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Auf dem Papier eine Factory-Skizze, einer der wenigen Songs, die Lou Reed widerwillig an Nico gab, die er nicht in der Band wollte. Im für 2.500 Dollar und drei Nächte gemieteten Studio spielen Reed auf seiner Gitarre und Sterling Morrison am Bass ein leises Intro. Die ersten Schläge auf Maureen Tuckers umgekippte Bassdrum, dann setzt John Cale ein mit seinem präparierten Piano, das er auf unmenschliche Weise so spielt, als würde ein mechanisches Piano von allein spielen. Normalsterbliche halten das 20 Sekunden durch, Cale hämmert seine Cluster unerbittlich fast sechs Minuten lang, und der Song klingt wie die Prozession in irgendein Schattenreich, Reeds Gitarre im Ostrich-Tuning (alle Saiten auf dieselbe Note gestimmt) spielt Mädchenträume unter dem Blick von Todesengeln. Nico, die einsame Majestät ihrer Stimme, eine Göttin, in der urbanen Unterwelt gelandet. Skizze? Dies ist der Klang einer erhabenen Tragödie.
Andy Warhol: „Her voice, the words, and the sounds The Velvets made all were so magical together.“ (U 34)
David Croland: „She was observant, and people don’t get this! She was at heart a poetess. Your looks do get in the way of your progress if you’re that beautiful, there’s no doubt about it. People become instantly attracted to you and instantly jealous at the same time. […] What I liked most about her, after the initial shock of her extraordinary beauty, was her reserve, her quietness and her way of observing people who were observing her. She was very, very curious and very quiet. She didn’t spin around: people spun around Nico because of her beauty and her mystery. She was sweet. I liked her shyness. I did not find her aloof, I found her shy.“ (JOB 44 ff.)
Danny Fields: „She was so impressive to look at that boys feared her, mainly.“ (JOB 62)
Billy Name: „Nico … rarely spoke. And only when someone spoke to her. She was totally nonflamboyant, nonpretentious, but absolutely magnetically controlling.“ (JOB 79 ff.)
Andy Warhol: „She had this very strange way of speaking. People described her voice as everything from eerie, to bland and smooth, to slow and hollow, to a ‚wind in a drainpipe,‘ to an ‚IBM computer with a Garbo accent.‘ She sounded the same strange way when she sang, too.“ (JOB 90)
John Cale: „Here was this formidable woman, the world’s first supermodel. We were awed by her style.“ (JOB 95)
Playboy Magazine: „… seeing her in her floor-length cloak and listening to her musical, remote talk, one gets the impression of a medieval German Madonna glimpsed in a dream full of images of spring and sunlight.“ (JOB 95)
Lou Reed: „Nico’s the kind of person that you meet and you’re not quite the same afterwards. She has an amazing mind. … If you get into Nico, there’s always the danger that you don’t want to leave.“ (JOB 96)
Andy Warhol: „Nico was weird and untalkative. You’d ask her something and she’d maybe answer you five minutes later. […] She wasn’t the type to get up on a table and dance, the way Edie might; in fact, she’d rather hide under the table than dance on top of it. She was mysterious and European, a real moon goddess type.“ (JOB 102)
Paul Morrissey: „We were always fighting tooth and nail to get poor Nico on. She didn’t fight this sort of thing herself, she was very shy and self-effacing. She would make a little remark. Or then she would giggle a lot. She’d giggle like a girl.“ (JOB 122)
Dave Navarro: „It’s kinda hard to be a fan of Nico and not fall in love with her. You hear this voice and you see her image, the cheekbones, the whole package, it’s strong, unapologetic, haunting, melancholy. As soon as I heard that voice I fell in love with her – I’d marry this girl today.“ (JOB 149)
Una Baines: „‚She just fits into those fears that men have of women who are outside of the norm.“ (JOB 171)
Nico: „I read a lot, I like to read. I prefer Nietzsche of all. Then I like some English poets: William Wordsworth, Lord Tennyson, Lord Byron, Shelley … Shakespeare sometimes, but Tennyson is the best of all. He’s an incredible Romantic, it’s just so beautiful. You find everything there.“ (JOB 254 ff.)
Gerard Malanga, A Short Essay In Appreciation Of Nico, 1967, über Nicos „unapproachable mystique“:
„But the most incongruous is the look of the eyes, focused most frequently on the imperceptible. […] Because of her impact as a three-dimensional whole, Nico would be most effectively represented in sculpture, but not even the most profound artist could capture the strange and unexplainable quality of her eyes. They captivate, but do not beckon; they ignore, but cannot be forgotten; they reflect the inner reality, but leave no clue to its contents. Their expression, or lack of a comprehensible expression, does not relate to the thoroughly comprehensible phenomenon of her beauty. Nico’s eyes seem to guard a great mystery which, hidden in aloofness, they do not want anyone to know exists.“ (U 40)
John Cale: „We were trying to do a Phil Spector thing with as few instruments as possible. On some tracks it worked. „Venus In Furs“ is the best, and „All Tomorrow’s Parties […]“ (U 74)
Paul Morrissey: „Sie war wie Garbo, sie hatte Anziehungskraft, Klasse, Würde. Sie beantwortete sogar Fragen wie die Garbo, umständlich, aber auf witzige Art.“ (AvC 28)
John Cale: „… die Szene aus La Dolce Vita, wo sie in den Daumen ihres Verlobten beißt. So war sie.“ (AvC 49)
Pauledith Soubrier, Halbschwester Alain Delons: „Sie war selber kein deutscher Staatsbürger, sie stammte von irgendeinem kleinen Planeten, das arme Mädchen.“ (AvC 64)
Nico: „Ich bin zum Schauspielern zu scheu. Ich kann nicht so tun, als wäre ich jemand anders, weil ich schon jemand anderes bin.“ (AvC 75)
U = Up-tight – The Velvet Underground Story. By Victor Bockris / Gerard Malanga, London / New York / Sydney / Cologne 1983.
JOB = Jennifer O. Bickerdike: You Are Beautiful And You Are Alone. The Biography of Nico, London 2021.
AvC= Axel von Cossart, Kult um Nico, 1995.
021
Helsingør im rauhen Wind, auf dem Weg zur Busstation sehen wir ein Plakat für eine Ausstellung von Hans Henrik Lerfeldt, der soeben mit zeichnerischer Sorgfalt einer schönen Dame die schwarzen Strümpfe anzieht, wir besteigen jedoch Bus 331 und verlassen ihn kurz vor Gurre.
Der Wind weht durch den Bambus, wir wandern auf der Landstraße durch Waldemar Atterdag-Land, ich trage Milady über das Moor. Gurre Slot wird im 12. Jahrhundert erbaut. 1364 wird Gurre zum ersten Mal erwähnt; in einem Papstbrief wird bestätigt, daß König Waldemar IV. Atterdag dort eine Kapelle eingerichtet hat, vermutlich gibt er dem Schloß auch seine endgültige Form. Nach einer Glanzperiode im 14. und 15. Jahrhundert setzt mit der Reformationszeit ein allmählicher Verfall ein. Material aus der Ruine wird für den Bau von Schloß Kronborg verwendet. 1652 wird Gurre als „altes, heruntergekommenes und verödetes Schloß“ bezeichnet, im 18. Jahrhundert liegt es unter Erde und Gesträuch.
Die Legende besagt, daß Waldemar Atterdags eifersüchtige Frau Helvig (Heilwig von Schleswig) des Königs Geliebte, die wunderschöne Tove, in einer Badestube ermordete; die Sage berichtet von dem Zauberring, der die Liebe des Königs an die tote Tove band, so daß ihre Leiche ihn überall begleiten mußte. Einer der Hofleute stahl den Ring von Toves Leiche, doch durch dessen magische Kraft erschreckt, warf er ihn in den See. Dadurch bekam der König eine so große Zuneigung zu dieser öden Gegend, daß er die Burg bauen ließ. Er soll später gesagt haben: „Laßt Gott sein Himmelreich bewahren, wenn ich nur mein Gurre behalten kann.“
Sehr wahrscheinlich war Tove in Wirklichkeit die Geliebte Waldemars I. des Großen; Waldemar Atterdag jedenfalls starb hier, auf Schloß Gurre, im Jahre 1375. Zur Strafe für seine Frevel muß (darf) Waldemar für alle Ewigkeit mit seiner wilden Jagdgesellschaft durch die Wälder um Gurre reiten. Jens Peter Jacobsen gab dem Mythos von Waldemar und Tove eine poetische Form, die Gurre-Lieder von Arnold Schönberg vertonen die deutsche Übersetzung der Texte Jacobsens.

