Auf weissen Laken aus Eis bin ich erlöst von meinen Irrwegen befreit von meinem Trotz geheilt von allem Übel Beschworen die Silben meines Namens wie im Schlummer einer Liebenden Vor reine Gegenwart versammelt die Zerstreutheit meiner Sinne In eins gefügt die zerrissenen Zustände des Herzens In eins verbunden die versprengten Kräfte Nichts mehr trübt die Reinheit meiner Anbetung Possen, die ich spielte Verrat, den ich beging Anfang der Welt und Endzeit und jede Wunde, die ich riss Alle Stationen der Isispassion Ri, dschi, Eisenkönig, stirb Endlich das Unsuchbare suchen Todgeweihtes Leiden Hochzeit im Kristallpalast Die wahre und die falsche Zeit Eine Nacht, die sieben Nächte dauert Schwester der Träume und schlafender Gott Bring dich mir zum Opfer Bis goldene Flammenreihen sich In deinem Schädel spalten So werde ich die Tore für dich öffnen Du willst die Wahrheit und du starrst direkt durch sie hindurch Totengräber klagen über Grabesstimmung Köpfe werden rollen in der Commedia
Wenn ich hier Stichwortsuche betreibe, finde ich, daß der große Boris Karloff definitiv zu kurz kommt. Und vor allem ist noch niemand näher auf „The Mummy“ aus dem Jahre 1932 eingegangen. Und ich bin beinahe hilflos, wenn ich versuche in Worte zu fassen, warum mich dieser Film so verzaubert.
Gedreht hat ihn ein Kameramann, Karl Freund, der früher für F. W. Murnau (z.B. „Der letzte Mann“) arbeitete und der auch Tod Brownings „Dracula“ mit Bela Lugosi fotografiert hat.
Dies ist kein Monster-Film – obwohl Karloffs Make-Up (als bandagierte und dann später als reinkarnierte Mumie), kreiert von Jack „Frankenstein“ Pierce, gruselig genug war, um A.D. 1932 schauerlich zu wirken -, sondern eine Liebesgeschichte. Der wiedererweckte Hohepriester Imhotep sucht in Zita Johann seine reinkarnierte Liebe, und wenn Karloff sie mit ruhiger und trauriger Stimme beschwört: „Ankh-es-en-Amon, my love has lasted longer than the temples of our Gods. No man ever suffered as I did for you.“, dann glauben wir dies und fühlen mit ihm. Die Rückblende entführt uns ins alte Ägypten, und diese Rückblende funktioniert, weil sie gefilmt ist wie ein Stummfilm, und belegt das Leiden Karloffs („They broke in upon me and found me doing an unholy thing.“)
Ich könnte erzählen und erzählen, aber ich beschränke mich auf drei Szenen, die mich besonders gefangennahmen.
Die Mumie erwacht zum Leben. Bramwell Fletcher, der darüber seinen Verstand verlieren wird, transkribiert die Schriftrolle, die dies bewirkt, die Kamera, auf Karloffs mumifiziertes Gesicht und Oberkörper gerichtet, registriert, wie sich unendlich langsam, fast unmerklich ein Auge öffnet und eine ebenso zeitlupenhafte Bewegung der Hand. Als nächstes sehen wir Fletcher, und die Hand der Mumie kommt ins Bild, um die Schriftrolle zu verlangen. Fletcher, hysterisch in Lachen ausbrechend: „He went for a little walk!“
Noble Johnson, damals Universals Standard-Mann für prägnante Nebenrollen, als nubischer Diener empfängt Karloff, der ihn durch seine hypnotische Macht in seinen Bann schlägt und auf die Knie zwingt. Die musikalische Untermalung dieser Szene ist besonders schön und mischt märchenhafte und bedrohliche Motive.
Edward Van Sloan und der Museumsdirektor stellen Karloff zur Rede. Die Szene ist nur ein Dialog in einem Zimmer, aber er ist exzellent gesprochen. Karloff ist großartig. Die Mumie, die sich als Ardath Bey ausgab, bisher stets verwahrt und ruhig, kehrt hier die unterschwellige Bedrohung langsam nach außen, trotz nur subtiler aber wirkungsvoller Änderungen in der Diktion und reduzierter Mimik und Körpersprache ist die Szene so intensiv, daß es mich jedesmal vor Faszination schier lähmt. Als er den Museumsdirektor mühsam beherrscht anfährt: „The scroll is my property. I bought it from a dealer. It is here in this house! I presume in that room!“ und daraufhin seine Hand zum Fluch ausfährt, ist dies einer der Höhepunkte des Films.
Es gibt ein paar absolut unheimliche Großaufnahmen von Karloffs Gesicht. Und abgesehen davon ist der ganze Film von seiner visuellen Qualität her, mit seiner schaurig-schönen Musik, seinem ruhigen Erzähltempo, den unglaublich wirkungsvoll gesprochenen Dialogen, nicht weniger als – ich zitiere Everson – ein Gedicht. Singulär in der Horrorfilmgeschichte!
