eine Obsession, die ihn als high functioning sociopath, als Hyperapolliniker stört, nicht einlässt, andererseits. Zwiespältig. Ja, ein Machtspiel, und alles ist immer erotisch motiviert, das Begehren ist das, was vorantreibt. Er spielt mit, bis es eben vorbei ist und die Erinnerung, die Ehrerweisung an DIE Frau in der Schreibtischschublade verschwindet. Und so ist es richtig, denn er hat sich – ganz apollinisch – dem Aufklären von Verbrechen verschrieben. :)
Was offen bleibt: was machte Irene in Karachi?
Möchte schon jetzt darauf hinweisen, dass im Reichenbach-Fall Katherine Parkinson auftritt. Für mich als Psychobritin ein weiteres Highlight, für das ich Gatiss und Moffat gern mal die Hände schütteln würde. Katherine Parkinson spielte die „Jen“ in der „IT-Crowd“ und ist eine der besten Schauspielerinnen, die das englische Fernsehen derzeit vorweisen kann, und das kann ich sagen, ohne überhaupt mehr als drei oder vier derzeitige britische Fernsehschauspielerinnen zu kennen. :) Natürlich kann sie es nicht mit Lara Pulver aufnehmen, aber sie ist dennoch ganz wunderbar „fitting“ oder so.

Christian Erdmann:
Denke, das haben Sie jetzt unübertrefflich zusammengefaßt. Auch darum, wenn ich das noch hinzufügen darf, ist die Idee so phantastisch, aus Irene eine Domina zu machen, weil es die herkömmliche „sexuelle Affäre“ nach mainstream-Muster im Grunde schon ausschließt. Irene ist, als Dominatrix, mittels stilisierter Erotik, ohnehin Expertin darin, Begehren – eben dadurch, daß sie es zum Innehalten zwingt – zu höherer Bewußtheit zu schärfen. Und sie genießt das Kenntlichwerden des männlichen Eros als begehrendes Streben, über das sie Macht hat. Es ist einfach logisch, daß sie auf mehreren Ebenen Sherlock als einzige echte Herausforderung betrachtet. :)
Ich finde es faszinierend zu sehen, wie diese beiden Menschen sich verstehen, fast wie Spiegel füreinander sind, aber auch wissen, daß sie sich gegenseitig zerreißen würden – Irene sagt am Ende etwas wie „Sie haben recht, es würde nicht einmal sechs Monate dauern“ – ich war zuerst nicht sicher, was sie meint – bis man sie erwischt? Nein, ich glaube, sie meint genau dieses Wissen, wie sie sich gegenseitig zerstören würden, in diesem – hocherotischen – Machtspiel. Ich denke, daß beide in diesem Moment, da sie es erkennen, traurig sind. Irenes Verzweiflung in diesem Moment ist echt und sichtbar, Sherlock kennt keinen anderen Weg als: den bitteren Triumph durchzuspielen mit fast grimmiger Verzweiflung. Und dann zu gehen. Wie er auch vor Watson, als dieser einmal durch den Türspalt fragt „Alles in Ordnung?“, einfach die Tür zuknallt. Es ist der Moment, in dem er vermuten muß, daß Irene tot ist.
Ich dachte einmal sogar, vielleicht ist der Grimm dieses Sherlock, des Cumberbatch-Sherlock, auf seinen Bruder eben auch darin begründet: einerseits kann Sherlock es nicht einmal im Ansatz ertragen, in irgendeiner Form – auch intellektuell – der „kleine“ Bruder zu sein (die Szene im Palast, als Mycroft Tee eingießt!), in irgendeiner Form unterlegen. Sherlock ist Sherlock aus 27 Gründen, aber auch nur als brilliant superbrain hat er ein Mittel gegen die ironisch lächelnde Herablassung Mycrofts – even if Mycroft really cares for his brother. Aber er zahlt einen Preis dafür, und die Begegnung mit Irene wirft Schlaglicht auf das Defizit. So daß, andererseits, Sherlock seinem Bruder wenigstens für Momente eigentlich etwas anderes übelnimmt, jedenfalls schwingt es für mich in der „Fragst du dich je, ob mit uns etwas nicht stimmt“-Szene mit. Ja, er hat sich – ganz apollinisch – dem verschrieben, was er tut, es ist seine Leidenschaft. Aber in der Szene deutet sich etwas an wie Bedauern, Vorwurf an Mycroft, etwas wie: you made me like this, weil ich deine Anerkennung wollte, und das wird verstärkt durch Mycrofts Antwort, die Sherlock daran erinnert! (das Mitschwingen einer langen Geschichte, like I said), daß Gefühle und Empathie nur hinderlich sind.