What’s this?
Vorweihnacht
If you could have seen me! Die Hände vorm Gesicht, eyes wide. Was für Gesichter, aber – god damn, was für Körper, was für eine Story! Ich gestehe, ich bin noch nicht ganz durch, aber das wird noch. Alle Emsigkeit ganz canceresque längst beiseite geschoben für einen Tag Schundroman lesen und andere Ausreden. Oh ja, geben Sie mir ein kleines Mädchen, noch dazu mit einer Puppe oder zweien und ich bin verloren. Das Libretto des 14. heißt hier:
ICH BIN DIE HERRSCHERIN DER MEERESTIEFEN!
Ah, Luzie! Die blonde Ansagerin im TV fand ich toll. Und Friedrich & Friedrich auch. Die Herrscherin der Meerestiefen auch toll! Also, alle beide! Der Kampf gegen den gewaltigen Riesenkraken, sehr schön. Heute las ich, daß Kraken auf dem Meeresgrund Kokosnußschalen sammeln, sie ineinander stapeln, sich in die oberste Schale setzen, die acht Arme seitlich versteift herunterlassen und dann wie auf Stelzen losziehen da unten. Die Meerestiefen sind auch nicht mehr, was sie mal waren.
Die tschechischen Kinderserien waren unschlagbar. Kennen Sie auch „Der fliegende Ferdinand“? Manche Dinge gehen einfach weg, manche Ringe auch. Zum 15. etwas ganz Sprödes. Damals, lang vor Peter Jackson, als man „Der Herr der Ringe“ zum ersten Mal las, lobte irgendein Schreiber des Musik-Express diesen Schweden, von dem Jimi Hendrix sehr begeistert war, und ich ynvestierte Münzen in den „Magician’s Hat“ und in „Lord Of The Rings“. Die sich um nichts kümmernde Otherworldliness dieser Musik gehört zu meinen Winterritualen. Zeugs völlyg aus der Zeit, immer schon und nach wie vor.
Die Rollschuhe für die Enkelin bei Kaschtschej, hmhm. :) Mir ist die Feuervogel Geschichte irgendwoher familiar. Gibt es auch ein solches Märchen, das hier für den KiKa verbraten wurde? Man weiß es nicht, vermutet nur.
„Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?“ – „Oh, Kim Wilde, wie immer.“
Was es alles gibt! Kim Wilde rules!
16: Es soll schneien! Es soll schneien! Es soll schneien!
Haha, das sind aber lustige Riesenkraken. Wenn Bayern einst am Meer liegt, werden die noch auf Schatzsuche gehen und sich im Unterwasservergnügungspark vergnügen. Hanni Vanhaiden. Die Fernsehansagerin, nicht die Riesenkrake. Die mochte ich auch. Und Denes Törzs nur, wenn er die Sesamstraße angesagt hat, dann war er nicht so unheimlich ernst.
Ach, war das schön, als man unterm Wohnzimmertisch auf dem dicken Teppich lag und erklärt bekam, was man zu sehen kriegen würde. Vorher natürlich die Nachrichten und die Wettervorhersage. Erstaunlich, wie geduldig man damals noch Sätze sprechen konnte.
Christine Steinfeld WDR 10.04.1982
Nun soll es heute nacht tatsächlich schneien. Hach, und dazu geröstete Kastanien am Feuer.
Christine Steinfeld könnte ich stundenlang zuhören. Während ich schon deshalb kaum noch fernsehen kann, weil die zeitgenössische Trailerflut mir dermaßen auf den Zeiger geht, wo Sprecher in Ankündigung irgendeines Pseudo-Events ihre Stimmen in prä-orgasmische Markigkeit runterknödeln. Grotesk. Verrückt, daß Sie ans Liegen unterm Wohnzimmertisch vor einem noch nicht dehumanisierten TV erinnern, spürte ich alldem doch auch gerade nach. Tatsächlich bin ich sicher, daß sogar die Umschaltpausenzeichen zur Neuroplastizität meines Hirns beitrugen. :) Das NDR-Zeichen hatte eine seltsame kosmische Tiefe, die mein kindliches Aufmerksamkeitsnetzwerk besonders präparierte. :)
Oder das Intro zu „Der phantastische Film“.
Vermutlich kapieren die Programmacher these days gar nicht mehr, wieviel Genie in dem Trailer steckte.
Interessant auch, wie im ersten „Aktenzeichen XY“-Intro das Böse musikalisch noch an „Der Malteserfalke“ erinnert und aus irgendwelchen Schwarzweiß-Gullys kommt.
17: was ist das da, direkt neben Nat King Coles Kastanienrösterei? Muß Frosty The Snowman sein!
Sie haben das sehr treffend beschrieben, wie das im TV heute geht. Ich vertrage es auch nur schlecht. Endloses Getue um nichts und niemanden. Histrioniker bis zum Abwinken. Das frühere Intro zu Aktenzeichen XY ist der Wahnsinn! :) Die Sendung war mir immer ein Rätsel, aber verpassen ging nicht. „Wir schalten um, in unser Büro in Zürich. Guten Abend nach Zürich.“ Haha. Sah aber genau so aus wie vorher, das Studio. In die eigene Kindheit zu spüren ist ja oft sehr rührend. Ich bin mir auch sehr sicher, dass es in meinem Hirn eigene Karten, synaptische Felder für die zum festen Ablauf gehörigen Dalli Dalli Spiele gibt. Donnerstagsabends, 19:30. Unser kleines Schnelldenkerspiel. Ich bemühte mich immer, die Anwesenheit von Sofa oder Sessel zu respektieren, magisch zog es mich je später der Abend unter den Tisch auf den Teppich.
Ja, der Trailer zum phantastischen Film ist groß. Scheint fast unglaublich, dass so etwas mal erlaubt war. Erinnere mich sehr gut, dass ich es gruselig fand, aber die Neugier doch immer siegte.
17 … if only in my dreams.
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Ich weiß nicht, warum ich die Dinge immer erst richtig schätzen lerne, wenn ich die gesamte Story kenne. Natürlich kennen Sie das Video zu Johnny Cashs Hurt, in dem man nicht nur das Haus sieht, in dem das Dreamteam gelebt hat, sondern auch das Studio, in dem so viele Lieder aufgenommen wurden. So fascinating. Weil es so schön ist:
June Carter Cash wurde am 23. Juni geboren. „Goodbye“ that’s all she wrote. :)
Weiß nicht, ob Pat Boone immer noch der Nachbar von Ozzy ist, wenn er Home for Christmas ist. Laut Ozzy der netteste Nachbar, den man haben könne. „Hat sich nie beklagt.“ :) Sie sehen, unsere Beschwörungen mittels samtweicher Standards machen sich schneeweiß bezahlt!
Sahen Sie Johnny Cash at Folsom Prison? Sehr gut gemachter Film, fand ich. Beeindruckend die Photographien, die bei der Ankunft von June & Johnny im Folsom Prison entstanden, die Spannung auf den Gesichtern, Cash weiß, wie bedeutend dieser Tag für alle ist, auch für ihn, und für ein paar Momente scheint dieser düstere Ort allen die Knie weich zu machen. Wie Cash mit den Tränen kämpft bei Glen Sherleys „I Love You“-Rede, und wie Cash ihn am Gefängnistor abholt, beide scheinbar mit Zweimeterschritten davonziehen. Sehr erhellend die Aussage über Cash, daß er sich auch Krisen kreierte, wenn doch scheinbar alles gut lief. Auch eine Form des Outlawtums, daß einer gerade da, wo alles normal scheint, die Motten kriegt, und dies sozusagen auch conditio seiner Kunst wird. Muß „Walk The Line“ wieder sehen. Groß groß groß, Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon. June 25 wäre fast noch logischer gewesen. Ohne June hätte Johnny es einfach nicht geschafft.
Das „Hurt“-Video kann ich kaum anschauen, fang ich immer an zu heulen. Pièce de résistance von Nine Inch Nails, niemand hätte es covern dürfen, nur er, und er macht daraus sein Testament. Nick Cave sagte mal: Johnny Cash covered one of my songs so you can all go fuck yourself.
Mark Lanegan, so meine Theorie zum 18. Fenster, geht langsam dahin, wo Johnny Cash mal war. Darum auch nicht verwunderlich, daß er in diesem Stück, und dieser TV-Auftritt ist eines der faszinierendsten Dinge für mich on whole fucking YT, Johnny Cash verwandelt zu „We got buried in a fever“.
Seine beiden Platten mit den Seelenrettern: Songs wie Nachtlichter in Fenstern.
Carnival, Whiskey für den Heiligen Geist,
und Nähe von Wesen, die seltsame Religionen inspirieren können.
Yes, die primal truths alle auf dem Teppich rezipiert, me too. Noch heute eigentlich Carpet Viewer, me. Diese Rosenthal-Hüpfer im Standbild festgehalten, ich sah den Witz nicht, habe nie verstanden, warum man den armen kleinen ekstatischen Mann nicht gleich wieder runterließ. Zweite Staffel arrived, by the way. Ist der Brunnen reserviert this year? Schön draußen, Schnee funkelt unter der Laterne, here comes that weird chill. Dennoch in Fenster 19 another moment of the year. Twenty years to go.
Sorry I’m late. Wedding Dress kannte ich schon von Profilbesuchen her, aber diese Aufnahme da an dem Ort mit den kirchenartigen Fenstern und dem black-haired girl neben ihm ist ganz toll. Und Mark singt ganz wunderbar tief und sanft. A Strange Religion, so ist dieser Mann wohl. Gefällt mir alles sehr, auch die Soulsavers-Sachen, thank you very much, Holmes! Dieses Einfrieren im Sprung wurde spät eingeführt, da war ich auch schon fast aus dem Interesse heraus. Wissen Sie, irgendwann ist man einfach zu müde, um selbst der Unterhalter sein zu können und dann sehnt man sich nach solchen Sendungen zurück, die von Menschen gemacht wurden, denen es niemals eingefallen wäre, alltägliche Nasen zu Pseudostars zu küren, nachdem sie vorher wochenlang unter dem Druck standen, perfekt zu funktionieren, beleidigt und bis aufs Hemd ausgezogen wurden bezüglich ihres uninteressanten Privatlebens. EWG oder andere waren eben noch unterhaltsame Spielshows. Ich träume manchmal nachts davon. Neuroplastizität für DSDS und Popstars abgewehrt. Carpet viewer noch heute? :) Unser Penthouse ist noch carpet-free.
Ja, „Hurt“ ist schon besonders schwer auszuhalten. Aber da sind noch mehr unglaublich rührende Lieder, gerade auch die mit June zusammen mag ich sehr. Ein Film über Folsom Prison? Nein, den sah ich noch nicht. Ich hab ungefähr 2 Tage in der 1. Etage bei Heymann verbracht, um die Biographie zu inhalieren, bis ich beschlossen hab, sie mir zu Weihnachten zu schenken. „Walk The Line“ ebenso. Ich BRAUCHE diesen Film. Hab ihn erst einmal gesehen und da auch noch den Anfang verpasst. June und Johnny haben ja noch selbst der Auswahl der Hauptdarsteller zugestimmt. Hach. Ja, Outlaw, und dass er sich für Schwarz entschied und warum. All die Dinge, die ihn so einzigartig machen. June fiel „Ring of Fire“ ein, als sie im Auto fuhr und darüber nachdachte, ob sie diesen Mann heiraten solle, der so labil und so schwierig war damals. Und sie wusste, sie würde es tun, sie könnte gar nicht anders, es war eben, als wäre sie in einen ring of fire gefallen. Die zweite Staffel? Oh, ich bin soo gespannt auf Ihre Kommentare zu einzelnen Szenen. Es erwarten Sie wieder so herrliche Momente! Na, ich denke doch, dass der Brunnen reserviert ist. Wann passt es wohl? Am Tage vor der Heiligen Nacht wieder oder ist die BS dann schon im Winterschlaf?
Ja, es ist unglaublich, wie gut wir diesmal unsere psychischen Kräfte gebündelt haben und die weiße Pracht alles so sanft und still werden lässt. Heute in der Landstraße, die Verkehrswand gedämpft unter der Schneedecke, ganz zart und später kräftiger tönte „Stille Nacht“ und der Schnee knirschte unter den Schuhen. Vor der Post saß ein Mann mit einem Saxophon. Kinder zogen ihre Schlitten und Schneebälle flogen. So nice this chill. Moment of the year? Wow. One of my moments of this year für Sie in Fenster 19, aber nicht live am 11.7. in Berlin. Es ist nicht lange her, da war ich wieder mal am Meer.
Der Nietzschevorleser Kulenkampff versuchte ja noch, aus den Kandidaten eine Verbindung von Intelligenz und Charme herauszukitzeln, da wurden nicht komplette Blödmänner mit zigtausend Euro bedacht, EWG im übrigen auch Relikt einer Zeit, in der Europäer sich erstaunlicherweise viel näher waren und jemand wie Francoise Hardy in deutschen TV-Studios ein und aus ging. Träume, die uns nichts bedeuten, sollte man beizeiten mit anderen Augen sehen, weil sie oftmals unser Denken auf die Wege lenken, die wir dann gehen.
Ah, großer Song von Farin. Beide solo oft plötzlich näher als die Ärzte – Bela B, Letzter Tag. WalkTheLineBrauchen bedingungslos von mir geteilt, gestern auch fast genommen, stattdessen dann doch im Lichterglanz Richtung Dartmoor: The Hound of the Baskervilles. JB hat versucht, Watson hinter sich in der glanzpolierten Kaffeekanne zu sehen, aber es gelang ihm nicht, erzählt der Audiokommentar. Es mit dem Kaffeekannendeckel zu versuchen, war dann seine Idee. Damit gelang es. Dieser Perfektionist.
The black-haired girl ist Shelley Brien.
Mich lassen sie bis Mittwoch durch den Schnee stapfen, am 23. wäre also perfekt – sofern Extremitäten und Verstand bis dann nicht eingefroren sind?
„I’m proud to say that I worked with Johnny Cash, and when he came through the studio door for the first time it was like Moses himself had arrived. He is a character of truly biblical proportions, with a voice, all wailing freight trains and thundering prairies, like the landscape of his beloved America. Before I got to see it with my own eyes I had a picture of it through Johnny Cash’s singing.
He has a soul as big as a continent, full of righteous anger mixed with human compassion. A true individual in a land founded on individuality. There will never be another like him, and he could have come from nowhere else.“ (The Edge). 20:
Ach Sie! Dann haben Sie mir ja den Hound voraus, obwohl er schon hier herumoxidiert mitsamt Audiokommentar. Wo bleibt nur die Ruhe vor dem Sturm, wenn man sie mal braucht? Also gut, Sie bekommen ein Johnny Cash-Päckchen von mir zu Weihnachten, wenn Sie mir folgende Frage beantworten: Warum ist Aljoscha offenbar erleichtert darüber, dass SIE keine hochwohlgeborene Russin (die selbstverständlich Fremden auf Französisch geantwortet hätte) ist? (S. 240) Die 14. Stunde des 23. Tages also am üblichen Ort? Wie schön.
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Seine Stimme war so einzigartig, dass man immediately getröstet ist, auch wenn man vorher gar nicht traurig war.
Ich darf Auchmalwasvoraushabenkönner sein, weil ich das Privileg ansonsten ganz Ihnen verdanke. S. 240 – in eine Art fiktives St. Petersburg als psychische Landschaft transponiert sind ohnehin alle, die Erleichterung gilt nicht so sehr dem nicht fehlenden h der Aussprache, dies eher reiner Fakt wie geschürftes Gold, Hochwohlgeborenheit (in psychischer Landschaft) dadurch unberührt, Erleichterung über das Allesbisdahinbestätigende des ersten Wortes an sich. „Eine tiefgründige Erzählung, klassisch und modern zugleich. Genialer Schreibstil, den ich aus der deutschsprachigen Literatur sonst so nicht kenne. Das beste Buch, das ich seit langem das Glück hatte zu lesen.“ Schrieb jemand am 18. in „Bücher – welches sind Ihre aktuellen Favoriten?“ auf SPON über „Aljoscha“, Hölderlin sagte mal irgendwie was über Gefahr und Rettung und hatte irgendwie recht. Oui, 14. Stunde des 23. Tages, right there, enchanté.
21: Ich liebe diesen Song von Fairport Convention seit langem so sehr:
Now imagine my surprise.
Im psychischen Sinn Britin; ich konnte 19 von 20 des Sherlock Holmes-Quiz beantworten. Können Sie auch, wenn Sie Staffel 2 inhaled haben.
19 von 20 – splendid, Watson! Aber welches war die eine, die nicht gelang, und warum? :) Wenn Sie Fenster 22 öffnen, hören Sie die recht unbeschreibliche Danielle Dax mit ihrem Beitrag zum Winter Wonderland.
Hab maßlos übertrieben, eher 18 von 20. Frage 4: Wer ist der Mann mit den langen Fingernägeln? Ich vermute Moriarty, aber not sure. Und Frage 16: Why does Holmes scream? Kann mich nicht im Geringsten an die Szene erinnern. :)
Ja, der Mann mit den langen Fingernägeln ist Moriarty (Szene ist ziemlich am Anfang von „The Red-Headed League“), die Why does Holmes scream?-Szene mag ich sehr, ist aus „The Copper Beeches“, Holmes echauffiert sich zunächst über Watsons Vorliebe fürs Triviale bei den Aufzeichnungen der Fälle, zuviele Schnörkel, Farbe und Lebendigkeit, wo er doch nur die Fähigkeiten der Deduktion und der logischen Synthese akzentuieren sollte. In der deutschen Synchro fällt leider unter den Tisch, wie Watson sagt: Also Holmes, immer, wenn Sie diese Pfeife wählen, sind Sie streitsüchtig. Holmes beklagt Schauergeschichten statt Lehrbeispielen. Am Fenster dann: was schert sich denn das Publikum um die feineren Schattierungen von Analyse und Deduktion! Der Verbrecher von heute habe weder Unternehmungsgeist noch Originalität, beklagt er, und daß seine Praxis degeneriert sei zu einer Agentur für das Auffinden von Bleistiften. So cute, wie schon am Anfang der Szene Holmes indigniert Watsons halb sympathische, halb pompöse Selbstzufriedenheit bemerkt, als ihn mal wieder „die Muse geküßt“ hat. Auch das liebe ich so an David Burke, wie er Watson exakt diesen Zug verleiht. Jede Folge Lieblingsfolge, morgen alle wieder bei Ihnen. :)
Sie sind so ein Schatz. Wenn das Selbstredende selbst reden müßte, würde es sagen: so schön, daß es Sie gibt. Die Welt war noch schlechter als gedacht, Watson, und jagt mich mit genau 778 Pferden, but tonight I’ll walk the line. „Gerade auch die mit June zusammen mag ich sehr“, Sie geschickte Andeuterin, und Deuterin, die in exakt der richtigen Sekunde „Lanegan“ sagt. :) One of the pleasures of my life, Passionen mit Ihnen zu teilen. Ein richtiger Streit war das heute auch nicht, Watson, das müssen wir üben. :) Der Psychobritin zum 23. eine traditionelle englische Ballade.
Thank you so much, Dear.
Got me. Im Streiten bin ich schlecht, Holmes. Es ging ja auch eher um Erklärungen. War das schön, Ihnen beim Schwärmen zuzuhören. Achten Sie doch in der zweiten Riege auch auf Holmes, wie er „Quite so“ sagt. Sie werden sehen, falls Sie nicht sowieso schon wissen, was ich meine.. :)
778!!!??? Sie lesen mich sprachlos. Dafür könnten Sie hier Anteile kaufen. Denken Sie an Flucht, Rebellion, Hungerstreik? Alles andere: ich freu mich, wenn und dass Sie sich freuen. Ich habs noch nicht geöffnet, morgen um 7, Dear! :)
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„Wie von ihm festgesetzt, trafen wir uns am nächsten Tag und inspizierten die Räumlichkeiten von Nr. 221B, Baker Street, über die wir bei unserer Begegnung gesprochen hatten. Sie bestanden aus zwei gemütlichen Schlafzimmern und einem gemeinsamen, großen, luftigen Wohnraum, der fröhlich möbliert war und von zwei breiten Fenstern erhellt wurde. Die Zimmer waren insgesamt so ersprießlich, und die Kosten, geteilt durch uns beide, erschienen uns so maßvoll, daß die Verhandlungen auf der Stelle zu einem Abschluß gebracht wurden und die Wohnung sogleich in unseren Gebrauch überging. Noch am gleichen Abend brachte ich meine Habseligkeiten aus dem Hotel herbei, und am nächsten Morgen folgte Sherlock Holmes mir mit mehreren Kisten und Schrankkoffern. Einen Tag oder zwei waren wir vollauf damit beschäftigt, unsere Besitztümer auszupacken und in möglichst vorteilhafter Weise unterzubringen. Nachdem dies geschehen war, begannen wir, ansässig zu werden und uns an die neue Umgebung zu gewöhnen. Mit Holmes war es keineswegs schwierig auszukommen. Er war von ruhiger Art und hatte geregelte Gewohnheiten. Selten war er nach zehn Uhr abends noch auf den Beinen und immer hatte er bereits gefrühstückt und das Haus verlassen, bevor ich morgens aufstand. Bisweilen verbrachte er den Tag im Chemie-Laboratorium, manchmal in den Sezier-Räumen, und gelegentlich auf langen Spaziergängen, die ihn in die niedersten Teile der Stadt zu führen schienen.
War er arbeitswütig, so vermochte nichts seine Energie zu übertreffen; hin und wieder setzte jedoch eine Reaktion ein, und dann pflegte er tagelang auf dem Sofa im Wohnraum zu liegen, wobei er vom Morgen bis zum Abend kaum ein Wort sagte oder einen Muskel bewegte. (…) Seine Unwissenheit war ebenso bemerkenswert wie seine Kenntnisse. Über zeitgenössische Literatur, Philosophie und Politik schien er so gut wie nichts zu wissen. Als ich Thomas Carlyle zitierte, erkundigte er sich überaus naiv, wer dieser sei und was er geleistet habe. Meine Überraschung erreichte jedoch einen Höhepunkt, als ich zufällig herausfand, daß ihm die Theorie Kopernikus‘ und der Aufbau des Sonnensystems unbekannt waren. Daß ein gebildeter Mensch in diesem unserem neunzehnten Jahrhundert in Unkenntnis der Bewegung der Erde um die Sonne verharrte, erschien mir als solch außerordentliche Tatsache, daß ich es kaum zu begreifen vermochte. ‚Sie scheinen sehr erstaunt zu sein‘, sagte er; er lächelte über meinen verblüfften Gesichtsausdruck. ‚Jetzt, da ich es weiß, werde ich mich nach Kräften bemühen, es zu vergessen.‘ ‚Es zu vergessen!‘ ‚Sehen Sie‘, erläuterte er, ‚ich bin der Meinung, daß das Hirn eines Menschen ursprünglich eine kleine leere Dachkammer ist, die man mit dem Mobiliar versehen muß, das einem genehm ist. Ein Narr nimmt allen Plunder auf, über den er stolpert, so daß das Wissen, das ihm nützen könnte, von der übrigen Menge verdrängt oder bestenfalls von all den anderen Dingen verstellt wird, so dass er es schwerlich erfassen kann.
Der geschickte Arbeiter dagegen wird sehr sorgsam mit jenen Dingen umgehen, die er in seine Hirnmansarde holt. Er nimmt nur jene Werkzeuge auf, die ihm bei seiner Arbeit helfen können, aber von diesen hat er ein großes Sortiment, und alle sind wohlgeordnet und in bestem Zustand. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, dieser kleine Raum habe elastische Wände und sei beliebig dehnbar. Verlassen Sie sich darauf: Es kommt eine Zeit, da Sie für jede neue Kenntnis etwas vergessen, das Sie vordem gewusst haben. Es ist daher von größter Wichtigkeit, daß nicht nutzlose Fakten die nützlichen verdrängen.‘ ‚Aber das Sonnensystem!‘, protestierte ich. ‚Was zum Teufel soll ich damit?‘ unterbrach er mich ungeduldig. ‚Sie sagen, wir kreisen um die Sonne. Und wenn wir um den Mond kreisten – für mich oder meine Arbeit würde das nicht den geringsten Unterschied machen.'“ (A.C. Doyle, Eine Studie in Scharlachrot, Kapitel 2: Die Wissenschaft der Deduktion)
Thank you so very much für diesen zweiten wundervollen Adventskalender, Holmes. Was Sie heute, nein gestern, sagten, beschämt und freut mich gleichermaßen und es sinkt erst langsam ein, dass Sie und ich nun schon Traditionen pflegen. My dear friend and colleague Holmes, ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und ein paar ruhige Tage, in denen es gelingen mag, allen Unbill auszuschließen und die Gedanken auf all das Gute zu lenken, das war, ist und kommen mag. Alles Liebe, Dear und Dank für Reziprozität, Zeit und Schönheit. Love, Yours Watson
Danke für die Studie in Scharlachrot, für alles! Nun gut. Eigentlich war das hier mein Plan, unashamed.
Aber ich hab „Walk The Line“ gesehen heut nacht, and you gave it to me, und da gibt es nur eins. Augenblicklich der beste Film aller Zeiten, das beste Mobiliar in der Dachkammer. Was Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon da zusammen veranstalten, raubt mir den Atem und jagt mir Tränen in die Augen. Everything’s alright tonight.
Merry Christmas, Baby.