Christian Erdmann:
Du sprichst mir mal wieder aus der Seele, und „verzaubernd“ ist das einzig angemessene Wort für Filme wie diesen. Zum Zauber gehören unbedingt auch Zita Johanns große, liquide Augen. Und die Art, wie sich der Film, statt auf Schock, vollkommen auf Atmosphäre und Stimmung konzentriert. Die Art, wie Karloff starr wie eine Hieroglyphe durch den Film wandelt, auf der Suche nach seiner großen, verlorenen Liebe.
Aus einem schönen Text zu dem Film zitiere ich Dir einfach, von Hans Schifferle:
„Er ist ein Rebell gegen jede Gesellschaft, gegen die Religion und selbst gegen die Zeit. Er versucht die junge Britin in sein unendliches Zwischenreich zu leiten. Ägypten, zeitlich und räumlich fern, besteht in Die Mumie aus Hollywood-Glamour (die Kostüme der Johann), viktorianischem Romantizismus (…) sowie Freunds expressionistischer Schattenwelt. Momente des Somnambulismus kennzeichnen Die Mumie. Von einer fremdartigen Würde ist Karloffs Imhotep, der Drifter durch die Jahrhunderte, Monster und Manipulator, Kind und Greis. Von traumhafter Schönheit ist Zita Johann als Helen, die zu zerfließen droht zwischen den Zeiten. Eine Schlüsselszene des Films spielt in einem Atrium vor einem Bassin. Auf der empfindlichen Wasseroberfläche erscheinen tranceartige Bilder vom alten Ägypten. Wie ein Teich des Unterbewußten wirkt dieses Bassin (…) Die Surrealisten träumten einst von einem Kino auf dem Grund eines Sees.“
Gwynplaine:
Die traumwandelnde, verstörte Zita Johann („I was tired. But I never felt so alive!“) faszinierte mich ebenso. Wir sehen es wie Imhotep: sie IST Ankh-es-en-Amon!
Die Szene am Bassin, die in die Rückblende führt, ist natürlich magisch. Diese Rückblende, mit ihrer Musik, die die Themen von bedingungsloser Liebe, Tod, Sakrileg in dissonant flirrende und tief bedrohliche Motive umsetzt.
[SPIEGEL ONLINE Forum „Lieblingsfilme – Was ist ‚großes Kino‘?“, 03/2009]
Die Rückblende war ursprünglich bedeutend länger, die geschnittenen Szenen sind offenbar für immer verloren, nur Stills existieren: Inkarnationen der Ankh-es-en-Amon durch die Jahrhunderte, eine christliche Märtyrerin, eine Prinzessin im Mittelalter, ein Wikingermädchen, Madame Dubarry. Der „Pool of Life“ zeigt eine Jahrtausende überdauernde Liebe. Zita Johann, die selbst an Reinkarnation glaubte, litt unter dem Sadismus Karl Freunds:
„Finally, all that was left was the scene by the magic ‚Pool of Life‘ with Karloff, and Zita’s Christian martyr scene – in which she was to be eaten alive by lions.
‚Late Saturday night – exhausted – I fainted – in the middle of a scene with Boris Karloff. I was out for an hour – dead. The crew, generally friendly and this time again on my side, gathered beside me. What that son-of-a-bitch has done to her, I heard. – You don’t know the half of it, my secretary, Ruby Holloway, answered. My guardian angel was very busy.‘
As Zita remembered it, as Karloff showed her the ‚Pool of Life‘, she almost fell into the pool as she fainted. ‚They couldn’t get a doctor – it was 11 o’clock at night,‘ says Zita. ‚So the crew prayed me back to consciousness.‘
The exhausted, frightened actress went home. The Christian martyr, fed-to-the-lions death scene was set for Monday. Universal had slyly saved this scene for her last day of shooting, so that if one of the lions overacted, the actress‘ other scenes would already be in the can. It would be the grand finale of Freund’s sadism.