Ah, dankeschön für den Hinweis auf das Original bei „Do THEY? Yes, THEY do!“ – spricht Molly nicht überhaupt nur von Frauen da? Was Sherlock dann auf eine Idee bringt beim Smartphone-Code? Mit „221B“ ist er ja schon fast auf der richtigen Spur, in dem Sinne jedenfalls, daß der Code direkt auf ihn bezogen ist.
Habe auch erst beim zweiten Sehen einige Sätze verstanden, bei denen die Synchro versagen muß, z.B. die „Bauchnabelbehandlung“ – wohl „navel treatment“ im Original? – Verweis auf „The Naval Treaty“ *stirnklatsch*, bleibt natürlich im Deutschen komplett im luftleeren Raum.
Nochmal zu Irenes eigenem Netzwerk, John wird ja von dieser Frau abgeholt, die dann in der Battersea Power Station Irene mitteilt, daß John kommt. Und daß John davon ausgeht, Mycroft zu treffen. Diese Frau ist nicht Kate. Und John hielt sie vor 221B, nach kurzem Zweifel, für die Frau, die ihn schon einmal zu Mycroft brachte (Staffel 1). Vielleicht hat sie die Photos von Sherlock gemacht, jedenfalls: großes Netzwerk. :)
Was machte Irene in Karachi? Also, das Fake-Flugzeug fliegt nicht, aber die reguläre Maschine ist sicher auch nicht gestartet. Also dürften die Terroristen sehr übellaunig gewesen sein. Moriarty ist skrupellos genug, denen zu vermitteln: diese Frau hat eure Pläne durchkreuzt. Also wird Irene aufgespürt (vielleicht mit Moriartys Unterstützung) und nach Pakistan verschleppt. So ungefähr? :)
Oh, Jen! „It’s the internet, Jen.“-Jen. Sehr schön, ja! Aber daß es niemand, nie mehr, mit Lara Pulver aufnehmen kann, haben Sie auch unübertrefflich zusammengefaßt. So sagten Sie doch? :)
Catherine:
Yes, „The Naval Treaty“. Und es gibt noch einige „links“ zu Originalgeschichten. Hatte mich gefragt, warum Sherlock beim Öffnen des Safes (und nach Irenes angedeutetem Hinweis) „Vatikanische Kameen“ ruft. Soll aus einer der ungeschriebenen Geschichten sein, die am Anfang von Baskerville im Original erwähnt werden. Und, wie ich jetzt im Booklet zur DVD las: Moffat schätzt den „Das Privatleben des Sherlock Holmes“-Film. Die Nacktszene zum Beispiel findet hier ihren Ursprung. Ebenso die „Hinrichtung“ der FRAU am Ende.
Ihr eigenes Netzwerk – ja, da haben Sie natürlich Recht! Und da sie exakt den Stil der Mycroft’schen Entführungen inklusive Anthea und des dunklen großen Autos kopiert, müsste sie Holmes und Watson auch schon viel länger beobachtet haben, als sie Moriarty kontaktiert hat, nicht!?
Ja, da haben Sie die Dynamik zwischen Mycroft und Sherlock sehr interessant beleuchtet! Und umso eindrucksvoller für den Fortgang der Geschichte, dass das System „Familie“, das Sich-Behaupten gegen den Bruder und das Ausbügeln seines begangenen Fehlers sich für Sherlock über die Obsession für DIE Frau erheben muss.