Edward Burne-Jones
Portrait of Maria Zambaco
1870
Maria Zambaco, eigentlich Maria Cassavetti, geboren am 29. April 1843 in London, Tochter eines wohlhabenden griechischen Kaufmanns, Muse der Präraffaeliten, Modell für James Abbott McNeill Whistler und Dante Gabriel Rossetti, von ihrem Verehrer George du Maurier beschrieben als „rude and unapproachable but of great talent and a really wonderful beauty“. 1860 heiratet sie in London den Arzt Robert Zambaco, 1861 ziehen beide nach Paris. 1866 trennt sie sich von ihm und geht mit ihren beiden Kindern nach England zurück. Ihre Mutter Euphrosyne Cassavetti bittet Edward Burne-Jones, ein Porträtbild ihrer Tochter anzufertigen und Marias eigene Kunststudien zu fördern. Maria und Burne-Jones beginnen eine Liebesbeziehung. Im Januar 1869 findet Burne-Jones‘ Ehefrau Georgiana einen Brief von Maria in seiner Kleidung, die stürmische Affäre wird öffentlich und löst einen gesellschaftlichen Skandal aus. Maria fleht ihn an, gemeinsam mit ihr Selbstmord zu begehen durch eine Überdosis Laudanum, Burne-Jones trennt sich von ihr. Es entsteht eine Reihe von Bildern mit Marias Antlitz, das für den Maler ewige Obsession bleibt. Maria Zambaco beginnt in den 1880er Jahren mit der Bildhauerei und wird in Paris Schülerin bei Auguste Rodin. Das Porträt, das Burne-Jones 1870 malt, nach der Trennung, ist eine Liebeserklärung an Maria und Verewigung der Amour fou.
„Independently wealthy, unconventional, tempestuous and determined, she was a lover who refused to be quietly adored and Burne-Jones began to see that she wanted more than he was prepared to give.
When he told her that he would never leave his ever-faithful wife Georgiana, Maria was enraged and Burne-Jones took flight, leaving her ‚tearing up the quarters of his friends‘ to use Rossetti’s words. When he eventually returned, she threatened to kill herself and there was an embarrassing scene beside the Regent’s Canal where Burne-Jones was almost arrested for rolling in the gutter with Maria as he prevented her from leaping into the water. The storm had broken and the affair was over but they remained in contact and Maria’s face continued to dominate Burne-Jones‘ art.“ [Simon Toll, sothebys.com]