‚Those lions saw no fear in me – just exhausted bones!‘ laughed Zita. ‚And they must have figured, ‚Who needs them?'“
[Gregory William Mank: Women in Horror Films, 1930s]
Zita Johann als christliche Märtyrerin in einer der geschnittenen Szenen
„The Hunter Gets Captured By The Game ging ihm im Kopf herum, die russische Weise vom Tölpel, der sieben Tölpel übertölpelt, in der Version von Anna Domino, der subtilen Chanteuse. Während er sich also dem Hauptgebäude näherte und voluminöse Wassertropfen von den Zweigen der schon blätterlosen Bäume auf sein Haar fielen, stand im Säulenportal des Hauptgebäudes eine Frau, die ihren Schirm aufspannte. Dann trat sie hinaus in den Regen.“
Christian Erdmann, Aljoscha der Idiot
Around the time of Cat People. In einem Szene-Magazin fand ich diesen Text:
Erwachen. Orientierungslosigkeit. Unter der Bettdecke die Hitze des Orients. Eiswürfel in den Mund. Der Körper wird steif – Autobie. Der Zug Hamburg – Paris nähert sich Brüssel. Geduckte Häuser wie bei Lovecraft. Am Bahnsteig stehen einige niedere Chargen aus dem NATO-Hauptquartier, ein verruchtes Wochenende in (Tout)rist-Paris steht ihnen bevor. Ich denke an den 4.4.49 und setze den Walkman auf – Sixteen Tons von Anna Domino – und pfeife auf Paris und verlasse den Zug und suche Anna Domino. Hier in ihrer Stadt, hier in Brüssel. You sent a signal / strong and true enough / love rose up from its sleep … diese Stimme macht süchtig. In einer Fritten-Bude bewirtet mich ein alter Japaner. Tiere im Taxi. Er kannte sie noch als kleines Gör in Tokyo. Vielleicht sei sie ja auch mit Karl Roßmann in New York und entwerfe wieder Kostüme für Rock-Videos. Im übrigen sollte ich doch die Depro-Men von Tuxedomoon oder zumindest Blaine Reininger aufsuchen, die wüßten Bescheid. Dann fragte er mich, ob ich den Witz kennen würde von dem Belgier, der auf dem Eiffelturm die Rue Stalingrad suchte. Den Witz kannte ich nicht. Alle Gäste lachten, und einer fragte mich, ob ich den Witz von dem Deutschen kennen würde, der in Brüssel in einer Schnell-Fresse stand. Anna Domino, am 21.4. um 21 Uhr im Kir__________
Kein Hinweis auf den Verfasser. Kein Bild. Der Text stand rätselhaft auf Seite 125, auf einer ansonsten weißen Seite. Viel Weiß. Weiß war der Staub, den ich einmal auf einer Zugfahrt durch Belgien auf einer alten Fabrik liegen sah, und als der Zug daran vorbeirollte, dachte ich: wie bei Lovecraft.
Wenn es also zwei Menschen gab, die bei Zugfahrten durch Belgien an Lovecraft dachten, und einer davon war ich, dann gab es guten Grund, dem anderen zu trauen. Erst recht, wenn er in einem Promotext Karl Roßmann unterbringt.
Während der mysteriöse Text mit „Erwachen“ begann, fiel ich, nachdem ich ihn gelesen hatte, in Schlaf. Es gab kein Internet, keine Möglichkeit, sofort mehr über Anna Domino zu erfahren. Stattdessen träumte ich, daß ich in einer Bar sitze und ein Szene-Magazin durchblättere. Auf dem Barhocker neben mir sitzt eine wunderschöne Frau, die mich anspricht, schon nah bei mir: „Darf ich sehen?“, sie meint das Titelbild, sie schaut es sich an, ich schaue es mir an, wir schauen uns an, das Funkeln in ihren Augen, sie sitzt sehr aufrecht auf ihrem Barhocker, und ich vergleiche ihr wunderschönes Gesicht mit dem Gesicht auf dem Titelbild, denn es ist dasselbe Gesicht, und wir ertrinken in Verlangen, als ich ihr das Magazin aus der Hand nehme. Sie hat ihre Hand wie zum Gruß erhoben, meine Hand liegt an ihrer, unsere Finger spielen miteinander, die ganze Zeit, während wir uns in die Augen sehen, das Schicksal sagt: es liegt in deiner Hand. Sie hat lange und kurze Haare zugleich, sehr kunstvoll. Dann sehe ich, daß an ihrer anderen Hand zwei Finger verbunden sind.
„Wie ist das passiert?“
„Ich habe bei einer Geburt geholfen. Oh, arme Elise. Es war furchtbar anstrengend für sie. Ich habe sieben Tote herausholen müssen vorher.“
Es war die Vega-Bar.
Am nächsten Tag besaß ich „Anna Domino“ von Anna Domino. Und die subtile Chanteuse half Aljoscha bei einer Geburt mit sieben Toten.
I wanna step out of the shade of a place That’s half aware but never truly wakes I know there is More to love than this I know courageous stranger places Every movement forward must be right The process is the purpose
I know the station I go there every night Dreaming of leaving
Chosen by the dealers hand Answering a higher call A hint to us of bigger plans Sudden rise and early fall Emotions are the facts The real world sorely lacks With the agents of a promise above them And the precipes in view And the place of the chosen ones Is in the safety of the tower
Half of myself would sell my soul Everything else says wait / control Half of myself speaking and the Other half goes on dreaming
Faszinierende Mischung aus Coolness und Verletzlichkeit, out of step with the rest of the world.
Frank Lähnemann traf Anna Domino für die spex, irgendwann vor „This Time“. Auszüge:
„Das Leben beginnt mit einem gebrochenen Herzen“, weiß Anna Domino, die zierlich-zerbrechliche Interpretin spannungsgeladener Nachtgesänge aus Brüssel, auch allein. Nachtmenschen scheuen nicht nur das Licht, sondern auch das Leben in aktiver Form. Wenn die Dunkelheit hereinbricht, dann beginnt dafür ihr Gehirn auf Hochtouren zu arbeiten. Nachtmenschen betätigen sich als stille Beobachter und bereiten sich auf diese Weise auf den Tag vor, den sie so fürchten. Das Leben spüren sie aus der Distanz. Für diese Spezies ist Anna Domino – „Watch The World At Night / Edge Up Against The Lives“ – ein klassisches Beispiel. […] Nervös fingert sie an ihren Zigaretten, ehe der Redeschwall auf mich niederprasselt. Manchmal hält sie abrupt inne, gibt eine Kostprobe ihres trockenen Humors, lacht sympathisch schüchtern und sucht verzweifelt nach den richtigen Worten, ein häufig erfolgloses Unterfangen. Anna Domino kämpft, und keiner merkt’s.
