Humanist ist Rob Marshall, ein englischer Musiker, Songwriter und Produzent. Marshall und Mark Lanegan kennen sich seit einer Soulsavers-Tour 2008; 2016 schickt Marshall per Email Songideen an Lanegan, der Lyrics dazu schreibt, und so erscheint Marshall bei der Hälfte der Songs von „Gargoyle“ (2017) als Co-Autor. Auf „Somebody’s Knocking“ (2019) setzen Lanegan und Marshall die Zusammenarbeit fort. Für sein Humanist-Projekt kann Marshall neben Lanegan so illustre Namen wie Dave Gahan und Peter Hayes (Black Rebel Motorcycle Club) gewinnen.
„Fernab liegt die Welt / Wie versenkt in eine tiefe Gruft“. Do it, scheint die Braut durch Zeit und Raum zu hauchen. Ritt durch nebelnächtiges Land, bis zum Rauschen aller Lebenstöne. Do it. Kann ich zurück zu meiner Hochzeit bitte? Und der Tod sagt, aber sicher, ich begleite dich.
I’m riding through the kingdom A ghost is riding by my side As we roll up to the kingdom Ours is just to ride or die
There is no medicine to cure us There is no medicine to take Beware the shark below the surface Beware the love that you forsake
Keep a-ridin‘ Keep a-ridin‘ baby
Death tripping through the kingdom Death is riding by my side We are rolling through the kingdom Ours is just to ride or die
Doctor are you gonna cure us Give us some medicine to take I am the shark below the surface I am the love that you forsake
Mama turn your floodlights on Let them radiate Turn your floodlights on Let them radiate
Mark Lanegan im Uebel & Gefährlich. Diese Hinterzimmer-Lounge mit den verrußt-goldenen Tapeten im oberen Bunkerstockwerk, so oldschool-stylish. Das Konzert so unfaßbar brillant. „The Faye Dunaways“ (Fred Lyenn Jacques & Aldo Struyf), Duke Garwood, die ganze Zeit hört man Gläserklirren und audience chat von hinten, dann kommt Lanegan auf die Bühne, singt ein paar Töne, and there is absolute, stunned silence. „When Your Number Isn’t Up“ verursacht mir the chills, completely.
Und wie er auf die Bühne kam. Tosender Applaus, und er schaut in Richtung Schlagzeug, auf dem kurzen Weg, der ihm angeblich so unangenehm ist. Er ist zunächst kaum zu sehen, spotlight control freak. Wir sind in der zweiten Reihe, gegen Ende des Sets dann ganz vorn. Letzter Song eine Killerversion von „The Killing Season“. „Quiver Syndrome“ ist live einer meiner Favoriten. Und es gab diesen einen Moment, als der Applaus so anstieg, daß er tatsächlich kurz innehielt, zur Seite schaute, nickte und – lächelte. Kaum merklich, but he did. Das erste Mal, daß ich ihn lächeln sah auf einer Bühne.
Nach dem Konzert schnappe ich mir eine Setlist.
Jeff Fielder (Gitarre) sagt noch auf der Bühne: „Hamburg, that was wicked!“, macht ein Foto von uns, und erinnert daran, daß Mark in 15 Minuten am Merchstand sein wird, to sign things and shake a few hands. Do we go? Als ich ihn da sitzen sehe, kann ich nicht anders. Ich erwerbe ein Phantom Radio-Notebook. Er sieht mich, sagt „Hey man.“ Und gibt mir die Hand. Er unterschreibt Setlist und Notebook mit Silberstift. Ich sage „Thank you for being you.“ Er schaut slightly baffled. Ich schaue slightly baffled zurück.
Jetzt, wo ich gerade beschlossen hatte, mich in eines der verrufeneren Hotelzimmer von Buenos Aires einzumieten, um nächtelang alte Horrorfilme zu schauen und deren Poesie als Antidot gegen die beschränkten Wirklichkeitsmodelle zu nutzen, während nebenan eine der luxuriösen Schildwachen vernehmbar ihr Geld verdient, die flirrende Hitze wird flirren, daß es nur so ein Jalousienrunterlassen ist, ich inkorporiere Tangotexte und entferne mich von systemstabilisierender Verblödungsarbeit, Dorothy Lamour singt „Sentimental Sandwich“ und ich kriege langsam ein wenig Hunger. 100 Tage entfernt von hier kommt ein Schiff.