Edvard Munch
Madonna
Dritte Fassung
1895
Als Modell für die fünf „Madonna“-Fassungen, die Edvard Munch zwischen 1894 und 1897 malt, gilt die norwegische Schriftstellerin Dagny Juel.
„Strindberg sah in ihr eine zielbewußte Messalina von letzter Teufelei, vor der man nicht weit genug fliehen konnte und die einen selbst noch in der Ferne am Band hielt. Munch dachte ähnlich und nannte sie, wenn wir unter uns von ihr sprachen, die Dame, was weiter nichts als gebotene Fremdheit besagen sollte […] Vielleicht hat Munch sie gehabt, ich weiß es nicht, nannte sie trotzdem und erst recht die Dame. Vielleicht Strindberg, leicht möglich. Wahrscheinlich hat sie viele gehabt. Besessen hat sie keiner.“ (Julius Meier-Graefe)
„Werner Hofmann suggests that the painting is a ’strange devotional picture glorifying decadent love. The cult of the strong woman who reduces man to subjection gives the figure of woman monumental proportions, but it also makes a demon of her.‘ Sigrun Rafter, an art historian at the Oslo National Gallery, suggests that Munch intended to represent the woman in the life-making act of intercourse, with the sanctity and sensuality of the union captured by Munch. The usual golden halo of Mary has been replaced with a red halo symbolizing the love and pain duality. The viewer’s viewpoint is that of the man who is making love with her.“ [wiki]
Darstellung von Heiligkeit, Darstellung eines Orgasmus, oder beides, you choose.


Dante Gabriel Rossetti
Rosa Triplex
1867
„Rosa Triplex was inspired by Anthony van Dyck’s painting Charles I in Three Positions … Dante Gabriel Rossetti gave his later works literary and mythical titles, but they have no story. This prioritises their atmosphere and beauty. During this period, Alexa Wilding was Rossetti’s preferred model. He liked her commanding presence.“ [tate.org]

Gustave Moreau
Hélène Glorifiée
1896
In Der Tragödie zweiter Teil (veröffentlicht 1832) läßt Goethe Helena, das Urbild der Schönheit und von Sexualität als Project Mayhem, durch Zeit und Raum zu Faust bringen. Das geflügelte Kind zu Füßen der Helena auf Moreaus Bild ist Euphorion: bei Goethe der Sohn von Faust und Helena. Krieger, Fürst, Poet: niemand hat Besseres zu tun als Helena zu verherrlichen. Damn right.

Jean Delville
L’Idole de la Perversité
1891

Evelyn De Morgan
Medea
1889

Edvard Munch
Salome
1903
Eines meiner liebsten Werke von Edvard Munch ist Die Brosche, eine Lithographie von 1903. Zu sehen ist Eva Mudocci, eine englische Violinistin, die Munch in Paris kennenlernte. Mudocci, die hier 1903 auch als Salome erscheint, war Munchs Geliebte. Munch sagte, sie habe „Augen von tausend Jahren“. Salome jedenfalls sieht glücklich aus.

Odilon Redon
Der mystische Ritter
1869
Ödipus und die Sphinx.

Fernand Khnopff
Who Shall Deliver Me?
1891
Man muß schon deshalb irgendwann im Leben nach München reisen, weil „I lock my door upon myself“ von Fernand Khnopff in der Pinakothek zu sehen ist. Der Titel des Gemäldes ist eine Zeile aus dem Gedicht „Who Shall Deliver Me?“ von Christina G. Rossetti. Christina, die jüngere Schwester des Malers Dante Gabriel Rossetti, schrieb das Gedicht 1866.
Die rätselhafte Schönheit seiner Bilder, der Eindruck des Anderweltlichen, der Eindruck, daß die Seele mit einer Art von beyond in Verbindung steht, all das macht Khnopff für mich besonders faszinierend. Sein bevorzugtes Modell war seine jüngere Schwester Marguerite, und wenn Khnopffs Bildern eine Verheimlichung eingewoben ist, dann gewiß auch ihr Gegenteil, ein Hauch des Inzestuösen liegt über diesen Bildern, es offenbart sich eine mindestens intensive Beziehung, vielleicht eine unglückliche Liebesbeziehung des Malers zu seiner Schwester, mit der er, von der Welt abgeschottet, in einer verwunschenen Villa in Brüssel lebte. Für Khnopff ist Marguerite der Inbegriff der Schönheit, sie ist auch die Frau in „Who Shall Deliver Me?“. Befreiung – vom Eingeschlossensein in sich selbst? Erlösung – vom Verbergenmüssen der geheimsten Sehnsüchte? Errettung – von der Transformation in ein Wesen? Ask these eyes.

Fernand Khnopff
Hérodiade [La Victoire]
c. 1917
Marguerite als Herodias.

Fernand Khnopff
Avec Georges Rodenbach. Une ville morte
1889
Im 1892 veröffentlichten Roman „Bruges-la-Morte“ von Georges Rodenbach erscheint Brügge als Stadt im Dornröschenschlaf, als tote Stadt, als stille Stadt. Auch David Bowie ist mit dieser Stille vertraut: Auf „The Next Day“ von 2013 heißt es in „Dancing Out In Space“: „Silent as George Rodenbach / Mist and silhouette“.
Das Cover, das Guy Peellaert, ebenfalls Belgier, 1974 für Bowies „Diamond Dogs“-LP schuf, könnte auch von Khnopffs Gemälde „Caresses“ von 1896 inspiriert sein, für Till Briegleb „einer der schönsten Momente der Kunstgeschichte, an dem finale Deutung versagen muß“ (sueddeutsche.de, 2019).
Rodenbachs Werk macht Brügge zum Anziehungspunkt für Künstler und Schriftsteller. Der Protagonist des Romans, Hugues Viane, untröstlich über den Tod seiner Frau, zieht nach Brügge, weil es die einzige Stadt für seinen Schmerz ist:
„Und wie traurig war auch Brügge an diesen Spätnachmittagen! So liebte er sie, diese Stadt! Seiner eigenen Traurigkeit wegen hatte er sie ausgewählt, um hier nach der großen Tragödie weiterzuleben. (…) Der toten Frau musste eine tote Stadt entsprechen. (…) In der stummen Atmosphäre unbelebter Kanäle und Straßen hatte Hugues seinen großen Schmerz weniger gespürt, hatte er verhaltener an die Tote gedacht. Er hatte sie besser vor Augen, besser verstanden, fand im Wasser der Kanäle ihr Ophelia-Antlitz wieder (…) Die Stadt, auch sie einst schön und geliebt, verkörperte auf diese Weise seine Klagen. Brügge war seine Tote. Und seine Tote war Brügge.“ (Georges Rodenbach, Das tote Brügge, Stuttgart 2011, 16 ff.)
Khnopff gestaltet für Rodenbachs Roman ein Frontispiz, das die schöne Tote und eine der Brücken Brügges formal in Parallele setzt und so die Identifikation von Stadt und Frau wiedergibt. In einem Essay hat Rodenbach den Gedanken weiter ausgeführt; „Les villes sont un peu comme les femmes“, schreibt er, und Brügge sei wie eine abgesetzte Königin, heute vergessen, früher eine mächtige und prächtige Monarchin. Dies scheint die Erklärung für den wehmütigen Blick auf die Krone.

Gustave Moreau
L’apparition
Undatiert
The head that dripped blood: „This painting picks up the iconography of the famous watercolour of the same title (Musée du Louvre, Department of Graphic Arts, Musée d’Orsay Collection), which inspired J-K Huysmans to write some wonderful passages in his novel A Rebours. It illustrates an episode taken from Chapter XIV of St Matthew’s Gospel. John the Baptist had been imprisoned for having condemned the illegitimate marriage between Herodias and King Herod. Wishing to get rid of this troublesome person, the queen asked her daughter Salome, when she had finished dancing for the king, to ask for the head of John the Baptist as her reward.
This short episode gave rise to many works focusing on the figure of Salome, who did not, however, instigate the crime. But this Jewish princess would excite the imagination of painters to become the archetypal femme fatale. (…) In this painting, we can see: on the left, Herod, hieratic on his throne next to his wife; on the right, the impassive executioner, sword in hand; in the dark background a series of lines describe figures of pagan divinities blending into a strange and disturbing architectural setting, decorated with medieval motifs. This rich ornamental decor, typical of the painter’s style, taken from the most distant centuries and civilisations, make this scene difficult to place in time and space, and adds to its enigmatic character. Gustave Moreau transforms this biblical episode into a fable, a painted poem in which the theme is meant to be edifying as well as a pretext for a dream.“ [musee-moreau.fr]