„Jeder hat eine Haltung, nur wenn du schüchtern bist, dann behältst du sie eher für dich. Es ist aber nicht so, daß du keine hast, das denken nur die anderen. Meine erste Platte war viel furchtsamer als meine letzte, und die Leute hielten mich für sensibel. Aber in Wirklichkeit war das alles sehr kalt.“
Coolness? Distanz? Reduktion? Irgendwann hatte ich über meine Gesprächspartnerin mal gelesen, daß sie sich eine Band wünsche, in der jeder so wenig wie möglich spielt. Die Musik ist bei ihr, genau wie das Vokabular (und sind noch so verletzte Gefühle das Thema), auf ein Minimum beschränkt. Eiswürfel, die Flammen entfachen.
[…] Natürlich wird man nicht als Anna Domino geboren. Auch nicht in Tokio. Eher schon als Anna Taylor. Von Japan kam sie nach Kalifornien und Detroit, ging danach mit ihrer Mutter nach Italien, landete dann in Norwegen… ach, so genau weiß sie es auch nicht mehr. Jedenfalls besuchte sie irgendwann eine Art School in Kanada, wechselte nach New York, bis sie ein Flugticket, spendiert vom Chef des Labels „Les Disques du Crépuscule“, nach Brüssel beförderte. Zum Gesang kam sie erst sehr spät. Mit 12 Jahren traktierte sie ihre erste E-Gitarre, spielte in etlichen kleinen Combos und nahm für sich selbst Tausende von Tapes auf.
[…] Erwarten tun insbesondere die Kritiker eine Frau, die zwar nicht unbedingt die personifizierte Laszivität ist (…), aber doch jede Menge Erotik ausstrahlt. Während des Soundchecks fiel mein Blick kurz auf den Oszillographen. Was sich dort abzeichnete, war alles andere als abgehackt, es waren wohlig vor sich hin wogende Wellen, die ich dort erspähte.
„Wenn die Leute sich den Text von ‚My Man‘ durchlesen, sagen sie meist: ‚Aha, du liebst es, geschlagen zu werden.‘ Nein, das habe ich nicht gemeint. Das Stück ist über eine Liebe, an die man so stark glaubt, daß man sich ihr ganz unterwirft, egal, ob es nun die Liebe zu einem anderen Menschen, zu einem Land, zu einem Idol oder einer Band ist. Man verliert die Kontrolle, das ist wie eine Art Religion. (…) Die Welt ist sehr intolerant und realistisch in bezug auf exzessives Verhalten. Was ja ein sehr emotionelles Verhalten ist. Künstler leben diese Emotionen zum Nutzen der gesamten Menschheit, stellvertretend für die anderen. (…) Es geht um den Gedanken, daß man auf der einen Seite ein wahres Genie und auf der anderen Seite ein kompletter Idiot ist. (…) Du weißt von früher Kindheit an, daß du nicht fähig bist, dich mit allen Tatsachen dieser Welt abzufinden, weil du vielleicht eine andere Sprache sprichst.“
„The voice of the erotic, tense, despairing, Peggy Lee-meets-Nico, thinking woman – i.e., postmodern platinum.“ (Smart Magazine)
I can’t say why, I won’t say when I’ll ever find my place inside this race to win There’s nothing new in this dirty old town My friends are all off somewhere else when I’m around
These things we feel they threaten to betray us
My favourite, von „Colouring In The Edge And The Outline“ (1988).
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Lost in imaginary mystery Away, a view that has no end I’m alone without laws of time or gravity And I can dream where reality can bend And the light shimmers all around And bolts of electricity release Everywhere Will wonders never cease? And no-one comes here at all Clouds roll back and the angels in the sky Hover overhead about to fall And radiant and terrified Sending showers of sparks They see it all Reflected in my eyes One thing leads to another and Daylight into dark This must be the way the world began Before it lost the spark
„Mysteries of America“ (1990)
Nach „Mysteries of America“ schien Anna Domino zu den spurlos Verschwundenen zu zählen. 1999 war sie dann mit Michel Delory plötzlich zurück in der Welt; zwei Alben des Duos Snakefarm sind bisher erschienen, „Songs From My Funeral“ und, 12 Jahre später, im Oktober 2011, „My Halo At Half-Light“.
Und zwischendurch war sie noch einmal in der Vega-Bar. 2010 nahm Anna Domino den Song „Blood Makes Noise“ auf. Er ist von Suzanne Vega.
Und noch ein Geheimnis: auf dem Tribute „Kerouac: Kicks Joy Darkness“ von 1997 gibt es drei phantastische Momente: Johnny Depp mit „Madroad Driving“, John Cale mit „The Moon“ – und Anna Domino mit „Pome on Doctor Sax“.