SPIEGEL ONLINE Forum
02.12.2008
Gutter Twins – Saturnalia
Mark Lanegan und Greg Dulli hausen in dem Keller, in dem Rowland S. Howard mit These Immortal Souls hauste. Düsterer, rauher, weißer Blues, voll der hundertmal zerfledderten Zärtlichkeit, die man nur auf verbrannter Erde fühlen kann. „All Misery/Flowers“ fängt mit dem Drumbeat an, der auch U2’s „Trip Through Your Wires“ eröffnet, dann kommt Lanegans Stimme und macht daraus Stadionrock für Satans Stadion, nach der ersten Strophe ein Sound wie von einem riesigen prähistorischen Vogel, weit da oben, aber nicht mehr lange. Eine Million Zigaretten später nagelt dich „Idle Hands“ ans Kreuz, und von da aus siehst du zu, wie hier alles ominös aus irgendeinem Dunkel kriecht, um Oden an den Herzbruch zu veredeln. Beste Platte, wenn du von Bruder, Schwester, Vater, Mutter, der Liebsten und schließlich allen guten Geistern verlassen bist. In dieser Reihenfolge.
22.01.2009
The end could be soon, we’d better rent a room. Mark Lanegan, zur Hölle. Diese Stimme läßt jeden Pfirsichsonnensatelliten fallen, diese Stimme, diese Stimme.
17.07.2009
The Gutter Twins – An Evening with Greg Dulli and Mark Lanegan, Stage Club Hamburg, 16.07.2009
@ kuechenchef, kpone, Motorpsycho: preaching to the perverted also. Morgen abend werden wir bei U2 im Berliner Olympiastadion sein, und ich dachte, das wird die surreale Sache.
Aber nein. Es war surreal, plötzlich drei Meter entfernt von Greg Dulli und Mark Lanegan zu sein (der Stage Club HH ist für vielleicht 500 Leute). Bei „Saturnalia“ mußte ich mich sozusagen erstmal durch Lanegan durchhören zu Dulli und die von ihm dominierten Songs, live erlebe ich das anders. Dulli ist leutseliger, quasi the life of the party. Lanegan ist komplett ainigmatikós. Schwer zu beschreiben, was für eine Faszination von dem ausgeht. Mit seinen entweder zugekniffenen oder seltsam unfokussierten Augen scheint er like a blind man, aber ihm entgeht nichts, nur ist nicht ganz klar, ob das, was ihm nicht entgeht, auch auf diesem Planeten stattfindet. Ein Techniker ist er auch nicht. Er schaffte es weder, das Lämpchen über seinem Textblattständer zu justieren, noch Dullis Mundharmonikahalter zurechtzuruckeln, der fiel nach Lanegans Versuch während des Songs dann Dulli völlig vom Hals. – Drei Stühle (ein zusätzlicher Gitarrist), Dulli wechselt bei einigen Songs von seiner Akustikgitarre ans Piano, Lanegan sitzt stoisch auf seinem Platz, wirkt keineswegs grimmig, beinahe aufgeräumt, aber unendlich verloren. Dulli bester Laune, ursympathisch, übernimmt die Interaktion mit dem Publikum, Lanegan lächelt zuweilen ein völlig seltsames Lächeln, man hat keine Ahnung, worüber, ansonsten ist er einfach konzentriert, nur seine tätowierten Hände ruhen nie, flirren die ganze Zeit den Takt aufs Bein. Also kurz, es war in etwa das intimste, aber zugleich eins der intensivsten Konzerte, das ich je sah. Setlist ging quer durch Afghan Whigs, Screaming Trees, Gutter Twins, versteht sich, daß die Songs von den Lanegan-Soloplatten mir am meisten Boden unter den Füßen wegzogen: „Creeping Coastline Of Lights“, „Resurrection Song“, „The River Rise“ und vor allem „One Hundred Days“.
09.05.2010
Wenn er sich zwischen den Songs bewegt: als ob er hinkt, einen Buckel hat und Zuckungen, blind ist und mindestens halbirr. Und dann ergreift er den Mikroständer, mit immer derselben Pose, er ergreift den Mikroständer und wird Gott. Die Stimme wird Gott, der zuviel gesehen und erlebt hat, und der doch, das ist die Ausgießung seiner Gnade, Bilder findet für die unzerstörbare Schönheit, an der er sich festhält, um nicht das ganze Universum mit sich zu reißen.