Gustave Moreau
L’apparition
(Detail)
SALOME
Ah! thou wouldst not suffer me to kiss thy mouth, Iokanaan. Well! I will kiss it now. I will bite it with my teeth as one bites a ripe fruit. Yes, I will kiss thy mouth, Iokanaan. I said it; did I not say it? I said it. Ah! I will kiss it now . . . But wherefore dost thou not look at me, Iokanaan? Thine eyes that were so terrible, so full of rage and scorn, are shut now. Wherefore are they shut? Open thine eyes! Lift up thine eyelids, Iokanaan! Wherefore dost thou not look at me? Art thou afraid of me, Iokanaan, that thou wilt not look at me?
And thy tongue, that was like a red snake darting poison, it moves no more, it speaks no words, Iokanaan, that scarlet viper that spat its venom upon me. It is strange, is it not? How is it that the red viper stirs no longer?. . . Thou wouldst have none of me, Iokanaan. Thou rejectedst me. Thou didst speak evil words against me. Thou didst bear thyself toward me as to a harlot, as to a woman that is a wanton, to me, Salome, daughter of Herodias, Princess of Judaea!
Well, I still live, but thou art dead, and thy head belongs to me. I can do with it what I will. I can throw it to the dogs and to the birds of the air.
That which the dogs leave, the birds of the air shall devour . . .
Ah, Iokanaan, Iokanaan, thou wert the man that I loved alone among men! All other men were hateful to me. But thou wert beautiful! Thy body was a column of ivory set upon feet of silver. It was a garden full of doves and lilies of silver. It was a tower of silver decked with shields of ivory. There was nothing in the world so white as thy body. There was nothing in the world so black as thy hair. In the whole world there was nothing so red as thy mouth. Thy voice was a censer that scattered strange perfumes, and when I looked on thee I heard a strange music. Ah! wherefore didst thou not look at me, Iokanaan?
With the cloak of thine hands, and with the cloak of thy blasphemies thou didst hide thy face. Thou didst put upon thine eyes the covering of him who would see his God. Well, thou hast seen thy God, Iokanaan, but me, me, thou didst never see. If thou hadst seen me thou hadst loved me. I saw thee, and I loved thee. Oh, how I loved thee! I love thee yet, Iokanaan. I love only thee . . .
I am athirst for thy beauty; I am hungry for thy body; and neither wine nor apples can appease my desire. What shall I do now, Iokanaan? Neither the floods nor the great waters can quench my passion. I was a princess, and thou didst scorn me. I was a virgin, and thou didst take my virginity from me. I was chaste, and thou didst fill my veins with fire . . .
Ah! ah! wherefore didst thou not look at me? If thou hadst looked at me thou hadst loved me. Well I know that thou wouldst have loved me, and the mystery of Love is greater than the mystery of Death.
HEROD
She is monstrous, thy daughter; I tell thee she is monstrous. In truth, what she has done is a great crime. I am sure that it is a crime against some unknown God.
HERODIAS
I am well pleased with my daughter. She has done well.
[Oscar Wilde]

Gustave Moreau
Œdipe et le Sphinx
1864
Das ist ein so leidenschaftlich intimer Moment zwischen der Sphinx und Ödipus, ihr Aneinander und ihr Blickkontakt so intensiv, daß man als Beobachter den Blick abwenden müsste, wenn man den Blick abwenden könnte.

Franz von Stuck
Haupt der Medusa
um 1892
Alle Fotos CE
What’s this?
Vorweihnacht
Fearless Vampire Killers? Nun gut, sehr, sehr lange Winterabende, ja? Heute in Zeitdruck, deshalb immediately: ein Weihnachtsfilm, wie er sein darf.
Hm, nie gesehen den Film, aber Ihrem Befund schneeblind vertrauend werde ich Ausschau halten. Muß noch Lametta von AltGr bis Esc. Hach so viel zu tun noch. Zum Beispiel gebacken kriegen. Cake shop girls grow fingernails dead long and rather sharp. They paint them glacé cherry red and yellow marzipan.
How sweet! Vor dem Backen aber ein anständiger (Weihnachts)Tag im Schnee:
Was ist das mit den Weihnachtsvierteilern? Kann mich nicht so recht erinnern. Nur an Weihnachtsmehrteiler wie Timm Thaler etc.!?
Jingle Bells gequakt, klasse! Schade, Aufhebung der Naturgesetze mit dem Clip enden muß, daromb ich Ihnen nicht hortig das Donald Duck-Klassik-Album „Weihnachten für Kummersdorf“ transmissionieren könnt. Neben „Im Land der viereckigen Eier“ und „Das Gespenst von Duckenburgh“ unverzechbarer Besteckteil meiner präschulischen Diskurstheorie. Lernte Wert von Wendungen wie „Ich bin ins Grübeln gekommen, und das macht mich unruhig“ (Donald) erst so in Höhe Philosophiestudium richtig schätzen, versteht sich.
Die ZDF-Weihnachtsvierteiler, ach – seufz. Die Schatzinsel, Lederstrumpf, Der Seewolf, Lockruf des Goldes – that stuff. Haben wir bei uns in der Straße damals noch bis zum Ende des Winters nach- und weitergespielt, bei „Lockruf des Goldes“ dann schwer verliebt in Christine Kaufmann / Labiskwee. „Verliebt“ vielleicht nicht das richtige Wort. Schlagen Sie „Aljoscha“ Seite 230 auf (Erstausgabe). December will be magic again!
Wenn es wenigstens unter 5 Grad bliebe. Donald, Mickey und Pluto – alle Philosophen, wahrlich. Gehören zu (meinem) Weihnachten wie der Tetzlaffsche Silvesterpunsch zu eben dem. Das ewig lange Warten am Morgen des 24. war durch den Besuch Entenhausens gleich besser. Dickens‘ Weihnachtsgeschichte kannte ich lange nur mit Mickey in der Rolle des Armen und Dagobert als der alte Scrooge. – Ah, nun gut, „Und seine armen Füße würden niemals folgen können.“, S. 230 sagt. Für diese Mehrteiler war ich wohl zu jung oder zu ignorant, ob der neuen Barbiepuppen und Legokästen. Ich sah Patrik Pacard, Timm Thaler, Anna und solche. Kann mich aber auch daran nur fragmentarisch erinnern. Christine Kaufmann und Kate Bush haben eine gewisse Ähnlichkeit, finden Sie auch? Und Wahrheit sie singt, dieser Dezember gefällt mir bisher. Gestern abend im Finnegans Wake an der Börsenbrücke: ein nicht mehr junger Schotte schnappt die Gitarre und singt „Streets Of London“ just for me and my British Christmas, glaub ich. Aber das erspare ich Ihnen jetzt. Zum Ausgleich noch etwas Jeremy:
Das lange Warten am Morgen des 24. – Dieu, es waren die längsten Stunden der Zeitrechnung, draußen der schneeigste Schnee, die krächzendsten Krähen, die spannendste Spannung. – Ja, vielleicht ist da eine gewisse Ähnlichkeit. Noch ein Geheimnis, „Die Frau machte eine sonderbare Bewegung mit dem Kopf, ein nicht ausgesprochenes Wort betonend“ – das ist inspiriert von Christine Kaufmann in „Lockruf des Goldes“. Als sie Elam Harnish im Kanu gegenübersitzt. Schwer zu beschreiben. Hier ein paar Bilder, auch wenn es keine Erinnerungen wecken kann.
„Streets of London“ just for you and your British Christmas, wie phantastisch… erlauben Sie, daß ich an dieser Stelle addiere, wie einer der Iren erklärt: „Der Himmel uber Berlin ist blau“. Und wer wüßte das besser als Sie. Fünftes Türchen, for some moments of the year:
Ich kann im Zusammenhang mit Christine Kaufmann nicht ihren Auftritt in einer Sprechschau ausblenden, in der sie sagte, sie könne keinen Alkohol vertragen, da ihr sofort schlecht würde. Es war das Wie. Wie sie das sagte. Haben Sie eigentlich „Romy“ gesehen? Jessica Schwarzens Romy? Nun ja, ich wollte es nicht sehen, aber bei der dritten Wiederholung auf 3Sat oder so gab ich auf und siehe da, nicht viel Romy vielleicht, aber ein beeindruckender Film doch. Oh dear, goosebumps bei some moments of the year! Und da ich gestern beim größten Elektrofachmarkt Europas stop and stare vor der Riesenleinwand got stuck und dieser Mann dieses Jahr auch prägte und Berlin und blau und Himmel und überhaupt, ja, Sie sagen es, ich weiß und es scheint Retro-review-remember me-day today.
Nein, „Romy“ sah ich nicht, leider – nur ein Bild von Jessica Schwarz als sie. Das fand ich sehr erstaunlich, ich kannte die gar nicht. Dafür sah ich kürzlich nochmals „Monsieur Klein“ mit Delon. Verstörendes Juwel. Unfaßbares Ende. Verstehe zwar jeden, der bei Delon wg. stunning good looks gar nicht zum großartigen Schauspieler vordringt, aber man sollte es trotzdem irgendwann tun. Nun ja, die Capricorn-Damen sagen das, daß sie keinen Alkohol vertragen, da ihnen sofort schlecht würde. Tatsächlich nippen sie sogar zum Jahreswechsel so geschickt am Glas, daß man eine vollständige Illusion von „Frau trinkt Sekt“ erhält, die aber nichts ist als eben eine Illusion. Nach 17 Äonen probieren sie dann vielleicht mal, Captain Morgan mit Wasser zu verdünnen. Die Wahrheit ist, daß sie einen unter jeden Karibiktisch trinken könnten. Sie tun es nur einfach nicht. Morgen, also heute, The Raveonettes. Darum zum Nick-Klaus zwei Kläuse:
Nick, wie immer so deep. „Langsam und still trank er den Wein, und dankte dem Schöpfer dafür, nicht mit Worten, sondern mit stillem Wesen; es war, das wage ich gern zu sagen, etwas von geweihtem Wesen; auch in seiner Art zu trinken – so groß war ja seine Dankbarkeit dafür, dass er nun sein Leiden um Alles ein paar Stunden lang weniger litt. Er hat ja viele Nächte mit mir getrunken, weil er immer wach war, ja, der wachste aller Menschen, – als der leidendste von allen, um ein ganzes Zeitalter leidend, wie sollte er da anders sein! Deshalb konnte er auch nicht vom Weine betrunken werden, und lächelte nur leise des Morgens, wenn andere es waren. (…) …gedachte er sich zu betäuben, aber wurde noch wacher; da schrie er zu Gott um Betäubung, auf daß er seiner Gesichte vergäße und seiner selbst. Aber es ward ihm verweigert.“ (Karl Borromäus Heinrich über Georg Trakl)
Einen Nik kriegen Sie auch (Was für ein Video!)
„Ihn, der ein starker Trinker und Drogenesser war, verließ nie seine edle, geistig ungemein gestählte Haltung; es gibt keinen Menschen, der ihn im Zustand der Trunkenheit jemals auch nur hätte schwanken oder vorlaut werden gesehen, obschon sich seine so milde und wie um eine unsägliche Verstummtheit kreisende Art des Sprechens in vorgeschrittener Nachtstunde beim Wein oft seltsam verhärten und ins Funkelnd-Böse zuspitzen konnte. Aber darunter hat er oft mehr gelitten als die, über deren Köpfe hinweg er die Dolche seiner Rede in die schweigende Runde blitzen ließ; denn er schien in solchen Augenblicken von einer Wahrhaftigkeit, die sein Herz förmlich bluten machte.“ (Ludwig von Ficker über Georg Trakl)
Ficker erklärt, daß bei Trakl die schneidende Kälte, das schneidende Wort aus einer Tiefe kam, „die nicht mehr zu ihm gehörte“. Von wo also? Von dort, wo auch der unterschwellige Bezug der Bilder herkommt, aus abgrundtiefer Nichtmitteilbarkeit?
Danke für Nik! Ein Video, das nachdenklich macht. Das Fragen stellt, wie wir meinen. Als wäre David Lynch in einen kribbelbunten Tuschkasten gefallen. Das siebente Fensterlein aus meiner wahren Geschichte der 80er. :)
Jaaaa! Die Zeugnisse, Berichte, Briefe von, über Trakl sind mir fast lieber als das eigentliche Werk. So ein Anachronismus, so schwer die Rückkehr jedesmal ins Jetzt. Gestern die ersten Folgen der zweiten! More gothic, I would say! Und less budget. Schade drum, aber es sind nur wenige Abstriche zu verzeichnen. Jeremy sieht man die ersten Anzeichen der Erschöpfung, Krankheit, Trauer an. Aber das Spiel bleibt grandios. „Das leere Haus“ wunderbar, „The Priory School“ schon sehr düster.
Ha, die Eighties!! 1984 gefiel mir dieser Rocker mit der entschlossenen Armbewegung:
Das sind aber hübsche Nonnen! Fast wie bei Clovis Trouille!