„Dieser Mann hat seine Hardcore-Fans, ganz ohne jede Frage: ‚Sein Buch hat mein Leben verändert‘, wird schliesslich nicht jedem Schriftsteller nachgesagt …
Christian Erdmann, Hamburger Jong, Fotograf, Frauenversteher, Katzenfreund und Autor des Buches ‚Aljoscha der Idiot‘ im netSkater-Fragebogen-Outing des Monats Oktober.“
Nennen Sie mir das aufregendste Buch, das Sie je gelesen haben!
Christian Erdmann:
Ich empfinde bei Büchern wie bei Filmen oder Musik viel zu häufig „Das ist das Beste, was ich je…“, um die Frage wirklich beantworten zu können. Sehr aufregend war aber, als ich mit 20 Rimbaud entdeckte, seine Werke in zwei Tagen und zwei Nächten las, das Essen vergaß, direkt danach Enid Starkies Rimbaud-Biographie „Das trunkene Schiff“ aus der Bibliothek entlieh und nicht mehr zurückgab („Weiß nicht… muß mir jemand im Bus aus der Tasche gezogen haben…“) (später aber ein Exemplar legal erworben) (Verbrechen aus Leidenschaft, schon die griechischen Götter haben da ein Auge zugedrückt).
Sehr aufregend war auch die Lektüre von Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“, die ich mit durch hohes Fieber bedingte Visionen ergänzte. Zwei andere Romane, deren Lektüre auch sehr intensiv für mich war, die aber beide in eine Art goldenes Herbstlicht getaucht sind, in Septembersonne, sind Jens Peter Jacobsens „Niels Lyhne“ und Rilkes „Malte Laurids Brigge“. Bulgakow, „Der Meister und Margarita“. Thomas Mann, „Der Zauberberg“. David Pirie, „Vampir Filmkult“. Nick Cave, „And the Ass saw the Angel“, yes, sehr aufregend, als dieser von mir sehr geliebte Sänger auch noch seinen Roman vollendete, und so einen großartigen. Sacher-Masoch, „Venus im Pelz“, und Sade, „Die Philosophie im Boudoir“, aber wie gesagt, ich bin leicht erregbar. Es gibt sehr viele „aufregendste“ Bücher, aber wenn ich mich auf EINS beschränken soll: alles von Dostojewski und Kafka.
thedirtydozen:
Nicht zu vergessen die „Sternstunden der Menschheit“! Eine Sternstunde der deutschen Literatur: ein Buch voller Lieblingssätze.
Christian Erdmann:
Ähnlich erging es mir bei Zweigs Schriften über Hölderlin, Kleist, Nietzsche / Dostojewski, Balzac, Dickens. Zweigs Ruf, ein „Frauenversteher“ zu sein, muß in den Hintergrund treten gegenüber der Tatsache, daß er ein Alleversteher ist. Bei Dostojewski wünsche ich mir immer, man könnte wie Wanja in „Erniedrigte und Beleidigte“ ständig von einer Romanfigur zur anderen gehen, aber des Gesamtoeuvres; bei Zweigs Sprache ist es einfacher – man möchte einfach ein Buch von Zweig sein.
fabi82:
Hätte man nicht besser sagen können.
Siebziger:
Forschere Seelen würden vielleicht „Sensibelchen“ meckern (…) Jeder seiner Sätze ist reif fürs Poesiealbum, und bei Stefan Zweig hat man nie das Gefühl, daß es gekünstelt ist, es klingt alles wahrhaftig und originär, also glaubwürdig.
Christian Erdmann:
„Sensibelchen“ – dann hätte man aber Stefan Zweig nicht nur als Mensch, sondern auch als Schriftsteller nicht verstanden. Alles, woran er je glaubte, und wovon jede seiner Zeilen Zeugnis ablegt, ging im Inferno unter. Damit ist ja nicht allein die sichtbare Zerstörung gemeint, nicht allein
„Wie kann ich arbeiten, wenn ich las, daß über einer englischen Stadt soundsoviele Bomben abgeworfen sind, daß im Atlantischen Ozean ein französischer Dampfer torpediert wurde, der dann mit soundsovielen Passagieren unterging. Ich mag die Zeitungen nicht mehr aufschlagen…“ – „Wie kann ich atmen, schlafen, essen, wie kann ich arbeiten, wenn ich weiß, daß diese sinnlose Zerstörung am Werke ist, daß tausende und abertausende unschuldiger Menschen von ihr dahingerafft werden.“
Wir haben von seinen Essays gesprochen – wie selbstlos hat er geistige Größe und Schöpfertum bei anderen bewundert. Welch anderer Schriftsteller war so sehr geistiger Kosmopolit, war so sehr von feiner, zarter, einfühlsamer Empathie. Wie recht hat Zweig mit diesem Satz:
„Nie hat eine Generation einen solchen moralischen Rückfall aus solcher geistigen Höhe erlitten wie die unsere.“
Auch wenn es tausend historisch relevante Dinge dazu zu sagen gibt: das bleibt Teil eines Unbegreiflichen auch für uns – wie war der Nationalsozialismus möglich nach Thomas Mann, nach Stefan Zweig, nach Rilke, nach nehmen Sie, wen Sie wollen, nach all diesen Büchern, die von Deutschen gelesen worden sind. Thomas Mann war über Zweigs Suizid ungehalten, auch Werfel klagte, Zweig habe mit dieser Tat dem Feind zum Triumph verholfen. Aber man muß einfach sehen, von wo aus gerade Zweig stürzte, wenn er sagte (zu Zuckmayer), die Welt, „die wir geliebt haben, ist unwiederbringlich dahin“.