02.01.2011
Isobel Campbell / Mark Lanegan: Nuff said über den Zauber dieser Kollaboration. Live stellte sich wieder heraus, daß The Beauty manchmal etwas kauzig dasteht, während The Beast großzügig den Raum mit seiner inneren Schönheit flutet.
Die altpersische Hölle ist leicht zu erreichen: man geht ein Stückchen auf des Messers Schneide und fällt dann kopfüber.
Aus dem 7. Jahrhundert vor Christus stammt die altpersische Vorstellung, daß die Seele nach einem Jenseitsgericht von einem Mädchen und zwei Hunden zu einem Gestade gebracht wird; um auf die andere Seite zu gelangen, in das himmlische Reich, muß eine Brücke überschritten werden. Diese Brücke ist wie ein Schwert beschaffen; schmal wie die Schneide eines Schwertes. Die Seele des Gerechten fällt nicht von der Schneide. Die Seele des Ungerechten aber gelangt nur bis zu dem Punkt, an dem die Schwertbrücke am höchsten ist, von dort aus fällt sie in die Hölle, mannigfaltigen Qualen entgegen.
Zarathustra variierte diese Vorstellung. Die Seele, die beim Tod den Körper verläßt, ist weiterhin der Empfindung und der Bewegung fähig, so lehrte Zoroaster. Sie verweilt drei Tage in der Nähe des Leichnams. Am vierten Tag bricht sie zum Gerichtstermin auf, begleitet von einer Schar aus guten Geistern und bösen Dämonen.
Sie erscheint vor drei Richtern, die ihre Taten auf die Goldwaage legen. Wenn entschieden ist, ob die guten oder die bösen Taten überwiegen, steht ihr der Gang über die Brücke der scharfen Schneide bevor. Die Seele, die leicht über die Schneide kommt, verstärkt die Kraft des Guten im Reich des Ahura Mazda. Die böse Seele aber wird von den Dämonen aus dem Gleichgewicht gebracht und fällt in die immerwährende Finsternis der Hölle. Oder wird, nach anderer Version, vom Anblick der Mißgestalt ihrer eigenen dâenâ, ihrer eigenen gestaltgewordenen Bosheit, so erschreckt, daß sie fällt. Die Hölle hat den Namen „Haus der Lüge“.
1989 erschien ein Stück der Einstürzenden Neubauten mit dem Titel „Haus der Lüge“. Blixa Bargeld dürfte keine Beschreibung der persischen Hölle intendiert haben: sein „Haus der Lüge“ hat zwar wie die Hölle mehrere Geschosse, ist aber eher Vision des gesamten Weltenbaus. Im obersten Geschoß begeht Gott Selbstmord: „Gott hat sich erschossen / Ein Dachgeschoß wird ausgebaut“. Platz für die Willensfreiheit oder die Mächte des Bösen. Eben weil das „oder“ zwischen „Willensfreiheit“ und „Macht des Bösen“ zu oft durch ein Gleichheitszeichen ersetzbar schien, hat man die Hölle erfunden. Bargeld versetzt sich nach ganz unten, in die höllische Unterkellerung: „Untergeschoß / Dies ist ein Keller / Hier lebe ich / Dies hier ist dunkel, feucht und angenehm (…) Dies hier ist ein Schoß.“ Die sardonische Stimme könnte Swedenborgs Ansicht bestätigen, daß die Bösen im Genuß des Bösen leben.
Jedenfalls bestätigt sie den Schoß als den Ort, der Gott gefährlich wird.
„Ich hatte einen alten Onkel, welcher durchaus geradlinig dachte. Er stellte mich einmal auf der Straße und fragte: ‚Weißt du, womit der Teufel die Seelen in der Hölle plagt?‘ Ich verneinte, worauf er sagte: ‚Er läßt sie warten.'“ (C.G. Jung)
„Der Höllenhund sitzt ihm im Nacken“, titelte die Berliner Zeitung im März 2012, als „Blues Funeral“ erschienen war – heute, November 2013, bereits das vor–vorletzte Album von Mark Lanegan. Man könnte dagegenhalten, daß vielmehr Mark Lanegan dem Höllenhund im Genick sitzt. Immer dem Drachenschwanz nach. Zwei echte Hunde soll er besitzen (remember: ein Mädchen und zwei Hunde), aber alle Fakten zu Mark Lanegan wirken seltsam unwirklich. (So auch seine Vorliebe für das Basketball-Team der L. A. Clippers, ein Team im Schatten der Lakers, das es selten in die Play-offs schafft).