„Entschlossene Armbewegung“, hehe. 1984 war das Jahr von The Top, Hyaena, Ocean Rain. Echo & The Bunnymen klingen wie die Liebesnacht mit einem Geist. Was will Ian McCulloch sagen? Er sagt es so gut. Seine kryptische Poesie verweigert sich linearer Zeichnung, manchmal sagt er eigentlich nur Klang, so ist es wohl während der Liebesnacht mit einem Geist. Manchmal sind seine Texte einfach Schimmer von Eis und Jade. Alles ist verwandelt, Tage sind kristallin oder türkis, Teufel sind weiß, der Mond tödlich, Pferde tanzen, Köpfe rollen, nur Götter werden immer Götter sein. Als Bunnyman bewegt man sich buchstäblich zwischen Engeln und Teufeln, jede Nacht hat andere Schriftzeichen am Himmel, und auf dem Thron im Paradies wird man Stück für Stück verrückt.
Sie wissen bestimmt, daß Karius und Baktus norwegischer Herkunft sind, 1954 gab es einen Film von Ivo Caprino dazu. Der ist in Norwegen eine Legende, seinen Flåklypa / Pinchcliffe Grand Prix besitze ich als DVD – das Auto „Il Tempo Gigante“ ist ebenfalls eine Legende in Norwegen. Hier ein kleiner Eindruck, beachten Sie durch Fenster 8 the magical care for detail.
HAH! Ich wußte, dass Sie was über die Nonnen sagen würden! Ich WUSSTE es. Hihi. Oh ja, Puppenfilme! Amerikanische, norwegische oder auch österreichische, schauen Sie mal:
Streiten Sie mit mir nicht über die Nonnen, oder wenn, dann im Flore! :)
Das ist ja atemberaubend, bezaubernd. Haben Sie das Marionettentheater in Salzburg auch besucht? Was ich neben Puppen, als ich sehr klein war, überaus faszinierend fand, waren diese Scherenschnitt-Filme. Welche es damals im TV waren, weiß ich nicht mehr, aber der Name dieser Zauberkünstlerin ist Lotte Reiniger. Nummer 9.
Oh gut, ja, dieser Tage wirklich wie ein Biber arbeite, also lassen Sie uns im Flore streiten, aber in der oberen Etage, sonst fallen all die Journalisten wieder über uns her.
So lovely, dieses Scherenschnitt-Theater! Danke! The „town-cryer“, die häßlichen Schwestern und sogar die Uhr, so wunderschön. Ach…. Nein, im Theater war ich nicht, aber im Marionettenmuseum, befindlich in den Gewölben der Festung.
„Mehr in die Augen fallen die Übereinstimmungen mit Arthur Rimbaud, einem Freunde Verlaines, der neunzehnjährig zu dichten aufhörte und nach Afrika auswanderte. Erst kürzlich wurde sein Einfluß auf Trakl nachgewiesen. Dieser kannte die Dichtungen und schätzte ihren hervorragenden Übersetzer Ammer sehr. Verwandt waren ihm besonders die ungeheuren Gesichte des Franzosen, sein rücksichtsloses Erfassen dieser verseuchten und verwesenden Welt und die Kühnheit, es herauszusagen … Durch ihn gewann er den Mut, in der Poesie verpönte Dinge anzusprechen … doch tat er es kaum aus Lust an ihnen, sondern traurig, den Verfall darin zu erkennen, und so wahrhaft, ihn nicht zu verheimlichen … Der Anklänge an Rimbaud muß sich Trakl bewußt gewesen sein.“ (Dr. Josef Leitgeb)
„Eggsackt!“, wie Joseph II. in der genialen deutschen Amadeus-Synchro sagt, eggsackt. Habe Trakl genaugenommen über Rimbaud entdeckt.
„Buschbeck ist es auch gewesen, der die Gedichte des Freundes Zeitschriften anbot – zum Beispiel ‚Melusine‘ Westermanns Monatsheften mit negativem Erfolg … Ein hübsches Beispiel für des zwanzigjährigen Buschbeck ungestüm hilfreiche Art, den genialen Freund in der literarischen Welt bekannt zu machen, ist ein Brief vom 7. Juni 1909: ‚Unternimm Schritte, daß Du in den Kürschnerschen Literaturkalender kommst. Bei jedem Namen, der einem Redakteur unterläuft, schaut er immer zuerst, ob er schon im Kürschner steht. Um wieviel leichter nimmt er etwas an, wenn dies der Fall ist … Das müßte Dir sogar (wenn Du angibst, daß Deine Dramen schon aufgeführt werden) sehr leicht gelingen … Schreibe nur dem Herrn Dr… einen entrüsteten Brief, Dich nicht in Kürschners Literaturkalender zu sehen, nachdem von Dir ja schon usw … Du mußt doch wirklich auch einmal für Dich etwas Reklame machen.‘ – Georg Trakl und Reklame!“ (Otto Basil)
Zeit für den Meister.
Dylans Americana, nächste Folge, dieses Mal Rückverwandlung von Kitsch in authentisches CountryFolkPolkaZeugs. Wie „Love & Theft“ oder „Together Through Life“, nur mit Zipfelmütze. Weihnachten wie es sein soll: schön wie „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart und Donna Reed, zugleich Razzledazzle-Gelage mit Schurkenperücken und Am-Kronleuchter-Schwingen, beschwipste Engel im knappen Weihnachtskostüm und Dylans Dirtroad-Raspelorgan, paßt alles zusammen.
Eggsackt, ja. :) Erinnert mich an „Eggnogg“. The favourite drink der Lehrerin in Hannover Hall, wo Jade sich später so überaus elegant übergibt. Details, details, Holmes. The Devil’s Foot, one of my favourite episodes seit gestern. A Slide Show hinter der 11. Tür:
„The Devil’s Foot“ scheint Lieblingsfolge vieler. Las gerade, daß Damien Thomas mitspielt. Count Karnstein im wunderbaren Hammer-Film „Twins of Evil“. Mittlerweile alle Folgen Staffel 1 zum 2. Mal gesehen bis auf eine, diese heute abend, Adeptin neugewonnen.
Es wird immer weiter genøckert, darum das The Damned-Cover von Barry Ryans „Eloise“. So lovely, wie Dave Vanian bei „Every night I’m THERE“ im letzten Moment noch zack! mit dem linken Arm auf Irgendwo da oben deutet.
Die zweite Staffel hat Startschwierigkeiten, steigert sich dann aber zu außerordentlicher Grandiosität. Longing for Holmes‘ Mantel in „Silver Blaze“. Brett war tatsächlich einer der erotischsten Menschen, die mir bekannt sind und mit der Ansicht bin ich wohl auch nicht allein. :)
Die schon erwähnte Kindheitswartenaufdenweihnachtsmanngeschichte:
*13* Die magische 13 – Zeit für „the only goth“ in classic ballet:
Brillant brillant brillant. Ach, es ist mal wieder der beste aller Dezember. Ein wirklich wunderbares, schönes, mysteriöses Werk der Ballets Russes war Michail Fokine’s „Feuervogel“, Musik Strawinsky. Erinnern Sie: „Ich war nur auf dem Prezwalski-Prospekt und habe Rollschuhe für meine Enkelin gekauft, bei Kastschej, da“ – Kastschej ist der Zauberer aus dem „Feuervogel“.
Das Libretto zum 14. Fenster:
„Im Garten des Zauberers Kastschej lebt der Feuervogel. Der junge Prinz Ivan fängt auf der Jagd diesen Vogel. Dieser bittet ihn um seine Freiheit und Prinz Ivan lässt ihn wieder frei. Als Dank dafür erhält Ivan eine Feder des Vogels, der magische Kräfte innewohnen. Im Garten des Zauberers Kastschej werden 13 Jungfrauen gefangen gehalten, darunter die Prinzessin, in welche Ivan unsterblich verliebt ist. Als er das Gartentor berührt, ertönt ein Glockenspiel. Daraufhin erscheint Kastschej mit seinen Dämonen, um Ivan zu töten. Doch die Wunderfeder des Feuervogels schützt den Prinzen. Da erscheint der Feuervogel und lässt seine magische Musik erklingen, die die Dämonen zum Tanzen zwingt. Dann singt er ein Schlaflied und Kastschej und seine Helfer fallen in einen tiefen Schlaf. Der Feuervogel führt Ivan zu einer Höhle, in der ein Ei versteckt ist, das die Seele von Kastschej enthält. Der Prinz zerschlägt das Ei, der Zauberer stirbt und sein Zauberreich verschwindet. Die 13 Jungfrauen sind wieder frei.“
Try as long as you may despite all Emsigkeit, Nina Ananiashvili ist nicht von dieser Welt.
What’s this?
Vorweihnacht

Die Serie macht süchtig. Ich will auch eine Weihnachtsgans aus dem Alpha Inn, neben dem nachts diese rothaarige Schönheit steht, und in eine haarsträubend bizarre Geschichte verwickelt werden. 221b Baker Street, what a place to be.
Süchtig, genau. Kann mich nicht sattsehen an Gestik, Mimik seiner Holmesesqueness. Und wie er auf dem Holzgerüst hockt, wie ein Rabe, die Reste des Feuers durchsuchend (Der Baumeister von Norwood). To something completely indifferent – seit Tagen in neuer Umgebung, fast lyrische Stille im Haus mit den Sprossenfenstern, tanzende Blätter vorm Fenster unterm neblig-silbrigen Novemberhimmel und der Blick aus dem Küchenfenster ins Treppenhaus des Nebenhauses – wiederum gefühltes London oder vielleicht Wien des fin de siècle.
Er ist sensationell. Seine Wechsel von holmesesquer Trance zu nervöser motorischer Energie & the other way round, einzigartig.
„Das Marineabkommen“. Was für ein schönes Ding ist doch die Rose, Watson. Den „Baumeister von Norwood“ sah ich noch nicht, freue mich jetzt um so mehr auf das Rabengleiche. Da Sie die fast lyrische Stille schildern – es gehört auch zur Faszination dieser Serie, für mich. Die Stille. Die Möglichkeit, leise sprechen zu können. Ach, alles! Die Interieurs! Die Spazierstöcke! „Welcher Mensch trinkt Tee zu solch einer Stunde!“ Jeremy Brett, vorzeitig aus dem Synapsengebritzel tiefer Holmes-Träume gerissen und im Sessel mit verwuscheltem Haar in „The Blue Carbuncle“: Sie haben doch bestimmt dagesessen und „Ach! Ach! Ach!“ gemacht, oder? :)
ja stop ja stop und ja (bezügl. ach!) stop
noch kein i-net im haus stop warum wird alles nur komplizierter durch technik? stop ;) stop
Nur noch 2 Folgen übrig. Ich antizipiere einen schweren Turkey. Gestern Placebo, zum Niederknien. Heute die seltsam stille Welt. Bis zum 1. Dezember hat der Anschluß zu liegen, sonst p***e ich gegen die Pyramiden von Gizeh.
No Placebo, no Marilyn Manson (ich erwarte Bericht) für mich, dafür mein stilles, glitzerndes 35m² Schloß.
Der Anschluß folgt am 23.11., Cheops kann weiter vor sich hin stauben. :)
War das schön, wie er rabengleich vom Balken hüpft. „Das können wir doch wohl besser!“, nämlich „Feuer!“ rufen. Smoking is strictly prohibited in this compartment. Da fährt unser Zug, Dear: der Zug London – Dover bei Nacht und in den 1880ern, aus „Der griechische Dolmetscher“. Und da ist auch schon Natasha Richardson als Miss Hunter. Kennen Sie die als Mary Shelley in „Gothic“? Das ist aber auch schön, das stahlblaue Kleid. Ein verflucht extremer Charakter, der Küster. Details, Details, Details! „Ich hätte mir das Haar auch nicht abgeschnitten.“ (Watson). Winchester? Die fünf Meilen ins flache Land sind gefahrdrohend. In „The Resident Patient“ die eleganteste Spurensuche, die jemals in einem englischen Zimmer stattgefunden hat, geradezu eine Choreographie auf zwei Minuten Stille, und ich habe nichtmal zu blinzeln gewagt. Ihr Schiffsmodell ist wirklich eine Bereicherung für das Zimmer, Doktor Watson. So cute, wie er die Lippen bewegt zu Holmes‘ Titelvorschlag, und als „The Brooke Street Mystery“ endlich durchgestrichen ist, findet auch die Geige nebenan ihren Wohlklang – großartiger Schluß. Und da ist auch schon Eric Porter als Professor Moriarty. Kennen Sie den als Dr. Pritchard in „Hands Of The Ripper“? Ende erreicht – ein Drei-Pfeifen-Problem jetzt. Bleibt nur, nochmal von vorn.
Placebo… ich zitiere aus dem Blog „Lyzi’s Welt“: „Die Stücke von Placebo sind nicht einfach nur ‚Songs‘ oder ‚Lieder‘, sondern akustische Gottesorgasmen, die mit kristallklarer, jedem einleuchtender Präzision das innerste Gerüst der Schöpfung hörbar machen.“ Stefan Olsdal ist 2,40 m groß. Mehr kann ich noch gar nicht sagen.