Joseph Roth hatte ihm, Zweig, schon 1933 geschrieben: „Inzwischen wird Ihnen klar sein, dass wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“ – Zweig hat das lange nicht glauben wollen. Dieses Nichtwahrhabenwollen dessen, was da geschieht, ich kann es nachvollziehen bei einem, der so sehr versuchte, die Höhe des Menschen für die Menschen festzuhalten. Die Vernichtung von Humanität und Toleranz war die Vernichtung seiner geistigen Heimat. Er muß gefühlt haben, daß sein ganzes Werk durchgestrichen ist. Wer hätte ihm sagen können, dort in diesem Bungalow in Petropolis, was er uns heute noch bedeutet.
Hmm, bedeutungsgleiten wir später, ich verbrachte die Nacht am englischen Hof und in mehreren Landhäusern an Orten, die alle ein -shire im Namen tragen. Was sind Ihre Glücksmomente derzeit? Haben Sie „Die wilden Jahre“ gesehen? Uschi und Keith? My goth, was für schöne Klamotten. :)
Und: wenn jemand sagt, „Du mußt schreiben, das ist doch völlig klar.“ André aus der Bornstraße nämlich, nachdem ich ihn mit sonnenverbranntem Gesicht antraf. „Wo warst du denn?“ – „Im Park. Mit deinem Buch.“ – Non, verpaßte Die wilden Jahre, war aber, nach „Waren die Beatles die beste Band aller Zeiten?“-Threadschlacht, auf Zeitreise im Silver Train.
Die legendäre „Exile On Main Street“ – aufgenommen mostly in der Villa von Keith Richards in Südfrankreich. Las kürzlich mit Vergnügen seinen Report, WIE ES WIRKLICH WAR, und wie dieser grandios vermuffelte Sound zustandekam.
I remember it was like trying to make a record in the Führerbunker. It was that sort of feeling, you know – it was very Germanic down there for some reason. Swastikas on the staircase. And also, like all basements, it had never been used for anything. So basically it was a dirt floor and some concrete. If somebody got lost, there’d be a little trail of dust in the darkness… It was a labyrinth, in actual fact. It was a concrete labyrinth, subdivided here and there, and we would go around testing to see which one had the best echo or was the best sound for a particular instrument. That sort of thing. But it was also sort of like the netherworld. Upstairs it was fantastic. Like Versailles. The south of France in the summer – la, la, la. Beautiful. Who could ask for anything more? But down there, it was another thing. It was Dante’s Inferno…
There were all these little subdivisions in the basement, almost like booths. So what would happen was that, for a certain sound, we’d schlep an amp from one space to another until we found one that had the right sound. Sometimes the guitar cord wasn’t long enough! That was in the beginning, anyway. But once we started to work there, my little cubicle became my cubicle, and we didn’t change places much. But at first, it was just a matter of exploring this enormous basement, saying, What other sound is hiding ‚round the corner? ‚Cause you’d have weird echoes going on. Sometimes we wouldn’t be able to see each other even, which is very rare for us. We usually like to eyeball one another when we’re recording.
It was a dirt floor. You could see somebody had walked by, even after they disappered ‚round the corner, because there’d be a residue of dust in the air. It was a pretty thick atmosphere. But maybe that had something to do with the sound – a thick layer of dust over the microphones. It wasn’t a great environment for, like, breathing. Mick Taylor and I would just peer through the murk at each other and say, OK, what key is it in?
You’d sort of jam an acoustic guitar into the corner of one of these cubicles and just start playing and you’d hear it back you’d think, that doesn’t sound anything like what I was playing, but it sounds great. So you started to play around with the basement itself, aiming your amplifier up at the ceiling instead of like normal.
I mean, it’s France, man. They were still using horses to plow – a TELEPHONE CALL would take half an hour. Apart from the fact that everything would go out of tune every two minutes because of the heat, then you had to deal with the electricity going down – and this would be when they were actually playing in tune. For the first time in four hours.
On Ventilator Blues we got some weird sound of something that had gone wrong – some valve or tube that had gone. If something was wrong you just forgot about it. You’d leave it alone and come back tomorow and hope it had fixed itself. Or give it a good kick.
Zum Geburtstag 5 Männchen auf einer Torte mit einem der göttlichsten Richards-Riffs, beachten Sie, wie er es bei 1:52 / 1:53 so gerade noch mit leichter Verzögerung um die Ecke bringt …
… ein schönes Schaumbad …
… tickets for the dance …
… alles Liebe zur Sternstunde, Dear, Schockblitzbuntes on your silver screen and ALL IN GOOD TIME!