Die Hölle als postmortaler Aufenthaltsort ist ausgetauscht gegen die Idee: wenn wir nicht mehr in die Hölle kommen, kann die Hölle immer noch zu uns kommen. Ob als Privateigentum oder als zwischenmenschliche: die Hölle ist noch heiß. Brennend aktuell sozusagen. Hing früher das Seelenheil von der Frage ab: wie vermeide ich die Hölle?, so plagt den Privathöllenbewohner von heute vor allem die Frage: wie komme ich aus ihr wieder heraus? Die Hölle ist von einem Ort zu einem Zustand geworden.
Und Mark Lanegan ist von einem Mann zu einem Mythos geworden. Das Mysterium steht ihm besser als Fakten, weil die übernatürliche Tiefe seiner Stimme – und damit meine ich nicht nur „Lanegan’s subterranean rumble of a voice, sounding like it’s been dragged through the fires of hell more than once“, sondern vor allem die Intensität, die quality of being deep – buchstäblich den Abstand zwischen Himmel und Hölle öffnet. Weil sie den Raum zwischen Fegefeuer und Erlösung bebildert mit mythischer Dringlichkeit.
„They’re riding, they’re riding / a hellhound down the hill / They’re sinking, they’re sinking / into the ocean, beautiful and still.“ – Harborview Hospital
Weil sie einem gehört, der Höllenqualen ausgestanden hat. Weil sie einem gehört, der das Licht gesehen hat.
„Greg Dulli and Mark Lanegan“, schrieb pitchfork.com 2008, „are two of the most intimidating dudes in rock’n’roll, their lengthy discographies littered with bad drugs, bad women, and the violence (physical, emotional, and spiritual) that surrounds these bad situations.“
Im subterranen Mojo Club ist „When Your Number Isn’t Up“ das erste Stück. Es war auch 2010 im Uebel & Gefährlich das erste Stück. Vielleicht eine Art Fetisch, mit diesem Song zu beginnen. Du hättest schwören können, daß deine Nummer aufgerufen war. The blood running warm. Overdue to follow. But you’re still above the ground. Also ist noch Zeit auf des Messers Schneide. Immer dem Drachenschwanz nach. Muß der Weg sein zu einer sister of mercy, zur Sphinx. Muß.
Mark Lanegan trägt jetzt eine Brille. Auch so ein Trick. Im Mojo Club stehen Stuhlreihen, und wir sitzen in der ersten Reihe. Schuhgröße 48 oder so. Zwischen Songs wischt er mit diesen Schuhen manchmal über den Boden, als würde er Glut austreten da unten. Sehr weit unten. Zwei brillante Gitarristen: Jeff Fielder aus Seattle, den Lanegan durch Isobel Campbell traf (auf „Imitations“ ist Fielder zusammen mit Mark Johnson auf 10 der 12 Stücke zu hören), und Duke Garwood, der als special guest zuvor ein Solo-Set spielte, unfaßbar brillant und bad-ass. Zuweilen steuert Garwood auch eine Art Saxofon-drone bei. Vor Garwood war noch der Belgier Frederic Lyenn Jacques aufgetreten, bei Lanegans Set am Bass, auch schon 2012 in Lanegans Tourband. Veredelt wird der Abend noch durch zwei Streicher, die gelegentlich zu dezenter Percussion wechseln: Jonas Pap am Cello und Sietse van Gorkom, Violinist von Lady Dandelion.
„The Cherry Tree Carol“ von Lanegans „Dark Mark Does Christmas 2012“-EP, dann „One Way Street“, dann „The Gravedigger’s Song“ und „Phantasmagoria Blues“ von „Blues Funeral“.
„I have given to you Jane / A torn and tattered love / But do you hear the tolling bells / That ring down from above / I thought I’d rule like Charlemagne / But I’ve become corrupt / Now I crawl the promenade / To fill my empty cup“. Wie die Dinge so gehen, immer dem Drachenschwanz nach: das Album Phantasmagoria von The Damned gab dem Song seinen Namen: „That’s a favourite record of mine.“ Von mir zufällig auch. Das Mädchen auf dem Cover von Phantasmagoria ist heute übrigens Missus Nick. Susie Bick, verheiratet mit Nick Cave. Da wir beim Herzerwärmenden sind, man höre, was Lanegan über den großen, großen, großen John Cale sagt (dessen „I’m Not The Loving Kind“ er auf „Imitations“ covert):
„He’s been one of my heroes since I was a kid. I love all his records and all his different directions. If there’s anyone if I sort of used their career as a guidepost, it would be him because he just does exactly what he wants. It’s always interesting. It’s always great. He’s probably my favorite artist of all time.“
Es folgen fünf Songs aus dem Schwarzen Nachtisch, den Lanegan vor einigen Monaten mit Duke Garwood servierte – „War Memorial“, „Mescalito“, „Cold Molly“, „Driver“ und „Pentacostal“. Magische Intensität, die einen doch sehr ehrfürchtigen Enthusiasmus auslöst. Falls Sie es nicht wußten: enthousiasmós heißt des Gottes voll.