[Placebo, 10.11.2009 Hamburg Color Line Arena, Foto CE]
Ich habe auch nicht zu blinzeln gewagt. Man will keine Bewegung, keinen Blick verpassen. Sie kennen noch nicht die Szene der Bestimmung der Eigenschaften des Besitzers eines Spazierstocks im „Hound of the Baskervilles“? Zunächst versucht Watson sich daran, unter Anwendung Holmesscher Arbeitsweise, und übergibt den Stock dann voll Stolz Holmes. Dieser ist durchaus beeindruckt, widerlegt dann aber fast alles. Watsons Gesichtszüge reisen von größter Anstrengung über Stolz bis zur Endstation Enttäuschung ob des grandiosen Scheiterns. Haha. Zu schön. Eric Porter, ja, Natasha Richardson, ja, aber weder Gothic, noch Hands of the Ripper. Einer meiner Lieblingsmomente auch, als Holmes in Positur springt und dabei den Arm hochreißt: „Die Flaggen sind das Wortende, Watson!“ Holmesesque ebenso wie die ersten Minuten in „The Crooked Man“, nur noch mehr auf den Punkt gespielt (wenn das überhaupt geht), als der Lieutenant am Ende von „The Dancing Men“ Holmes für seine Mitarbeit dankt, seine Bewunderung ausdrückt und auf weitere Kooperation hofft. Der Ausdruck in Jeremy Bretts Gesicht, präzise, erfreut, sehr knapp. Ein sekundenlanger Moment, ein Funken der Freude über die Anerkennung seiner Arbeit springt über und im nächsten Moment ist alles vorbei. Exakteste Ausführung der Doyleschen Ideen über diesen Mann. Wie wenig Holmes an öffentlicher Anerkennung liegt und wie oft er sich über die englische Polizei amüsiert, die hoffnungslos im Dunkeln tappt und sich später als Helden feiern lässt, wo er im Stillen triumphiert. Ich habe zuerst alle Folgen in der wirklich absolut grandiosen Synchronfassung gesehen, dann alle Geschichten noch einmal gelesen und dann alles im Original von vorn. Aber, Holmes, wir haben noch einiges vor uns. Staffel 2-4 und 5 Filme.
Ich weiß nicht, ob Sie schon die Pesslsche Abschlußprüfung bestanden haben, ich falle ja immer wieder durch und versuche es von vorn. Aber Sie haben durchaus einen Punkt mit den ersten 50 Seiten. Ich fand ja, der Auftritt des Gärtners ist der Tiefpunkt. Beim Wiederlesen werden diese ersten 50 aber zu ganz anderen Seiten, weil man weiß, was kommt, und jede Andeutung zündet. Mir gefällt das Ende nicht besonders, es ist zu dünn für die Story, aber die Sprache, die Vergleiche und Zitate, die Vorstellung, daß in einem blauen Volvo die gesamte USA bereist wird, (er schnellt vor wie ein Pfeil, aber genau genommen bewegt sich nichts), während im Inneren die gesamte Lyrik des 18. Jhd. rezitiert wird, Hannah Schneider, und dann die Wendung (der Fall der Vaterikone), die auch beim zweiten und dritten Mal mir die Luft wegbleiben ließ. Die herrlich unamerikanische, fast bösartige Abwertung aller Oberflächlichkeit, aller Sinnlosigkeit des unangefüllten Daseins. Nun ja, das Buch zog neben Ihres und da wohnt es am richtigen Ort, wenn man ich ist.
„Es ist meine Passion, zu wissen, was andere Menschen nicht wissen.“ Ja, er will den Erfolg, nicht den Ruhm, und die Parameter dafür steckt nur er selbst, und die Bewunderung von Narren verachtet er, aber die Sekunde, die Sie so genau beschreiben – ja, genau das ist Jeremy Bretts Genius. Aber wie er in „The Resident Patient“ (mysteriöse Folge, liebe ich!) sagt: „Nannte er ausdrücklich meinen Namen? Dann lassen Sie uns gehen, er wartet!“, da bricht sein Outsiderstolz, seine spontane Bereitschaft, dort zu helfen, wo Anerkennung ihm praktisch schon vorauseilt, durch. Aber wirklich bemerkenswert fand ich seinen Satz in „Die Liga der rothaarigen Männer“: „Ich denke manchmal, mein ganzes Leben ist ein einziger langer Versuch, mich von den Banalitäten des Daseins zu befreien.“ Ohne Fall verfällt er. Vielleicht derart, daß seine Antwort darauf, daß man Katalepsie durchaus imitieren könne, „Gewiß, ich tat das ja schon selbst“, durchaus vieldeutig ist. Er wäre auch kein Fall für den Club der clubunfähigsten Männer der Stadt, der konsequente Misanthropie zur Bedingung für die Mitgliedschaft macht – nein, er ist Menschenfreund, allein, der versteckteste von allen. Und alles, was sich aus dieser Konstellation ergibt, sieht man Jeremy Brett an, in jeder Sekunde – kaum zu beschreiben, so phantastisch ist es. Sein Bruder sagt: Du hältst nach wie vor nicht viel von der Seele der Frauen, was. Das ist nicht so eindeutig. Es läge nahe, beim Hyperanalytiker, aber irgendwie ist er in der Beziehung zu Watson ja auch der weibliche, unberechenbare Part.
Oh ja, die „Die Flaggen sind das Wortende, Watson“-Szene – ich erwähnte sie ja schon. Absoluter Killer natürlich auch sein Wenn-Psychose-Schabernack-ist-dann-so-Lächeln/Grinsen im Friseursalon in „The Resident Patient“.
Marisha Pessl – etwa auf Seite 300. Was mich dem Buch gegenüber endgültig willenlos gemacht hat, ist – Jade. Erst recht, ich muß es gestehen, Jade, betrunken, im hauchdünnen Mandarin-Seidenkleid, auf Seite 251.
Der gewünschte Manson-Bericht: es war großartig, Verlegung ins Docks goldrichtig. Es war voll bis unter den Stern, und die Atmosphäre einfach nur cheerful & intense. Twiggy ist jetzt Zeremonienmeister, nachdem im Sommer noch alles ziemlich katastrophal aussah, MM wirkt doch vergleichsweise zusammengerissen, und er war wohl recht angetan von diesem Abend. Es gab einen Moment, der mir besonders den Atem stocken ließ; als er von der Bühne kam und bei uns rechts vorn damit anfing, sich leutselig zu zeigen. Und da war ganz kurz ein Lächeln, das wirklich fast selig aussah; als wäre er in diesem Augenblick tatsächlich glücklich. – Selbst der Song, der gespielt wurde, bevor sich der Vorhang hob für „Cruci-Fiction In Space“ war so ungewöhnlich, hatte sowas Swing your hips-artiges, da muß Twiggy / Jeordie dahinterstecken mit seinem Goon Moon-Universalwissen. Denke, daß jetzt Leute da waren, die in MM mehr sehen als nur einen, mit dem man die Eltern aus dem Zimmer schrecken kann, und ich wünschte, er würde das auch so sehen, daß er in so einem Ambiente viel besser zur Geltung kommt als in großen Hallen oder auf Festivals, wo die Songs untergehen. Diesmal gingen sie nicht unter, alles schien in so viel besserer Balance, und gerade deshalb so viel intensiver als 2003 in der Color Line, oder, wie man mir sagt, auch 2007 in der Sporthalle. Ach, es war eine phantastische Nacht.
Bei mir klemmen die Türchen. Irgendein böswilliger HAL 9000 oder irgendein Napoleon des Verbrechens, man weiß es nicht, es ist leichter zu verstehen, wie der Diamant in die Gans kommt, (vgl.: „Watson, wir sind Spione! Auf einem feindlichen Territorium!“) hat das Audio-Modul meines Notebooks mehr oder weniger zerschossen, Blechbüchsenklang unter Gebritzel geht noch, aber notfalls lege ich mein Ohr auf die Schienen.
Allerdings will er keineswegs nur dort helfen, wo Anerkennung ihm vorauseilt, sondern dort, wo sein Geist, sein Können wahrhaft vonnöten und erwünscht ist. In erster Linie treibt ihn die äußerste Anspannung des Geistes und Verwendung seines katalogisierten Wissens, Spürens, Könnens, Denkens, Deduzierens. Ohne Fall verfällt er, genau. Ja, oh ja, Menschenfreund ist er, genau. Die Szene im Crooked Man ist nicht die einzige, die dies beweist. Gut auch, wie er sich als tramp ausgibt, um an Informationen zu gelangen im Baumeister von Norwood. Verkleidungen hat Jeremy Brett ja auch geliebt. Ja, und Holmes‘ Bruder Mycroft, Misanthrop par excellence, noch klüger und fähiger als Holmes, der jedoch nicht den geringsten Ehrgeiz besitzt, ihn anzuwenden, deshalb im Verborgenen für die Regierung arbeitet und sich in diesem Weirdo-Club aufhält, in dem man ausgeschlossen wird, wenn man wagt, jemanden anzusprechen, es sei denn in dem einzigen dafür vorgesehenen Raum – eine große Idee Doyles. Vielleicht wünschte er sich sogar selbst einen solchen Club.
Die „Seele der Frauen“… wenn ich richtig deute, ist es gleich zu Beginn des „Scandal Of Bohemia“ erklärt. Watson schreibt hier: „Alle Gefühlsregungen und insbesondere die der Liebe verabscheute sein kalter, analytischer, aber bewundernswert ausgewogener Verstand. Ich halte ihn für die vollkommenste Denk- und Beobachtungsmaschine, die die Welt je gesehen hat, aber als Liebhaber hätte er seine Rolle verfehlt. Von Liebe und Leidenschaft sprach er immer nur in abschätzigem, verächtlichem Ton. Sie waren ausgesprochen nützlich für den Beobachter – hervorragend geeignet, um Motive und Taten der Menschen ans Tageslicht zu bringen. Aber für einen geschulten Denker wie Holmes bedeutet das Eindringen von Gefühlen in sein eigenes kompliziertes, letztendlich hochempfindliches Wesen einen Störfaktor, der möglicherweise Zweifel an seinen logischen Schlüssen aufkommen lassen könnte. Für ihn wäre ein starkes Gefühl genauso irritierend wie Sand in einem empfindlichen Instrument (…).“
Irene Adler ist die einzige Frau, deren Verstand, Intelligenz und Schlauheit er anerkennt, deshalb auch die Bitte um das Photo. Nun gut, die weibliche Rolle im Holmes/Watson-Parship, ja, durchaus, andererseits ist es auch ein bruderhaftes Leben, in dem Mrs. Hudson als Mutter pubertierender Frechdachse die Bescherung aufräumt und heißes Wasser bringt. Oh ja, das Grinsen im Friseursalon! Und dann wieder ein „pom pom pom pom“ auf dem Rückweg, Stop and Stare vor der Kutsche, die den Besucher ankündigt, Deduzieren des Berufs des Kutschenbesitzers, beschwingtes Türaufschließen ob dessen, was ihn im Inneren erwarten mag. Eine sehr gute Folge, der Resident Patient.
Vermutlich schenke ich Ihnen ob des entsetzlichen Audiounfalls, der unseren Advent in andere Bahnen lenken, jedoch nicht verhindern wird, voraussichtlich etwas Hörbares, von dem ich nicht die geringste Ahnung habe, ob es Sie die Bohne interessiert. DVD Austausch wird selbstverständlich vollkommen willenlos weitergeführt. Staffel 2 erreicht mich vermutlich by Nikolaus, somit können Sie mit Leihgabe dieser zum Fest rechnen.
Aaaaaaaaaaaaaaaaah, Cruci-Fiction In Space! So wonderful! Da ich ihn weder Color Linig, noch sonst live sah, ihn eigentlich nur von CD wahrnahm und wenig im TV, glaube ich zu wissen, was Sie meinen. Eine balancierte Atmosphäre, in der die Schönheit seiner Lieder strahlt ohne viel Zirkus drumherum. Sehr schön! Ja, legen Sie notfalls das Ohr auf die Schienen, aber versichern Sie sich bitte vorher, dass der Zugverkehr eingestellt wurde. The Ever Watchful Eye on JB! Grand!
Ja, Eitelkeit wäre ein ganz falsches Wort, und voilà, Sie formulierten es bestens: dort, wo sein Geist und sein Können wahrhaft vonnöten und erwünscht sind, will er die mysteriöse Choreographie seiner Bewegungen, realer wie Denkbewegungen, zum Einsatz bringen. Aber er möchte dann auch wieder seinen Stil exakt nobilitiert wissen – bedenken Sie, wie er Watson manchmal für dessen allzu populistischen Tonfall kritisiert, wenn dieser an den Spezifika des Genies vorbeizugehen droht. Mrs. Hudson als Gouvernante brüderlicher Frechdachse, auch sehr schön. Ah, die hochkomplexen, spezifisch englischen Weisen der relationship unter Männern gerade im 19. Jahrhundert. Bram Stoker war ja Manager, Freund und Privatsekretär des für nicht unbeträchtliche Manierismen bekannten Schauspielers Henry Irving, dessen Züge dann wiederum in Stokers „Dracula“ wiederkehrten.
Marisha Pessl beendete ich gestern. Das Buch ist schrecklich. Es ist mir ein völliges Rätsel, was man davon halten soll.
Das Buch ist so genial und so reich… und so far-fetched. Es ist so sympathisch und so annoying. Es ist so spannend und läßt einen doch irgendwie unbefriedigt zurück. Alles paßt so perfekt und vieles paßt dann doch irgendwie nicht, Sie fanden das Ende zu dünn, ich finde es zu dick, es erschlägt z.B. Milton, Jade und die anderen völlig, die den Mittelteil so dominierten. Ich weiß auch nicht, wie alle für alles Zeit gehabt sollen. Aber ich mag die freche, unverschämte Arroganz des Buches, die auch darin besteht, daß es im Grunde mehrere Bücher in einem sind. Ein grausames, faszinierendes Werk – wenn ich gewußt hätte, auf was ich da starre, als Sie es mir überreichten. A moment I’ll always cherish.
Trotzdem haben Sie sich für das erste Fenster ein wenig Schauder verdient. Eric Porter und die wunderbare Angharad Rees in „Hands Of The Ripper“.
Ihre Entglaublosigkeit gegenüber Pesslscher Wunderbarkeit! :) „Hands Of The Ripper!“ Die Ausstattung, die Gesichter! Die Sprache! Wundervoll! Mich zur PseudoBritin entwickle. Am Wochenende den Victorian Christmas Market im Basler Hof besuchte und nie wieder einen anderen Weihnachtsmarkt voller Glühweinseligkeit und schröcklicher Glasbläserkunst sehen mag.
Das erste Türchen schon. Diese Szene finden Sie darin:
Aaaaaaaahh!! Also wenn jemand gegen Jeremy Brett als besten Holmes ever ist, dann weil er 10 Jahre alt ist. Und was für eine Szene für Mrs. Hudson! „I do dare!“ [Und es klingt wirklich, als würde sie sagen: „The depart mental store“] Splendid. – Mich Doyles geflecktem Band gewidmet, ich. Watson schrob Essenz: „… weigerte er sich, Fälle anzunehmen, die nicht auf etwas Ungewöhnliches oder Phantastisches hinausliefen.“ Banalitätenexorzismus ergo sum. – Victorian Christmas Market? Kapital, kapital! Ich selbst werde wieder um eine Tanne kämpfen müssen, dabei existiert eine Tüte mit ur-englischem Christbaumschmuck.
Zu meinen guilty pleasures zählen ja die ZDF-Weihnachts-Vierteiler, vor allem der Teil 4 von „Lockruf des Goldes“ mit Christine Kaufmann. In Teil 1 spielte Ferdy Mayne mit, als der alte Tarwater. Fenster 2, for the long… evenings… of many winters… :)