Oh ja, Sie ganz in weiß mit Argentinien-Shirt, I remember. Aber nun Uruguay! Die geschickteste Spielweise, die schönsten Spieler dieser Chaos-WM! Und Diego heißen die allerhübschesten auch. :) Somit ebenso hingerissen von der Idee eines Estates mit Blick auf den Berg. Traumfinale dito und dann die Urus siegreich – seit Tagen meine Rede! Zum Meyrinkschen Pragbesuch nur: awwwww, jetzt schon Vorfreude auf das, was die goldene Stadt mit Ihnen tun wird und was Sie zu berichten wissen werden. So sehr danke schön, wie es nur geht. Wunderschöne Momente mit Torten- und Matrosen-Stones und GARBAGE, (warum vergesse ich die immer, obwohl die so wunderbar Jetzt-erst-recht-Musik machen?) und Oasis-Licht! Great! Love it! Die Sonne strahlt so hell derzeit und ich strahle zurück.
Ein Viertelfinale Uruguay – Ghana, reine Poesie. Schon im ersten Spiel gegen La France wurde deutlich, daß die beiden Diegos den Laden zusammenhalten. Lugano sieht aus wie ein smarter Freund von Helmut Berger in einem 70er-Jahre-Film von Jess Franco mit Brett Sinclair/Danny Wilde-Autos, und Forlan liebe ich vor allem vor Freistößen – wie in seinen Augen da eine leicht manische Präzision die Situation antizipiert. :) Klasse, geradezu klassisch, schon frisurtechnisch, auch Edinson Cavani, großes Herz: wie er den flennenden Du Ri Cha vom Boden hochzog, fein.
Jedesmal, wenn man Garbage neu entdeckt, gehen sie tiefer als zuvor. Bei allem Kampf gegen die eigenen Neurosen – oder wegen diesem – ist Shirley Mansons wunderbarste Stärke ihre Empathie. Und sie hat 197 Stärken.
Wie? Blondie war eine phantastische Band. „Blondie“ (1976), „Plastic Letters“ (1978), „Parallel Lines“ (1978) und „Eat To The Beat“ (1979) macht vier Killer-Alben am Stück, entstanden in einem Zeitraum von – heute undenkbar – drei Jahren. Ganz großartiges Songwriting, zeitlos, ultrapräziser Pop, jeder Song hat die epische Wahrheit eines 3-Minuten-Dramas. Debbie Harrys tough girl-Glamour war supercool, erst recht, wenn Zuckersüßes mitschwang. Geniale Musiker, Clem Burke einer der besten Drummer überhaupt damals. Aber Debbie Harrys Aplomb, „her bombshell zombie’s voice that can sound dreamily seductive and woodenly Mansonite within the same song“, war natürlich das Beste seit den Shangri-Las.
papazaca:
Schöner Kommentar. Wahre Liebe. Habe mir dann mal die größten 20 Hits angehört. Und dann hatte ich das Gefühl, das Menschen in Filmen haben, wenn sie die große Liebe nach Jahren wiedersehen. Nochmal zu Ihrem Kommentar: Der ist wirklich schön. Fast wie in einem Poesiealbum.
Christian Erdmann:
Das Problem mit Blondie ist ja tatsächlich, daß Debbie Harry so ein Magnet war als Frontfrau. Im „The Hardest Part„-Video sehen wir eine Menge Worte als Graffiti im Hintergrund, und ich wette, kein Mensch auf Erden hat auch nur ein einziges jemals entziffert. So muß man gewissermaßen auch unter ihrer drop dead gorgeous-Stimme hindurch hören, um zu erkennen, wie tight Blondie als Band waren.
Der Soundtrack zu Nicolas Roegs „Performance“ ist großartig. Ry Cooders „Powis Square“ ist halb Blind Willie Johnson-Hommage, halb Vorläufer zu seinem eigenen „Paris, Texas“-Soundtrack. Später spielt Cooder Dulcimer auf einem wunderbaren Stück namens „The Hashishin“ (Ihr wißt schon: der Alte vom Berge / nichts ist wahr, alles ist erlaubt), „Gone Dead Train“, Gesang Randy Newman, ist schneidend scharf und nasty, zwischen alldem noch einige sehr bizarre Tracks, und am Ende ein Stück namens „Turner’s Murder“, das später mal kopiert wurde in „The Hunger“. Ry Cooder-Bottleneck an allen Ecken und Enden.
Gwynplaine:
Cooder – einer meiner heroes – hat lange seine Brötchen mit Soundtrack-Arbeit verdient. Walter Hill mochte ihn besonders gern. „Southern Comfort“ und „Trespass“ sind weitere feine Beispiele. Blind Willie Johnson war natürlich einer der wichtigsten musikalischen Einflüsse für Cooder. Nicht nur für „Paris, Texas“ hat er sich großzügig bei Johnson bedient, aber immer auch Eigenes eingebracht. Danke für den Hinweis auf „Performance“. Davon gehört, aber noch nie gesehen. Mick Jagger spielt mit, oder? Sie haben eine Art, immer meine Lücken zu finden ;-))
arte de la comedia:
Ich glaub‘, das macht der absichtlich. Und das ist auch gut so.