Christian Erdmann:
Genau, Irene kopiert den Stil der Mycroft’schen Entführungen nach langer Beobachtung, genau!! :)
Wir müssen feststellen, die „Vatican Cameos“ sind in ihrer eigenen Szene nur noch von sekundärem Interesse gegenüber dem Cumberbum. :) Irgendwo in der Mitte der Kommentare: „To be fair, that arse could stop the London traffic, so it’s hardly surprising that everyones eyes would be glued to it when shown in slow-motion.“
Ich verstehe, daß unter diesen Voraussetzungen, soweit ich das sehen kann, nur noch ein einziger Kommentar darauf abhebt, daß Irene hier Sherlock mit ihrem Blick-zu-Boden warnt, und ihn damit schon zum zweiten Mal rettet. So daß er die Balance diesbezüglich wiederherstellt, indem er sie in Karachi rettet. Ich möchte ja denken, daß er am Ende nicht Irenes emotional glitch verachtet hat, sondern es ihr übelnimmt („Sie konnten einfach nicht widerstehen, oder?!“), daß dieser glitch das einzigartige, elektrisierende, erotische Spiel der beiden beenden mußte. :)
Für das die feministische Kritik an dieser Folge ja offensichtlich stockblind ist. Bei sowas habe ich immer das Gefühl, mir wachsen Haare auf der Hand, und den nächsten Vollmond erlebe ich als Werwolf. Sehen die KritikerInnen wenigstens, wer smarter ist, ausgebildete CIA-Killer oder Mrs Hudson? :)
Ich lebe ja als Verfügbarkeitsverweigerer ohne Handy, aber die Vermutung, daß es Irene Adlers erotisches Stöhnen längst als ringtone gibt, könnte mich verleiten, bei irgendeinem Euro 2012-Gewinnspiel ein Smartphone gewinnen zu wollen. Da dies ja die beste aller möglichen Welten ist, gibt es sicher auch eine „Irene Adler Text Messages“-App.
Irene kann fühlen, ob es echt ist. :)
„Ich hatte auch schon Tee im Palast, falls es jemanden interessiert.“ John und Irene, gebannt von demselben Mann: einfach großartig in dieser Folge auch, wie Johns Kampf, Sherlocks Fixpunkt zu bleiben, sein Schutz, sein humanizing factor, und Irenes Wissen darum aufeinandertreffen.
Was nehmen wir, die wir die Wohnung auch für eine 6 verlassen müssen, noch mit? Verkleidung ist immer Selbstportrait. 60 Jahre Queen Elizabeth, aber jetzt wissen wir, wann England wirklich untergeht.
„The code is more what you’d call guidelines than actual rules.“ – Captain Barbossa



Der Schädel wurde 1878 beim Bau der Speicherstadt am Hamburger Grasbrook entdeckt. Er wird dem Piratenführer Klaus Störtebeker zugeschrieben. Der Legende nach wurde Störtebeker mit seinen Gefährten im Oktober 1401 auf dem Grasbrook enthauptet. Zur Abschreckung wurden die Köpfe der Hingerichteten am Hafeneingang an Pfosten genagelt. Da der Nagel hier sehr sorgfältig eingeschlagen wurde, vermutet man, dass es sich um den Schädel des berüchtigten Störtebeker handelt – damit er möglichst lange für alle erkennbar war.
Liebliche Legende: Der Hamburger Bürgermeister versprach, allen Männern das Leben zu schenken, an denen Störtebeker nach seiner Enthauptung vorbeigehen könne. Der kopflose Pirat schritt an elf Männern vorbei, bevor der Henker ihm den Hinrichtungsblock an die Beine warf, um ihn zu Fall zu bringen. Nach dem Sturz des Piraten brach der Bürgermeister sein Versprechen, alle 73 Piraten wurden enthauptet.
Fotos CE
Museum für Hamburgische Geschichte, 07.08.2020

Oud Waterhuis, Brügge, BE
19/08/2015