Aljoscha der Idiot / Christian Erdmann:
„April“, Kurzgeschichte von Joseph Roth, hätte ich gerne als Grabbeigabe.
easystreets:
Lege ich Ihnen einmal eine „Lokation“ ans Herz, und falls Sie mal in Berlin sein sollten, ein Kaffeehaus. Mit Berliner Stullen und sonst auch ganz nettem Berliner Essen. Gehen die vom Tagesspiegel zwei Meter weiter gerne in ihrer Mittagspause hin. Und natürlich liegen Bücher von Joseph Roth aus. Die riechen wahrscheinlich nach Zwiebeln und Kartoffelsuppe.
Aljoscha der Idiot / Christian Erdmann:
„Der Teufel hieß Jenö Lakatos aus Budapest, und er führte die falschen Korallen im russischen Lande ein, die Korallen aus Zelluloid, die so bläulich brennen, wenn man sie anzündet, wie das Heckenfeuer, das ringsum die Hölle umsäumt.“
Niederknien nach so einem Satz ist das Mindeste. „‚Das Leben ist sehr wichtig!‘ lachte ich. ‚Sehr wichtig!‘ und fuhr nach New York.“ („April“). Das Leben ist phantastisch, überraschend, unvorhersehbar, und das Schicksal eine Macht, mit der zu rechnen ist. Diese täuschende Einfachheit, diese täuschende Leichtigkeit, mit der Roth die Dinge berührt. Als Getriebener, für den das Schreiben die eigentliche seelische Heimat ist, weiß er, wie es ist, ermüdet zu sein vom Strudel der Eindrücke, aber er läßt nicht ab, für uns, das Wundersame im scheinbar Alltäglichen aufzufinden, scheinbar anstrengungslos diese Sätze von verblüffender, atemberaubender Schönheit, mit denen er das wertvolle Detail im unaufhörlichen Getriebe rettet, den Charakter, dessen eigene Welt und dessen eigener Wert keinen Platz zu haben scheint im Lärmen irgendeiner Moderne, irgendeines Zeitgeistes. In einen Stil von unsentimentaler Distanz kann diese Schönheit einbrechen, als Zeugnis tiefer Empathie. Nicht von ungefähr liebte Roth Hotels, diese Orte einer einzigartigen Mischung von Distanz und Intimität. Meinetwegen aus Knoblauchsuppe ziehen, den Joseph Roth, aber lesen.
easystreets:
Die Joschas und die Hotels
Ich glaub ja immer noch, tief in Dir steckt ein Duellant. So mit Vorderladerbüchse. Muß ich noch etwas weiterforschen mit Dir.
Durch die Feuerreifen, die man anderen hinhält, soll man ja selber zuerst springen. Ging ich also gestern in jene Diele und aß Spätzle mit Salat und erwarb eine Sonderausgabe eines gebundenen Bandes. „Die Erzählungen“ lagen auch aus, ich entschied mich ob Deines Stichwortes „Hotel“ aber zu dem kleinen Büchlein „Hotel Savoy“.
Der schreibt schon fein, der Joscha. Der guckt auch so, dass man ihn postum Joscha nennen darf.
Auszug vom Anfang:
„Ich freue mich, wieder ein altes Leben abzustreifen wie so oft in diesen Jahren. Ich sehe den Soldaten, den Mörder, den fast Gemordeten, den Auferstandenen, den Gefesselten, den Wanderer.
Ich ahne Morgendunst, höre den Trommelwirbel der marschierenden Kompanie, auf klirrende Fensterscheiben im höchsten Stockwerk; erblicke einen Mann in weißen Hemdsärmeln, die zuckenden Glieder der Soldaten, eine Waldlichtung, die vom Tau glänzt; ich stürze ins Gras vor ‚fiktivem Feind‘ und habe den brünstigen Wunsch, hier liegenzubleiben, ewig, im samtenen Gras, das die Nase streichelt.
Ich höre die Stille des Krankensaals, die weiße Stille. Ich stehe an einem Sommermorgen auf, höre das Trillern gesunder Lerchen, schmecke den Morgenkakao mit Buttersemmel und den Duft von Jodoform in der ‚ersten Diät‘.
Ich lebe in einer weißen Welt aus Himmel und Schnee, Baracken bedecken die Erde wie gelber Aussatz. Ich schmecke den süßen letzten Zug aus einem aufgeklaubten Zigarettenstummel, lese die Inseratenseite einer heimatlichen, uralten Zeitung, aus der man vertraute Straßennamen wiederholen kann, den Gemischtwarenhändler erkennt, einen Portier, eine blonde Agnes, mit der man geschlafen hat.
Ich höre den wonnigen Regen in durchwachter Nacht, die hurtig schmelzenden Eiszapfen in lächelnder Morgensonne, ich greife die mächtigen Brüste einer Frau, die man unterwegs getroffen, ins Moos gelegt hat, die weiße Pracht ihrer Schenkel. Ich schlafe den betäubenden Schlaf auf dem Heuboden, in der Scheune. Ich schreite über zerfurchte Äcker und lausche dem dünnen Sang einer Balalaika.
So vieles kann man in sich saugen und dennoch unverändert an Körper, Gang und Gehaben bleiben. Aus Millionen Gefäßen schlürfen, niemals satt sein, wie ein Regenbogen in allen Farben schillern, dennoch immer ein Regenbogen sein, von der gleichen Farbenskala.
Im Hotel Savoy konnte ich mit einem Hemd anlangen und es verlassen als Gebieter von zwanzig Koffern – und immer noch der Gabriel Dan sein. Vielleicht hat mich dieser Einfall so selbstbewußt gemacht, so stolz und herrisch, daß der Portier mich grüßt, mich, den armen Wanderer in der russischen Bluse, daß ein Boy geschäftig meiner harrt, obwohl ich gar kein Gepäck habe.“
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[Gedenktafel]
IN DIESEM HAUS
WOHNTE 1914 – 1916
DER SCHRIFTSTELLER
JOSEPH ROTH
(1894 – 1939)
Wien, Wallensteinstraße 14
Foto Christian Erdmann 26.08.2017