Christian Erdmann:
Falls Sie den Jagger/Richards-Song „Memo From Turner“ kennen, der ist aus „Performance“. Hat zwar sehr viel, nun ja, Zeitkolorit (London, Notting Hill, Spät-Sixties), ist aber immer noch ein sehr interessanter Film… darüber, was passiert, wenn zwei Alter egos sich treffen. („Deinen alten Egon? Hast du den denn dabei?“ – Danny Wilde)
Davon abgesehen: für den „Paris, Texas“-Soundtrack hat Ry Cooder sich ja stark an Johnson’s „Dark Was The Night, Cold Was The Ground“ angelehnt. Der Song sträubt mir drei Minuten lang die Nackenhaare.
Gwynplaine:
So ist es. Robert „Crossroads“ Johnson war immer diese Deltalegende, aber Blind Willie erreichte eine Qualität mit dem Slidespiel, die unerreicht ist. Soweit ich weiss, spielte er Slide mit einem Messer. Und Ry Cooder hat ihn aus der Versenkung geholt. Die vielen Soundtracks, an denen Cooder beteiligt ist, sind allein schon tonnenweise Grammys wert, aber auch von seinen regulären Platten könnte jedes schöne Roadmovie profitieren.
Christian Erdmann:
Es soll ja 8 Sekunden eines 8-Millimeter-Films geben, die Robert Johnson zeigen… Experten behaupten zwar, das ist er nicht, aber wenn Dylan in den „Chronicles“ sagt, das ist er, dann ist er das.
Nachtschwester Ingeborg:
„Performance“ ist ein Anti-68er der feinsten Art.
Christian Erdmann:
Also sagen wir mal, diese beiden treffen sich zufällig, oder durch sonderbaren Magnetismus, der brutale Gangster Chas, der zurückgezogen lebende Rockstar Turner; Chas verachtet Turner, verachtet damit, klassische Projektion, einen Teil von sich selbst, den er nicht akzeptiert, und Turner setzt sein Identitätsaustausch-Ritual in Gang. Sagen wir mal, die „Memo From Turner“-Szene weist z.B. auf die homoerotischen Untertöne im Männerbündlerisch-Harten. Wo könnte ich da die Anti-68-er-Linie unterbringen? Sehen Sie die darin, daß hier zwei Protagonisten scheinbar vollkommen gegensätzlicher Pole sich in dieses Vexierspiel ziehen, bei dem deutlich wird, wieviel Eigenes im Anderen und wieviel Anderes im Eigenen ist? Oder wie? :)
Mark Lanegans „Blues Funeral“ ist im Studio von Alain Johannes entstanden, recorded, mixed and produced by Johannes, der zudem an nahezu allen Instrumenten zu hören ist, except Schlagzeug. Das spielt Jack Irons, ex-Pearl Jam, aber auch mit Alain Johannes und Natasha Shneider bei Eleven.
Die Beiträge von Alain Johannes für die Queens of the Stone Age, die Desert Sessions oder Them Crooked Vultures dürften bekannt sein. Auf „Spark“ kämpft Johannes darum, den Tod von Natasha Shneider zu verarbeiten, seiner Lebensgefährtin, die im Juli 2008 mit 52 Jahren an Krebs verstarb. Zu „Lullabies To Paralyze“-Zeiten gehörten beide zum Line-up der Queens of the Stone Age.
„Spark“ ist der komplett allein eingespielte Versuch, Heilung zu finden, die Kraft, den Verlust zu überstehen; ein Werk, das einen schwer anfaßt, und du mußt bereit sein, dich mit dem Schmerz dieses Mannes, seiner Verzweiflung, seinen Fragen, seiner Resignation, seinem Zorn, aber auch seiner Dankbarkeit, seinen Oden für Natasha, ganz allein irgendwo hinzusetzen.
„I felt like I was being guided. Not only that, but I felt her presence in the room so intensely it was insane.“
Josh Homme comments, „Alain’s record is the total embodiment of what the label stands for – the war against endorsing mediocrity and the uncensored attempt to take a leap off the musical cliff. Spark is a stunning examination of figuring out what you do when someone’s gone, and it’s utterly breathtaking.“ Beauty often is born from tragedy, and Spark ultimately stands as a testament to that. Alain elaborates, „I actually finished the album 25 years to the day that Natasha and I met – November 29, 2009. That was our anniversary. In many ways, I was really just trying to make a record that she would be proud of.“ Her light still shines brightly through Alain on Spark.
(alainjohannes.com)
2010, als die Queens of the Stone Age in der Berliner Zitadelle spielten, stand vorher Alain Johannes auf der Bühne, leidgeprüft, was sonst, mit seiner Zigarrenkistengitarre und einer normalen Akustikgitarre, und schon, wie er diese Instrumente spielte, derart intensiv, daß man den Eindruck hatte, da ringt ein Mann jetzt ganz allein mit den Mächten des Schicksals, verschlug uns allen den Atem. Die Welle von Respekt und Zuneigung, die Johannes an diesem späten Sommernachmittag in der Zitadelle erfuhr, ist eine sehr schöne, bewegende Erinnerung.