Dann die „Imitations“, die keine sind: „Pretty Colors“, „Mack The Knife“, „You Only Live Twice“ („the grandeur and drama of the Bond theme replaced by a delicate weariness“) und das herzzerreißende „Solitaire“, der Neil Sedaka-Song, den auch Andy Williams sang; alles, was jemals cheesy war an diesem Song, ist verflogen, Austreibung der Dämonen schließlich auch eine Spezialität von Lanegans Stimme.
Aus dem Nichts dann „Satellite Of Love“, ohne Ankündigung, wozu auch, wer nicht weiß, daß dies ein Song von Lou Reed und ein Salut an ihn ist, der wird auch alles andere nicht wissen, nie. Yours Truly ist den Tränen nah.
„There is no morphine, I’m only sleeping / There is no crime to dreams like this“. Wer nicht auf die Knie sinkt, wenn der große, große, große Chris Goss bei Lanegan auf diesem Refrain landet, well, ich werde nicht verraten, in welche altpersische Hölle das führt. „Mirrored“ und „On Jesus‘ Program“, für die Zugabe steht Lanegan nur mit Fielder auf der Bühne – ein furioses „Halo Of Ashes“.
Keine Ahnung, wie Lanegan durch die Menge an den Merch-Stand gekommen ist. Vermutlich auf übernatürliche Weise. Jedenfalls sitzt er irgendwann da und schreibt seinen rätselhaften Schriftzug auf irdische Produkte.
„Hello!“ sage ich.
„Hey man!“ sagt er, einer der „most intimidating dudes in rock’n’roll“.
„Und, wie war es?“, fragte die Mama im Kindergarten mich heute, aber sie meinte Nick Cave. Ich erzählte ihr, daß ich gestern Mark Lanegan die Hand gegeben habe. Frieda, her 7 year old girl, fragte, ob das Glück bringt. Ich sagte, ja, bestimmt. Frieda und ich gaben uns die Hand, und ich sagte, „Jetzt geht das Glück durch meine Hand in deine Hand.“ Sie sagte: „Aber dann hast du kein Glück mehr!“ Ich sagte: „Ich geb dir mein Glück.“
I’ll find some more, irgendwo auf des Messers Schneide.
Today’s Best Song Ever:
It comes to line the road with scarlet flowers Creatures begin to stir in a rush Through summer days that last a thousand hours Til nighttime drops down in a hush
A choir brightly sing Shine like an heirloom ring
Within the tomb that has the light interred In time will she release her prisoner No sound at all the cold is swallowing The rise and fall of some black hooded thing
A solitary bird Hides beneath its wing
Til ivy paints the wall with green again And all God’s creatures start to crawl From when the harvest moon is vanishing A lonely crow begins to call
Lanegan hat schon bei „Blues Funeral“ erklärt: „I was listening to a lot of Kraftwerk, Cluster, Harmonia, a lot of the Krautrock stuff.“ Auf „Phantom Radio“ / „No Bells On Sunday“ hat er diese Liebe noch dezidierter ausgelebt. „Waltzing In Blue“ haunted me. Something else, something strange, ätherisch, Lanegans Chor mit sich selbst erinnerte mich an irgend etwas Fernes, weit Entferntes. Then I got it. Dieses Eindringliche, Gebethafte der Musik, die Florian Fricke mit Popol Vuh für Werner Herzog-Filme schuf. „Waltzing In Blue“ erinnert mich an Popol Vuh.
Oh what can I say I’m bleeding for you Only a scratch Waltzing in Blue Oh I can’t see the day Blinded by you Faded away Waltzing in Blue No, nobody home They’ve gone out to play Gone to the ball Psychoses and all And love Love’s fevered stain Hour by hour Is down to decay Oh what can I say Still haunted by you Quiet as a ghost Waltzing in Blue